28. Juni 2014

Zuletzt ausgelesen: Gerard Donovan – Winter in Maine

Viele Jahre hat Julius Winsome allein in den Wäldern von Maine gelebt, die aus unzähligen Kiefern, Eichen, Fichten, Tannen und Ahornbäumen zusammengesetzt sind. Im Sommer legt er jeweils am Rand der Lichtung ein Blumenbeet an und freut sich nicht nur an den gelben, lilafarbenen und dunkelroten Blüten, sondern auch an den herumflatternden Schmetterlingen. Seit einigen Jahren ist ein Pitbullterrier namens Hobbes sein treuer Gefährte.

Die Winter in Maine sind kalt, lang und schneereich. Während Julius Winsome im Sommer als Landschaftsgärtner und in einer Autowerkstatt arbeitet, verbringt er den Winter grösstenteils lesend in seiner abgelegenen Hütte, oft den ganzen Tag im Bett in Decken gehüllt. 3‘282 Bücher hat er von seinem Vater geerbt, der vor zwanzig Jahren gestorben ist. Die Bücherreihen dienen gleichzeitig der Lektüre und der Isolation gegen die Kälte und für jeden Titel existiert eine Karteikarte mit Angaben zu Autor, Titel, Verlag, Jahrgang und einer kurzen Inhaltsbeschreibung. Die Mutter ist bei seiner Geburt gestorben und die nächsten Nachbarn wohnen rund fünf Kilometer entfernt.

Eines Tages kehrt Hobbes nicht von einem Ausflug zurück und sein Herrchen muss feststellen, dass er mit einer Schrotflinte erschossen worden ist. Der 51jährige Ich-Erzähler versucht erfolglos, mit Plakaten Hinweise auf den Täter zu erhalten. Hat der Tod des Hundes etwas mit jener Frau zu tun, die eines Tages vor seiner Hütte auftauchte und nur wenig später wieder aus seinem Leben verschwunden ist? Jedenfalls beginnt der Mann mit Prinzipien einen unvergleichlichen, erschreckenden Rachefeldzug, welcher die wenigen Tage vom 30. Oktober bis 2. November, der Nacht des 2. Novembers und vom 3. – 5. November umfassen.  




Gerard Donovan: 
Winter in Maine 
btb Verlag, 2011

24. Juni 2014

Harold Koopowitz: Orchid Tales

Der Botaniker und Orchideenspezialist Harald Koopowitz nimmt für diese Orchideengeschichten bekannte und weniger bekannte Begebenheiten aus Pflanzenjägerbiografien als Grundlage und bettet diese in einen passenden Rahmen. Die Erzählungen tragen Titel wie „Chocolate slippers“, „A Red Feather Night“, „Tea, Tigers and Spice“, „At the End of the Day“, „Mrs. Spicer’s Orchid“ und „A Known Fact“ und handeln von verschiedenen Orchideen wie etwa „Cattleya labiata“, „Vanda coerulea“ und „Vanilla planifolia“.

Die Vanille-Orchidee konnte lange Zeit nur an ihrem angestammten Ort angepflanzt werden, weil sie zur Bestäubung auf ganz spezielle Bienen- und Kolibriarten angewiesen ist. Im Jahr 1841 entdeckte schliesslich ein zwölfjähriger Sklave namens Edmond Albius auf der kleinen Insel Réunion im Indischen Ozean, wie die Gewürz-Vanille manuell bestäubt werden kann. Durch diese Entdeckung konnte die Pflanze gezielt vermehrt werden, was dem Land einen gewissen Wohlstand verschaffte. Diese Methode der Bestäubung wird auch heute noch angewendet.

In einer anderen Kurzgeschichte soll 1925 die sogenannte "Shakespeareana", die damals grösste private Sammlung in Europa, ins Ausland verkauft werden, um mit dem Erlös finanzielle Mittel für den Kauf von kostbaren Orchideen zu generieren. Da ein Export mit hohen Zollkosten verbunden ist, wurde die kostbare Büchersammlung mit einem Trick ausser Land geschafft.

Bei Harold Koopowitz ist es nicht Edmond Albius, sondern William, dem die folgenreiche Beobachtung des Ablaufs in der Bestäubung der Vanille-Orchidee gelingt. Denn in sämtlichen Kurzgeschichten spielt dieser William zusammen mit George, Matilda und Grosstante Bertha die Hauptrolle. Mal ist das Quartett mit Frank Kingdon-Ward auf der Suche nach grünem Gold in Asien unterwegs, mal leben sie im Wilden Westen, mal im Mittelalter und eine Erzählung führt die Vier sogar in die Zukunft.

Diese Kurzgeschichten sind vorab in der Zeitschrift „Orchid Digest“ erschienen und werden mit dieser Publikation nun als Sammlung einer grösseren Lesergemeinde zugänglich gemacht. Die Geschichten sind meistens spannend, aber ich empfand es als Leserin der Buchform befremdend, dass sämtliche Hauptrollen - egal, in welchem Jahrhundert diese spielen, und wo auf der Welt sie angesiedelt sind – immer durch die gleichen vier Charaktere eingenommen werden. Diese Tatsache ist wahrscheinlich weniger auffällig und störend, wenn man die Erzählungen in der periodisch erscheinenden Publikation „Orchid Digest“ liest.

Im Anschluss an jede Orchideen-Kurzgeschichte erläutert der Autor kurz die wichtigsten Details zu den tatsächlichen Fakten, auf denen diese beruht.  



Harold Koopowitz: 
Orchid Tales – The Adventures of George and Matilda, William and Great-Aunt Bertha 
Orchid Digest Corporation, 2013

19. Juni 2014

Rose Tremain: Der unausweichliche Tag

Die Publikation „Wie man Bäume richtig zeichnet“ war in jungen Jahren ihr Lieblingskunstbuch - inzwischen ist die Engländerin Veronica Verey schon seit langem als Gartenarchitektin tätig und lebt in Südfrankreich. Das Gärtnern in der trockenen Landschaft ist sehr mühsam. Ein Obstgarten mit vielen Aprikosenbäumen entschädigt wenigstens teilweise für die unabänderliche Tatsache, dass viele ihrer Lieblingspflanzen hier nicht gedeihen. Dafür findet die Frau Inspiration und Material für ihr geplantes Gartenbuch mit dem Arbeitstitel „Gärtnern ohne Regen“. Zwei Kapitel sind bereits angedacht, nämlich „Dekorative Kiessorten“ und „Die Bedeutung des Schattens“. Illustriert werden soll die Publikation mit Zeichnungen und Fotos ihrer fünfundfünfzigjährigen Lebenspartnerin Kitty Meadow, einer Künstlerin mit (zu) wenig Talent.

Die scheinbare Zufriedenheit der beiden Frauen wird auf eine Belastungsprobe gestellt, als Veronicas jüngerer Bruder Anthony in die Nähe seiner Schwester zu ziehen beabsichtigt und sich anlässlich seiner Suche nach einer geeigneten Liegenschaft im Frauenhaushalt einquartiert. Der vierundsechzigjährige Mann führte jahrelang ein erfolgreiches Antiquitätengeschäft in London und hat sich fast ausschliesslich mit schönen Einrichtungsgegenständen, die er etwas gewöhnungsbedürftig als seine Lieblinge bezeichnet, beschäftigt. Schon längere Zeit läuft das Geschäft nicht mehr, so dass er seinem Leben einen (letzten) neuen Sinn geben will.

Dieser Entschluss bringt das Leben seiner Schwester Veronica und deren Partnerin Kitty völlig durcheinander. Und noch ein anderes Geschwisterpaar kämpft mit Turbulenzen, deren Ursachen bis in die Kindheit zurückgehen. Der ungepflegte und verlogene Aramon möchte sein Elternhaus „Mas“ verkauften und einen möglichst grossen Profit herausschlagen. Ihm, seiner Maklerin und potentiellen Interessenten ist eine Hütte mit Blechdach am Rand seiner Parzelle ein Dorn im Auge. Dort lebt abgeschoben und recht zurückgezogen seine jüngere Schwester Audrun unter ärmlichen Verhältnissen. Nach dem Tod der Mutter ist die damals junge Frau ist jahrelang von ihrem Bruder und dem längst verstorbenen Vater missbraucht worden. Und noch heute wird sie vom Bruder ständig belogen und betrogen.

Die Wege der französischen und englischen Geschwisterpaare, die beide schon mehrere Lebensjahrzehnte auf dem Buckel haben, kreuzen sich kurz und vermeintlich beiläufig und haben doch dramatische Veränderungen für alle Beteiligten zur Folge.

Die hortikulturellen Erwähnungen in dieser Buchvorstellung sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der „blumige“ Hintergrund gemessen am Umfang von rund 330 Seiten gering ist. Zentrale Themen des Buches sind aber ja auch Geschwisterliebe, Hass, Rache und nicht gärtnern. Ich verrate wohl auch nicht zu viel, wenn ich hier erwähne, dass das Buchprojekt „Gärtnern ohne Regen“ auch in der Fiktion nie gedruckt werden wird.



Rose Tremain: 
Der unausweichliche Tag 
Suhrkamp Verlag, 2013

15. Juni 2014

Zuletzt angefangen zu lesen: Anna Maria Lage - Saharablüte

Anna Maria Lage blickt in diesem Roman in die Mitte unseres Jahrhunderts, wo die Protagonisten nach etlichen kulturellen und politischen Veränderungen in einer lebenswerteren, aber teilweise recht fremd erscheinenden Welt leben. Der Klimanwandel ist nach wie vor ein grosses Thema, während andere Probleme, die früher die Schlagzeilen beherrscht haben, endlich gelöst worden sind und nur noch in der Erinnerung existieren.

Der Magerwahn für Mädchen ist vorbei und es wird die Einheitssprache Elingua gesprochen. Die Menschen sind so sensibel, dass sie sich in Lebensmittel einfühlen können und spüren, ob diese ihrem Körper gut tun, den sie gerne in Stoffe aus Segge kleiden. Mittlerweile gehören sogenannte Skelett-Checks zur Gesundheitsvorsorge. Dank diesem Instrument werden Krankheiten früher entdeckt und die früher ständig wachsenden Kosten im Gesundheitswesen sind endlich unter Kontrolle.

Bodenspekulanten sind längst die Grundlagen entzogen worden, im Nahen Osten ist Frieden eingekehrt und etliche Kibuzze sind zu Zentralen für die Urbanisierung der umliegenden Felder umfunktioniert worden. Der Globalisierung wurde abgeschworen und in sämtlichen Lebensbereichen wird Regionalität bevorzugt und Kunstdünger und Pestizide sind verpönt.

Der Leser begleitet die Schulabgängerin Hannah zunächst mit ihren Freundinnen mit interessanten Fortbewegungsmitteln quer durch Europa, bevor sie in Oxford am neuen Studiengang „Forest Farming“ teilnimmt. In England lernt sie viele gleichgesinnte Studenten kennen, darunter ihren späteren Ehemann Bob und ihre neue Freundin Mari. Im Studium lernen die jungen Leute das Rüstzeug, um später erfolgreiche Projekte für die Bewirtschaftung von Trockengebieten durchzuziehen. Hier zeigt sich, dass nicht nur die Menschen viel empfindlicher geworden sind, denn auch Pflanzen zeigen selber an, wo sie wachsen möchten. Und zwar genau dort, wo sie lebten, bevor Menschen früher ihnen den Lebensraum zerstört haben und nicht irgendwo in einer Wüste, die gegen alle Naturgesetzte begrünt werden soll.

Das Buch zeigt interessante Ansätze auf und der Leser kommt nicht umhin sich zu fragen, welche Ideen sich später einmal im Rückblick als richtige Vorhersage entpuppen werden. Schade, dass dieser Erzählung wie so vielen anderen Publikationen aus Eigenverlagen kein gründliches Lektorat zuteil wurde, das die zahlreichen Orthografiefehler und falschen Kommasetzungen vor dem Druck eliminiert hätte.



Anna Maria Lage: 
Saharablüte 
Novum Publishing, 2011

11. Juni 2014

Carol Wall: Mister Owita’s Guide to Gardening – How I Learned the Unexpected Joy of a Green Thumb and an Open Heart

Carol Wall hat sich nie gerne die Hände beim Gärtnern schmutzig gemacht - es gab immer anderes zu tun, das wichtiger war. Und überhaupt mag sie Blumen nicht und gegen Azaleen hat sie eine spezielle Abneigung. Ausserdem verbringen ihrer Meinung nach viele Eheleute viel zu viel Zeit damit, sich um ihre Häuser (und Gärten?) zu kümmern, statt um ihre Partner. Als sie eines Tages auf den Garten ihrer Nachbarn schaut und diesen mit ihrem eigenen vergleicht, schämt sie sich plötzlich für den Anblick, den ihr eigener Garten bietet und den sie ihren direkten Nachbarn zumutet.

Der Garten der Nachbarin blüht dank der Hege und Pflege von Giles Owita, der sich von diesem Zeitpunkt an auch um Carols Umschwung kümmert. Eine weisse Frau und ein dunkelhäutiger Afrikaner. Auf den ersten Blick scheinen die beiden Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen absolut keine Gemeinsamkeiten zu haben. Und doch kommen sie sich immer näher und werden gute Freunde.

Drei Kinder hat Carol Wall grossgezogen und eine Krebserkrankung überstanden. Obwohl sie sich nichts anmerken lässt, überschatten permanent grosse Ängste vor einem erneuten Ausbruch der Krankheit ihr Leben. Die eher introvertierte Frau mag es auch nicht, wenn sie durch ihre Krankheit im Mittelpunkt steht und ihr Gegenüber jegliche Privatsphäre ignoriert. Dass Angst ein Teil des Lebens ist, lernt Carol von Giles Owita, der nach und nach ihren Garten zum Blühen bringt und auch die Ursachen für ihre Abneigung gegen Blumen herausfindet, die in der Kindheit liegt.

Auch Giles Owita selber ist nicht nur der hervorragende Gärtner und starke Felsen, wie es vordergründig den Anschein macht und trägt seine eigenen schweren Lasten mit sich herum. Der elegante Kenianer mit akademischen Titeln hat sich das Leben in den USA anders vorgestellt. Von einer Stelle als Collegeprofessor hat er geträumt, doch er und seine Frau Bienta müssen sich und ihre Söhne mit Gelegenheitsjobs durchbringen. Eine grosse Bürde sind auch die hoffnungslos erscheinenden Bemühungen, ihre Tochter von Kenia nach Amerika nachzuholen, damit die Familie endlich komplett ist. Und zwischen den Eheleuten scheinen sich je länger je mehr Spannungen aufzubauen.

In ihrem berührenden Buch erzählt Carol, wie sie als „inofizielle“ Studentin Freude am Gärtnern findet und durch die Freundschaft und Unterstützung von Giles Owita durch den erneuten Ausbruch ihrer Krebskrankheit und die gesundheitlichen Probleme ihrer Eltern getragen wird und schliesslich nicht nur „Nehmerin“, sondern auch grosszügige „Geberin“ ist. Immer wieder (gelegentlich etwas wiederholend) werden ihr Ängste, Zweifel und Zerrissenheit thematisiert – wenn sie etwa wütend über die vielen Genesungswünsche ist und sich gleichzeitig über die Leute ärgert, die ihr keine solchen schicken.  



Carol Wall: 
Mister Owita’s Guide to Gardening – How I Learned the Unexpected Joy of a Green Thumb and an Open Heart 
Amy Einhorn Books, 2014

6. Juni 2014

Erica Matile und Sabine Reber: Fortpflanzen! 1000 Tipps, damit es im Garten wirklich klappt

Sabine Rebers Wunsch eine Gartenbibel zu verfassen kombiniert mit einem von Erica Matile zusammengetragenen Stapel historischer Gartentipps aus Archiven ergab als Resultat eine Sammlung von rund 1000 Tipps in Buchform, welche die Gärten landauf und landab zum Blühen und eben zum Fortpflanzen bringen sollen.

In Kategorien wie „Gestaltung“, „Was wächst wo“, „Blumengarten“, „Zimmerpflanzen“, „Schnittblumen“, „Das Wohl der Gärtnerin“ und anderen mehr finden sich besonders für Garten-Neulinge nützliche Hinweise. Welche Pflanze schützt welche Pflanze? Hält Lavendel tatsächlich die Läuse von Rosen fern? Tomaten sollen intensiver schmecken, wenn sie in der Nachbarschaft von Petersilie wachsen und falls Sie sich trotz Zünsler und anderen drohenden Plagen doch noch Buchskugeln in den Garten holen wollen, findet sich ein Hinweis, wie Sie diese einfach selber formen können. Ein weiterer Tipp verrät, dass Spinnmilben mit einem Sud aus Zwiebelpflanzen den Garaus gemacht werden kann.

Ob man dann tatsächlich wie auch zu lesen ist, vergrabene tote Tiere als Dünger verwenden will, sei jedem selber freigestellt. Schliesslich sind nicht alle Tipps bierernst zu nehmen. Schnittblumenfreunden sei verraten, dass die Stile von Mohnblumen angebrannt werden sollen, bevor sie in die Vase gestellt werden, und Sanddornzweige verströmen ein Gas, das sämtliche Schnittblumen im gleichen Raum verwelken lässt.

Genügend Raum soll beim Gärtnern dem Spass und der Gesundheit eingeräumt werden und schwere Tätigkeiten wann immer möglich delegiert werden. Falls das nicht klappt, soll ein vorsorglich in die Schuhe gelegtes Farnblatt die Gärtnerin vor wunden Füssen bei der Gartenarbeit schützen. Die Ansprüche den Möglichkeiten anpassen und Entspannung einplanen – nicht alles muss perfekt sein! Der Rat, sich auch mal von Pflanzen zu trennen, weil sie zu gross geworden sind oder einem einfach nicht mehr gefallen, kann zweischneidig sein. Für das Ausgraben von Wurzelwerk und Füllen der entstandenen Lücken ist erst einmal kräftiger Körpereinsatz nötig. Vielleicht findet sich aber im Kapitel „Mit Kräutern heilen“ gleich ein Tipp für die Vor- oder Nachsorge.

Aufeinander gestapelte Autoreifen sollen als Kartoffel-Turm zu den Klassikern gehören. Ich kann mich nicht erinnern, je einen solchen gesehen zu haben. Beim Googeln lassen sich jedoch tatsächlich Bilder von solchen runden Gummi-Beeten finden – die Geschmäcker sind doch sehr verschieden! Die Hinweise, beim Rückschnitt die natürliche Wuchsform nicht aus den Augen zu verlieren und zu bedenken, dass Würfel und geometrische Figuren nicht überall hinpassen, könnte ich eigentlich kopieren und auf dem Arbeitsweg dort in den Briefkasten werfen, wo regelmässig (Wild-)Sträucher verunstaltet werden.

Den einen oder anderen Tipp werde ich selber ausprobieren, obwohl ich teilweise doch am Nutzen oder der Richtigkeit zweifle. Ganz sicher falsch ist die Information, dass Cyclamen hederifolium zu den Winterblühern gehören. Mit C. coum sind die Erfolgs-Chancen auf Alpenveilchen-Blüten im Winter mit Sicherheit deutlich höher. Bereits im Vorwort findet sich der Hinweis, dass sich die Ratschläge teilweise widersprechen – also selber ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln. Letzteres ist aber eben wie das empfohlene dichte Bepflanzen der Beete auch eine Geldfrage.

Das illustrierte Büchlein eignet sich als Mitbringsel für Anfänger-Gärtner, die sich wohl nicht daran stören, dass lateinische Namen häufig fehlen. Immerhin weiss ich jetzt, dass ich vor der kürzlichen Gartenumgestaltung einen Bauernjasmin (Philadelphus erectus) im Garten hatte. Diese deutsche Bezeichnung war mir nun gar nicht geläufig. Leider wird die Nützlichkeit der Publikation durch das Fehlen eines Registers stark eingeschränkt. .

PS für E.: Hast Du schon herausgefunden, ob der altertümliche Schlauchwagen vom Kraut und Krempel-Anlass bei Gaissmayer das Kriterium „vernünftig“ erfüllt?



Erica Matile und Sabine Reber: 
Fortpflanzen! 1000 Tipps, damit es im Garten wirklich klappt 
Landverlag, 2014

1. Juni 2014

Olaf Kolbrück: Keine feine Gesellschaft

Die 42jährige Kriminaloberkommissarin Eva Ritter hat vor drei Monaten aus gesundheitlichen Gründen ihren Dienst quittiert und arbeitet nun mit geregelten Arbeitszeiten als Risk-Management-Beraterin. Mit dem Jobwechsel einher ging für sie die Annahme, sich nie mehr prüfend vor einer Leiche zu finden. Doch nun stösst sie in der Gartengerätebox eines Kleingartens auf eine verrenkte männliche Leiche. Der ungefähr dreissig Jahre alte Verstorbene kommt ihr irgendwie bekannt vor. So hatte sie sich die Gartensaison-Eröffnung, die als Sektfrühstück im Grünen gedacht war, nun wirklich nicht vorgestellt.

Wider Willen nimmt Eva Ritter das Auffinden der Leiche persönlich und gleichzeitig die Herausforderung an, den Mörder zu finden. Nachforschungen führen in die Frankfurter Finanzwelt und in die sogenannt besseren Kreise. Dass die ehemaligen Kollegen bei der Kripo an Eva Ritters Recherchen, mit denen sie diesen immer einen Schritt voraus zu sein scheint, keine Freude haben, muss nicht speziell betont werden. Obwohl, auch von offiziellen Stellen kann sie ganz inoffiziell auf die eine oder andere Information zählen. Und bevor klar ist, wer hinter dem Mord an Jens Lücker, einem Fondsverwalter und der Nr. 2 der Eurobest-Bank steckt, wird ein zweites Mordopfer entdeckt.

Eva Ritters Freundin Doris kennt sich im Kreis der oberen Zehntausend aus und teilt ihr Insiderwissen gerne. Der als Schürzenjäger bekannte Jens Lücker hat seine Kunden mit hohen Renditeversprechen geködert, die er mit einem Schneeballsystem zu finanzieren gedachte. Seine Gartenlaube hat er erst kürzlich von seinem verstorbenen Vater übernommen und in ein heimliches Privatbüro umfunktioniert.

Die nebenberuflichen Ermittlungen von Eva Ritter wechseln ab mit Einblicken ins Privatleben der Ex-Kommissarin. Vor drei Jahren hat ihr Mann die gemeinsame Wohnung verlassen und kam nie mehr nach Hause. Besonders authentisch werden Eva Ritters Ängste vor der definitiven Diagnose ihrer mysteriösen Muskelerkrankung geschildert. Will oder muss sie tatsächlich wissen, an welcher Krankheit sie leidet? Ohne genaue Diagnose kann die Krankheit allenfalls besser ignoriert werden. Ist die Mörderjagd eine Ablenkung von ihren Sorgen und sollte sie ihre begrenzten Kräfte nicht besser für ihren „richtigen“ Job einsetzen?

Ein Lichtblick im Leben der kranken Frau ist das herzliche Verhältnis zu ihrer 20jährigen Tochter. Gerade letztere sorgt im Lauf der Handlung für einige Überraschungen mit ihrem Beziehungs- und Hormonstatus.

Zwar beschränkt sich der hortikulturelle Hintergrund auf den Fundort der Leiche in der Kleingartenanlage, die Befreiung einer Quitte vom Winterschutz und Blumensamen für einen Gefängnisaufenthalt. Diese Tatsachte sollte aber kein Anlass sein, auf die Lektüre zu verzichten.  



Olaf Kolbrück: 
Keine feine Gesellschaft 
fhl Verlag Leipzig UG, 2012