Beth Chattos Gärten und die Gärtnerei werden von Gartenenthusiasten aus aller Welt besucht und ihre Bücher haben längst den Status von Standardwerken erreicht, auf die jeder echt vom grünen Virus Infizierte früher oder später stösst. Nach „Der Kiesgarten“ ist mit „Schattengarten“ nun endlich ein zweites Buch der Pflanzenkennerin auf Deutsch erschienen. Beth Chatto berichtet darin über die Entstehung ihres Waldgartens und lässt die Leser im Buchgarten die Veränderungen im Lauf der Jahreszeiten miterleben.
Die Kapitel sind wie folgt gegliedert
(die Aufzählung der Untertitel ist nur eine Auswahl):
- Die Anlage eines Waldgartens
- Zeit des Erwachens (von frühen Düften, Februarsonne, Narzissen)
- Zauber des Frühlings (The Long Shady Walk, robuste Bodendecker)
- Frühsommerliche Fülle (The Little Grassy Wood, elegante Farne)
- Bildteppiche des Hochsommers (aufregendes Blattwerk)
- Besonnte Flecken im Herbst (wandernde Anemonen)
- Im tiefen Winter (Schönheit der Blätter)
- Schattenverträgliche Pflanzen (riesige Auswahl geeigneter Pflanzen mit
Angabe von Härtezonen)
Ein gewaltiger Orkan fällt im Oktober 1987 unzählige Bäume auf dem Land der Chattos und hinterlässt ein Bild der Zerstörung, bietet aber gleichzeitig auch die Chance auf einen Neuanfang. Erhaltenswerte Eichen sollen die Kulisse für einen von Frühling bis in den Winter hinein durchgehend attraktiven Waldgarten abgeben, wo Pflanzen getreu dem Motto von Beth Chatto an einem dem Naturstandort entsprechenden Ort eingesetzt werden und wachsen können.
Die Autorin berichtet von der notwendigen Ausdauer, um Pflanzenschätzen wie Trillium ein geeignetes Mikroklima bieten zu können. Dabei hat sie im Hinterkopf ein Bild eines Gartens in Melbourne, wo die Waldlilien bei ihrem Besuch in einer Menge blühten wie in England die Blaukissen. Aber auch beim Leser kann beim Betrachten mancher Fotos leicht etwas Neid aufkommen. Oder vielleicht wird ja auch der gärtnerische Ehrgeiz etwas angestachelt? Jedenfalls lässt sich leicht nachfühlen, was die berühmte Gärtnerin empfindet, wenn sie nach jahrelanger Pflege an einem Pflanzenschatz die erste Blüte entdeckt – sie vergleicht das Erlebnis mit dem ersten Schultag eines eigenen Kindes.
Neben den vielen praktischen Tipps sind auch die Geschichten rund um die Herkunft von verschiedenen von Chattos Lieblingspflanzen sehr anregend. Solche stammen etwa aus dem Garten von Graham Thomas Stuart, von Christopher Lloyd oder auch von Isbert Preussler, ehemals Lehrling bei Karl Foerster und Chef der Züchtungsabteilung in der Staudengärtnerei Zeppelin. Immer wieder gibt die Autorin neben ihrem Fachwissen auch persönliche Einblicke. Sie erzählt beispielsweise, wie ihr das Altern zu schaffen macht – nicht nur am eigenen Körper, sondern auch am Reifeprozess des Gartens, der ihr immer wieder schwierige und schmerzhafte Entscheidungen abverlangt. Es gilt den Garten mit behutsamen oder auch drastischen Interventionen zu erhalten und zu stärken, während in den natürlichen Vorgang des Alterns beim Menschen nur beschränkt eingegriffen werden kann.
Beth Chatto und Steven Wooster (Fotografien):
Schattengarten – Die Pflanzen, die Jahreszeiten, die Stimmungen
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011
30. März 2011
27. März 2011
Grünes Glück – Geschichte eines Gartens
In der festen Absicht keinen neuen Garten anzulegen, zieht der Engländer Beverley Nichols während Mussolinis Versuch Abessinien zu erobern, in ein Stadthaus mit einem angrenzenden dreieckigen Flecken Land. Der Vorsatz wird ein erstes Mal strapaziert und durchlöchert, als der bereits als erfahrener und leidenschaftlicher Gärtner geltende Autor Platten für eine kleine Terrasse verlegen lässt. Eine ordentliche Terrasse hat nun aber gewöhnlich Anstoss an einen gepflegten Rasen, womit auch das nächste Projekt schnell beschlossene Sache ist. Das Anlegen der Grünfläche entpuppt sich als äusserst kostspielig, da vorgängig der Untergrund von allerhand Abfall befreit und vorbereitet werden muss und natürlich verlangt die alsbald daliegende Rasendecke nach weiteren gartengestalterischen Eingriffen - denn durch den Rasen wird die leidige Dreieckigkeit des Grundstücks noch deutlicher hervorgehoben.
Wochenlang werden in der Folge unzählige Skizzen entworfen, Gartenzeitschriften studiert und es wird mit Denkerstirn im Garten herumgetigert ohne eine befriedigende Lösung des zunehmend nervenden Problems zu finden. Ist tatsächlich ein weiterer Umzug nötig, um sich dieser lästigen Sorgen zu entledigen? Vor der endgültigen Kapitulation entdeckt Beverley Nichols den ersten Schritt zur für ihn stimmigen Gartengestaltung.
Bis es heisst „Das letzte Kapitel“ werden noch etliche Ideen und Rückschläge geschildert. Etwas seltsam mutet die Frage an die Leser an, ob sie ihre Pflanzen im Stadtgarten zu waschen pflegen, und zwar Blatt für Blatt mit Seifenwasser. Der schreibende Gärtner ist der Meinung, dass Grünzeug diese Prozedur viel nötiger hat als ein Baby, da ersteres ja unbestrittenermassen viel öfter an der sogenannten frischen Luft ist. Der Junggeselle fügt aber gleichzeitig an, in diesem Punkt wohl etwas voreingenommen zu sein.
Beverley Nichols ist und bleibt einer meiner bevorzugten Autoren von Gartenbüchern, die sich wie Romane lesen. Bleibt zu wünschen, dass dies nicht der letzte seiner Titel ist, der auf Deutsch erscheint (oder wieder erscheint). Seit der deutschsprachigen Publikation von Nichols' Gartenbüchern (*) sind ja schon etliche Jahre vergangen und bestimmt finden sich auch heute interessierte Leser und Gärtner für die vergnügliche Lektüre mit britischem Humor. Mehr über Beverley Nichols auch hier.
Beverley Nichols:
Grünes Glück – Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co., 2011
*)
Down the Garden Path - Grosse Liebe zu kleinen Gärten
A Village in a Valley - Das Dorf im Tal
Merry Hall - In ein Haus verliebt
Link zu Timber Press mit Leseproben hier.
Wochenlang werden in der Folge unzählige Skizzen entworfen, Gartenzeitschriften studiert und es wird mit Denkerstirn im Garten herumgetigert ohne eine befriedigende Lösung des zunehmend nervenden Problems zu finden. Ist tatsächlich ein weiterer Umzug nötig, um sich dieser lästigen Sorgen zu entledigen? Vor der endgültigen Kapitulation entdeckt Beverley Nichols den ersten Schritt zur für ihn stimmigen Gartengestaltung.
Bis es heisst „Das letzte Kapitel“ werden noch etliche Ideen und Rückschläge geschildert. Etwas seltsam mutet die Frage an die Leser an, ob sie ihre Pflanzen im Stadtgarten zu waschen pflegen, und zwar Blatt für Blatt mit Seifenwasser. Der schreibende Gärtner ist der Meinung, dass Grünzeug diese Prozedur viel nötiger hat als ein Baby, da ersteres ja unbestrittenermassen viel öfter an der sogenannten frischen Luft ist. Der Junggeselle fügt aber gleichzeitig an, in diesem Punkt wohl etwas voreingenommen zu sein.
Beverley Nichols ist und bleibt einer meiner bevorzugten Autoren von Gartenbüchern, die sich wie Romane lesen. Bleibt zu wünschen, dass dies nicht der letzte seiner Titel ist, der auf Deutsch erscheint (oder wieder erscheint). Seit der deutschsprachigen Publikation von Nichols' Gartenbüchern (*) sind ja schon etliche Jahre vergangen und bestimmt finden sich auch heute interessierte Leser und Gärtner für die vergnügliche Lektüre mit britischem Humor. Mehr über Beverley Nichols auch hier.
Beverley Nichols:
Grünes Glück – Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co., 2011
*)
Down the Garden Path - Grosse Liebe zu kleinen Gärten
A Village in a Valley - Das Dorf im Tal
Merry Hall - In ein Haus verliebt
Link zu Timber Press mit Leseproben hier.
24. März 2011
Die Geschichte vom grossen Baum – Film “The Tree”
Beim Lesen der Filmvorstellung „The Tree“ kam mir die Handlung gleich irgendwie bekannt vor. Gab es da nicht einmal ein Buch mit ähnlichem Inhalt? Tatsächlich basiert das Drehbuch auf der literarischen Vorlage von Judy Pascoe. Die Buchoriginalausgabe heisst „Our Father who art in the Tree“, die deutsche Übersetzung „Die Geschichte vom grossen Baum“.
Simon, die zehnjährige Ich-Erzählerin aus dem Roman voller Wunder ist im Film erst acht Jahre alt. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters und Ehemannes müssen sich die Zurückgebliebenen neu zurechtfinden. Simone findet Trost in ihrer Überzeugung, dass der Vater in dem mächtigen Baum vor dem Haus über seine Familie wacht und zieht sich immer wieder für Zwiegespräche in die Krone zurück. Die Lektüre der einfühlsamen Geschichte liegt schon eine Weile zurück, so dass ich mich nicht mehr an Details erinnern kann, ich weiss aber noch genau, dass mich der Roman sehr berührt hat.
Trotz (oder wegen?) der nicht überwältigenden Filmkritiken bin ich neugierig, wie die Geschichte im Film umgesetzt worden ist. Vielleicht schaffe ich es ja gelegentlich mal wieder ins Kino.
Judy Pascoe:
Die Geschichte vom grossen Baum
Knaur Taschenbuch, 2006
Simon, die zehnjährige Ich-Erzählerin aus dem Roman voller Wunder ist im Film erst acht Jahre alt. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters und Ehemannes müssen sich die Zurückgebliebenen neu zurechtfinden. Simone findet Trost in ihrer Überzeugung, dass der Vater in dem mächtigen Baum vor dem Haus über seine Familie wacht und zieht sich immer wieder für Zwiegespräche in die Krone zurück. Die Lektüre der einfühlsamen Geschichte liegt schon eine Weile zurück, so dass ich mich nicht mehr an Details erinnern kann, ich weiss aber noch genau, dass mich der Roman sehr berührt hat.
Trotz (oder wegen?) der nicht überwältigenden Filmkritiken bin ich neugierig, wie die Geschichte im Film umgesetzt worden ist. Vielleicht schaffe ich es ja gelegentlich mal wieder ins Kino.
Judy Pascoe:
Die Geschichte vom grossen Baum
Knaur Taschenbuch, 2006
21. März 2011
Mitteilungen aus meinem Garten
Diese Gartenkolumnen-Sammlung aus der Zeitschrift „Brigitte Woman“ ist genau nach meinem Geschmack: mit spitzer Feder geschrieben, fachkundig und treffend formuliert und doch humorvoll. Da ist die Rede von wurzelechten Freundschaften, täglichen Krankenbesuchen bei grünen Patienten mit Schere, Läusespray und Düngerbeutelchen, von Buchs mit Parodontose (Umschreibung für nacktes Holz, ähnlich freiliegenden Zahnhälsen).
„Garten-Kitsch“, „Gärtnern, schwarz auf weiss“, „SG’s und NG’s“, „Heikle Nachbarschaft“ oder „Sauwetter“ – welches ist Ihre Lieblingskolumne? Mehr als einmal habe ich mich nicht nur zwischen den Zeilen wiedererkannt. Und dies nicht nur im Kapitel „Oralgärtner“, wo sich die Autorin ziemlich despektierlich über Gartengestalter auslässt, die lieber in Bildbänden blättern als sich den Rücken krumm zu machen.
Eine Wohnung samt kleinem Garten weckte in Paula Almqvist bis anhin ungeahnte Gelüste nach einem eigenen Flecken Land, um in der Erde zu wühlen - Gelüste ähnlich denen, die bisher dem Anblick prächtiger Prada-Pumps vorbehalten gewesen waren. In ihrer Familie waren zwar etliche Mitglieder mit dem Gartenbazillus angesteckt, doch nach Almqvist’s herkömmlicher Meinung widmeten sich nur arme Irre dieser Freizeitbeschäftigung. Nun war aber plötzlich der Funke (oder ein Bazillus?) übergesprungen und sie liess sich auf Partys statt wie früher die Adresse eines angesagten Modefriseurs den Link eines Regenwurm-Versandhändlers geben. So leicht lässt sich die Vererbungslehre dann eben doch nicht austricksen!
Unbedingt lesen!
Paula Almqvist:
Mitteilungen aus meinem Garten
Schöffling & Co., 2011
PS: Auch wenn ich eindeutig mehr Zeit mit Lesen als mit Jäten & Co. verbringe, kenne ich Rückenschmerzen nicht nur vom Hörensagen (ich fühle mich auch gar nicht betroffen…)
„Garten-Kitsch“, „Gärtnern, schwarz auf weiss“, „SG’s und NG’s“, „Heikle Nachbarschaft“ oder „Sauwetter“ – welches ist Ihre Lieblingskolumne? Mehr als einmal habe ich mich nicht nur zwischen den Zeilen wiedererkannt. Und dies nicht nur im Kapitel „Oralgärtner“, wo sich die Autorin ziemlich despektierlich über Gartengestalter auslässt, die lieber in Bildbänden blättern als sich den Rücken krumm zu machen.
Eine Wohnung samt kleinem Garten weckte in Paula Almqvist bis anhin ungeahnte Gelüste nach einem eigenen Flecken Land, um in der Erde zu wühlen - Gelüste ähnlich denen, die bisher dem Anblick prächtiger Prada-Pumps vorbehalten gewesen waren. In ihrer Familie waren zwar etliche Mitglieder mit dem Gartenbazillus angesteckt, doch nach Almqvist’s herkömmlicher Meinung widmeten sich nur arme Irre dieser Freizeitbeschäftigung. Nun war aber plötzlich der Funke (oder ein Bazillus?) übergesprungen und sie liess sich auf Partys statt wie früher die Adresse eines angesagten Modefriseurs den Link eines Regenwurm-Versandhändlers geben. So leicht lässt sich die Vererbungslehre dann eben doch nicht austricksen!
Unbedingt lesen!
Paula Almqvist:
Mitteilungen aus meinem Garten
Schöffling & Co., 2011
PS: Auch wenn ich eindeutig mehr Zeit mit Lesen als mit Jäten & Co. verbringe, kenne ich Rückenschmerzen nicht nur vom Hörensagen (ich fühle mich auch gar nicht betroffen…)
18. März 2011
Bin im Garten!
Wenn ich ab und an meine Kinder in die Stadtbibliothek begleite, nehme ich mir immer ein paar Minuten Zeit, um in den aufliegenden Gartenzeitschriften zu blättern und speziell in „Kraut und Rüben“ die Kolumne von Susanne Wiborg zu lesen. Nun sind erneut vierundzwanzig dieser Glossen in Buchform erschienen, bebildert mit Illustrationen von Rotraut Susanne Berner.
Wie lange hält das Erfolgserlebnis über die erste mühsam erarbeitete gierschfreie Fläche an? Ist ein Blick über wunderbar einladende mit frischem Kompost versorgte Beete Entschädigung genug für die dafür eingehandelten ernsthaften Befürchtungen, das Bett nie mehr ohne ärztliche Hilfe verlassen zu können? Kann man ein Cyclamen-Trauma, zurückzuführen auf viele Jahre zurück erhaltene Geschenke mit lappigen Blättern und überdimensionalen dichten Blüten in knalligen Farben heilen? Die Antworten auf diese Fragen finden sich im Garten oder eben in Susanne Wiborgs Büchlein „Bin im Garten“.
„Bevölkerungskontrolle“, „wüchsig = Drohung“ und „botanisches Jenseits“ sind nur wenige von unzähligen Stichworten, um die herum die Autorin launige Geschichten verfasst hat, die Titel tragen wie „Remake im Hinterhof: Die Vögel“, „Allein mit dem Killer“, „Invasion der Riesenmaden“ oder „Besser spät als nie: Cyclamen“. Eine köstliche Leküre! Susanne Wiborg ist eine der profiliertesten deutschsprachigen Gartenjournalistinnen. Ihre ausgefeilten Texte über Flora und Fauna sind lehrreich und gleichzeitig unterhaltend. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Kolumnensammlung in Buchform.
Susanne Wiborg:
Bin im Garten!
Verlag Antje Kunstmann, 2011
Wie lange hält das Erfolgserlebnis über die erste mühsam erarbeitete gierschfreie Fläche an? Ist ein Blick über wunderbar einladende mit frischem Kompost versorgte Beete Entschädigung genug für die dafür eingehandelten ernsthaften Befürchtungen, das Bett nie mehr ohne ärztliche Hilfe verlassen zu können? Kann man ein Cyclamen-Trauma, zurückzuführen auf viele Jahre zurück erhaltene Geschenke mit lappigen Blättern und überdimensionalen dichten Blüten in knalligen Farben heilen? Die Antworten auf diese Fragen finden sich im Garten oder eben in Susanne Wiborgs Büchlein „Bin im Garten“.
„Bevölkerungskontrolle“, „wüchsig = Drohung“ und „botanisches Jenseits“ sind nur wenige von unzähligen Stichworten, um die herum die Autorin launige Geschichten verfasst hat, die Titel tragen wie „Remake im Hinterhof: Die Vögel“, „Allein mit dem Killer“, „Invasion der Riesenmaden“ oder „Besser spät als nie: Cyclamen“. Eine köstliche Leküre! Susanne Wiborg ist eine der profiliertesten deutschsprachigen Gartenjournalistinnen. Ihre ausgefeilten Texte über Flora und Fauna sind lehrreich und gleichzeitig unterhaltend. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Kolumnensammlung in Buchform.
Susanne Wiborg:
Bin im Garten!
Verlag Antje Kunstmann, 2011
14. März 2011
Die verborgene Sprache der Blumen
An ihrem (angenommenen) 18. Geburtstag kommt Victoria Jones in ein Übergangsheim. Statt sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen, legt sie in einem Park in San Francisco aus in Vorgärten, Spielplätzen und Schrebergärten ausgegrabenen Pflanzen einen Garten an und wird kurz darauf obdachlos, da sie die Miete nicht mehr bezahlen kann. Die Jahre davor ist die junge Frau zwischen Pflegefamilien und Waisenhäusern herum geschubst worden. Die bisher beste Zeit ihres Lebens hat sie als zehnjähriges Mädchen verbracht. Verschiedene Umstände haben aber die geplante Adoption durch Elisabeth verhindert. Die Sprache der Blumen aus dem viktorianischen Zeitalter ist neben einem Blumenbuch alles, was Victoria aus diesen Monaten geblieben ist – Erinnerungen an den einzigen Menschen, der sie bedingungslos geliebt hat.
Ihre Erfahrungen und Erlebnisse haben Victoria in eine zurückhaltende und schweigsame Frau verwandelt. In der Sprache der Blumen hat sie eine Kommunikationsform gefunden, die ihr entspricht. Jedoch eine ziemlich einseitige – wer kennt heutzutage schon noch die genaue Bedeutung von Erika (Einsamkeit), Geissblatt (Hingabe) oder Akazie (heimliche Liebe)? Doch eben diese Einseitigkeit vermittelt Veronica Sicherheit. Wenn nämlich niemand antwortet, sind weder Zurückweisungen noch Vertrautheit möglich.
Victorias florale Kenntnisse verschaffen ihr schliesslich eine Anstellung in einem Blumenladen und sie kann ihre Bleibe im Park unter Büschen durch eine Art Wohnschrank ersetzen, wo auch ihre wenigen Habseligkeiten, hauptsächlich botanische Bücher und viktorianische Gedichtbände, Schutz finden. Die blumigen Kunstwerke der jungen Frau entwickeln sich rasch vom Geheimtipp zum „must-have“. Und auf dem Blumengrossmarkt lernt Victoria einen Händler kennen, der ihre Sprache spricht. Mit Blumen werden Botschaften ausgetauscht. Gibt es für die junge Frau vielleicht doch eine Zukunft ohne Bindungsängste und mit viel Liebe?
Der Roman wird in parallel verlaufenden Erzählsträngen aus der Sicht des Mädchens Viktoria und der erwachsenen Victoria erzählt. Vanessa Diffenbaugh ist eine einfühlsame Geschichte über Mütter-Tochter-Verbindungen gelungen. Ihre eigenen Erfahrungen als Mutter und Pflegemutter stehen für die Authentizität. Am Schluss des Buches ist „Victorias Wörterbuch der Blumen“ abgedruckt (nicht jede Blume hat in den verschiedenen existierenden Büchern über die Sprache der Blume dieselbe Bedeutung). Sehr lesenswert!
Vanessa Diffenbaugh:
Die verborgene Sprache der Blumen
Droemer Verlag, 2011
Ihre Erfahrungen und Erlebnisse haben Victoria in eine zurückhaltende und schweigsame Frau verwandelt. In der Sprache der Blumen hat sie eine Kommunikationsform gefunden, die ihr entspricht. Jedoch eine ziemlich einseitige – wer kennt heutzutage schon noch die genaue Bedeutung von Erika (Einsamkeit), Geissblatt (Hingabe) oder Akazie (heimliche Liebe)? Doch eben diese Einseitigkeit vermittelt Veronica Sicherheit. Wenn nämlich niemand antwortet, sind weder Zurückweisungen noch Vertrautheit möglich.
Victorias florale Kenntnisse verschaffen ihr schliesslich eine Anstellung in einem Blumenladen und sie kann ihre Bleibe im Park unter Büschen durch eine Art Wohnschrank ersetzen, wo auch ihre wenigen Habseligkeiten, hauptsächlich botanische Bücher und viktorianische Gedichtbände, Schutz finden. Die blumigen Kunstwerke der jungen Frau entwickeln sich rasch vom Geheimtipp zum „must-have“. Und auf dem Blumengrossmarkt lernt Victoria einen Händler kennen, der ihre Sprache spricht. Mit Blumen werden Botschaften ausgetauscht. Gibt es für die junge Frau vielleicht doch eine Zukunft ohne Bindungsängste und mit viel Liebe?
Der Roman wird in parallel verlaufenden Erzählsträngen aus der Sicht des Mädchens Viktoria und der erwachsenen Victoria erzählt. Vanessa Diffenbaugh ist eine einfühlsame Geschichte über Mütter-Tochter-Verbindungen gelungen. Ihre eigenen Erfahrungen als Mutter und Pflegemutter stehen für die Authentizität. Am Schluss des Buches ist „Victorias Wörterbuch der Blumen“ abgedruckt (nicht jede Blume hat in den verschiedenen existierenden Büchern über die Sprache der Blume dieselbe Bedeutung). Sehr lesenswert!
Vanessa Diffenbaugh:
Die verborgene Sprache der Blumen
Droemer Verlag, 2011
10. März 2011
Greenprints per E-Letter
In den nächsten Tagen wird pünktlich zum Frühlingsbeginn die erste Ausgabe 2011 von „Greenprints“ im Briefkasten liegen. Die Seiten der quartalsweise erscheinenden Publikation von jenseits des Atlantiks sind mit gärtnerischen und blumigen Geschichten und dazu passenden Illustrationen bedruckt. Es geht nicht wie in den meisten anderen grünen Blättern um das How-To-Do, sondern um die menschlichen Aspekte beim Gärtnern. Hier habe ich „Greenprints“ schon einmal vorgestellt.
Anfang März ist nun der erste kostenlose E-Letter erschienen. Vorgesehen ist eine Ausgabe pro Monat. Neben einem Auszug aus Karel Capek’s „The Gardener’s Year“ ist auch ein Klassiker aus der „Greenprints“-Backlist vertreten: „My No-Grow Azaleas“. Des weiteren plaudert der Herausgeber Pat Stone über die Liebe zum Gärtnern.
Schauen Sie doch mal rein! Den kostenlosen E-Letter können Sie unter der Webseite "Greenprints" abonnieren.
Anfang März ist nun der erste kostenlose E-Letter erschienen. Vorgesehen ist eine Ausgabe pro Monat. Neben einem Auszug aus Karel Capek’s „The Gardener’s Year“ ist auch ein Klassiker aus der „Greenprints“-Backlist vertreten: „My No-Grow Azaleas“. Des weiteren plaudert der Herausgeber Pat Stone über die Liebe zum Gärtnern.
Schauen Sie doch mal rein! Den kostenlosen E-Letter können Sie unter der Webseite "Greenprints" abonnieren.
6. März 2011
Rosenduft und Liebeszauber
Was regelmässig im Radio angehörte Gartensendungen für Folgen haben können, lässt sich im Roman „Rosenduft und Liebeszauber“ von Julia Williams nachlesen. Wie die Autorin selber hört auch die junge Witwe Amy Nicholson regelmässig die Programme ihres Lieblingssenders.
Nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes zieht Amy mit ihrem kleinen Sohn Josh nach Nevermorewell in Suffolk. Eine Erbschaft hat es ihr ermöglicht, ihre finanziellen Verpflichtungen zu begleichen und nun möchte sie für sich und ihren Jungen auf dem Land eine neue Zukunft aufbauen. Mit dem Wegzug von London lässt sie die oft alles erdrückende Trauer ihrer Schwiegermutter Mary hinter sich, verzichtet aber gleichzeitig auf deren unbezahlbare Unterstützung. Amy mietet ein Häuschen samt Schrebergarten und verwirklicht damit einen alten Traum. Die ausgebildete Lehrerin mit einer abgeschlossenen Fortbildung als Gärtnerin verliebt sich auf der Stelle in diese kleine grüne Oase inmitten des Marktstädtchens.
Unter den anderen Parzellenbesitzern findet Amy rasch neue Freunde, wie etwa den 85jährigen Harry, der immer einen guten Rat und Vogelbeerschnaps auf Lager hat, den attraktiven Arzt Ben oder die überlastete dreifache Mutter Saffron, die keine Mühen scheut, etwas mehr Schwung in ihre Ehe zu bringen. Und es tritt sich perfekt, dass Amys Vermieterin ihre Geschäftspartnerin Saffron samt dem noch im Aufbau befindlichen Gartenbaubetrieb „Grüner Daumen“ im Stich gelassen hat und die junge Witwe so zu einem willkommenen Job kommt.
Julia Williams:
Rosenduft und Liebeszauber
Wilhelm Goldmann Verlag, 2011
Nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes zieht Amy mit ihrem kleinen Sohn Josh nach Nevermorewell in Suffolk. Eine Erbschaft hat es ihr ermöglicht, ihre finanziellen Verpflichtungen zu begleichen und nun möchte sie für sich und ihren Jungen auf dem Land eine neue Zukunft aufbauen. Mit dem Wegzug von London lässt sie die oft alles erdrückende Trauer ihrer Schwiegermutter Mary hinter sich, verzichtet aber gleichzeitig auf deren unbezahlbare Unterstützung. Amy mietet ein Häuschen samt Schrebergarten und verwirklicht damit einen alten Traum. Die ausgebildete Lehrerin mit einer abgeschlossenen Fortbildung als Gärtnerin verliebt sich auf der Stelle in diese kleine grüne Oase inmitten des Marktstädtchens.
Unter den anderen Parzellenbesitzern findet Amy rasch neue Freunde, wie etwa den 85jährigen Harry, der immer einen guten Rat und Vogelbeerschnaps auf Lager hat, den attraktiven Arzt Ben oder die überlastete dreifache Mutter Saffron, die keine Mühen scheut, etwas mehr Schwung in ihre Ehe zu bringen. Und es tritt sich perfekt, dass Amys Vermieterin ihre Geschäftspartnerin Saffron samt dem noch im Aufbau befindlichen Gartenbaubetrieb „Grüner Daumen“ im Stich gelassen hat und die junge Witwe so zu einem willkommenen Job kommt.
Julia Williams:
Rosenduft und Liebeszauber
Wilhelm Goldmann Verlag, 2011
2. März 2011
Thoughtful Gardening
Bis zur Kündigung des Zeitungs-Abos habe ich an einer früheren Arbeitsstelle jeweils die Samstagsausgabe der Financial Times erhalten, aus welcher ich regelmässig die Gartenkolumne herausgerissen habe. Die meisten der fein säuberlich abgelegten Artikel stammen von Robin Lane Fox und ich blättere auch heutzutage noch gelegentlich im Ordner und lese mich meistens schnell in den interessanten Glossen fest.
Eine Auswahl aus mittlerweile fast 40 Jahren an wöchentlichen Financial Times-Gartenkolumnen von Robin Lane Fox ist kürzlich unter dem Titel „Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners“ in Buchform erschienen. Aufgeteilt nach Jahreszeiten erfährt man von einem Besuch an der holländischen Börse, wie der Kolumnist dazu kam, seine Ansichten über den richtigen Standort für Schneeglöckchen anzupassen oder über „Sophie’s World“, die nichts mit dem gleichnamigen Buch von Jostein Gaarder zu tun hat. Nicht nur für Eidgenossen lesenswert ist das Kapitel mit der Überschrift „On the Schynige Platte“. Besonders gefallen haben mit die Beiträge über Christopher Lloyd, Rosemary Verey, Valerie Finnis und Arthur Hellyer (Robin Lane Fox’s Vorgänger als Gartenkolumnist bei der Financial Times).
Erstaunlich, dass dies nach 24 Jahren das erste von Robin Lane Fox veröffentlichte Gartenbuch ist. Jedenfalls hat sich das Warten gelohnt. Soweit ich feststellen konnte, ist kein Artikel aus meiner kleinen Kolumnensammlung im Buch abgedruckt. Also werde ich diesen bald 20jährigen „Schatz“ an vergilbten Zeitungsartikeln weiterhin in Ehren halten.
Robin Lane Fox:
Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners
Particular Books, 2010
Eine Auswahl aus mittlerweile fast 40 Jahren an wöchentlichen Financial Times-Gartenkolumnen von Robin Lane Fox ist kürzlich unter dem Titel „Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners“ in Buchform erschienen. Aufgeteilt nach Jahreszeiten erfährt man von einem Besuch an der holländischen Börse, wie der Kolumnist dazu kam, seine Ansichten über den richtigen Standort für Schneeglöckchen anzupassen oder über „Sophie’s World“, die nichts mit dem gleichnamigen Buch von Jostein Gaarder zu tun hat. Nicht nur für Eidgenossen lesenswert ist das Kapitel mit der Überschrift „On the Schynige Platte“. Besonders gefallen haben mit die Beiträge über Christopher Lloyd, Rosemary Verey, Valerie Finnis und Arthur Hellyer (Robin Lane Fox’s Vorgänger als Gartenkolumnist bei der Financial Times).
Erstaunlich, dass dies nach 24 Jahren das erste von Robin Lane Fox veröffentlichte Gartenbuch ist. Jedenfalls hat sich das Warten gelohnt. Soweit ich feststellen konnte, ist kein Artikel aus meiner kleinen Kolumnensammlung im Buch abgedruckt. Also werde ich diesen bald 20jährigen „Schatz“ an vergilbten Zeitungsartikeln weiterhin in Ehren halten.
Robin Lane Fox:
Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners
Particular Books, 2010
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