13. April 2013

Beverley Nichols: Lieblingsblumen

Beverley Nichols ist eindeutig mitschuldig an meiner Leidenschaft für Gartenlesebücher. Meine ersten Taschenbücher („Grosse Liebe zu kleinen Gärten“, „In ein Haus verliebt“ etc.) aus seiner spitzen Feder habe ich Ende der 1980er Jahre gelesen. Diese stehen immer noch in der ersten Bücherreihe und längst haben sie Nachbarn in Form von englischen Ausgaben bekommen. Nach wie vor zählt Beverley Nichols zu meinen Lieblingsautoren und ums so mehr habe ich mich auf ein für mich neues Buch des 1983 verstorbenen Engländers gefreut. Er stellt in dieser kleinformatigen Publikation seine vierzig Lieblingsblumen von Aquilegia (Akelei) über Lilium regale (weisse Königslilie) bis Sternbergia lutea (Herbstgoldbecher) vor.

Das Büchlein ist im Original 1964 erschienen und schon dannzumal stellte Nichols fest, dass der Himmel übersät ist von Kondensstreifen der Flugzeuge, die Strassen Rennstrecken ähneln und die Menschen durch die Städte hetzen. Er ärgerte sich auch bereits vor fünfzig Jahren jeweils im Februar über aus Marokko eingeflogene weisse Spargeln. Was würde er wohl heute zu diesen Themen für die Nachwelt festhalten? Doch genau wie heute galt auch schon vor einem halben Jahrhundert, dass mit Eintritt in einen besonders reizvollen Garten den Besucher eine Art Entschleunigung erfasst und ein anderer Rhythmus den Takt angibt, der aber nicht unbedingt mit der vom Autor beschriebenen therapeutischen Wirkung von Stiefmütterchen zusammenhängen muss.

Lieblingspflanze ist nicht gleichbedeutend mit schön. Die Glockenrebe etwa hat sich ihren Platz unter den vierzig Lieblingen durch ihre Schnelligkeit und Anspruchslosigkeit erworben, während der Seidelbast (Daphne mezereum) Pluspunkte sammelt, weil er mitten im Winter einen Hauch von Sommer verbreitet. Im Beitrag mit dem Untertitel „Karneval der Blumen“ sinniert der Autor mit dem Blick des Künstlers darüber, welche Blume zu welchem Komponisten passt und schlägt für Mozart eine Frühlingswiese in den Bergen vor, für Chopin eine Narzisse im Regen und die Akelei ordnet er Schuhmann zu, natürlich mit passender Begründung.

Persönlicheres zum Charakter des Autors liest man immer wieder direkt oder auch nur zwischen den Zeilen, wie etwa in der Episode „Lohn der bösen Tat“, wo er von seinem Gewissen berichtet. Dieses plagt ihn beispielsweise nach dem Stibitzen einer Samenkapsel. Lohnen sich wohl der rote Kopf, Herzklopfen und die Tage andauernde Angst bei jedem Läuten der Hausglocke (es könnte ja die Polizei vor der Türe stehen)? Dafür geniesst Nichols die geheime Freude, wenn er hinter dem Rücken seines Gärtners Fuchsienblüten zum Platzen bringt oder wenn „unbotmässige“ Kinder, die sich ungefragt an den Früchten seiner Birnen von einem Gehölz in Trauerform bedienen, feststellen müssen, dass diese gar keine Wohltat für die Zähne darstellen. Aber auch er selber kann sich wie schon weiter oben erwähnt nicht immer zurückhalten und er empfiehlt, sich auswärts immer gut mit dem Obergärtner zu stellen, so dass man sich abends nach dem Eindunkeln ohne Angst vor Konsequenzen mit einem noch leeren Korb Richtung Schneeglöckchenblüte aufmachen kann…

Des Weiteren gibt er Unschlüssigen einen Tipp zu Entscheidungshilfe beim Durchblättern von Katalogen. Er schlägt nämlich vor, einfach eine Stecknadel ins Papier zu stecken. Ausserdem lädt er ein, den melodischen Klängen,  die der Wind Gräsern oder Heidekraut entlockt, zu lauschen und er meint, die Adelssippe der Rhododendron sei vergleichbar bunt und protzig wie die Habsburger und Hohenzoller. Auch Gartentipps sind immer wieder zu lesen. Er empfiehlt Hostas als lohnende Gartenpflanzen (schreibt aber nichts über Schnecken) und Pfingstrosen sollen nie in Erde gepflanzt werden, in der schon eine solche gestanden hat. Wenn die Erde nicht zumindest ausgetauscht wird, ist mit Reaktionen ähnlich menschlicher Familienfehden zu rechnen.

Ein bezauberndes, blumiges und etwas altmodisch angehauchtes Büchlein zum immer wieder drin Schmökern.



Beverley Nichols:
Lieblingsblumen 
Schöffling und Co., 2013

1 Kommentar:

  1. Super, wieder mal ein Buch von B. Nichols, ebenfalls einer meiner Lieblings(garten)autoren. Dieses kenne ich noch nicht, ist aber bereits auf meiner "to have"-Liste! Danke für den Tipp!
    Lieber Gruss, Barbara (die anscheinend nicht mehr unter meinem Gartenblognamen kommentieren kann)

    AntwortenLöschen