13. September 2013

Judith Marcum: The Katherine Gardens

Diese Familiensaga besteht aus drei Teilen (1942 – 1946, 1946 – 1959 und 1960 - 1973) und gibt über drei Jahrzehnte Einblick in das Leben von drei Frauen und begleitet diese durch Höhen und Tiefen, so dass sich die Leserin schliesslich fast selber als Familienmitglied fühlt.

Mitten im zweiten Weltkrieg heiratet die 22jährige Engländerin Katherine den jungen amerikanischen Arzt John Sinclair, mit dem sie bis 1946 mehrheitlich nur in Briefform in Kontakt bleiben kann. Schon in diesen unendlich lang erscheinenden Monaten und Jahren liebt sie es, auf dem Anwesen Hillside ihrer Eltern dem Gärtner über die Schultern zu schauen. Um sich auf ihre künftige Tätigkeit als Hausfrau und Arztgattin vorzubereiten, lässt sie sich nicht nur von der Köchin ins Zubereiten von verschiedenen Gerichten einführen, sondern auch vom Gärtner in grüne und blühende Geheimnisse. Dadurch ist sie neben ihrem Beruf als Lehrerin auch in der Freizeit beschäftigt und hat nicht viel Zeit für trübe Gedanken.

Im Mai 1946 beginnt endlich das gemeinsame Eheleben mit ihrem Mann. Mit Kleidern, Familienfotos, vielen Samen für den künftigen Garten und einem verlesenen Exemplar „The Secret Garden“ von Frances Hodgson Burnett macht sich Katherine mit dem Schiff auf nach Amerika. Die Ehe mit ihrem Mann entwickelt sich sehr erfreulich und auch von ihren Schwiegereltern wird sie mit offenen Armen empfangen. Allerdings fühlt sich die junge Frau oft einsam. Ihre Zeit füllt sie mit dem Studium von Gartenbüchern, die sie regelmässig in der lokalen Bibliothek ausleiht. Wegen ihrer beiden kurz aufeinander folgenden Schwangerschaften kann sie sich zunächst nicht wie geplant der Ausführung ihrer Gartenprojekte widmen, sondern muss diese Aufgaben delegieren. Auf dem Briefweg und mit jährlichen Besuchen bleibt sie in engem Kontakt mit ihrer in Europa verbliebenen Familie und die Leserin erfährt hautnah, wie sich die schwierige Versorgungslage in England nur zögerlich verbessert.

So vergehen die Jahre. Man liest über die Entwicklung der beiden Töchter und deren Fortschritte im Tanz- und Pianounterricht. Je grösser die Kinder werden, umso mehr freie Zeit kann sich Katherine freischaufeln. Sie gründet einen Literaturclub, besitzt den einzigen richtigen englischen Garten in Longview und leitet einen erfolgreichen von ihr aufgebauten Gartenkurs am College, aus dem ein beliebter Gartenclub entsteht. Ausserdem erhält sie den Auftrag einen Memorial Garden auf dem Campus anzulegen und baut schliesslich ihr eigenes Garden Design Büro auf, nachdem sie in ihrer Heimat einen entsprechenden Kurs absolviert hat.

Doch längst nicht alles läuft rund in Katherines Familie. Ihre jüngere Tochter Lizzie weist ausgeprägte egoistische Züge auf und 1959 trifft die Familie ein harter Schicksalsschlag. Während die narzisstisch veranlagte Lizzie ihr Ziel verfolgt, ein erfolgreicher Musical-Star zu werden, verlagern sich die Interessen ihrer älteren Schwester von der Musik in Richtung Garten und sie tritt damit in die Fussstapfen ihrer Mutter. Über alle Jahre eng verbunden ist die Familie mit Louise, einer Vollwaise und ehemaligen Schülerin von Katherine.

Die Autorin hat selber Garden Design studiert. Sie ordnet Hillside einen Gertrude Jekyll-Garten zu und auch Beatrix Farrand wird kurz thematisiert. In den Roman eingestreut ist der Verlauf der Weltgeschichte. Nach dem Aufräumen der Kriegsschäden und dem Wiederaufbau verfolgt man die Entwicklung von Theaterstücken und Musicals (Annie, get your gun / Grease usw.) mit und liest über die Morde an John F. Kennedy und Martin Luther King. Die Familienmitglieder wachsen einem während der Lektüre ans Herz, doch über weite Stellen tendiert der Roman etwas zur Langeweile, weil sich viele Jahre im Ablauf sehr ähneln. Trotzdem bleibt man am Schluss des Buches zurück und überlegt, wie die Familiensaga wohl weiter gegangen ist. Ob es eine Fortsetzung geben wird?  



Judith Marcum: 
The Katherine Gardens 
Eigenverlag, 2012

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