29. Januar 2012

Elisabeth Tova Bailey: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

Zu den Büchern, deren Lektüre letztes Jahr einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht haben, zählt ganz bestimmt der Titel „The Sound of a Wild Snail Eating“, den ich am 13. Juli 2011 vorgestellt habe. Die ans Bett gefesselte Journalistin Elisabeth Tova Bailey erzählt darin ihre Geschichte über die Freundschaft zu einer Schnecke. Das Buch erscheint nun Anfang Februar unter dem Titel „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ auch auf Deutsch. Unbedingt lesenswert!

Nachstehend nochmals meine damalige ausführliche Buchvorstellung:

Gärtner sind meistens nicht besonders gut auf Schnecken zu sprechen. In Zeitschriften, Büchern und Gartenforen findet man fast unzählige Tipps, wie man (Nackt-)Schnecken davon abhält, Salat, Hostas und andere ihrer Lieblingsfresspflanzen zu vertilgen. Wie kommt es also dazu, dass eine junge Amerikanerin sich intensiv mit „Hüüsli-Schnägge“ beschäftigt und schliesslich ein Buch darüber schreibt?

Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.

Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.

Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.

Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.

Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
  



Elisabeth Tova Bailey:
Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Nagel & Kimche Verlag, 2012

25. Januar 2012

Sarah Harvey: Das Rosenhaus

Nach vierzehn gemeinsam in London verbrachten Jahren ziehen Lily und Liam nach Cornwall. Der 38jährige Liam tritt dort eine Traumstelle an, während Lily diesem Umzug nur widerwillig zugestimmt hat und mit Ausnahme ihres Mannes und ihrer Habseligkeiten alles war ihr lieb und teuer war in der Grossstadt zurücklassen musste. Das abgeschieden gelegene Traumhaus „Rose Cottage“ an der Küste ist ihr kein Trost. Während Liam von seiner neuen Tätigkeit völlig vereinnahmt wird, fühlt Lily sich im winterlichen und verlassenen Cornwall wie lebendig begraben. Die Kälte und der Nebel widerspiegeln deutlich ihr Stimmungslage und noch Wochen nach dem Domizilwechsel stehen die meisten Umzugkartons noch vollgegepackt herum.

Lily und Liam werden sich immer fremder. Doch gerade als die junge Frau nach einem heftigen Streit ernsthaft in Erwägung zieht, ihren Mann zu verlassen, verunfallt dieser auf einer Baustelle schwer. Die lange, schwere Rekonvaleszenz führt entgegen Lilys Erwartungen nicht zu einer Annäherung zwischen den Eheleuten, sondern entwickelt sich im Gegenteil zu einer zermürbenden Zerreisprobe. Wann waren die beiden letztmals selbstvergessen und sorglos beisammen? Werden sie nochmals zueinander finden?

Der Garten ist im Roman praktisch unbedeutend und wird nur ab und an kurz erwähnt, wenn etwa von steinernen Hochbeeten und vertrockneten Überresten ehemals üppiger Pflanzen die Rede ist. Eine Ausnahme bildet die Stelle, an welcher Lily im Garten radikal „aufräumt“ und sämtliche Rosen auf eine Höhe von ungefähr dreissig Zentimeter herunterschneidet oder eher massakriert. Zwar in hortikultureller Hinsicht kein Highlight, aber ein sehr einfühlsam und authentisch geschriebener Roman.



Sarah Harvey:
Das Rosenhaus
Piper Verlag, 2011

21. Januar 2012

Silvio Waser: Spirituelles Gärtnern – Wie man mit Paradiesgärten die Erde heilen kann

In einer hiesigen wöchentlich erscheinenden Gratis-Zeitung findet sich regelmässig eine Kolumne mit dem Titel „kurz und püntig“. „Püntig“ ist eine Wortspielerei aus den Begriffen "bündig" und "Pünt", dem lokalen Dialektausdruck für Schrebergarten. In der Gartenspalte wird Lesern die Gelegenheit gegeben, ihren grünen Fleck vorzustellen und hortikulturelle Tipps zu veröffentlichen. Letzthin lautete der Titel „Gute Gartengeister“ und zu diesem Thema berichtete ein spiritueller Gärtner über seine diesbezüglichen Erfahrungen, die er zusätzlich im Eigenverlag in einer eigenen Publikation veröffentlicht hat.

Nun bin ich nicht unbedingt für Esoterik empfänglich und das Gebiet interessiert mich nicht gerade brennend. Da aber der Autor in derselben Stadt gärtnert wie ich, war ich doch neugierig auf das Buch. Dieses gibt einen detaillierten Einblick in die sogenannte feinstoffliche Welt der Natur, sprich das Reich der Elfen und Gnome. Man erfährt, mit welchen energetischen Hilfsmitteln die Erdheilung angekurbelt werden kann und liest über die Anreicherung von Giesswasser mit Informationen und über die Wirkung von Heilsteinen im Garten. Der Autor gibt des weiteren Anregungen, wie das Herz eines Gartens und ein passender Namen für denselben gefunden werden kann und er zeigt das Anlegen von Gartenmandalas und Hügelbeeten. Weitere Stichworte sind Meditation, Heilsymbole, Naturaltar, das Vermitteln von hautnahen Informationen an den Garten und Silvio Waser rät dem Gärtner, mit Hilfe eines Pendels mit dem Garten zu kommunizieren und diesen direkt nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu fragen.

Der Buchumschlag ist ansprechend gestaltet und die Publikation ist farbig illustriert, wobei die Fotos teilweise recht unscharf sind. Wie oft in Eigenpublikationen finden sich leider recht viele orthographische Fehler im Text. Während der durchaus interessanten Lektüre habe ich festgestellt, dass ich zu fest geerdet bin (oder vielleicht zu wenig?), um mit Spiritualität im Garten etwas anfangen zu können. Und gleicher Wohnort und gleiches grünes Hobby bedeutet ja noch lange nicht, dass man die gleichen Ansichten vertreten muss und die Vorlieben identisch sind.



Silvio Waser:
Spirituelles Gärtnern – Wie man mit Paradiesgärten die Erde heilen kann
One Spirit Verlag, 2011

17. Januar 2012

Mary A. Agria: Garden of Eve – Life in the Garden Series 2

Die Fortsetzung des letzthin hier vorgestellten Buches “Time in a Garden” beginnt ungefähr fünfzehn Monate nach dem plötzlichen Tod von Adam Groft kurz vor der geplanten Hochzeit mit Eve Brennermann. Der trauernden Eve erscheint seither alles farblos und dunkel und ihr Herz ist eingeschlossen in einer gefrorenen Welt. Erinnerungen und die Bürde der Verantwortung für das von Adam geerbte Gartencenter sind alles war ihr von der grossen Liebe ihres Lebens geblieben sind, die so plötzlich aus ihrem Leben verschwunden ist, wie sie aufgetaucht ist. Auch ihre Gartenkolumne für die lokale Wochenzeitung mag Eve nur mit grosser Mühe verfassen.

Da tritt unvermittelt die schwangere, mittellose Anise in ihr Leben. Eve bietet der jungen Frau ein Zimmer in ihrem Haus an. Und ganz langsam findet Eve wieder Freude am Leben. Sie geniesst die Anwesenheit der hilfsbereiten Anise, wohnen ihre Töchter und deren Familien doch einen halben Kontinent entfernt. Und nicht nur das Formulieren der wöchentlichen Kolumne läuft bald wieder wie von selbst, auch das Schreiben ihrer persönlichen Novelle kommt zügig vorwärts und die Publikation derselben erweist sich als richtiger Verkaufsschlager. Daneben ist Eve mit der Gründung einer Stiftung in Erinnerung an Adam beschäftigt.

Im Laufe der Lektüre erfährt man plötzlich von einer bis anhin unbekannten verwandtschaftlichen Verbindung zwischen Adam und der als Adoptionskind aufgewachsenen Anise, die mir etwas arg konstruiert erschien. Die „Life in the Garden Serie“ soll aber weitergehen und ich freue mich trotzdem bereits auf Band 3 mit dem Titel „From the Tender Stem“. Wann diese erscheint, habe ich allerdings nicht herausfinden können.



Mary A. Agria:
Garden of Eve – Life in the Garden Series 2
Eigenverlag, 2011

13. Januar 2012

Hans-Jürgen Hennecke: Lindentod

Lindemann, ein gewissenhafter nicht mehr ganz junger Beamter und ausgeprägter Knoblauchliebhaber mit einer sozialen Ader, ist unter die Schrebergärtner gegangen. Seit kurzem hat er einen Kleingarten am Lindener Berg in Hannover gepachtet und träumt bereits von seiner Ernte. Insbesondere freut er sich auf schmackhafte Kirschen und Erdbeeren. Noch grösser ist im Moment nur die Vorfreude auf seinen wohlverdienten Urlaub, den er geruhsam in seinem 380 m2 grossen Garten zwischen Blumen und Sträuchern zu verbringen gedenkt.

So gemütlich wie Lindemann sich seine Ferien erträumt, werden sie dann aber nicht. Auf dem Parkplatz der Kleingartenanlage liegt eine Leiche. Mysteriöserweise verschwindet diese aber und ist nicht mehr aufzufinden. Dann taucht der angebliche Tote auf dem Laubenfest auf, löst sich aber auch hier wieder in Luft auf.

Auch sonst ist allerhand los in Hannover. Der Chefredaktor des „Lindenkuriers“ wird vermisst und im Teich der Schrebergartenanlage sollen illegal Giftmüllabfälle deponiert worden sein. Ausserdem kommt die Tante von Lindemanns Partnerin auf tragische Weise ums Leben, als sich an einem Lastwagen die ungenügend gesicherte Ladung löst und auf sie fällt. Einen weiteren Schrecken löst die Meldung aus, dass auf Satellitenfotos Bomben aus dem letzten Krieg entdeckt worden sind, die sich irgendwo unter den Parzellen der Kleingartenanlage am Lindener Berg befinden soll. Da wundert es den Leser kaum noch, dass sich in einem Hochbeet nicht nur Erde und Kompost finden lassen.

Aufgrund der Sondermüllabfall-Meldung wird allen Gärtnern der betroffenen Anlage davon abgeraten, Gemüse und Blumen aus ihrem Garten zu verwenden. Und wenn einem während des Urlaubes sogar das Ernten im eigenen Garten untersagt wird, muss man halt seine Zeit wohl oder übel mit anderen Tätigkeiten ausfüllen. Was liegt da für Lindemann näher, als selber etwas herumzuschnüffeln? In dieser Tätigkeit wird er von Pastor Sauerbier unterstützt und die beiden müssen sich bald die Frage stellen, ob die verschiedenen Vorkommnisse in jüngster Zeit einen Zusammenhang haben könnten.



Hans-Jürgen Hennecke:
Lindentod
Zu Klampen Verlag, 2010

9. Januar 2012

Josefa Amerstorfer: Verbrechen im Zaubergarten – Ein Blumenkrimi

Im Garten der Blumenfreundin Grete ist eine hübsche Pflanzengesellschaft mit verschiedenen Charakteren versammelt. Dazu gehören eine stolze, eingebildete Zaubernuss, ein naiver Krokus, ein sturer, reisefreudiger Löwenzahn, eine liebenswerte, kratzbürstige Brennnessel und viele andere mehr.

Als nach dem Winter die ersten Frühblüher erwachen, bemerken diese sofort, dass die Gärtnerin Grete sich währende der kalten Jahreszeit verändert hat. Sie trägt nicht nur eine neue Frisur, auch ihr neuer Kleidungsstil hat nichts mehr mit den gewohnten einfachen und praktischen Klamotten gemeinsam, die sie bis anhin bevorzugt hat. Da sämtliche Pflanzen in diesem Zaubergarten mit der Schöpferin dieses blühenden Paradieses sprechen können, bleibt der Grund für die äusserliche Verwandlung nicht lange im Verborgenen. Nach einer gescheiterten Ehe und einem längeren Single-Dasein hat Grete endlich ihren Traummann gefunden und ist frisch verliebt.

Die verschiedenen Blumen, die oft den lieben langen Tag mit streiten verbringen, sind sich für einmal aussergewöhnlich einig, nachdem sie den Grund für Gretes Veränderung persönlich erlebt haben. Sie können Gretes Begeisterung für ihren Walter nicht teilen, er ist ihnen äusserst unsympathisch.

Kurze Zeit später wird nachts bei Grete eingebrochen. Die Gartenbewohner haben den Täter erkannt und wehren sich auf ihre Weise gegen den Eindringling. Die Igelfamilie quickt und der Rosenstrauch umgarnt ihn mit seinen stacheligen Ästen, so dass er sich darin verheddert. Damit stecken Salbei, Melisse, Pfefferminze und Co. mitten im Blumenkrimi. Und als sich tags darauf Walter von Grete trennt, sind nicht nur detektivische Fähigkeiten gefragt sondern auch Mitgefühl und Trost.

In dieser Lektüre kommt das umfangreiche Blumen- und Gartenwissen der Autorin auf jeder Seite stark ausgeprägt zum Ausdruck. Allerdings empfand ich die Dialoge zwischen den Blumen oft als langatmig und wiederholend.



Josefa Amerstorfer:
Verbrechen im Zaubergarten – Ein Blumenkrimi
Agenda Verlag, 2009

5. Januar 2012

Antonia Michaelis: Wolfsgarten

Achim und Karl haben vor Jahresfrist das Kinderheim, das ihr bisheriges Zuhause war, verlassen können und in separaten Familien ein neues Leben angefangen. Der Kontakt zwischen den beiden ehemals eng befreundeten Jungs ist etwas eingeschlafen. Doch nun werden sie ans Krankenbett ihrer früheren Bezugsperson Maria gerufen, die plötzlich an einer seltsamen Krankheit leidet. Die Mittdreissigerin, die an den Heimzöglingen die Mutterstelle vertreten hat und selber kein eigenes Daheim hat, hat zuletzt von Achim und Karl gesprochen, bevor sie einen merkwürdigen Schlaf gefallen ist.

In einem von Maria verfassten, aber nicht abgeschickten Brief erfahren Achim und Karl von dunkelroten Hagenbutten mit weissen Tupfen und einem Märchen. Wenn man die Fliegenpilz-Hagenbutte in die Erde legt, soll man einen Wunsch frei haben und sobald daraus eine blühende Rose gewachsen ist und man deren Duft einatmet, soll der Wunsch in Erfüllung gehen. Weiter ist die Rede von einem grünen Tor, das in einen wilden Garten führt, in dem ein altes Herrenhaus steht und von Wölfen, die dort herumstreunen.

In der verschlossenen Faust der tief schlafenden Maria entdecken die beiden Knaben eben eine solche weiss getupfte Hagenbutte und sie beschliessen, diese im Garten hinter der Mauer des Kinderheims einzupflanzen und für Maria einen Wunsch zu äussern. Mit einem Teelöffel graben sie abwechselnd ein Loch in den Kiesvorplatz, legen die Hagenbutte hinein und giessen diese mit etwas Apfelsaft an. Und wie im Märchen beschrieben, beginnt sofort ein Pflänzlein zu wachsen, das sich in kürzester Zeit in einen grossen Busch in Form eines Tores verwandelt und mit Rosenblüten übersät ist. Als die beiden Jungen den Rosenduft einatmen und durch das Tor gehen, scheint die Erde zu beben und sie finden sich in einem grossen ummauerten Garten wieder. Recht rasch bemerken sie bei Tagesanbruch, dass zwar das Kinderheim an seinem gewohnten Platz steht, aber sowohl Zugangsstrassen, Bushaltestelle und andere Gebäude fehlen. Wo sind sie da nur hingeraten? Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Warum kommen täglich Kinder in den Garten um zu rennen? Gibt es auf dem Gelände tatsächlich Wölfe, die nachts umherstreifen? Und was hat es mit der weissen und der schwarzen Gestalt und den verschiedenen im Garten gefundenen Spielsachen auf sich?

Der Roman ist eine gelungene Mischung aus Zeitgeschichte, Abenteuer und Fantasie und wird in zwei Strängen erzählt. In die fiktive Geschichte werden das Ende der DDR, der Mauerfall sowie Hoffnung und Furcht eingewoben. Ein spannendes Jugendbuch, in dem die Fliegenpilz-Hagenbutte und der Rosenstrauch eine wichtige Rolle spielen. Auf dem Basler Jugendbücherschiff lassen sich doch immer wieder lohnenswerte Bücher entdecken!



Antonia Michaelis:
Wolfsgarten
KeRLE in der Herder Verlag GmbH, 2011

2. Januar 2012

Coleen Plimpton: Mentors in the Garden of Life

“Mentors in the Garden” ist wieder einmal ein Buch, bei dessen Lektüre ich bedauert habe, dass diese nach knapp dreihundet Seiten zu Ende war. Liebend gerne hätte ich noch mehr Gartengeschichten aus der Feder von Colleen Plimpton gelesen, die in ihrer Publikation Menschen vorstellt, die für ihr persönliches (Gärtner-)Leben wichtig sind oder waren. Die 31 Kapitel bestehen jeweils aus einem erzählenden Teil, einem s/w-Foto der zum Mentor passenden Pflanze und einer Beschreibung derselben samt Pflegehinweisen.

Ein starkes Interesse für Botanik zeigte Colleen Plimpton schon in ihrer Kindheit. Ihr kleines Gärtnerinnenherz schlug besonders heftig, als sie als zehnjähriges Mädchen auf dem Dachboden ein altes Gartenbuch aus dem Jahr 1924 entdeckte. Zur gleichen Zeit erhielt sie von ihrer Mutter für jeweils 100 gepflückte Löwenzahnblüten einen kleinen Batzen. Während für die gärtnerisch unbedarfte Mutter mit dem Verschwinden der Blüten der Rasen wieder perfekt zu sein schien, wusste ihre Tochter bereits genau, dass Löwenzahn nur dauerhaft entfernt werden kann, wenn man das Übel vor dem Versamen an der Wurzel packt, sprich samt Wurzel entfernt. Ein Wissen, das Coleen aber wohlweisslich für sich behalten hat.

Anfang der 1970er-Jahre wollte Coleen Plimpton als junge Frau ihr Buchwissen über das Anlegen von Kompost praktisch umsetzen. Dabei ging irgendwie vergessen, dass grüne und braune Grundstoffe nötig sind. Als sie für ein paar Tage abwesend war, entdeckte ihre Mitbewohnerin nach Reklamtionen von Nachbarn über Geruchsimmssionen, dass der ganze Haufen in Bewegung, sprich voller Maden war, worauf sie das gesamte sich im Zersetzungsprozess befindende Material im Wald entsorgte, um keinen Rauswurf aus der Wohnung zu riskieren. Spätere Kompostierungsversuche waren einiges erfolgreicher und einmal wurde im Umzugswagen sogar reifer Naturdünger von New Jersey nach Connecticut gekarrt (einschliesslich unzähliger Samen von Johny jump-up-Veilchen).

Die Autorin hat sich ihre gärtnerische Erfahrung zunächst hauptsächlich durch Ausprobieren und Lesen angeeignet. Verschiedene durch Beförderungen ihres Mannes bedingte Umzüge mit ihrer Familie stellten sie immer wieder vor neue hortikulturelle, teilweise auch klimatisch bedingte Herausforderungen. Inzwischen hat sie sogar ihrem angestammten sozialen Beruf den Rücken gekehrt und betätigt sich hauptberuflich als Autorin, Gärtnerin und sie hält Lesungen und gibt Kurse zum Thema Garten.

In diesem sehr persönlichen Buch lernen wir nicht nur die wichtigsten Personen aus Colleens Umfeld kennen, wir erfahren von ihrem persönlichen Hirsch-Krieg, der dazu geführt, dass sie ein äusserst probates Mittel entwickelt hat, das diese Tiere vom Garten fernhält. Und heutzutage teilt sie ihr Wissen auch gerne mit anderen und wir lesen wie sie sich jeweils nach ihren Umzügen ein neues grünes Umfeld aufbaut, Freunden und Bekannten in gärtnerischen Belangen hilft, Gartenkolumnen verfasst, eine Ausbildung im Botanischen Garten von New York absolviert und schliesslich ihr Unternehmen „Morning Glory Gardens“ auf die Beine stellt. Und zwischen all diesen Tätigkeiten hunderte von Seiten Tagebücher schreibt.

Hier der Link zu einer Lesung der Autorin.



Colleen Plimpton:
Mentors in the Garden of Life
Park East Press, 2010