26. Februar 2017

Für einmal (fast) keine Buchvorstellung

Im letzten Dezember ist wie gewohnt per Briefpost die Vorschau mit den diesjährigen Frühlingstiteln des Schöffling Verlags eingetrudelt und wie üblich habe ich die Ankündigungen interessiert überflogen, die Seiten mit der Fortsetzung der Gartenreihe herausgerissen und auf mein Pult gelegt. Die neuen Gartenbücher von Beverley Nichols und von bzw. über Vita Sackville-West hatte ich zwar schon vorher im Internet entdeckt und auf den unendlichen Wunschzettel gesetzt, aber Frau Sofagärtnerin ist schliesslich ein haptisches Wesen, das sich gerne mit viel Papier umgibt. Abends, während dem gedankenherumschweifenden Erledigen einer Näharbeit, fiel mein Blick auf das herausgerissene Papier. Hä? Wieso steht da der ["mein"! ;-)] Begriff «Die Sofagärtnerin»? Tatsächlich wird in der Vorschau aus einem Posts, mit dem ich an einer Blogparade teilgenommen hatte, zitiert...

[Nachtrag vom 18. März 2017: Mein Senf Das Zitat ziert nun übrigens auch die Rückseite des Buches "Einmal Gärtner - immer Gärtner" von Beverley Nichols...]

Fast zeitgleich hat mich eine Anfrage des Thorbecke Verlags erreicht, ob im neuen Buch «Honigbiene küsst Storchschnabel» von Ute Studer aus einem anderen meiner Internet-Artikel, und zwar einer Buchvorstellung über Pflanzensammler und ihre Leidenschaft, zitiert werden dürfe. Diese Woche ist nun mein Belegexemplar eingetroffen. Und wirklich, auf Seite 30, als Einleitung zu einem Artikel über das Sempervivum, stehen auf Papier gedruckt ein paar Zeilen aus eben diesem oben erwähnten Blogpost. Schön, dass es in der betreffenden Kolumne ausgerechnet um Hauswurzen geht, von denen zuletzt immer mehr den Weg in meinen Garten gefunden haben (brauchen nicht viel Platz, sind genügsam und müssen nicht einmal eingebuddelt werden) und sogar noch Martin Gmeinder erwähnt wird, der (fast) gleich hier um die Ecke in einer meiner Lieblingsgärtnereien arbeitet. Ute Studer ist an einem Vortrag dieses Pflanzenliebhabers mit dem Hauswurz-Sammelvirus infiziert worden. Ich habe vor einigen Jahren seinen Vortrag über Wildtulpen besucht. Die dannzumal erworbenen Pflanzen haben sich leider nicht dazu entscheiden wollen oder können, die Basis für eine Sammlung zu bilden.

Aller guten Dinge sind drei, darum möchte ich bei dieser Gelegenheit noch auf Band 2 bzw. das Jahrbuch 2017 der «Gesellschaft für Schweizer Staudenfreunde (GSS)» hinweisen, das demnächst über die Pflanzenfamilie ranunculaceae (z.B. Eisenhut und Christrosen) erscheint. Für dieses habe ich nämlich einen Artikel über Gartenkrimis mit einem Bezug zu den Hahnenfussgewächsen beigesteuert. Mitglieder der GSS erhalten das Jahrbuch automatisch zugestellt, es kann aber auch ohne Mitgliedschaft online bei der GSS erworben werden.  

20. Februar 2017

Petra Hülsmann: Glück ist, wenn man trotzdem liebt

Isabelle ist mit ihren siebenundzwanzig Jahren zwar noch sehr jung, in ihren Gewohnheiten ist sie jedoch bereits völlig festgefahren und Flexiblität zählt eindeutig nicht zu ihren Stärken. Schon als kleines Kind musste sie viel Verantwortung übernehmen, um ihre alleinerziehende Mutter zu unterstützen und hat schnell gelernt, dass Chaos nur durch Struktur und Planung vermieden werden kann. Neben ihrer Arbeit im Blumenladen, dessen Übernahme durch sie schon längst geplant ist, hat sie deshalb ihre Freizeit strikt durchorganisiert. Am Montag werden die Einkäufe erledigt, am Dienstag wird geschwommen, am Mittwoch die Wäsche gewaschen, am Donnerstag steht Grabpflege auf dem Programm, am Freitag wird nochmals Sport getrieben, am Samstag werden die Wohnung auf Vordermann gebracht und Freundschaften gepflegt und am Sonntag trifft sie ihre Mutter. Während ihre Mutter nur mit Plastikblumen klarkommt, hat Isa die Liebe zu Blumen von ihrem Vater, einem Garten- und Landschaftsarchitekt, der gestorben ist, als sie sechs Monate alt war, in die Wiege gelegt bekommen. 

Plötzlich werden von der jungen Floristin Anpassungen am laufenden Band verlangt. Es fängt damit an, dass der Vietnamese vis-à-vis von ihrem Arbeitsplatz, bei dem Isabelle seit Jahren jeden Mittag ihre Nudelsuppe geschlürft hat, schliesst und ein neues Restaurant ohne Nudelsuppe auf der Speisekarte öffnet. Der ambitionierte Koch und Inhaber Jens Thiel weigert sich entschieden, ihr Lieblingsgericht zuzubereiten. Er sieht es als persönliche Herausforderung an, den Gaumen der jungen Frau auszubilden, was diese zunächst gar nicht schätzt. Dann beschliessen zwei von Isas besten Freunden in die Pampa zu ziehen und ihre Lieblings-TV-Sendung, die Daily Soap Liebe!Liebe!Liebe! wird abgesetzt.

Mit Jens Thiel tritt auch dessen aufmüpfige jüngere Teenager-Schwester Merle in Isabelles Leben. Erstere versucht ziemlich offensichtlich, die Floristin und den Koch zu verkuppeln. Doch Jens entspricht gar nicht den Vorstellungen von Isas Traummann. Dieser tritt dann ziemlich schnell auch noch auf die Bühne. Allerdings aus einem betrüblichen Grund. Es sieht leider danach aus, dass es nichts wird mit ihren Übernahmeträumen und dem für in ferner Zukunft geplanten Wechsel von "Blumen Schumacher" in "Blumen Wagner". Der Blumenladen steht nämlich kurz vor der Insolvenz. 

Die Inhaberin Brigitte hat auf Bodenständigkeit und faire Preise gesetzt und es verpasst, sich den Begebenheiten anzupassen und auf die neue florale Konkurrenz gleich um die Ecke zu reagieren. Einzig die Trauer- und Hochzeitsfloristik rentiert einigermassen. Ein Anwalt wird engagiert, in dem Isa DEN Traummann zu erkennen glaubt. Nachdem dieser seine Prinzipien von wegen kein Date mit einer Kundin beiseitegelegt hat, begeistert er Isa mit zwei wunderschönen, speziellen Abenden. Im Blumenladen wird parallel dazu mit einem gründlichen Ausmisten, einer sanften Renovation, Upcycling und der Einführung eines «Strauss der Woche» mit mässigem Erfolg versucht, mehr zahlungskräftige Kunden ins Geschäft zu locken. 

Isas privaten Fix-Termine werden immer häufiger über den Haufen geworfen und Jens und seine Schwester stehlen sich in ihr Herz. Ein fester Wochentermin entfällt, als sie zufällig erfährt, dass ihr Vater und die Ehe der Eltern nicht annähernd so perfekt waren, wie ihre Mutter ihr immer erzählt hat. Ihre regelmässigen Beschwerdebriefe an den TV-Sender wegen der Absendung ihrer Lieblingsserie werden nicht beantwortet, doch trotz scheinbarem Chaos an allen Ecken und Enden gibt es immer mehr Zettel, die sie am Ende jeden Tages in ihr persönliches «Glücks-Momente-Glas» stecken kann. 

Ein humorvoller Roman, der zu schnellem Lesen verleitet, obwohl frau ziemlich genau ahnt, wie die Geschichte ausgehen wird. Das Ende wird mit dem Rezept für Isas Lieblingsdessert, dem «Schokoladenmalheur», versüsst. 



Petra Hülsmann: 
Glück ist, wenn man trotzdem liebt 
Bastei Lübbe, 2016

10. Februar 2017

Jo Baum: Der Wuchsstoff

Die Polizeidirektion der Hansestadt Dören entspricht nicht gerade dem Idealbild, das sich der junge Kriminalkommissar-Anwärter Knudson für seine erste Stelle nach Abschluss der Polizeihochschule ausgemalt hat. Eher gelangweilt macht er sich an die Erledigung seines ersten Auftrags in dem Povinznest. Und zwar hat er der Familie eines Verstorbenen einen Kondolenzbesuch abzustatten. Eigentlich eine reine proforma-Angelegenheit, die keine weiteren polizeilichen Tätigkeiten erfordert. Ein kleiner schriftlicher Bericht gehört zum Abschluss der Aufgabe dieses sogenannten «polizeilichen Nicht-Falls» und damit sollte der junge Polizist während der kurzen Abwesenheit seines Vorgesetzten hinreichend beschäftigt sein. 

Zu diesem Zeitpunkt ahnt ja auch noch niemand, dass es sich bei dem Tod des jungen Orchideengärtners, der an einem parasitären Fledermauspilz aus Südamerika gestorben ist, nicht um einen tragischen Unglücksfall, sondern um einen (fast perfekten) Mord handelt. Wie kommt es, dass der junge Mann an einem Pilz gestorben ist, der nachweislich in Deutschland gar nicht vorkommt, wenn akribisch geführte Journale die Aussagen der Mutter belegen, dass der Verstorbene nie verreist ist und ständig gearbeitet hat? Das ist nicht die einzige Ungereimtheit, die Knudson im Rahmen der erweiterten Kondolenzbesuche auffallen. Der verstorbene Junggärtner war ein ausgesprochener Einzelgänger und führte die Familien-Gärtnerei nach modernen Methoden. Eine Tatsache, die das sowieso schon schwierige Vater-Sohn-Verhältnis zusätzlich belastete.

Mangels anderer Herausforderungen hört sich Knudson im Umfeld der gleich drei Orchideengärtnereien in der Umgebung von Dören um und verfasst eine ganze Menge an detaillierten Berichten über seine Erkenntnisse. Knudsons Chef ist nach seiner Rückkehr gar nicht begeistert von der Menge an Papier, die er über «nichts» lesen soll, doch sein neuer Mitarbeiter ringt ihm schliesslich das Zugeständnis ab, weiter im Orchideenmilieu ermitteln zu dürfen. Allerdings aufgrund von konkreten Fakten und zwar so, wie eben richtige Polizeiarbeit erledigt wird. Da haben Vermutungen wie «Können Pflanzen hören?», «Können Pflanzen Gedanken lesen?» oder die Idee, dass die Lösung ganz einfach in verdrehter Logik liegen könnte, keinen Platz. 

Unter den Orchideengärtnern sind die Ansichten über die «richtige» Kultur der Gewächse aus der grössten Pflanzenfamilie geteilt. Die einen schwören auf hochmoderne Treibhäuser mit der entsprechenden Technik und Kulturen, die kopfüber ohne Substrat am Gewächshausdach befestigt sind, die anderen lieben es dschungelähnlich und bevorzugen die Daumenprobe, bevor die ordentlich im ausgeklügelten Substrat wachsende Topforchidee eine manuelle Giessgabe erhält. Der Anhänger der zweiten Methode mag es natürlich auch nicht, wenn die Aufzucht seiner Lieblinge mit derjenigen von Hollandtomaten gleichgesetzt wird. So oder so. Die Bedürfnisse der Orchideen sind häufig scheinbar unergründlich und der Autor vergleicht die Pflanzen mit zickigen Frauenzimmern. Knudson hat jedenfalls neben der Lösung des eigentlichen Kriminalfalls seine liebe Mühe, der ihm überlassenen Orchidee die richtige Behandlung angedeihen zu lassen. 

Und während sich der frischgebackene Polizist immer besser mit Orchideen auskennt und nun weiss, warum die Stecklingsvermehrung bei diesen nicht funktioniert und was der Unterschied zwischen Naturformen und Hybriden ist, verschwinden Unterlagen und plötzlich keimt der Verdacht auf Pflanzenschmuggel auf. 

Im Anhang des Krimis finden sich verschiedene Kurzbiografien von wichtigen Persönlichkeiten aus der realen Orchideenwelt, die für die fiktiven Romanprotagonisten als Namenspatrone fungieren und sich teilweise auch deren Charakteristiken bedienen. Über den Autor habe ich rein gar nichts im Internet finden können. Die Lektüre des Kriminalromans lässt aber nur den Schluss zu, dass dieser von einem profunden Orchideenkenner verfasst worden sein muss

Nicht nur der Kriminalkommissar-Anwärter Knudson eignet sich im Verlauf der Ermittlungen ein immer umfangreicheres Wissen über die Orchideenpflege, deren Vermehrung, chemische Zusammenhänge und Dünger an, auch der Leser kann davon profitieren (nicht im sicheren Wissen, aber in der Annahme, dass diese Stellen im Buch der Wirklichkeit entsprechen). Knudson wird sogar in den sogenannten Kreis der Wissenden über den titelgebenden Wuchsstoff aufgenommen. Wissen, das gewöhnlich nur innerhalb der Familie vom Vater an den Sohn weitergeben wird. «Der Wuchsstoff» ist für einmal ein Buch aus einem Eigenverlag, das ich uneingeschränkt empfehlen kann – dem lesenden Orchideenliebhaber, der sich für Hintergrundwissen rund um diese Pflanzenfamilie interessiert, und allen anderen Sofagärtnern. 



Jo Baum: 
Der Wuchsstoff 
Eigenverlag, 2016

1. Februar 2017

E-Books und Heavenly Highland Inn Cozy Mysteries von Cindy Bell

Schon lange habe ich mit dem Erwerb eines E-Books geliebäugelt, aber in dieser Hinsicht bin ich traditionell orientiert oder eben altmodisch und bevorzuge Lektüre in Papierform. Während meiner kürzlich abgeschlossenen beruflichen Weiterbildung hat sich dann aber ein handfester Grund für den Erwerb aufgetan und nun bin ich Besitzerin eines solchen Teils. Ich konnte nämlich unmöglich (gut, eine jüngere Schulkollegin hat das Unmögliche fertig gebracht…) mit dem Zug sämtliche Schulunterlagen an den Prüfungsort transportieren, um sie während der Prüfungstage für den Fall der Fälle in Griffnähe zu haben. Da ich aber trotzdem auf die Unterlagen zurückgreifen können wollte, habe ich mir also einen Kindle angeschafft. Denn nachdem ich erfahren hatte, dass ich auf diesem Gerät die Schul-Dokumente in pdf-Form ablegen und der Kindle auch direkt in der Schweiz gekauft werden kann (ohne Importzoll, EUST und anderweitige Gebühren) stand dem Erwerb nichts mehr im Weg. 

Für die Schule und das Lernen war das Gerät sehr nützlich, jedoch immer stark abhängig von der Qualität der pdf-Vorlagen. Im Nachhinein würde ich die Grafik über „Backwardation“ und „Contango“ nicht einfach überblättern, sondern genau(er) betrachten, aber schlussendlich hat das für den erfolgreichen Schulabschluss keine Rolle gespielt. Fachchinesisch – egal, ging mir während der Prüfung auch so. Ein (Garten-)Buch habe ich nach wie vor noch kein einziges auf dem Gerät gelesen. Immerhin habe ich aber in schlaflosen Hotel-Nächten während der Prüfungen in Leseproben von hortikulturellen Gartenromanen und Gartenkrimis wie „Ein Bett in Cornwall“ von Alexandra Zöbeli und „Alraunen am Galgenbuckel - Ein Stuttgarter Kräuterkrimi“ von Barbara Pfeifer geschmökert. 

Meine E-Book-Wunschliste ist inzwischen recht lange. Als nächstes muss ich mich mal der Ordnung auf meinem Kindle widmen, denn der unübersichtliche Mischmasch von Schulunterlagen und vergnüglicherer Lektüre bzw. Leseproben davon ist recht nervig. Mein erster E-Book-Kauf wird wohl die "Heavenly Highland Inn Cozy-Misteries-Serie" von Cindy Bell sein, die inzwischen neun Titel umfasst. Die Bücher gibt es zwar auch in Taschenbuch-Form, aber die dünken mich angesichts der geringen Seitenzahl sehr teuer. Die Cover sind für den mitteleuropäischen Geschmack eher (zu) farbenprächtig, aber das sagt ja nichts über den Inhalt aus. Obwohl ich zu letzterem (noch) nichts beisteuern kann, nachstehend die ersten drei von inzwischen neun Büchern sowie ein Ausschnitt aus der Buchwerbung (Zitat Anfang):  

Everything is finally starting to come together for Vicky. She is moving on from the tragic death of her parents four years ago. There is hope of a romantic relationship with handsome Deputy Sheriff Mitchell Slate and she is enjoying running the grand, old inn with her sister and her Aunt Ida. 

But then, Vicky finds the murdered body of the inn’s gardener. The inn has a wedding booked for the weekend so her wacky Aunt Ida ropes her into investigating the murder. It is a race against the clock to solve the murder so the wedding can go ahead as planned. This puts Vicky and Aunt Ida right in the line of danger.

Will Vicky and Aunt Ida be able to stay safe and solve the murder in time? Will the relationship between Deputy Sheriff Mitchell and Vicky blossom or will the mean, by-the-book Sheriff McDonnell stand in their way? (Zitat Ende)