31. Dezember 2009

Letzter Eintrag

Letzter Blogeintrag? Falls Sie ein bisschen erschrocken sind – dies ist der letzte Eintrag 2009 und (wäre) gleichzeitig der letzte zweistellige Eintrag. Innerhalb eines knappen Jahres ist dies also bereits der 99. veröffentlichte Beitrag im Sofagarten und wohl einen kleinen Rückblick wert. 

Zu meinen „sofagärtnernden“ Höhepunkten 2009 gehören natürlich die Erwähnung meiner Filmtipps im Editorial der Frühlingsausgabe Hortus sowie der Hinweis auf meinen Blog in einer kürzlichen Radio-Sendung auf DRS 2. Ein schöner Nebeneffekt sind die entstandenen Kontakte – bei dieser Gelegenheit einen speziellen Gruss nach Thun. 

Apropos Hortus, gerade gestern lag die Winterausgabe im Briefkasten. Seinerzeit hatte ich dieses Journal ja mit der Absicht abonniert, meinen Bücherkonsum einzuschränken, da die Artikel verschiedene meiner Interessengebiete abdecken. Was ich nicht bedacht hatte, waren die vielen Verlockungen in Form von Bücherrezensionen und das viermal 128 Seiten in 12 Monaten nie reichen ein ganzes Lesejahr auszufüllen. Und die aktuelle Hortus-Nummer ist wieder eine wahre Fundgrube an Buchempfehlungen. Schon wiederholt habe ich über die Anschaffung des Buches „ An Irishman’s Cuttings: Tales of Irish Gardens and Gardeners, Plants and Plant Hunters“ nachgedacht. Nachdem ich in Hortus nun wieder über diesen Titel gestolpert bin, werde ich diesen wohl als letztes Buch 2009 oder erstes Buch 2010 anschaffen. 

Nun wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Gesundheit und Erfolg. Und vielleicht hinterlassen gerade SIE auch einmal einen Kommentar auf meiner Seite? Direkte Rückmeldungen sind immer willkommen und ein Ansporn, meine Lieblingslektüre nicht nur zu lesen, sondern auch darüber zu berichten. Der Stapel gelesener Bücher ist momentan recht hoch und Lesefutter für die nächste Zeit ist auch genügend vorhanden. Ich freue mich speziell auch auf Frühjahrstitel wie „Tee & Rosen: Geschichten übers Leben im Garten-Paradies England“ von Heidi Howcroft und „Faszinierende Frauen und ihre Gärten“ von Eva Kohlrusch.

30. Dezember 2009

In der Blüte ihres Grabes

Der erste Roman der Amerikanerin Amy MacKinnon spielt in einem Umfeld, in welches man - vielleicht mit Ausnahme von Fernsehkrimis – gewöhnlich keinen Einblick hat, nämlich in ein Bestattungsunternehmen. Das einzige mir spontan in den Sinn kommende Buch mit ähnlichem Thema, ist ein Bildband voller Fotos von Verstorbenen aus einem Verlag, mit dem ich früher beruflich zu tun hatte. Einzelne Bilder sehe ich noch deutlich vor mir - der Titel sowie der Name des Fotografen oder der Fotografin sind mir aber entfallen. Doch nun zurück zum Buch „In der Blüte des Grabes“. 

Clara Marsh ist als Kind missbraucht, geschlagen und ausgenutzt worden und lebt nun ein zurückgezogenes und ruhiges Leben. Am Wohlsten fühlt sich die junge Frau, wenn sie im düsteren sterilen Keller im Rahmen ihrer Tätigkeit als Bestatterin Verstorbene für deren letzte Reise vorbereiten kann. Als Abschiedsgeschenk legt sie in jeden Sarg eine zum Leichnam passende Blume – heitere Mohnblumen (Trost aus dem Jenseits), Gladiolen (angriffsbereit), Adonisröschen (traurige Erinnerungen) oder Fingerhaut (Unaufrichtigkeit). Die Blumen zieht Clara selber in ihrem versteckten Blumengarten und im Gewächshaus. 

Plötzlich taucht ein kleines Mädchen im Leichenschauhaus auf und Clara gerät in einen Strudel von nicht mehr aufzuhaltenden Ereignissen. Sie muss sich entscheiden – wegschauen oder handeln? Eigene schlechte Erlebnisse aus der Kindheit haben sie zu einer starken Persönlichkeit reifen lassen. Wohin wird Claras Weg führen? Keine leichte, aber eine fesselnde, lohnenswerte Lektüre mit einem Thema und Charakteren, die einem auch nach dem Weglegen des Buches noch begleiten (oder verfolgen). 



Amy MacKinnon: 
In der Blüte ihres Grabes 
Krüger Verlag, 2009

26. Dezember 2009

Weihnachtsgeschenke

Heute Morgen schien die Sonne richtig schön, so dass ich trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt richtig Lust auf eine ausgedehnte Runde Walking hatte. In den Gärten gab es ausser bereits leicht angetauten Reifkunstwerken nicht viel zu entdecken. Dafür ist mir unterwegs eine Frau begegnet, die während ihres Spazierganges (!) in einen Roman vertieft war. Den Titel konnte ich nicht entziffern, weil mich die Sonne geblendet und weil ich natürlich ein ziemlich rasches Tempo drauf hatte. Das Buch scheint ein ideales Weihnachtsgeschenk gewesen zu sein oder war zumindest ausgesprochen spannend, so dass man/frau sogar an der frischen Luft die Lektüre nicht unterbrechen konnte…

In unserem Familienkreis haben wir schon vor etlichen Jahren das Schenken untereinander abgeschafft. Nur noch der Nachwuchs findet Päckchen unter dem in ausschliesslich mit Kugeln in meiner Lieblingsfarbe Grün geschmückten Weihnachtsbaum. Deshalb suche ich mir jeweils vor den Festtagen ein spezielles Buch aus, das ich mir selber gönne. Nachdem ich vor längerer Zeit erfolglos versucht hatte, eine ungebrauchte Cyclamen-Monographie von Christopher Grey-Wilson zu ergattern und kürzlich einen Händler im Internet entdeckt hatte, der genau diesen Titel im Angebot hatte, war sofort klar, dass ich diesen Kauf perfekt machen musste.

Während meine Garten-Cyclamen in diesen Tagen wegen der tiefen Temperaturen in der Starre verharren, schwelge ich nun also zuhause in den wunderschönen Bildern dieses Buches und staune ob der vielfältigen fantastischen Blattformen und -muster.

Während ich vor dem Erwerb dieses Titels noch kurz überlegt hatte, vielleicht besser meinen im letzten Jahr bei einem Einbruch in unser Heim gestohlenen Schmuck zu ersetzen statt ein weiteres Buch aufs Regal zu stellen, bin ich inzwischen überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Schliesslich kamen beim Diebstahl keine Wertsachen in Form von Büchern weg und für den Preis des Buches bekomme ich wohl auch nicht allzu viel an Juwelierware.

Im Übrigen habe ich in den letzten Tagen zwei total unterschiedliche, aber beides sehr gut erzählte Romane gelesen. An dieser Stelle gibt es also nächstens wieder mehr über lohnende Lektüre (nicht nur) für Gartenfreunde zu lesen.

24. Dezember 2009

Frohe Festtage

Ich schicke allen Leserinnen und Lesern herzliche Weihnachtsgrüsse aus dem Sofagarten und wünsche Euch viele interessante Bücher und die Zeit dazu, diese zu lesen! 

Die Sofagärtnerin

22. Dezember 2009

Noch ein schreibender Fernsehgärtner

Kennen Sie die Gartensendungen von Alan Titchmarsh? Ich habe aus - sagen wir mal „technischen Gründen“ - noch keine einzige davon gesehen. Titchmarsh erzielt enorm hohe Einschaltquoten und soll schon 12 Millionen Zuschauer gleichzeitig vor den Fernseher gelockt haben. Seine Bücher, die er fast am laufenden Band verfasst, erzielen nicht zuletzt aus diesem Grund sehr hohe Auflagen. Die Bildschirmbegegnung mit Alan Titchmarsh habe ich also noch vor mir, dafür habe ich nun bereits seine zweite von drei Autobiographien gelesen.

Alan Titchmarshs Interesse am Gärtnern wurde ihm schon in die Wiege gelegt, denn schon seine Mutter und der Grossvater pflegten dieses Hobby. Da er schon als Kind einen grünen Daumen hatte und nicht besonders gerne zur Schule ging, lag es nahe, dass er eine Gärtnerlehre absolvierte.

Im aktuellen Titel „Knave of Spades“ erzählt er von seinem beruflichen Werdegang und verrät unzählige Anekdoten. So hatte er als Lehrling einmal die gesamte für eine Blumenausstellung geplante Nelkenblüte verhindert, weil er statt nur der äusseren kleinen gleich sämtliche Knospen von den Pflanzen entfernt hatte. Und das Schliessen von Türen scheint eine Art Obsession von ihm zu sein. Während der Lehre wurde ihm eingetrichtert, dass offene Gewächshaustüren nicht nur Geld verschlingen, sondern auch empfindlichen Gewächsen schaden und so darf auch daheim keine einzige Türe offen stehen, was in der Familie ab und an zu Konflikten führt.

Sein erstes richtiges Gewächshaus konnte er gebraucht von einem Arbeitskollegen erstehen. Die Einzelteile mussten mit einem Handkarren kilometerweit hertransportiert werden. Titchmarsh ist aber überzeugt, dass Paxton an seinem riesigen Kristallpalast keine grössere Freude hatte, als er an seinem ersten richtigen Glasbau.

Meine Lektüre von „Trowel und Error“ liegt schon etwas länger zurück und ich kann mich nicht mehr detailliert an den Inhalt erinnern, glaube aber, dass sich doch einzelne Erzählungen wiederholen und im ersten Titel mehr Beiträge über Prominenz, inklusive etwas Klatsch und Tratsch, vorkamen. So hat Titchmarsh dort auch detailliert beschrieben, wie er im Rahmen einer TV-Produktion dazukam, für Nelson Mandela einen Überraschungsgarten anzulegen. Ich weiss auch noch genau, dass mir die erste Biographie damals sehr gut gefallen hat. Da auf meinem Regal aber noch nahezu unzählige ungelesene (hoffentlich) spannende Seiten zwischen jeweils zwei Buchdeckeln darauf warten, entdeckt zu werden, lese ich äusserst selten ein Buch mehr als einmal.

Diese beiden Biografien erlauben jedenfalls einen interessanten Einblick in den Hintergrund von Fernsehproduktionen. Aus den Beschreibungen ist nicht ersichtlich, wie hortikulturell die dritte Biografie von Titchmarsh ist. So lasse ich im Moment noch offen, ob ich diese gelegentlich auch noch lesen werde.



Alan Titchmarsh:
Trowel and Error
Hodder and Stoughton, 2002

Knave of Spades
Hodder and Stoughton, 2009

18. Dezember 2009

Monty Don

Im Moment „steppe“ ich mich in 80 Gärten um die Welt und lasse mich von Monty Don in Mexico, Kuba und Australien durch spezielle Gärten führen. Schon längere Zeit steht sein Buch „Around the World in 80 Gardens“ ungelesen auf dem Regal. Nun, da ich mir die DVDs anschaue, blicke ich parallel auch endlich ins Buch.

In Mexico geht es durch einen schwimmenden Garten und einen Fantasiegarten im Dschungel, der ständig vor Überwucherung „gerettet“ werden muss. In Kuba dienen die Gemeinschaftsgärten dazu, die Bevölkerung mit frischem Gemüse und Obst zu versorgen und die Gärtner sind eng vernetzt, um an Saatgut heranzukommen. Not macht erfinderisch und es gibt fast keinen Gegenstand, der auf dem Inselstaat nicht die Funktion eines Blumentopfs übernehmen kann. In Frage kommen beispielsweise neben ausrangiertem Geschirr ausgediente Espressomaschinen in Kannenform oder auch WC-Schüsseln. Stammleserinnen erinnern sich vielleicht an einen früheren Beitrag über die Vierteljahres-Publikation Greenprints (siehe Label „Periodika“). In der aktuellen Ausgabe dieser Zeitschrift gibt es ebenfalls zum Thema Wiederverwertung oder Umnutzung einen Artikel und auch in diesem Segment tätig ist die englische Gärtnerin Alys Fowler, die beispielsweise Salat in alten Portweinkisten anbaut.

Monty Don, der seit Jahren auf BBC Gartenprogramme präsentiert, ist kein gelernter Gärtner. In der gemeinsam mit seiner Frau Sarah verfassten Autobiographie The Jewel Garden erzählt er vom Zusammenbruch des gemeinsamen Schmuck-Unternehmens, der das Paar mit riesigen Geldsorgen und gesundheitlichen Problemen zurückliess. Mit seinem letzten Geld kaufte das Paar ein heruntergewirtschaftetes Bauernhaus und zog mit den drei Kindern nach Herefordshire. Dort begannen sie mit der Gestaltung des „Jewel Garden“ und schufen die Grundlagen für neue Perspektiven.

Erst kürzlich erschienen ist Monty Dons voluminöses Buch „The Ivington Diaries“, das ich mir demnächst vornehme. Da es aus nicht strikt chronologisch geordneten Kolumnen besteht, kann es immer wieder für kurze Abschnitte hervorgeholt werden. Als Bettlektüre oder Lesestoff für unterwegs eignet es sich leider des Formats wegen aber definitiv nicht.

Verschiedene von Monty Dons Büchern sind übrigens auch auf Deutsch erhältlich.



Monty Don:
Around the World in 80 Gardens (Buch)
Weidenfeld & Nicolson, 2008

Around the World in 80 Gardens (DVD)
Warner Home Video, 2008

The Ivington Diaries
Bloomsbury, 2009

Monty und Sarah Don:
The Jewel Garden
Hodder and Stoughton, 2004

14. Dezember 2009

Mendel und die Antwort der Erbsen

In der Arena Bibliothek des Wissens ist eine der „lebendigen Biografien“ Johann Gregor Mendel, dem Vater der Genetik, gewidmet. Das auch für interessierte erwachsene Leser geeignete reich illustrierte Kinderbuch vermittelt auf leicht verständliche Art einen Einblick in das Leben und Wirken dieses einfachen Mönchs und Wissenschaftlers.

Johann Mendel wird in der heutigen Tschechei geboren und verbringt seine Kindheit auf dem Land, umgeben von vielen Tieren. Das Lernen liegt ihm mehr als harte körperliche Arbeit und er findet Gefallen an der Veredelung von Obstbäumen. Nachdem feststeht, dass Johann Mendel den Bauernhof des Vaters nicht übernimmt, wird dieser verkauft. Mit dem Erlös kann Mendel sich ein Studium leisten und tritt ins Kloster Brünn ein.

Das Büchlein zeigt die verschiedenen Facetten von Mendels Persönlichkeit. Dieser zweifelt häufig an seinen Fähigkeiten, ist sehr schüchtern, neigt zu Depressionen und fällt sogar zweimal durch die Lehrerprüfung. Da er als Kind oft wenig zu essen bekommen hat, genehmigt er sich im Kloster umso grössere Portionen. Und natürlich sind auch Mendels ersten genetischen Versuche mit Mäusen in der Klosterzelle und das Erbsenzählen, mit welchem er schliesslich die Gesetze der Vererbung nachweist, ein Thema. Leider findet Mendel aber Zeit seines Lebens keine Anerkennung für seine Forschungen.



Luca Novelli:
Mendel und die Antwort der Erbsen
Arena Verlag, 2009

12. Dezember 2009

Nochmals ein Aufsteller

Diese Woche habe ich beim Googeln festgestellt, dass mein Blog in der Radio-Sendung "Netzgespräch" auf SR DRS vom letzten Dienstag erwähnt wurde. Die Ausstrahlung habe ich verpasst, mir aber natürlich nachträglich übers Internet angehört und mich über die paar Worte aus dem Äther über die Sofagärtnerin gefreut. In der Radio-Sendung wurden Online-Plattformen für Buchbesprechungen und Buchempfehlungen vorgestellt.

11. Dezember 2009

Winterblüten

Im weitläufige Gelände meiner angeheirateten Verwandtschaft in Norditalien habe ich vor ungefähr zwei Jahrzehnten nicht nur die inzwischen zu meinen Lieblingen zählenden kleinblütigen, wild wachsenden Cyclamen (C. hederifolium) für mich entdeckt. Vor mindestens fünfzehn Jahren, in der Adventszeit, stiess ich auf einen weiteren Gartenschatz. In einem kleinen von Bäumen gesäumten Tälchen bildeten unzählige Christrosen (H. niger) einen fast undurchlässigen Teppich. Leider habe ich damals keine Fotos gemacht, aber das Bild hat sich fest in mein Gedächtnis eingegraben – inzwischen wohl etwas verklärt. Der erwähnte Garten hat inzwischen einen neuen Gärtner gefunden und ich kann nur hoffen, dass die Winterblüher den Umbau und die Umgestaltung der Parzelle überlebt haben…

Meine persönliche Bezugsquelle für Helleborus, eine nicht sehr weit entfernt gelegene Gärtnerei, hat leider den hiesigen Betrieb aufgegeben und jenseits der Grenze neue Zelte bzw. Gewächshäuser aufgeschlagen. Die vor einigen Jahren erstandenen Christ- und Lenzrosen in unserem Vorgärtchen haben bereits Blütenknospen gebildet und ich freue mich auf die lange Blütenzeit in verschiedenen Farben.

Die Vorfreude wird unterstützt durch einen ausführlichen Artikel über eine englische Helleborus-Gärtnerei mit umwerfenden Fotos in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Gardens Illustrated“ und dem Blättern in Helleborus-Büchern.

Das deutsche Buch „Helleborus“ (ursprünglich in Belgien erschienen) lockt ebenfalls mit schönen Blütenfotos. Neben den Portraits von drei bedeutenden holländischen Züchtern gibt der Titel dem Leser eine Einführung in Geschichte und Botanik dieser robusten Pflanzen sowie detaillierte Angaben zur Kultur im Garten. Weitere Kapital behandeln Themen wie Vermehren und Züchten, Farbe und Form und vermitteln einen Überblick über das umfangreiche Sortiment an Arten und Sorten.

Ähnlich aufgebaut ist der englische Titel „Hellebores“, dabei aber noch detaillierter und umfangreicher. Die Autoren und der Fotograf dieses Buches sind auf Reisen durch die USA und Europa immer wieder auf der Suche nach neuen Pflanzen. Ihr Erfahrungsschatz ist enorm und ihre Begeisterung für Christ- und Lenzrosen zieht sich wie ein roter Faden durch dieses umfangreiche Werk und springt auf den Leser und die Leserin über.

Die beiden Bücher sind nicht gerade billig, aber vielleicht hat jemand noch einen Weihnachtswunsch offen?



Hanneke van Dijk und Harry van Trier:
Helleborus
Eugen Ulmer, 2006

C. Colston Burrell und Judith Knott Tyler:
Hellebores
Timber Press, 2006

7. Dezember 2009

Flower Shops

Im dritten Band der Flower Shop-Serie besucht Sally Page quer durch England jeden Monat einen Blumenladen und stellt diesen mit Text und Fotos vor.

Katie kommt unverhofft zu einem wunderschönen Lilienstrauss, da der eigentliche Empfänger nicht erreichbar ist. Statt die Blumen wieder in den Laden zu bringen, entscheidet die Floristin Leen spontan, eine vorbeiradelnde Studentin damit zu beglücken. Diese und andere Anekdoten vermitteln zusammen mit den tollen Fotos einen Einblick in die unterschiedlichen Blumenläden mitsamt Kundschaft und der vielfältigen Gründe, Blumen zu kaufen.

Da gibt es beispielsweise einen Shop, der in einer ehemaligen Scheune untergebracht ist, den Blumenladen, der sich den Platz mit einem Delikatessengeschäft teilt (oder umgekehrt), oder die beiden Läden eines Ehepaares, die unabhängig voneinander völlig verschiedene Stile pflegen.

Neben den handgebundenen floralen englischen Kunstwerken werden auch die Ortschaften und die Umgebung der Blumenläden vorgestellt. Und es ist immer wieder interessant zu sehen, wie die Blumensträusse in Stil von Laden zu Laden und von Land zu Land unterschiedlich sind. So verrät ein Kurztext, dass in New York sehr wenig Grünzeug beigemischt wird und ein Blumenstrauss tatsächlich nur aus Blumen besteht. Und da sich in dieser Grossstadt (fast) keiner um Geld Gedanken macht, werden Blumen grundsätzlich mit passender Vase gekauft und geliefert.

Im letzten Kapitel lädt Sally Page alle besuchten Floristinnen und Floristen ein, so dass sich diese auch kennenlernen und untereinander austauschen können. Die Kontaktdetails mit Internet-Adressen am Schluss des Buches ermöglichen es, auch Online in den vorgestellten Läden herumzustöbern.

Ein schönes Bilderbuch für Erwachsene, das sich auch als dauerhaftes Präsent anstelle eines Blumenstrausses eignet.



Sally Page:
Flower Shops and friends
Fanaham Books, 2008

4. Dezember 2009

Gärten erzählen

Das Buch „Gärten erzählen“ ist seinerzeit als Begleitband zu einer Ausstellung in Lausanne im gleichen Jahr erschienen und gehört zu den älteren Exemplaren meiner Büchersammlung und fand seinen Platz auf meinem Regal, als ich die Inhalte meiner Titel beinahe auswendig konnte.

Nach einer kurzen Einführung folgen Bilder von Gärten aus England, Italien, Frankreich, Portugal, Japan, der Schweiz und anderen Ländern. Die Bilder sind zwar qualitativ nicht auf dem Höchststand, was wohl auch an der Papierqualität liegt, laden aber dennoch ein, im Lesestuhl in den verschiedenen vorgestellten Gärten spazieren zu gehen. Danach folgen die literarischen Spaziergänge, welche unter anderem durch Vitas Sissinghurst , Toskanische Villengärten, versunkene Gärten in neuem Licht und nach Brasilien zu Roberto Burle Marx führen. Die Texte stehen jeweils im Zeichen einer Farbe – dunkelgrün für die toskanischen Villengärten, Blau für die Isola Bella, Schiefergrau für die Schlösser der Loire. Den Hinweis, wofür die Farbe Weiss steht, kann ich mir ja ersparen.

Wahrscheinlich hatte ich in diesem Band eine meine ersten Begegnungen mit Sissinghurst. Das Foto mit den von grauen Steinplatten umgegebenen Flächen aus mauve-weissem Thymian finde ich auch nach über zwanzig Jahren noch überaus beeindruckend.



Lorette Coen:
Gärten erzählen
Edition M, 1988

30. November 2009

Briefkastentante

Mögen Sie die „Briefkasten-Spalten“ in Zeitschriften und Zeitungen? Ich werfe fast in allen Printmedien, die ich konsumiere, einen Blick auf die Fragen. Die Antworten lasse ich gewöhnlich aus, da ja meistens mit ein wenig gesundem Menschenverstand sowieso klar ist, wie diese ausfallen. Und falls ich die Repliken doch lese, nur um festzustellen, ob ich richtig lag. In Gartenzeitschriften beschleicht mich zudem oft das Gefühl, dass die Fragen nicht aus dem Leserkreis kommen, sondern von der Redaktion so zusammengeschustert werden, dass ein neues Produkt beworben werden kann.

Bonnie Thomas Abbott hat ein ganzes Buch mit solchen (fiktiven) Fragen gefüllt. Radical Prunings - A Novel of officious advice from the Contessa of compost“ lautet der Titel. Das ist doch langweilig? Dann lassen Sie sich während der vorwiegend amüsanten Lektüre vom Gegenteil überzeugen. Darin inklusive sind eine Menge Gartentipps.

Das Buch ist eine nach Monaten geordnete Sammlung von Newslettern mit dem Titel „Radical Pruning“, welche die Gärtnerin Mertensia Corydalis regelmässig herausgibt. Im ersten Teil dieser Kurzbriefe schreibt sie über ihren Garten, ihre Angestellten oder ihren Ex-Mann Norton Doyle und was sie sonst gerade beschäftigt. Darauf folgt der Question-and-Answer-Teil.

Fragen zu allen botanischen Themen sind wilkommen, ausser solche betreffend Rasen. Letztere machen Miss Corydalis sozusagen rasend. Die Kompost-Prinzessin liebt es, die Fragesteller mit ihren Problemlösungsvorschlägen zu brüskieren. Da wird beispielsweise unverblümt empfohlen, endlich das „Gehirn einzuschalten", zur Rettung der Seele das Haus zu verkaufen oder alle Zucchettis aus dem Garten zu verbannen, damit einem der Freundeskreis während deren Erntezeit nicht aus dem Weg geht. Und falls Sie schon immer wissen wollten, was für Leute Gärten besuchen, die im Rahmen von „Offener Pforte“ oder ähnlich lautenden Programmen zu besichtigen sind, hier ein Teil der Ansichten von Corydalis:
-Einsame Leute, die eine Gelegenheit für Gespräche suchen
-Schnüffelnde Leute, die einen Blick ins Haus werfen wollen
-Zufällig vorbei kommende Leute, die rasch ins Bad müssen.



Bonnie Thomas Abbott:
Radical Prunings
Emmis Books, 2005

27. November 2009

Thyme will tell Mysteries

Im Moment bin ich gewissermassen zumindest temporär in Hayden zuhause. Ich stecke nämlich mitten im zweiten Band der „Thyme will tell mysteries“. Die einzelnen Titel beziehen sich auf die Blumensprache und heissen „Rosemary for Remembrance“, Marigolds for Mourning“ und „Roses for Regret“.

Regan Culver, die Mitinhaberin der Herb-Farm „Thyme will tell“, wird wegen Mord an ihrem verwitweten Vater verhaftet. Alden Culver ist vergiftet worden. Da Regan, seine Tochter aus zweiter Ehe, als Haupterbin eingesetzt ist, gerät sie unter Tatverdacht. Im Laufe der Ermittlungen stellt sich jedoch schnell heraus, dass Alden Culver sein Vermögen schon vor einigen Monaten auf seine jüngste Tochter übertragen hat und dieses Tatmotiv entfällt. Aber wie steht es mit ihren Halbgeschwistern? Agatha steht kurz vor dem Bankrott ihres Geschäftes und ihre Tochter Diane hat gerade ihren Job verloren, mit dem sich die beiden über Wasser gehalten haben. Die Verhältnisse zwischen Alden Culvers Nachkommen waren schon vor dem Mord schlecht und nun scheint keiner dem anderen über den Weg zu trauen. Was bedeutete Alden Culvers kurz vor seinem Tod geäusserte Bemerkung, über einen Vorfall, der sich zehn Jahre zuvor ereignet hat?

Nachdem Regan wieder auf freiem Fuss ist, hofft sie, auf die Spur des Mörders ihres Vaters zu kommen. Die Suche führt sie in die Vergangenheit und bringt ein Geheimnis ihrer vor zehn Jahren tödlich verunglückten Mutter zum Vorschein. Im zweiten Buch geht es noch weiter zurück in die Vergangenheit. Ein Mord und Selbstmord aus den Fünfzigerjahren werden nochmals genauer unter die Lupe genommen.

Diese Trilogie ist zwar schon länger im Handel, doch bei Online-Händlern sind neben gebrauchten auch neue Exemplare immer noch erhältlich. Schade, dass die Autorin gemäss meinen Internet-Recherchen keine weiteren Gartenkrimis mehr veröffentlicht hat. Die Romane sind spannend geschrieben und die Charaktere sehr glaubwürdig.



Audrey Stallsmith:
Rosemary for Remembrance
Waterbrook, 1997

Marigolds for Mourning
Waterbrook, 1998

Roses for Regret
Waterbrook, 1999

23. November 2009

Rosemary and Thyme – Teil 1

Je weiter der Herbst fortschreitet und je früher es abends dunkler wird, um so öfter erfülle ich meine sportliche Pflicht auf dem Stepper statt walkend zu versuchen, einen raschen Blick in die leergeräumten Gärten zu werfen. Inzwischen bin ich recht geübt darin, das eintönige, langweilige Steppen in Verbindung mit der Lektüre in einem Buch oder einer Zeitschrift hinter mich zu bringen. Die Minuten erscheinen auf diese Weise nicht unendlich lang und die Kalorienverbrennung gestaltet sich etwas spannender.

Ab und zu lege ich auch eine DVD ein. Besonders geeignet sind für diesen Zweck wegen ihrer Länge von jeweils ungefähr 50 Minuten Fernsehserien und ganz speziell die britischen Staffeln über die beiden gärtnernden Detektivinnen Rosemary & Thyme.

Die beiden Freundinnen Rosemary Boxer und Laura Thyme sind in der Gartenbranche tätig. In der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit (Gartenumgestaltungen, Gartenunterhalt usw.) werden sie immer wieder unvermittelt in Verbrechen verwickelt. Des Rätsels Lösung finden die beiden jeweils mit Hilfe ihres botanischen Hintergrundwissens.

Wie beispielsweise in der Episode um einen blinden Professor (A simple Plot), der sich gegen den Verkauf des Grundstückes wehrt, auf dem sein Schrebergarten steht. Wegen seinem fehlenden Augenlicht, verlässt sich dieser Gärtner umso stärker auf seine Nase und Duftpflanzen dienen ihm im Garten als Wegweiser. Nachdem in seinen Beeten Blumen umgesetzt worden sind, tappt er ahnungslos in die tödliche Falle.

In einer anderen Folge stossen die beiden Hobbydetektivinnen auf Knochen eines Rennpferdes (Arabica and the Early Spider) während in der Episode „The Invisible Worm“ alle Rosen im Garten absterben und in der Geschichte „The Tree of Death“ eine Eibe eine wichtige Rolle spielt.

Damit ich die noch ungesehenen Folgen ungestört ansehen kann, bleibt mir nur noch zu hoffen, dass die Maximal-Lautstärke meines neuen Computers etwas höher ist als die des Vorgängers, der das Quietschen des Steppers fast nicht zu übertönen vermochte, und ich von Rosemarys und Lauras Dialogen in diesem Winter etwas mehr mitbekomme als letztes Jahr.



Rosemary and Thyme, Series 1 (2003)
Rosemary and Thyme, Series 2 (2004)
Rosemary and Thyme, Series 2 (2005 - 2007)
Acorn Video (DVDs mit Code Region 2)

21. November 2009

Aufsteller

Heute habe ich mich über diese Notiz im neuesten garten.ch-Newsletter gefreut:

Gärtnern ohne dreckige Hände?
Die Sofagärtnerin machts vor: Setzen Sie sich mit einem grossen Stapel Bücher in einen bequemen Sessel. Auf dem Stapel Bücher über Gärten, Gärtnerinnen, Pflanzen; Sachbücher, Krimis, Kinderbücher; antiquarische und druckfrische... Sie wissen nicht, was lesen? Ein Fundus an Raritäten und Antiquitäten finden Sie auf http://sofagaertnerin.blogspot.com

19. November 2009

The Victory Garden

Kansas im Jahr 1943 - jedermann meint zu wissen, dass der 2. Weltkrieg bald zu Ende ist und Teresa Marks wundert sich, wann dieser Tag endlich kommt. Ihr Bruder kämpft in Europa und sie erwartet ungeduldig seine Rückkehr.

Um sich von den Sorgen um den Sohn und Bruder abzulenken, haben die Marks begonnen, Tomaten zu pflanzen und sogar das letzte Geschmacks-Duell am Harvest Festival gegen den griesgrämigen Nachbarn Tom Burt gewonnen. Im Frühling 1943 scheint der Wettbewerb um die schmackhafteste Tomate schon vor der Blüte ein vorzeitiges Ende zu finden. Tom Burt verunfallt schwer und sein Garten soll untergepflügt werden.

Doch Teresa gelingt es, ein paar Schulkameraden und Schulkameradinnen zu mobilisieren, die sie dabei unterstützen, Burts Garten zum Blühen und Fruchten zu bringen. Den ganzen Sommer nehmen sich die Kinder die Zeit, die Pflanzen aufzubinden, auszugeizen und zu wässern. Und Teresa nutzt sogar ihre geheime Waffe, um mindestens so feine Tomaten ernten zu können wie ihr Vater und vielleicht sogar einen Preis am Harvest Festival zu gewinnen.

Die Ernte aus dem Garten verkaufen die Kinder an die Dorfbewohner und behalten nur ein kleines Taschengeld. Mit dem Grossteil aus dem Erlös unterstützen die Junggärtner den „War Effort at Home“. Die Erzählung vermittelt ganz nebenbei einen Einblick in den amerikanischen Alltag Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts.



Lee Kochenderfer:
The Victory Garden
Yearling, 2002

15. November 2009

Kissing Toads

Ein Labyrinth auf dem Cover der französischen Ausgabe sowie die Inhaltsbeschreibung, dass die Geschichte um die Dreharbeiten einer Gartensendung aufgebaut ist, hat mich zum Kauf des (englischen) Buches „Kissing Toads“ von Jemma Harvey verleitet. Der Roman wird abwechslungsweise aus der Sicht von Ruth, genannt Roo, und Delphi – beide sind um die dreissig Jahre alt - erzählt, die seit ihrer Kindheit eng miteinander befreundet sind.

Die TV-Produzentin Roo wurde eben von ihrem langjährigen Freund und Arbeitskollegen Kyle verlassen, so dass sie nun nicht nur ohne Mann sondern auch ohne Stelle ist.

Die selbstsüchtige Delphi, Präsentatorin von Gartensendungen, figuriert auf der C-Liste der Berühmtheiten und zu ihren wichtigsten Zielen gehört, mindestens in die B-Liste aufzusteigen. Dazu gehört auch ihre geplante Hochzeit mit dem eher langweiligen Alex, der aus einer reichen und angesehenen Familie stammt. Delphis neueste Aufgabe führt sie auf das schottische Schloss eines alternden Rockstars. Nicht ganz uneigennützig schafft es Delphi, ihrer Freundin in dieser Produktion ebenfalls einen Job zu verschaffen.

Leider ist der Roman nicht besonders spannend. Die Dreharbeiten sollen aufgelockert werden durch die Nachforschungen nach einer Schlossbesitzerin, die in einem früheren Jahrhundert im Labyrinth des Gartens spurlos verschwunden ist und im Laufe der Fernsehproduktion wird auch ein Skelett im Garten gefunden. Die egoistische Delphi wird einem gegen Ende des Buches zwar etwas sympathischer, doch auch diese an sich positive Veränderung und ein Schlägertrupp, der plötzlich auf dem schottischen Schloss auftaucht, können die Geschichte nicht „retten“.

Da ist meine derzeitige Lektüre doch einiges interessanter und die Seiten drehen sich fast von selbst. „Roter Eukalyptus“ von Susanne Wahl erzählt die Geschichte einer Gärtnerfamilie, die im 19. Jahrhundert mit einer Gruppe von Alt-Lutheranern aus Preussen ausgewandert ist und sich in Australien eine neue Existenz aufgebaut hat. Der Blumenhandelt der Tochter Friedericke spielt eine (kleinere) Rolle im Roman.



Jemma Harvey:
Kissing Toads
Arrow Books, 2006

12. November 2009

Ein Herz in New York – A Heart in New York

Ninas Vater wird als Professor für Stadt- und Regionalplanung nach New York berufen. Da es noch zwei Jahre dauert, bis Nina volljährig ist, muss sie wohl oder übel mit ihren Eltern umziehen und Freundin Britt und Freund Konrad in Berlin zurücklassen.

Doch die Schülerin lebt sich schneller als erwartet in der riesigen Stadt ein und findet in Izzy, welche an der Schule die gleichen Fächer belegt, rasch eine neue Freundin. Und schliesslich gibt es da auch noch ihren Klassenkameraden Leroy, ein cooler Hip-Hopper und wichtiger Spieler des Lacrosse-Teams an Ninas Schule…

In dieser Sprachmix-Erzählung erfährt die Leserin die Höhen und Tiefen aus Ninas ersten Wochen im Big Apple und verfolgt gleichzeitig eine Erpressergeschichte, die auf unkonventionelle Art aus der Welt geschaffen werden kann. Daneben spielen Dachgärten eine grössere Rolle.

Diese zweisprachige Lektüre wird empfohlen für Jugendliche (wohl eher für Mädchen) ab 12 Jahren, die seit zwei, drei Jahren Englisch lernen. Die Handlung aus Sicht von Nina ist auf Deutsch, Dialoge und Briefe sind auf Englisch und speziellere Vokabeln werden auf der gleichen Seite erklärt, auf der sie vorkommen.



Petra A. Bauer:
Ein Herz in New York – A Heart in New York
Langenscheidt, 2009

9. November 2009

Ganz schön gefährlich

In den letzten Tagen habe ich unter anderem zwei Bücher über Giftpflanzen gelesen. Eines der beiden enthält Passagen, die ich doch ziemlich erschreckend und abstossend finde. So wird als Ziel des Buches die Feststellung der optimalen toxischen Qualität angegeben, damit diese von Tätern als Werkzeug verwendet werden kann. Und der Autor hofft, dass dadurch viele bestehende Konflikte zur Zufriedenheit aller gelöst werden können. Bei meiner nach dieser Einführung eher oberflächlichen Lektüre konnte ich nicht herausfinden, was an diesen Aussagen und am ganzen Buch besonders witzig sein soll. Diese Informationen über Pflanzengifte sind selbstverständlich auch anderweitig zu beschaffen, aber dennoch verzichte ich darauf, Autor und Buchtitel hier zu erwähnen.

Morde mit Giftpflanzen füllen die Geschichtsbücher durch alle Jahrhunderte hindurch. Die Pflanzen sind als Mordwaffe mehrheitlich abgelöst worden und zu den häufigsten Vergiftungsopfern gehören mittlerweile (Klein-)Kinder, die giftige Blätter, Samen oder Früchte in den Mund stecken oder auch Bärlauchsammler, welche die Blätter der Zwiebelpflanze mit jenen der Herbstzeitlose verwechseln. Das Buch „Schön, aber gefährlich“ von Helga Urban ermöglicht einen informativen Einblick ins Thema Giftfplanzen.

Kapitel mit Überschriften wie „Auf den Inhalt kommt es an“, „Kann eine Pflanze böse aussehen?“ und „Es ist Arznei, nicht Gift …“ machen neugierig auf die Lektüre und der Leser bleibt erstaunt zurück, ob der Fülle an Vergiftungsmöglichkeiten und wundert sich aufgrund der erwähnten Vorfälle, auf was für Ideen Leute kommen, um Abwechslung in die Salatschüssel zu bringen.

Eines der Pflanzenportraits ist dem Kaffeebaum (Coffea Arabica) gewidmet. Je nach Konstitution des Kaffeetrinkers ist ein Konsum von und 100 Tassen Kaffee pro Tag tödlich. Ein solch extensives Trinken dieses Genussmittels wird wohl kaum einer pflegen. Aber anscheinend lassen sich die Nacktschnecken im Garten mit doppelten Espressos reduzieren. In anderen Steckbriefen werden dann auch gefährlichere Kaliber vorgestellt, wie der Fingerhut und Lupinen.

Die Texte sind sehr informativ und interessant abgefasst und werden durch pointierte Bemerkungen der Autorin abgerundet. Positiv zu erwähnen sind auch die schönen Fotos von Marion Nickig. Das Buch enthält ausserdem ein ausführliches Register, ein Literaturverzeichnis und nützliche Adressen.



Helga Urban:
Schön, aber gefährlich
Books on Demand, 2009

5. November 2009

Moderne Gärten – gestaltet von Landschaftsarchitekten in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Die Kunsthistorikern Elke von Radziewsky vermittelt in diesem Buch einen Überblick über von führenden Landschaftsarchitekten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gestaltete Hausgärten. Bei diesen Hausgärten handelt es sich naturgemäss zu einem grossen Teil um fast parkähnliche Anlagen, bei welchen für die Gestaltung das nötige Kleingeld wohl eher eine untergeordnete Rolle spielt. Dies ist kein Grund neidisch zu werden, auch (Laien-)Gärtner, die sich mit kleineren Flächen begnügen müssen oder dürfen und sich eine professionelle Gestaltung durch einen Landschaftsarchitekten nicht leisten können, finden in diesem Band Ideen, die sich auf kleinere Parzellen übertragen und umsetzen lassen.

Nach dem Inhaltsverzeichnis folgt eine mehrseitige Einstimmung zum Thema „Hundert Jahre Hausgarten“. Darin geht es von den Folgen eines gewonnenen Gartenwettbewerbes anno 1907 über den Einfluss des schnellen Wachsen der Grossstädte im 19. und 20. Jahrhundert auf die Gartenlust in Europa bis zum momentan stattfindenden Umschwung in der Bewertung der Hausgärten.

Titel wie „Tulpe spielt Theater“ und „Spatz und Krieger“ oder „Der Garten ist ein Fass ohne Boden“ machen den Leser zusammen mit den beeindruckenden Fotos neugierig auf die auf rund 200 Seiten verteilten Portraits. Diese werden durch detaillierte Pläne ergänzt.

Die Gärten sind so unterschiedlich wie die Gestalter. Da gibt es einen, in welchem der Boden mit Kalbsknochen gepflastert ist und auf einer als Pferdeweide benutzten Blumenwiese Hainbuchen-Hecken in Form von Tortenstücken verteilt sind. Im Beitrag „Sommerblumenweg zur Küche“ wird ein Garten vorgestellt, wo an ein Gewächshaus einer ehemaligen Gärtnerei eine Schlafzelle angebaut worden ist, da die Masse des früheren Arbeiterhauses auch für zwei Personen als Wohnung zu klein waren.

Nach den Gartenportraits folgen Steckbriefe der Landschaftsarchitekten und ihrer Büros mit Angaben zu Anzahl Mitarbeiter, wichtigen Arbeiten und Stil. Interessant sind die Hinweise über Anteile der pro Jahr gestalteten Hausgärten im Verhältnis zu anderen Aufträgen. Leider fehlt ein Register, welches ein kurzes Nachschlagen doch enorm vereinfachen würde.

Kürzlich habe ich an dieser Stelle ein Rezept von Paul Bocuse erwähnt. Vor längerer Zeit (1993!) hatte ich dieses aus der Zeitschrift „Beobachter“ herausgerissen und das Rotkraut-Gericht hat seit damals einen Stammplatz in unserer Herbst- und Winterküche. Jenes Rezept war damals von einem (mir persönlich nicht bekannten) Leser und Gärtner aus „meiner“ Stadt eingeschickt worden. Bei der Lektüre des Buches „Moderne Gärten“ hatte ich nun sozusagen ein Treffen mit einem alten Bekannten. Auf das Portrait aus dem hiesigen Landschaftsgartenbetrieb war ich natürlich sowieso neugierig. Die Angaben wie Name, beruflicher Hintergrund, Wohnort sowie das abgebildete Foto weckten Erinnerungen wach und ich kramte das inzwischen arg zerfledderte Rezept hervor. Und siehe da, aus dem "Rezept-Einsender“ von Anfang der 90er Jahre ist inzwischen ein bekannter Landschaftsarchitekt geworden.



Elke von Radziewsky:
Moderne Gärten
Callwey Verlag, 2009

2. November 2009

Garten-, Kräuter und Gemüsedetektive

Eine Ideensammlung rund um das Thema Kräuter liefert das Buch „Die Kräuter-Detektive“. Dabei handelt es sich nicht um ein eigentliches Kinderbuch sondern um ein Arbeitsbuch für interessierte Eltern, Lehrer und alle, die sich mit kleineren Kindern beschäftigen. Auch für Kindergeburtstage lassen sich verschiedene Ideen übernehmen, beispielsweise wie mit Kräutern gemalt, gebastelt, gerätselt, gekocht, gespielt und experimentiert werden kann.

Die Kräuter werden in die Kapital Gartenkräuter, Unkräuter, Wiesenkräuter und Waldkräuter unterteilt. Im Kapitel Unkräuter werden unter anderem die Brennessel und der Schachtelhalm vorgestellt. Ein Steckbrief in Wort und Illustration verrät, wo das vorgestellte Kraut anzutreffen ist, wie Blatt, Stängel, Blüte, Wurzel und Frucht aussehen sowie Besonderheiten zu Verbreitung, Bestäubung, Blütezeit usw. Dank der detailtreuen Illustrationen können auch kleine Detektive die Kräuter in Wald und Wiese einfach aufspüren. Haben Sie schon einmal grüne Chips aus Brennnessel-Blättern gekostet oder eine Brennnessel-Suppe? Dies sind nur zwei der vielen Kräuter-Rezepte, die im Buch aufgeführt sind. Passende Geschichten, Lieder sowie Experimente, welche die verschiedenen Sinne herausfordern, runden die jeweiligen Kräuter-Portraits ab.

Zu den Themen Garten und Gemüse gibt es Bücher in identischer Ausstattung, ebenfalls mit Experimenten, Spielen, Bastelideen, Rezepten und Geschichten.



Leonore Geisselbrecht-Taferner:
Die Kräuter-Detektive
Ökotopia Verlag, 2009

Leonore Geisselbrecht-Taferner:
Die Gemüse-Detektive
Ökotopia Verlag, 2007

Leonore Geisselbrecht-Taferner:
Die Garten-Detektive
Ökotopia Verlag, 2005

29. Oktober 2009

Pilze für Madeleine

Pilze bilden in der biologischen Klassifikation zwar neben Tieren und Pflanzen ein eigenes Reich. In den letzten Wochen sind aber in unserem Garten „draussen“ einige Exemplare in der Wiese aufgetaucht, so dass ich ihnen nun im Sofagarten auch einen Platz anbiete.

Holger Haglund arbeitet als Lagerverwalter. Seine ganze Leidenschaft gilt den Pilzen. Drachenpilz, Wolfsblut, Fliegenpilz, Täubling, Stinkmorchel, Stockschwämme und viele andere mehr – er kennt sie alle und weiss Bescheid über Nutzen und Gefahren. Sein umfangreiches Wissen gibt Holger in Pilzkursen weiter und diese Seminare wirken wie Magnete auf die Frauen.

Seit Holgers Ehe mit einer früheren Kursteilnehmerin nach wenigen Jahren auseinanderbrach, lebt er mit seinem inzwischen erwachsenen Sohn Gunnar in einer Hütte mitten im Wald. Eines Tages nimmt die schöne Madeleine an einem von Holgers Pilzseminaren teil. Vater und Sohn verlieben sich beide in die reiche Schlossbesitzerin. Schliesslich heiraten Holger und Madeleine und ziehen auf deren Schloss in Frankreich. Während sich für Holger mit der Trüffeljagd ein neues interessantes Feld auftut, führt der junge Haglund ein Einsiedlerleben im schwedischen Wald und es zerreisst ihn beinahe vor Sehnsucht nach Liebe und nach Madeleine.

Schon seit seiner Kindheit steht der Ich-Erzähler Gunnar im Schatten seines dominanten Vaters. Nachdem Holger seinem Sohn von der aphrodisierenden Wirkung eines schleimigen Höhlenpilzes erzählt, wähnt sich Gunnar am Ziel seiner Fantasien. Er mischt seiner Stiefmutter diesen Pilz ins Essen - ohne zu ahnen, dass hinter dem Tipp seines Vaters ein heimtückischer Plan steckt. Gunnars Vorhaben misslingt und seine Träume von der Verführung von Madeleine enden in einem Desaster.

Fast ohne es zu merken, werden Sie bei dieser Lektüre eine Menge über Pilze erfahren!

Falls Sie noch mehr über Pfifferlinge, Morcheln und Co. lesen wollen: im Roman „Die dunkle Seite des Mondes“ von Martin Suter spielen halluzinogene Pilze eine wichtige Rolle.



Marie Hermanson:
Pilze für Madeleine
Suhrkamp Verlag, 2009

25. Oktober 2009

The Snowdrop Garden

Der Engländer Ben lernt an der Frankfurter Buchmesse die Slowakin Katka kennen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten möchten sich die beiden näher kennenlernen und Ben fährt im Anschluss an die Messe mit Katka in ihre Heimat. Während dieser Tage in der Slowakei müssen die beiden etliche kulturelle Missverständnisse überwinden, die Beziehung wird aber weitergeführt. Die Geschichte dümpelt etwas vor sich hin und der Leser erfährt beispielsweise, dass im Osten die Bananen anders geschält werden als in England.

Zuhause verdient Ben sein Geld als Cartoonist und widmet seine ganze Freizeit den Schneeglöckchen, die seinen Garten zur Blütezeit in eine umwerfende weisse Pracht verwandeln. Dazu gehört das Ersteigern von Zwiebeln im Ebay, Chatten in Galanthus-Foren sowie das Besuchen von Schneeglöckchen-Anlässen (die Nettetaler Schneeglöckchen-Tage werden übrigens auch erwähnt). Eine ältere Freundin, Lady Cherington, die ebenfalls den Schneeglöckchen verfallen ist, steht kurz davor, ihr Haus und ihren Garten räumen zu müssen, weil ihr Mann das gesamte Vermögen verspekuliert hat. Ben und Katka möchten unbedingt verhindern, dass diese einmalige Schneeglöckchen-Kollektion auseinanderfällt.

Sie selber haben zwar (noch) keine herbstblühenden Schneeglöckchen, zählen sich aber doch schon zu den Galantophilen? Dann hätte ich Ihnen diesen Roman gerne als perfekte Überbrückung der Wartezeit und als Einstimmung auf die nicht mehr so weit entfernte Hauptblütezeit ihrer Gartenschätze empfohlen. Leider sind meine Erwartungen an die Lektüre dieses Buches nicht ganz erfüllt worden.

Auf den ersten zwei Dutzend Seiten hatte ich gar das Gefühl im falschen Film zu sitzen bzw. Im falschen Buch zu lesen (falsches Buchseiten in Umschlag gebunden - alles schon vorgekommen...). Der Autor hat in diese Erzählung Schneeglöckchen, Liebesgeschichte, ein bisschen Komödie und internationale Drogengeschäfte gepackt. Mir fehlte der rote Faden und die Spannung kam auch zu kurz. Mühsam fand ich es, mich durch Katkas nicht perfekte Englisch-Kenntnisse lesen zu müssen.

Martin Baxendale ist selber Cartoonist und hat in seiner Backlist Titel wie „Ihr neues Baby – Gebrauchsanweisung“, und die saloppe Art, wie solche Bücher geschrieben sind, lässt sich auch in diesem Roman nicht verleugnen. Der Autor ist ausserdem selber leidenschaftlicher Schneeglöckchen-Sammler und, wie sich im Internet mit wenigen Klicks leicht herausfinden lässt, auch in einschlägigen Foren von Gleichgesinnten anzutreffen. Welche anderen Themen aus der Erzählung wohl sonst noch autobiographisch sind?



Martin Baxendale:
The Snowdrop Garden
Silent but Deadly Publications, 2009

23. Oktober 2009

The White Garden

Am 28. März 1941 packte die gute Schwimmerin Virginia Woolf einen grossen Stein in ihre Manteltasche und ertränkte sich im Fluss Ouse. Ihre Leiche wurde erst drei Wochen später entdeckt. Die Autorin Stephanie Barron stellt nun in ihrem Buch „The White Garden“ die Frage, was wäre, wenn sich Virginia Woolf nicht wie allgemein angenommen an diesem Tag umgebracht hat, sondern bei ihrer Freundin und früheren Liebhaberin Vita Sackville-West untergetaucht ist?

Die Amerikanerin Jo Bellamy kommt nach Sissinghurst, um im Auftrag eines Kunden den Weissen Garten zu studieren. Gleichzeitig möchte sie ihren Aufenthalt in Kent dazu nützen, um Näheres aus dem Leben ihres Grossvaters Jock aus der Zeit des 2. Weltkriegs zu erfahren. Kurz nachdem Jo ihrem Grossvater von ihrem grossen Auftrag in England erzählt hat, hat sich dieser nämlich ohne Angabe von Gründen umgebracht. Da ihr Grossvater als Junge als Gärtner auf Sissinghurst arbeitete, glaubt sie, an seinem Freitod Schuld zu sein.

In einem Geräteschuppen auf Sissinghurst entdeckt Jo ein Buch mit der Aufschrift „Jock's Book“. Die Chefgärtnerin Imogen erlaubt ihr, den Fund auszuleihen. Nach der Lektüre vermutet Jo, dass das Buch von Virginia Woolf persönlich verfasst worden ist. Statt es wie versprochen nach Sissinghurst zurückzubringen, fährt Jo nach London, um abzuklären, ob ihre Vermutungen zutreffend sind.

Peter Llewellyn, ein auf seltene Bücher spezialisierter Angestellter von Sotheby's, glaubt ebenfalls, dass die Handschrift von Virginia Woolf sein könnte, stellt aber sofort fest, dass die Daten der Einträge, die exakt am 29 März 1941 beginnen, dagegen sprechen. Also überredet Peter Jo, seine Ex-Frau und Woolf-Spezialistin beizuziehen ...

Speziell empfehlenswerte Lektüre für Liebhaber von Fiktion gemischt mit echten Biografien. Der Roman enthält neben Einzelheiten zu Leben und Werk von Virginia Woolf auch zahlreiche Details über Vita Sackville-West und Sissinghurst.



Stephanie Barron:
The White Garden
Bantam Books, 2009

21. Oktober 2009

Tales as tall as a Sunflower

Eine Sammlung von humorvollen Geschichten von Stephen Butterman ist unter dem Titel „Tales as tall as a sunflower“ erschienen. Diese erzählen beispielsweise von botanischer Korrektheit oder militanten Honigbienen und sind nicht alle ganz ernst zu nehmen. Die Kurzgeschichten tragen Titel wie „Terrorist Garden Plot uncovered“, A Date to forget“ oder „Meeting my (other) self in the Garden“.

Witzig ist etwa der Beitrag, in dem der Autor sich bemüht seine Nichten und Neffen aus dem Garten fernzuhalten (denen er übrigens das Buch gewidmet hat), weil diese in ihrem Übereifer mehr stören als helfen, wenn sie etwa ganze Pflanzen ausreissen statt nur reifes Gemüse zu ernten. Um dieses Problem zu lösen, sucht er im Internet nach Hilfe, findet aber nur zu Webseiten, wie Kinder fürs Gärtnern zu begeistern sind und keine, wie sie davon abgehalten werden können. Um im Garten ungestört arbeiten und ernten zu können, schickt er deshalb die Jungmannschaft an den Computer. Diese soll das World Wide Web nach Informationen über Gemüse durchforsten. Schon nach kurzer Zeit kehren die Kinder zurück und präsentieren ihre Resultate. Die Ergebnisse, welche sie auf Stichworte wie „hot peppers“ erhielten, waren nun nicht gerade das erhoffte (und gar nicht kindergerecht) ...

Für Leserinnen und Leser, die witzige Geschichten rund ums Gärtnern angereichert mit Gedanken über Politik und Kinder mögen.



Stephen Butterman:
Tales as tall as a sunflower
Bellissima Publishing, 2009

18. Oktober 2009

Überdosis an Büchern?

Gestern Samstag habe ich den Sofagarten wieder einmal verlassen und habe in Begleitung meiner Tochter die Frankfurter Buchmesse besucht. Wir sind am Donnerstag in einer Buchhandlung jenseits der Grenze auf ein Angebot zu einem Ausflug an die Messe gestossen, dessen Verlockung wir nicht widerstehen konnten. Der gestrige Tag war dann wir erwartet sehr lang und streng, und vom vielen Herumlaufen war ich erschöpfter als letzthin nach einem Halbmarathon. Doch wir waren beide zufrieden und haben ja noch den Sonntag zur Erholung bevor der Alltag wieder losgeht.

Meine Tochter hat ihre Buchzeichensammlung um etliche Exemplare erweitert und ich liebäugle natürlich wieder mit dem einen oder anderen Buch. Die riesige Menge der ausgestellten Bücher fand ich nicht mehr ganz so beeindruckend wie bei meinem ersten Besuch an der Messe vor ein paar Jahren. Viele bekannte Bücher aus dem heimischen Gestell waren ausgestellt und Titel, die auf dem Wunschzettel stehen, konnten auf ihre „Tauglichkeit“ durchgeblättert werden.

Unter diversen anderen Büchern interessieren mich Ralph Dutlis Kulturgeschichte über die Oliven, während ich den präsentierten Roman „Die Spucke des Teufels“ von Ella Theiss über die Bemühungen von Friedrich II., seinem Volk die Kartoffeln schmackhaft zu machen, eben letzte Woche fertig gelesen habe und diesen nicht besonders mitreissend fand. Der Hunger nach Büchern ist also nicht gestillt, ich habe aber wieder einmal festgestellt, dass ich im Internet doch am schnellsten und einfachsten zu meiner Lieblingslektüre komme (obwohl leider die deutschen Bücher im Gegensatz zu den englischen meist nicht nach Stichworten durchgesucht werden können). Näheres über die Entdeckungen demnächst.

PS: Vielleicht könnte uns ein Eingeweihter noch erklären, was es für eine Bewandtnis mit den vielen verkleideten Messebesuchern auf sich hat?

14. Oktober 2009

Persönliche Gartenparadiese

Kann einer je genügend Gartenbücher zum Schwelgen und als Quelle für neue Inspirationen auf dem Bücherregal stehen haben? Diese Frage, muss jeder für sich selber beantworten. Eine neue Verlockung aus dem aktuellen Herbstprogramm des Callwey Verlags macht einem die Entscheidung wahrscheinlich auch nicht leichter. Der verschwenderisch illustrierte Bildband „Die schönsten privaten Gärten“ von Oliver Kipp erlaubt einen Blick hinter Gartenzäune, die sonst zumeist keinen Einlass gewähren und lässt einen in den unweigerlich nahenden dunklen Wintermonaten vom noch weit entfernten Frühling und Sommer träumen.

Die dreissig mehrheitlich grossen vorgestellten Gärten sind im Stil ebenso verschieden wie ihre Besitzer. Asiatisch inspirierte Anlagen und englische Gärten sind ebenso vertreten wie ein Rhododendron-, ein Rosen- oder ein Naturgarten und ein von Hortensien und Buchs dominiertes Paradies. Dass nicht nur parkähnliche Gärten ihren Reiz haben, beweisen ein Bonsai- und ein Künstlergarten. In einzelnen der vorgestellten Gärten wird seit über 40 Jahren an der Perfektion gefeilt.

Nicht alle der portraitierten Gärtner mögen den Grossteil ihrer Freizeit mit Jäten, Rasenmähen und anderen gärtnerischen Tätigkeiten ausfüllen. Im Gegenteil, das Motto einer Rosengärtnerin aus dem Périgord lautet „Der Quotient aus Arbeit und Freude muss stimmen, und ich möchte eigentlich einen Garten zum Geniessen“. Erreicht hat sie dieses Ziel, indem alle Beete mit einer Folie abgedeckt und die Rosen durch Löcher an die gewünschten Stellen gepflanzt hat. Die Folien, die Unkraut abhalten und die Feuchtigkeit im Boden speichern, wurden mit Kies abgedeckt.

In kurzen Texten verraten die Besitzer näheres über ihre Leidenschaft, Motivation, Inspirationen, Ideen und den einen oder anderen Tipp. Das Geschriebene wird ergänzt durch wunderschöne gross- und kleinformatigen Fotos. Abgerundet werden die Portraits durch einen Steckbrief, der Informationen über Grösse, Beschreibung, Schwerpunkte, Vorbilder und allfällige Besuchsmöglichkeiten gibt.

Ein Buch zum Schwelgen und Ideensammeln!


Oliver Kipp:
Die schönsten privaten Gärten
Callwey Verlag, 2009

11. Oktober 2009

Herbstferienlektüre

Während unser Nachtessen, Rotkraut nach einem Rezept von Paul Bocuse, vor sich hin köchelt, habe ich einen Moment Zeit, die während unserem Kurzurlaub in eben dessen Heimatstadt Lyon gelesenen Bücher zusammenzufassen.

In „Unter blauem Himmel“ von Sarah Duncan spielt die Gartenhistorikerin Anna die Hauptrolle. Die frisch geschiedene Endzwanzigerin lernt anlässlich ihres neuesten Projektes den Enkel ihrer Auftraggeberin kennen und erliegt dessen Charme. Anna, deren bisheriges Leben von Vernunft geprägt war, kommt unter dem Einfluss von diesem Oliver immer weiter von ihren Zielen ab. Sie geniesst das Leben in allen Zügen, was nicht ohne Folgen bleibt. Ihre Arbeit leidet genau so unter ihrem neuen Lebenswandel wie ihre alten Freundschaften. Gartengeschichte und Gärten spielen eine wichtige Rolle im Roman.

Inzwischen habe ich auch herausgefunden wie gross (oder eben nicht) der hortikulturelle Hintergrund des französischen Bestsellers „Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbery ist.
Der Roman handelt von den wohlhabenden Bewohnern eines Wohnhauses in Paris – erzählt aus der Sicht einer enorm belesenen Concierge und einer Zwölfjährigen, die entschlossen ist, Selbstmord zu begehen und die Wohnung anzuzünden. Nicht zum ersten Mal habe ich anlässlich dieser Lektüre festgestellt, dass mir Bücher, die anscheinend alle Welt gut findet, nicht unbedingt zusagen (nicht nur wegen dem Minimum an gärtnerischem Hintergrund!). Ich war mehr als einmal versucht, den Titel ungelesen wegzulegen. Nachdem ich aber - wie meistens - den Schluss des Buches vorgezogen habe, musste ich dann doch meine Neugierde stillen und erfahren, wieso es gerade zu diesem Ende kommt ...

„Wenn das nicht Liebe ist“ von Clare Chambers erzählt die Geschichte der Familie Fairchild. Ein eindrücklicher Roman über eine Familie mit sehr bescheidenem Einkommen und grossem Herzen aus der Sicht der Tochter. Bei der Lektüre musste ich oft laut lachen, obwohl die Situationen eher tragisch komisch waren. Obschon ganz am Anfang des Buches ein Garten erwähnt wird und sich ein Protagonist am Schluss noch als Gartenarchitekt entpuppt, kein Titel mit Gartenbezug, aber unbedingt lesenswert!



Muriel Barbery:
Die Eleganz des Igels
dtv, 2009

Clare Chambers:
Wenn das nicht Liebe ist
Goldmann Verlag, 2005

Sarah Duncan:
Unter blauem Himmel
Diana Verlag, 2008


PS an M.: Das Buch hat mir auch ausgezeichnet gefallen und weist ja einige erstaunliche Parallelen auf ...

8. Oktober 2009

Dschungelgeschichten

Tom Hart Dyke (Jahrgang 1976) entwickelte schon als junger Schüler eine starke Faszination für Orchideen. Der Pflanzenfanatiker war schon zwei Jahre auf Weltreise, als ihn seine Passion im Jahr 2000 nach Zentralamerika führte, wo der moderne Pflanzenjäger auf der Suche nach seltenen Orchideen war. In Mexiko lernte er den Abenteurer und Landsmann Paul Winder kennen und die beiden beschlossen entgegen aller Vernunft, das gefährliche Gebiet Darien Gap – bestehend aus Dschungel, Sumpf, Drogenschmugglern und Militär - zwischen Panama und Kolumbien zu bereisen. Und die beiden wurden prompt nach sechs Tagen, wenige Stunden von der kolumbianischen Grenze entfernt, von FARC-Rebellen entführt. Tom Hart Dyke hatte in den nunmehr 24 Monaten, die er schon in der Welt umherreiste, praktisch keinen Kontakt mit seiner Familie. Deshalb dauerte es auch längere Zeit bis seine Angehörigen in England realisierten, dass er von FARC-Rebellen gefangen gehalten wurde.

Neun lange Monate mussten Tom Hart Dyke und Paul Winder in den Händen ihrer Entführer ausharren und wurden immer wieder mit dem Tod bedroht. Im Buch „The Cloud Garden – A True Story of Adventure, Survival and extreme Hortiuculture“ schildern die beiden die Strapazen ihrer Gefangenschaft. In dieser physisch und psychisch ungemein anstrengenden Zeit, begann Tom Hart Dyke mit dem Entwurf für einen Garten in der Form der Weltkarte, den er auf dem elterlichen Schloss Lullingstone Castle anlegen wollte. Pflanzen, die er auf seinen Planthunting-Trips gesammelt hatte, sollten dort ihrer Herkunft gemäss eine neue Heimat auf dem richtigen Kontinent und im richtigen Land finden.

Nach seiner Freilassung machte sich Tom Hart Dyke daran, seine Gartenumgestaltungspläne umzusetzen. Dieses Unternehmen war dann auch die Basis einer BBC-Serie sowie die Grundlage für das zweite Buch „An Englishman's Home – The Adventures of an eccentric Gardener“. Der Pflanzenenthusiast repräsentiert die 20. Generation seiner Familie, die auf Schloss Lullingstone lebt. Mit dem neu geschaffenen Touristenanziehungspunkt in Form des Weltgartens hofft er, den Grundbesitz für kommende Generationen erhalten zu können.

Spannende Abenteuer-/Reiseerzählung! Die Bücher sind in sich abgeschlossen, ich würde aber dennoch empfehlen, mit dem „Wolken-Garten“ zu beginnen.



Tom Hart Dyke and Paul Winder:
The Cloud Garden
First Lyons Press edition, 2004

Tom Hart Dyke:
An Englishman's Home
Bantam Press, 2007

30. September 2009

Frisch gegossen ist noch nicht geerntet

Hin und wieder entdecke ich auch auf einem Remittenden-Tisch Lesefutter für eine vergnügliche Lektüre. Ein Umschlagbild mit etwas viel Pink, einer blauen Spritzkanne, einer Lilienblüte sowie Rosen auf Kleid und Gummistiefel verleiteten mich dazu, das Taschenbuch genauer unter die Lupe zu nehmen. Und siehe da, eine wichtige Rolle im Roman spielt ein Gartenwettbewerb, an dem die Bewohner eines englischen Dorfes teilnehmen.

Alice wohnt mit ihrem dreijährigen Sohn Alfie in einem Dorf in der Nähe von London. Alfies Vater hat sie wegen seiner Sekretärin sitzengelassen. Der Alltag von Alice als alleinerziehende Mutter und ihre Freundschaft mit Molly sowie das Drumherum um den Gartenwettbewerb spielen die Hauptrolle im Buch. Es gibt keine besonderen Höhen und Tiefen in der Geschichte, wenn man davon absieht, dass Molly kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes von ihrem Mann betrogen wird.

Kurz zusammengefasst: eine leichte, anspruchslose Lektüre mit fast durchwegs sympathischen Charakteren. Und die einzige unsympathische Person wird rechtzeitig aus der Geschichte „entfernt“ ... Während der Lektüre habe ich oft an die Zeit der ersten Lebensjahre meiner Kinder zurückgedacht und bin ganz froh, dass sie inzwischen doch grösser und selbständiger sind.

Nicht ganz kapiert habe ich, weshalb eine Landschaftsarchitektin (Beruf von Alice gemäss Umschlag) keine Ahnung von Pflanzen hat. Ein Übersetzungsfehler? Schliesslich scheint sie sich beruflich hauptsächlich mit dem Bau von Küchen herumzuschlagen.



Gil Mc Neil:
Männer und andere Exoten
Piper Verlag, 2006

27. September 2009

The Purest of Human Pleasures

Jetzt habe ich mich ungefähr zwei Wochen durch obiges Buch gelesen, um nicht sagen gequält. Nun, ganz so schlimm war es eigentlich nicht, aber ein Vergnügen wie der Titel einen vielleicht vermuten lassen könnte, war es nicht. Nicht zuletzt lässt mich das offene Ende ziemlich konfus zurück. Aber nun mal schön der Reihe nach.

Die Erzählung dreht sich um Morris Bunter und seine 19jährige Tochter Kate. Morris geht völlig in seiner Arbeit als Gärtner auf und die Studentin Kate hilft ihm gelegentlich aus. Als Morris in einem Garten Arbeiten ausführen soll, entdeckt er in einem Astilben-Beet die Leiche einer Kundin, deren Grundstück an jenes von Professor Ingoldsby grenzt.

Das Leben der Bunters wird davon überschattet, dass Kate an der Universität von eben diesem Ingoldsby sexuell belästigt worden ist. Und nicht erst seit diesem Vorfall führt sich Morris, der verwitwete (Mutter-)Vater, sich fast wie eine Glucke auf.

Morris trauert auch Jahre nach ihrem Krebstod um seine Frau, scheint aber nun bereit, die Beziehung zu seiner Nachbarin Nancy vertiefen. Doch wo immer er sich bewegt, überall scheint Ingoldsby aufzutauchen und sich in sein Leben zu drängen.

Der Mord an Morris Bunters Kundin bleibt im übrigen nicht der einzige in dem beschaulichen Vorort von Montreal. Doch während des ganzen Buches hat man nicht den Eindruck, dass besondere Bemühungen unternommen werden, diese Taten aufzuklären (was einen als Leser doch etwas verwirrt, auch wenn das Buch kein Krimi ist).

Morris sieht sein ganzes Leben sozusagen durch eine hortikulturelle Brille und die Erzählung ist durchgehend „grün“ eingebettet. Der gärtnerische Hintergrund nimmt denn auch einen grossen Platz im Buch ein. Viele Gedankengänge von Morris kann ich als Leserin auch gut nachvollziehen. Alles in allem aber eine konfuse Lektüre.



Kenneth Radu:
The Purest of Human Pleasures
Penguin Books, 2005

23. September 2009

Über die menschliche Seite des Gärtnerns

Wie gewohnt pünktlich zum Jahreszeitenwechsel lag Ende letzter Woche die Herbstausgabe von „Greenprints“ im Briefkasten. In der vierteljährlich erscheinenden Publikation aus den USA, die nun seit genau 20 Jahren herauskommt, wird nicht How-to-do-Gardening vermittelt, wie dieses in beinahe unzähligen Zeitschriften abgehandelt wird. So wird der Leser vergeblich eine Rubrik suchen, die angibt, welche Arbeiten im Herbst im Garten erledigt werden sollen.

In „Greenprints“ erscheinen von Lesern und Leserinnen eingesandte Beiträge ebenso wie Artikel von regelmässig für die Quartalsschrift schreibenden Autoren. Ab und zu werden auch Kapitel aus Gartenbüchern von Autoren wie Beverley Nichols, Karel Capek oder Elisabeth von Arnim abgedruckt. Allen Beiträgen gemeinsam ist, dass sie die menschliche Seite des Gärtnerns reflektieren: Freud, Leid, Humor, Trauer, Hoffnung, Freundschaft ...

Da gab es beispielsweise mal eine Geschichte über einen todkranken Mann, der in seinem letzten Herbst Freunde beauftragt hatte, im Garten eine Menge Blumenzwiebeln zu vergraben und so seiner Frau im Frühjahr nach seinem Tod ein unerwartetes, reich blühendes Geschenk vermachte. Oder eine Episode über einen Mann, der ein Mädchen aus einem brennenden Haus gerettet hatte. Nachdem dieses Mädchen mit seiner Familie weggezogen war, erhielt der Retter jedes Jahr zum Dank eine Amaryllis. Die verschiedenen Exemplare blühten auch immer wunderschön. Doch eines Winters wollte das Pflanzengeschenk nicht gedeihen. Wie der Retter später erfuhr, war das Mädchen genau zu jener Zeit verstorben.

Die rund 80 Seiten umfassende Zeitschrift in halber A4-Grösse ist schwarz/weiss illustriert und wird von Pat Stone und seiner Familie herausgegeben. Texte und Bilder können und sollen nicht mit der Qualität und Ansprüchen des englischen Journals Hortus verglichen werden, die Abopreise sind denn auch entsprechend unterschiedlich.

101 Geschichten aus früheren „Greenprints“-Ausgaben sind vor einiger Zeit in Buchform erschienen: „Chicken Soup for the Gardener's Soul – 101 Stories to sow seeds of love, hope and laughter“. Falls sich jemand näher für dieses Buch interessiert, kann er im Internet darin blättern. Mehr Infos zu „Greenprints“, wie Abokonditionen, Back-Issues, CD's usw. gibt's auf www.greenprints.com.

18. September 2009

Gartenträume

Das dritte nicht mehr gerade druckfrische Gartenbuch der Österreicherin Gerda Walton habe ich schon öfters in der Buchhandlung durchgeblättert. Weil ich die Bildqualität ziemlich enttäuschend fand, habe ich aber von einem Kauf bis anhin abgesehen. Nun habe ich ein etwas lädiertes herabgesetztes Exemplar ergattert und bin doch noch zu meiner Lektüre gekommen.

Die Autorin hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und leitet seit Jahren Gartenreisen. Nun lädt sie ein auf eine Buch-Gartenreise durch 13 ihrer Lieblingsgärten. Diese liegen weit verstreut auf verschiedenen Kontinenten. Neben Inverewe im Hochland von Schottland, Vitas Sissinghurst und dem Keukenhof in Holland werden auch Gärten in Singapur und auf Madeira besucht.

In der Rubrik „Einst und jetzt“ erfährt der Leser einen kurzen geschichtlichen Überblick des jeweiligen Gartens und die Ausführungen werden neben Fotos mit passenden Weisheiten ergänzt. Den Abschluss des Buches bilden Reisetipps mit Details zu Lage, Öffnungszeiten, bester Besuchszeit usw.

Die teilweise recht unbefriedigende Bildqualität (schade!) wird durch die angenehme Reiseleitung mit detailliertem Hintergrundwissen wettgemacht. Etwas irritierend finde ich allerdings, wenn im Kapitel über den italienischen Garten der Villa Taranto wiederholt von Tessiner Pfingstrosen die Rede ist. Der eine oder andere Leser findet sicher Ideen für eigene Gartenreisen. Und wem die Lektüre gefallen hat, mag vielleicht auch in Waltons Bücher „Die blaue Gartentür“ oder „Garteln in Tirol“ hereinschauen.



Gerda Walton:
Gartenträume – Inspirationen aus berühmten Gärten
AV Buch/Österreichischer Agrarverlag, 2007

14. September 2009

Die Comtesse

Die Comtesse Héloise de Clément-Barentin wird gegen ihren Willen an den Hof von Ludwig XIV. von Frankreich geschickt. Sie weiss nicht, dass ihre Familie inzwischen verarmt ist und ihre Eltern hoffen, dass sie sich vorteilhaft verheiraten kann. Als Gesellschaftsdame der Königin geniesst Héloise rasch die Gunst des Königs, was ihr aber die Missgunst von drei Adligen einträgt.

Ludwig XIV. möchte der ganzen Welt seine Macht präsentieren und einen repräsentativen Palast samt riesigen Gartenanlagen vor Paris erstellen lassen. Die besten Baumeister im Land werden auserwählt, um das Jagdschlösschen seines Vaters in Versailles zu erweitern und der Auftrag für die Gartengestaltung geht an den Landschaftsarchitekten André le Nôtre.

Héloise macht die Bekanntschaft von Le Nôtre und die beiden verlieben sich ineinander. Doch die junge Comtesse ist in ein Netz von Intrigen geraten. Le Nôtre, der seinen Verpflichtungen mehr verbunden ist als seiner Geliebten, wird nicht sehr sympathisch dargestellt. So verschweigt er Héloise auch, dass er bereits verheiratet ist.

Ich hatte etwas Mühe, in diese fiktive Geschichte um den Sonnenkönig und seinen Gärtner einzutauchen und war am Anfang mehrmals nahe daran, das Buch ungelesen wegzulegen. Die Gestaltung der Gärten und der Gärtner, die gemäss Umschlag Hauptthema sind, spielen eher eine untergeordnete Rolle. Der Stoff wäre sehr interessant, doch die Handlung ist leider nicht besonders spannend und auch die dem 17. Jahrhundert angepasste Sprache ist gewöhnungsbedürftig. Das Ende dieses historischen Romans erscheint ziemlich abrupt und vieles bleibt offen. Ob dies auf eine geplante Fortsetzung hindeutet? Ob ich eine solche lesen würde, muss ich ja nicht gerade heute entscheiden …



Amalia N. Kardonas:
Die Comtesse
Edition BOD (Books on Demand), 2007

11. September 2009

The Flowerpot Man

Lust auf eine etwas verrückte Lektüre? Auf ein Buch, das schon als männliche Version von Bridget Jones bezeichnet wurde? Der britische Schauspieler Robin Kermode war kurz nach seiner eigenen Scheidung durch einen Unfall rund ein halbes Jahr in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Diese Zeit verbrachte er zu einem grossen Teil im Garten, wo er ein fiktives Scheidungs-Tagebuch zu Papier brachte. Herausgekommen ist eine tragisch-komische Geschichte über die Tage zwischen dem vorläufigen und dem definitiven Scheidungsurteil in Sachen Will Foster und seiner fast Ex-Frau Liz. Was an der Erzählung alles autobiographisch ist, weiss wohl nur der Autor selber.

Der Gärtner und „Flowerpot Man“ Will wird in 43 Tagen wieder offiziell Single sein. Solange dauert es genau noch, bis seine Scheidung von Liz rechtskräftig wird. Diese Tage sind aufgefüllt mit der Beerdigung einer Katze, Dutzenden wenn nicht Hunderten von SMS, einer unverhofften Erbschaft, einem Polizeiverhör, Affären, einer (Schein-)Schwangerschaft, einem Taschendiebstahl, der längere gesundheitliche Folgen nach sich zieht und Will den nicht gerade schmeichelhaften Übernamen „ Mr. Flopman“ sowie eine gewisse lokale Berühmtheit einbringt. Zwischen all diesen Turbulenzen geht Will auch seiner Arbeit als Gärtner nach und gibt seine Liebe zum Beruf auch an seine Nichte weiter.



Robin Kermode:
The Flowerpot Man
Pendle Publishing, 2007

8. September 2009

The French Gardener

Das (Lese-)Jahr 2009 ist schon wieder zu fast zweit Drittel vorbei und doch kann ich mich spontan an keinen Roman erinnern, der mich dieses Jahr ähnlich stark berührt hat, wie im vorigen Jahr „The French Gardener“ von Santa Montefiore. Ein Buch, auf welches ich zufällig beim Googeln gestossen bin und dessen Charaktere sehr lebensnah gezeichnet sind und an das ich mich gerne zurückerinnere. Unter der Kategorie „Romane“ gehört es eindeutig zu meinen Favoriten um die „Lieblingslektüre 2008“. Leider ist das Buch vorderhand nur auf englisch erhältlich, aber die Titel der Autorin erscheinen laufend auch auf deutsch, so dass man (oder eher frau) auf eine Übersetzung hoffen darf. Und inzwischen bin ich weiterhin gespannt, ob ich bis Ende dieses Jahr noch ein Buch lese, dem ich eindeutig Platz 1 unter „Lieblingstitel 2009“ zuordnen kann. Nun aber ein paar Worte zum Inhalt:

Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts lebt Ava mit ihrem Mann Philipp und ihren Kindern auf Hartington House. Das Ehepaar ist glücklich verheiratet, obwohl oder vielleicht gerade weil Philipp deutlich älter ist als seine Frau. Ava ist eine leidenschaftliche Mutter und Gärtnerin. Als ihr Mann den Franzosen Jean-Paul, den Sohn einer Geschäftsbekanntschaft, einlädt, ein Jahr in ihrem Daheim zu verbringen, ist sie alles andere als begeistert. Doch wider Erwarten kommen sich die beiden näher. Insbesondere die vielen Stunden, die sie gemeinsam im Garten verbringen, verbinden die beiden. Zwischen den beiden beginnt eine grosse Liebe zu wachsen, doch Ava kann und will ihren Mann und die drei kleinen Kinder nicht verlassen.

Rund 25 Jahre später zieht die Journalistin Miranda mit ihrer Familie aufs Land, auf Hartington House. Während Miranda ein Buch schreiben will, arbeitet ihr Mann David weiterhin in London und die beiden entfremden sich immer mehr und ihre Kinder sitzen lieber vor dem Fernseher als im grossen Garten zu spielen.

Da erscheint ein rätselhafter französischer Gärtner. Er bringt Miranda und ihren Kindern das Landleben näher. Doch was steckt für ein Geheimnis hinter diesem Gärtner?

Teilweise lässt sich die Handlung erahnen. Doch die Erzählung wird nie zu unglaubwürdig. Ein traurig-schöner Roman!



Santa Montefiore:
The French Gardener
Hodder & Stoughton, 2008

5. September 2009

Paradies mit Laube – Das Buch über Deutschlands Schrebergärten

Schrebergärten, in der Schweiz auch „Pünten“ genannt, erfreuen sich zur Zeit einer grossen Beliebtheit und die Nachfrage nach einem Stück Land auf Pacht ist oft höher als das Angebot. Vom Glück auf solchen Mietparzellen erzählt der Garten- und Landschaftsarchitekt Stefan Leppert im reich illustrierten Buch „Paradies mit Laube“. Der gelernte Gärtner beackert selber ein 500m2-Grundstück in einer kleinen Anlage. Für die Recherchen zu seiner neuen Publikation hat er zwei Sommer lang Kleingärten querbeet durch Deutschland besucht und dabei Informatives und Unterhaltsames zusammengetragen über jene Gärtner, denen der Ruf anhaftet, die Giftspritze zu grosszügig einzusetzen und engstirnige Spiesser zu sein.

Die ersten Kapitel befassen sich mit der Geschichte der Kleingärten und den dahinter stehenden Organisationen. Ein Ausschnitt aus einem hundertjährigen Tagebuch gibt einen Einblick über verschiedene Sorgen und Nöte. So beklagt ein Eintrag von 2007, dass jüngere Mitglieder keinen Gemeinschaftssinn aufweisen, während 1938 einem Pächter die Parzelle wegen Unkraut gekündigt wurde.

Weitere Beiträge handeln beispielsweise von Kunst und Kultur oder Modelleisenbahnen im Schrebergarten, von Gartenzwergen und von dem Aufruhr, den die Übernahme des Vorsitzes eines Kleingartenvereins durch einen Türken verursacht hat. Auch Stadtplanung und bedrohten Anlagen sind ein Thema. Es wird darüber berichtet, dass eine hundertjährige Kleingartenanlage bzw. das Land, auf welcher sich diese befindet, verkauft werden soll, um eine anderswo anscheinend nötige (Luxus-)Lärmschutzanlage zu finanzieren. In all diesen Hintergrundgeschichten kommen selbstverständlich auch die Schrebergärtner selber nicht zu kurz. Die portraitierten Gartenfreunde scheinen im übrigen durchaus sympathisch und vernünftig zu sein.

Den Abschluss der interessanten Lektüre bildet eine Utopie über den Schrebergarten im Jahr 2035. So sollen dann zumal Kleingartenanlagen die preisgünstigsten Altenheime im Freien sein und Kleingarten-Mitglieder erhalten von der Krankenkasse einen Rabatt auf ihre Beiträge. Lassen wir uns überraschen ...

Dieses Buch hat mir ebenso gut gefallen wie Lepperts Titel „Hinter meiner Hecke – Gartenarchitekten zeigen ihre Gärten“, während mir das letztjährige Buch „Zwischen Gartengräsern – Wolfgang Oehme und seine grandiosen Gärten in der Neuen Welt“ in etwas weniger positiver Erinnerung geblieben ist. In der an und für sich sehr interessanten Biographie, war mir der Gräserpapst zu mustergültig dargestellt.



Stefan Leppert:
Paradies mit Laube – Das Buch über Deutschlands Schrebergärten
Deutsche Verlags-Anstalt, 2009

2. September 2009

Schnäppchen (Fortsetzung)

Ich habe an dieser Stelle schon einmal etwas Werbung für den Bücher-Restseller Jokers gemacht (obwohl die das sicher nicht nötig haben). Nun sind zwar die versandkostenfreien Wochen eben zu Ende gegangen, aber ich möchte doch noch einen Tipp loswerden.

Der auf Garten- und Naturbücher im weiteren Sinne spezialisierte Verlag Heinrich & Hahn hat ja per Ende 2008 nach nur vier Jahren seine verlegerische Tätigkeit ja leider wieder eingestellt. Eine Tatsache, die ich sehr bedaure, die mich aber nicht wirklich erstaunt. Das Positive daran ist – wenn man das mal so nennen darf -, dass nun einige der Titel aus dem Programm bei Jokers im Moment zu stark herabgesetzten Preisen erhältlich sind. Es lohnt sich also zuschlagen, falls man sich noch das eine oder andere Buch kaufen will (und falls man dies nicht vorher schon zu happigeren Preisen getan hat!).

Erhältlich sind unter anderem noch:

„Der Apfelbaum“ von Daphne Du Maurier
„Grüne Liebe, Grünes Gift“ von Hanne Kulessa (Herausgeberin)
„Mein Garten(Buch)“ von Jamaica Kincaid
„Rausch & Rache“ von Elsemarie Maletzke (Herausgeberin)
„Die Triffids“ von John Wyndham

Eine detaillierte Beschreibung der Bücher erspare ich mir jetzt aus Zeitgründen. Einfach auf der Webseite (www.jokers.ch oder www.jokers.de) das Stichwort Heinrich & Hahn eingeben und alle verfügbaren Titel werden samt Kurzbeschreibung aufgelistet. Diese Suchabfrage lohnt sich auch mit anderen Verlagen (beispielsweise Callwey oder Ellert & Richter). Und übrigens, ich kriege keine Provision ...

31. August 2009

The Poison Garden

England, Mitte des 19. Jahrhunderts: Der zehnjährige Thomas erbt von seiner Grossmutter Augusta Williams eine geheimnisvolle reich verzierte Holzkiste. Mittels dieser Box erhält er Zugang zu dem geheimen Garten „Broceliande“. Zum Legat gehört auch, dass Thomas sobald er vierzehn Jahre alt ist, in London eine Lehre beim Pharmazeuten Albert Constantine antreten soll.

Als Thomas am Abend nach der Beerdigung seiner Grossmutter zum ersten Mal den Deckel seines Erbstückes öffnet, erfährt er von ihrem Geist, dass sie vergiftet worden ist.

Augusta gehörte einem obskuren Zirkel bestehend aus sieben Frauen und Männern an, dessen Mitglieder alle einen geheimen Garten kultivieren und über enormes Pflanzenwissen verfügen. Ihre Gärten tragen Namen wie Arcadia – der Giftgarten oder Tadmor – der Heilpflanzengarten und beherbergen seltenes und exotisches Grünzeug in Hülle und Fülle.

Der Mörder von Thomas Grossmutter muss dem Geheimbund angehören. Dessen verbliebenen Mitglieder misstrauen sich und können gleichzeitig nicht abschliessend beurteilen, welche Macht sie dank ihren Gärten ausüben können. Bis der Lehrling Thomas herausfindet, wer seine Grossmutter vergiftet und weitere Todesopfer auf dem Gewissen hat, muss er einige gefährliche Abenteuer überstehen. Für den, der sich nicht vom Umschlagbild abschrecken lässt, eine (auch für Erwachsene) lesenswerte Lektüre.



Sarah Singleton:
The Poison Garden
Simon and Schuster, 2009

28. August 2009

Namenspatrone

Nach wem ist die Rudbeckia benannt? Wer verbirgt sich hinter der Bezeichnung Thunbergia (Schwarzäugige Susanne)? Wer waren Nicolaus Thomas Host und Carl August von Bergen? Wilhelm Müller hat in seinem Handbuch „Dahlia, Fuchsia, Gerbera“ zu Pflanzen von A(belia) bis Z(innia) Interessantes über Namenspatrone von Pflanzengattungen und deren Schicksale zusammengetragen und dazu kurze Beiträge verfasst. Zumeist stecken hinter den Namen historische Persönlichkeiten oder Gestalten aus der Mythologie.

Der Leser erfährt hier beispielsweise, dass ein Magistratsbeamter namens Michel Bégon (1638-1710) seinerzeit auf der heute Haiti genannten Insel arbeitete. Dessen besonderes Interesse galt der Botanik und er erwies sich bei einem Besuch von Charles Plumier als bewanderter Führer. Zu Ehren Bégons benannte Plumier die in den Regenwäldern Haitis entdeckte Begonie nach dessen Name.

Ein weiteres Kurzportrait verrät, dass die Fackellilie (Kniphofia) nach dem Medizinprofessor Johann Hieronymus Kniphof (1704-1765) aus Erfurt benannt ist, der sich ausführlich mit der Herstellung von pflanzlichen Naturselbstdrucken befasste.

Zum Inhalt des über 300 Seiten umfassenden Titels gehören auch ein Literaturverzeichnis und Register. Ein Buch zum Nachschlagen und immer mal wieder Drinschmökern.

Ein hortikulturelles „Who is Who“ ist das schmale englische Bändchen „Who does your Garden grow?“ von Alex Pankhurst. Die Portraits sind ausführlicher abgefasst und verraten beispielsweise, wer hinter den verschiedenen „Perry's White“ steckt und wer Dorothy Perkins war, der die gleichnamige Rose ihren Namen verdankt.



Wilhelm Müller:
Dahlia, Fuchsia, Gerbera
Manuscriptum, 2007

Alex Pankhurst:
Who does your Garden grow?
Earl's Eye Publishing, 1992

25. August 2009

Forget me not

Nach dem plötzlichen, völlig unerwarteten Tod ihrer Mutter möchte die Mittdreissigerin Anna ihr Leben völlig umkrempeln. Sie hängt ihren gutbezahlten Job in London an den Nagel und beabsichtigt, ein Gartendesign-Studium aufzunehmen und sich anschliessend selbständig zu machen.

Annas Leben ändert sich viel einschneidender, als sie sich das vorgestellt hat. Nach dem Abschiedsapero an ihrem gekündigten Arbeitsplatz begleitet sie eine Kollegin in eine Bar. Dort lernt sie Xan kennen und wird ungeplant schwanger. Während Xan nach Fernost verschwindet, entscheidet sie sich im letzten Moment gegen einen Schwangerschaftsabbruch.

Wie Anna den Spagat zwischen ihren Verpflichtungen als alleinerziehender Mutter und dem Aufbau ihrer Gartendesign-Tätigkeit schafft, erzählt dieser amüsante Roman.

Isabel Wolffs frühere Bücher sind teils auch auf deutsch erschienen. Seit einigen Jahren gibt es keine deutschen Übersetzungen ihrer Titel mehr. Auch diesen Roman gibt es nur auf englisch und französisch.



Isabel Wolff:

Forget me not
Harper Collins, 2007

Accroche-toi Anna!
Editions Jean-Claude Lattès, 2008

22. August 2009

Pflanzensammler und ihre Leidenschaft

Stehen in Ihrem Garten schon fast unzählige Hostas, aber Ihre Sammeltrieb ist ungebrochen? Jeder Phlox zieht Sie wie magisch an? Oder jedes freie Plätzchen ist mit Fuchsien voll gestellt und noch mehr Ampeln finden beim besten Willen keinen Platz mehr? In Helga Pantens neuem Buch „Pflanzensammler und ihre Leidenschaft“ werden Sie auf Gleichgesinnte stossen. Es werden darin nämlich 34 Sammler portraitiert, deren Sucht ab und an doch recht seltsame Blüten treibt. Diese erzählen, wie sie sich mit dem Sammlervirus infiziert haben und über Lust und Frust mit Wettertücken, Schädlingen, Ausstellungen und Anekdoten darüber, wie die Schätze ihren Weg in ihre Kollektion gefunden haben. Ergänzt werden die Portraits mit Tipps und Adressen von Pflanzengesellschaften und den vorgestellten Gärten und Gärtnereien.

Vor bald zwanzig Jahren war ich selber (leicht) dem „Fuchsienfieber“ verfallen. Auf unserem kleinem Ostbalkon habe ich immerhin ungefähr 35 verschiedene Sorten zusammengetragen und gehegt und gepflegt. Nach einem Umzug fanden sich keine idealen Bedingungen mehr für die Reifröckchen in den Töpfen und der Fokus richtete sich auf andere Pflanzen. Etwas beschämend, aber heute besitze ich keine einzige Fuchsie mehr, obwohl sie mir immer noch gut gefallen. Das einzige Überbleibsel aus jener Zeit ist eine kleine Sammlung von Fuchsienbüchern.

Ganz anders hat es Rosie Friedl mit ihren 1500 Fuchsien. Aus ihrer Liebhaberei für diese Blumen ist inzwischen ein Beruf geworden und die Fachfrau führt eine eigene Spezialgärtnerei. Und sie ist nicht die einzige unter den Portraitierten, der es so ergangen ist. Da gibt es auch einen Kräuter- und Duftpflanzengärtner, der seine ersten Töpfe auf einem Flohmarkt verkaufte und dessen Sammlung mittlerweile 1400 Arten und Sorten umfasst und der in seiner Gärtnerei in den Sommermonaten rund 55 Mitarbeiter beschäftigt.

Neben in der Gartenszene einschlägig bekannten Namen wie Gisela Schmiemann mit ihren Helleborus und Schneeglöckchen oder der Efeu-Sammlung des verstorbenen Inbogert Heieck, gibt es u.a. auch Beiträge über Sammlungen von Stapelien, Orchideen, Clematis, Kleinkoniferen, Tomaten und Kiwis.

In England und Holland kümmern sich private Netzwerke darum, dass solche Sammlungen fortbestehen können, wenn beispielsweise die Pflege der unzähligen Schätze aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu schaffen ist. Spezielle Sammlungen erhalten das Prädikat „Nationale Pflanzensammlungen“. Für Deutschland soll nun etwas ähnliches auf die Beine gestellt werden, damit erhaltenswerte Sammlungen nicht das gleiche Schicksal erleiden, wie die im Buch erwähnten untergepflügten Päonienbestände.


Helga Panten:
Pflanzensammler und ihre Leidenschaft
Eigenverlag, 2009

19. August 2009

The Walnut Tree – A Warley Place Novel

Wie sich aufgrund des Buchtitels unschwer erraten lässt, spielt ein Walnussbaum eine wichtige Rolle in der in sich abgeschlossenen Fortsetzung „The Walnut Tree“ von
John Cannells erstem Buch „The Wall“. Und wieder werden parallel zwei fiktive Geschichten aus der heutigen Zeit und dem letzten Jahrhundert erzählt und am Ende miteinander verwoben.

Die Zeiten sind schwer im Nachkriegsengland. So kommt es auch in Ellen Willmotts Garten Warley Place um 1920 immer wieder zu Diebstählen von Pflanzen. Wally Barnes sichert sich auf diese Weise ein Nebeneinkommen und versucht, Willmotts Gärtner Alfie Hedges in seine unlauteren Geschäfte einzubeziehen.

Die 20jährige Elsie hat in der Lokalzeitung eine Notiz über Warley Place gelesen und lernt dort Ken kennen. Der junge Gärtner gehört zu den „Volunteers“ im Naturreservat und führt Elsie durch die Anlage, worauf sich die junge Frau ebenfalls als freiwillige Helferin zur Verfügung stellt. Die beiden jungen Leute werden rasch unzertrennlich, doch ihre unterschiedliche Herkunft scheint eine gemeinsame Zukunft zu verunmöglichen.

Wie bereits im vorherigen Band erfährt der Leser interessante botanische und geschichtliche Hintergründe und erhält einen authentischen Einblick in die ehrenamtliche Tätigkeit im heutigen Naturreservat Warley Place, da der Autor selber in dieser Gruppe tätig ist. Ich hoffe für ihn, dass die Arbeiten in Wirklichkeit nicht so gefährlich sind wie im Buch beschrieben... Vielleicht hat John Cannell ja noch Ideen für eine weitere Fortsetzung?


John Cannell:
The Walnut Tree – A Warley Place Novel
Eigenverlag, 2008

15. August 2009

Garten und Medien

Gewöhnlich lese ich jeden Schnipsel, der von Gärten und Pflanzen handelt oder spitze die Ohren, wenn von diesen die Rede ist. So hat mich auch das Jahrbuch 2009 der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur mit dem Motto „Garten und Medien“ gleich neugierig gemacht.

18 Autorinnen und Autoren haben zu den verschiedenen Medien und aus unterschiedlichen Perspektiven Artikel zum Thema „Garten“ verfasst. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Gärten die diversen Medien wie Presse, Fernsehen, Buch, Film oder Internet beeinflussen und umgekehrt die Gärten selber von und durch diese Medien Veränderung erfahren.

Haben Sie beispielsweise gewusst, dass auf dem Zeitschriftenmarkt rund 50 Titel um lesende Hobbygärtner buhlen? Im Kapitel „Perfekte bunte Lifestyle-Welt“ werden die Zielgruppen dieser unterschiedlichen Publikationen analysiert. Welcher Leser mag es gerne bunt mit wenig Text oder soll das Papier dick, dünn, hochglänzend oder edel matt sein?

Der Aufsatz zur Internetpräsenz und Nutzung von Blogs für die Verbandsarbeit wägt die Vor- und Nachteile dieses Mediums ab. Fazit: eine Kombination von Schriften, die der Öffentlichkeit angeboten werden kann, ist ebenso wichtig wie ein aktueller, informativer Internetauftritt.

Weitere Themen sind unter anderem „Gärten und Musik“, „Audiowalks“, „Der Garten im Fernsehen“ und „Gärten im Film“. Das kartonierte Buch weist zahlreiche Abbildungen auf und im Anhang werden sämtliche Autoren mit einem Kurzportrait vorgestellt.

Kennt eventuell eine Blog-Leserin/ein Blog-Leser den im oben besprochenen Buch erwähnte Titel „Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbery und kann mir etwas über den hortikulturellen Hintergrund dieses in Frankreich omnipräsenten Bestsellers berichten?



Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL):
Garten und Medien / Gartenkunst – Darstellung und Kommunikation
Callwey Verlag, 2009

12. August 2009

Hot House Flower and the Nine Plants of Desire oder Lila et les neuf plantes du désir

Haben Sie gewusst, dass das Maiglöckchen (Convallaria majalis) und die Gloxinie (Gloxinia speciosa) ebenso wie die Alraune (Atropa mandragora) zu den neun Pflanzen der Wünsche und Begierde gehören? Sie stehen für Liebe, Glück, Magie, Freiheit, Kraft, Unsterblichkeit und anderes mehr. Margot Berwin hat rund um dieses Grünzeug einen Roman geschrieben, dessen Schauplätze New York und der Dschungel von Mexiko sind.

Die 32jährige in der Werbebranche tätige Lila lebt nach ihrer Scheidung allein in New York. Um ihre Wohnung etwas aufzufrischen, möchte sie sich ein paar Pflanzen kaufen und ersteht deshalb auf dem Markt eine eingetopfte Paradiesvogelblume. Vom Verkäufer David Exley erhält sie eine Broschüre über tropischen Pflanzen und fühlt sich von diesem magisch angezogen.

Dank Exleys Broschur entdeckt und erkennt sie zwischen einer spanischen Bodega und einer japanischen Saki-Bar einen Waschsalon, in dessen Fenster eine seltene, tropische Pflanze hängt – Oxalis hedysaroides rubra. Lila betritt den Laden, der einem Dschungel gleicht, und lernt den Waschsalon-Betreiber Armand kennen. Dieser schneidet für Lila eine Steckling der Oxalis-Pflanze. Sobald dieser in totaler Dunkelheit Wurzeln gebildet hat, soll sie ihn zurückbringen und darf als Belohnung den Raum mit den neun Pflanzen des Verlangens betreten.

Weil Lila sich nicht an ihr Versprechen hält, niemandem von diesen neun Pflanzen zu erzählen, werden diese gestohlen und sie findet sich unvermittelt als Pflanzenjägerin in Mexiko wieder.

Übernatürliche Kräfte, Magie, Schamanen und nicht zuletzt Erotik spielen neben den Pflanzen eine wichtige Rolle im Buch, welches mich an „Mein zauberhafter Garten“ von Sarah Addison Allen erinnert hat. Falls Ihnen dieser Titel gefallen hat, ist der Debüt-Roman „Hot House Flower“ bestimmt die richtige Lektüre! Man darf gespannt sein, ob Julia Roberts Filmprojekt tatsächlich zustande kommt und wie sie die Geschichte im Film umsetzt.



Margot Berwin:

Hot House Flower and the 9 Plants of Desire
Pantheon Books, 2009

Lila et les neuf plantes du désir
Editions Michel Lafon, 2009



Hothouse Flower

9. August 2009

Es geht weiter

Bald öffnen sich wieder Blüten im Sofagarten und es geht weiter mit Rezensionen. Wir haben inzwischen die Seile des Hausbootes wieder mit dem Gartenschlauch vertauscht, nicht ohne festgestellt zu haben, dass erstere ähnliche Tücken in der Handhabung aufweisen wie die Schlauchschlange ...

Auch in Frankreich lohnt sich das Stöbern in Buchläden und ich frische im Moment meine ziemlich eingerosteten Schulfranzösischkenntnisse auf. Vor den Ferien habe ich ein spannendes englisches Buch entdeckt, dessen Lektüre ich dann für nach dem Urlaub auf die Seite gelegt habe. In Nancy habe ich mir die französische Ausgabe eben dieses Titels zugelegt und ungeduldig zu lesen begonnen. Inzwischen – parallel englisch und französisch lesend - verstehe ich auch sehr gut, weshalb sich Julia Roberts die Filmrechte dieses Romans gesichert hat (Margot Berwin: „Hot House Flower and the Nine Plants of Desire“ oder „Lila et les neuf plantes du désir“). Näheres demnächst an dieser Stelle.

Eine weitere Neuanschaffung ist „Accroche-toi Anna“ von Isabel Wolff (englisch „Forget me not). Die Hauptrolle in diesem Roman hat eine Gartendesignerin inne.

Dann hüpften noch ein Buch mit dem Titel „Semper Augustus“ von Oliver Bleys (ein weiterer Roman über die Tulpenmanie) sowie zur Ergänzung meiner Sammlung von verschiedenen Editionen von „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett eine französische Ausgabe dieses Titels in den Einkaufskorb. Durch Bevorzugung dieser interessanten Neuanschaffungen musste "Herr der Ringe" hintenanstehen (und ungelesen wieder nach Hause geschleppt werden).

22. Juli 2009

Blühpause im Sofagarten

Bis ungefähr Ende Schulferien wird im Sofagarten eine Blühpause eingelegt.

Voraussichtlich werde ich die Zeit mit Nicht-Gartenbüchern überbrücken und mir endlich mal "Herr der Ringe vornehmen". Ebenfalls auf dem Lesestapel liegen "Das Erbe der Töchter" von Juliet Hall (ein Irrgarten soll hier eine Rolle spielen) und "Tote Mädchen lügen nicht" von Jay Asher - ein Tipp aus der aktuellen Emma. Normalerweise kaufe ich diese Zeitschrift ja nicht. Nachdem ich aber wiederholt auf Empfehlungen gestossen bin, weil in der aktuellen Ausgabe ein Garten-Dossier drin ist, habe ich sie mir schliesslich doch besorgt und den einen oder anderen der übrigen Artikel natürlich auch gelesen.

19. Juli 2009

Death in the Physic Garden

Fern Green verlässt nach einer missglückten Beziehung überstürzt ihren Freund, um in Shropshire ein eigenes Geschäft zu gründen. Die Gartengestalterin hofft, hier – weit entfernt von der englischen Hauptstadt - zur Ruhe zu kommen. Ein erster grösserer Auftrag scheint auch schon in Griffnähe, als Joshua Hamble sie für die Umgestaltung seines Lebenswerkes, dem Physic Garden, engagieren will. Doch als Fern etwas verspätet am verabredeten Treffpunkt erscheint, liegt ihr potentieller Auftraggeber tot in seinem Garten.

Spannender Krimi mit vielen „blumigen“ Details und überraschendem Ende.

„Death in the Physic Garden“ ist der erste Band einer Reihe um die Gartendesignerin Fern Green. Laut der Homepage der Autorin dauerte es rund 10 Jahre von der Idee bis zum fertigen Buch. Denn nach einem Gartendesign-Studium hat sie nicht nur den eigenen Garten umgestaltet, sondern auch die Geschichte völlig neu umgeschrieben. Nun hoffe ich mal, dass die zweite Folge „Death in the Winter Garden“ in absehbarer Zeit in Karen Lowes Eigenverlag erscheint.



Karen Lowe:
Death in the Physic Garden
Beanpole Books, 2005

14. Juli 2009

The Cold Hard Fax

Molly Masters ist mit ihrer Familie kürzlich nach Carlton gezogen. Seit diesem Umzug erscheint Helen Raleigh, die frühere Eigentümerin ihres neuen Daheims, tagtäglich in ihrem Garten und belästigt sie. Mittlerweile ist Molly dementsprechend genervt und sie, die eigentlich nicht viel mit Gärtnern am Hut hat, erzählt Helen von Gartenumgestaltungsplänen, die gar nicht existieren. Ausschlaggebend dafür, dass die Masters den Zuschlag für den Kauf des Hauses mit dem sehr gepflegten Garten erhielten, war nämlich ihr Versprechen, letzteren nicht zu verändern. Kurz nach dieser unerfreulichen Begegnung wird Helen in ihrem ehemaligen Garten erschossen, während sie ein Loch gräbt.

Die polizeilichen Ermittlungen ergeben, dass Helen in Wirklichkeit ein Mann war und Frank Worscheim hiess. Und eben dieser Frank war an einem Juwelen-Raub beteiligt, dessen Beute bis dato verschwunden ist.

Molly fängt auf eigene Faust an zu recherchieren und lernt bei dieser Gelegenheit endlich auch ihre Nachbarn kennen – samt ihren positiven und negativen Seiten.

Humorvolle, aber nicht besonders anspruchsvolle Lektüre. Garten und gärtnerisches kommen ausser als Tatort eher nebensächlich vor.



Leslie O'Kane:
The Cold Hard Fax
The Ballantine Publishing Group, 1998

12. Juli 2009

Kolumnen und Karikaturen

Beim Googeln mit den Stichworten „Kaktus“ und „Buch“ bin ich auf eine Sammlung von Monatskolumnen gestossen, die ab Mitte 2000 für die Internetseite der Schweizer Blumenbörsen verfasst worden sind. Die Kurzgeschichten widerspiegeln Beobachtungen des Alltags, angereichert mit Anekdoten rund um Balkon und Bepflanzung. Aufgelockert wird die Lektüre durch Karikaturen von Kuba. 

Da wird beispielsweise der Frage nachgegangen, ob Ende November im Tessin blühende Kamelien zuverlässige Wetterboten sind und sich einer getrost auf einen milden Winter freuen kann. Oder wie mit der in Kindertagen so verhassten Rauke, von den Italienern edel Ruccola genannt, plötzlich so etwas wie Frieden geschlossen wird. Meist amüsante, selber herausgegebene Lektüre. Der Preis ist allerdings doch ziemlich stark an der Schmerzgrenze. 



Balkonia und Kabu: 
Noch nie einen Kaktus gesehen? 
Edition Selezione/Books on Demand, 2002

9. Juli 2009

The Wall – A Warley Place Novel

Die englische Gärtnerin und Verfasserin von „The Genus Rosa“ Ellen Willmott lebte ungefähr zur gleichen Zeit wie Gertrude Jekyll. Mehr als 60 Pflanzen sind nach ihrem Heim Warley Place benannt. Als junge Frau hat sie ein grosses Vermögen geerbt, welches sie grosszügig ausgab, so dass bei ihrem Lebensende nicht mehr viel übrig war. Berühmt-berüchtigt war ihre Marotte (quasi „Guerilla-Gardening-mässig“), Samen von Eryngium giganteum in Gärten zu verstreuen, die sie besuchte. Diese Pflanze wird in England deshalb auch Miss Willmott's Ghost genannt. 

Rund um Ellen Willmott und Warley Place hat John Cannell eine fiktive Geschichte mit zwei Erzählsträngen geschrieben. 1918, kurz nach dem 1. Weltkrieg: Ellen Willmott hat wegen finanziellen Schwierigkeiten fast ihr gesamtes Personal inklusive Gärtner entlassen müssen. Jacob, ein Schweizer der ursprünglich nur für den alpinen Garten zuständig war, muss deshalb sein Beschäftigungsfeld erweitern. Doch wegen mangelnder körperlicher und finanzieller Unterstützung schafft er es kaum, auch nur einen Teil des ursprünglichen Gartens einigermassen zu pflegen. Da erhält er unverhofft Hilfe. 

Ellen Willmott nimmt einen jungen Mann in Warley Place auf. Dieser ist im Krieg mit seinem Flugzeug abgestürzt und hat wegen einem Gedächtnisverlust absolut keine Erinnerungen mehr an sein Leben vor dem Absturz. Er weiss weder wie er heisst, noch wo er herkommt. In Warley Place übernimmt er die Restauration der Mauer im „Walled Garden“ und interessiert sich für die vielen, teils sehr seltenen Pflanzen im Garten. Und plötzlich kann er sich auch wieder an einzelne Ereignisse aus seinem früheren Leben erinnern. Darunter sind unerträglich schreckliche Erinnerungen ... 

Anfang 2000: Donald ist seit kurzem pensioniert. Seine Ehe mit Susan steckt im Moment in einer Krise, da er mit sich und seiner vielen freien Zeit nicht viel anfangen kann. Ein Freund schlägt ihm vor, sich einer Gruppe anzuschliessen, welche ehrenamtlich die Umgebung von Warley Place in Schuss hält, das inzwischen ein Naturreservat ist. Entgegen seinen Erwartungen findet Donald Befriedigung in seiner neuen Aufgabe, welche hauptsächlich im Ausbessern der stark beschädigten Mauer des „Walled Gardens“ besteht. Bei einem seiner Einsätze findet er zwischen zwei Backsteinen versteckt ein kleines Päckchen mit einem handgeschriebenen Büchlein. Zielstrebig macht er sich daran, die im Laufe der Jahrzehnte verwitterten und inzwischen fast unlesbaren Einträge zu entziffern. 

Das Buch enhält viele historische und botanische Details und am Schluss endet die Geschichte des Piloten doch nicht genau so, wie man bereits zu wissen geglaubt hat. Nun freue ich mich schon auf die Fortsetzung dieses Buches (The Walnut Tree), die mir der Autor demnächst zustellt und werde mich demnächst in die Biografie von Audrey le Lièvre über Ellen Willmott vertiefen. 



John Cannell: 
The Wall – A Warley Place Novel 
Eigenverlag, 2007

5. Juli 2009

Tobi in den Gärten

Tobi ist ein Gärtnerjunge. Er lebt und arbeitet Anfang des 18. Jahrhunderts im Königlichen Garten zu Herrenhausen. Sein strenger Tagesablauf wird im Kinderführer „Tobi in den Gärten“ dargestellt. In diesem wird allerlei über die Barockzeit vermittelt, und auch Spiele kommen nicht zu kurz. 

Vor 300 Jahrhunderten war Kinderarbeit auch in unseren Gegenden üblich. Während die Herrschaften erst spät aufstehen und zur Mittagszeit das Frühstück einnehmen, muss Tobi sein Lager aus duftendem, frischen Stroh schon verlassen, sobald der Hahn kräht. Zu seinen Aufgaben gehören einfachere Arbeiten wie das Putzen des goldenen Tores und von Statuen sowie das Zählen der Schwäne im Teich. 

Während Tobi arbeitet, begleiten ihn die jungen Leserinnen und Leser an verschiedene Orte in den Gartenanlagen und kommen so am Gartentheater, der kleinen und grossen Kaskade ebenso vorbei wie beim Irrgarten und der Grotte. Zwei gezeichnete Pläne am Anfang und Ende des Buches erleichtern die Übersicht. Die weitläufige Anlange wird nicht nur so vorgestellt, wie sie sich um 1800 präsentierte. Auch das Sea Life Aquarium und die Anfang des jetzigen Jahrhunderts von Niki de Saint-Phalle mit Spiegelscherben umgestaltete Grotte werden vorgestellt. Ergänzt wird das reich illustrierte Buch mit Kurzportraits über Persönlichkeiten, die einen wichtigen Bezug zum Garten haben, wie Kurfürstin Sophie von Hannover und der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz. Am interessantesten ist das Buch natürlich, wenn es seinen Zweck als Führer erfüllen kann, und gleich in den Herrenhäuser Gärten gelesen wird. 



Kirsten John: 
Tobi in den Gärten – Ein Kinderführer durch die Herrenhäuser Gärten 
Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2009