20. Juli 2015

Jane Northumberland mit Hugh Sington: Weed – Poison Diaries

Inzwischen ist es ja längst kein Geheimnis mehr, dass die als Trilogie geplanten „Poison Diaries“-Bücher "Liebe ist unheilbar" und "Liebe ist stärker als der Tod" nach dem zweiten Band ein abruptes Ende gefunden und die Leserinnen und Leser unbefriedigt zurückgelassen haben. Statt einem dritten abschliessenden Buch, welches das Schicksal von Jessamine weiterspinnt, ist vor einiger Zeit ein Buch mit dem Titel „Weed“ erschienen. Alle drei Bücher sind nach einer Idee von Jane Northumberland entstanden. Während aber die ersten beiden Bücher von Maryrose Wood geschrieben worden sind, heisst der Verfasser vom bis anhin nicht auf Deutsch übersetzten Buch „Weed“ Hugh Sington.

Gleich zu Beginn von „Weed“ liest man, dass Jessamine gestorben ist und begräbt damit endgültig die Hoffnung auf einen Abschluss der Trilogie. Verfolgen wir also das weitere Schicksal von Weed, der ja auch kein Unbekannter ist. Ein wohl merkwürdig anzuschauendes Wesen - halb Mann, halb Pflanze ist Weed in diesem Buch fast pausenlos unterwegs und muss sich immer wieder gefährlichen Herausforderungen stellen. Seine Wege führen ihn nach Soutra Aisle, Lindisfarne und Anglesey.

Heil- und Giftpflanzen und der schmale Grat zwischen deren Nutzen und Schaden ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Der beachtlich umfangreiche hortikulturelle Hintergrund konnte meine Enttäuschung angesichts der dürftigen Handlung nicht wettmachen. Die Erzählung konnte mich nicht fesseln.  Ich hatte mir mehr deutlich erhofft – nicht umfangmässig, sondern inhaltlich. Wiederholt habe ich mich im Lauf der eher zähen Lektüre gefragt, ob es vielleicht nicht spannender gewesen wäre zu erfahren, weshalb Maryrose Wood kein drittes Buch mehr geschrieben hat und dafür nun Hugh Sington die giftigen Tagebücher weiterführt.

Obwohl dieses dritte „Poison Diaries“-Buch nicht mehr wirklich in die Kategorie „Kinder- und Jugendbücher“ einzuordnen ist, gruppiere ich es dort ein – so sind alle drei Vorstellungen beieinander zu finden. Ich ordne alle Posts prinzipiell nur einem Thema zu, auch wenn – zugegebenermassen – eine Festlegung manchmal nicht ganz einfach oder sogar unpassend ist. Meist interessieren mich in Blogs nur wenige Kategorien und ich ärgere mich jeweils beim Herumstöbern, wenn ich an unterschiedlichen Orten immer wieder die gleichen Beiträge antreffe. Wahrscheinlich bin ich zu sehr "geschäftlich" geprägt. Am Arbeitsplatz kommt es mir ja auch nicht in den Sinn, eine Datei in unterschiedlichen Ordnern abzulegen und Speicherplatz zu verschwenden.



Jane Northumerland with Hugh Sington: 
Weed – Poison Diaries 
Bloomsbury Reader, 2013

10. Juli 2015

Janet Fitch – Weisser Oleander

Immer wieder streut die Autorin Janet Fitch gärtnerische und botanische Details und Beobachtungen in diesen Roman ein. So ist die Rede von wildem Senf auf einem Betonwall, von Baumfarnen, Böschungen mit Springkraut, Gärtnern mit Laubgebläsen und von Marienkäfern, die in Plastikkugeln verkauft werden, um auf mit Blattläusen befallenem Grünzeug ausgesetzt zu werden. Titelgebend sind aber die Oleanderbüsche mit ihren zähen, giftigen Blüten und dolchähnlichen Blättern, die den heissen Winden aus der Wüste trotzen.

Teile von Oleander werden von Ingrid Magnusson auch bei ihren Stalking-Aktionen eingesetzt und schliesslich vergiftet sie mit einem Extrakt aus eben dieser Pflanze ihren ehemaligen Liebhaber und wird deswegen zu über drei Jahrzehnten Gefängnis verurteilt. Damit beginnt für ihre zwölfjährige, bereits vaterlose Tochter Astrid eine Odyssee von einer Pflegestelle zu nächsten.

Ihre erste Ersatzmutter Starr Thomas führt sie in eine Jesus –Gemeinde ein. Als der eifersüchtigen Starr die Beziehung von Astrid und dem Ersatzvater zu eng wird, schiesst sie auf ihre Pflegetochter und diese wird nach ihrer Genesung umplatziert. An einem der weiteren Pflegplätze erweist sich Astrids Freundschaft zu einer schwarzen Prostituierten als Fehler. Schliesslich kommt Astrid zu einem kinderlosen Ehepaar aus dem Filmbusiness.

Ihre neue Mutter Claire ist eine relativ erfolglose Schauspielerin. Astrid wird – ohne davon zu wissen – in erster Linie ein Zuhause angeboten, damit sie ein Auge auf die labile Claire hat, die sich ihren Fähigkeiten entsprechend, liebevoll um Astrid kümmert und sie mütterlich umsorgt. Diese fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich geliebt. Während die Pflegemutter mit einem spitzen asiatischen Hut auf dem Kopf in ihrem Garten verschiedene Tomatensorten pflegt, Rittersporn aufbindet und täglich jätet, sitzt Astrid häufig unter der chinesischen Ulme und zeichnet. Gemeinsam schauen sie auch regelmässig eine TV-Sendung an, die Gartentipps vermittelt, oder besuchen Museen und Ausstellungen. Als Astrids Mutter im Gefängnis von der guten Beziehung zwischen den beiden erfährt, versucht sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, das Verhältnis zu zerstören, was ihr schliesslich auch gelingt.

Wer ist Ingrid Magnusson und warum ist sie zu der Person geworden, die im Gefängnis eine lebenslange Haftstrafe verbüssen muss, und scheinbar nicht glücklich ist, wenn es ihrer einzigen Tochter gut geht? Die ausdruckstarke Lyrikerin, deren Lieblingsblumen weisse Lilien und Chrysanthemen sind, ist eine hasserfüllte, verbitterte Meisterin im Verdrehen von Tatsachen und Zurechtbiegen von Wahrheiten.

Nach ungefähr vier Fünftel der Lektüre besucht Astrid bereits die 8. neue Schule in fünf Jahren. Die inzwischen siebzehnjährige junge Frau hat an ihrer aktuellsten Platzierung bei einer Russin gelernt, wie man aus Müll Geld verdient. Hier erfährt sie, dass der Prozess gegen ihre Mutter wegen Verfahrensmängeln nochmals aufgerollt werden soll. Astrid soll vor Gericht falsch aussagen. Sie hat sich zuletzt immer weiter von ihrer Mutter entfernt, die sie nach wie vor in Briefen zu beeinflussen versucht. Schliesslich schlägt Astrid der Anwältin ihrer Mutter einen Deal vor.

Es ist beeindruckend zu lesen, wie Astrid an den vielen Herausforderungen in ihrem jungen Leben nicht zerbricht, sondern sich vielmehr immer wieder aufrappelt und zu einer starken Persönlichkeit entwickelt, die sich nicht mehr von der Mutter herumdirigieren lässt. Über zehn Jahre stand dieses Buch, das ich bei einem meiner ersten Besuche an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt hatte, ungelesen auf dem Regal. Die Lektüre, endlich angegangen, fand ich mit ihren interessanten Charakteren dermassen spannend, dass ich mir gelegentlich die gleichnamige Verfilmung mit Michelle Pfeiffer und Renée Zellweger anschauen will.  



Janet Fitch: 
Weisser Oleander 
Bastei Lübbe, 2003

1. Juli 2015

J.L. Wilson: Lilacs, Litigation and Lethal Love Affairs

Cassie Whittington hat in den letzten Monaten ihr Leben völlig umgekrempelt. Sie hat fast siebzig Pfund abgenommen und steckt gerade in den Schlussprüfungen ihrer Weiterbildung für den Einstieg ins Gartengestaltungs-Metier. Daneben arbeitet sie seit wenigen Wochen in der Gärtnerei Barlow und amtet als Präsidentin der „Student Horticulture Society“. In eben dieser Funktion findet sie während einem Anlass eine Leiche im alten Gewächshaus und erkennt anhand der Symptome sofort, dass es sich um einen Todesfall infolge von Zyanose (Blausucht) handeln muss.

Von ihren Prüfungsvorbereitungen wird Cassie immer wieder abgelenkt. An ihrem Arbeitsplatz ereignen sich verschiedene mysteriöse Vorkommnisse, bei denen nicht sicher ist, ob es sich um Sabotage und Vandalismus oder einfach nur um Pech handelt. Dann hat ihr neuer Chef Sam Barlow ein Auge auf sie geworfen und bekundet Mühe mit Cassies freundschaftlichem Verhältnis zu ihrem Ex-Mann Charlie. Die beiden waren als junges Paar zwar nur sieben Jahre miteinander verheiratet und sind seit bald dreissig Jahren geschieden, doch sie stehen sich nach wie vor sehr nahe. Die enge Verbindung geht auf eine Tragödie in ihrer beider Kindheit zurück, den sogenannten „Charity murder“. Zusätzlich erbt die halbprofessionelle Sängerin Cassie, die einen klassische Gesangsausbildung absolviert hat, und sich an ein bescheidenes Leben ohne Luxus gewöhnt ist, völlig unerwartet ein Riesenvermögen.

Die Autorin hat die Protagonistin Cassie ausserdem mit einer stark ausgeprägten sozialen Ader ausgestattet. So fühlt sie sich für einen Mitarbeiters verantwortlich, der sich zuletzt stark verändert hat. Dieser Aron, ein intelligenter und pflichtbewusster jüngerer Kollege, lässt seine Schlussprüfungen sausen und fehlt unentschuldigt am Arbeitsplatz. Die Ursache seiner Probleme, die mit seiner Beziehung zu einer deutlich älteren Frau zu tun haben muss, rückt er aber nicht heraus.

Der hortikulturelle Hintergrund beinhaltet neben der Weiterbildung und der Arbeit in der Gärtnerei auch die erfolgversprechende Züchtung von Azaleen-Hybriden. Ausgerechnet Sam Barlow wurde in diesem Geschäft um die lukrativen Früchte seiner Arbeit gebracht. Eine wichtige Rolle spielt auch ein Landvertrag mit Konditionen, die Fesseln ähneln. Treffen Cassie Befürchtungen zu, dass Sam in den Mordfall verwickelt ist?  



J.L. Wilson: 
Lilacs, Litigation and Lethal Love Affairs
The Wild Rose Press, 2011