29. April 2013

Heinz-Peter Baecker: Blütenfest – Der igs-Krimi

In Hamburg laufen die Vorbereitung für die Eröffnung der Internationalen Gartenschau am 26. April 2013 unter dem Motto „In 80 Gärten um die Welt“ auf Hochtouren als eine Explosion auf dem Gelände an einem frühen Morgen rund zweieinhalb Wochen vorher die Anwohner unsanft aus ihren Träumen weckt.

Auch Jette Heitmann schreckt aus dem Schlaf, als ihr Zimmer bebt und Fensterscheiben klirren. Sie wohnt in nächster Nähe des Ausstellungsgeländes und entdeckt von ihrem Fenster aus in etwa hundert Meter Entfernung eine dunkle Wolke, aus der Sand und Gestein herunterfallen.

Unter den Trümmern liegen nicht nur zerstörte Blumenbeete, sondern viel schlimmer, auch eine männliche Leiche. Bald steht durch kriminaltechnische Ermittlungen fest, dass die Explosion nicht auf einen bis anhin unentdeckten Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg zurückzuführen ist, sondern eine Bombe absichtlich per Handy gezündet worden ist. In einem Erpresserschreiben an die Geschäftsleitung der igs-Hamburg werden weitere Anschläge angedroht, falls die verlangte Lösegeldforderung der Erpresser nicht erfüllt werden sollte.

Der Anschlag stellt Jettes Leben völlig auf den Kopf. Nach einem beängstigenden ungebetenen Besuch steht sie unter Polizeischutz. Sie nimmt die Einschränkungen zwar einigermassen mit Humor auf sich, doch wer hat aus welchen Gründen überhaupt ein Interesse, die junge Frau zu bedrohen?

Die zuständige Soko arbeitet unter Hochdruck und ermittelt in verschiedene Richtungen, damit der oder die Täter dingfest gemacht und das geplante Blütenfest pünktlich und ohne Nebengeräusche eröffnet werden kann. Gelingt es, dieses Ziel zu erreichen?  



Heinz-Peter Baecker: 
Blütenfest – Der igs-Krimi 
Kontrast Verlag, 2012

25. April 2013

Adrian Thomas: Gärtnern für Tiere – Das Praxisbuch für das ganze Jahr

Jeder Garten ist ein wichtiger Lebensraum für Tiere. Jedenfalls dann, wenn er nicht völlig zubetoniert ist. Da ganz allgemein immer mehr Grünflächen zugepflastert und überbaut werden, ist es umso wichtiger, mit dem eigenen Garten verantwortungsbewusst umzugehen. Schon kleine Massnahmen reichen oft aus, um mehr Tiere der unterschiedlichsten Arten und Gattungen anzulocken. Vielleicht beginnen Sie als Gärtner mit dem Vorsatz, sich nicht über jedes angeknabberte Salat- oder Hosta-Blatt zu ärgern (nicht immer ganz einfach!), indem Sie sich vor Augen zu führen, dass ein Gartenmitbewohner daran seinen Hunger gestillt hat?

Das Buch "Gärtnern für Tiere" ist farblich in mehrere Bereiche unterteilt, die das Nachschlagen von Themen erleichtern und wie folgt gegliedert:
  • Vorwort, Einführung und Aufräumen mit Irrtümern
  • Gärtnern für verschiedene Bewohner (Vögel, Tagfalter, Säugetiere, Reptilien und Amphibien, Bienen, Libellen, Nachtfalter und für die verborgene Welt, zu der Laub- und Feldheuschrecken, Käfer, Wanzen, Fliegen, Ameisen, Spinnen, Asseln, Regenwürmer, Nackt- und Gehäuseschnecken, Moose und Pilze sowie Flechten zählen)
  • Verschiedenen Lebensräume schaffen (zum Beispiel Tipps zur Anlage von Komposthaufen und von Wassergärten, Hinweise wie der Ziergarten und der Balkon wildtierfreundlich gestaltet werden können und wie Flüssigdünger selber hergestellt werden kann) 
  • Die 300 besten Gartenpflanzen für Wildtiere
  • Gärtnern für Tiere
  • Arbeitskalender von Januar bis Dezember
  • Beobachtungen und Aufzeichnungen 
  • Literaturhinweise, Register

Adrian Thomas räumt in diesem Praxisbuch gleich zu Beginn mit verschiedenen Irrtümern auf und zeigt anhand realistischer Beispiele, dass ein Garten keinesfalls gleich in eine Wildnis umgekrempelt werden muss, damit sich darin (mehr) Tiere wohl fühlen und diesen als Daheim auswählen und akzeptieren. Es ist auch nicht notwendig, sich strikt auf einheimische Pflanzen zu beschränken. Und es gibt keine allgemein gültige Gebrauchsanweisung für den perfekten tierfreundlichen Garten, sondern unzählige unterschiedliche Möglichkeiten.

Schauen Sie sich in der Natur um und nehmen Sie sich Zeit zum Beobachten, auch ausserhalb des Gartenzauns. Versuchen Sie, sich in die Bedürfnisse der kriechenden, fliegenden, hüpfenden vier- und sechsbeinigen Bewohner zu versetzen. Wie nehmen diese den Garten samt seiner Gebäude und Bepflanzung wohl war? Im Buch findet sich dazu eine anschauliche Skizze mit Beschrieb. Und vergessen Sie nicht, dass der eigene Garten keine Insel ist.

Sie haben bereits eine vage oder sogar eine konkrete Vorstellung davon, welche Tiere Sie gerne in Ihren Garten einladen wollen? Mit dem angelesenen Wissen werden Sie nach der Lektüre dieses Buches Zusammenhänge verstehen und diese in die Praxis umsetzen können. Besonders wichtig für die Fauna sind beispielsweise Bäume. Der Autor vergleicht sie mit einem Luxushotel mit fast unbegrenztem essbarem Material auf der Oberfläche, wo sich die Tiere wie in einem Selbstbedienungsladen versorgen können.

Im Kapitel „Die 300 besten Gartenpflanzen für Wildtiere“ werden in Kurzportraits neben grossen und kleinen Bäumen auch geeignete Sträucher, Kletterpflanzen und Stauden vorgestellt. Bei sämtlichen Blütenpflanzen sollten einfache Blüten den gefüllten vorgezogen werden. In letzteren kann das Innere von Bienen gar nicht erreicht werden und diese sind somit nutzlos. Selbst Totholz erfüllt wichtige Funktionen und kann mit Leben gefüllt werden. Es dient als Unterschlupf für Kröten und Molche sowie als Winterquartier für Igel.

Adrian Thomas ist Mitarbeiter der „Royal Society for the Protection of Birds“ und lässt den Leser in Vogelportraits von der Amsel über den Grünfink, Hausrotschwanz, Kleiber bis zum Wintergoldhähnchen an seinem Wissen teilhaben. Er weiss, welcher Vogel bevorzugt in Kolonien unterwegs ist, dass Mauersegler meist hoch in der Lust schlafen und welcher der gefiederten Freunde zu den Allesfressern gehört. Zu den Portraits gehören Informationen über die Verbreitung der verschiedenen Vögel, den Lebensraum, die Lebensweise, Nahrung, Schlafplatz und die Brut und der Autor erklärt, wie richtig gefüttert wird, wo Tränken und Vogelbäder platziert werden sollen und welche Vogelarten Nistkästen nutzen.

Der textliche Inhalt wird durch unzählige aussagekräftige Fotos ergänzt. Adrian Thomas vermittelt sein Wissen mit einer ansteckenden Begeisterung. Lassen Sie sich ermuntern, den gesamten Gartenraum samt der Senkrechten zu nutzen, um Lebensräume zu schaffen und lassen Sie Ihrer Kreativität freien Raum. Wenn Sie Ihre Bemühungen und Ergebnisse regelmässig schriftlich und fotografisch festlegen, werden Sie nicht nur darüber staunen, was Sie im Laufe der Zeit alles vergessen haben, sondern insbesondere verblüfft sein, über die konkret nachvollziehbaren Veränderungen der Populationen in Ihrem grünen Reich.  



Adrian Thomas: 
Gärtnern für Tiere – Das Praxisbuch für das ganze Jahr 
Haupt Verlag, 2013

21. April 2013

Brigitte Riebe: Die schöne Philippine Welserin

Wermut (Artemisia), Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Schlehdorn ( Prunus spirosa) – Philippine Welser sucht im Auftrag iher Mutter Anna Welser regelmässig nach Heilkräutern und weiss inzwischen selber ziemlich genau, welche Pflanze welches Leiden kurieren und welche Nebenwirkungen hervorrufen kann.

Augsburg im Jahr 1556 – Die Leute reden über die 29jährige Philippine Welser, die noch immer unverheiratet ist und bei ihrer Mutter wohnt, welche mit finanziellen Problemen kämpft, da der Vater der Familie den Rücken gekehrt und diese ihrem Schicksal überlassen hat. Zwar gab es den einen oder anderen Bewerber, der Interesse an der jungen Frau gezeigt hat, doch keiner von ihnen konnte Ferdinand das Wasser reichen, dem sie ihr Herz geschenkt hat und der aber gleichzeitig unerreichbar für sie ist. Denn während sie selber aus einem bürgerlichen Haus stammt, ist er der Lieblingssohn des künftigen Kaisers Ferdinand I.

Wie in einem Käfig eingesperrt fühlt sich Philippine. Dabei würde sie liebend gerne ferne Länder erkunden. Gefördert und unterstützt wird sie von ihrem geliebten Onkel Bartholomé, doch die junge Frau hasst die familiären Umstände, die sie zwingen, diesen immer wieder um Geld anzubetteln. Nach einer kurzen Liebelei mit Konsequenzen, die von ihrer Mutter mit Hilfe von Kräutern gerade noch korrigiert werden können, erhält Philippine eine Einladung ihrer Tante Kat aus Böhmen. Sie soll sich dort erholen. Und natürlich keimen in der hoffnungslos verliebten Frau schon wieder Erwartungen auf. Denn von Böhmen ist es ja schliesslich nicht viel mehr als ein Katzensprung nach Prag, wo Ferdinand lebt. Ob sie ihn wohl wiedersieht?

Tatsächlich treffen sich die beiden wieder und Ferdinand erwidert Philippines Gefühle. Er heiratet sie sogar, jedoch nur heimlich. Die Öffentlichkeit und auch der Kaiser dürfen nichts von der geheimen Legalisierung der Verbindung wissen, droht doch sonst eine Staatsaffäre. Nur ganz wenige Nahestehende sind eingeweiht und wissen von der nicht standesgemässen Ehe der beiden und dem heimlichen Familienleben. Das Ehepaar bekommt nämlich im Laufe der Jahre vier Kinder, die aber als unehelich gelten.

Philippine führt gleichzeitig ein schönes und ein schreckliches Leben. Lohnt sich der Preis? Ihre Kinder sind von der Erbfolge ausgeschlossen und erhalten nur eine Apanage. Zudem muss sie ständig um ihr Leben fürchten und nutzt ihren geliebten Hund kompromisslos als Vorkoster. Zeitlebens nie verwindet sie den Tod ihrer Zwillinge, die im Kleinkindalter sterben, als die Pest wütet, der auch mit grossem Heilkräuterwissen nicht oder nur beschränkt beizukommen ist.

Jedes Kapitel dieses historischen Kriminalromans beginnt mit der Zeichnung einer Heilpflanze und Angaben zu deren positiven und negativen Wirkungen. Das entsprechende Heilkraut findet dann auch im entsprechenden Abschnitt Verwendung. Ablenkung von ihren Sorgen und eine Aufgabe findet Philippine in der Pflege ihres eigenen Kräutergartens und dem Studium der einheimischen und der exotischen Pflanzenwelt. Ihre Lateinkenntnisse testet sie, während sie sich in Leonhard Fuchs‘ „De historia stirpium“ vertieft. Das von ihrer Mutter geerbte Kräuterbuch ist ihr heilig und sie ergänzt und erweitert die Informationen darin laufend. Als Philippine später in Tirol auf Schloss Ambras lebt, besitzt sie einen Garten mit kleinen Bauwerken und Pavillons und sie initiiert die Eröffnung eines Offizins, wo alle Kranken kostenlos behandelt werden. Doch immer wieder liegen Schatten auf Philippines Leben - eine Metapher zum Wort und der Bedeutung von "Ambras"?

Der historische Roman wird in zwei Strängen erzählt. Entweder berichtet Philippine in Tagebuch- oder die Autorin erzählt in Romanform. In der Handlung vermischt Brigitte Riebe auf anregende Weise Daten und Geschehnisse aus dem Leben der „echten“ Philippine Welser mit Fiktion und gibt dabei Einblick in die Lebensweise im 16. Jahrhundert und dannzumal übliche, heute teilweise merkwürdig erscheinende Sitten. So darf Philippine ihre Kinder nach der Geburt nicht behalten. Diese werden ihr weggenommen, vor die Türe gelegt und hernach quasi als Findelkinder aufgenommen und aufgezogen. Und natürlich darf die leibliche Mutter ihren Nachwuchs auch nicht selber stillen.  



Brigitte Riebe: 
Die schöne Philippine Welserin 
Gmeiner-Verlag, 2013

17. April 2013

Karen Meyer-Rebentisch: Das ist Urban Gardening! – Die neuen Stadtgärtner und ihre kreativen Projekte

In den letzten Jahrzehnten ging vor allem in städtischen Gebieten viel hortikulturelles Wissen verloren, das früher zur Allgemeinbildung gehörte und wenn es vielleicht auch nicht gerade fürs nackte Überleben wichtig war, so doch unerlässlich für das Auskommen mit dem Haushaltseinkommen. Mit dem Aufkommen von Supermärkten an fast jeder Ecke und Kühlschränken mit für jedermann erschwinglichen Preisen, war oder schien es nicht mehr notwendig, sich selber mit der Anzucht und Pflege von Obst und Gemüse abzumühen. Diese Freizeitbeschäftigung galt daher lange als eher altmodisch. In den letzten Jahren hat aus verschiedenen Gründen, zu denen auch Lebensmittelskandale gehören, vermehrt ein Umdenken stattgefunden.

Karen Meyer-Rebentisch hat sich für diese aktuelle Publikation aufgemacht, in verschiedenen Städten in Deutschland urbane Garten-Projekte aufzusuchen und berichtet nun von den Visionen und aus dem (gärtnerischen) Alltag der neuen Stadtgärtner. Junge Leute, die sich für das Gärtnern entscheiden, können heutzutage oft nicht auf die Erfahrung der vorherigen Generation zurückgreifen und sind deshalb auf andere Informationsquellen angewiesen. Das ist mit ein Grund, weshalb Gartenbücher, Gartenmagazine und insbesondere Zeitschriften mit dem Wort „Land“ im Titel boomen und die Auswahl am Kiosk fast unüberschaubar ist. Doch gelernt wird in erster Linie im Garten selber und gerade in Gemeinschaftsgärten kommt es wie die Autorin anmerkt, zu einem (Zitat) „inspirierenden Zusammenspiel von Fragen, Wissen, Talenten und Experimentierlust“, während Besserwisser fehl am Platz sind.

Stadt und Garten – (k)ein Widerspruch? Nach einleitenden Gedanken und einem Überblick in die Geschichte des öffentlichen Grüns im Lauf der Zeit, ist das Buch in die folgenden Themen gegliedert:
  • Humus auf den Asphalt! - Die grünen Visionen der neuen Stadtgärtner
  • "Hier hat meine Seele ein Zuhause“ - Interkulturelle Gärten 
  • Der Städter und sein Bauer - ein Pakt für die Zukunft
  • Ökologie beginnt im Kopf - Umweltpädagogik in Natur und Garten
  • Grün für alle!– Frischluftschneisen, Gartenzwerge und Gemüse
  • Green Guerillas und brave Bürger – Von der grünen Lust der Städter
  • Anhang mit hilfreichen Links und weiterführender Literatur
Brachen, die als Gärten einer neuen – oft nur temporären – Nutzung zugeführt werden, verfügen oft über stark belastete Böden, so dass Kreativität gefragt ist, bevor die Fingernägel vom Gärtnern dreckig gemacht werden können. Als Lösungen eignen sich etwa Hochbeete oder es wird auch das Anpflanzen in Milchpackungen oder Industriekisten praktiziert. Alte Reissäcke, die bei der Aussaat umgekrempelt werden, eignen sich besonders gut für den Anbau von Kartoffeln. Wenn die Pflanzen später angehäufelt werden, wächst der Sack automatisch mit. Daneben dienen gemäss Fotos sogar ausgediente Schuhe als Pflanzgefässe – gefüllt sind diese aber im Buch nur mit Blumen und Zierpflanzen. Und auch auf luftiger Höhe können Gärten gedeihen, wie das Beispiel des Kistengartens auf einem Betondach in Hamburg-St. Pauli zeigt. Gleichzeitig erlaubt diese Art zu Gärtnern, eine gewisse erleichterte Mobilität und Flexibilität, wenn die Anlage geräumt werden muss, weil der Pachtvertrag abläuft oder gekündigt wird.

Es lässt sich nachlesen, wie das Gemüse immer öfter in die Stadt zurückkehrt. Im Buch werden interessante Projekte wie „Essbare Stadt Kassel“, „Incredible Edible Todmorden“ und „Agropolis“ in München in Kurzform vorgestellt. Auch die „Essbare Stadt Andernach“, die auf öffentlichen Brachen Nutzpflanzen anbaut, welche die Bürger dann ernten dürfen, wird thematisiert. Andernach geht auch in anderer Hinsicht einen Schritt voraus. Während vielerorts Bewilligungen eingeholt werden müssen, um vor dem Haus etwas zu pflanzen, setzt diese Stadt aus eigener Initiative Rebstöcke an Hauswände, sofern der Besitzer nicht ausdrücklich widersprochen hat. Andere Projekte wie beispielsweise der schon oben erwähnte Kistengarten oder die Internationale Gärten Göttingen werden im Buch ausführlicher beschrieben.

Welches sind die Beweggründe, in einem Gemeinschaftsgarten aktiv zu werden und/oder im kleinen Rahmen vorzuspuren, was (vielleicht) etwas Grosses auslöst? Üppige Ernteerträge sind gar nicht unbedingt oberstes Ziel. Gärten, und ganz besonders mobile Versionen davon, vereinen Menschen, die sich sonst kaum begegnet wären und schaffen Verbindungen. In Interviews erzählen ein Mathematikstudent von seinem Engagement im Gemeinschaftsgartenprojekt „O’pflanzt is“, eine Berufsgärtnerin über ihre Motivation, ehrenamtlich einen interreligiösen Kräutergarten anzuregen und umzusetzen und eine Akademikerin aus Bagdad darüber, wie ihr die Interkulturellen Gärten Göttingen, wo sie auch Pflanzen aus der Heimat anbauen kann, die Integration und das Schlagen von Wurzeln vereinfacht haben.

Gleicherweise ist Guerillagärtnern derzeit in aller Munde. Die Autorin berichtet vom vielleicht ersten Guerillagärtner, der schon ab ungefähr 1873 in diesem Sinn aktiv war. Der Ingenieur und Schriftsteller Heinrich Seidel war für die die Verbreitung des Zimbelkrauts (Linaria cybalaria) besorgt und kämpfte schon dannzumal gegen ordnungsliebende Stadtgärtner. Etliche Jahre später zur Zeit des Kalten Krieges haben zwei Familien im Schatten der Berliner Mauer auf DDR-Gebiet ein Stück Land in einen blühenden Garten verwandelt. Mittlerweile ist darauf auch ein kurioses Bauwerk errichtet worden und bereits baut die zweite Generation im Gewohnheitsrecht Gemüse an.

Dieses inspirierende Buch ist mit viel Herzblut recherchiert und geschrieben worden. Es ist keine Pflanzanleitung fürs Gärtnern in der Stadt, sondern gibt einen reich illustrierten Überblick, was in Sachen Urban Gardening in Deutschland los ist. Möge diese Publikation möglichst viele (potentielle) Gärtner motivieren, ein eigenes grünes urbanes Projekt anzustossen und durchzuziehen! In Zürich beispielsweise sind gerade Bemühungen in Richtung „Essbare Stadt“ im Gange und sollen im nächsten Frühling umgesetzt werden.  



Karen Meyer-Rebentisch: 
Das ist Urban Gardening! – Die neuen Stadtgärtner und ihre kreativen Projekte 
BLV Buchverlag, 2013

13. April 2013

Beverley Nichols: Lieblingsblumen

Beverley Nichols ist eindeutig mitschuldig an meiner Leidenschaft für Gartenlesebücher. Meine ersten Taschenbücher („Grosse Liebe zu kleinen Gärten“, „In ein Haus verliebt“ etc.) aus seiner spitzen Feder habe ich Ende der 1980er Jahre gelesen. Diese stehen immer noch in der ersten Bücherreihe und längst haben sie Nachbarn in Form von englischen Ausgaben bekommen. Nach wie vor zählt Beverley Nichols zu meinen Lieblingsautoren und ums so mehr habe ich mich auf ein für mich neues Buch des 1983 verstorbenen Engländers gefreut. Er stellt in dieser kleinformatigen Publikation seine vierzig Lieblingsblumen von Aquilegia (Akelei) über Lilium regale (weisse Königslilie) bis Sternbergia lutea (Herbstgoldbecher) vor.

Das Büchlein ist im Original 1964 erschienen und schon dannzumal stellte Nichols fest, dass der Himmel übersät ist von Kondensstreifen der Flugzeuge, die Strassen Rennstrecken ähneln und die Menschen durch die Städte hetzen. Er ärgerte sich auch bereits vor fünfzig Jahren jeweils im Februar über aus Marokko eingeflogene weisse Spargeln. Was würde er wohl heute zu diesen Themen für die Nachwelt festhalten? Doch genau wie heute galt auch schon vor einem halben Jahrhundert, dass mit Eintritt in einen besonders reizvollen Garten den Besucher eine Art Entschleunigung erfasst und ein anderer Rhythmus den Takt angibt, der aber nicht unbedingt mit der vom Autor beschriebenen therapeutischen Wirkung von Stiefmütterchen zusammenhängen muss.

Lieblingspflanze ist nicht gleichbedeutend mit schön. Die Glockenrebe etwa hat sich ihren Platz unter den vierzig Lieblingen durch ihre Schnelligkeit und Anspruchslosigkeit erworben, während der Seidelbast (Daphne mezereum) Pluspunkte sammelt, weil er mitten im Winter einen Hauch von Sommer verbreitet. Im Beitrag mit dem Untertitel „Karneval der Blumen“ sinniert der Autor mit dem Blick des Künstlers darüber, welche Blume zu welchem Komponisten passt und schlägt für Mozart eine Frühlingswiese in den Bergen vor, für Chopin eine Narzisse im Regen und die Akelei ordnet er Schuhmann zu, natürlich mit passender Begründung.

Persönlicheres zum Charakter des Autors liest man immer wieder direkt oder auch nur zwischen den Zeilen, wie etwa in der Episode „Lohn der bösen Tat“, wo er von seinem Gewissen berichtet. Dieses plagt ihn beispielsweise nach dem Stibitzen einer Samenkapsel. Lohnen sich wohl der rote Kopf, Herzklopfen und die Tage andauernde Angst bei jedem Läuten der Hausglocke (es könnte ja die Polizei vor der Türe stehen)? Dafür geniesst Nichols die geheime Freude, wenn er hinter dem Rücken seines Gärtners Fuchsienblüten zum Platzen bringt oder wenn „unbotmässige“ Kinder, die sich ungefragt an den Früchten seiner Birnen von einem Gehölz in Trauerform bedienen, feststellen müssen, dass diese gar keine Wohltat für die Zähne darstellen. Aber auch er selber kann sich wie schon weiter oben erwähnt nicht immer zurückhalten und er empfiehlt, sich auswärts immer gut mit dem Obergärtner zu stellen, so dass man sich abends nach dem Eindunkeln ohne Angst vor Konsequenzen mit einem noch leeren Korb Richtung Schneeglöckchenblüte aufmachen kann…

Des Weiteren gibt er Unschlüssigen einen Tipp zu Entscheidungshilfe beim Durchblättern von Katalogen. Er schlägt nämlich vor, einfach eine Stecknadel ins Papier zu stecken. Ausserdem lädt er ein, den melodischen Klängen,  die der Wind Gräsern oder Heidekraut entlockt, zu lauschen und er meint, die Adelssippe der Rhododendron sei vergleichbar bunt und protzig wie die Habsburger und Hohenzoller. Auch Gartentipps sind immer wieder zu lesen. Er empfiehlt Hostas als lohnende Gartenpflanzen (schreibt aber nichts über Schnecken) und Pfingstrosen sollen nie in Erde gepflanzt werden, in der schon eine solche gestanden hat. Wenn die Erde nicht zumindest ausgetauscht wird, ist mit Reaktionen ähnlich menschlicher Familienfehden zu rechnen.

Ein bezauberndes, blumiges und etwas altmodisch angehauchtes Büchlein zum immer wieder drin Schmökern.



Beverley Nichols:
Lieblingsblumen 
Schöffling und Co., 2013

9. April 2013

Gabriele Bickel: Geschenke aus meinem Kräutergarten

Gabriele Bickel wird auch Kräuterhexe genannt. Denn seit vielen Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Kräutern, ihrem Kräuterhexenreich im Kloster Maulbronn, ihrem Kräuterhexenladen und teilt in Kursen ihr umfangreiches Wissen mit interessierten Kräuterhexenlehrlingen. Bekannt ist sie auch durch die Medien und ihre früher erschienenen Bücher.

In ihrer aktuellen Publikation „Geschenke aus meinem Kräutergarten“ lässt die Autorin die Leser in ihren Hexenkessel blicken und stellt verschiedene Rezepte aus ihrem reichen Fundus vor. Die Palette reicht von Teemischungen über Heilkräuter bis zu Schönheits- und Pflegprodukten. Gegliedert sind die aromatischen Ideen in die folgenden Kapitel:

- Essige – umkompliziert und vielfältig
- Würzöle – Kräuter aromatisch einlegen
- Kräutersalze – tolle Mischungen
- Weine – Liköre und Schnäpse veredeln
- Edle Steine und Öle - Tees liebevoll herstellen
- Kräuterbäder und Crèmes zum Wohlfühlen

Zu jedem Kapitelthema gehört eine Textseite „Das Wichtigste auf einen Blick“), auf welcher wichtige Informationen etwa zu Haltbarkeit und Lagerung, Qualität der Zutaten oder eine kurze Salzkunde lesen sind. Welche Öle eignen sich am besten als Basis für Kräuterwürzöle und sollen frische oder getrocknete Kräuter verwendet werden? Antworten auf diese und andere Fragen finden sich im jeweiligen Rezept und die Autorin erklärt, was bei der Kräuterernte unbedingt zu beachten ist. Die Kräuter müssen nämlich bei trockenem Wetter am frühen Morgen gepflückt werden, frühestens drei Tage nach dem letzten Regenschauer. Und die Trockenzeit an einem warmen, schattigen Ort soll kurz gehalten und die Ernte anschliessend dunkel und luftdicht verschlossen aufbewahrt werden.

Und was für Geschenke für sich selber oder als Mitbringsel können Sie in diesem Buch erwarten? Hier sollen noch ein paar der beschriebenen Rezepte verraten werden: Sommer-Essig mit Basilikum und Apfelrosen, Salatkräuter-Öl , Zimt-Öl, Tomaten-Würzsalz, Löwenzahnwein, Antistress-Schnaps, Hexen-Husten-Tee, Ringelblumen-Crème, Rosmarin-Fussbad …

Für Nicht-Esoteriker – auch wenn Sie die Seiten mit den Rezeptvorschläge überblättern, für welche Edelsteine eine Basis bilden, finden sich noch etliche praxisnahe Vorschläge für die die Verwendung von Kräutern im Alltag. Den Abschluss bildet ein Serviceteil mit einem alphabetischen Register und Informationen zu Bezugsquellen.



Gabriele Bickel: 
Geschenke aus meinem Kräutergarten 
Kosmos Verlag, 2013

5. April 2013

Elsemarie Maletzke: Giftiges Grün – Ein Gartenkrimi

Heinrich Weil ist verstorben. Zuletzt hatte der alte Mann zurückgezogen in einer kleinen heruntergekommenen Wohnung gelebt. Bei der Räumung seiner vier Wände finden sich aber doch ein paar Schätze wie etwa Loniceru’s „Kreuterbuch“ aus dem Jahr 1713, Chaumetons „Flora médicale“ und zwei Pflanzenkupfer aus dem „Hortus Eystettensis“.

Bei der Testamentseröffnung schliesslich stellt sich heraus, dass der Verstorbene sogar ein kleines Vermögen zu vererben hat. Die Auszahlung von Euro 30‘000 hat Heinrich Weil aber an eine Bedingung geknüpft. Und zwar soll derjenige erben, der den Erblasser von jedem Verdacht einer Schuld reinwaschen kann, die sein Leben zerstört hat. Im Sommer 1977 verstarb nämlich während einem Sommerfest ein ihm anvertrautes junges Mädchen namens Marion unter nie geklärten Umständen. An Heinrich Weil aber blieb zeitlebens ein Verdacht haften, Schuld an dessen Tod zu sein. Sollte innert drei Monaten kein Licht ins Dunkel dieser letzten Stunden von Marion gebracht werden können, fällt das Erbe an eine Stiftung.

Die Erben von Heinrich Weil sind die Geschwister Lina und Karl, deren Vetter Horst Eilemann sowie eine Madame Ernest Calvet, die aus gesundheitlichen Gründen von einem Anwalt vertreten wird. Die drei jungen Leute machen sich getrennt auf, ihre Fähigkeiten als Amateurdetektive zu testen und herauszufinden, ob nach so vielen Jahren noch jemand für eine Tat zur Rechenschaft gezogen werden kann oder ob es sich vielleicht doch einfach um einen tragischen Unfall gehandelt hat und ein Skandal vertuscht worden ist.

Was für ein Geheimnis steckt hinter diesem Jahrzehnte zurückliegenden Todesfall und wer war Heinrich Weil? Lina hat als kleines Mädchen wiederholt die Sommerferien bei ihm und Tante Rose in der Villa Buchfinkenschlag verbracht und sie erinnert sich an stundenlange Wanderungen und einen grossen Vogelliebhaber und Anekdotenerzähler. Heute ist Lina vierzig Jahre alt und Inhaberin des Hotel Garni Augusta mit fünf Gästezimmern. Ihr Leben ist durchorganisiert und von Gewohnheiten geprägt, während ihr Bruder seine Brötchen als Antiquar verdient und nicht besonders gut mit Geld umgehen kann. Vetter Horst wiederum ist Autor, Journalist und in erster Linie ein Profiteur mit dem Ziel, mit möglichst wenig Aufwand ein Maximum an Ertrag zu erwirtschaften.

Unter Onkel Heinrichs Hinterlassenschaft findet Lina einen Zettel, auf dem Tante Rose diesen einer Schuld bezichtigt und fortschickt. Zusammen mit ihrer gartenverrückten Mutter Berta Weil fährt Lina an den mutmasslichen Ort des Verbrechens. Das Gittertor zur Villa Buchfinkenschlag ist geschlossen und das Gebäude selber wie auch der Garten scheinen auf den ersten Blick völlig vernachlässigt und verlassen. Die beiden Frauen verschaffen sich Zutritt und treffen auf einen Mann; den attraktiven Gärtner Johann, der wie sich herausstellt, einen ausgeprägten Hang zu giftigen Pflanzen hat. Welche dunklen, grünen Geheimnisse verbergen sich hinter den Mauern von Buchfinkenschlag?

Ein spannender Gartenkrimi, bei dem nicht nur der Titel hortikulturell ist. Immer wieder streut die Autorin ihr umfangreiches botanisches Wissen ein. Zu lesen gibt es dabei auch Absurdes (über tierisches Kompostmaterial), Zerstörerisches (Geländewagenfahrer, der Beete plattwalzt) oder ganz einfach Hinweise für Besucher von offenen Gärten (bitte die Anpflanzung loben, nicht die tolle Aussicht). Lina selber hat keine Ahnung von Blumen, aber ihre Mutter ist eine leidenschaftliche Gärtnerin, die in ihrem Garten Gestaltungselemente von Colette übernommen hat und der Meinung ist (Zitat), „man dürfe Eigentumsverhältnisse nicht ganz so eng sehen, wenn es um die Ausbreitung von wünschenswerter Vegetation geht“. Ausserdem tut sie sich schwer, ihren „schwangeren“ Agapanthus alleine zu lassen, der erstmals seit drei Jahren Blütenknospen trägt, die sich jeden Tag entfalten können.

Auch ohne Leineneinband ist die Fortsetzung der immer schön anzuschauenden Pocket-Size-Gartenlesebücher aus dem Schöffling Verlag eine überaus erfreuliche Sache. Verbleibt mir nur noch Sie vor spitzen Regenschirmen zu warnen und darauf hinzuweisen, dass im Leben alles irgendwann zurückbezahlt werden muss.  



Elsemarie Maletzke: 
Giftiges Grün – Ein Gartenkrimi 
Schöffling und Co., 2013

1. April 2013

Lorraine Harrison: Gärten lesen – Gartenarchitektur erkennen und verstehen

Wasserspiele, verschiedene Ebenen, Brücken, Küchengärten, Arkaden, Rosarium – es gibt unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten, die im Garten umgesetzt werden können. Nicht immer ist die Zuordnung der Formensprache so einfach und eindeutig wie beispielsweise in einem Gemüse- oder einem Heilkräutergarten und oft sind auch gleich mehrere unterschiedliche Einflüsse auszumachen.

Lorraine Harrison, die nebenbei bemerkt auch für das englische Gartenjournal Hortus schreibt, hat mit dem von Stefan Leppert ins Deutsche übersetzten Buch „Gärten lesen“ einen Schnellkurs zum Erkennen und Verstehen von gartenarchitektonischen Elementen verfasst. Das Vorwort zu dieser Publikation hat Juliet Nicholson geschrieben, die Enkelin von Vita Sackville-West und Harald Nicholson.

Nach einer Einleitung gibt es ein paar Worte zur Datierung von Gärten und zur Geschichte der Gartenbesucher. Dabei wird auch nicht verschwiegen, dass gerade Gärten wie etwa Sissinghurst oder Great Dixter, die von Besuchern geradezu überschwemmt werden, gewissermassen Opfer ihres eigenen Erfolges sind und jeder Besucher dafür neben dem Eintrittspreis einen zweiten Preis bezahlt. Nämlich den in Form von Mangel an (privater) Atmosphäre und eines nicht ganz perfekten, weil abgenutzten Rasen.

Der Gartentyp liegt im Zweck begründet oder ist zumindest eng damit verbunden. Im ersten Kapitel wird eine Auswahl verschiedener Gartentypen vorgestellt. Darunter sind Islamische Gärten, konzeptuelle Gärten, Sammlungen und Prachtgärten. Themen der folgenden Kapitel sind (die Aufzählungen in Klammern sind nicht abschliessend):
  • Gartenstile (Verspielte Gärten, Gärten der Ordnung, Der Künstler im Garten)
  • Bäume (Bäume in der Luft, Wurzelkulisse, Früchte und Formenstrenge)
  • Blumen und Gehölze (Essbare Gärten, Sumpfgärten, Knotengärten)
  • Landschaftselemente (Gartenpuzzles, Schnittkunst, Vielgestaltige Hecken, Senkgärten, Aquatische  Extravaganzen)
  • Gartengebäude (Düstere Grotten, Fantastereien, Glaspaläste)
  • Gartenelemente (Säulen, Vögel und Bienen, Zeitmesser, Gartenmöbel).
Auf jeweils einer Doppelseite erfährt der Leser kurz und bündig das wichtigste zum Thema. Ein ausgewähltes Farbfoto, vier detailgetreue Zeichnungen und ein kurzer Text machen den Leser mit dem entsprechenden Begriff vertraut. Für die Erklärung des „Englischen Landschaftsgartens“ wird beispielsweise ein Foto von Stourhead verwendet und erklärt, dass diese Gartenform eine Reaktion auf die französische und holländische Formenstrenge war. Zeichnungen und Erklärungen zum Aha (landschaftliches Gestaltungsmittel, dass Tiere und ungebetene Besucher ausserhalb des Gartens hält, ohne den Blick nach aussen zu verstellen) und zur Funktion von Wasser, Wegen und Gebäuden in dieser Gartenform komplettieren die Erläuterungen.

Das Buch bietet eine umfangreiche Einführung in das vielschichtige und schwierige Thema, Stile und historische Einflüsse in Gärten zu identifizieren. Als Führer für unterwegs ist das Buch eher etwas schwer und vielleicht in Anbetracht der Gestaltung und Bindung auch etwas schade, aber es eignet sich ausgezeichnet als Vorbereitung auf eine Gartenreise oder einen Gartenbesuch. Denn es lehrt, die Augen für Details offen zu halten und man erfährt so ganz nebenbei allerlei Wissenswertes wie den Unterschied zwischen formalen und informellen Alleen oder einem Arboretum und einem Wald.

Oder man liest von Zierbauten ganz ohne Nutzwert und von Tempeln der Philosophie, die schon als Ruine geplant waren, unfertig gebaut als Sinnbild für das unvollständige menschliche Wissen. Auch Brücken erfüllen nicht immer den Zweck trockenen Fusses von einer Seite des Gewässers ans andere Ufer zu kommen, sondern waren oder sind im Sinne der Gartengestaltung oft nur Scheinbauten, die als Blickfang dienen. Effekt ist und war oft wichtiger als historische Genauigkeit. Die Autorin ermuntert deshalb, Gärten in erster Linie zu geniessen und zu bedenken, dass Veränderungen zum Gärtnern und zu Gärten gehören und mangelnde Stilechtheit und -treue nicht gleichbedeutend mit Vernachlässigung ist.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden an gewissen Orten Pflanzen besser behandelt, als die Gartengehilfen. Während nämlich letztere oft in einer lausigen, kalten und dunklen Behausung hausten, wurden die exotischen Gewächse mit Wärme und Licht verwöhnt. Und haben Sie gewusst, dass es einmal einen Beruf „Einsiedler“ gab? Diese bezahlten bärtigen Gesellen durften sich nicht pflegen, auch nicht mit den Besuchern sprechen und wohnten in besonderen primitiven Hütten. Zum Jobprofil gehörte das Überraschen der Besucher durch unvermitteltes Hervortreten zwischen Bäumen.

Ein Glossar (ohne Seitenangabe), ein umfangreiches Register sowie Empfehlungen für weiterführende Literatur runden die informative und interessante Publikation ab.  



Lorraine Harrison:
Gärten lesen – Gartenarchitektur erkennen und verstehen 
Haupt Verlag, 2013