23. Juli 2017

Kathrin Hanke und Claudia Kröger: Wermutstropfen – Der erste Fall für Victor Bucerius

Der Ich-Erzähler Victor Bucerius lebt seit einigen Jahren mit seiner Schwester Julia zusammen im Elternhaus, einem ehemaligen Kloster, zu dem ein Kräutergarten gehört, der ursprünglich von Mönchen angelegt worden ist. Er ist geschieden, sie ist verwitwet - so hat sich diese Zweckgemeinschaft fast aufgedrängt. Denn obwohl die Geschwister so nahe beieinander wohnen und einzelne Räume wie die Küche gemeinsam nutzen, ist der gegenseitige Kontakt minimal. Einerseits sind sie charakterlich verschieden, anderseits pflegen sie unterschiedliche Interessen. Der zurückgezogen lebende Apotheker widmet sich ausserhalb seines Geschäfts hauptsächlich seinen Forschungen nach einem neuen Medikament und verbringt dementsprechend viel Zeit in seinem Labor, während die offene Menschenfreundin Julia eine leidenschaftliche Köchin und Kräutergärtnerin ist. 

Der zum Haus gehörende Garten ist eigentlich eher ein Park und wird von Julia gehegt und gepflegt. In ihrem Reich zieht sie eine grosse Auswahl von Kräutern an, die sie nach der Ernte trocknet und anschliessend zu weit über die Dorfgrenze hinaus beliebten Teemischungen abfüllt, die der Apotheke ihres Bruders ansehnliche Umsätze bescheren. Und eben in diesem grünen Revier findet Victor eines Morgens seine Schwester tot im Teich. Suizid kann als Todesursache rasch ausgeschlossen werden. Doch wer hat Julia vergiftet? Da Victor als Alleinerbe und Apotheker eben nicht nur über ein starkes Motiv, sondern auch über das notwendige Hintergrundwissen über Gifte verfügt, setzt ihn die ermittelnde Kommissarin Stine Jessen gleich einmal auf die Liste der Verdächtigen. 

Victor ist natürlich gar nicht begeistert darüber und sowieso stört es ihn, dass eine Frau die Ermittlungen führt. Nach seinen Erfahrungen sind Frauen nämlich kompliziert und denken um mehrere Ecken herum. Um die Verdachtsmomente auszuräumen und gleichzeitig seiner Schwester einen letzten Dienst zu erweisen, beginnt er deshalb, selber Nachforschungen anzustellen. Und als hätte der zurückgezogen lebende Mann derzeit nicht schon genug Unruhe in seinem sonst so geordneten Alltag, taucht auch noch eine Frau auf, die behauptet, von Julia als Aushilfe für seine Ein-Mann-Apotheke eingestellt worden zu sein und vorläufig im Gästezimmer wohnen zu dürfen. 

Wieso weiss Victor nichts von diesen Plänen? Weil er sich im Moment seinen privaten Ermittlungen widmen will, beschliesst er, der Frau eine Chance zu geben. Sie erweist sich in der Apotheke als sehr geschickt, doch überschreitet sie privat immer wieder Grenzen und muss von Victor in ihre Schranken gewiesen werden. Parallel dazu findet er mittels Tagebuch seiner verstorbenen Schwester heraus, wie wenig er über diese gewusst hat und welche Themen sie in den letzten Wochen bewegt haben. Sie hat beispielsweise Kochbuchpläne geschmiedet und sich sehr intensiv um einen von Victors Medikamentenauslieferern gekümmert, der aus einer Problemfamilie stammt. Und zwar genau um den jungen Mann, der ihm selber irgendwie suspekt ist. 

Nach einem Einbruch in sein Wohnhaus scheint die Kommissarin immerhin von Victors Unschuld überzeugt zu sein und sie zieht ihn – natürlich ganz inoffiziell - sogar mit in ihre Ermittlungen ein. Verschiedene Tatmotive werden in Betracht gezogen und potentielle Täter überprüft, doch eine heisse Spur ist nicht aufzutun. 

Zwischen den Kapiteln finden sich jeweils passende Rezepte wie etwa «Julias römisches Katerfrühstück», «Kräuter-Tarte à la Julia», «Julias Fruchtfliegenfalle» oder «Stines dunkelroter Energiekick».Sowohl Untertitel als auch der letzte Satz des Gartenkrimis lassen auf eine Fortsetzung des Gartenkrimis hoffen. 



Kathrin Hanke und Claudia Kröger: 
Wermutstropfen – Der erste Fall für Victor Bucerius 
Gmeiner Verlag, 2016

15. Juli 2017

Lorenza Zambon: Gartenphilosophie

Lorenza Zambons Leidenschaft gilt Pflanzen, Gärten und Landschaften. Die Schauspielerin und Regisseurin verknüpft diese schon seit langem mit Festivals, Theaterworkshops und Guerilla-Kunstaktionen. Nun ist noch ein zum Nachdenken anregendes Büchlein hinzugekommen. Nämlich die deutsche Übersetzung von «Lezioni di giardinaggio planetario». Auf rund 120 Seiten philosophiert sie darin in drei Lektionen über «Gärtnern für anonyme Revolutionäre», «Gärtnern für planetarische Gärtner» und «Die Samen der Zukunft». Die Essays selber tragen Titel wie «Blütenteppiche auf Trümmern», «Befreite Samen» und «Ein schlafender Schatz». 

Die Liebe zum Grünen hat die Autorin wohl von ihrer Mutter geerbt. Und dies obwohl sie sich als Kind oft fremdgeschämt hat, wenn sich la Mama unterwegs mit der Tochter dank Hilfe ihrer perfekt manikürten Nägel als Pflanzendiebin betätigt hat oder sich – wenn die höfliche Bitte nach einem Steckling ganz selbstverständlich bejaht worden ist – ziemlich aufdringlich gleich selber im fremden Garten am grünen Buffet bedient hat. Da der Nachwuchs sich seinerzeit aber mehr geschämt hat, als dass er darauf geachtetet hat, was die Mutter mit den Stecklingen angestellt hat, blüht es bei Lorenza Zambon nun leider nicht annähernd so üppig wie seinerzeit rund ums Elternhaus. 

Dafür hat sie um so mehr Ideen, die sie oft mit Unterstützung von anderen verrückten Frauen umsetzt. Als verrückt bezeichnet die Autorin ihre Mitstreiterinnen selber. Initiativ würde aber gemäss meinem Eindruck mindestens so gut passen. Auf ihrer privaten Facebook-Seite lässt sich jedenfalls ausgezeichnet ein erster Eindruck über ihr vielfältiges Engagement verschaffen. Die Italienerin berichtet davon, wie sie unterwegs immer wieder Müll zusammensammelt. Zu diesem Zweck hat sie immer Müllsäcke und Handschuhe im Auto. Die vollen Säcke werden dann beschriftet mit «Erntedatum» und «Ernteort» aufgehoben. Wie lange habe ich nicht mitbekommen oder überlesen. 

Dann schreibt Lorenza Zambon von Männern, die Bäume pflanzen. Und zwar nicht einen oder zwei. Nein, gleich Tausende. Und es gibt ein Wiederlesen mit Novella Carpenter, der Cityfarmerin aus Detroit, deren Buch «Meine kleine Cityfarm» ich hier ausführlich vorgestellt habe. Die Autorin glaubt, dass jenseits des Atlantiks wahrhaftig der Keim für fantastische neue Welten gelegt wird. Das mag zutreffen. Wohl aber nur, wenn man die jüngsten politischen Geschehnisse ausblendet. Mit Genugtuung stellt sie jedenfalls fest, dass jüngst auch hierzulande (oder eben in Italien) immer öfter grössere und auch kleine leere Flächen durch Urban Farmer und/oder Guerilla Gardener in Beschlag genommen werden und verrät ihre eigene Idee von tragbaren Gemüsegärten. 

Gerne würde die Sofagärtnerin noch mehr Geschichten übers Verschönern von Städten lesen, mangels weiterer solchen Seiten erfreut sie sich an den kreativen und teilweise inspirierenden Namen verschiedener Gartenbewegungen, die erwähnt werden: Badili Badola, Piante Volanti, Ammazza che piazza, Effetto Terra, Zena Zapata, Le Ortike oder Friarelli Ribelli. Die philosphischen Betrachtungen enden mit der Einladung, sich genau umzusehen und für sich selber die richtigen Samen zu finden. Und das richtige mit diesen anzustellen. Für eine erfolgreiche Keimung braucht es nur ein wenig Erde und etwas Wasser. 



Lorenza Zambon: 
Gartenphilosophie 
Mosaik Verlag, 2017

8. Juli 2017

Susanne N. Bahro: Abschied am Alpsee

Carina bekommt von ihrem Mann schon lange keine roten Rosen mehr geschenkt. Was aber weniger daran liegt, dass sie eine Floristikausbildung abgeschlossen hat, sondern darauf zurückzuführen ist, dass ihre vierköpfige Familie, zu der neben Carina und ihrem Mann Frank der 16jährige David und die 12jährige Anika gehören, fest im Alltagstrott gefangen ist. Jetzt hat Carina ihren Nächsten einen Urlaub in ihrer Heimat, dem Allgäu, abgetrotzt, ja fast abgenötigt, und Mann und Kinder sind wenig begeistert, auf Meer und Ostseestrand verzichten zu müssen. 

Der erste Ferientag beginnt dann auch wenig vielversprechend und Carina macht sich nach einem Streit alleine auf, um den alten Residenzort Immenstadt zu erkundigen. Nachdem sie sich aus Frust ein wunderschönes, aber eigentlich viel zu teures Kleid gegönnt hat, läuft sie weiter durch die Gassen und die Auslage des Blumenladens «Monis Blumenkiste» erweckt ihre Aufmerksamkeit. Obwohl die Aufmachung bei näherer Betrachtung ihrem kritischen Auge nicht genügt, möchte sie sich das Geschäft gerne anschauen. Doch leider ist die Ladentüre abgeschlossen. Sie bleibt nicht die einzige, die vor der verschlossenen Türe stehen bleiben muss. 

Als Carina während einem Gespräch mit der Bäckersfrau von nebenan erfährt, dass die Inhaberin wegen einem Unfall für ein paar Tage im Krankenhaus bleiben muss, bietet sie ganz spontan ihre professionelle Hilfe an. Die hinzugezogene Tochter der Blumenladenbesitzerin hat keine Einwände und so ergibt sich für die Mutter und Hausfrau ganz plötzlich die Möglichkeit, ihren langjährigen Traum vom eigenen Blumengeschäft wenigstens für ganz kurz auszuleben und nach vielen Jahren wieder als Floristin tätig zu sein. Ihre schlechte Laune ist wie weggeblasen, während sich die Begeisterung ihrer Familie über die Abwesenheit der Mutter in Grenzen hält. 

Wieviel kostet eine einzelne Rose? Welchen Preis kann sie für einen bunten Sommerblumenstrauss verlangen? Um an notwendige Informationen zu gelangen, verschafft sich Carina Einblick in die Bestelllisten. Sie bringt es fertig, einen wichtigen Kunden mit ihrer originellen Tischdekoration, die aus einer Verlegenheit oder genauer mangels vorhandener frischer Blumen entstanden ist, zu begeistern. Aber gleichzeitig überschreitet sie eindeutig ihre Stellvertreterinnen-Kompetenzen, als sie einen eingeschriebenen Brief nicht nur entgegennimmt, sondern auch öffnet, liest und den wichtigen Inhalt nicht einmal weitergibt. Dieser Fauxpas und die Nicht-Information der Inhaberin über ihre Aushilfetätigkeit ziehen Konsequenzen nach sich. 

Als sich nämlich die Blumenladenbesitzerin Moni selber vorzeitig aus dem Krankenhaus entlässt und nichts ahnend von den Abmachungen zwischen ihrer Tochter und Carina im eigenen Geschäft auftaucht und eine fremde Person darin vorfindet, ist sie natürlich gar nicht begeistert. So scheint der Traum vom temporär zu führenden Blumenladen noch schneller zu enden, als durch die kurze Feriendauer sowieso schon absehbar war. 

Immerhin bleibt so wieder etwas Zeit für richtige Familienferien. Doch sie findet heraus, dass ihr Ehemann heimlich in beruflicher Mission unterwegs sein muss. Da die beiden mitten in einer heftigen Ehekrise stecken und sich gegenseitig nicht mehr offen informieren, hat sie keine Ahnung davon, dass das vor dreieinhalb Jahren gegründete Architekturbüro ihres Mannes sehr schlecht läuft und er dringend auf neue Aufträge angewiesen ist. 

Immerhin hat sich Davids Laune etwas gebessert und Anika ist durch die Abwesenheit von Mutter und Vater gezwungenermassen etwas selbständiger geworden. Der Sohnemann hat Anschluss an gleichaltrige einheimische Jugendliche gefunden, so dass seine Enttäuschung darüber, die Klasse wiederholen zu müssen, etwas in den Hintergrund gerückt ist und die Tochter verbringt ihre Tage auf einem Ponyhof. Hat Frank vielleicht mit seinen Vorwürfen doch recht, dass Carina ihre Kinder zu fest bemuttert? Damit sind noch nicht einmal alle aktuellen Probleme aufgezählt. Denn da gibt es noch einen ehemaligen Schulkameraden von Carina, der ziemlich aufdringlich um sie wirbt. Steht die Ehe von Carina und Frank nach siebzehn Jahren tatsächlich vor dem Aus und David muss, wie von ihm befürchtet, als Scheidungskind nach Hause kehren? 



Susanne N. Bahro: 
Abschied am Alpsee 
Eigenverlag, 2016

1. Juli 2017

Gina Mayer: Der magische Blumenladen

Teil 1 (von Ende 2016)

Mitten während meiner beruflichen Weiterbildung bin ich auf eine neue Kinderbuchreihe über einen Blumenladen gestossen, in dem mit Blumen gezaubert wird. „Der magische Blumenladen“ ist im letzten Jahr gestartet und umfasst bereits mehrere Bände. Da tut es mir fast ein bisschen leid, dass meine Tochter diesem Alter entwachsen ist und ich eigentlich (fast) keinen Grund habe, mir diese verlockende Reihe anzuschaffen.


Teil 2 (von Mitte 2017)

Nachdem ich kürzlich in einem Supermarkt (!) erneut über diese Buchreihe gestolpert bin, habe ich sie mir doch zugelegt. Bis anhin habe ich fünf Bände der mit ausserordentlich schön gestalteten Buchcovers ausgestatteten Serie gelesen. Alle enthalten ein in sich abgeschlossenes Abenteuer der Nachwuchs-Blumenzauberin Violet, für die es keinen schöneren Ort gibt, als den Blumenladen ihrer Tante Abigail. Mal benötigt jemand eine ordentliche Portion Selbstvertrauen, mal müssen zwei perfekt zueinander passende Menschen zusammengeführt werden, mal muss jemandem die Zunge gelockert werden und ein anderes Mal sind verschwunde Personen aufzuspüren. Mit magischer Unterstützung durch die richtigen Pflanze aus dem Blumenbuch, die meistens im Hexengarten hinter dem Blumenladen wächst, wäre die Lösung jeweils schnell herbeigezaubert. Aber Violet hat ihrer Tante versprechen müssen, das gelbe Buch nicht mehr anzurühren, bis ihre Blumenzauberin-Ausbildung abgeschlossen ist und ihre eigentlich durchaus gut gemeinten magischen Bemühungen zu keinen unbeabsichtigten, völlig verqueren Resultaten mehr führen können...