23. Juni 2017

Ilke S. Prick: Vergissmeinnicht war gestern

«Eine glückliche Beziehung, ein fester Job, ein gemütliches Sofa… - Alles scheint perfekt in Mariekes Leben – bis sie sich plötzlich allein mit siebzehn Umzugskisten in einer fremden Hinterhauswohnung findet. Zurück auf Start?» Mit diesen Zeilen wird der Roman «Vergissmeinnicht war gestern» auf der Umschlagrückseite beworben. Für gärtnernde Leserinnen lege ich den Fokus dieser Buchvorstellung aber wie üblich auf die hortikulturellen Passagen, die ungefähr ab Seite 100 richtig beginnen. Jedenfalls, wenn die durchweg blumigen oder botanischen Kapitelüberschriften wie «Fette Henne», «Frühblüher», "Asphaltblüten", "Moos-Graffiti" und «Zuchhini-Schwemme» ausser Acht gelassen werden. 

Grund für Mariekes plötzlichen Auszug ist die Untreue von Jochen, ihrem Partner und Arbeitgeber. Die 46Jährige versucht, diesen Schock zu verdauen und wird dabei mehr oder weniger nützlich von Freundin und Schwester unterstützt, deren Ratschläge kaum unterschiedlicher sein könnten. Letztere ist Paartherapeutin mit einem Vorzeigeleben und empfiehlt, die Beziehung zu retten. Doch erst einmal kündigt Marieke ihre Stelle beim Zahnarzt und Ex-Partner und fängt wieder an, Taxi zu fahren und die ehemalige Kunststudentin beginnt auch wieder zu malen. 

Mariekes Übergangswohnung befindet sich in einem Gebäude, wo eine ausgezeichnete Nachbarschaft gepflegt wird und die Neuzuzügerin findet rasch einen guten Draht zu den Mitbewohnern. Im Gegenzug für ihre Unterstützung einer Abiturientin im Fach Kunst erhält sie Zuwachs für ihren Balkon, wo bis jetzt einzig und allein eine Fette Henne die Welt der Botanik vertritt. Schon bald ist Marieke, die den hortikulturellen Eifer ihrer Nachbarinnen zunächst etwas erstaunt belächelt hat, vom grünen Virus infiziert und unterstützt ihre kreative Nachbarschaft tatkräftig beim intensiven Hinterhofgärtnern. Und auf ihren Taxitouren ins Umland macht sie neu schon mal einen Abstecher in eine Gärtnerei, wo sie beispielsweise Malven und Kornblumen kauft. Erst jetzt fällt der Mitvierzigerin auf, dass ihre Stadt überall grüner und bunter wird. Stahl- und Betonkonzepte werden durch Frühblüher in Konservendosen und Gewächse in Milchtüten sowie Bienenkörbe und Ameisenbauten aufgelockert, was die Planer auf dem Reissbrett so nicht vorgesehen haben.

Im Hinterhof selber werden durch die engagierten Bewohner direkt neben dem Biomüll Kartoffeln in alten Reissäcken gezogen, Kräuter und Waldbeeren wachsen in Kästen, die an der Überdachung der Mülltonnen hängen, und das Herzstück des Gemüsegartens sind Hügelbeete. Im Sommer ist der Hinterhof ein Traum in grün und bunt, in dem farbige Blumen um die Wette blühen. Auch die Gemüsevielfalt ist riesig und es können Rote Beete, Mangold, verschiedene Salate, Tomaten, Bohnen, Kürbisse, Zucchetti und anderes mehr geerntet werden. Letztere wie vielerorts üblich in rauen Mengen, so dass trotz entsprechender Versuche niemand mehr für Zucchinipasta, Zucchini-Pizza, Zucchini-Reispfanne, Zucchini-Chutney, gegrillte, gedünstete oder pürierte Zucchini begeistert werden kann.

Zum hortikulturellen Hintergrund gehören ausserdem eine Terrasse mit immergrünen Büschen, Gräsern, Farnen, Ginkgo und Bambus sowie ein interkultureller Gemeinschaftsgarten namens «Flotte Schalotte- Garten für alle» auf einem ehemaligen Industriegebiet und eine wichtige Rolle spielt Guerilla Gardening. 

Um den Roman nicht ganz aufs Gärtnerische zu reduzieren noch ein paar Stichworte zum weiteren Inhalt: es gibt einen interessanten Nachbarn, der scheinbar ein Geheimnis verbirgt und plötzlich hat Marieke einen Mitbewohner, nämlich einen Hund. Ausserdem wirbt ihr Ex wieder um sie. Doch was will eigentlich Marieke? Revanche oder zurück in ihr altes, vertrautes Leben inklusive gepflegter Langeweile? Auch innerfamiliär gibt es einiges zu klären. Etwa die distanzierte Beziehung zu ihrem Vater, die zurückgeht auf die nebulösen Umstände und das aus frühester Kindheit und durch den Tod von Mariekes Mutter ausgelöste Trauma sowie die Feststellung, dass auch im vordergründig perfekten Leben ihrer Schwester nicht alles beneidenswert ist. Für Entspannung im Kopfkino der Leserin sorgt auch die wiederholte Erwähnung eines ganz besonderen Blautons. Ob ich zuviel verrate, wenn ich noch hinzufüge, dass die Übergangslösung bald durch ein anderes Stadium am neuen Wohnort abgelöst wird



Ilke S. Prick: 
Vergissmeinnicht war gestern 
Insel Verlag, 2016

15. Juni 2017

Holly Webb: Return to the Secret Garden

Der zeitlose Jugendbuchklassiker «Der geheime Garten» von Frances Hodgson Burnett ist seit seinem Erscheinen im Jahr 1911 in fast unzählige Sprachen übersetzt und auch mehrfach verfilmt worden. Ich besitze selber eine kleine Sammlung von verschiedensprachigen Buchausgaben (die ich längst nicht alle verstehe), ein Bühnenbilderbuch sowie einige DVDs und Hörbücher. In ausländischen Buchhandlungen versuche ich wenn immer möglich, lokale Ausgaben des Buches zu ergattern. Manchmal klappt es. Letztes Jahr in Slowenien war die Nachfrage leider erfolglos, da die aktuellste Ausgabe vergriffen war. Die Autorin Holly Webb hat sich der Aufgabe gestellt, eine Fortsetzung dieses berühmten Kinderbuchs zu schreiben, die rund dreissig Jahre nach dem Original spielt. Ihre Gründe warum und weshalb sie dies getan hat, lassen sich in einem Interview im Anschluss an das Buch «Return to the Secret Garden» lesen. Zum Inhalt:

Wegen der erwarteten Bombenangriffe müssen sämtliche Bewohnerinnen und Bewohner das Waisenhaus «Craven Home for Orphaned Children» verlassen. Ein paar Kleider, abgenutztes Spielzeug und eine Gasmaske sind alles, was die Waisen auf sich tragen, als sie 1939 aus London evakuiert werden. Ihr Ziel ist Misselthwaite Manor in Yorkshire. Unter dieser Gruppe von Kindern ist auch Emmie, eine einsame Einzelgängerin. Ihre beste Freundin ist eine abgemagerte Katze, die regelmässig auftaucht, um sich von ihr füttern zu lassen, und hernach wieder verschwindet. Doch davon darf niemand im Heim etwas wissen. Mädchen und Katze sind ähnlich kratzbürstig und passen so recht gut zusammen. Emmies Versuch, die Katze Lucy heimlich aus dem Haus zu schmuggeln und mit auf die Reise zu nehmen misslingt und das Mädchen ist untröstlich. 

In Misselthwaite gibt es ausser zwei gemeinen Jungen keine Kinder in Emmies Alter und an dem riesigen staubigen Gebäude mag sie keinen Gefallen finden. Sie kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, sich in dieser verlassenen ländlichen Gegend jemals wohl zu fühlen. Der Sohn der Besitzerin seinerseits scheint auch gar nicht begeistert über die vielen Neuankömmlinge aus der Grossstadt zu sein. Aber immerhin sind die Besitzerin des Herrenhauses und das Personal sehr freundlich und besonders zum Gärtner hat Emmie von Beginn weg einen recht guten Draht. 

Rascher als erwartet, gewöhnt sich Emmie an den neuen Tagesablauf, der so ganz anders ist als es der in London war. Nach den Schullektionen findet sie immer wieder Zeit, alleine die verschiedenen riesigen Gärten rund ums Herrenhaus zu erkundigen und sie schliesst eine Art Freundschaft mit einem Rotkehlchen. Schliesslich findet sie in ihrem Zimmer in einem Schrank zufällig die Tagebücher einer Mary Lennox mit Einträgen aus dem Jahr 1910 und erfährt dadurch von der Existenz eines geheimen Gartens, zu welchem sie sogar den Schlüssel und damit den Zugang findet. Als sie herausfindet, dass der Garten gar kein geheimer Garten (mehr) ist, ist sie zunächst jedoch sehr enttäuscht. Es gibt noch ein weiteres Rätsel zu lösen. So nimmt sie eines nachts all ihren Mut zusammen und geht dem verzweifelten Schluchzen auf den Grund, das sie immer wieder durch die dunklen Yorkshirer Nächte hört.

Die vor meiner Lektüre dieser Fortsetzung flüchtig gelesenen englischen Buchkritiken waren fast durchwegs positiv, wenn nicht sogar überschwänglich. Mich selber hat diese Fortsetzung etwas zwiespältig zurückgelassen. Das Vorgängerbuch habe ich schon länger nicht mehr gelesen, aber die Fortsetzung erscheint mir sehr ähnlich. Anderes Jahrzehnt, andere Kinder, aber neben dem identischen Handlungsort sind auch die Handlung samt Entdeckung des geheimen Gartens, der Freundschaft zu einem Rotkehlchen sowie die Charaktere der wichtigen Personen teilweise fast identisch. Ich hätte mir neben dem Auftreten von Mary und Dickon als Erwachsene eindeutig mehr neue Ideen und/oder Überraschungen gewünscht. 



Holly Webb: 
Return to the Secret Garden 
Scholastic Children Books, 2015

8. Juni 2017

Abbie Waxman: Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen

Seit rund drei Jahren ist die vierunddreissigjährige Lili verwitwet, nachdem ihr Mann Dan bei einem schweren Autounfall direkt vor dem gemeinsamen Haus ums Leben gekommen ist. Sein Tod hat sie völlig aus der Bahn geworfen. Monatelang war sie in einer Klinik, unfähig sich im Alltag zurechtzufinden und sie hat es nur ihrer Schwester Rahel zu verdanken, dass ihre Kinder nicht fremdplatziert wurden. Noch heute trauert Lili tief um Dan und er ist durch ihre ständigen Zwiegespräche mit ihm nach wie vor omnipräsent. Die alleinerziehnde Frau würde den Alltag mit ihren beiden sieben- und fünfjährigen Mädchen Annabell und Clare niemals ohne ihre immer noch jederzeitig tatkräftig unterstützenden Schwester sowie die Babysitterin Leah meistern können. Immer wieder fühlt sich Lili völlig überfordert und obwohl sie ihre Kinder über alles liebt, würde sie ab und an liebend gerne einfach alles stehen und liegen lassen und verschwinden. Doch für die Töchter will und muss sie stark sein - sie sollen nicht durch ihre Trauer (über)belastet werden. 

Wenigstens hat sie keine finanziellen Sorgen. Das kleine Häuschen, in dem die Familie lebt, ist abbezahlt und sie hat einen (vermeintlich) sicheren Job als Illustratorin in einem Schulbuchverlag. Doch nun erfährt sie von ihrer Vorgesetzten, dass es gar nicht rosig um die Finanzen ihres Arbeitgebers steht. Alle Hoffnungen, Entlassungen vermeiden zu können, ruhen auf einem potentiellen Grossauftrag.  Die Bloem Company, ein riesiges Saatgutunternehmen aus Holland, das auch auch Blumen- und Pflanzenratgeber herausgibt, möchte nämlich eine neue Gemüsebuchreihe handgezeichnet illustrieren lassen. Die Bilder sollen künsterisch wertvoll sein, so dass die Bücher das Zeug zu einem Klassiker haben. Ausserdem verlangt der Auftraggeber, dass die Illustratorin vorab an einem Gärtnerkurs teilnimmt. Da Lili diese Verantwortung aufgebürdet wird, sind die nächsten Samstagmorgen verplant. 

Mit Kindern und Schwester nimmt sie an diesem Gärtnerkurs im Botanischen Garten von Los Angeles teil, der von Edward, einem der Bloem-Söhne, geleitet wird. Die verschiedenen Kursteilnehmer samt dem Leiter bilden eine bunt zusammengewürfelte Gruppe. Es sind völlig unterschiedliche Leute mit verschiedenen Interessen und Charakteren, die sich aber im Laufe des Sommers parallel zum Wachstum der Pflanzen in den neu angelegten Beeten trotzdem gut anfreunden. Man unterstützt sich gegenseitig in privaten Gartenbelangen und zwei der jüngeren Kursteilnehme finden zueinander. Auch zwischen Lili und dem Kursleiter Edward knistert es heftig. Die beiden treffen sich auch privat - mit und ohne die anderen Kursteilnehmer - und Edward erobert das Herz der Kinder mit einem Feengarten mitsamt allem Drum und Dran. Doch so einfach geht es dann doch nicht, sich in in der Kleinfamilie einen festen Platz zu ergattern. Lili ist noch nicht bereit, sich auf eine neue Beziehung einzulassen, obwohl ihr Herz und ihr Verstand unterschiedlich auf Edwards "Sprache durch die Blumen" oder besser "Sprache durchs Gemüse" reagieren. 

Während dem Sommer wird der Schulvorlag umstrukturiert und Lili gehört zu denen, die die ihre Stelle verlieren. Nach reiflicher Überlegung beschliesst sie, den Schritt in die berufliche Selbständigkeit zu wagen. So bekommt neben dem kleinen Hinterhof, der seinen bisherigen einzigen Daseinszweck als Abstellplatz verliert und in eine grüne Oase umgewandelt wird, auch die Garage eine neue Funktion. Was bleibt am Kursende übrig ausser der Ernte von Maiskolben, Kürbissen, Gartenbohnen, Salaten und Edwards Plan, ein Buch über den Lehrgang zu schreiben? 

Ein traurig-schöner Roman voller Selbstkritik, Sarkasmus und Selbstironie. Das Ende bleibt teilweise offen, lässt die Leserin aber postitiv hoffend zurück. Nicht nur die Pflanzen wachsen, auch die einzelnen Kursteilnehmer verändern sich. Wie etwa Lili, die versucht Vorurteile abzustreifen oder erst gar nicht mehr aufkommen zu lassen und die sich daran macht, die schwierige Beziehung zu ihrer nur auf ihre eigene Schönheit bedachten, ich-bezogenen und unangenehm direkten Mutter nicht mehr ständig zu hinterfragen. 

Alle Kapitel werden mit einseitigen Gartentipps eingeleitet, die beispielsweise betitelt sind mit «Die Zusammensetzung von Pflanzenerde», «Wie man Tomaten zieht», «Wie man Brokkoli anbaut», «Wie man Erbsen zieht» und «Partnerpflanzen». 



Abbie Waxman: 
Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen 
Rowohlt Verlag, 2017

1. Juni 2017

Caroline Bernard: Rendezvous im Café de Flore

Lily Marlène, genannt Marlène, ist nicht nur mit ihrem Namen unzufrieden. Die 39jährige Frau hat seinerzeit ihr geliebtes Studium an der Sorbonne in Paris aus familiären Gründen abgebrochen und bald darauf Jean-Louis geheiratet. Die ungewollte Kinderlosigkeit ist nur eine von etlichen Belastungen, unter denen die Beziehung der beiden leidet. Marlènes Leben dümpelt zwischen Arbeit und Verpflichtungen und immer öfter stellt sie sich die Frage, ob sie tatsächlich so weitermachen soll und will. Der zehnjährige Hochzeitstag steht bevor und Jean-Louis lädt seine Frau als Überraschung in ihre Lieblingsstadt ein. Ist in Paris ein Neuanfang für die beiden möglich? 

Paris mit Jean-Louis fühlt sich jedoch vom ersten Moment an falsch an. Die unterschiedlichen Interessen der beiden prallen hier mit voller Wucht aufeinander. Als Marlène feststellt, dass der eigentliche Grund für das Wochenende in der französischen Hauptstadt der Besuch einer Automesse ist, bricht ein weiterer heftiger Streit aus und die beiden verbringen den Hochzeitstag getrennt; er mit einer anderen Frau an der Messe, sie im Museum. 

Im Raum mit Malerei aus der Vorkriegszeit des Musée d’Orsay glaubt Marlène unvermittelt, vor einem Spiegel zu stehen. Auf einem Gemälde ist eine Frau zu sehen, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Sogar der Leberfleck ist am gleichen Ort. Die zufällige Entdeckung wühlt sie auf. Während sie überlegt, wer die Frau sein könnte und dass sie eine Vorfahrin väterlicherseits sein muss, wird Marlène von einem anderen Museumsbesucher angesprochen, dem die frappante Ähnlichkeit zwischen ihr und dem Bild ebenfalls aufgefallen ist. Er stellt sich als Auktionator Etienne Viardet vor und lädt sie ein, in seinem Büro nach Informationen über den Maler und das Modell zu suchen. Und Marlène geht ganz spontan mit. 

Ende der 20er Jahre im letzten Jahrhundert ist eine andere Frau mit ihrem Leben unzufrieden. Die siebzehnjährige Vianne träumt davon Botanikerin zu werden. Ihre Leidenschaft gehört Blüten, Knospen, Blättern und Wurzeln. Auf unzähligen Streifzügen durch die Umgebung ihres Heimatdorfes hat sie sich ein beeindruckendes Wissen angeeignet. Sie fertigt botanische Zeichnungen an und hat ein eigenes Herbarium angelegt. Doch für eine junge Frau schickt es sich nicht, mit der Botanisiertrommel Wald und Wiesen zu erkunden. Vianne mag sich aber nicht weiter einengen lassen und ständig rechtfertigen müssen. Sie verlässt heimlich ihre Familie, um in Paris ihr Glück zu suchen. 

Ihr erster von vielen weiteren Besuchen im botanischen Garten ist ein prägendes Erlebnis. Sie ist tief beeindruckt von den zu Alleen geschnittene Hecken und den Wintergärten mit verschiedenen Klimazonen, aber ins Innere des Instituts schafft sie es nicht. Vorläufig. Sie arbeitet seit rund zwei Jahren hart als Wäscherin, als sich durch einen Zufall ihr Traum, in einem botanischen Garten zu arbeiten, tatsächlich erfüllt - sie ergattert eine Stelle als Assistentin im Jardin des Plantes. Ihr Tätigkeitsgebiet umfasst alles, was sonst keiner macht, wozu Katalogisieren, Pflanzen vorbereiten, Briefe schreiben und das Labor reinigen gehören. 

Privat verliebt sie sich in den englischen Maler David, dem sie häufig Model steht, und sie verkehrt in den Pariser Künstlerkreisen. Der Ausbruch des zweiten Weltkriegs und die Besatzung Frankreichs durch die Deutschen stellt Viannes Leben auf den Kopf. David hat in seine Heimat zurückkehren müssen und die geborene Kämpferin schliesst sich der Résistence an. 

Die Erzählung wechselt zwischen zwei Ebenen und verknüpft historische Elemente mit Fiktion. Die Entdeckung ihrer unbekannten Vorfahrin holt in Marlène die längst vergessene Freude am Recherchieren wieder an die Oberfläche. Von ihrem Vater erhält sie einige wenige Hinweise und beginnt ihre Suche in Kirchenarchiven. Doch nicht nur das Rätsel um die Herkunft der geheimnisvollen Frau auf dem Bild beschäftigt Marlène. Die Begegnung mit dem kultivierten, verwitweten Etienne, der ganz offensichtlich um sie wirbt, veranlasst sie, endlich ganz konkret darüber nachzudenken, auf ihrem Lebensweg eine andere Richtung einzuschlagen. 



Caroline Bernard: 
Rendezvous im Café de Flore 
Aufbau Verlag, 2016