29. Oktober 2013

Sophie Kinsella: Göttin in Gummistiefeln

Diese romantische Komödie braucht fürwahr keine weitere Werbung. Das Buch war aber derart vergnüglich zu lesen, dass ich dem Bestseller aus dem Jahr 2006 doch einen Platz als Monatsend-Beitrag einräumen will. Denn da ein Gärtner wieder Ordnung in das plötzlich ausgebrochene Chaos in Samanthas Leben bringt, passt diese Empfehlung der Nachwuchs-Sofagärtnerin doch ganz gut in den Sofagarten.

Die begabte 29jährige Anwältin Samantha steht unmittelbar vor einem wichtigen Karrieresprung, der die Erfüllung ihres allergrössten Traumes bedeutet, als ein scheinbar folgenschwerer Anfängerfehler sie Hals über Kopf aus der Kanzlei Carter Spink fliehen lässt. Sie steigt ziellos in einen Zug und verlässt London. Erst in den Cotswolds verlässt sie die Bahn wieder, nichtwissend wo sie überhaupt gelandet ist.

Als sie in einem Haus nach dem Weg fragen will, wird sie für die Bewerberin der freien Stelle als Haushaltshilfe gehalten. Todmüde wie sie ist, schafft es Samantha nicht, die Verwechslung aufzuklären und kommt so zu einer Anstellung als Haushälterin. Sie, die kein Privatleben kennt und Tag und Nacht nur auf ihre Beförderung als Seniorpartnerin in der bekannten Anwaltskanzlei hingearbeitet hat, die keine freien Wochenenden, geschweige denn Ferien kennt, weder kochen, waschen, bügeln und putzen noch Knöpfe annähen kann und die Take-Away-Essen vom Chinesen und Pizza vom Italiener („mediterran“) zur gesunden Ernährung zählt.

Am nächsten Morgen möchte sie sich für die Freundlichkeiten ihrer Gastgeber revanchieren und ihre Arbeitskraft für einen halben Tag zur Verfügung stellen, dann das Missverständnis aufklären und wieder verschwinden. Doch dieses Vorhaben umzusetzen, stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Samantha weiss nicht einmal, wie der Toaster bedient werden muss und sie hat ganz allgemein überhaupt keine Ahnung, was für Tätigkeiten zum Jobprofil einer Haushälterin gehören. Und sie schafft es auch nicht, das Haus wieder zu verlassen, sondern unterschreibt tatsächlich einen Arbeitsvertrag, obwohl die Erledigung ihrer ersten haushälterischen Aufgaben in einem Fiasko enden.

Glücklicherweise hat die junge Frau einige finanzielle Rücklagen aus ihrer vorherigen Tätigkeit mit einem Stundenlohn von 500 Pfund. In der zweiten Arbeitswoche gibt’s sie bereits nur noch 200 Pfund für das Vertuschen ihrer Fehler - wie etwa verfärbte und zu heiss gebügelte Wäsche und Catering zur Rettung von missratenen Gerichten - aus und ist zuversichtlich, schon bald den wirtschaftlichen Turnaround zu schaffen.

Samantha, die immer geglaubt hat, der Job als Anwältin sei stressig, stellt sich allen ungewohnten Anforderungen und kommt immer besser mit ihren neuen Aufgaben zurecht. Gleichzeitig gewöhnt sie sich an ihre Freizeit, obwohl sie zuerst gar nicht abschalten kann, und daran, zwischendurch ganz einfach zu tun und lassen, was sie will. Und sie beginnt die zwischenmenschlichen Kontakte im Dorf zu schätzen. Denn Unterstützung in der Bewältigung ihrer Aufgaben – wer möchte schon Kichererbsen aus dem Ofen, Eier aus der Mikrowelle und Bratensauce mit Backpulver? – erhält sie im Gärtner Nathaniel und seiner überaus hilfsbereiten Mutter Iris.

Ihre Aufaben als Haushälterin erfüllt sie rasch dermassen zufriedenstellend, dass ihre Arbeitgeber ihr nahelegen, sich beruflich unbedingt weiterzubilden. Auch botanisch lernt sie dank Nathaniels Hilfe einiges. Während sie zuerst ein Geissblatt nur anhand des Dufts ihres Jo-Malone-Badeöls erkennt und zum ersten Mal Birnen am Baum hängen sieht, sieht sie sich plötzlich auch mit der Idee von der Eröffnung einer eigenen Gärtnerei (mit-)konfrontiert.

Schliesslich findet Samantha heraus, dass mit ihrem katastrophalen Fehler in der Kanzlei etwas nicht stimmen kann. Ist ihre Zukunft auf dem Land oder kann sie ihre Unschuld beweisen und sich rehabilitieren? Diese überaus witzige Lektüre mit leicht überzogenen Charakteren ist ein toller Seitenumdreher, der einen immer wieder laut lachen und die Zeit völlig vergessen lässt.  



Sophie Kinsella: 
Göttin in Gummistiefeln
Wilhelm Goldmann Verlag, 2006

25. Oktober 2013

Gloria Alden: The Blue Rose – A Catherine Jewell Mystery

Eine blaue Rose ist der Traum vieler Rosenzüchter. August Chatterton kann sich nicht mehr an der angeblich von ihm gezüchteten blauen Rose „The August Chatterton“ erfreuen. Er liegt tot in seinem Garten und ist ganz offensichtlich während einem Anlass auf seinem Grundstück stattgefunden hat, ermordet worden. Da er sich selber die Hände beim Gärtnern nie schmutzig gemacht hätte, glaubt allerdings niemand, dass er der Züchter der beeindruckenden Blütenpflanze ist.Der Polizeichef von Portage Falls, John MacGougal, hat in seiner nunmehr zehnjährigen Dienstzeit noch nie einen Mord aufklären müssen, doch auch ihm wird bei den Ermittlungen rasch klar, dass etliche Personen aus dem Umfeld des Mordopfers ein starkes Motiv haben.

Entdeckt hat den Toten Catherine Jewell, die teilzeitlich als Botanikerin in Elmwood Gardens arbeitet, da sie mit ihrem kleinen Gartencenter „Roses in Thyme“ ihren Lebensunterhalt (noch) nicht bestreiten kann. In nur vierzehn Monaten hat sie ihre kleine Gärtnerei in eine ganz besondere Oase verwandelt und hat noch viele Pläne. Verwirklicht hat sie bereits einen „Terra Cotta Geschenkshop“, ein Besucher-Center, einen Topiary-Garten, einen Rosengarten sowie einen weissen und einen blauen Garten. Die Frau mit polnischen, slowakischen und englischen Wurzeln und Vorfahren aus noch mehr europäischen Ländern ist seit zehn Jahren verwitwet. Damals sind ihr Mann und ihre Tochter tödlich verunglückt. Inzwischen vermag sie langsam wieder zuversichtlicher vorwärts schauen.

Noch bevor John MacGougal herausfindet, welches Motiv zum Mord geführt hat, ereignet sich ein zweiter aussergewöhnlicher Todesfall. Neben dem Polizeichef  und seinem Team spitzt auch Catherine bei jeder Gelegenheit ihre Ohren und versucht, die verschiedenen sich im Umlauf befindenden Anschuldigungen als Gerüchte zu entlarven. Kann es sein, dass der ehemalige Chefgärtner, der vom nicht sehr beliebten Chatterton nach über zwanzig Dienstjahren vor die Gartentore gestellt worden ist, sich gerächt hat? Und was hat es mit dem mysteriösen Todesfall auf sich, aufgrund dessen der aktuelle Chefgärtner, ein ehemaliger Mönch, das Kloster wieder verlassen hat? Auch verschiedenen Familienangehörigen scheint Chattertons Tod nicht ungelegen zu kommen und die Ehefrau wird auch nicht gerade von ihrer Trauer erdrückt.

Es ist kein Geheimnis, dass Chatteron sich nicht für Blumen an sich interessierte, sondern nur für den Eindruck und das Ansehen, das er mit diesen erzielen konnte. Doch wie kam er in den Besitz einer blauen Rose? Catherine scheint mit ihren Nachforschungen jemandem auf die Füsse zu treten. Denn plötzlich steht sie selber im Fokus und ihr Haus wird gründlich durchwühlt, worauf sie sich enschliesst, ihre Informationen mit dem Polizeichef zu teilen.

Kürzlich ist bereits ist ein zweites Buch aus dieser neuen Gartenkrimi-Reihe erschienen: Daylilies for Emily’s Garden. Und die Leserin darf gespannt weiterverfolgen, was aus Catherines beruflichen Gartencenter-Plänen wird und ob sie und John sich auch privat näher kommen




Gloria Alden: 
The Blue Rose – A Catherine Jewell Mystery 
Eigenverlag, 2012

21. Oktober 2013

Henriette Krahnstöver: Zwischen Rüben und Güldengossa – Aus den Lebenserinnerungen des Schlossgärtners Reinhold Hofmann im Leipziger Südraum

Die Gartenarchitektin Henriette Krahnstöver erfuhr in den 1980er Jahren von handschriftlichen Aufzeichnungen eines Gärtners. Trotz umfangreicher Bemühungen waren diese nicht zu lokalisieren und die Herausgeberin dieser Publikation hatte sich schon damit aufgefunden, nie in diesen Notizen blättern zu können, als ihr das Schicksal Anfang des 21. Jahrhunderts doch noch eine Kopie der Unterlagen in die Hände spielte.

Ausgewählte Abschnitte aus diesen Texten, der sogenannten „Reinholdeana“, hat sie inzwischen mit weiterführenden Ergänzungen samt Angaben zur historischen Entwicklung von Rüben und Güldengossa erweitert und als Zeitdokument einer Gärtnerdynastie von ca. 1850 – 1950 veröffentlicht. Der Verfasser der mit roter Tinte geschriebenen Handschrift, Reinhold Hofmann, wurde 1875 als letzter Sohn eines Gärtners und Enkel eines ehemaligen Schlossgärtners in Rüben geboren. Seine niedergeschriebenen Lebenserinnerungen hat er einer seiner Töchter zur Silberhochzeit geschenkt.

Die illustrierte Publikation vermittelt einen Einblick in den damaligen Alltag, Arbeitsverhältnisse, Umgangsformen sowie Bräuche und natürlich in die Lebensgeschichte des Reinhold Hofmann vom kleinen Spielgefährten einer Rittersguttochter, seinen Lehrjahren bis zur Pacht eines eigenen Gartenbetriebes mit Weinberg. Die Rede ist von schweren Krankheiten, Unfällen, Jagderlebnissen und gefährlichen Ausflügen auf brüchigem Eis. Rattenbekämpfung und Krähenplagen sind ein Thema, aber auch eher Skuriles wie etwa ein merkwürdiger Skelettfund in einer alten Eiche. Reinhold Hofmann verurteilt das „Scheinleben“ besserer Kreise und berichtet von der Quantität und Qualität des Essens – es gab viel, aber wenig Gutes.

Zusammen mit zwei Knaben hat der Verfasser schon als kleiner Junge ein eigenes Gärtchen bestellt. Nach Abschluss der Schule besuchte er einen Gehilfenkurs in einer Gärtnerlehranstalt, auf den zwei praktische Lehrjahre im Gärtnereibetrieb des Vaters folgten. Hier kam er aber nicht in den Genuss einer Spezialbehandlung. Ganz im Gegenteil, denn der Chef wollte sich nicht nachsagen lassen, er bevorzuge seinen Sohn. Schliesslich muss wer selber Vorgesetzter werden will genau wissen, wie alle Arbeiten erledigt werden müssen, damit er diese auch vorzeigen und delegieren kann.

Am Anfang seines Berufslebens gehörte die Auslieferung von Primeln an Leipziger Blumengeschäfte zu seinen Aufgaben. Beide Händen vollgepackt mit je fünf mit einem Ledergurt zusammengebundenen Kisten machte er sich jeweils zu Fuss und mit dem Zug auf den recht langen Weg. Später arbeitete er an verschiedenen Stellen, so auch in Lörrach, Basel, Zürich, Lausanne und Hamburg bis er schliesslich in Güldengossa den Posten des Obergärtners übernahm. Das Leben des Verfassers war geprägt von Höhen und Tiefen. Seine erste Frau stirbt früh und liess ihn mit vier Kindern als Witwer zurück und sein beruflicher Erfolg weckte auch viel Neid.

Berufe mit Pflanzen und Blumen wurden in dieser Familie scheinbar bevorzugt ausgeübt. Reinholds eigener Urgrossvater war seinerzeit mit seinem Vorgesetzten nach Paris gereist, um die Gartenanlagen von Versailles zu studieren und zu skizzieren und daheim in Sahlis nachzupflanzen. Diese schöne Geschichte wird aber von der Herausgeberin Henriette Krahnstöver anhand anderer Quellen angezweifelt. Nachweisbar richtig ist aber, dass Reinhold Hofmanns Sohn ebenfalls den Gärtnerberuf erlernte und alle drei Töchter Blumenbinderinnen wurden.  



Henriette Krahnstöver: 
Zwischen Rüben und Güldengossa – Aus den Lebenserinnerungen des Schlossgärtners Reinhold Hofmann im Leipziger Südraum 
Pro Leipzig, 2012

17. Oktober 2013

Helen Hendricks Friess: The Red Geranium

Was verbindet eine junge Anwältin in Pittsburgh, einen Obdachlosen, ein um seinen im Irakkrieg getöteten Sohn trauerndes Paar, eine alte Frau, die sich für ihre finanziellen Probleme schämt und sich deshalb fast völlig von der Umwelt zurückgezogen hat, eine junges kinderloses Paar, einen trauernden Witwer und ein Tanzlehrerehepaar in Geldnöten? Sie alle sind nacheinander Empfänger eines Geschenks in Form einer Geranie, der magische Kräfte nachgesagt werden.

Die erste Empfängerin im Buch ist Katie, eine angehende junge Anwältin. Über Pflanzen und Blumen weiss sie nicht sehr viel, aber sie hat selber herausgefunden, dass ihr die rote Geranie in ihrem Büro wie vorhergesagt Glück gebracht hat. Erhalten hat sie die Pflanze vom Vorbenutzer des Raumes und er hat ihr bei der Übergabe versprochen, die Blume werde ihr Glück bringen. Und tatsächlich hat Katie die Geranie ein Jahr gut gepflegt und in diesem Jahr einen erstaunlichen beruflichen Erfolg – gar nicht selbstverständlich in Anbetracht ihres jugendlichen Alters - erzielt und ihre anfängliche Skepsis abgelegt. Da ihr ein längerer Auslandaufenthalt bevorsteht, ist es an der Zeit, die Pflanze weiterzugeben.

Ihr Büronachfolger möchte die Pflanze entsorgen und so überlegt Katie, wer etwas Glück vertragen könnte.
Spontan entscheidet sie sich, die blühende Pflanze mit einem Hinweis auf ihre geheimen Kräfte, einigen Sandwiches und einer Thermosflasche voll heissem Kaffee zu dem Platz zu bringen, wo Obdachlose leben. Sie setzt ihr Vorhaben umgehend um und verschwindet wieder in der kalten und dunklen Nacht, ohne dass sie beobachtet worden ist.

Ihre Box, die Flasche und die Pflanze werden vom ehemaligen Irakkrieg-Soldaten Bryan, den seine traumatischen Erlebnisse völlig aus der Bahn geworfen haben, gefunden. Das Essen teilt er mit anderen Obdachlosen, während die rote Geranie Erinnerungen an bessere Zeiten in ihm weckt und ihn an seine geliebte verstorbene Grossmutter denken lässt, bei der er aufgewachsen ist. Schon als fünfjähriger Junge hat er sämtliche botanischen Namen gekannt, weil er ihr oft im Garten geholfen hat. Plötzlich schämt er sich für seine jetzige Lebenssituation und packt ohne weitere Überlegungen die Thermosflasche und die rote Geranie ein und verlässt das Hoffnungslosigkeit ausstrahlende Areal. Ohne genaues Ziel und ohne dem strömenden Regen Beachtung zu schenken läuft er Richtung Berge.

Nach vielen Kilometern Fussmarsch fast ohne Nahrung ist Bryan einem Zusammenbruch nahe. Ein Fahrer, der ihn freundlicherweise über eine längere Strecke mitgenommen hat, rät ihm, seine rote Geranie bei einem gewissen Pete gegen ein Sandwich zu tauschen. Doch dieser Pete bietet dem jungen Mann gleich viel mehr als etwas Essen an. Er nimmt ihn mit nach Hause und auch seine Frau stört sich nicht an Bryans ungepflegtem Äussern („nichts was sich nicht mit Wasser und Seife in Ordnung bringen lässt…“). Pete offeriert ihm ausserdem einen Job und sogar die Möglichkeit, mit seinen geliebten Blumen zu arbeiten. Und Bryan nutzt diese Chance, fasst beruflich Fuss und ist obendrein ausserordentlich erfolgreich in seiner neuen Tätigkeit. Pete und seine Frau sind ihm eine grosse Stütze und gleichzeitig hilft Bryan den beiden, einen Weg aus ihrer riesigen Trauer zu finden, die sie zu erdrücken droht, seit ihr eigener Sohn Joe im Irakkrieg gestorben ist.

In der Folge wird die Glück bringende rote Geranie immer wieder weitergegeben und verbreitet ihre scheinbar magischen Kräfte, indem sie den Anstoss für private und berufliche Veränderungen übernimmt und Bewegung in festgefahrene Leben bringt. Und plötzlich hält Bryan, der sich mittlerweile als Blumenspezialist und Pflanzendoktor einen Namen gemacht hat, eine beschädigte rote Geranie in den Händen, die sich als sein ehemaliger Glücksbringer entpuppt. Daraufhin versucht er, den von der Pflanze in der Zwischenzeit zurückgelegten Weg zurückzuverfolgen und wird damit gleichzeitig in sein eigenes früheres Leben zurückkatapultiert.

Aber zuvor liest der Leser von Jeannie und ihrer unermesslichen Trauer um ihren verstorbenen Sohn, von Alma, Ende 80, die allein und ohne Stromversorgung auf einem Berg lebt, von Judy und ihrem unerfüllten Kinderwunsch, der allein erziehenden Mutter Maureen ohne Job, den beiden Tänzern Linda und Dan, die nach einem Autounfall nicht mehr selber tanzen können und dem einsamen Witwer Tom.

"The Red Geranium" ist ein fast märchenhafter Roma für Erwachsene, die an das Gute in Menschen und etwas Magie glauben . Dieses Buch hat übrigens die gleiche rote Geranie (eigentlich Pelargonie) als Motiv auf dem Umschlag wie "Common Ground" von Janice Marriott und Virginia Pawsey – der Inhalt der beiden Publikationen ist ist aber völlig verschieden. Empfehlenswert sind hingegen wieder beide.



Helen Hendricks Friess: 
The Red Geranium 
iUniverse LLC, 2013

13. Oktober 2013

Anette Gräfe: Der Gärtner war’s (Anthologie)

Woran soll der Gärtner wieder schuld sein? Für diese Anthologie wurden Geschichten von Autorinnen und Autoren unterschiedlichster Altersstufen zusammengetragen. Falls Ihnen beim Titel gleich die etwas abgedroschene Redewendung „Der Gärtner ist immer der Mörder“ in den Sinn gekommen ist, so sind Sie (wenigstens grösstenteils) auf der falschen Fährte. Denn auf diesen rund 250 Seiten ist der Gärtner der Held, der Liebhaber, der Retter in Not oder er übernimmt auch mal detektivische Aufgaben und stellt psychologische Überlegungen an. Und ja, ab und zu hat er auch die Rolle des Mörders inne. Dazwischen widmet er sich aber natürlich auch seinem Beruf und kümmert sich um Rosen, Tulpen, Bonsais und anderes Grünzeug.

Die meisten Geschichten spielen in der Gegenwart, doch auch die Zeit der Tulpenmanie bildet die Kulisse für einen Kurzkrimi. An anderer Stelle sorgt der Gärtner mit etwas Magie und Zauber nicht nur für das Wohlergehen der Pflanzen, sondern auch für notwendige Veränderungen im Leben der Gartenbesitzerin. Und wenn der Gärtner für einen geringen Lohn wertvolle Blumen züchtet, welche die Kasse seines eher undankbaren Arbeitgebers klingeln lassen, könnte man ihn in der betreffenden Geschichte beinahe als Werkzeug und Handlanger desselben bezeichnen.

Einer meiner Lieblingsbeiträge ist „Lateinischer Sommer“. Hier geht es um die subtile Rache einer Gärtnerin an einer gartenschändenden Nachbarin mittels eines Diavortrages im lokalen Gartenbauverein. Der Anlass trägt den sinnigen Titel „Vicina flava maligna – ein singulärer Gartenschädling“. Nicht allen Teilnehmern ist schon vor dem Besuch der Veranstaltung bewusst, dass es sich dabei um die Bewältigung von gemeinen Attacken handelt. Und zwar nach dem Motto: „Herausforderung annehmen, alles ist irgendwie umnutzbar!“

Die Geschichten mit Titeln wie „Des Rätsels Lösung“, „Lange Schatten“, „Rote Rosen“, „Die Hymne ans Gras“, „Das Mörderspiel“ und „Minigeschichte“ sind inhaltlich komplett verschieden. Die einzige Gemeinsamkeit ist die Leitparole „Der Gärtner war’s“. Und so verschieden wie die Altersgruppen der Verfasser sind, so unterschiedlich ist auch das Niveau der einzelnen Beiträge. Will heissen, Spannung und Leselust schwanken etwas je nach Schreibstil des jeweiligen Verfassers.

Doch diese nicht immer ausschliesslich positive Vielfalt sollte Sie nicht davon abhalten lassen, selber über den Gärtner zu lesen, der (angeblich) zerstört statt zu pflegen, giessen und zu düngen, damit sich die erwünschte Blütenpracht einstellt. Und vielleicht lassen Sie sich trotzdem zum Nachdenken anregen durch die "Minigeschichte" über Nacktschnecken und erschrecken über die Folgen von Rasendünger-Missbrauch.


Anette Gräfe (Hrsg.): 
Der Gärtner war’s 
net-Verlag, 2013

9. Oktober 2013

Lucinda Riley: Der Lavendelgarten

Die 30jährige Emilie de la Martinières hat sich erfolgreich eine Existenz als Veterinärin aufgebaut. Doch als ihre unnahbare Mutter stirbt, liegt es an ihr, der letzten Erbin eines alten adeligen Geschlechts, sich um den Nachlass, zu dem auch ein Château in der Provence gehört, zu kümmern. Die Erbschaftsangelegenheiten bringen Emilie trotz grosser Unterstützung ihres Anwaltes an ihre Grenze. Denn die junge Frau verfügt wegen ihrer dominanten Mutter über ein sehr mangelndes Selbstbewusstsein und starke Minderwertigkeitskomplexe. Jahrelang hat ihre verstorbene Mutter, die sich nie für ihre einzige Tochter interessiert hat, über die Verhältnisse gelebt und sich nicht um den notwendigen Unterhalt geschweige denn um Erneuerungen und Investitionen gekümmert. So muss die junge Erbin etliche wichtige und grundsätzliche Entscheidungen betreffend der Immobilien, des Weinguts, der umfangreichen wertvollen Bibliothek und anderer Wertgegenstände fällen.

(Vermeintlich) zufällig lernt Emilie den englischen Kunsthändler Engländer Sebastian Carruthers kennen, der ihr schon bald viele Aufgaben abnimmt. Zum ersten Mal in ihrem Leben ist Emilie richtig verliebt und sie heiratet recht überstürzt. Unkontrolliert lässt sie Sebastian schalten und walten und unterstützt ihn finanziell äusserst grosszügig. Sie folgt ihm sogar nach England, wo sie zusammen mit seinem gelähmten Zwillingsbruder Alex unter einem Dach auf Blackmoor Hall, aber in getrennten Wohnungen, leben.

Mangels anderer Aufgaben bringt Emilie den Garten auf Vordermann und bepflanzt Töpfe mit Winterstiefmütterchen. Und während sie an langen Tagen ungeduldig auf die Rückkehr ihres abwesenden Gatten wartet, der zudem per Handy meist nicht erreichbar ist, beginnt sie bereits an der Richtigkeit ihrer Eheschliessung zu zweifeln. Wäre sie nicht doch besser allein geblieben? Hatte sie nicht schon als Kind herausgefunden, dass man sich nur durch Vermeiden von zu viel Nähe zu anderen Menschen vor Enttäuschungen und Verletzungen bewahren kann?

Sebastian und sein Zwillingsbruder Alex haben ein sehr schwieriges Verhältnis zueinander und beschränken den Kontakt auf das absolut Notwendige. Wider Erwarten freundet sich aber Emilie mit ihrem Schwager an und beginnt gleichzeitig sich mit der Vergangenheit ihrer eigenen Familie auseinanderzusetzen, als sie per Zufall Gedichte ihrer längst verstorbenen Tante Sophia in die Hände bekommt.

Der zweite Erzählstrang spielt in den letzten zwei, drei Jahren des 2. Weltkrieges. Das Vorkommen eines weiteren verfeindeten Zwillingsbruderpaars lässt den Leser falsche Schlüsse aus diesen Parallelen ziehen und die verhängnisvolle Liebe zwischen der jungen blinden Sophia mit einem Deutschen hat Folgen bis in die Gegenwart fünfundfünfzig Jahre später. Emilie entdeckt eine Verbindung zwischen ihrer französischen und Familie und den englischen Vorfahren ihres Mannes aus den Kriegsjahren und erfährt von schrecklichen Vorkommnissen aus der Vergangenheit. Wer ist Sebastian wirklich und welche Ziele verfolgt er? Durch die Auseinandersetzung mit der jüngeren Vergangenheit ihrer Familie wird Emilie erwachsen. Sie lernt endlich Entscheide zu treffen, diese durchzusetzen und selber Verantwortung zu übernehmen.

Die berührenden Erzählstränge sind meisterhaft miteinander verwoben und die Leserin erfährt nebenbei einiges über Spionagetätigkeit im Krieg. Wenn sich auch eine der Schlüsselszenen im Garten abspielt, hat dieser keine grosse Bedeutung im Roman und das Buch kann nicht wirklich als Gartenroman bezeichnet werden. Eine wichtige Rolle in der Erzählung nehmen hingegen die beiden Bände „Die Herkunft der französischen Obstsorten“ von Christopher Pierre Beaumont aus dem Jahr 1756 ein, die zusammen einen geschätzten Wert von etwa fünf Millionen Pfund haben.  



Lucinda Riley: 
Der Lavendelgarten 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013

5. Oktober 2013

Stefanie Hauschild: Gärten im Licht - Impressionisten und ihre Gärten

Die dem Impressionismus zugeordneten Maler haben häufig gleichzeitig eine enge Verbindung zum Garten. Während die einen ihn „nur“ als Motiv und Aussenatelier benutzten, haben andere selber zu Spaten und Hacke gegriffen und für Ordnung und eine farbenfrohe Blütenpracht in den Beeten gesorgt. In dieser üppig illustrierten Publikation führt Stefanie Hauschild die Leser in die Welt der Malerei und Gartenkunst und gibt in neun Kapiteln und der Einleitung Einblick in das Verhältnis zwischen Garten und Malerei der folgenden Künstler:

Auguste Renoir, Berthe Morisot, Edouard Manet, Max Liebermann, Gustave Caillebotte, Claude Monet, Childe Hassam, Vincent van Gogh, Henri Le Sidaner und Lucian Freud.

Gärten sind einem steten Wandel unterworfen. Sie verändern sich und auch die hier vorgestellten Künstlergärten existieren nicht mehr im Original. Geblieben sind die Kunstwerke, die dauernde Zeugen der einstigen Pracht sind, und mit ihren Farbkontrasten und dem Licht- und Schattenspiel noch heute zahlreiche Bewunderer finden. Mit dem Impressionismus prägten nicht mehr zeichnerische Elemente die Bilder, sondern die Farben. Und wurde bis anhin im Freien höchstens skizziert und dann das Gemälde im Atelier fertiggestellt, trug man nun die Staffeleien in die Natur hinaus und das Werk wurde so gut wie möglich - den Wetterlaunen ausgesetzt - draussen gemalt.

Gleich zu Beginn macht die Autorin klar, dass es jedoch oft nicht leicht festzustellen ist, wo die impressionistischen Gartenbilder überhaupt entstanden sind, da wenig über die Arbeitsweise dieser Künstler bekannt ist. Denn nicht von allen Malern liegen dermassen ausführliche biografische Informationen vor wie etwa von Claude Monet und Max Liebermann. Andere Maler wie Edouard Manet wollten gar nicht zu den Impressionisten gezählt werden, pflegten aber enge Kontakte zu diesen. In ihren Texten gibt Stefanie Hauschild nebenbei auch Informationen über moderne Pflanzen zu Lebzeiten der Impressionisten und man erfährt, dass der monochrome Garten keine Erfindung von Vita Sackville-West ist.

Einer der bekanntesten Künstlergärten wurde von Claude Monet angelegt, der sich stark für die Botanik interessierte. Als es ihm finanziell möglich war, hat er zwar Gärtner eingestellt, aber trotzdem immer auch selber gegärtnert. Nach seinem Tod wurde der Garten in Giverny lange vernachlässigt und erst später mit Hilfe alter Dokumente und angepassten Pflanzplänen wieder rekonstruiert.

Mit dem Maler Gustave Caillebotte, dem Geldsorgen fremd waren und der deshalb nicht auf den Verkauf seiner Bilder angewiesen war, pflegte Claude Monet freundschaftliche Kontakte. Caillebotte stammte aus gutem Haus und widmete seine Zeit hälftig der Malerei und dem Gärtnern. Zu seinem grünen Reich gehörten ein ummauerter Küchengarten, Obstbäume, ein Rosengarten, Blumenbeete und ein Gewächshaus. Der passionierte Künstlergärtner tauschte mit Monet Pflanzen und die beiden besuchten gemeinsam Gartenausstellungen.

Berthe Morisot, die einzige Frau unter den hier vorgestellten Malern, wiederum nutze Gärten in ihren Bildern als idyllische Szenerie hinter Menschen und sie arbeitete bevorzugt im Atelier. Auch Vincent Van Gogh besass keinen eigenen Garten. Seine Motive aus der Gartenwelt hat er in künstlerischer Freiheit „verbessert“, indem er beispielsweise die Wurzelstöcke der Schwertlilien auf den Bildern einfach weggelassen hat. Ganz allgemein sind die Blumen auf den Gemälden oft nur schwer oder gar nicht identifizierbar.

In Europa eher unbekannt ist Celia Thaxter. In den USA hingegen ist ihr Buch „An Island Garden“ mit Gemälden ihres Blumengartens von Childe Hassam wiederholt neu aufgelegt worden. Die besondere Liebe der Hotelierin galt dem Mohn, den sie jährlich in verschiedenen Sorten aufzog: Klatschmohn, kalifornischen Mohn, Islandmohn, türkischen Mohn sowie Schlafmohn. Ihr Garten hatte nur eine Grösse von 15 mal 4.5 Meter und in ihren Beeten hatte sie die Blumen aus praktischen Gründen nach Grösse sortiert. Denn Celia Thaxter malte nicht, ihre kreative Beschäftigung mit Blumen war das Arrangieren.

Im Anschluss an die Lektüre verführen zwei Seiten mit Literaturtipps zum Weiterlesen über Künstler und/oder ihre Gärten. Ich habe mein Monet-Buch, das ich Anfang 2005 anlässlich des Besuchs der Ausstellung „Monet’s Garten“ im Kunsthaus Zürich gekauft habe, wieder einmal durchgeblättert. Sind es tatsächlich schon wieder fast neun Jahre her, seit ich mich dort durchs Publikum gekämpft habe, um einen Blick auf die Seerosenbilder und verschiedene Dokumente rund um den Garten und die Gartengestaltung zu werfen? Und ich lese aktuell endlich Celia Thaxters „An Island Garden“ und bewundere die Bilder des amerikanischen Impressionisten Childe Hassam – ein schönes Buch, das schon viel zu lange ungelesen auf dem Regal gestanden hat.

Das Buch „Gärten im Licht“ ist ein ideales Geschenk für Garten- und Kunstliebhaber und es eignet sich als informativen Einstieg ins Thema Künstler und ihre Gärten. Statt der unbestritten reizvollen (sich aber wiederholenden) Blumenillustrationen hätte ich mir mehr Gartenbilder von den vorgestellten Malern gewünscht.



Stefanie Hauschild: 
Gärten im Licht - Impressionisten und ihre Gärten 
Jan Thorbecke Verlag, 2013

1. Oktober 2013

Wolf-Dieter Storl: Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer

Immer wieder liest man über Bemühungen, die Flussufer vom Indischen Springkraut (Impatiens glandulifera) zu befreien und von Rodungen grossflächiger Ausbreitungen von Kanadischer Goldrute (Solidago canadensis), da diese Neophyten die einheimischen Gewächse bedrohen, sprich deren Lebensräume beanspruchen und diese verdrängen. In seinem Buch „Wandernde Pflanzen“ vertritt Wolf-Dieter Storl die Meinung, dass diese Pflanzen mit Migrationshintergrund als unwiderrufliche Bestandteile unseres Ökosystems akzeptiert werden müssen und begründet seine Ansichten ausführlich. Zwei Punkte sind dabei besonders wesentlich: Diese stillen Eroberer müssen genau kennengelernt werden und man darf nicht vergessen, dass die Natur einem beständigen Wandel unterliegt. Viele dieser Neophyten gehören ausserdem Gattungen an, die in den Eiszeiten aus Mitteleuropa verschwunden sind und sind somit als Spätheimkehrer zu betrachten.

Unterteilt ist das Buch „Wandernde Pflanzen“ in die folgenden Kapitel:

- Pflanzen mit Migrationshintergrund
- Gute Pflanzen, böse Pflanzen
- Die grünen Begleiter der ersten Kolonialisten
- Psychologische Aspekte des Neophyten-Problems
- Die ganz Bösen
- Unerwünschte Gehölze
- Neophyten entlang der Autobahn und im Garten

Neben vielen spannenden Geschichten und beeindruckendem Hintergrundwissen sind in dieser illustrierten Publikation viele ausführliche Pflanzenportraits eingefügt und im Serviceteil finden sich ein Literaturverzeichnis, Internetadressen, Angaben zum Autor und ein Stichwortverzeichnis.

Wie kommt es, dass Pflanzen erst als Bienenweiden begrüsst wurden und nach Jahrzehnten oder sogar nach Jahrhunderten schliesslich als unerwünschte Neophyten auf schwarzen Listen landen und mit aller Macht ausgerottet werden sollen? Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) beispielsweise kam 1814 als Geschenk des russischen Zaren an Fürst Metternich nach Europa und wurde dannzumal von Botanikern bewundert und seine Samen wurden rege getauscht. Johann Wolfgang von Goethe liess eigens ein Podest bauen, damit er die Blüte und den Samenstand genau aus der Nähe betrachten konnte. Heute zählt der Riesenbärenklau zu den meistgehassten Neophyten. Doch ist es tatsächlich sinnvoll, mit dem Festlegen eines willkürlichen Zeitpunktes als Grenze (nämlich das Jahr 1492) zu versuchen, einen Idealzustand festzuhalten oder einen solchen zu erreichen? Die Herausforderungen im Umgang mit Nyophyten sind übrigens kein isoliertes europäisches Problem – andere Kontinente kämpfen mit den gleichen Sorgen, (teilweise) verursacht durch andere Pflanzen. Im Buch wird speziell Südafrika thematisiert.

Die Pflanzenkarrieren solcher Migranten verlaufen nach folgendem Schema: 1. Einfuhr, 2. Etablierung und Anpassung, 3. Invasion sowie 4. Sättigung und biologische Einbindung. Parallel dazu verlauft häufig die Einführung von Parasiten; unbeabsichtigt oder auch gezielt zwecks Einsatz als biologische Waffen. Letzteres hat häufig weitere Probleme zur Folge. Neophyten sind wie die gesamte Umwelt ein Spiegel der Bedingungen auf unserem Planet, geprägt von Klimawandel, intensiver Bewirtschaftung und Verstädterung. Werfen Sie doch beim nächsten Zwangsstopp in einem Stau auf der Autobahn einen Blick auf den Mittelstreifen und beachten Sie die zähe Pflanzenvielfalt, die trotz Hitze, Trockenheit und Salzrückständen gedeiht.

Viele in unzähligen Jahren, Jahrhunderten und Jahrtausenden gewachsene natürliche Verbindungen, wie etwa das vom Autor angeführte Beispiel von Prärie und Bisons, sind endgültig zerstört. Bestehen wie Wolf-Dieter Storl vermutet, Verbindungen zwischen Krankheiten und Neophyten? Er hat beobachtet, dass sich als Heilpflanzen eignende Neophyten gerade dort extrem verbreiten, wo sich gleichzeitig Krankheiten ausbreiten, die durch solche bekämpft werden könnten. Und er findet es erstaunlich, dass niemand solche Zusammenhänge, wie den von ihm beobachteten zwischen Borreliose und der Karde (Dipsacus sylvestris) genauer untersucht und fordert ein prinzipielles Umdenken im Umgang mit Neopyhten – diese sollen nicht als Bedrohung, sondern als Ergänzung betrachtet werden.

Hat der Autor recht mit seiner Behauptung, es würden absichtlich horrende Zahlen an Neophyten und durch diese verursachte Schäden genannt, damit Herbizidhersteller profitieren und gleichzeitig mehr Forschungsgelder und Mittel für Umweltämter und Universitäten gesprochen werden? Storl verfügt jedenfalls über ein immenses Wissen und weiss spannende Geschichten zu erzählen. Obwohl er nicht müde wird, seine von Wissenschaftlern grundsätzlich entgegengesetzten Ansichten über die stillen Eroberer zu betonen, erscheinen seine Plädoyers nicht missionarisch, sondern lassen den Leser nachdenklich zurück. Und zwar mit dem leisen Gefühl von (fast) komplettem Unwissen über die Zusammenhänge in der Natur. Eine Erkenntnis, die auch dem Autor nicht fremd zu sein scheint, wenn man seine weisen und liebevollen Schlussbemerkungen liest.

Storl probiert übrigens vieles an sich selber aus und nicht immer gehen diese Eigenversuche positiv aus. Ein Zuviel an Gartenmelde (Atriplex) etwa ist gar nicht gesund.  



Wolf-Dieter Storl: 
Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer 
AT Verlag, 2012