20. September 2016

Madeleine Hunter: Lady Daphnes Verehrer

Die (angeblich) verwitwete Daphne Joyes führt mit Unterstützung von anderen Frauen die Gärtnerei „The Rarest Blooms“. Als mittellose Tochter eines Edelmannes ist sie auf sich selber gestellt und auf die Einkünfte angewiesen, die sie aus dem Verkauf ihrer Blumen und Grünpflanzen für Gartenpartys, Hochzeiten und Wintergärten erzielt, welche mit dem Fuhrwerk in die Stadt geliefert werden.

Als der Besitzer ihres für einen bescheidenen Preis gepachteten Grundstückes und Hauses stirbt, wird sie entgegen ihrer Hoffnungen und Erwartungen nicht begünstigt, sondern muss im Gegenteil befürchten, ihre geschäftlichen Grundlagen zu verlieren. Als Erbe eingesetzt worden ist Tristan von Castleford, ein Herzog mit zweifelhaftem Ruf. Der Frauenheld ist meist betrunken und pflegt nur am Dienstag solange auf Alkohol zu verzichten, bis er seine dringendsten Geschäfte erledigt hat.

Geheimnisse ziehen den Herzog mindestens so fest an wie schöne Frauen. Deshalb will er auch rasch möglichst herausfinden, warum ausgerechnet er diesen Landstrich sowie einige andere geerbt hat. Ohne seinen Besuch anzukündigen, taucht er deshalb in der Gärtnerei auf. Während Daphne um ihre Lebensgrundlagen fürchtet, fühlt sich der Herzog von der kühlen, beherrschten Frau angezogen und gibt ihr dies auch unmissverständlich zu verstehen.

Die junge Frau weist ihn aber ebenso klar wiederholt zurück. Ihr Verhalten spornt den Herzog jedoch nur umso mehr an, sein angepeiltes Ziel zu erreichen. Tristen beordert Daphne in die Stadt, wo er sie weiter umwirbt und unter Druck setzt. Gleichzeitig verändert er sich zusehends zu seinen Gunsten und Daphne kommt nicht umhin, diesen Wandel zur Kenntnis zu nehmen und ebenso die Tatsache, dass ihr Verstand und ihr Herz völlig unterschiedlich auf die geballte herzogliche Männlichkeit reagieren. Eine weitere Verbindung zwischen den beiden ergibt sich in der Tatsache, dass beide einen gemeinsamen Feind haben, ohne die jeweiligen Gründe des anderen zu kennen. Denn nicht nur des Herzogs Vergangenheit wirft Schatten in die Gegenwart, auch Daphnes Lebenslauf verbirgt etliche Geheimnisse.

Dieses Buch (übrigens das letzte aus einer vierteiligen Serie) habe ich in der Schulmittagspause auf einem Ramsch-Tisch entdeckt. Der Titel und die Beschreibung hätten mich üblicherweise nicht zum Kauf verleitet. Die in einen historischen Hintergrund eingebundene Handlung ist wie erwartet weitgehend vorhersehbar und die wiederholt in wortreichen Details beschriebenen Bettszenen sind einiges umfangreicher als der hortikulturelle Hintergrund rund um die Gärtnerei „The Rarest Blooms“. Nichtsdestotrotz als eher anspruchslose Ablenkung zwischen Formel-Pauken eine durchaus nette Lektüre zum Abschalten.  



Madeleine Hunter: 
Lady Daphnes Verehrer
Lyx/Egmont, 2013

10. September 2016

Joyce and Jim Lavene: Killing Weeds - A Peggy Lee Garden Mystery

Peggy Lee ist nach wie vor ein aktives Mitglied mehrerer botanischer Gruppen und forscht über Tomaten, Farne, Mini-Lilien und Sojabohnen. Ein weiteres aktuelles Projekt ist ein besonders nahrhafter Spinat mit dicken grünen Blättern, die exzellent schmecken, reich an Vitaminen und Eisen sind, derweilen die Pflanze sehr genügsam ist und keine besonderen Ansprüche an den Boden stellt. Doch neben dieser Forschungstätigkeit warten natürlich andere neue und giftige Herausforderungen auf die umtriebige Blumenladenbesitzerin und forensische Botanikerin. Inzwischen ist sie Grossmutter einer Enkelin geworden, doch dies ist kein grosses Thema. Denn neben dem grossen ungelösten Rätsel rund um den gewaltsamen Tod ihres ersten Ehemannes, dessen (Nicht-)Auflösung sich wie ein roter Faden durch sämtliche Gartenkrimis dieser Buchreihe zieht, stehen Peggy, ihr Sohn Paul und ihr Angestellter Sam direkt im Fokus eines oder einen unzimperlichen Täters oder Täterin.

Zunächst wird in Peggys Blumenshop „Potting Shed“ randaliert und die gesamte Einrichtung samt Möbeln und Inventar kurz und klein geschlagen. Hernach stellt sich heraus, dass eine angebliche Kundin für eine Gartenumgestaltung Pflanzen im Wert von mehreren Tausend Dollars geordert hat, ohne dass die tatsächlichen Garten- und Landbesitzer etwas davon gewusst, geschweige denn einen entsprechenden Auftrag erteilt haben. Und schliesslich gerät auch noch Peggys Sohn Paul im Rahmen seiner nebenberuflichen Tätigkeit als Privatdetektiv unter Mordverdacht.

Eine junge Frau wird nämlich tot aufgefunden, vergiftet durch einen präparierten Mantel. Während Peggy im Auftrag der lokalen Polizeibehörden die verwendeten Gifte analysiert, ermittelt die Polizei, dass Paul das todbringende Kleidungsstück ausgeliefert hat. Er wird daraufhin verhaftet und Peggy von den polizeilichen Ermittlungen ausgeschlossen. Die Botanikerin hat aber bereits herausgefunden, welches tödliche Unkraut, das titelgebende „Killing Weed“ ist, und durch Hautkontakt die heftigen zum Tod führenden Reaktionen verursacht hat. Doch stehend die verschiedenen Vorfälle überhaupt in einem Zusammenhang oder handelt es sich um eine zufällige Anhäufung? Falls es sich um eine strategisch durchorganisierte Kampagne handelt, wer hat ein Interesse, Peggy, ihre Familie und ihr Geschäft zu ruinieren? Die einzige Person, die in Frage zu kommen scheint, ist tot.

Neben der Suche nach Antworten auf diese beunruhigenden Fragen ist Peggy mit der Wiedereröffnung ihres Ladens beschäftigt. Das Chaos wird dank tatkräftiger Mithilfe lieber Kunden und Nachbarn schnell beseitigt, doch es gibt Probleme mit der Versicherung und der Alarmanlage, die ganz offenbar manipuliert worden ist. Neue Möbel und Ware müssen beschafft werden und ausserdem müssen die teuren Pflanzen, die ja gar nicht für eine Gartenumgestaltung benötigt werden, möglichst rasch anderweitig verkauft werden können.

Vor allen Kapiteln wird eine Pflanze kurz vorgestellt; etwa mit Informationen über nützliche Eigenschaften, den Namenspatron oder die erste Erwähnung und Entdeckung. Den Abschluss bilden wie üblich ein Einblick in Peggys Gartenjournal und ein paar Rezepte. Die letzten Romanzeilen lassen eine Fortsetzung erwarten, in der die häusliche Situation zum Thema wird. Denn auch mehrere Jahre nach dem Tod ihres ersten Ehemannes wohnt Peggy immer noch – zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Steve - in einem riesigen Haus mit Dutzenden von Räumen, das der Familie Lee gehört und wegen einer besonderen Erbschaftsregelung nie auf ihren Sohn Paul Lee übergehen kann und wird.



Joyce and Jim Lavene: 
Killing Weeds - A Peggy Lee Garden Mystery
Eigenverlag , 2015

1. September 2016

Nicole C. Vosseler: Zeit der wilden Orchideen

Singapur in der Mitte des 19. Jahrhunderts – eine exotische Umgebung bietet die Kulisse für diesen Roman. Rund um den Umschlagplatz für asiatische Schätze lässt sich viel Geld verdienen. Georginas Vater hat ein gutes Händchen dafür. Mit Arbeit versucht er, den Tod seiner Frau zu verdrängen, und die Bedürfnisse seiner kleinen Tochter ignoriert er und überlässt sie den Dienstboten und sich selber.

Während der chinesische Gärtner seiner Arbeit nachgeht und verblühte Blumen zusammenharkt, widmet sie sich das knapp zehnjährige Mädchen mit Vorliebe seinen Tagträumen und streift durch den weitläufigen, betörend duftenden Garten, zu dem auch ein verwildertes Wäldchen mit einem Pavillon gehört. Hier findet Georgina eines Tages einen schwer verletzten Jungen. Ohne dass jemand aus dem Haushalt etwas ahnt, pflegt sie Raharjo, der von einem Volk abstammt, das als eigentliche Urbevölkerung der malaiischen Welt gilt, und das seit Tausenden von Jahren im Meer fischt und nach Schätzen taucht. Doch genau so plötzlich wie er aufgetaucht ist, verschwindet der Junge, der mehr Fisch als Mensch ist, wieder aus ihrem Leben.

In „Zeit der wilden Orchideen“ begleitet die Leserin Georgina und Raharjo und ihre Familien über mehrere Jahrzehnte. Immer wieder kreuzen und trennen sich ihre Wege. Derweilen sich die Welt im Umbruch befindet und uralte Traditionen, Werte sowie Rituale an Bedeutung verlieren, spielen sich in den zwischenmenschlichen Beziehungen Dramen ab – Liebe, Enttäuschung, Traurigkeit, Wut, Hass, Rache. Und jede Generation hat ihre eigenen Geheimnisse.

Die Autorin erzählt sehr detailreich, und die Charaktere wirken äusserst authentisch. Der Garten spielt zwar nur eine Nebenrolle, aber eine nicht unbedeutende. Und durch die wortreichen Beschreibungen der Botanik hat die Leserin die farbenprächtige Blumenwelt in rot, gelb, weiss und rosa während der Lektüre immer wieder vor den Augen. Die ganze Handlung erscheint wohl durchdacht und die verschiedenen Enden passen, auch wenn ich nicht alle gutheissen mag.  



Nicole C. Vosseler: 
Zeit der wilden Orchideen 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014