8. Dezember 2013

Elizabeth Gilbert: Das Wesen der Dinge und der Liebe

Als Kind hat sich Alma gewünscht, eine Pflanze zu sein. Denn ihr fast pausenlos ungeduldiger Vater ist nur im Umgang mit seinen grünen Lieblingen nachsichtig. Das intelligente Mädchen wächst inmitten von Gewächshäusern mit Schätzen aus aller Welt und unzähligen Büchern auf und bei Nachtessen sitzen häufig Koryphäen der unterschiedlichsten Fachgebiete neben ihr am Esstisch auf dem Familiensitz White Acre.

Almas Vater, Henry Whittaker, ist 1760 in Richmond in der Nähe von Kew auf die Welt gekommen und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Schon früh hat der Sohn eines sogenannten Apfelmagiers alles Wichtige rund um das Umpflanzen, Beschneiden und Pfropfen von Apfelbäumen gelernt und sich sein erstes Geld sehr erfolgreich durch Diebstahl verdient. Und zwar hat er in Kew Garden Samen und Ableger gestohlen, die Joseph Banks von seiner Weltumsegelung mitgebracht hat. Henry hat diese an Sammler, Botaniker und Professoren verkauft, denn der geizige Banks wollte auch auf Anfrage seine Beute mit niemandem teilen.

Henry wird erwischt, kommt aber mit einer relativ geringen Strafe davon. Joseph Banks verdonnert ihn nämlich zu einer Weltumseglung. Vier Jahre ist Henry auf einem Schiff unterwegs und konzentriert sich wann immer möglich darauf, sein botanisches Wissen zu erweitern. Später hält er sich in Peru auf, wo er die Kultur des Chinarindenbaums erforscht. Mit einunddreissig Jahren hat er den Grundstock für ein erfolgreiches Unternehmen gegründet und heiratet gegen den Willen von deren Familie die Holländerin Beatrix Devenders und zieht mit ihr und ein paar Tulpenzwiebeln und wichtigen Büchern nach Philadelphia.

Das Ehepaar residiert in einem prachtvollen Gebäude und Henry vermehrt kontinuierlich seinen Reichtum, unter anderem mit dem Export amerikanischer Pflanzen nach Europa, während Beatrix viel Freude an ihrem prächtigen Garten hat. In diese funktionierende Zweckehe hinein wird im Jahr 1800 Alma geboren und später wird ein wunderschönes Mädchen namens Prudence adoptiert.

Alma hat die botanischen Gene ihres Vaters geerbt und geht schon als kleines Mädchen nur von ihrem Pony begleitet in der Umgebung auf Pflanzenjagd, um Proben für ihr Herbarium zu sammeln. Im Alter von neun Jahren entdeckt sie ganz alleine, dass mit Beobachtung des Öffnen und Schliessens von Blüten die Tageszeit bestimmt werden kann. Im Vordergrund steht für die äusserlich wenig anziehend wirkende Alma aber nicht die Schönheit der Pflanzen, sondern die Ordnung des Systems. Und schon als Jugendliche verfasst sie fachlich kompetente Aufsätze über Lorbeer, Mimosen und Kamelien, die in der Monats-Zeitschrift „Botanica Americana“ veröffentlicht werden.

Als Alma zwanzig Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter und die Tochter übernimmt deren Aufgaben als Herrin und Geschäftsführerin eines riesigen botanischen Unternehmens. Doch je älter sie wird, umso mehr fühlt sie sich gefangen auf White Acre, weil sämtliche vorhandenen Pflanzen von anderen Forschern entdeckt worden sind. Die Aufgabe eines Botanikers ist schliesslich, Pflanzen zu bestimmen - doch woher soll sie entsprechendes Material nehmen?

Alma korrespondiert mit Fachleuten aus aller Welt und entdeckt schliesslich die interessante Welt der gering bewerteten Moose, die sogar rund um ihr Zuhause ein riesiges Forschungsgebiet darstellen. Sie beobachtet den „Mooskrieg“ von White Acre, bei dem es Vorstösse und Rückzüge sowie konkurrierende Mooskolonien zu verzeichnen gibt. Und Sie beginnt als „Hüterin der Moose“ mit dem Verfassen eines Standwerks über Moose, die in ihrer Bedeutung – dies eine Parallele zu Almas eigenem Schicksal, die sich mit ihren teilweise bahnbrechenden Forschungsergebnissen in einer Männerdomäne bewegt – oft unterschätzt werden.

So vergehen die Jahrzehnte, als plötzlich doch noch die Liebe Einzug in das Leben der „wandelnden Bibliothek“ Alma hält. Sie heiratet den hochbegabten Pflanzenmaler Ambose Pike. Doch die kurze Ehe entpuppt sich als Fiasko. Daneben sind das tragische Schicksal ihrer Freundin Retta und die schwierige (Nicht-)Beziehung zu ihrer Schwester Retta und immer wieder Almas unerfülltes Liebesleben Thema. Nach dem Tod ihres Vaters gestaltet die nicht mehr junge Alma ihr Leben komplett neu und macht sich auf nach Tahiti, wo sie zum ersten Mal Palmen rauschen hört und Holland wird eine weitere Station eines langen der Wissenschaft gewidmeten Lebens. So kommt sie doch noch in der Welt herum und kann dem Wesen der Dinge und der Liebe an verschiedenen Orten nachspüren, Antworten suchen und teilweise auch finden.

Für Gartenfreunde besonders interessant in diesem rund 700 Seiten umfassenden Roman sind der hortikulturelle Hintergrund und die botanischen Studien von Alma. Mein anfänglich grosses Interesse ist aber schon bald einmal deutlich abgeflaut, weil ich die Erzählung als eher langatmig empfand. Gegen Ende der umfangreichen Erzählung wurde es wieder interessanter, doch ganz allgemein hätte der Umfang gut und gerne um etliche Seiten gekürzt werden können.

Die Autorin Elizabeth Gilbert hat übrigens auch den Erfolgstitel „Eat Pray Love“ geschrieben, der mit Julia Roberts verfilmt worden ist. Ob das Buch „Das Wesen der Dinge und der Liebe“ wohl auch einmal auf die Leinwand gebracht werden wird?

Mit dieser Buchvorstellung verabschiede ich mich in die "Adventspause". Ende 2013 oder Anfang 2014 geht es weiter mit den längst verfassten und vorgebloggten Eindrücken zu den unter der Rubrik "Zuletzt gelesen ..." aufgeführten Büchern. Bis dahin wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine friedliche Vorweihnachtszeit und besinnliche Feiertage.



Elizabeth Gilbert: 
Das Wesen der Dinge und der Liebe 
Berlin Verlag, 2013

5. Dezember 2013

Caroline Vermalle: Und wenn es die Chance deines Lebens ist?

Der gutaussehende erfolgreiche 39jährige Jurist Frédéric Solis stellt Karriere und Geldverdienen über alles andere. Als aufstrebender Anwalt in einer renommierten Pariser Anwaltskanzlei ist er spezialisiert auf Scheidungen in der High Society. Wie ein dunkler Schatten liegt aber nach wie vor das spurlose Verschwinden seines Vaters kurz vor Weihnachten 1979 über seinem Leben. Nachwuchs in die Welt setzten möchte er deshalb unter keinen Umständen und schon als kleiner Junge hat er sich vorgenommen, niemals eigene Kinder zu haben. So hat er sich kürzlich auch ganz konsequent von seiner langjährigen Partnerin getrennt, als diese unbedingt eine Familie gründen wollte.

Frédérics ganze Leidenschaft gilt Gemälden mit poetischen Winterlandschaften von Impressionisten. Gerade hat er bei Sotheby’s ein kleines Bild von Sisley ersteigert, das sein Budget bei weitem übersteigt. In seiner Wohnung stapeln sich darum die Mahnungen, das Bankkonto ist überzogen und die Eigentumswohnung ist mit einer hohen Hypothek belastet. Da erhält er ein Schreiben von einem Notariat, bei dem er sich wegen einer Erbschaftsangelegenheit melden soll. Der Name des Erblassers ist Frédéric unbekannt, doch er rechnet trotzdem fest damit, eine stattliche Summe zu erben, die seine finanziellen Probleme löst und vielleicht sogar den Kauf weiterer Gemälde möglich macht.

Wie sich herausstellt, ist der Anwalt in Geldnöten zwar als Alleinerbe eingesetzt, aber der Nachlass besteht nur aus einer Schachtel, in der sich ein Zug- und ein Bootsticket sowie je eine Eintrittskarte für den Garten Monet in Giverny und das Musée d’Orsay in Paris und eine rätselhafte Schatzkarte im Zusammenhang mit einem verschwundenen impressionistischen Meisterwerk befinden. Die Fahrscheine sind alle für fixe Termine im Dezember ausgestellt und auf der Rückseite sind geheimnisvolle Verse notiert.

Frédéric beauftragt seine Assistentin Pétronille alle erhältlichen Informationen über den verstorbenen Fabrice Nile zusammenzutragen und macht sich mit den geerbten Tickets auf eine Spurensuche, die sich als schmerzliche Reise in seine persönliche Vergangenheit entpuppt. Der mysteriöse Nachlass scheint Auslöser für eine Katastrophe nach der anderen zu sein. Als Pétronille ein Fehler unterläuft, nutzt ihr strenger Arbeitgeber die Gelegenheit, ihr zu kündigen, da er sich ihre Arbeitskraft längst gar nicht mehr leisten kann. Deshalb erfährt er auch nichts von den von ihr festgestellten Verbindungen zwischen Fabrice Nile und seinem verschwundenen Vater, dessen Name sie aus dem Antrag für eine Reisepassverlängerung ihres Vorgesetzten kennt.

Ein gefühlvoll geschriebener Roman um verpasste Chancen, das „was-wäre-wenn“ und die weitreichenden Konsequenzen von einmal getroffenen Entscheidungen. Daneben spielt die die Rekonstruktion des bis in die 1970er Jahre überwucherten und verwilderten Gartens von Claude Monet in Giverny eine Rolle. Neben dem Erwecken desselben aus einem langen Dornröschenschlaf, machen die ständigen Erwähnungen von leckeren Windbeuteln immer wieder Lust aufs Naschen von Süssigkeiten.

Zum Schluss dieser Buchvorstellunge noch ein schöner Ausdruck von Caroline Vermalle, den sie Frédérics Vater und einem amerikanischen Gärtner bei einem Gespräch in Giverny in den Mund gelegt hat: Wenn einer gerne von anderen angelegte Gärten bewundert, hat er "ein grünes Auge". Von der gleichen Autorin erscheint übrigens nächstes Jahr ein Buch, das ebenfalls einen hortikulturellen Hintergrund vermuten lässt: „Eine Blume für die Königin“.  



Caroline Vermalle: 
Und wenn es die Chance deines Lebens ist? 
Lübbe Ehrenwirth/Bastei Lübbe Verlag, 2013

1. Dezember 2013

Daniel Zahno: Manhattan Rose

Auf dem Umweg über ein abgebrochenes Mathematikstudium hat der Blumen- und Musikliebhaber Luca aus Basel eine erfolgreiche Rosenzucht aufgebaut und sein kleinkindliches Interesse am Rosengarten der Grosseltern in ein einträgliches Geschäft verwandelt. In New York besucht er einen internationalen Kongress und nutzt die Gelegenheit, dem Peggy Rockefeller Rose Garden einen Besuch abzustatten. Derweilen er an Beeten mit Teehybriden, Büschelblühern und Hochstammrosen vorbeischlendert und den Farbenreichtum der Blüten auf sich wirken und die verschiedenen Düfte seine Nase kitzeln lässt, hängt er Tagträumen nach und malt sich aus, wie es wohl wäre, in diesem Rosenparadies arbeiten zu dürfen.

Doch nicht nur die floralen Schönheiten erwecken sein Interesse. Unter der Kuppel des Crystal Palace zieht eine deutschsprachige Unterhaltung seine Aufmerksamkeit in eine andere Richtung. Er lauscht unbemerkt dem Gespräch eines Paares und stellt sofort fest, dass es sich bei der hübschen jungen Frau um eine Schweizerin handeln muss.

Noch am selben Tag ergibt sich die Gelegenheit, die Frau persönlich kennenzulernen und Luca erfährt, dass diese Sofie heisst, aus Arth Goldau stammt, seit fünfzehn Jahren im Big Apple lebt und ihren Lebensunterhalt als Deutschlehrerin verdient. Luca gibt ihr die Nummer seines Hotelzimmers und wartet die letzten Tage seines New York-Aufenthaltes ungeduldig auf ein Zeichen der jungen Landsmännin, die er unbedingt näher kennen lernen möchte.

Um sich vom nicht klingelnden Telefon abzulenken, begibt Luca sich auf einen Stadtrundgang, wo die unerwartete Entdeckung einer ganzen Reihe von Blumenläden den Rosenzüchter in seinen Bann zieht. Er nimmt die Chance wahr, sich ein Bild über die Rosentrends in den USA zu verschaffen. Der Geschmack der Amerikaner stimmt grösstenteils nicht mit seinem eigenen überein. Entsetzt muss er aber feststellen, dass einer seiner grössten Züchtererfolge, die „Merveille de Marseille“, in sämtlichen von ihm aufgesuchten Blumenläden ganz offensichtlich sehr erfolgreich zum Verkauf angeboten wird. Und zwar unter dem Namen „White Dream“ und obwohl diese weisse Schönheit mit kanariengelbem Schimmer nicht von der Schweiz in die USA exportiert wird, wodurch ihm und seinem Geschäftspartner die dafür fälligen Lizenzgebühren entgehen. Lucas Entdeckung lässt nur einen Schluss zu: der kolumbianische Blumenfarmer, der vor einiger Zeit seinen Betrieb besichtigt hatte, muss Pflanzen gestohlen und im grossen Stil weitervermehrt haben.

Mit seinem Geschäftspartner diskutiert er telefonisch den zufällig festgestellten Betrug und versucht, die Chancen und Risiken eines allfälligen juristischen Verfahrens abzuschätzen. Die beiden besetzen mit Bio-Rosen erfolgreich eine Nische in der Rosenwelt, in der nicht nur mit fairen Mitteln gekämpft wird. Doch sie können es sich nicht leisten, dass ihnen durch Piraterie grosse Umsatzeinnahmen entgehen. Lucas Stimmung hellt sich wieder ein wenig auf, als ihn kurz vor seinem Rückflug in die Schweiz endlich der lang ersehnte Anruf von Sofie erreicht.

Wenige intensive Stunden mit Sofie entschädigen den Blumenliebhaber für den geschäftlichen Ärger. Zurück in der Nordwestschweiz widmet sich der frisch verliebte Luca wieder seinen Rosen und bleibt über Skype und Email trotz trennendem Atlantik in intensiver Verbindung mit Sofie. Die beiden versuchen, sich so oft als möglich zu treffen, müssen aber feststellen, dass das Führen einer für beide Seiten befriedigenden Fernbeziehung ausserordentlich schwierig ist. Ermöglicht die Ausschreibung einer Kurator-Stelle im Peggy Rockefeller Rose Garden vielleicht neue Zukunftsperspektiven? Soll Luca sich dort mit einem Konzept bewerben, das eine nachhaltige Umstellung weg vom gewohnheitsmässigen Gebrauch von Chemie und Pflanzenschutzmitteln vorsieht, hin zu gesunden Pflanzen allein durch Licht, Luft, Wasser und gute Erde?

Der Rosenzüchter Luca lernt im Laufe der Lektüre hautnah die stacheligen Seiten seiner Lieblingspflanzen kennen und sein scheinbar leicht erzielter Erfolg weckt Neid und Missgunst. Der Roman ist gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Stadt New York und an Rosen, ohne zu verheimlichen, dass beide auch ihre Schattenseiten haben. Neben verschiedenen nützlichen Informationen, die der Leser sich für einen künftigen Besuch in der Metropole merken kann, bekommt er während der Lektüre nebenbei Einblick in den Rosenzüchteralltag und liest über die Wichtigkeit der richtigen Partnerwahl für den Zuchterfolg ebenso wie über die Geschichte der Rosen und das Tüfteln an Rosenrezepten. Die Spannung, die ich zu Beginn der Lektüre empfand, hat sich gegen Ende des Buches etwas abgeflacht und die Lösung der sich im Laufe der Erzählung auftuenden Probleme im Berufs- sowie im Privatleben erscheint mir zu schnell abgehandelt und etwas banal. Und ob sie tatsächlich anhält, bleibt wie andere gestreifte Ansätze (z.B. der Selbstmord des Kolumbianers) offen.



Daniel Zahno: 
Manhattan Rose 
weissbooks.w, 2013

29. November 2013

Martina Brandl: Schwarze Orangen

Sieglinde Jasmin, geborene Frahn, ist recht schnell im Urteil über Mitmenschen, aber nicht gehässig. Ihr nach einem Unfall ein leicht entstelltes Gesicht kaschiert sie geschickt mit einer Brille. Sie ist verwitwet und Inhaberin des Obst- und Gemüseladens am Waldrand von Maulheim, einer fiktiven schwäbischen Gemeinde. Der friedliche Ort am Fusse der Berge ist nicht so beschaulich wie es den Anschein macht. Martina Brandl erzählt in diesem Roman, was für Konsequenzen Frau Jasmin auslöst, weil sie an einem Morgen ihren Laden zehn Minuten später als üblich aufschliesst.

Die Obst- und Gemüsekennerin Jasmin verkauft keine Ware ohne sich vorher beim Kunden zu erkundigen, wann er die Produkte verspeisen will und sucht dementsprechend Exemplare aus, die genau zu diesem Zeitpunkt den perfekten Reifegrad aufweisen. Auch mündliche Rezeptvorschläge gehören zu ihrem Service. Ihre Produkte kauft sie jeweils frühmorgens auf dem Grossmarkt. Alles ist frisch und deswegen toleriert sie auch keine Kundenhände, die ihre Früchte und Salate betatschen. Denn schliesslich weiss längst nicht jeder, dass Gemüse harmlos ist, aber Obst verschlagen.

So ganz im geheimen gibt Sieglinde Jasmin ihren Kunden Titulierungen aus der Pflanzenwelt. Frau Kohlrabi hat ein heiteres Gemüt mit friedvollem Kern, während dem Selleriekopf ein käsiges rundes Gesicht mit Falten und Aknenarben eigen ist. Unterstützung im Geschäft erhält die Obsthändlerin seit kurzem von Sebastian, der ihr im Lager hilft. Von ihrem Angestellten weiss sie nicht viel mehr, als dass er in seiner Freizeit botanische Experimente mit Kumquats und Brombeeren durchführt und eigens dafür ein kleines Gewächshaus gebaut hat. Sogenannte Bromquats sind das Ziel seiner Bemühungen. Frau Jasmin ahnt aber nicht, dass Sebastian noch aus einem ganz anderen Grund in Maulheim aufgetaucht ist und auf der Suche nach einem Familienerbstück ist.

Nun, die erwähnten zehn Minuten haben zur Folge, dass sich vor den Obst- und Gemüseauslagen Kunden und Kundinnen kennenlernen, die sich sonst nicht begegnet werden. Da trifft eine lange blonde Frau namens Yvonne, 28 Jahre alt und Literaturübersetzerin, auf einen Kunden, der von allen "Graf" genannt wird. Dieser lädt die kürzlich aus der Grossstadt Zugezogene spontan ein, sich einer sonst geschlossenen Gruppe anzuschliessen, die sich regelmässig zum Schlemmerzirkel trifft, in welchem eigentlich niemand besonders gut kochen kann.

Nicht nur im Laden wird Klatsch und Tratsch gepflegt. Auch bei morgendlichen Schwimmrunden werden Neuigkeiten ausgetauscht. Als der gepflegte Schwimmbadrasen plötzlich seltsame Löcher aufweist, wird das ausgiebig diskutiert und was hat es mit einer wertvollen alten Spieluhr, einem Erbstück mit edelsteinverziertem Deckel und Engelsfigur der Familie Coburg, auf sich?

Die Geschichte wird von einer Fremden in der Ichform erzählt. Diese gibt sich als Kunstkennerin aus und unterbricht den Text immer wieder, um den Leser direkt anzusprechen.  



Martina Brandl: 
Schwarze Orangen 
Scherz Verlag, 2011

25. November 2013

Magnus Florin: Der Garten

„Der Garten“ erzählt gemäss Angaben auf der Umschlagsrückseite (Zitat) „die fiktive Geschichte von Carl von Linneus, der sich in seinem berühmten Garten mit dem Gärtner auseinandersetzt, mit Pflanzen und ihrer Bestimmung, mit Zauberei, einem Uhrmacher, seinen Schülern und einem Verbrechen in der Nachbarschaft“. Dabei korrespondiert der Text immer wieder mit dem Lebenslauf des Botanikers, ist aber keine Biografie sondern (Zitat) „ein Flechtwerk lustvoller Phantasien, die auf kunstvolle Weise den Forscher neu erfinden“.

Diese knapp hundert Seiten umfassende Erzählung ist keine einfache Lektüre, in die man schnell und tief eintauchen kann, sondern sie besteht aus vielen Fragmenten, kurzen Absätzen, deren Zusammenhänge sich dem Leser nicht immer gleich auftun. Ich empfehle, zunächst das Nachwort des Übersetzers Bendedikt Grabinski im Anschluss an die Lektüre zu lesen.

Das Buch zeigt die verschiedenen Facetten des Botanikers, dessen Interesse an Pflanzen bereits in der Kindheit geweckt wurde. Linné sah sich als Auserwählter Gottes, in dessen Auftrag er die Schöpfung zu ordnen und zu benennen hat und er hat dies mit der Einführung der Nomenklatur umgesetzt. Der Charakterkopf möchte seinen Geschwistern den Lebensweg vorschreiben, was aber nicht gut an- und herauskommt. Man lernt den berühmten Mann aber auch kennen, wie er sich mit seinem Freund austauscht, lacht, singt und trinkt.

Laufend tauscht er sich mit seinem Gärtner aus und es ist immer wieder die Rede von Todesfällen unter seinen Jüngern; jungen Männern, die in seinem Auftrag die Welt bereisen, um Pflanzen zu sammeln. Eher kurios ist das Missverständnis rund um den Vorfall der Cochenilleschildläuse, die extra auf Feigenkakteen aus Surinam importiert worden sind. Der Gärtner hat die Sendung in Empfang genommen, die Verunreinigungen entdeckt und in pflichtbewusstem Eifer vernichtet…

Immer wieder werden Linnés Kompetenzen auf die Probe gestellt. Etwa wenn er Pakete mit seltsamen Gewächsen erhält, die er bestimmen soll. Oft handelt es sich dabei um Fälschungen wie die mit Kartoffelkleister zusammengeschusterte Kreation aus Rose, Lilie und Hanf. Doch auch Linné selber bewegt sich in Grauzonen. Er soll selber unter falschem Namen eine positive Rezension für eines seiner Werke in einer Hamburger Zeitschrift veröffentlicht haben und er erzählt seinen Studenten von gefährlichen Exkursionen, die gar nie stattgefunden haben.

Variationen sind unwesentliche Abweichungen und Linnés Studenten ist es verboten, sich mit Abweichungen zu beschäftigen. Schliesslich muss irgendwo eine Grenze gezogen werden zwischen einem festen System und launenhaften Veränderungen. Dichtung oder Wahrheit? Wie oben bereits erwähnt, ist es auch in der Lektüre nicht einfach, die Grenzen nachzuvollziehen.

Dieses Büchlein ist bereits 1995 in der schwedischen Originalsprache erschienen und mit dem höchsten Literaturpreis Schwedens ausgezeichnet worden.  



Magnus Florin: 
Der Garten 
Edition Rugerup

21. November 2013

Katrin Burseg: Der Sternengarten

Das Jahr 1640 ist prägend für die zwölfjährige Sophie. Erst stirbt die Mutter bei der Geburt ihrer Schwester, und dann kehren ihr Zwillingsbruder Christian und ihr Vater von einem Treiben gemästeter Ochsen von Jütland nach Schleswig nicht zurück und bleiben verschollen. Dem Mädchen bleibt nichts anderes übrig, als die kleine Schwester bei deren Amme, der Kräuterfrau Johanna, zurückzulassen und in den Gärten des herzoglichen Hofs von Gottorf bei Schleswig Arbeit zu suchen.

Ihren langen Zopf schneidet Sophie ab und lässt ihn der kleinen Schwester als Erinnerung zurück. Weil sie die Kleider ihres geliebten Bruders trägt, hält man sie für einen Jungen, und sie hält ihre Täuschung jahrelang aufrecht und lässt sich Sophian nennen. Nicht einmal ihr bester Freund, der junge Perser Farid - ein „Mitbringsel“ der letzten fürstlichen Expedition in den Orient - ahnt, dass es sich bei Sophian in Wirklichkeit um ein Mädchen namens Sophie handelt.

Christian hat als einziger das Gemetzel an den Ochsentreibern überlebt. Er weiss, wer dafür verantwortlich ist kann dies auch beweisen. Doch statt nach Schleswig zurückzukehren, kümmert er sich weiter um die Ochsen und wartet jahrelang auf die richtige Gelegenheit, seinen Vater zu rächen. Gleichzeitig sucht er immer wieder Trost im Alkohol und badet in Hass.

Derweilen erhält Sophie erhält die Gelegenheit, eine Lehre in den Gärten zu machen. Der Hofgelehrte Olearius und seine Frau nehmen sie auf und sie wird als Gartenelevin vom Gartenmeister Friedrichs in die Gartenkunst eingeführt, der seinerseits sein Handwerk in Italien gelernt hat und in den neuen Gärten („Neue Werk“) seine ehrgeizigen Pläne verwirklichen will. Zu diesen gehören neben Wasserspielen und Statuen das Testen von neuen Anbaumethoden, denn exotische Pflanzen sollen auch im Norden gedeihen.

Das Schicksal der Geschwister Sophie und Christian bleibt trotz Trennung eng miteinander verknüpft und mit dem gewissenlosen und brutalen Ritter Rantzau verbunden. Der spannende Roman handelt nicht nur von Intrigen und Machtpolitik, sondern gibt einen ausführlichen Einblick sowohl in die Entstehung des ersten Gartens im italienischen Stil nördlich der Alpen als auch des begehbaren Gottorfer Globus im dortigen Lusthaus.

Die Autorin verwebt das Schicksal von historisch bekannten Personen mit demjenigen von fiktiven Romanfiguren und die Leserin verfolgt, wie aus dem Gartenlehrling Sophian schliesslich eine Blumenmalerin wird, die am „Gottorfer Codex“ mitarbeitet. Ob, wie und wo die dannzumal imposanten Bauten die letzten Jahrhunderte überstanden haben, lässt sich unter den Anmerkungen am Ende des Buches nachlesen.  



Katrin Burseg: 
Der Sternengarten 
Berlin Verlag, 2013

17. November 2013

Renate Hücking: Mit Goethe im Garten

Welcher literarisch interessierte Gärtner würde eine Einladung zum Gartenspaziergang mit Johann Wolfgang von Goethe ablehnen? Zeit seines Lebens (1749 bis 1832) hat sich der Dichter und Gartenfreund intensiv mit den Wundern der Natur auseinandergesetzt – als Gärtner, als Dichter und als Botaniker. Die drei „G“ – Goethe, Ginkgo und Gärten - können als Einheit betrachtet werden. Renate Hücking hat die grünen Seiten aus Goethes Biografie zusammengetragen und unter dem Titel „Mit Goethe im Garten“ veröffentlicht.

Zwar verfügte sein Frankfurter Elternhaus über keinen Garten, doch der Knabe Johann Wolfgang konnte aus der Wohnung eine grosse Fläche von Nachbarsgärten überblicken und erste praktische gärtnerische Erfahrungen vermittelte ihm der Grossvater. Gemäss seinem Tagebucheintrag hat er als 27jähriger Mann seinen (ersten) Garten in Besitz genommen. Als Gärtner war Goethe ständig hinter Neuheiten her und hätte am liebsten jede Einführung selber ausprobiert, was die beschränkten Platzverhältnisse aber verhinderten. Er hatte aber genügend Platz, seine eigenen Gestaltungsideen umzusetzen, und experimentierte mit Ditpam und Lupe, und schaffte es, die Pflanzen zu entflammen (mich würden meine Exemplare reuen…). Aus seinen Tagebüchern ist weiter ersichtlich, dass er häufig in fremden Gärten zu Besuch war, sich mit dem englischen Gartenstil auseinandersetzte und auch sein langer Italien-Aufenthalt hat ihn geprägt.

Mit seiner langjährigen Gefährtin und Ehefrau Christiane Vulpius hat er einen intensiven Briefwechsel geführt, in dem hortikulturelle Themen einen wichtigen Platz eingenommen haben. Da zweifelt etwa die versierte Gärtnerin am Erfolg der Gurkenanpflanzung oder ist betrübt über den Misserfolg mit den Bohnen und beklagt sich über gefrässige Schnecken. Und sie hofft, der Gatte komme bald heim, und könne die schönen Levkojen auch selber noch bewundern. Der anspruchsvolle Goethe wiederum will auch auswärts nicht auf die gute heimische Küche verzichten und bittet schriftlich um Spargel oder andere Köstlichkeiten oder er gibt seiner Partnerin Hinweise zu Pflege und Aussaat von Pflanzen, die er ihr hat zukommen lassen.

Der Leser erfährt, welche Pflanzen damals gerade Mode waren und dass sich die Autorin selber hat inspirieren lassen, aus Goldlack, Aurikeln, Nelken und Pompondahlien ein Goethe-Beet anzulegen. Zwischen das grüne Wissen eingestreut sind immer wieder beliebte Rezepte aus der Goethe-Küche wie Eierkuchen, Laubfrösche aus Mangold und eine Thüringer Kartoffeltorte mit sage und schreibe 18 Eiern. Gelernt habe ich während der Lektüre, dass die Rapontika, mir bekannt als zweijährige Nachtkerze (Oenothera biennis), die hier fast an jeder Strassenecke wild wachsend mit ihren Blüten erfreut, als Gemüse verwendet werden kann. Die Wurzeln sind zwar mühsam zu reinigen, sollen aber gut schmecken.

Der Garten ist für den rastlosen und vielseitig interessierten Goethe ein Rückzugsort, um abzuschalten und sich von seinem Amt und vom Hofleben abzugrenzen. Hier erfreut er sich nicht nur an seinen geliebten Rosen, wenn sie wieder bis unters Dach wachsen, hier beschäftigt er sich auch mit der Möglichkeit einer „Urpflanze“ und dem Bauplan der Pflanzen. Sein letztes Studienobjekt war die heute verpönte Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), auch Riesenbärenklau genannt, für die er wie bereits hier erwähnt eigens ein Podest errichten liess. Viele Themen werde gestreift und der Einblick in den grünen Goethe wäre nicht vollständig mit Hinweisen auf seine umfangreiche Kunst- und Naturaliensammlung und sein Werk über die Farbenlehre.

Dieses Publikation ist verschwenderisch illustriert mit vielen Fotos von Marion Nickig, aber auch mit Scherenschnitten, Gemälden, Zeichnungen und eindrücklichen Silhouetten. Im Anhang findet sich ein ausführlicher Service-Teil mit den wichtigsten Lebensdaten von Johann Wolfgang von Goethe, Hinweisen zu sehenswerten historischen Gärten in und um Weimar, einem Verzeichnis für weiterführende Literatur, ein Pflanzen- und Personenregister und andere Informationen mehr. Ein hortikulturelles Goethe-Potpourri, in dem der Buchgärtner und die Buchgärtnerin immer wieder gerne schmökern wird.



Renate Hücking: 
Mit Goethe im Garten 
Callwey Verlag, 2013

13. November 2013

Corina Bomann: Der Mondscheingarten

Verschiedene Gärten – reale und imaginäre – spielen in diesem Roman wiederholt eine Rolle und eine bedeutungsvolle Geigenkomposition trägt den Titel „Der Mondscheingarten“, aber gegärtnert wird weder tagsüber noch bei Vollmond... Zum Inhalt:

Ein unbekannter alter Mann drückt der seit drei Jahren verwitweten Antiquarin Lilly Keiser eine ganz offensichtlich  besondere Geige mit den Worten „sie gehört Ihnen“ in die Hand und verschwindet wieder ohne Name und Adresse zu hinterlassen. Während Lilly herumrätselt, warum gerade ihr diese Geige gehören soll, entdeckt sie im Futter des schönen Stücks ein Notenblatt mit dem Titel „Der Mondscheingarten“. Ist in dem Musikstück etwa eine Botschaft verborgen? Vielleicht kann ihr die langjährige Freundin Ellen weiterhelfen, die ihn London ein Institut für Geigenrestaurationen führt?

Kurzentschlossen ruft Lilly diese an und wird eingeladen, samt der ominösen Geige nach London zu fliegen, so dass sich die beiden Frauen zusammen an die Lösung des Rätsels rund um das unerwartete Geschenk machen können. Lilly lebt seit dem frühen Tod ihres Mannes sehr zurückgezogen und vermeidet Reisen. Stattdessen sucht sie immer wieder Ablenkung in langen Spaziergängen durch den Botanischen Garten. Doch nun bucht sie umgehend einen Flug in die britische Hauptstadt und organisiert die Vertretung für ihr Geschäft während ihrer Abwesenheit.

Mindestens so praktisch wie die Tatsache, dass Ellen sich beruflich mit Geigenrestaurierungen beschäftigt, ist der Zufall, dass Lilly im Flieger von Berlin nach London Gabriel Thornton kennenlernt, der in London die Musikschule Faraday leitet. Genau in diesem Institut sind, wie sich später herausstellt, Rose Gallway und Helen Carter die Vorbesitzerinnen der wertvollen Geigen musikalisch ausgebildet worden. Im Internet, alten Zeitungen und Registern sowie im Archiv der Musikschule wird nach Informationen gesucht. Doch konkrete  Rückschlüsse lassen sich vorerst nicht ziehen, da die in Frage kommenden Biografien grosse Lücken aufweisen.

Zwei Erzählstränge führen die Leserin vom nebligen London über Nachforschungen in Cremona ins farbenprächtige Sumatra mit seiner exotischen und wilden Pflanzenwelt und geben Einblick in die jüngere Geschichte der indonesischen Insel und die Kultur. Natürlich darf auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen. In die Erzählung eingebaut sind ausserdem ein starkes Erdbeben, das sich Anfang des 20. Jahrhunderts ereignet hat, und das Funktionieren von Matriarchaten.

Nach und nach fügt sich ein Puzzleteil zum anderen und das Bild vervollständigt sich; auch oder vor allem dank tatkräftiger Unterstützung von Gabriel Thornton. Die Lösung des allerletzten Rätsels erschliesst sich nur der Leserin.

Die ganze Geschichte ist etwa dick aufgetragen und die Zufälle doch reichlich übertrieben. Nichts destotrotz ein durchaus lesenswertes Buch. Richtig Lust auf die Lektüre des schon seit Erscheinen herumstehenden Vorgängertitels „Die Schmetterlingsinsel“ habe ich aber nicht bekommen.



Corina Bomann: 
Der Mondscheingarten 
Ullstein Buchverlag, 2013

9. November 2013

Andrea Zanetti: Grounds for Death – A Garden Plot Mystery

Eigentlich laufen Marilee Bright’s Geschäfte ganz gut. Sie ist zufrieden mit den Umsätzen ihres Gartencenters „Green Horizons“ und der angeschlossenen Abteilung für Landschaftsgestaltung, das sie seit neun Jahren führt. Doch als bei Umgestaltungsarbeiten in einem alten stillgelegten Brunnen sterbliche Überreste gefunden werden, darf während den polizeilichen Ermittlungen auf dem Gelände des Fundortes nicht weiter gearbeitet werden. Und weil der Name von Marilees Betrieb in den Medien wiederholt im Zusammenhang mit dem Skelettfund erwähnt wird, springen auch schon zwei Kunden ab und ziehen mit entsprechenden finanziellen Folgen für „Green Horizons“ grössere Aufträge zurück.

Was bleibt als Marilee anderes übrig, als wie bereits im Vorgängerband „Death in the Forsythia“ selber ihre Nase in Angelegenheiten zu stecken, die sie nicht wirklich etwas angehen? Schliesslich möchte sie dazu beitragen, dass die entdeckten Knochen kein Thema mehr in der Tagespresse sind. Bestätigt wird sie in ihrem Tatendrang durch die Aufforderung von Gwen und Steve, den aktuellen Besitzern des Grundstücks, auf dem sich der Fundort befindet. Die beiden haben von Marilees erstem Fall gehört und sind daran interessiert, dass die geplanten und begonnenen Gartenumgestaltungsarbeiten rasch möglichst weitergeführt werden.

Marilee beschliesst, zunächst mit den früheren Besitzer des Fundort-Grundstücks zu sprechen. Orla und ihr Mann Bob sind eher zurückhaltend mit ihren Auskünften und Marilee hat den Eindruck, die beiden lenken absichtlich vom Thema ab, um den Verdacht auf einen gewissen Freddie Joneas zu lenken, dessen Verlobte vor Jahrzehnten spurlos verschwunden und nie wieder aufgetaucht ist. Weil Marilee vor der Polizei bei Orla und Bob auftaucht und ihre Erkundigungen einholt, zieht sie sich den Groll der ermittelnden Beamten Jim und George zu, mit denen sie ansonsten ein gutes Verhältnis pflegt.

Denn zwar steht rasch einmal fest, dass es sich um ein weibliches Skelett handelt, aber die wenigen vorgefundenen Schmuckstücke mit den Initialen „RC“ und „TJ“ scheinen vorerst nicht wirklich hilfreich bei den Ermittlungen. Marilee durchforstet in der lokalen Bibliothek die Schuljahrbücher und Mikrofichen und stellt fest, dass es in der Gegend Frauen gibt, die seit den 60erJahren des letzten Jahrhunderts als vermisst gelten.

Im Moment kann sich die Frau mit kinnlangem blonden Haar und blauen Augen wirklich nicht über zu wenig Aufregung beklagen. Erst erhält sie einen bedrohlichen Anruf und wird von einem unbekannten Autofahrer mit dem Auto von der Schnellstrasse abgedrängt. Und schliesslich wird sie dahingehend „erpresst“, dass ihr Betrieb „Green Horizon“ in der Zeitung nicht mehr im Zusammenhang mit dem Skelettfund erwähnt werden wird, sobald sie endlich einwilligt, für das lokale Papier eine regelmässige Gartenkolumne zu verfassen. Dazwischen tauscht sie sich immer wieder mit ihrer Freundin Sarah über die geplanten Schritte in ihren Privatermittlungen aus und hält diese auf dem Laufenden, was sich schliesslich als überlebenswichtig herausstellt.  



Andrea Zanetti: 
Grounds for Death – A Garden Plot Mystery 
Eigenverlag, 2011

5. November 2013

Heidi Howcroft: Tee, Rosen & Radieschen – Neue Geschichten übers Leben im Garten-Paradies England

Mit „Tee, Rosen und Radieschen“ gibt Heidi Howcroft interessierten Leserinnen und Lesern ein weiteres Mal einen hortikulturell unterlegten Einblick in Sitten und Bräuche im sogenannten Garten-Paradies England. Die deutsche Autorin wohnt selber mit ihrer Familie dort, und zwar in einem Haus aus dem 17. Jahrhundert und der rund 500 Quadratmeter grosse Garten um den ehemaligen Bauernhof ist in einen Hang gebettet, der für ein gutes Kleinklima (und ein Funkloch) sorgt.

Sogenannte „Walled Gardens“ faszinieren Heidi Howcroft seit sie als Kind das Buch „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett gelesen hat und sie hat eine Vorliebe für verwunschene Gärten. Selber ist sie kein ausgemachter Pflanzenfreak, der jede grüne Rarität im eigenen Garten haben muss, und auch keine Spezialistin im Gemüseanbau. Gleichwohl wälzt sie im Winter gerne Pflanzenkataloge und zieht in ihrem zweiten Garten, einem Feldgarten, ausschliesslich Gemüse, wie etwa Bohnen in verschiedenen Varietäten. Diese zweite Parzelle ist durch Kreuzwege in vier Rechtecke unterteilt und der auf dem Kontinent gärntnernde mitteleuropäische Leser wird vielleicht etwas neidisch ob der Bemerkung von wegen sich selber aussäenden Tomaten.

Die Autorin beschreibt anschaulich die Nachteile von Gärten auf dem Land, wenn diese genau auf der täglichen Runde von Dachsen liegen, die keine Mühe scheuen, an die mit ihrem verlockenden Duft die tierischen Nasen kitzelnden Erdbeeren zu gelangen. Dafür scheint dank dem Feldgarten auch der angetraute Ehemann plötzlich seinen grünen Daumen entdeckt zu haben. Merkwürdig nur, dass es in Anbetracht der (scheinbar) beträchtlichen Menge an investierter Zeit im Garten nicht richtig vorwärts geht. Des Rätsels Lösung liegt denn auch nicht in einer Gartenvirusinfektion, sondern am guten Netzempfang.

Des Weiteren berichtet Heidi Howcroft vom Überlebenskampf des lokalen Dorfpubs, dem Faible der Engländer für Schweine, der Entdeckung eines interessanten alten Gartenplanes von Thomas Mawson und von verschiedenen Gartenbesuchen, wo sie unter anderem auf den Spuren von Harald Peto in Iford Manor wandelt. Der Leser erfährt auch, warum man mit Vorteil in einem Auto mit Vierrad-Antrieb an die Cornwall Springshow anreist, und in einem Buch über England dürfen natürlich auch Bemerkungen zum Thema Wetter nicht fehlen - hier ergänzt um Tipps und geschichtliche Informationen rund um Gummistiefel und Regenbekleidung.

Der Leser begleitet die Autorin (in Grossstadtbekleidung) zu einem Besuch von Clarence House, dem ehemaligen Heim der Queen Mum, und liest über ganz spezielle Gemüse-Schlagzeilen. Weil nämlich ein regelmässiger Teilnehmer einer Leistungsschau mit seinem perfekten Gemüse unschlagbar war und anderen Teilnehmern mit einer tiefer angesetzten Messlatte zu einer Gewinnchance verholfen werden sollte, wurde der „Gemüsekönig“ aufgefordert, sich nicht mehr am Wettbewerb zu beteiligen. Das fragwürdige Ansinnen wurde grossflächig im nationalen Blätterwald weiterverbreitet und hatte zur Folge, dass heute wieder fast immer diejenigen gewinnen, die bereits vor der Ära des erfolgreichen Gemüsezüchters die ersten Ränge belegt haben.

Die deutsche Landschaftsarchitektin Heidi Howcroft ist mit einem Briten verheiratet und deshalb geradezu prädestiniert, über das englische Leben und die Unterschiede zum deutschen Alltag zu berichten. Allerdings darf der englische Nachname der Autorin nicht zur Annahme verleiten, das Buch sei mit typisch englischem Humor untermalt. Die Lektüre ist in eher trockenem Stil verfasst und die Ausdrucksweise lässt einem oft vielmehr bei der Lektüre eines Sachbuches wähnen. Die Autorin verliert sich manchmal recht stark in der Beschreibung von Details, während die Sofagärtnerin vergeblich auf eine witzige Pointe oder einen sonstigen Höhepunkt in den Geschichten gehofft hat.

Jetzt, wo ich diese Buchvorstellung schreibe, habe ich gerade die aktuellen Bilder aus England im Kopf, nachdem vor Wochenfrist der Sturm „Christian“ über die britische Insel - und mit besonderer Härte über Südwestengland - gefegt ist. Verbleibt nur zu hoffen, dass in den vielzitierten Gartenparadiesen keine allzu grossen Schäden angerichtet worden sind. 




Heidi Howcroft: 
Tee, Rosen und Radieschen – Neue Geschichten übers Leben im Garten-Paradies England
Deutsche Verlags-Anstalt, 2013

1. November 2013

Ina Coelen (Hrsg.): Mord zwischen Kraut und Rüben – Gartenkrimis vom Tatort Niederrhein

Ina Coelen hat letzthin eine weitere Sammlung von Garten-Krimis herausgegeben, die von zwanzig verschiedenen bekannten Krimiautorinnen und –autoren verfasst worden sind. Nicht alle pflegen die gleiche enge Beziehungen zum Grün, denn während eine Autorin gerne bei der Gartenarbeit abschaltet, vermeidet ein anderer tunlichst jeden Aufenthalt im Garten, da er in einem Schrebergarten aufgezogen worden ist, und ein Dritter schustert seine Texte im Schatten eines viereinhalb Meter hohen Gummibaums, einem Erbstück von der Grossmutter, zusammen.

Die Kurzkrimis sind unter anderem betitelt mit „Der beste Dünger“, „Strebergarten“, „Schneckenpest“, „Kredithai im Garten“, „Brigitte Bardot in Bönninghardt“ und „5422 Pflastersteine“ und sie handeln von Mordphantasien in der Sauna oder wie man sich die Bezeichnung Gartengott verdient oder eben auch nicht. Man liest von sonntäglichen Gartenkursen, in denen einem beigebracht wird, dass Blumen analog den Menschen über völlig unterschiedliche Charaktere verfügen. Hier wie dort gibt es Festhalter, Spätblüher, Verführer und Sklaven – ein Wissen, das auf menschlicher Seite auch mit schlechten Hintergedanken ausgenutzt werden kann.

Weiter lehrt die Lektüre, niemals von jemanden zu verlangen, 5422 oder eine ähnlich hohe Menge an Pflastersteinen wiederholt im Garten von einer Ecke in eine andere zu transportieren und wieder neu aufzuschichten. Diese langweilige und überaus anstrengende Tätigkeit ist nämlich gezwungenermassen gleichzeitig ein perfektes Training der Treffsicherheit, was für den Auftraggeber unter Umständen negative Folgen haben könnte.

Dann kommt die Frage auf, ob es Schlimmeres gibt als Gartentipps von Nachbarn. Insbesondere dann, wenn der Ratgeber überprüft, ob man seine Ratschläge auch tatsächlich befolgt. In anderen Geschichten geht es um gefährliche glitschige Schneckenansammlungen, auf denen man ausrutschen und sich schwer verletzten kann, oder die nicht absehbaren Konsequenzen, die sich ergeben können, wenn man im eigenen Orchideengewächshaus Webcams installiert, um bei Abwesenheit via Smart Phone immer mal wieder einen Blick auf die überwältigende Blütenpracht zu werfen und auf diese Weise kurz abzuschalten.

Im Anschluss an jeden Kurzkrimi folgen Garten- oder Pflanzentipps und der Leser erfährt beispielsweise, was es für Möglichkeiten zur Bekämpfung von Blattläusen und Mehltau gibt. Und haben Sie bereits gewusst, dass Hefereste vom Backen sich perfekt als Dünger für Topfpflanzen eignen? Da muss ich doch gleich mal die Reste im Tiefkühlfach auftauen und den Tipp auf seine Nützlichkeit testen! Der Gartentipp zum Thema rückenschonendes Gärtnern endet mit dem Fazit: „Nur wer einer Mordlust nachgehen möchte, gräbt seinen Garten mit dem Spaten um. Alle anderen greifen zur Gabel."



Ina Coelen (Hrsg.): 
Mord zwischen Kraut und Rüben – Gartenkrimis vom Tatort Niederrhein 
Leporello Verlag, 2013

29. Oktober 2013

Sophie Kinsella: Göttin in Gummistiefeln

Diese romantische Komödie braucht fürwahr keine weitere Werbung. Das Buch war aber derart vergnüglich zu lesen, dass ich dem Bestseller aus dem Jahr 2006 doch einen Platz als Monatsend-Beitrag einräumen will. Denn da ein Gärtner wieder Ordnung in das plötzlich ausgebrochene Chaos in Samanthas Leben bringt, passt diese Empfehlung der Nachwuchs-Sofagärtnerin doch ganz gut in den Sofagarten.

Die begabte 29jährige Anwältin Samantha steht unmittelbar vor einem wichtigen Karrieresprung, der die Erfüllung ihres allergrössten Traumes bedeutet, als ein scheinbar folgenschwerer Anfängerfehler sie Hals über Kopf aus der Kanzlei Carter Spink fliehen lässt. Sie steigt ziellos in einen Zug und verlässt London. Erst in den Cotswolds verlässt sie die Bahn wieder, nichtwissend wo sie überhaupt gelandet ist.

Als sie in einem Haus nach dem Weg fragen will, wird sie für die Bewerberin der freien Stelle als Haushaltshilfe gehalten. Todmüde wie sie ist, schafft es Samantha nicht, die Verwechslung aufzuklären und kommt so zu einer Anstellung als Haushälterin. Sie, die kein Privatleben kennt und Tag und Nacht nur auf ihre Beförderung als Seniorpartnerin in der bekannten Anwaltskanzlei hingearbeitet hat, die keine freien Wochenenden, geschweige denn Ferien kennt, weder kochen, waschen, bügeln und putzen noch Knöpfe annähen kann und die Take-Away-Essen vom Chinesen und Pizza vom Italiener („mediterran“) zur gesunden Ernährung zählt.

Am nächsten Morgen möchte sie sich für die Freundlichkeiten ihrer Gastgeber revanchieren und ihre Arbeitskraft für einen halben Tag zur Verfügung stellen, dann das Missverständnis aufklären und wieder verschwinden. Doch dieses Vorhaben umzusetzen, stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Samantha weiss nicht einmal, wie der Toaster bedient werden muss und sie hat ganz allgemein überhaupt keine Ahnung, was für Tätigkeiten zum Jobprofil einer Haushälterin gehören. Und sie schafft es auch nicht, das Haus wieder zu verlassen, sondern unterschreibt tatsächlich einen Arbeitsvertrag, obwohl die Erledigung ihrer ersten haushälterischen Aufgaben in einem Fiasko enden.

Glücklicherweise hat die junge Frau einige finanzielle Rücklagen aus ihrer vorherigen Tätigkeit mit einem Stundenlohn von 500 Pfund. In der zweiten Arbeitswoche gibt’s sie bereits nur noch 200 Pfund für das Vertuschen ihrer Fehler - wie etwa verfärbte und zu heiss gebügelte Wäsche und Catering zur Rettung von missratenen Gerichten - aus und ist zuversichtlich, schon bald den wirtschaftlichen Turnaround zu schaffen.

Samantha, die immer geglaubt hat, der Job als Anwältin sei stressig, stellt sich allen ungewohnten Anforderungen und kommt immer besser mit ihren neuen Aufgaben zurecht. Gleichzeitig gewöhnt sie sich an ihre Freizeit, obwohl sie zuerst gar nicht abschalten kann, und daran, zwischendurch ganz einfach zu tun und lassen, was sie will. Und sie beginnt die zwischenmenschlichen Kontakte im Dorf zu schätzen. Denn Unterstützung in der Bewältigung ihrer Aufgaben – wer möchte schon Kichererbsen aus dem Ofen, Eier aus der Mikrowelle und Bratensauce mit Backpulver? – erhält sie im Gärtner Nathaniel und seiner überaus hilfsbereiten Mutter Iris.

Ihre Aufaben als Haushälterin erfüllt sie rasch dermassen zufriedenstellend, dass ihre Arbeitgeber ihr nahelegen, sich beruflich unbedingt weiterzubilden. Auch botanisch lernt sie dank Nathaniels Hilfe einiges. Während sie zuerst ein Geissblatt nur anhand des Dufts ihres Jo-Malone-Badeöls erkennt und zum ersten Mal Birnen am Baum hängen sieht, sieht sie sich plötzlich auch mit der Idee von der Eröffnung einer eigenen Gärtnerei (mit-)konfrontiert.

Schliesslich findet Samantha heraus, dass mit ihrem katastrophalen Fehler in der Kanzlei etwas nicht stimmen kann. Ist ihre Zukunft auf dem Land oder kann sie ihre Unschuld beweisen und sich rehabilitieren? Diese überaus witzige Lektüre mit leicht überzogenen Charakteren ist ein toller Seitenumdreher, der einen immer wieder laut lachen und die Zeit völlig vergessen lässt.  



Sophie Kinsella: 
Göttin in Gummistiefeln
Wilhelm Goldmann Verlag, 2006

25. Oktober 2013

Gloria Alden: The Blue Rose – A Catherine Jewell Mystery

Eine blaue Rose ist der Traum vieler Rosenzüchter. August Chatterton kann sich nicht mehr an der angeblich von ihm gezüchteten blauen Rose „The August Chatterton“ erfreuen. Er liegt tot in seinem Garten und ist ganz offensichtlich während einem Anlass auf seinem Grundstück stattgefunden hat, ermordet worden. Da er sich selber die Hände beim Gärtnern nie schmutzig gemacht hätte, glaubt allerdings niemand, dass er der Züchter der beeindruckenden Blütenpflanze ist.Der Polizeichef von Portage Falls, John MacGougal, hat in seiner nunmehr zehnjährigen Dienstzeit noch nie einen Mord aufklären müssen, doch auch ihm wird bei den Ermittlungen rasch klar, dass etliche Personen aus dem Umfeld des Mordopfers ein starkes Motiv haben.

Entdeckt hat den Toten Catherine Jewell, die teilzeitlich als Botanikerin in Elmwood Gardens arbeitet, da sie mit ihrem kleinen Gartencenter „Roses in Thyme“ ihren Lebensunterhalt (noch) nicht bestreiten kann. In nur vierzehn Monaten hat sie ihre kleine Gärtnerei in eine ganz besondere Oase verwandelt und hat noch viele Pläne. Verwirklicht hat sie bereits einen „Terra Cotta Geschenkshop“, ein Besucher-Center, einen Topiary-Garten, einen Rosengarten sowie einen weissen und einen blauen Garten. Die Frau mit polnischen, slowakischen und englischen Wurzeln und Vorfahren aus noch mehr europäischen Ländern ist seit zehn Jahren verwitwet. Damals sind ihr Mann und ihre Tochter tödlich verunglückt. Inzwischen vermag sie langsam wieder zuversichtlicher vorwärts schauen.

Noch bevor John MacGougal herausfindet, welches Motiv zum Mord geführt hat, ereignet sich ein zweiter aussergewöhnlicher Todesfall. Neben dem Polizeichef  und seinem Team spitzt auch Catherine bei jeder Gelegenheit ihre Ohren und versucht, die verschiedenen sich im Umlauf befindenden Anschuldigungen als Gerüchte zu entlarven. Kann es sein, dass der ehemalige Chefgärtner, der vom nicht sehr beliebten Chatterton nach über zwanzig Dienstjahren vor die Gartentore gestellt worden ist, sich gerächt hat? Und was hat es mit dem mysteriösen Todesfall auf sich, aufgrund dessen der aktuelle Chefgärtner, ein ehemaliger Mönch, das Kloster wieder verlassen hat? Auch verschiedenen Familienangehörigen scheint Chattertons Tod nicht ungelegen zu kommen und die Ehefrau wird auch nicht gerade von ihrer Trauer erdrückt.

Es ist kein Geheimnis, dass Chatteron sich nicht für Blumen an sich interessierte, sondern nur für den Eindruck und das Ansehen, das er mit diesen erzielen konnte. Doch wie kam er in den Besitz einer blauen Rose? Catherine scheint mit ihren Nachforschungen jemandem auf die Füsse zu treten. Denn plötzlich steht sie selber im Fokus und ihr Haus wird gründlich durchwühlt, worauf sie sich enschliesst, ihre Informationen mit dem Polizeichef zu teilen.

Kürzlich ist bereits ist ein zweites Buch aus dieser neuen Gartenkrimi-Reihe erschienen: Daylilies for Emily’s Garden. Und die Leserin darf gespannt weiterverfolgen, was aus Catherines beruflichen Gartencenter-Plänen wird und ob sie und John sich auch privat näher kommen




Gloria Alden: 
The Blue Rose – A Catherine Jewell Mystery 
Eigenverlag, 2012

21. Oktober 2013

Henriette Krahnstöver: Zwischen Rüben und Güldengossa – Aus den Lebenserinnerungen des Schlossgärtners Reinhold Hofmann im Leipziger Südraum

Die Gartenarchitektin Henriette Krahnstöver erfuhr in den 1980er Jahren von handschriftlichen Aufzeichnungen eines Gärtners. Trotz umfangreicher Bemühungen waren diese nicht zu lokalisieren und die Herausgeberin dieser Publikation hatte sich schon damit aufgefunden, nie in diesen Notizen blättern zu können, als ihr das Schicksal Anfang des 21. Jahrhunderts doch noch eine Kopie der Unterlagen in die Hände spielte.

Ausgewählte Abschnitte aus diesen Texten, der sogenannten „Reinholdeana“, hat sie inzwischen mit weiterführenden Ergänzungen samt Angaben zur historischen Entwicklung von Rüben und Güldengossa erweitert und als Zeitdokument einer Gärtnerdynastie von ca. 1850 – 1950 veröffentlicht. Der Verfasser der mit roter Tinte geschriebenen Handschrift, Reinhold Hofmann, wurde 1875 als letzter Sohn eines Gärtners und Enkel eines ehemaligen Schlossgärtners in Rüben geboren. Seine niedergeschriebenen Lebenserinnerungen hat er einer seiner Töchter zur Silberhochzeit geschenkt.

Die illustrierte Publikation vermittelt einen Einblick in den damaligen Alltag, Arbeitsverhältnisse, Umgangsformen sowie Bräuche und natürlich in die Lebensgeschichte des Reinhold Hofmann vom kleinen Spielgefährten einer Rittersguttochter, seinen Lehrjahren bis zur Pacht eines eigenen Gartenbetriebes mit Weinberg. Die Rede ist von schweren Krankheiten, Unfällen, Jagderlebnissen und gefährlichen Ausflügen auf brüchigem Eis. Rattenbekämpfung und Krähenplagen sind ein Thema, aber auch eher Skuriles wie etwa ein merkwürdiger Skelettfund in einer alten Eiche. Reinhold Hofmann verurteilt das „Scheinleben“ besserer Kreise und berichtet von der Quantität und Qualität des Essens – es gab viel, aber wenig Gutes.

Zusammen mit zwei Knaben hat der Verfasser schon als kleiner Junge ein eigenes Gärtchen bestellt. Nach Abschluss der Schule besuchte er einen Gehilfenkurs in einer Gärtnerlehranstalt, auf den zwei praktische Lehrjahre im Gärtnereibetrieb des Vaters folgten. Hier kam er aber nicht in den Genuss einer Spezialbehandlung. Ganz im Gegenteil, denn der Chef wollte sich nicht nachsagen lassen, er bevorzuge seinen Sohn. Schliesslich muss wer selber Vorgesetzter werden will genau wissen, wie alle Arbeiten erledigt werden müssen, damit er diese auch vorzeigen und delegieren kann.

Am Anfang seines Berufslebens gehörte die Auslieferung von Primeln an Leipziger Blumengeschäfte zu seinen Aufgaben. Beide Händen vollgepackt mit je fünf mit einem Ledergurt zusammengebundenen Kisten machte er sich jeweils zu Fuss und mit dem Zug auf den recht langen Weg. Später arbeitete er an verschiedenen Stellen, so auch in Lörrach, Basel, Zürich, Lausanne und Hamburg bis er schliesslich in Güldengossa den Posten des Obergärtners übernahm. Das Leben des Verfassers war geprägt von Höhen und Tiefen. Seine erste Frau stirbt früh und liess ihn mit vier Kindern als Witwer zurück und sein beruflicher Erfolg weckte auch viel Neid.

Berufe mit Pflanzen und Blumen wurden in dieser Familie scheinbar bevorzugt ausgeübt. Reinholds eigener Urgrossvater war seinerzeit mit seinem Vorgesetzten nach Paris gereist, um die Gartenanlagen von Versailles zu studieren und zu skizzieren und daheim in Sahlis nachzupflanzen. Diese schöne Geschichte wird aber von der Herausgeberin Henriette Krahnstöver anhand anderer Quellen angezweifelt. Nachweisbar richtig ist aber, dass Reinhold Hofmanns Sohn ebenfalls den Gärtnerberuf erlernte und alle drei Töchter Blumenbinderinnen wurden.  



Henriette Krahnstöver: 
Zwischen Rüben und Güldengossa – Aus den Lebenserinnerungen des Schlossgärtners Reinhold Hofmann im Leipziger Südraum 
Pro Leipzig, 2012

17. Oktober 2013

Helen Hendricks Friess: The Red Geranium

Was verbindet eine junge Anwältin in Pittsburgh, einen Obdachlosen, ein um seinen im Irakkrieg getöteten Sohn trauerndes Paar, eine alte Frau, die sich für ihre finanziellen Probleme schämt und sich deshalb fast völlig von der Umwelt zurückgezogen hat, eine junges kinderloses Paar, einen trauernden Witwer und ein Tanzlehrerehepaar in Geldnöten? Sie alle sind nacheinander Empfänger eines Geschenks in Form einer Geranie, der magische Kräfte nachgesagt werden.

Die erste Empfängerin im Buch ist Katie, eine angehende junge Anwältin. Über Pflanzen und Blumen weiss sie nicht sehr viel, aber sie hat selber herausgefunden, dass ihr die rote Geranie in ihrem Büro wie vorhergesagt Glück gebracht hat. Erhalten hat sie die Pflanze vom Vorbenutzer des Raumes und er hat ihr bei der Übergabe versprochen, die Blume werde ihr Glück bringen. Und tatsächlich hat Katie die Geranie ein Jahr gut gepflegt und in diesem Jahr einen erstaunlichen beruflichen Erfolg – gar nicht selbstverständlich in Anbetracht ihres jugendlichen Alters - erzielt und ihre anfängliche Skepsis abgelegt. Da ihr ein längerer Auslandaufenthalt bevorsteht, ist es an der Zeit, die Pflanze weiterzugeben.

Ihr Büronachfolger möchte die Pflanze entsorgen und so überlegt Katie, wer etwas Glück vertragen könnte.
Spontan entscheidet sie sich, die blühende Pflanze mit einem Hinweis auf ihre geheimen Kräfte, einigen Sandwiches und einer Thermosflasche voll heissem Kaffee zu dem Platz zu bringen, wo Obdachlose leben. Sie setzt ihr Vorhaben umgehend um und verschwindet wieder in der kalten und dunklen Nacht, ohne dass sie beobachtet worden ist.

Ihre Box, die Flasche und die Pflanze werden vom ehemaligen Irakkrieg-Soldaten Bryan, den seine traumatischen Erlebnisse völlig aus der Bahn geworfen haben, gefunden. Das Essen teilt er mit anderen Obdachlosen, während die rote Geranie Erinnerungen an bessere Zeiten in ihm weckt und ihn an seine geliebte verstorbene Grossmutter denken lässt, bei der er aufgewachsen ist. Schon als fünfjähriger Junge hat er sämtliche botanischen Namen gekannt, weil er ihr oft im Garten geholfen hat. Plötzlich schämt er sich für seine jetzige Lebenssituation und packt ohne weitere Überlegungen die Thermosflasche und die rote Geranie ein und verlässt das Hoffnungslosigkeit ausstrahlende Areal. Ohne genaues Ziel und ohne dem strömenden Regen Beachtung zu schenken läuft er Richtung Berge.

Nach vielen Kilometern Fussmarsch fast ohne Nahrung ist Bryan einem Zusammenbruch nahe. Ein Fahrer, der ihn freundlicherweise über eine längere Strecke mitgenommen hat, rät ihm, seine rote Geranie bei einem gewissen Pete gegen ein Sandwich zu tauschen. Doch dieser Pete bietet dem jungen Mann gleich viel mehr als etwas Essen an. Er nimmt ihn mit nach Hause und auch seine Frau stört sich nicht an Bryans ungepflegtem Äussern („nichts was sich nicht mit Wasser und Seife in Ordnung bringen lässt…“). Pete offeriert ihm ausserdem einen Job und sogar die Möglichkeit, mit seinen geliebten Blumen zu arbeiten. Und Bryan nutzt diese Chance, fasst beruflich Fuss und ist obendrein ausserordentlich erfolgreich in seiner neuen Tätigkeit. Pete und seine Frau sind ihm eine grosse Stütze und gleichzeitig hilft Bryan den beiden, einen Weg aus ihrer riesigen Trauer zu finden, die sie zu erdrücken droht, seit ihr eigener Sohn Joe im Irakkrieg gestorben ist.

In der Folge wird die Glück bringende rote Geranie immer wieder weitergegeben und verbreitet ihre scheinbar magischen Kräfte, indem sie den Anstoss für private und berufliche Veränderungen übernimmt und Bewegung in festgefahrene Leben bringt. Und plötzlich hält Bryan, der sich mittlerweile als Blumenspezialist und Pflanzendoktor einen Namen gemacht hat, eine beschädigte rote Geranie in den Händen, die sich als sein ehemaliger Glücksbringer entpuppt. Daraufhin versucht er, den von der Pflanze in der Zwischenzeit zurückgelegten Weg zurückzuverfolgen und wird damit gleichzeitig in sein eigenes früheres Leben zurückkatapultiert.

Aber zuvor liest der Leser von Jeannie und ihrer unermesslichen Trauer um ihren verstorbenen Sohn, von Alma, Ende 80, die allein und ohne Stromversorgung auf einem Berg lebt, von Judy und ihrem unerfüllten Kinderwunsch, der allein erziehenden Mutter Maureen ohne Job, den beiden Tänzern Linda und Dan, die nach einem Autounfall nicht mehr selber tanzen können und dem einsamen Witwer Tom.

"The Red Geranium" ist ein fast märchenhafter Roma für Erwachsene, die an das Gute in Menschen und etwas Magie glauben . Dieses Buch hat übrigens die gleiche rote Geranie (eigentlich Pelargonie) als Motiv auf dem Umschlag wie "Common Ground" von Janice Marriott und Virginia Pawsey – der Inhalt der beiden Publikationen ist ist aber völlig verschieden. Empfehlenswert sind hingegen wieder beide.



Helen Hendricks Friess: 
The Red Geranium 
iUniverse LLC, 2013

13. Oktober 2013

Anette Gräfe: Der Gärtner war’s (Anthologie)

Woran soll der Gärtner wieder schuld sein? Für diese Anthologie wurden Geschichten von Autorinnen und Autoren unterschiedlichster Altersstufen zusammengetragen. Falls Ihnen beim Titel gleich die etwas abgedroschene Redewendung „Der Gärtner ist immer der Mörder“ in den Sinn gekommen ist, so sind Sie (wenigstens grösstenteils) auf der falschen Fährte. Denn auf diesen rund 250 Seiten ist der Gärtner der Held, der Liebhaber, der Retter in Not oder er übernimmt auch mal detektivische Aufgaben und stellt psychologische Überlegungen an. Und ja, ab und zu hat er auch die Rolle des Mörders inne. Dazwischen widmet er sich aber natürlich auch seinem Beruf und kümmert sich um Rosen, Tulpen, Bonsais und anderes Grünzeug.

Die meisten Geschichten spielen in der Gegenwart, doch auch die Zeit der Tulpenmanie bildet die Kulisse für einen Kurzkrimi. An anderer Stelle sorgt der Gärtner mit etwas Magie und Zauber nicht nur für das Wohlergehen der Pflanzen, sondern auch für notwendige Veränderungen im Leben der Gartenbesitzerin. Und wenn der Gärtner für einen geringen Lohn wertvolle Blumen züchtet, welche die Kasse seines eher undankbaren Arbeitgebers klingeln lassen, könnte man ihn in der betreffenden Geschichte beinahe als Werkzeug und Handlanger desselben bezeichnen.

Einer meiner Lieblingsbeiträge ist „Lateinischer Sommer“. Hier geht es um die subtile Rache einer Gärtnerin an einer gartenschändenden Nachbarin mittels eines Diavortrages im lokalen Gartenbauverein. Der Anlass trägt den sinnigen Titel „Vicina flava maligna – ein singulärer Gartenschädling“. Nicht allen Teilnehmern ist schon vor dem Besuch der Veranstaltung bewusst, dass es sich dabei um die Bewältigung von gemeinen Attacken handelt. Und zwar nach dem Motto: „Herausforderung annehmen, alles ist irgendwie umnutzbar!“

Die Geschichten mit Titeln wie „Des Rätsels Lösung“, „Lange Schatten“, „Rote Rosen“, „Die Hymne ans Gras“, „Das Mörderspiel“ und „Minigeschichte“ sind inhaltlich komplett verschieden. Die einzige Gemeinsamkeit ist die Leitparole „Der Gärtner war’s“. Und so verschieden wie die Altersgruppen der Verfasser sind, so unterschiedlich ist auch das Niveau der einzelnen Beiträge. Will heissen, Spannung und Leselust schwanken etwas je nach Schreibstil des jeweiligen Verfassers.

Doch diese nicht immer ausschliesslich positive Vielfalt sollte Sie nicht davon abhalten lassen, selber über den Gärtner zu lesen, der (angeblich) zerstört statt zu pflegen, giessen und zu düngen, damit sich die erwünschte Blütenpracht einstellt. Und vielleicht lassen Sie sich trotzdem zum Nachdenken anregen durch die "Minigeschichte" über Nacktschnecken und erschrecken über die Folgen von Rasendünger-Missbrauch.


Anette Gräfe (Hrsg.): 
Der Gärtner war’s 
net-Verlag, 2013

9. Oktober 2013

Lucinda Riley: Der Lavendelgarten

Die 30jährige Emilie de la Martinières hat sich erfolgreich eine Existenz als Veterinärin aufgebaut. Doch als ihre unnahbare Mutter stirbt, liegt es an ihr, der letzten Erbin eines alten adeligen Geschlechts, sich um den Nachlass, zu dem auch ein Château in der Provence gehört, zu kümmern. Die Erbschaftsangelegenheiten bringen Emilie trotz grosser Unterstützung ihres Anwaltes an ihre Grenze. Denn die junge Frau verfügt wegen ihrer dominanten Mutter über ein sehr mangelndes Selbstbewusstsein und starke Minderwertigkeitskomplexe. Jahrelang hat ihre verstorbene Mutter, die sich nie für ihre einzige Tochter interessiert hat, über die Verhältnisse gelebt und sich nicht um den notwendigen Unterhalt geschweige denn um Erneuerungen und Investitionen gekümmert. So muss die junge Erbin etliche wichtige und grundsätzliche Entscheidungen betreffend der Immobilien, des Weinguts, der umfangreichen wertvollen Bibliothek und anderer Wertgegenstände fällen.

(Vermeintlich) zufällig lernt Emilie den englischen Kunsthändler Engländer Sebastian Carruthers kennen, der ihr schon bald viele Aufgaben abnimmt. Zum ersten Mal in ihrem Leben ist Emilie richtig verliebt und sie heiratet recht überstürzt. Unkontrolliert lässt sie Sebastian schalten und walten und unterstützt ihn finanziell äusserst grosszügig. Sie folgt ihm sogar nach England, wo sie zusammen mit seinem gelähmten Zwillingsbruder Alex unter einem Dach auf Blackmoor Hall, aber in getrennten Wohnungen, leben.

Mangels anderer Aufgaben bringt Emilie den Garten auf Vordermann und bepflanzt Töpfe mit Winterstiefmütterchen. Und während sie an langen Tagen ungeduldig auf die Rückkehr ihres abwesenden Gatten wartet, der zudem per Handy meist nicht erreichbar ist, beginnt sie bereits an der Richtigkeit ihrer Eheschliessung zu zweifeln. Wäre sie nicht doch besser allein geblieben? Hatte sie nicht schon als Kind herausgefunden, dass man sich nur durch Vermeiden von zu viel Nähe zu anderen Menschen vor Enttäuschungen und Verletzungen bewahren kann?

Sebastian und sein Zwillingsbruder Alex haben ein sehr schwieriges Verhältnis zueinander und beschränken den Kontakt auf das absolut Notwendige. Wider Erwarten freundet sich aber Emilie mit ihrem Schwager an und beginnt gleichzeitig sich mit der Vergangenheit ihrer eigenen Familie auseinanderzusetzen, als sie per Zufall Gedichte ihrer längst verstorbenen Tante Sophia in die Hände bekommt.

Der zweite Erzählstrang spielt in den letzten zwei, drei Jahren des 2. Weltkrieges. Das Vorkommen eines weiteren verfeindeten Zwillingsbruderpaars lässt den Leser falsche Schlüsse aus diesen Parallelen ziehen und die verhängnisvolle Liebe zwischen der jungen blinden Sophia mit einem Deutschen hat Folgen bis in die Gegenwart fünfundfünfzig Jahre später. Emilie entdeckt eine Verbindung zwischen ihrer französischen und Familie und den englischen Vorfahren ihres Mannes aus den Kriegsjahren und erfährt von schrecklichen Vorkommnissen aus der Vergangenheit. Wer ist Sebastian wirklich und welche Ziele verfolgt er? Durch die Auseinandersetzung mit der jüngeren Vergangenheit ihrer Familie wird Emilie erwachsen. Sie lernt endlich Entscheide zu treffen, diese durchzusetzen und selber Verantwortung zu übernehmen.

Die berührenden Erzählstränge sind meisterhaft miteinander verwoben und die Leserin erfährt nebenbei einiges über Spionagetätigkeit im Krieg. Wenn sich auch eine der Schlüsselszenen im Garten abspielt, hat dieser keine grosse Bedeutung im Roman und das Buch kann nicht wirklich als Gartenroman bezeichnet werden. Eine wichtige Rolle in der Erzählung nehmen hingegen die beiden Bände „Die Herkunft der französischen Obstsorten“ von Christopher Pierre Beaumont aus dem Jahr 1756 ein, die zusammen einen geschätzten Wert von etwa fünf Millionen Pfund haben.  



Lucinda Riley: 
Der Lavendelgarten 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013

5. Oktober 2013

Stefanie Hauschild: Gärten im Licht - Impressionisten und ihre Gärten

Die dem Impressionismus zugeordneten Maler haben häufig gleichzeitig eine enge Verbindung zum Garten. Während die einen ihn „nur“ als Motiv und Aussenatelier benutzten, haben andere selber zu Spaten und Hacke gegriffen und für Ordnung und eine farbenfrohe Blütenpracht in den Beeten gesorgt. In dieser üppig illustrierten Publikation führt Stefanie Hauschild die Leser in die Welt der Malerei und Gartenkunst und gibt in neun Kapiteln und der Einleitung Einblick in das Verhältnis zwischen Garten und Malerei der folgenden Künstler:

Auguste Renoir, Berthe Morisot, Edouard Manet, Max Liebermann, Gustave Caillebotte, Claude Monet, Childe Hassam, Vincent van Gogh, Henri Le Sidaner und Lucian Freud.

Gärten sind einem steten Wandel unterworfen. Sie verändern sich und auch die hier vorgestellten Künstlergärten existieren nicht mehr im Original. Geblieben sind die Kunstwerke, die dauernde Zeugen der einstigen Pracht sind, und mit ihren Farbkontrasten und dem Licht- und Schattenspiel noch heute zahlreiche Bewunderer finden. Mit dem Impressionismus prägten nicht mehr zeichnerische Elemente die Bilder, sondern die Farben. Und wurde bis anhin im Freien höchstens skizziert und dann das Gemälde im Atelier fertiggestellt, trug man nun die Staffeleien in die Natur hinaus und das Werk wurde so gut wie möglich - den Wetterlaunen ausgesetzt - draussen gemalt.

Gleich zu Beginn macht die Autorin klar, dass es jedoch oft nicht leicht festzustellen ist, wo die impressionistischen Gartenbilder überhaupt entstanden sind, da wenig über die Arbeitsweise dieser Künstler bekannt ist. Denn nicht von allen Malern liegen dermassen ausführliche biografische Informationen vor wie etwa von Claude Monet und Max Liebermann. Andere Maler wie Edouard Manet wollten gar nicht zu den Impressionisten gezählt werden, pflegten aber enge Kontakte zu diesen. In ihren Texten gibt Stefanie Hauschild nebenbei auch Informationen über moderne Pflanzen zu Lebzeiten der Impressionisten und man erfährt, dass der monochrome Garten keine Erfindung von Vita Sackville-West ist.

Einer der bekanntesten Künstlergärten wurde von Claude Monet angelegt, der sich stark für die Botanik interessierte. Als es ihm finanziell möglich war, hat er zwar Gärtner eingestellt, aber trotzdem immer auch selber gegärtnert. Nach seinem Tod wurde der Garten in Giverny lange vernachlässigt und erst später mit Hilfe alter Dokumente und angepassten Pflanzplänen wieder rekonstruiert.

Mit dem Maler Gustave Caillebotte, dem Geldsorgen fremd waren und der deshalb nicht auf den Verkauf seiner Bilder angewiesen war, pflegte Claude Monet freundschaftliche Kontakte. Caillebotte stammte aus gutem Haus und widmete seine Zeit hälftig der Malerei und dem Gärtnern. Zu seinem grünen Reich gehörten ein ummauerter Küchengarten, Obstbäume, ein Rosengarten, Blumenbeete und ein Gewächshaus. Der passionierte Künstlergärtner tauschte mit Monet Pflanzen und die beiden besuchten gemeinsam Gartenausstellungen.

Berthe Morisot, die einzige Frau unter den hier vorgestellten Malern, wiederum nutze Gärten in ihren Bildern als idyllische Szenerie hinter Menschen und sie arbeitete bevorzugt im Atelier. Auch Vincent Van Gogh besass keinen eigenen Garten. Seine Motive aus der Gartenwelt hat er in künstlerischer Freiheit „verbessert“, indem er beispielsweise die Wurzelstöcke der Schwertlilien auf den Bildern einfach weggelassen hat. Ganz allgemein sind die Blumen auf den Gemälden oft nur schwer oder gar nicht identifizierbar.

In Europa eher unbekannt ist Celia Thaxter. In den USA hingegen ist ihr Buch „An Island Garden“ mit Gemälden ihres Blumengartens von Childe Hassam wiederholt neu aufgelegt worden. Die besondere Liebe der Hotelierin galt dem Mohn, den sie jährlich in verschiedenen Sorten aufzog: Klatschmohn, kalifornischen Mohn, Islandmohn, türkischen Mohn sowie Schlafmohn. Ihr Garten hatte nur eine Grösse von 15 mal 4.5 Meter und in ihren Beeten hatte sie die Blumen aus praktischen Gründen nach Grösse sortiert. Denn Celia Thaxter malte nicht, ihre kreative Beschäftigung mit Blumen war das Arrangieren.

Im Anschluss an die Lektüre verführen zwei Seiten mit Literaturtipps zum Weiterlesen über Künstler und/oder ihre Gärten. Ich habe mein Monet-Buch, das ich Anfang 2005 anlässlich des Besuchs der Ausstellung „Monet’s Garten“ im Kunsthaus Zürich gekauft habe, wieder einmal durchgeblättert. Sind es tatsächlich schon wieder fast neun Jahre her, seit ich mich dort durchs Publikum gekämpft habe, um einen Blick auf die Seerosenbilder und verschiedene Dokumente rund um den Garten und die Gartengestaltung zu werfen? Und ich lese aktuell endlich Celia Thaxters „An Island Garden“ und bewundere die Bilder des amerikanischen Impressionisten Childe Hassam – ein schönes Buch, das schon viel zu lange ungelesen auf dem Regal gestanden hat.

Das Buch „Gärten im Licht“ ist ein ideales Geschenk für Garten- und Kunstliebhaber und es eignet sich als informativen Einstieg ins Thema Künstler und ihre Gärten. Statt der unbestritten reizvollen (sich aber wiederholenden) Blumenillustrationen hätte ich mir mehr Gartenbilder von den vorgestellten Malern gewünscht.



Stefanie Hauschild: 
Gärten im Licht - Impressionisten und ihre Gärten 
Jan Thorbecke Verlag, 2013

1. Oktober 2013

Wolf-Dieter Storl: Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer

Immer wieder liest man über Bemühungen, die Flussufer vom Indischen Springkraut (Impatiens glandulifera) zu befreien und von Rodungen grossflächiger Ausbreitungen von Kanadischer Goldrute (Solidago canadensis), da diese Neophyten die einheimischen Gewächse bedrohen, sprich deren Lebensräume beanspruchen und diese verdrängen. In seinem Buch „Wandernde Pflanzen“ vertritt Wolf-Dieter Storl die Meinung, dass diese Pflanzen mit Migrationshintergrund als unwiderrufliche Bestandteile unseres Ökosystems akzeptiert werden müssen und begründet seine Ansichten ausführlich. Zwei Punkte sind dabei besonders wesentlich: Diese stillen Eroberer müssen genau kennengelernt werden und man darf nicht vergessen, dass die Natur einem beständigen Wandel unterliegt. Viele dieser Neophyten gehören ausserdem Gattungen an, die in den Eiszeiten aus Mitteleuropa verschwunden sind und sind somit als Spätheimkehrer zu betrachten.

Unterteilt ist das Buch „Wandernde Pflanzen“ in die folgenden Kapitel:

- Pflanzen mit Migrationshintergrund
- Gute Pflanzen, böse Pflanzen
- Die grünen Begleiter der ersten Kolonialisten
- Psychologische Aspekte des Neophyten-Problems
- Die ganz Bösen
- Unerwünschte Gehölze
- Neophyten entlang der Autobahn und im Garten

Neben vielen spannenden Geschichten und beeindruckendem Hintergrundwissen sind in dieser illustrierten Publikation viele ausführliche Pflanzenportraits eingefügt und im Serviceteil finden sich ein Literaturverzeichnis, Internetadressen, Angaben zum Autor und ein Stichwortverzeichnis.

Wie kommt es, dass Pflanzen erst als Bienenweiden begrüsst wurden und nach Jahrzehnten oder sogar nach Jahrhunderten schliesslich als unerwünschte Neophyten auf schwarzen Listen landen und mit aller Macht ausgerottet werden sollen? Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) beispielsweise kam 1814 als Geschenk des russischen Zaren an Fürst Metternich nach Europa und wurde dannzumal von Botanikern bewundert und seine Samen wurden rege getauscht. Johann Wolfgang von Goethe liess eigens ein Podest bauen, damit er die Blüte und den Samenstand genau aus der Nähe betrachten konnte. Heute zählt der Riesenbärenklau zu den meistgehassten Neophyten. Doch ist es tatsächlich sinnvoll, mit dem Festlegen eines willkürlichen Zeitpunktes als Grenze (nämlich das Jahr 1492) zu versuchen, einen Idealzustand festzuhalten oder einen solchen zu erreichen? Die Herausforderungen im Umgang mit Nyophyten sind übrigens kein isoliertes europäisches Problem – andere Kontinente kämpfen mit den gleichen Sorgen, (teilweise) verursacht durch andere Pflanzen. Im Buch wird speziell Südafrika thematisiert.

Die Pflanzenkarrieren solcher Migranten verlaufen nach folgendem Schema: 1. Einfuhr, 2. Etablierung und Anpassung, 3. Invasion sowie 4. Sättigung und biologische Einbindung. Parallel dazu verlauft häufig die Einführung von Parasiten; unbeabsichtigt oder auch gezielt zwecks Einsatz als biologische Waffen. Letzteres hat häufig weitere Probleme zur Folge. Neophyten sind wie die gesamte Umwelt ein Spiegel der Bedingungen auf unserem Planet, geprägt von Klimawandel, intensiver Bewirtschaftung und Verstädterung. Werfen Sie doch beim nächsten Zwangsstopp in einem Stau auf der Autobahn einen Blick auf den Mittelstreifen und beachten Sie die zähe Pflanzenvielfalt, die trotz Hitze, Trockenheit und Salzrückständen gedeiht.

Viele in unzähligen Jahren, Jahrhunderten und Jahrtausenden gewachsene natürliche Verbindungen, wie etwa das vom Autor angeführte Beispiel von Prärie und Bisons, sind endgültig zerstört. Bestehen wie Wolf-Dieter Storl vermutet, Verbindungen zwischen Krankheiten und Neophyten? Er hat beobachtet, dass sich als Heilpflanzen eignende Neophyten gerade dort extrem verbreiten, wo sich gleichzeitig Krankheiten ausbreiten, die durch solche bekämpft werden könnten. Und er findet es erstaunlich, dass niemand solche Zusammenhänge, wie den von ihm beobachteten zwischen Borreliose und der Karde (Dipsacus sylvestris) genauer untersucht und fordert ein prinzipielles Umdenken im Umgang mit Neopyhten – diese sollen nicht als Bedrohung, sondern als Ergänzung betrachtet werden.

Hat der Autor recht mit seiner Behauptung, es würden absichtlich horrende Zahlen an Neophyten und durch diese verursachte Schäden genannt, damit Herbizidhersteller profitieren und gleichzeitig mehr Forschungsgelder und Mittel für Umweltämter und Universitäten gesprochen werden? Storl verfügt jedenfalls über ein immenses Wissen und weiss spannende Geschichten zu erzählen. Obwohl er nicht müde wird, seine von Wissenschaftlern grundsätzlich entgegengesetzten Ansichten über die stillen Eroberer zu betonen, erscheinen seine Plädoyers nicht missionarisch, sondern lassen den Leser nachdenklich zurück. Und zwar mit dem leisen Gefühl von (fast) komplettem Unwissen über die Zusammenhänge in der Natur. Eine Erkenntnis, die auch dem Autor nicht fremd zu sein scheint, wenn man seine weisen und liebevollen Schlussbemerkungen liest.

Storl probiert übrigens vieles an sich selber aus und nicht immer gehen diese Eigenversuche positiv aus. Ein Zuviel an Gartenmelde (Atriplex) etwa ist gar nicht gesund.  



Wolf-Dieter Storl: 
Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer 
AT Verlag, 2012

29. September 2013

Astrid Thadewaldt und Carsten Bauer: Blutblume

In der Kleingartensiedlung „Kleinklee“ wird der ermordete Peter Winkler aufgefunden. Der für die Ermittlungen zuständige Hauptkommissar Frithjof Arndt hat eine Abneigung gegen alles Kleinbürgerliche und Pedantische, wozu er auch Schrebergartensiedlungen zählt. Arndt ist verwitwet, unnahbar, kühl wie ein Eisberg und sich selbst meist genug. Er trauert immer noch stark um seine vor bald fünf Jahren auf offener Strasse ermordete Frau und hadert damit, dass dieses schreckliche Verbrechen nie aufgeklärt worden ist.

Schnell zeigt sich, dass keiner der Parzellennachbarn ein gutes Wort über den Verstorbenen zu berichten hat. Letzterer galt als gewalttätiger Herumtreiber und hat weder seinen Garten gepflegt – der Rasen steht fast kniehoch und auch die Gemüsebeete locken keine Erntediebe herbei – noch hat er sich um freundnachbarschaftliche Beziehungen bemüht. Ganz im Gegenteil, der vorbestrafte Pächter Winkler war fast pausenlos betrunken, hat herumgepöbelt und suchte den Streit.

Winkler interessierte sich weder für die Rosenzüchtungen noch für die Staudenbeete seiner Parzellennachbarn. Dafür ergeben die Ermittlungen, dass der Ermordete ein Talent dafür hatte, bei verschiedenen Gärtnern einen wunden Punkt in der Vergangenheit zu finden, mit dem er Geld erpressen konnte. Ganz offensichtlich war der 33jährige Winkler sehr erfolgreich darin, hinter akkurat geschnittenen Hecken in den einwandfrei gepflegten Gärten Unkraut, sprich dunkle Geheimnisse, zu entdecken, während er dem Gemeinschaftssinn und den dazugehörigen Gemeinschaftsdiensten rein gar nichts abgewinnen konnte. Er schreckte auch nicht davor zurück, Gerüchte in die Welt zu setzen, die jeglicher Grundlage entbehrten, aber natürlich dennoch ihren Zweck erfüllten. Wer kauft schon Fleisch in einer Metzgerei, wenn dort anscheinend unsaubere Ware, also Gammelfleisch, verarbeitet wird?

Auf dem Sommerfest in der Kleingartenanlage wurde das Mordopfer zuletzt lebend gesehen. Was geschah zwischen diesem Zeitpunkt und dem Auffinden der Leiche? Offensichtlich wurde durch die Gewalttat die Gemeinschaft unter den Gärtnern zerstört. Kommissar Arndt bekundet nicht nur Mühe mit dem heissen Sommer in Itzehoe, sondern auch mit den Ermittlungen im Schrebergartenmilieu. Nicht nur einmal tritt er auf einen Gartenzwerg und ärgert sich über die anschliessende Tonfigurensterbediskussion.

Den Buchtitel "Blutblume" finde ich eher abstossend. Und völlig übertrieben dargestellt und auch überflüssig finde ich die Figur der schusseligen Frau Bommel, einer Mitarbeiterin aus dem Kommissariat, die eine Katastrophe nach der anderen auslöst. In die Handlung eingeflochten werden ausserdem Geschichten aus dem Privatleben von Kollegen, die teilweise unfertig bleiben.  



Astrid Thadewaldt und Carsten Bauer: 
Blutblume 
Gmeiner-Verlag, 2007

25. September 2013

Hermann Gröne: Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten – artenreich, naturnah, pflegeleicht

Die Aktivitäten des Gartengestalters Hermann Gröne verfolge ich gelegentlich in den neuen Medien und habe auch schon (zugegebenermassen leicht neidisch) in den Berichten, der von ihm begleiteten Gartenreisen gelesen. Mit dem in der Buchreihe „Das Gartenportrait“ der Deutschen Verlags-Anstalt erschienenen Titel „Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten“ haben Sofagärtner nun die Möglichkeit, den als Schaugarten genutzten Privatgarten des Autors in Papierform kennenzulernen.

Als zwölfjähriger Junge ist Hermann Gröne regelmässig am Grundstück vorbeigeradelt, das heute in seinem beruflichen und privaten Leben einen wichtigen Platz einnimmt. Über die damalige Gartenbepflanzung erfährt der Leser nichts Genaueres, doch ist davon auszugehen, dass die hohen alten Bäume, die den Garten heute gliedern, schon damals gestanden haben. Rund zweitausend Quadratmeter stehen dem Autor als Experimentierfeld zur Verfügung; inklusive einem annähernd idealen Boden und einem milden Klima. Einen ersten Überblick über die verschiedenen Gartenbereiche gibt der Gartenplan auf der Innenseite des Bucheinbands. In der eigentlichen Publikation bestätigen rund einhundertzwanzig Farbabbildungen die erfolgreiche Umsetzung von Karl Foersters Motto „Es wird durchgeblüht“.

Der Buchspaziergang führt durch die folgenden Bereiche und Kapitel:

- Auf freier Fläche – Sonnig und trocken
- Auf freier Fläche – Sonnig und frisch
- Klassische Staudenbeete – Farben Ton in Ton abgestimmt
- Im Halbschatten - Von Akelei bis Wiesenraute
- Im Schatten - Von Frühlingswundern und Blattschmuckhelden
- Bäume und Sträucher im Staudengarten - Von kleinen und grossen  
  Gehölzschönheiten

Die Kapitel beginnen mit einer Skizze des betreffenden Lebensbereiches und einer kurzen textlichen Einführung, in der auf die Bedürfnisse der entsprechenden Bewohner eingegangen wird. Die Texte sind recht knapp gefasst, aber aus fast jeder Zeile schimmern die Erfahrung und Leidenschaft des Autors durch und es lassen sich verschiedene Kombinationen von Pflanzengemeinschaften entdecken, die auch für Gärten in kleineren Formaten übernommen werden können. Fortgeschrittene Gärtner werden bestimmt die eine oder andere Muss-Haben-Pflanze unter den vielen vom Autor selber aufgenommenen Fotos finden. Allerdings muss man die dazugehörigen Informationen bzw. Bildlegenden manchmal etwas suchen.

In diesem Garten werden Akzente durch Blattschmuck, besondere Blüten, Samenstände und Früchte gesetzt und keine (unnötigen) Deko-Objekte lenken von den harmonisch komponierten Bildern aus Gräsern und Stauden ab. Der Autor baut Gartentipps in die Texte ein („jäten, nicht hacken“) und gibt Hinweise auf trockenheitresistente Pflanzen, besondere Solitäre oder nicht ausläuferbildende Bodendecker - vom kleinen Schattensteinbrech bis zur imposanten Staudenaralie mit kugeligen Samenständen und einer Höhe und Breite bis zweieinhalb Meter.

Ein schöner Lesespaziergang durch verschiedene Jahreszeiten, von dem bleibende Eindrücke und verschiedene Ideen zurückbleiben, wie im Garten das Motto „es wird durchgeblüht“ erfolgversprechend umgesetzt werden kann. Indem man nämlich bei der Pflanzenauswahl die Bedürfnisse der grünen Bewohner gebührend berücksichtigt und die eigenen Vorlieben anpasst oder unterordnet. Interessant wäre es gewesen, in dieser Publikation, in welcher der Gärtner für Text und Fotos aus dem eigenen Garten verantwortlich zeichnet, ein wenig mehr Persönliches zu erfahren – so wie ganz am Anfang des Buches über den zwölfjährigen Jungen.  



Hermann Gröne: 
Ein faszinierender Stauden- und Gräsergarten – artenreich, naturnah, pflegeleicht 
Deutsche Verlags-Anstalt, 2013

21. September 2013

Rückblick und (k)ein Ausblick (?)

Bald sind es fünf Jahre (und 500 Posts), dass ich hier im „Sofagarten“ regelmässig Gartenbücher vorstelle. Und damit ist eigentlich der Zeitraum in etwa abgedeckt, den ich dieser Beschäftigung einräumen wollte. Andere Verpflichtungen und Interessen nehmen vermehrt Zeit und Raum ein und gleichzeitig wächst das „Administrative“ rund um den Blog. Zwar habe ich im Lauf der Zeit eine gewisse Routine im Verfassen der Beiträge entwickelt, aber meine Buchvorstellungen sind natürlich nicht in fünf oder zehn Minuten druckfertig formuliert und tatsächlich könnte frau die Zeit auch sinnvoller investieren, indem sie zum Beispiel das Pensum der Berufstätigkeit erhöht und Ende Monat mehr Geld auf dem Salärkonto ist oder sich der beruflichen Weiterbildung widmet.

Mittlerweile ist es oft recht schwierig, die Motivation sowie die richtigen Worte zu finden mit dem Gefühl im Hinterkopf, dass sich gewisse Publikationen halt vom Inhalt her doch recht ähnlich sind oder sogar wiederholen. Und während der Platz auf den Regalen immer mehr zur Mangelware wird, wachsen parallel die Ansprüche der Sofagärtnerin an die Publikationen, die diesen zugeteilt bekommen sollen. Denn zwar schaffe ich es inzwischen ziemlich gut, Ungeliebtes aus dem richtigen Garten draussen zu entfernen oder mit Vernachlässigung zu strafen, derweilen das im Sofagarten nicht so richtig klappt. Das Nichtbeachten führt ja in letzterem im schlimmsten Fall zu Staubwolken, aber eben nicht zu freien (Pflanz-)Stellen. Zuweilen ist das Aufstöbern (sprich googeln nach botanischen Stichworten) von Romanen oder Krimis mit grünen Inhalten tatsächlich spannender als das Buch selber - obwohl die Backlists solcher Publikationen von meiner Seite her ziemlich abgegrast zu sein scheinen.

So ist es nun an der Zeit zu entscheiden, wie es mit der Sofagärtnerin genau weiter gehen soll. Soll ich ganz aufhören oder vielleicht doch nur die Anzahl und den Umfang der Online-Beiträge reduzieren? Kann ich überhaupt noch ein Buch lesen und geniessen, ohne es mit unzähligen Merkzetteln zu dekorieren? Die nächsten Beiträge sind längst vorgebloggt. Es wird also nicht von heute auf morgen hier Funkstille herrschen. Inzwischen nutze ich die Gelegenheit, in diesen Zeilen ein paar Erlebnisse aus den letzten Jahren festzuhalten.

Dass immer wieder aus meinen Beiträgen abgekupfert wurde, habe ich ja schon wiederholt erwähnt und ich möchte nicht weiter mit diesem Thema langweilen. Als eher unfair empfinde ich auch Tweets als Reaktion auf meine Buchvorstellungen (etwa jenen Artikel über ein mehr als zwanzig  Jahre altes Buch), die quasi als eigene Neuentdeckung herumgezwitschert werden – natürlich ohne einen netten Hinweis darauf, woher der Lektüretipp stammt. Ziemlich dreist war auch jene Autorin, die unter meinem Pseudonym meine eins zu eins übernommene Buchvorstellung auf eine Rezensions-Seite gestellt hat, auf welcher nur Originalrezensionen vom Verfasser selber veröffentlicht werden dürfen. Die richtige Verlinkung meines Blogs mit ihrer eigenen Webseite hat sie dann interessanterweise nicht mehr hinbekommen.

Immer wieder haben sich nette und teilweise recht intensive Kontakte aus Buchbesprechungen ergeben, etwa mit Autorinnen, die beim Ego-Googeln auf meine Seite gestossen sind oder mit anderen Bloggerinnen. Und dann wären da noch die Autoren oder denen in irgendeiner Form nahestehenden Personen (so genau weiss ich das ja nicht - man kann oder sollte schliesslich nicht ständig irgendwelche sowieso oft merkwürdigen Statistiken studieren und interpretieren!), die ein vorgestelltes Buch im Blog tagtäglich x-mal anklicken. Vermutlich gefällt ihnen die Vorstellung, dass es permanent unter der Rubrik „Beliebte Posts“ erscheint. Aufmerksam (oder gemein) wie ich bin, wechsle ich dann gelegentlich den Rhythmus der angezeigten meistgesehenen Beiträge oder entferne gleich die gesamte Rubrik für eine Weile. Vielleicht überschätzen diese "Bewunderer" ganz einfach die Reichweite eines kleinen Gartenbuchblogs? Dazu passt jedenfalls, dass genau diese Schreiberlinge sich nie melden und sich freundlich für die Gratis-Werbung bedanken. Nur so nebenbei bemerkt: bei den weitaus meisten Büchern, die ich hier vorstelle, handelt es sich nicht um vom Verlag zur Verfügung gestellt Rezensionsexemplare.

Harmlos sind die Anfragen, ob man bei mir auch Bücher kaufen kann oder die Nachfragen nach Bezugsquellen. Und dann gibt es noch die unangenehmeren Zeitgenossen, sprich Stalker, die einem erziehen oder auch das Lesen und Vorstellen von (Soft)-Krimis verbieten möchten – diese unerfreulichen Erfahrungen gehören aber definitiv nicht in die virtuelle Öffentlichkeit. Zweifellos ist es sehr interessant, welche Wege bzw. Suchanfragen Interessierte und Nichtinteressierte in den Blog führen und wohl alle ausser die betreffende Person werden nachvollziehen können, dass man als Bloggerin überhaupt keinen Wert darauf legt, dass die eigene Homepage aufgrund irgendwelcher nennen wir es mal "unsauberer" Stichworte bei Suchanfragen gelistet wird und deshalb solche Kommentare ganz sicher nicht veröffentlicht werden.

Was würde ich anders machen, wenn ich nochmals mit Bloggen anfangen würde? Eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage. Die (relative) Anonymität im www sagt mir nach wie vor zu. Aber vielleicht hätte ich auf die eine oder andere Medienanfrage (z. B. vom Fernsehen) etwas offener reagieren sollen?

Aktuell nicht betroffen von obigen Überlegungen sind übrigens die ausgewählten und gekürzten Buchvorstellungen der Sofagärtnerin, die seit Juli 2013 in Papierform erscheinen. Und zwar in der monatlichen Zeitschrift "Der Pflanzenfreund"  des Gartencenters Meier in Dürnten.

17. September 2013

Katie Fforde: Sommer der Liebe

Aus hortikultureller Sicht beginnt dieser Roman recht vielversprechend mit der Bepflanzung eines Erdbeerbeetes und dem erklärten Ziel, auch eigenes Gemüse anzuziehen. Mit Schaufel und Spaten am Werk ist die alleinerziehende junge Mutter Sian Bishop, die mit ihrem vierjährigen Sohn Rory eben erst von London weg in ein gemietetes Häuschen aufs Land gezogen ist. Es sind noch längst nicht alle Umzugskisten ausgepackt, da macht die Neuzuzügerin bereits die Bekanntschaft ihrer Nachbarin Fiona.

Die beiden Frauen freunden sich rasch miteinander an und Fiona übernimmt eine Art Grossmutter-Stelle in der kleinen Familie. So gewöhnen sich Sian und Rory rasch ans Landleben. Die junge Frau verdient sich mit Möbelrestaurierungen ihr Geld und Rory wird in dieser Zeit ausser Haus betreut. Doch plötzlich droht die Kündigung des neuen Daheims, weil das Häuschen verkauft werden soll. Werden Sian und Rory überhaupt noch Erdbeeren aus dem eigenen Garten pflücken können? Wird die junge Mutter im Herbst bewundern können, wie Tau dem Unkraut weiche Konturen wie glitzernder Samt verleiht? Zudem steht Sian gänzlich unerwartet dem Vater von Rory gegenüber, der das ungeplante Ergebnis einer kurzen leidenschaftlichen Affäre ist.

Die etwas chaotische Fiona ihrerseits, die ihrem Naturell entsprechend verwilderte Gärten mag und selber gerne gärtnert, versucht mit Internet-Dating einen neuen Lebenspartner zu finden. Dabei wird sie, als sie ihre Bauchgefühle und den gesunden Menschenverstand ignoniert, die bei einem ersten Treffen mit einer Bekanntschaft aus dem World Wide Web unbedingt zu beachten sind, quasi in eine Gärtnerei entführt. Freilich liegt das gesuchte Liebesglück vielleicht gar nicht so weit weg.

Dieser Roman gehört in die Kategorie "eher einfach gestrickte Urlaubslektüre" und handelt in der Hauptsache von zwei Frauen, vielen getrunkenen Tassen Tee, etwas viel Hin und Her und zuweilen übertrieben anmutenden Zufällen rund um die Frage, ob in Sachen Liebe eher auf den Verstand oder aufs Herz gehört werden soll. Für Frauen so ab vierzig findet sich auch die eine oder andere Lebensweisheit, wie etwa der Tipp (Zitat) „ich habe versucht, mich davon zu überzeugen, dass gekaufte Kuchen es nicht wert sind, dick zu werden“.

Katie Ffordes Romane (wenigstens die wenigen, die ich gelesen habe) verfügen über eine Happy-End-Garantie. Wenn Sie den Schreibstil der Autorin mögen, sei Ihnen ihr Buch mit dem eher dümmlichen Titel „Im Garten meiner Liebe“ ans Herz gelegt, in welchem die Titelfigur in einem Wettbewerb den ersten Preis gewinnt und für die Chelsea Flower Show einen Garten entwerfen und anlegen darf.



Katie Fforde: 
Sommer der Liebe 
Bastei Lübbe, 2013

13. September 2013

Judith Marcum: The Katherine Gardens

Diese Familiensaga besteht aus drei Teilen (1942 – 1946, 1946 – 1959 und 1960 - 1973) und gibt über drei Jahrzehnte Einblick in das Leben von drei Frauen und begleitet diese durch Höhen und Tiefen, so dass sich die Leserin schliesslich fast selber als Familienmitglied fühlt.

Mitten im zweiten Weltkrieg heiratet die 22jährige Engländerin Katherine den jungen amerikanischen Arzt John Sinclair, mit dem sie bis 1946 mehrheitlich nur in Briefform in Kontakt bleiben kann. Schon in diesen unendlich lang erscheinenden Monaten und Jahren liebt sie es, auf dem Anwesen Hillside ihrer Eltern dem Gärtner über die Schultern zu schauen. Um sich auf ihre künftige Tätigkeit als Hausfrau und Arztgattin vorzubereiten, lässt sie sich nicht nur von der Köchin ins Zubereiten von verschiedenen Gerichten einführen, sondern auch vom Gärtner in grüne und blühende Geheimnisse. Dadurch ist sie neben ihrem Beruf als Lehrerin auch in der Freizeit beschäftigt und hat nicht viel Zeit für trübe Gedanken.

Im Mai 1946 beginnt endlich das gemeinsame Eheleben mit ihrem Mann. Mit Kleidern, Familienfotos, vielen Samen für den künftigen Garten und einem verlesenen Exemplar „The Secret Garden“ von Frances Hodgson Burnett macht sich Katherine mit dem Schiff auf nach Amerika. Die Ehe mit ihrem Mann entwickelt sich sehr erfreulich und auch von ihren Schwiegereltern wird sie mit offenen Armen empfangen. Allerdings fühlt sich die junge Frau oft einsam. Ihre Zeit füllt sie mit dem Studium von Gartenbüchern, die sie regelmässig in der lokalen Bibliothek ausleiht. Wegen ihrer beiden kurz aufeinander folgenden Schwangerschaften kann sie sich zunächst nicht wie geplant der Ausführung ihrer Gartenprojekte widmen, sondern muss diese Aufgaben delegieren. Auf dem Briefweg und mit jährlichen Besuchen bleibt sie in engem Kontakt mit ihrer in Europa verbliebenen Familie und die Leserin erfährt hautnah, wie sich die schwierige Versorgungslage in England nur zögerlich verbessert.

So vergehen die Jahre. Man liest über die Entwicklung der beiden Töchter und deren Fortschritte im Tanz- und Pianounterricht. Je grösser die Kinder werden, umso mehr freie Zeit kann sich Katherine freischaufeln. Sie gründet einen Literaturclub, besitzt den einzigen richtigen englischen Garten in Longview und leitet einen erfolgreichen von ihr aufgebauten Gartenkurs am College, aus dem ein beliebter Gartenclub entsteht. Ausserdem erhält sie den Auftrag einen Memorial Garden auf dem Campus anzulegen und baut schliesslich ihr eigenes Garden Design Büro auf, nachdem sie in ihrer Heimat einen entsprechenden Kurs absolviert hat.

Doch längst nicht alles läuft rund in Katherines Familie. Ihre jüngere Tochter Lizzie weist ausgeprägte egoistische Züge auf und 1959 trifft die Familie ein harter Schicksalsschlag. Während die narzisstisch veranlagte Lizzie ihr Ziel verfolgt, ein erfolgreicher Musical-Star zu werden, verlagern sich die Interessen ihrer älteren Schwester von der Musik in Richtung Garten und sie tritt damit in die Fussstapfen ihrer Mutter. Über alle Jahre eng verbunden ist die Familie mit Louise, einer Vollwaise und ehemaligen Schülerin von Katherine.

Die Autorin hat selber Garden Design studiert. Sie ordnet Hillside einen Gertrude Jekyll-Garten zu und auch Beatrix Farrand wird kurz thematisiert. In den Roman eingestreut ist der Verlauf der Weltgeschichte. Nach dem Aufräumen der Kriegsschäden und dem Wiederaufbau verfolgt man die Entwicklung von Theaterstücken und Musicals (Annie, get your gun / Grease usw.) mit und liest über die Morde an John F. Kennedy und Martin Luther King. Die Familienmitglieder wachsen einem während der Lektüre ans Herz, doch über weite Stellen tendiert der Roman etwas zur Langeweile, weil sich viele Jahre im Ablauf sehr ähneln. Trotzdem bleibt man am Schluss des Buches zurück und überlegt, wie die Familiensaga wohl weiter gegangen ist. Ob es eine Fortsetzung geben wird?  



Judith Marcum: 
The Katherine Gardens 
Eigenverlag, 2012

9. September 2013

Martin Suter: Allmen und die Dahlien

Dahlien werden als blühfreudig und ausdauernd geschätzt. Die fast hundertjährige Hotelbesitzerin Dalia Gutbauer hat im Lauf ihres langen Lebens viele Geschenke erhalten und natürlich auch Dahliensträusse, doch keines der Präsente bedeutete ihr so viel, wie das vor sechzig Jahren erhaltene Dahlienbild von Henri Fantin-Latour, das - nebenbei bemerkt - mittlerweile einen Wert von mehreren Millionen Franken hat. Wichtig war und ist ihr nicht in erster Linie der Wert in Franken, sondern die Erinnerungen, die mit dem Gemälde verknüpft sind.

Doch nun ist aus den Räumlichkeiten von Dalia Gutbauers Wohnung in der 4. Etage des in die Jahre gekommenen Schlosshotels genau dieses Kunstwerk entwendet worden. Pikanterweise ist es vor Jahrzehnten ebenfalls durch einen Diebstahl in den Besitz der alten Dame gekommen, nämlich 1958 als kleine Aufmerksamkeit eines damaligen Verehrers, zuvor aus einem ungenügend gesicherten Provinzmuseum entwendet. Eine Anzeige bei der Polizei ist deswegen ausgeschlossen und so soll Johann Friedrich von Allmen, genannt John von Allmen, das Werk wieder beschaffen.

Allmen selber wird von Geldsorgen geplagt und ist deshalb vom Haupthaus der Villa Schwarzacker ins Gärtnerhaus gezogen, wo er zusammen mit Maria Moreno aus Kolumbien und Carlos aus Guatemala in recht beengten Verhältnissen wohnt, aber gewisse Gewohnheiten eines gehobenen Lebensstils weiter pflegt. Zu diesen gehören auch ein Privatchauffeur und ein Ei zum Frühstück. Aber nicht ein einfaches Drei-Minuten-Ei. Nein, zu jedem Wochentag gehört ein in anderer Form zubereitetes Ei – am Montag etwa ein Rührei und am Dienstag Ei im Glas. Allmens beiden Mitbewohner ohne gültige Papiere unterstützen ihn in seinem Job als Privatdetektiv bei „A.I.I.- Allmen International Inquiries“. Und obwohl der Chef den Lohn nur unregelmässig zahlt und nicht bemerkt, wenn er Überstunden verlangt, kann er auf seine loyalen Mitarbeiter zählen.

Die Nachforschungen im Schlosshotel müssen unter Bewahrung äusserster Diskretion stattfinden und so bezieht Allmen ein Zimmer und gibt vor, für eine Versicherung Abklärungen zu treffen. Gleichzeitig beginnt Maria Moreno dort als Zimmermädchen zu arbeiten und Carlos recherchiert zwischen Rasenmähen und anderen zu seinem Job gehörenden Tätigkeiten im Internet. Bei Reinigungsarbeiten im Zimmer des eben verstorbenen Dauergastes Hardy Frey entdeckt Maria ein gerahmtes Foto des gestohlenen Dahlienbildes und es stellt sich die Frage, in welcher Verbindung Dalia Gutbauer und Hardy Frey standen.

Der teure gemalte Blumenstrauss hat immer wieder als Liebesgeschenk für Frauen mit dem „richtigen“ Vornamen gedient und so liegt der Schlüssel zur Lösung dieses Rätsels um ein vogelfreies Kunstwerk denn auch in den Beziehungen und im Umstand, Grosszügigkeit nicht mit Unversöhnlichkeit zu verwechseln.

Ein Suter-Roman rund um ein gestohlenes Dahlienbild passend als Abrundung zur aktuellen Dahlienblüte in den Gärten. Ich bin keine regelmässige Leserin von Martin Suters Büchern, aber an die wenigen, die ich gelesen habe, erinnere ich mich gerne, und sie gehören zu den eher wenigen Titeln auf den Bestsellerlisten, die mit meinem Geschmack übereinstimmen. Ein unaufgeregter Roman in einer unaufdringlichen Spannung, die einem dennoch anzieht. Etwas störend fand ich die vor allem zu Beginn häufigen in den Text eingestreuten fremdsprachigen Worte und kurzen Sätze (deren Bedeutung aber auch ohne Beherrschen der Sprache erraten werden konnte).  



Martin Suter: 
Allmen und die Dahlien 
Diogenes Verlag, 2013

5. September 2013

Karin Standler (Hrsg.): best private plots – Die besten Gärten 2012

Eine wechselnde Jury präsentiert und wählt nach einer Idee und auf Initiative des Büros Karin Standler Landschaftsarchitektur seit 2006 regelmässig im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs die besten privaten Gärten aus. Ziel ist es, innovative Landschaftsarchitekten und –architektinnen zu finden und die Qualität in der Gestaltung von privaten Gärten zu steigern. Mitglieder der Jury 2012 waren Franziska Bark Hagen, Tom Stuart-Smith, Teresa Möller, Stig L. Andersson und Vladimir (Tom) Sitta. Parallel zum anlässlich der Preisverleihung jeweils stattfindenden Symposium erscheint ein Katalog mit den nominierten Projekten.

In der aktuellen Publikation werden in den folgenden sieben nach Themen geordneten Kategorien die besten Gärten 2012 präsentiert:

- never-ending
- land art
- urban
- good living
- get-together
- rural
- moveable

Insgesamt wurden für den Wettbewerb 2012 104 Vorschläge aus 26 Ländern eingereicht. Nominiert und ins Buch aufgenommen wurden Projekte aus den Kontinenten Australien, Amerika, Asien, Afrika und Europa. Letzterer ist unter anderem mit Projekten aus den Ländern Griechenland, Belgien, England, Frankreich und Deutschland vertreten.

Auf den ersten Seiten finden sich ein Inhaltsverzeichnis, Vorwort, eine Einführung durch das Team private plots, Kurportraits der Jurymitglieder sowie Essays der Jurymitglieder. In seinem gedanklichen Streifzug durch den Garten pocht Vladimir Sitta auf das Recht des Landschaftsarchitekten auf seine Geheimnisse („für die eigenen Zweifel gibt es keine Abnehmer“, Zitat aus dem Buch) und ermuntert seine Berufskollegen, aus der Rolle zu fallen und ein gesundes Mass an Respektlosigkeit in die Arbeit einzubringen, derweilen seine Jurykollegin Teresa Möller ihren eigenen Garten in Santiago vorstellt. Die gesamte Publikation ist durchgehend zweisprachig in Deutsch und Englisch verfasst.

Die vorgestellten Gartenprojekte sind völlig unterschiedlich in ihrer Gestaltung. In Erfurt etwa wurden in einem unebenen 1'500 Quadratmeter grossen Garten die bestehenden Obstbäume mit neu angepflanzten Felsenbirnen ergänzt und dazwischen ungefähr 7‘000 Liguster zu einem wellenförmigen Labyrinth angeordnet. Unterbrochen werden die verschieden hohen Hecken durch Rasenwege und -plätze. Wenn auch nur ein Bruchteil der Liguster im Sommer blüht, muss es dannzumal unwahrscheinlich duften. Dieses verfremdete Heckenlabyrinth hat übrigens den 1. Preis der Ausschreibung gewonnen.

Das Thema „Verbindung von alt und neu“ wird in einem Amsterdamer Garten ganz unterschiedlich umgesetzt. Mit der Umgestaltung werden die Jahreszeiten erlebbarer durch eine ausgeklügelte Anpflanzung aus Sträuchern, Stauden und Zwiebeln, die alle ausschliesslich in der Farbe weiss blühen. Wenn im Garten selber mal nichts blüht, zieht der weisse Maschendrahtzaun mit eingewobenen stilisierten Blumen die Blicke auf sich. Im Bundesstaat New York wiederum hat der Landschaftsarchitekt gleich selber Hand angelegt und einen imponierenenden Steinfluss aus Glimmerschiefer verlegt. Der sich unaufdringlich durch den Wald schlängelnde Weg ist gleichzeitig auch ein Kunstwerk. Die grossen Betonplatten in einer sogenannten Gartenoase wirken auf den ersten Blick überaus wuchtig, auf ihnen zeichnet sich aber ein reizvolles mit dem Sonnenstand wechselndes Muster der Randbepflanzung ab.

Besonders gut gefallen haben mir die mit Bubikopf beplanzten Baumscheinben in einem Garten in Kyoto. Gemäss Internet-Recherchen soll das auch in Mitteleuropa machbar und dauerhaft sein. Die konsultierten Einträge sind allerdings vor den letzten beiden strengen Wintermonaten 2011/12 und 2012/13 verfasst worden und wohl inzwischen überholt. Weitere Projekte sind die schnell wegräumbare "Möblierung" einer 40 Quadratmeter grossen Terrasse im 39. Stock in Downtown Manhattan und ein geheimer Gemüse-Dachgarten auf zwei Ebenen in Turin.

Spannend sind auch die Portraits über das zum Wohn- und Essraum umfunktionierte Glashaus, in dem ausgediente Zinngiesskannen unter der Glasdecke hängen, ein eher kleiner Hofgarten rund um eine Quelle mit einer Höhendifferenz von fast vier Metern, der mit Hilfe von Treppen, Stegen, Plattformen und Metallkanälen gestaltet wurde und der Gemüse-Sand-Garten aus zweckentfremdeten weissen (gebrauchten und nicht kontaminierten) Sandsäcken, aus denen teilweise das Gemüse gleich herauswächst.

Eine Idee für ein Mitbringsel ist vielleicht der tragbare Garten. Fast-Food-Boxen werden (temporär) statt mit Mahlzeiten mit Kräutern oder anderen geeigneten kleinen Pflanzen gefüllt und prompt wird die Kresse zum hohen Gras und der Rosmarin mutiert zum Baum.

Eine interessante Publikation für Gartenfreunde, die ein Faible für moderne Gartengestaltung haben, das uneingeschränkte Spiel mit den Formen der Natur mögen und dabei auch vor philosophischen Aspekten nicht zurückschrecken.  



Karin Standler (Hrsg.): 
best private plots – Die besten Gärten 2012 
Team private plots, 2012