10. Oktober 2012

Wieder mal ein Fehlkauf

Dieses Buch war ein unüberlegter Spontankauf. Und noch etwas genauer formuliert: ein Fehlkauf. Aber warum kaufe ich auch ein Buch ohne genaue Inhaltsinformationen, aber mit Gedanken im Hinterkopf, von der Autorin schon mal etwas gelesen zu haben („Wilde Orangen“), das mir überhaupt nicht gefallen hat?

Auslöser für den Kaufentscheid war der Hinweis im Klappentext, wo davon die Rede ist von „sich in die Gartenarbeit zu stürzen“ und ein bisschen wohl auch das schöne grüne Umschlagbild. Botanisches kommt denn auch tatsächlich einiges in der Lektüre vor, doch irgendwie wurde ich mit der Geschichte einfach nicht richtig warm. Ich fand das Buch grösstenteils einfach nur langweilig. Auch wenn sich die Rezensenten mit Lob für dieses Buch überschlagen und es sogar kurz und bündig heisst „Zum Niederknien“. Statt mir noch allzuviele Gedanken über einen Artikel zu diesem Roman zu machen, knie ich mich lieber im Garten nieder, um endlich die letzthin grosszügig eingekauften Blumenzwiebeln einzubuddeln… Aber nun zum Inhalt:

Die Ich-Erzählerin, deren Theologiestudium ihr weder einen Beruf noch einen Mann eingebracht hat, schaut Heiratsannoncen durch, doch kein Inserent kann sich mit den Protagonisten aus der von ihr geliebten Weltliteratur auch nur annähernd messen und es verirrt sich auch kein Prinz auf das abgeschiedene Gut in Südfrankreich, wo sie mit ihrer Tante lebt. Die beiden Frauen widmen sich neben der Lektüre von guten Büchern hauptsächlich der Gartenarbeit. Eifrig wird gesät, gefegt, gerecht, gehackt, geschnitten, gestreut, gemäht, gepflanzt, gesät, gewässert und geerntet. Da wird zur Desinfektion Asche auf die Beete gestreut und im Rucksack, der als Botanisiertrommel dient, werden von überall her Wuzeln, Knollen und Samen nach Hause gebracht und die Nichte wird tagtäglich in Botanik unterrichtet.

So ist jede Pflanze im Garten mit einer Geschichte aus dem Leben der Tante verbunden. Und man erfährt, dass die Tante ihr ganzes Talent an den Garten und dessen Bepflanzung verschwendet, aber bei weitem nicht in der gleichen Liga gärtnert wie etwa Vita Sackville-West oder Elisabeth von Arnim. In erster Linie dient der Garten denn auch als Schutz von der Aussenwelt, als Zufluchtsort und als Nahrungsquelle. Da flattert zur Abwechslung der Frauen eine Einladung nach Indien ins Haus. Der älteste Sohn von Freunden aus einem reichen Sikh-Clan heiratet.

Ab und an habe ich auch Interessantes im Buch entdeckt. Amüsant dünkte mich beispielsweise die Stelle, wo es heisst, dass geschwollene Füsse (Zitat) „ wie knusprige von Sonnenlicht angebratene Masthühner auf einem Hocker liegen ….“. Passen Sie unbedingt auf, falls sie unterhalb der Kieferngegend Pickel haben sollten, diese könnten verraten, dass sie nicht ganz glücklich sind. Und als Gärtner sollten sie nie unterschätzen, welche Macht sie mit ihren Anpflanzungen auf andere ausüben - egal ob sie Kohlköpfe setzen oder Vergissmeinnicht und Trompetenbäume bevorzugen.

Gegen Ende des Buches schreibt die Ich-Erzählerin, der Versuch zu begreifen, warum man Indien liebt, sei ebenso sinnlos wie der Versuch zu erklären, weshalb man das Leben liebt. Ich würde das Wort „Indien“ mit dem Titel dieses Buches ersetzen und weitere Worte meinerseits erübrigen sich.  


Anna Katharina Fröhlich: 
Kream Korner
Bloomsbury Verlag, 2010/2012