9. Mai 2011

Ehebrecher und andere Unschuldslämmer

Die Nachricht vom plötzlichen Tod ihres Vaters verhindert, dass Louisa ihrem Freund Andi von ihrer ungeplanten Schwangerschaft berichten kann. Sie verlässt überstürzt Freund und Schwangerschaftstest, den sie in eine auf dem Teller übrig gebliebene Bulette gesteckt hat.

Eigentlich hatte Louisa bald nach der Beerdigung wieder in ihre WG in Berlin zurückkehren wollen. Doch durch den völlig unerwarteten Verlust ihres geliebten Ehemannes hat sich ihre Mutter Amélie von einer selbständigen, resoluten Frau in eine ziemlich hilflose Witwe verwandelt, deren Aufmerksamkeit es entgeht, dass auch die Tochter trauert und wegen ihrer Schwangerschaft auf mütterliche Unterstützung angewiesen wäre. Während sich Amélie also an den neuen unverschämt gutaussehenden Pfarrer klammert, vertieft Louisa ihre Bekanntschaft mit dem Gärtner Gilbert Kalinke, der sich ungefragt in Opas altem Schuppen am Rand des Gartens wohnlich eingerichtet hat.

Die etwas skurrile Geschichte rund um einen Pfarrer mit besonderem Hang zu hilflosen weiblichen Schäfchen in seiner Gemeinde wird abwechslungsweise aus der Sicht von vier Frauen erzählt. Neben Louisa und Amélie kommen die beiden Nachbarinnen Irmi und Carola zu Wort. Witzige Dialoge sorgen für unterhaltsame Lektüre, vor allem Louisa behält meistens das letzte Wort. Erschüttert wird die junge schwangere Frau zuweilen durch Gilberts freizügigen Ansichten betreffend „mein“ und „dein“ und möchte diesbezüglich gar keine genauen Details erfahren, wenn er "stehlen" schönfärberisch als "organisieren" bezeichnet.

Ganz nebenbei wird während der Handlung der jahrelang vernachlässigte Garten in ein asiatisch angehauchtes Paradies verwandelt, vor welchem Fotografen von angesehenen Gartenzeitschriften Schlange stehen, um einen Termin fürs Ablichten der Idylle zu erhalten.

Nach "Ein unmoralisches Sonderangebot" ist „Ehebrecher und andere Unschuldslämmer“ mein zweites Buch von Kerstin Gier, das ich gelesen habe. Hinweise darüber, ob sich auch die anderen Bücher der Autorin einen gewissen gärtnerischen Hintergrund haben, sind herzlich willkommen!



Kerstin Gier:
Ehebrecher und andere Unschuldslämmer
Bastei Lübbe, 2000 (8. Auflage 2010)