19. Mai 2011

Das Wunder kam beim Rasenmähen

Gleich vorweg: der Bezug zum Gärtnern beschränkt sich auf die Ausübung eines Hilfsjobs in einer Gärtnerei mit Schwerpunkt Unterhaltsarbeiten, das Umschlagsbild und eine spontane Gartenlektion einer Obdachlosen beim Gramercy Park in Manhattan. Dies ist absolut kein Grund auf die Lektüre dieser warmherzigen Erzählung voll witziger Dialoge zu verzichten. Schliesslich passiert es auch mir nicht wöchentlich, dass ich abends kurz vor elf Uhr mit der Lektüre eines neuen Buches beginne und dann gleich mal rasch hundert Seiten lese, bevor ich es widerstrebend weglege und endlich schlafen gehe.

Vor zwanzig Jahren hat Mickey DeFalco, inspiriert durch das plötzliche Verschwinden seiner grossen Liebe Lynn, den Song „Sweet Days“ geschrieben und damit einen Riesenhit gelandet. Leider blieb es bei diesem One-Hit-Wonder und nun, zwei Jahrzehnte später, ist nichts mehr von süssen Tagen übrig geblieben und der „California Dream“ ist ausgeträumt. Der mittlerweile 38jährige Mann kehrt mittellos zu seinen Eltern nach Little Neck zurück und schiebt wie seinerzeit als Jugendlicher Rasenmäher durch die Gärten und lässt sich ungesunde Auspuffgase ins Gesicht blasen.Hat sich in den langen Jahren seiner Abwesenheit in Little Neck tatsächlich nicht mehr verändert, als die mineralischen Ablagerungen in Form einer blau-grünen Zunge, die sich im schneeweissen Porzellanbecken seines Elternhauses gebildet haben?

Noch immer denkt Mickey tagtäglich an Lynn, die seinerzeit mitten in der Nacht ohne eine Nachricht zu hinterlassen einfach verschwunden ist. Ist Mickey ein Versager und nie richtig in der Erwachsenenwelt angekommen? Die Rückkehr an den Ort seiner Kindheit bietet aber auch Chancen. Er lernt an seinem Vater Seiten kennen, die ihm bis Dato unbekannt waren. Und dann erfährt er eines Tages während einer Arbeitspause, dass Lynn schon vor einigen Monaten nach Little Neck zurückgekehrt ist, um sich um ihre schwer kranke Mutter zu kümmern. Mickey fasst Mut und versucht hartnäckig, doch noch einen Zipfel vom Glück zu fassen. Ob es gelingt?

Das Ende der Erzählung lässt sich recht früh erahnen, aber in Anbetracht der sehr unterhaltsamen, flüssigen Lektüre habe ich das gerne in Kauf genommen. Auf vielen Seiten ist die Rede von Mickeys berühmten Ohrwurm „Sweet Days“, so dass ich diesen gerne auch mal anhören würde …



Charles Carrillo:
Das Wunder kam beim Rasenmähen
Pendo Verlag, 2010