1. September 2015

Bettina Plecher: Giftgrün

Ist die tödliche Verwechslung von Bärlauch und Herbstzeitlosen eines Hobbykochs der Grund für den Tod von Gabor Nader? Oder sind tatsächlich Zweifel angebracht und es könnte ein kalkulierter Mord dahinter stecken? Der charismatische, ehrgeizige Professor Nader ist erst kürzlich von Würzburg nach München gezogen und hat eine Stelle als leitender Oberarzt angetreten. Jeden Samstag hat er jemanden oder eine Gruppe aus der Klinik zu seinem „Jour fixe“ eingeladen und kulinarisch verwöhnt. Wer war sein letzter Gast?

Die fünfundzwanzigjährige Frieda May ist ihrem Doktorvater von Würzburg nach München gefolgt und tritt just an dem Tag, an dem Nader mit einer schweren Vergiftung in die Klinik eingewiesen wird, ihre erste richtige Stelle als Stationsärztin an. Einquartiert ist sie in der Wohnung von Quirin Quast, einem Doktor in Medizin und Chemie, spezialisiert auf klinische Toxologie. Nader und Quast haben in jungen Jahren zusammen geforscht und erfolgreich ihre Resultate in Fachzeitschriften publiziert. Doch während ersterer die Karriereleiter emporstieg, trägt letzterer seit Jahrzehnten belastende Schuldgefühle mit sich herum und ist zum Einzelgänger mutiert.

Frieda May, ein wenig verliebt in ihren Doktorvater, mag nicht an eine botanische Verwechslung glauben und beginnt in der Vergangenheit von Nader zu wühlen. Dabei tritt sie dem vierundvierzigjährigen Quast oft zu nahe und erfährt schliesslich von aus dem Ruder gelaufenen Selbst-Forschungsprojekten. Auch Quast kann sich keinen unglücklichen Zufall als Ursache von Naders Tod vorstellen und hat den Eindruck, der Verstorbene habe ihm Delirium den Auftrag erteilt, seinen „Fall“ aufzuklären. Wer also hatte ein Interesse daran, Nader zu vergiften? Und warum?

Ein unterhaltsamer Krimi mit Münchner Lokalkolorit, der Einblick in den Klinikalltag gibt und mit zwei Fällen aufwartet – einem Mord und einem Wissenschaftsbetrug.  



Bettina Plecher: 
Giftgrün 
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2013