19. März 2014

Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos): Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten

In ihrer aktuellsten Publikation hat sich Heidi Howcroft auf die Spuren von bedeutenden Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihren Gärten begeben. Thematisch gegliedert in die Kapitel „Von den Meisterinnen lernen“, „Geerbt, gebaut, gepflanzt – die neuen Gärten“ und „Einflüsse von der grünen Insel“ stellt sie die nachstehend aufgeführten Gartenikonen vor und zeigt auf, von welchen Einflüssen diese selber geprägt waren, wie sie ihre eigenen Ideen umgesetzt und wie sich ihre Gartenstile weiterverbreitet haben:

Rosamund Wallinger, Vita Sackville-West, Beatrix Havergal, Margery Fish, Rosemary Verey, Beth Chatto, Mary Keen, Anne Chambers, Gill Richardson, Lady Xa Tolemache, Rachel James, Rosanna James, Sue Whittington und Helen Dillon.

Zumindest einige dieser Gartengestalterinnen sind einem auch hierzulande bekannt, wenn man sich ein wenig mit der Gartenwelt beschäftigt. Doch auch in deren Portraits gibt’s Informationen zum (Wieder-)Entdecken. So weist die Autorin darauf hin, dass Rosemary Verey mit der Anlage ihres berühmten Potagers in Barnsley Garden den Boden dafür (mit-)geebnet hat, dass der Gemüseanbau heute wieder vorzeigbar ist. Falls Sie Rosen mögen, ist ihnen die Kiftsgate-Rose wahrscheinlich nicht unbekannt. Die ebenfalls portraitierte Anne Chambers gärtnert in der dritten Generation in Kiftsgate Court Gardens, wo seit rund achtzig Jahren das „Original“ der Kiftsgate-Rose wächst. Diese Pflanze wurde einst in einer Gärtnerei als Moschata-Rose gekauft, später als unbekannte Form identifiziert und schliesslich von Graham Thomas auf den Namen „Kiftsgate“ getauft.

Rosamund Wallinger hat die bemerkenswerte Herausforderung angenommen, ohne gärtnerische Kenntnisse die Wiederherstellung eines verwilderten Getrude Jekyll-Gartens in Angriff zu nehmen. Als Basis dienten ihr Pläne und alte Fotografien. Die schwierige Aufgabe hat sie mehr als souverän gelöst. Sie betont aber unermüdlich, dass der Garten Upton Grey eine Nachbildung von Gertrude Jekylls Kunst ist und keinesfalls ihre eigene Kunst. Über ihre eigenen hortikulturellen Erfahrungen hat sie zwei (englische) Bücher verfasst, die zusammen mit verschiedenen anderen Titeln in der Literaturliste im Anhang des Buches aufgeführt werden.

Auch in England sind die klimatischen Bedingungen nicht überall (annähernd) perfekt für gärtnerische Erfolge. Gill Richardson kämpft in Lincolnshire nicht nur gegen den Ostwind, auch verschiedene Vierbeiner machen ihr das Leben schwer. Muntjaks - kleine Hirsche - haben sich ausgerechnet ihre Helleboren als Lieblingsmahlzeit auserkoren. Doch trotz schwierigen Bedingungen hat die Gärtnerin ein Meisterwerk geschaffen und kombiniert immer wieder andere Pflanzen zu neuen Gartenbildern.

Helen Dillon ist eine bekannte irische Gärtnerin, deren Bücher leider bis jetzt ebenfalls (noch) nicht auf Deutsch übersetzt worden sind. Die Inselgärtnerin löst mit oft radikalen Veränderungen im Garten immer wieder Kopfschütteln aus. Denn viele Zeitungsleser kennen ihr grünes Reich aus Dillons regelmässig publizierten Kolumnen und scheinen oft deutlich weniger experimentierfreudig zu sein, als die Gestalterin selber. Diese ersetzt schon mal den Rasen durch ein formales Wasserbecken und stellt nach dem Entdecken der silbern bepflanzten Blumenrabatten in Metz die heimische Farbpalette nicht nur in Frage, sondern empfindet diese plötzlich als stark verbesserungswürdig. In Frankreich lohnt es sich übrigens nicht nur in Metz, "Blumeninseln“ genauer zu betrachten – u.a. auch in Nancy, Lyon und Paris finden sich in kommunalen Anlagen harmonisch abgestimmte Staudenkombinationen.

So wie diese für die englische Gartenbewegung prägenden Gärtnerinnen Kenntnisse über das Anlegen von stimmungsvollen Blumengärten wenigstens zum Teil von Vorfahren, Gleichgesinnten und aus Publikationen wie etwa Russel Pages „The Education of a Gardener“ übernommen haben, kann der Leser in diesem prächtig illustrierten Band Inspirationen für den eigenen Garten übernehmen. Oder zumindest von stimmigen Kombinationen in Farbe und Struktur träumen. Die wunderschöne Verbindung von Himalaya-Mohn mit Akeleien wird hierzulande ziemlich sicher leider nicht in der abgebildeten Pracht gedeihen, aber vielleicht lohnt sich ein Versuch mit einem Laubengang aus Wicken? Den Abschluss der mehrseitigen Portraits bilden jeweils ein von passenden Fotos begleiteter Leitfaden sowie Hinweise auf Leitpflanzen und ein Leitmotiv der jeweiligen Gärtnerin. So sieht Sue Whittington in jedem Pflanzenverlust die Chance, etwas Neues auszuprobieren.  



Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos): 
Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten 
Callwey Verlag, 2014