1. April 2015

Ernesto Ferrero: Die Geschichte von Quirina, dem Maulwurf und einem Garten in den Bergen

In einem lombardischen Bergdorf wohnt die über achtzigjährige Quirina. Seit vielen Jahren ist sie verwitwet und lebt allein. Und zwar gar nicht ungern, weil so Kompromisse und Streitigkeiten auf ein Minimum reduziert sind. Sie liebt das Lösen von Kreuzworträtseln und pflegt täglich ihren Garten. Wenige Nutzpflanzen wie Rosmarin, Salbei, Schnittlauch, Tomaten und Basilikum haben hier ihren Platz neben vielen Blumen und Blütensträuchern wie Zinnien, Pfingstrosen und Hortensien und in der Mitte des Rasens steht ein hundertjähriger Birnbaum.

Quirinas Alltag ist geprägt von langweiligen (aber das weiss sie noch gar nicht) Ritualen und langjährigen Gewohnheiten. Zu diesen gehört auch der morgendliche Kontrollgang durch den Garten. Hat der nächtliche Wind eine unerwartete Störung verursacht? Ordnung ist schliesslich ein Zeichen von geistig-moralischer Disziplin und hat nach Quirinas Meinung auch im Garten ihre Richtigkeit.

Die sparsame Dame empfindet bereits vom Birnbaum auf den Rasen heruntergefallene Blätter als persönlichen Affront und so verwundert sich die Leserin keinen Moment über Quirinas heftige Reaktion auf das plötzliche Erscheinen von kleinen Hügeln auf der gepflegten Grünfläche, die sich in der Folge jede Nacht vermehren. Umgehend soll wieder der "Vor-Maulwurf-Zustand" hergestellt werden. Doch die Erreichung dieses Ziels entpuppt sich als sehr schwierig.

Tatkräftig unterstützt wird Quirina in ihren Maulwurf-Vergrämungsversuchen von ihrer Tochter Maria Piera, einer passionierten Botanikerin, die zwar hinreichend erprobt ist im Kampf gegen des Gärtners Feinde wie Schildläuse, Spinnmilben, Mehltau, Nacktschnecken und Blattwickler, mit Maulwürfen bis anhin aber keine persönlichen Konfrontationen hatte. Diese Wissenslücke füllt sie mit nächtelangen Internet-Recherchen, in denen sie über die verschiedenen Methoden liest, wie Maulwürfe aus dem Garten zu vertreiben sind. Verschiedene Tipps werden ausprobiert, wie etwa jenen, Knoblauchzehen in die Gänge zu streuen, die Bekämpfung mit Wasser, Lärm und Metallröhren und die Verwendung von Fallen. Alle diese Versuche haben eines gemeinsam – sie verfehlen ihren Zweck.

Man muss seinen Feind kennen. Wie und wo spielt der Maulwurf eine Rolle? Quirina beginnt sich intensiv mit Maulwürfen auseinanderzusetzen und so erfährt man nebenbei von einer Literaturbeilage „Der Maulwurf“ und dass diese Tier in einem Buch von John le Carré eine wichtige Funktion innehat, aber auch in etlichen anderen literarischen Druckerzeugnissen.

Der Kampf gegen den Maulwurf ist zwar nicht zu gewinnen, aber dafür andere wichtige Erkenntnisse. Auf dem Umschlagrücken des illustrierten Büchleins steht perfekt formuliert (Zitat): „Eine bezaubernde philosophische Fabel über den Feind, der uns am Leben hält, indem er uns vor Perfektion bewahrt“.  



Ernesto Ferrero: 
Die Geschichte von Quirina, dem Maulwurf und einem Garten in den Bergen 
Verlag Antje Kunstmann, 2015