31. März 2012

Waltraud Hopf: Garten Allerlei – Neues aus dem Garten

Dieses Büchlein ist die zweite Publikation, in der die am Rande des Schwarzwalds gärtnernde Waltraud Hopf in umgangssprachlicher Form von ihren Erlebnissen in und um ihr grünes Reich berichtet. Der Inhalt ist in acht Kapitel geliedert: „Was gibt es neues im Garten?“, „Mulchmaterial“, „Schnecken“, „Gemüse“, „Obst und Beeren“, „Blumen, Rosen, Kräuter …“, „Teiche“ und „Tiere im Garten“.

Waltraud Hopf schreibt in ihrem Vorwort, dass sie den interessierten Leser gerne an ihren Gartenlektionen teilnehmen lassen will und betont, dass sie über keinen beruflichen gärtnerischen Hintergrund verfügt, sondern aus dem Bauch heraus gärtnert und die Natur und speziell ihre Pflanzen genau beobachtet, um herauszufinden was ihnen gut tut.

Zunächst berichtet sie von den Veränderungen im Garten nach der Veröffentlichung ihres ersten Büchleins, von denen einige eine direkte Konsequenz des Sturmtiefs Kyrill sind. In die Texte herein gestreut sind immer wieder Gartentipps und Anekdoten. Haben Sie gewusst, dass die unscheinbaren Blüten der Schwarzwurzel nach Vollmilchschokolade duften sollen? Weiter erzählt die schreibende Gärtnerin von ihrem Versuch, Salate in Hängeampeln auszusäen und in die Äste von Obstbäumen zu hängen. Das Ergebnis war positiv und soll mit weiteren Sämereien ausgedehnt werden. An anderer Stelle werden ausführliche Überlegungen zu den Themen Kräutern und tierischen Gartenbewohnern angestellt.

Das Büchlein ist zwar illustriert, die Qualität der Bilder aber sehr mangelhaft. Der Text ist nicht sehr ausgefeilt, aber es lässt sich unschwer erkennen, dass Waltraud Hopf mit Herz und Seele gärtnert und darüber berichtet. Vielleicht lassen auch Sie sich von ihrer Freude anstecken und von ihren Erkenntnissen, wie jener, dass sich Erfolg im Gartenbau nur einstellt, wenn man mit und nicht gegen die Natur arbeitet und sich den örtlichen Begebenheiten anpasst und eine entsprechende Pflanzenauswahl trifft? Die Gärtnerin beispielsweise muss akzeptieren, dass es in ihrem Garten keinen Wasseranschluss gibt, da er inmitten von Feldern und Wiesen liegt, und es gilt damit zurechtkommen, dass bei heftigen Niederschlägen auf der Parzelle das Motto „Land unter“ gilt.



Waltraud Hopf:
Garten Allerlei – Neues aus dem Garten
Zwiebelzwerg Verlag, 2009

28. März 2012

Konstanze Neubauer: Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen

Das Wort „Gartenschätze“ im Buchtitel weckt schon einmal hohe Erwartungen in der Leserin. Und, dies sei gleich vorab verraten, diese werden auch erfüllt. Aus ursprünglich 180 Vorschlägen wurden schliesslich die hier nun vorgestellten 70 Gärten ausgewählt und in die Publikation aufgenommen. Die Bild- und Lesereise führt durch die sieben Bezirke Bayerns, von welchen jeweils zwischen sechs und zwölf Gartenschätze im Buch portraitiert werden – von Unter-, Mittel- und Oberfranken, Oberpfalz über Schwaben bis Ober- und Niederbayern.

Ein Bibelgarten in Regen, ein Skulpturengarten mit Bronzeriesen in Erlangen, der kürzlich hier bereits erwähnte botanische Privatgarten Krasemann in Thalmässing, das Felsenlabyrinth Luisenburg in Wundsiedel, das Rosarium Nördlingen, der Galerie- und Kunstgarten Nusser in Freywang, der botanische Garten in Regensburg – die Palette der vorgestellten Grünanlagen ist ebenso umfang- wie abwechslungsreich. Auch Schlossparks, Lehr-, Kloster- und Museumsgärten finden sich unter den grosszügig mit aussagekräftigen Fotos illustrierten Portraits. Die Texte geben einen informativen Einblick in die bayrische Gartenkulturgeschichte, in der sich hortikulturelle Spuren aus den verschiedensten Epochen entdecken lassen.

Das Bewundern der alpinen Pflanzenschätze auf dem Schachen beispielsweise muss erst verdient werden. Der Aufstieg zur „Filiale“ des Botanischen Gartens von München dauert je nach gewähltem Weg und vorhandener Kondition etwa drei bis vier Stunden. Als Belohnung lassen sich Edelweiss und blauer Scheinmohn aus nächster Nähe betrachten und vom Aussichtspavillion aus der Panoramablick ins Reintal.

Der Therapiegarten der Laufer Mühle in Adelsdorf hat nicht nur den Zweck, psychische und physische Heilkräfte der Patienten zu mobilisieren, er spricht besonders auch die Seh- und Geruchssinne der Besucher an. In den verschiedenen Themengärten lassen sich immer wieder Kunstobjekte aus der eigenen Schreinerei, Schlosserei und der Kreativwerkstatt entdecken, die den unverwechselbaren Reiz der Anlage mit Rosarium, Obstgarten usw. unterstützen, und die natürlich auch gekauft werden können.

Der ganzjährig geöffnete Bibelgarten in Regen erzählt an 25 Stationen von speziellen Bibelstellen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Ein Rundweg führt durch ein Tor direkt ins Paradies, wo auf einem Apfelbaum bereits eine Schlange sitzt und darauf wartet, den Besucher zum Genuss der verbotenen Früchte zu verführen. In diesem Themengarten lassen sich die Bibelkenntnisse auffrischen und vielleicht fühlt sich der eine oder andere Besucher auch inspiriert, im heimischen Garten ein gleiches oder ähnliches Symbol in die Gartengestaltung zu intergrieren.

Die einzelnen Gartenportraits informieren den Leser unter dem Titel „Garten-Details“ über Öffnungszeiten und genaue Adresse. Pro Bezirk findet sich eine Karte im Buch, damit sich auch der geografisch eher unkundige Leser, zu der auch die Sofagärtnerin zählt, über die genaue Lage der Gärten ein Bild machen kann. Eingeschobene Themen zu den Begriffen Kurgarten, Freilandmuseum, Botanischer Garten, Landschaftspark, Klostergarten, Stadtgarten, Schlossgarten und Arznei- und Heilpflanzengarten erklären die Aufgaben dieser Institutionen und vermitteln Details zur Geschichte aus gärtnerischer Sicht. Im Serviceteil sind Hinweise zu Parkplatzangebot, Rollstuhlgängigkeit, Verpflegungsmöglichkeiten und Internet-Adressen für weitergehende Informationen sowie eine Literaturliste aufgeführt. Da ein Register fehlt, muss das Inhaltsverzeichnis genügen, um zu einem späteren Zeitpunkt rasch wieder eine gesuchte Stelle zu finden.

Ein prächtiger Bildband, der sich insbesondere als Reiseführer für die Vorbereitung von Besuchen von grünen Anlagen im Freistaat eignet und unweigerlich Lust macht, den einen oder anderen Garten in Natura zu betrachten. Oder vielleicht gleich eine Gartentour quer durch Bayern zu planen. Es muss ja nicht immer England sein … Dieses Buch hat übrigens verdientermassen den Gartenbuchpreis 2012 in der Sparte „Bester Gartenreiseführer“ gewonnen.



Konstanze Neubauer:
Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen
Callwey Verlag, 2012

25. März 2012

Paula Almqvist: Was mir blüht

Unter dem verheissungsvollen Titel „Was mir blüht“ ist nun bereits eine zweite Kolumnensammlung von Paula Almqvist zu den unterschiedlichsten Themen rund um Gartenfreude und Gartenleid erschienen. Um letzteres zu vermeiden, empfiehlt die Autorin im Kapitel „Besser machen“ der Gärtnerin beispielsweise, nie mehr nach einem Ausflug ins Schwimmbad direkt den Garten anzusteuern und in offenen Sandaletten das Beet umzugraben oder aber mit einer Papierschere, die gerade zufällig zur Hand liegt, einen Rosenzweig zu kürzen.

An einer anderen Stelle vergleicht die Kolumnistin selbstgerührte Ringelblumensalbe und selber gemischte Blütenpotpourris mit Derivaten, welchen ja wie seit der Finanzkrise jeder weiss, ein negativer Touch anhaftet oder sie wägt die Vor- und Nachteile ab zwischen Garten und Haustieren. Wenn man dabei die Duftnote und die monatelange Winterpause berücksichtigt, hat das grüne Hobby ihrer Meinung nach eindeutig die Nase vorn.

Eingeflochten werden auch immer wieder Pflege- oder Pflanztipps wie der, einen blühenden Gartenteppich aus Vergissmeinnicht und blauschwarzen und weissen Tulpen anzulegen oder Kombinationen von Türkenmohn mit Zierlauch auszuprobieren. Und wissen Sie, was es mit Monets Garten für Arme auf sich hat oder warum die lange verpönte Schwiegermutterzunge nun plötzlich von Innendekorateuren empfohlen wird? Alles möchte ich hier ja nicht verraten, aber auch über die Sonnenblume weiss Paula Almqvist interessantes zu berichten. Wir erfahren von der spiralenförmigen Anordnung der Sonnenblumenkerne und welchem Zweck diese dient und dass sich mit Hilfe dieser Blumen Böden ausgezeichnet entgiften lassen.

Was hat es mit dem Sorgerecht für Rosen auf sich? Paula Almqvist beschäftigt sich auch mit dem Unterschied zwischen gärtnernden Frauen und Männern. Eindeutig Männersache ist die sogenannte (selbstgewählte) Schuppen-Quarantäne, nicht zu verwechseln mit dem Schuppen-Arrest aus den wohlbekannten Michel von Lönneberga-Büchern von Astrid Lindgren.

Was also blüht Ihnen, wenn Sie dieses unbedingt empfehlenswerte Büchlein lesen? Unterhaltsame Lektüre mit hortikulturellem Hintergrund und fundierten Informationen. Die nach Monaten geordneten Kapitel beginnen jeweils mit einem Artikel zu einer aktuell blühenden Pflanze. In diesen Kolumnen erfährt man häppchenweise immer mal was über die Autorin. Liebend gerne hätte ich im Buchumschlag oder in der Lektüre noch etwas mehr über diese erfahren…



Paula Almqvist:
Was mir blüht
Schöffling & Co., 2012

22. März 2012

Margit Schönberger: Eine Blattlaus kommt selten allein

Was hat jemand wohl auf dem gartenrelevanten Kerbholz, der jedes Mal ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn er bzw. sie das Lied „Mein Freund, der Baum ist tot“ von Alexandra hört? Margit Schönberger erzählt in den ersten fünf Kapiteln genau darüber und von ihrem zwar kräfteraubenden, aber doch erfreulich blühfreudigen Start ins Gärtnerinnenleben. Dann entdecken plötzlich kriechende Schleimer den bereits reichlich gedeckten Tisch und bedienen sich gütlich an Basilikum und anderem Grünzeug. In der Folge mutiert die Autorin durch diese Gartenplage zur Schneckenforscherin.

In weiteren Kapiteln lesen wir von Pflanzenanakondas und kleinformatigeren Gartenwürgern, wie der eigentlich ganz hübschen Ackerwinde oder von Buchpräsentationen, die dank passender Blumendekoration erst den richtigen Schliff bekommen und vom jährlich wiederkehrenden, schon fast traditionellen Namensstreit zwischen Margit Schönberger und ihrem Partner betreffend der Bezeichnung von Schneeglöckchen bzw. welche Blume überhaupt ein Schneeglöckchen ist. Regionale Sprachunterschiede können es nämlich in sich haben. Des weiteren geht es um die Folgen von Nichtbeachtung von Gebrauchsanweisungen, sprich Pflanzanleitungen, oder wie der Titel verrät um Blattläuse.

Die Gartenarbeit erdet die Frau im wahrsten Sinne des Wortes, indem diese eine positive, beruhigende Wirkung auf deren Nervenkostüm hat und gleichzeitig längst vergessene Kindheitserinnerungen an die Gärten der Mutter und der Grossmütter weckt.

Ein humoriges gartenbiografisches Lesebuch, das nebenbei hin und wieder Gartentipps in die Lektüre einpackt und immer mal wieder schmunzeln lässt, wenn man etwa Ausdrücke liest wie „gartenseelisch verarbeitete Tulpenkatastrophe“. Auch nützliche Warnungen sind dabei, die für den vielleicht als eher naiv zu bezeichnenden Gärtner von Nutzen sein könnten. Falls sich nämlich jemand auf Ihrer Parzelle einen halben Quadratmeter Land für den Anbau einer Versuchspflanze mieten will und dabei unbedingt auf einem verborgenen Plätzchen beharrt, sollten bei Ihnen alle, aber wirklich alle Alarmglocken klingeln!

Das nachhaltig schlechte Gewissen, in dem die Sängerin Alexandra mit ihrer Ode an einen Baum aus den sechziger Jahren rührt, ist übrigens auf die Entführung eines Lärchensämlings in den Ferien zurückzuführen, der etliche Jahre später – nachdem er sich (zu) prächtig entwickelt hat - dann gefällt worden ist.



Margit Schönberger:
Eine Blattlaus kommt selten allein
Knaur Verlag, 2012

19. März 2012

Sabine Scholl: Tödliche Tulpen

Der Historiker Selim Ersoy findet bei seiner Rückkehr von einer Gastprofessur in Ankara eine tote junge Frau in seiner Wiener Wohnung, in deren Schulter eine tropfenförmige Tulpe eingeritzt ist. Die Tote arbeitete zu Lebzeiten als Model und Performancekünstlerin und nannte sich „Lale“, was auf Türkisch Tulpe bedeutet. Als Tatwaffe wurde ein Kopftuch aus der Kollektion des Berliner Modedesigners Aslan benutzt, dem Bruder von Selim Ersoy.

Auf den Fall wird die 38jährige Ermittlerin Gina Sonnenfels angesetzt, die früher selber als Designerin tätig war. Im Roman spielen botanische Details immer wieder ein Rolle, etwa in Form des Logos des Modedesigners und von Blumenerde unter den Zehennägeln des Mordopfers oder der Leser erfährt, dass die Tulpe selber als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und wahre Liebe gilt und das Wort Lale als Anagramm für den Namen des Schöpfers. Haben Sie gewusst, dass die gehäkelten Borten von Kopftüchern eine Bedeutung haben? Violette Hyazinthen stehen für ein verliebtes Mädchen, während eine Frau, deren Mann im Ausland tätig ist, wilde Rosen trägt. Weiter kommen im Buch ein Blumenfest und eine Auszeichnung mit dem Namen „Berliner Tulpe“ vor und nicht zuletzt züchtet eine tulpenverrückte Operettensängerin selber ihre Lieblingsblumen und gibt ihnen Namen wie „Die Knospe des Schahs“, „Herzenssucherin“ oder „Lichtspenderin“.

Diese botanischen Hinweise sollen aber keine falsche Fährte legen. Im Buch sind sie doch eher nebensächlich, während beispielsweise Neureligion ein grösseres Thema ist. Und in erster Linie gilt es ja auch herauszufinden, welche Rolle der Bruder des Opfers und ihr Liebhaber, der Teppichhändler Hans Meier, in diesm Fall spielen.

Mit der zwischen Berlin und Wien pendelnden souverän ermittelnden Gina Sonnenfels wurde ich nicht richtig „warm“. Bedenklich und ärgerlich fand ich vor allem die wiederholt erwähnte Kombination von vermuteter Schwangerschaft und gleichzeitigem Einwerfen von grösseren Mengen an Schmerzmitteln. Aber glücklicherweise handelt es ich ja nur um ein Buch …



Sabine Scholl:
Tödliche Tulpen
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, 2011

16. März 2012

Peter Würth: Alles auf Grün

Zur Freude der lesenden Gärtnerin erweitert der Schöffling Verlag die Reihe der kleinformatigen Büchlein mit farbig bedrucktem Feinleinen auch in diesem Frühjahr um zwei Publikationen. Bei Peter Würth dreht sich in dreizehn Kapiteln wie es der Titel schon verrät alles rund ums Grün.

Bereits die ersten Sätze regen zum Nach- und Mitdenken an, denn der Autor lädt die Leser ein, den Garten als Lebewesen zu betrachten. Mit sämtlichen Konsequenzen, die sich daraus ableiten lassen und ergeben. Wie auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen handelt es sich um ein Geben und ein Nehmen, das da wie dort nicht immer im Lot ist. Da werden beispielsweise Obstbäume, die keine Früchte produzieren wollen, mit bockigen Jugendlichen verglichen. Liebt man letztere wegen ihres oft nicht nachvollziehbaren Verhaltens weniger? Im Garten wie im Familienleben lassen sich solche Herausforderungen Humor leichter überwinden.

Auch dem gerade sehr modernen „Country Trend“ widmet der Autor ein Kapitel und reflektiert über den oft schmalen Grat zwischen blosser Dekoration und der richtigen Dosis purer Natur, die bitteschön sowohl berechenbar als auch beherrschbar sein soll. Schmunzeln muss man beim Lesen von Bemerkungen wie (Zitat) „Duzfreunden in der Dorfkneipe, die sich als die engstirnigen Dörfler entpuppen, die sie schon immer waren …“ Eine Überdosis samt Nebenwirkungen stellt sich denn schon mal so rasch ein wie sich beim Holzhacken für das Kaminfeuer Blasen an den Händen bilden.

Zum Thema „Grün“ gehören natürlich auch Überlegungen zu ökologisch korrekt produzierten Lebensmitteln sowie deren Transportwegen, Guerilla-Gardening, Urban Farming, Naturschutz auf Golfplätzen, die grüne Stadt und die neue Gemüseküche.

Über Liedertexte von oder über Gärten habe ich mir bis dato noch nie gross Gedanken gemacht. Bei der Lektüre des Kapitels „Green Songs“ entdeckte ich aber rasch, dass es doch einige bekannte Lieder gibt, die von Garten und Co. handeln. Schon länger nicht mehr gehört, aber gleich wieder präsent beim Lesen des Songtitels waren mir „Mein Freund der Baum“ von Alexandra oder „If you’re going to San Francisco“ von Scott Mc Kenzie und „Rose Garden“ von Lynn Anderson.

Die ebenso sachverständigen wie unterhaltsamen Texte sind mit einem ordentlichen Schuss Ironie gewürzt. Dieses kleinformatige Plädoyer für mehr Grün in allen Lebensräumen hat nur einen Fehler. Nämlich den, dass nach etwas über hundert Seiten das Buch zu Ende gelesen ist.



Peter Würth:
Alles auf Grün
Schöffling & Co., 2012

13. März 2012

Christine Becker: Zeitlos flattern Blütenträume …

Beim Einfügen der kürzlich hier vorgestellten Helleborus-Bücher in meine Bibliotheksliste habe ich festgestellt, dass bereits längere Zeit ein anderes Buch von Christine Becker auf meinem Bücherregal steht, nämlich jenes mit dem Titel „Zeitlos flattern Blütenträume …“. Diese Publikation ist kein Praxisratgeber und bietet auch keine botanischen Erläuterungen, sondern Einblicke ins private Tagebuch, Plaudereien, Rückblicke und nicht zuletzt in die Geschichte der Entwicklung von einem verwahrlosten verwilderten Stück Land in einen Garten. Lesend begleiten wir die Autorin auf diesem beschwerlichen Weg, gepflastert mit unzähligen kaputten Gartenwerkzeugen, dem Kampf gegen den Feind Nr. 1 (dem eisigen Ostwind) und gegen weitere Plagen wie Giersch und Holunder. Geschildert wird eine intensive und mühselige Zeit, die Christine Becker aber nicht missen möchte.

Der Leser kann quasi im Vorbeigehen Tipps mitnehmen. So brachten im Garten Becker direkt zwischen die Buchenhecke gepflanzte Kaiserkronen Rettung vor hungrigen Mäusen, während Eukalyptus und Zypresse schliesslich wegen Kälte und Wintertrockenheit definitiv nicht mehr zu retten waren. Dabei hatte die Autorin und Gärtnerin für letztere sogar stürmische Nächte draussen verbracht, um dem Flachwurzler Halt zu geben.

An einer anderen Stelle lesen wir von aus Legosteinen gebastelteten Gewächshausmodellen, denen sogar massstabgetreue Pappscheiben eigesetzt worden sind und über den vielfältigen Nutzen von Salbei und die Freude darüber, dass sogar der damals zehnjährige Sohn diese Vorzüge bei Anzeichen von Erkältung anerkennt und aus eigenen Stücken mit der Taschenlampe bewaffnet im verschneiten Kräuterbeet nach dem Linderung versprechenden Kraut sucht.

Das Buch wurde bereits 1998 produziert. Nieswurz (Helleborus) erscheinen zwar auf der Liste der im Garten gepflanzten Stauden, die im Anhang aufgelistet sind, spielten aber anno dazumal noch keine wichtige Rolle, ansonsten wären die erwähnten Hahnenfussgewächse wie Rittersporn und Eisenhut an einer anderen Stelle bestimmt um Helleborus ergänzt worden.

Die Texte werden regelmässig mit „…“ unterbrochen. Diese punktuell gesetzten Pausen laden dazu ein, sich zum Gelesenen eigene Gedanken zu machen und die Bilder genauer zu betrachten, die ohne erklärende Texte alleine für sich sprechen.

Und um nochmals kurz auf Helleboren zurückzukommen: Christine Becker hat für ihre Helleborus-Monografie eben den Deutschen Buchpreis 2012 erhalten!


Christine Becker:
Zeitlos flattern Blütenträume …
NWM-Verlag, 1998

10. März 2012

Stefan Leppert: Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden

Es lässt sich wohl endlos darüber diskutieren, ob geschlechtergetrennte Gartenbücher nun sinnvoll sind oder nicht. Nach verschiedenen Publikationen ausschliesslich über Gärtnerinnen erscheint nun mit „Sein Garten“ innert weniger Monaten ein zweites Buch, in dem ausnahmslos gärtnernde Männer vorgestellt werden. Stefan Leppert schreibt im Vorwort gleich selber über sein Befremden als er eine Verlagsanfrage für das Verfassen eines diesbezüglichen Themenbuches erhalten hat. Nun, er hat seine anfänglichen Vorbehalte glücklicherweise überdacht und lesende Gärtner und Gärtnerinnen dürfen sich auf eine informative und gleichzeitig unterhaltende Lektüre freuen und so nebenbei auch Ideen für den eigenen Garten entdecken. Und wer weiss, vielleicht lohnt es sich schon bald, dass in der kürzlich besuchten Berner Buchhandlung mit einem umfangreichen Gartenbuchsortiment neben der schon vorhandenen Regalbeschriftung „Frauen und ihren Gärten“ bald einmal auch ein Schildchen „Männer und ihre Gärten“ angebracht wird?

Nach dem Lesen von Kapitelüberschriften wie „Mittelchen gegen Reiselust“, „Charmante Pedanterie“, „Das Ziel heisst Machen“ oder „Kohl und danach ins Konzert“ steigt die Vorfreude auf Bilder und Texte. Der Einstieg ins Buch beginnt dann zunächst mit einer Doppelseite voller kleinformatiger Bilder mit Händen: solchen, denen man die Gartenarbeit ansieht, hinter anderen vermutet man eher den Gelegenheitsgärtner oder es sind Extremitäten, die zum Gärtnern vermutlich jeweils in Handschuhen stecken. Welche Hände können wohl welchem Gärtner zugeordnet werden? Gar nicht so einfach. Schliesslich weiss man erst nach der Lektüre, dass im Buch Berufsgärtner und Gartenverwalter ebenso vertreten sind wie passionierte Hobbygärtner, die sich ihre hortikulturellen Kenntnisse oft autodidaktisch angeeignet haben. Zum Abschluss des Buches gibt es schliesslich nochmals eine Serie Fotos - diesmal haben die Gärtner Scheren, Rasenmäher und Kessel fest im Griff. Doch mehr als diese Fotos interessieren den Leser natürlich die sechsundzwanzig Portraits zwischen diesen Bilderreihen.

Johannes Bauersachs beispielsweise pflegt ein Gartendenkmal. Als Maler bewahrt er das gärtnerische Erbe der Künstlerin Hannah Höch. Der heutige Besitzer hat keine Ambitionen, die ursprüngliche Gartengestaltung massgeblich zu verändern. Änderungen in der Bepflanzung ergeben sich aber zwangsläufig von selbst, wenn sich die Lebensbereiche der grünen Bewohner verändern, weil Gehölze wachsen und sich die Licht- und Bodenverhältnisse entsprechend anpassen.

Den Garten, dem das Kapitel „Ein Sammelsurium, eine Schatzkammer auf Zeit“ gewidmet ist, stellte ich mir zunächst aufgrund des Textes als Tummelfeld eines Messies vor. Die genauere Betrachtung der Bilder aus dem Saxdorfer Pfarrgarten relativierte diese Annahme wieder. Geometrie scheint ein Fremdwort zu sein und der Autor schreibt von subjektiv empfindbarer Geschmacklosigkeit sowie Mass- und Ziellosigkeit, die sowohl bewundert als auch belächelt werden. Was fehlt, sind Geld und junge Gärtner, die bereits sind die Geschichte dieses Sammelsuriums weiterzuschreiben und weiterzuentwickeln.

Weitere Portraits beschäftigen sich beispielsweise mit Goethe, Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Derek Jarman, den ersten Deutschen, die von Piet Oudolf einen Privatgarten gestalten liessen, einem Rosenheini, dem seine Rosenliebe beim Besuch des Autors im wahrsten Sinne des Wortes ins (zerkratzte) Gesicht geschrieben ist oder dem Galantophilen Günter Waldorf. Dazwischen eingebettet sind Interviews mit dem Staudengärtner Dieter Gaissmayer und dem Landschaftsarchitekten Uwe Isterling, der aus seinem langjährigen Planerleben erzählt.

Interessant auch der Einblick im Kapitel „Einsäen tun andere“, wo über drei beruflich stark eingebundene Männer berichtet wird, die auf sogenannten „GemüseSelbstErnte-Parzellen“ gärtnern. Sie sind Pächter von ungefähr 80 Quadratmeter grossen Anbauflächen, die nur durch Schnüre vom Gartennachbarn getrennt sind, und vom Verpächter im Frühjahr mit rund fünfundzwanzig verschiedenen Gemüsesorten eingesät werden. Von Mai bis November hegen und pflegen die Männer diese Pflanzen und können auf diese Weise ohne Verpflichtungen, die beispielsweise eine Vereinsmitgliedschaft mit sich bringen würde, monatelang frisches Gemüse ernten und verwerten.

Die Texte sind eher kurz und knapp, aber in einem lockeren Schreibstil verfasst und die Vorlieben und Beweggründe warum die Gärtner genau diesen ihren Gartenstil ausgewählt haben, sind für den Leser dennoch gut nachvollziehbar. Der letzte Satz der Portraits gilt ausserdem oft der Empfehlung von weiterführender Lektüre in Papierform oder im Internet. Unter den abgebildeten Gärten sind auch welche, die es wahrscheinlich nicht in Hochglanzpublikationen schaffen würden. Sie sind nicht perfekt, aber genau richtig. Nicht jedes heruntergefallene Blatt wurde vor dem Drücken auf den Auslöser weggewischt, nicht jedes Gehölz akkurat zurückgeschnitten. An einer Stelle schreibt der Autor selber von einem nicht unbedingt fotogenen Garten. Dazu heisst es dann passend im Portrait von Karl Ganser, dass der Garten nur ihm und seiner Frau gefallen muss und ihnen allein ein Ort der Freude und Beschäftigung sein soll. Keinesfalls muss er den Ansprüchen von Besuchern und Fotografen dienen.

Und übrigens Männer gärtnern nicht zwangsläufig anders als Frauen. So eng darf der Titel dieses Buches auch nicht gesehen werden. In mehr als einem der hier portraitierten Gärten trägt die Bepflanzung auch die Handschrift der mitgärtnernden Partnerin. Denn nicht überall wünscht sich die Frau nur eher im Geheimen einen etwas anderen Gartenstil. Darüber könne man reden, meint zwar der Gärtner, was aber noch lange nicht heisst, dass der Garten dem Geschmack der Gattin angepasst wird.



Stefan Leppert:
Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012

7. März 2012

Barbara Constantine: Kleiner Tom, was nun?

Der elfjährige Tom und seine alleinerziehende fünfundzwanzigjährige Mutter Jocelyne, genannt Joss, wohnen vorübergehend in einem Wohnwagen. Das Geld ist knapp, weil Joss die Schule vorzeitig abgebrochen und keinen Beruf erlernt hat und deswegen von schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs abhängig ist. Sie möchte aber unbedingt das Abitur nachholen und eine Ausbildung im Pflegebereich absolvieren. Alle ihre Verpflichtungen wachsen ihr zuweilen über den Kopf und sie ist oft etwas gereizt. Ausserdem hat sie den Eindruck, nur über ihre imposante Oberweite wahrgenommen zu werden, weshalb sie zusätzlich für eine Brustverkleinerungs-OP jeden Cent auf die Seite legt. Tom ist für sein Alter bereits sehr selbständig und oft vernünftiger als seine Mutter und die Leserin bekommt zuweilen den Eindruck, Mutter und Sohn steckten in den falschen Rollen.

Fürs gesunde Essen der Kleinfamilie ist Tom verantwortlich. Er durchkämmt täglich die Gärten der Umgebung und bedient sich an reifen Tomaten, Karotten, Kartoffeln und anderem Gemüse. Er legt grossen Wert darauf, nie mehr mitzunehmen, als er und seine Mutter gerade brauchen, um satt zu werden, obwohl sein Magen häufig noch deutlich mehr Nahrung vertragen würde. Ausserdem steckt er das Kraut der Kartoffeln jeweils wieder sorgfältig zurück in die Erde, stampft alles gut fest, giesst pflichtbewusst die Pflanzen und hofft natürlich fest, dass diese wieder weiterwachsen.

Eines Abends, auf der Suche nach neuen Gärten, stolpert Tom beinahe über die 93jährige Madeleine, die seit mehr als einem Tag hilflos zwischen ihrem Gemüse am Boden liegt und verzweifelt weint. Obwohl Tom zunächst befürchtet in Erklärungsnotstand zu geraten, kümmert er sich vorbildlich um die geschwächte alte Frau. Er organisiert einen Transport ins Spital und füttert während Madeleines Abwesenheit deren Haustiere und er kümmert sich um ihren Garten.

In Toms Lieblingsgarten, dort wo er abends auch gerne im Liegestuhl sitzt und von draussen das Fernsehprogramm im Wohnzimmer verfolgt (ohne zu ahnen, dass die Bewohner Odette und Archibald genau wissen, was er in ihrem Garten so treibt und sogar ihre Fernsehgewohnheiten an Kinderinteressen anpassen) holt Tom überzählige Obststräucher und Tomatenpflanzen. Diese buddelt er sorgfältig in Madeleines Garten etwas unordentlichen Garten ein.

Auch als die alte Frau wieder daheim ist, kümmert er sich weiter um Madeleine. Er erledigt ihre Einkäufe und pflegt den Garten. Im Gegenzug bringt sie ihm das Gärtnern bei. Sie dirigiert ihn auf einem Stuhl sitzend herum: „Nacktschnecke im Anmarsch!“ oder „da, ein Wildtrieb…“. Und unter Madeleines Anleitung lernt er sogar Gemüse einzumachen und er kreiert die „Tom Tomatensauce“.

Wer sich nicht vom Titelbild abschrecken lässt, wo ein Junge seine Muskeln spielen lässt, entdeckt einen schönen Familienroman mit passendem offenen Ende für eigene Spekulationen, wie sich wohl die Dinge um den plötzlich aufgetauchten Vater entwickeln und was es mit der Verbindung von alten Comic-Heften und Madeleines Vergangenheit auf sich hat. Das Cover dünkt mich unpassend, da Tom sich doch hauptsächlich durch überlegtes Handeln und sein Mitgefühl qualifiziert.



Barbara Constantine:
Kleiner Tom, was nun?
Blanvalet, 2012

4. März 2012

Rosemary Harris: Das grüne Versteck (Dead Head) - Ein Gartenkrimi

Paula Holliday hat sich für ihr Geschäft den passenden Namen ausgesucht. „Dirty Business“ ist nicht nur ein Synonym für ihre berufliche gärtnerische Tätigkeit, sondern ein passendes Wortspiel für ihre zweite Leidenschaft, als Hobbydetektivin im Dreck zu wühlen. Paulas Gartenbetrieb läuft wegen der angespannten Wirtschaftslage mehr schlecht als recht. Doch nun hat sich gerade wegen den vielen geplatzten Immobilienträumen für die junge Frau ein neues Geschäftsfeld aufgetan: Frontseiten-Facelifting. Will heissen, sie arbeitet mit einer Immobilienmaklerin zusammen und ist in deren Auftrag bei den lokalen Liegenschaften, die mit „zu verkaufen“-Schildern geschmückt sind, für das Garten-Make-up zuständig. Mit Pflanzbehältern, Dekos und kleinen Bäumchen wird eine heimelige Atmosphäre vorgegaukelt, die potentielle Käufer beeindrucken soll. Zwar relativ lukrativ, aber alles in allem eine eher unbefriedigende gärtnerische Tätigkeit, weshalb Paula schliesslich doch ernsthaft über das Angebot ihrer Freundin und besten Kundin Caroline Sturgis nachdenkt, mit ihr zusammen ein neues Geschäft aufzuziehen, für welches die künftige Partnerin die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen will. Während Paula das Für und Wider der Offerte abwägt, schlägt in Springfiel die Nachricht von der Verhaftung von Caroline Sturgis wie eine Bombe ein.

Nicht nur Carolines Mann und ihre Kinder sind am Boden zerstört, denn die Polizei behauptet, ihre Frau und Mutter sei nicht Caroline Sturgis, sondern eine Fremde, die in Wirklichkeit Monica Jane Weithorn heisst. Caroline alias Monica ist wegen Drogendelikten vor rund zwei Jahrzehnten zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, konnte aber fliehen und hat sich mit einer neuen Identität ein brüchiges Lügengebäude aufgebaut, das jetzt zusammengestürzt ist. Auch Paula ist fassungslos. Und dann soll auch noch sie der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben haben, der zur Verhaftung von Caroline geführt hat und sie wird darum in Springfield gemieden.

Auf ausdrücklichen Wunsch von Carolines Mann und auch in ihrem eigenen Interesse beginnt Paula darum ihrer zweiten Leidenschaft wieder mehr Zeit einzuräumen – sie fängt an Nachforschungen anzustellen. Mangels konkreter Anhaltspunkte durchforstet sie die Collegejahre von Monica Jane Weithorn und zieht Parallelen zu jüngsten Vorkommnissen in Springfield. Wer kann ein Interesse daran haben, sich nach so langer Zeit an der gut situierten Vorstadtmutter Caroline Sturgis zu rächen?

Auch in diesem neuen Gartenkrimi muss Paula Holliday am eigenen Leib erfahren, dass Herumschnüffeln vielleicht körperlich weniger anstrengend ist als gärtnern, dafür aber auch deutlich riskanter und sie lernt, dass es sich lohnen kann, älteren redseligen Frauen geduldig zuzuhören. Der Gartenkrimi „Das grüne Versteck“ ist gespickt mit Wortwitz und feinen selbstironischen Dialogen und für alle Fans von „Der weisse Garten“ eine Muss-Lektüre.

Dieser zweite auf Deutsch erschienene Gartenkrimi rund um die Gärtnerin Paula Holliday ist übrigens Band drei der amerikanischen Originalausgabe. Weshalb wurde wohl Band zwei übergangen? Jedenfalls hoffe ich fest, dass es spätestens nächstens Frühling mit dem vierten Buch auch in deutscher Sprache weitergeht …



Rosemary Harris:
Das grüne Versteck
Thiele Verlag, 2012



Gegen Mord ist kein Kraut gewachsen (TB-Ausgabe)
Blanvalet Taschenbuch Verlag, 2014

1. März 2012

Barbara Krasemann: Geschenke aus meinem Garten

Vielleicht kennen Sie bereits Barbara Krasemanns reich bebildertes Buch „Wo Träume wachsen“, in welchem sie die Leser durch ihr vielfältiges Gartenreich führt, in dem es auf 8500 m2 beispielsweise einen Obst- und Gemüsegarten, ein Alpinum, einen Schattengarten sowie eine Freiluftküche mit Essplatz zu entdecken gibt. Seit 1985 gärtnert die Autorin auf ihrem Grundstück und hat in dieser Zeit elf Gartenzimmer gestaltet. Bereits in diesem ersten Buch aus dem Jahr 2009 finden sich interessante Rezepte. In der aktuellen Publikation „Geschenke aus meinem Garten“ präsentiert Barbara Krasemann nun ein Füllhorn an Ideen für die Verwendung von Pflanzenschätzen aus ihrem Garten im Lauf der Jahreszeiten.

Die vielen leckeren Rezepte und originellen Dekorationsideen wecken die Lust, diese gleich selber auszuprobieren. Und sie nähren nicht zuletzt meine Hoffnung, dass diesen Herbst für einmal keine grossen Überlegungen notwendig sein werden, was ich mit den Kindern für Weihnachtsgeschenke herstellen könnte. Die Geschenke werden auf jeweils einer Doppelseite ausführlich mit Unterstützung von Fotos erklärt. Neben der Zutatenliste und Hinweisen auf speziell nötige Hilfsmittel sorgen die Spalten „So geht’s“ und „Das ist wirklich wichtig“ für eine erfolgreiche heimische Umsetzung.

Für die Frühlingsküche empfiehlt Barbara Krasemann neben dem vielleicht eher bekannten Bärlauchpesto auch Waldkapern sowie eingelegte Straussenfarnsprossen. Falls Sie es tatsächlich übers Herz bringen, die jungen Farntriebe abzuschneiden, werden sie gemäss der Autorin mit einer Delikatesse mit broccoliähnlichem Geschmack belohnt, die ausgezeichnet zu Fleischspeisen passt. Auch für die kulinarische Verwendung der meist als Unkraut unbeliebten Melde gibt es einen nachahmenswerten Tipp und vielleicht haben Sie ja Lust, einmal Löwenzahnbutter herzustellen?

Naschkatzen mögen ausprobieren, wie selbstgemachter Weingummi aus Johannisbeeren schmeckt. Taglilienienknospen werden würzig eingelegt zu einer Köstlichkeit. Wenn man das Ernten der Knospen verpasst hat, was zwar ja kaum möglich ist, lassen sich Taglilienblüten mit Frischkäse und Schmand (Sauerrahm) gefüllt geniessen. Des Weiteren finden sich Rezepte für die verschiedensten Suppen, Marmeladen und eine Frauenmantel-Tinktur, die jedwede weibliche Unpässlichkeiten garantiert ohne Nebenwirkungen lindern soll sowie Anleitungen zur Herstellung von Seifen und einer Hauswurzsalbe. In der Grillsaison nachahmenswert sind die geräuchten Gewürze aus dem Kugelgrill.

Laut Vorwort der Autorin handelt es sich bei den für dieses Buch ausgesuchten Geschenken nur um eine kleine Auswahl aus ihrem Fundus. Vielleicht darf man gespannt auf eine Fortsetzung hoffen? Das Buch eignet sich jedenfalls ausgezeichnet für den eigenen Gebrauch und als Mitbringsel für liebe (Garten-)Freunde.



Barbara Krasemann:
Geschenke aus meinem Garten
Kosmos Verlag, 2012