13. Oktober 2013

Anette Gräfe: Der Gärtner war’s (Anthologie)

Woran soll der Gärtner wieder schuld sein? Für diese Anthologie wurden Geschichten von Autorinnen und Autoren unterschiedlichster Altersstufen zusammengetragen. Falls Ihnen beim Titel gleich die etwas abgedroschene Redewendung „Der Gärtner ist immer der Mörder“ in den Sinn gekommen ist, so sind Sie (wenigstens grösstenteils) auf der falschen Fährte. Denn auf diesen rund 250 Seiten ist der Gärtner der Held, der Liebhaber, der Retter in Not oder er übernimmt auch mal detektivische Aufgaben und stellt psychologische Überlegungen an. Und ja, ab und zu hat er auch die Rolle des Mörders inne. Dazwischen widmet er sich aber natürlich auch seinem Beruf und kümmert sich um Rosen, Tulpen, Bonsais und anderes Grünzeug.

Die meisten Geschichten spielen in der Gegenwart, doch auch die Zeit der Tulpenmanie bildet die Kulisse für einen Kurzkrimi. An anderer Stelle sorgt der Gärtner mit etwas Magie und Zauber nicht nur für das Wohlergehen der Pflanzen, sondern auch für notwendige Veränderungen im Leben der Gartenbesitzerin. Und wenn der Gärtner für einen geringen Lohn wertvolle Blumen züchtet, welche die Kasse seines eher undankbaren Arbeitgebers klingeln lassen, könnte man ihn in der betreffenden Geschichte beinahe als Werkzeug und Handlanger desselben bezeichnen.

Einer meiner Lieblingsbeiträge ist „Lateinischer Sommer“. Hier geht es um die subtile Rache einer Gärtnerin an einer gartenschändenden Nachbarin mittels eines Diavortrages im lokalen Gartenbauverein. Der Anlass trägt den sinnigen Titel „Vicina flava maligna – ein singulärer Gartenschädling“. Nicht allen Teilnehmern ist schon vor dem Besuch der Veranstaltung bewusst, dass es sich dabei um die Bewältigung von gemeinen Attacken handelt. Und zwar nach dem Motto: „Herausforderung annehmen, alles ist irgendwie umnutzbar!“

Die Geschichten mit Titeln wie „Des Rätsels Lösung“, „Lange Schatten“, „Rote Rosen“, „Die Hymne ans Gras“, „Das Mörderspiel“ und „Minigeschichte“ sind inhaltlich komplett verschieden. Die einzige Gemeinsamkeit ist die Leitparole „Der Gärtner war’s“. Und so verschieden wie die Altersgruppen der Verfasser sind, so unterschiedlich ist auch das Niveau der einzelnen Beiträge. Will heissen, Spannung und Leselust schwanken etwas je nach Schreibstil des jeweiligen Verfassers.

Doch diese nicht immer ausschliesslich positive Vielfalt sollte Sie nicht davon abhalten lassen, selber über den Gärtner zu lesen, der (angeblich) zerstört statt zu pflegen, giessen und zu düngen, damit sich die erwünschte Blütenpracht einstellt. Und vielleicht lassen Sie sich trotzdem zum Nachdenken anregen durch die "Minigeschichte" über Nacktschnecken und erschrecken über die Folgen von Rasendünger-Missbrauch.


Anette Gräfe (Hrsg.): 
Der Gärtner war’s 
net-Verlag, 2013

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