23. Mai 2015

Gabriele Tergit: Der glückliche Gärtner

Vor Jahresfrist habe ich die Buchvorstellung "Der alte Garten" von Gabriele Tergit abgeschlossen mit der Hoffnung, dass der zweite Teil auch bald neu erscheinen möge. Das Warten war diesmal von kurzer Dauer, denn „Der glückliche Gärtner“ enthält nun die Fortsetzung des 1958 unter dem Titel „Kaiserkron und Päonien rot. Kleine Kulturgeschichte der Blumen“ erstmals erschienen Buches.

So geht es nun also weiter mit Blumengeschichten und Geschichtlichem über die Blume. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis verrät, über welche hortikulturellen Schönheiten dieses Mal berichtet wird:

- Ein Leben für Veilchen und ein Tod wegen einer Kamelie
- Die Arbeiterblume
- Herkunft und Verbreitung der Rose
- Blumen aus Asien: Päonien, Hortensie
- Dahlienwut
- Die geheimnisvolle Reseda
- Eine brillante Karriere durch die Victoria regia
- Die Erfindung des Staudengartens

Arbeiterblumen wurden seinerzeit nur von Arbeitern gezogen und weitergezüchtet. Hier ist von Textilarbeitern und ihrer Blumenzüchterleidenschaft die Rede, die zur Gründung von Blumenzüchterclubs und Blumengesellschaften führte. Zu den züchterischen Höhepunkten zählten die Blumenausstellungen mit Preisverteilung. Was sind denn aber Arbeiterblumen? Aurikeln, Anemonen, Hyazinthen, Tulpen, Ranunkeln, Nelken, und Primeln zählten zu dieser Spezies. Die intensive Beschäftigung der Arbeiter mit ihren Pflanzen und ihre Erfahrung führten zu ausgezeichneten Resultaten, sprich Züchtungen. Züchtungen, die sogar jene von gelernten Gärtnern übertraf.

An anderer Stelle wundert sich Gabriele Tergit darüber, dass in öffentlichen Anlagen immer wieder die gleichen Blumen verwendet werden. Während in England Geranien, Lobelien und weisser Duftsteinrich häufig Verwendung finden, werden in Frankreich Sedum und Begonien bevorzugt und in Deutschland Stiefmütterchen, Petunien sowie Geranien. Diese Zeilen hat die Autorin vor Jahrzehnten geschrieben und seither hat sich auch in den europäischen Blumenrabatten einiges verändert. In grossen französischen Städten wie Lyon, Nancy, Metz, Calais und Paris habe ich mich in den letzten Jahren immer wieder an wunderschönen, farblich harmonisch abgestimmten Staudenbeeten in öffentlichen Parkanlagen erfreut. Auch entlang des hiesigen ehemaligen Versicherungshauptsitzes, der nun in eine französischen Firma integriert ist und den Namen der Stadt nicht mehr in die Welt herausträgt, sind die farbenfrohen Stiefmütterchen längst einer abwechslungsreicheren Staudenbepflanzung gewichen, indessen die Stadtgärtnerei in ihren Pflanzschemen immer noch häufig auf riesige Mengen der gleichen Blumen setzt.

Haben Sie übrigens gewusst, dass Goethe gerne durchgesetzt hätte, dass das Stiefmütterchen als “Gedenke mein“ bezeichnet wird, sich aber damit nicht durchsetzen konnte? Ich schliesse das Thema Stiefmütterchen damit ab, während Gabriele Tergit dazu noch mehr zu erzählen hat. Sie wusste aber auch zu berichten, dass Napoleon ständig eine goldene Kapsel mit zwei getrockneten Veilchen auf sich trug und dass Josephines Rosen auch zu Kriegszeiten sämtliche feindlichen Linien überwunden haben, um in Malmaison zu blühen.

In einer Blumengeschichten-Sammlung darf natürlich auf die Geschichte von Commerçon und Baret bzw. Hortense nicht fehlen und auch weitere Pflanzenjägerschicksale werden erwähnt. Dann geht es um die Chrysanthemenzüchtung, Spekulationen rund um die Kamelienwut, die erste wilde Blume - eine blaue Orchidee -, die per Gesetz vor der Ausrottung geschützt wurde und darüber, woher die Nerinen stammen. Ein aus Japan kommender holländischer Kahn erlitt im Kanal Schiffbruch. Die an Bord mitgeführten Pflanzen und Zwiebeln der Nerinen oder Guernsey-Lilien fühlten sich auf der gleichnamigen Kananlinsel sehr wohl und waren in London äusserst beliebt, aber erst viele Jahrzehnte später wurde herausgefunden, dass die Pflanzen gar nicht wie angenommen aus Japan stammen, sondern vom Tafelberg in Südafrika. Gabriele Terigit weiss auch, wie zufälligerweise das Herstellen von Rosenöl entdeckt wurde und sie berichtet von einem Zwiebelparfum, dank welchem auf Kommando Tränen fliessen und warum zur Lilienblütenzeit in irischen Gärten ausgemacht werden kann, ob ein katholischer oder ein protestantischer Gärtner am Werk ist.



Gabriele Tergit: 
Der glückliche Gärtner 
Schöffling und Co., 20015

15. Mai 2015

Kathy Stinson: Die Wahrheit über Ivy

Seit längerer Zeit ist der fünfzehnjährige David Burke für den Familiengarten verantwortlich. Er erledigt seine Arbeiten sehr gewissenhaft und führt sogar ein Gartennotizbuch, in dem er lateinische Pflanzennamen sortiert nach Blütenfarbe und Blütenzeit einträgt. Aktuell blättert er oft in seiner Enzyklopädie der Stauden, um passende Herbstblüher für den Garten auszuwählen. Aber auch im Internet stöbert er häufig auf hortikulturellen Seiten herum.

Mit der Pflege des Gartens entlastet David seine Mutter, deren Leben sich vollumfänglich um die elfjährige Ivy dreht, die mit schweren multiplen Behinderungen geboren worden ist. Überhaupt wird der Familienalltag allein durch Ivys Bedürfnisse gesteuert, die hilflos wie ein kleines Baby und damit rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen ist. Seit einer Operation vor drei Jahren leidet sie unter zuletzt immer häufiger auftretenden Krampfanfällen und ein weiterer Eingriff ist geplant.

David fühlt sich von seinen Eltern unverstanden. Er kann sich nur an wenige Unternehmungen allein mit Mutter und Vater erinnern und hat häufig das Gefühl, dass ihn seine Eltern nur wahrnehmen, wenn sie ihn für eine Besorgung einspannen wollen. Wenn er mit Ivy unterwegs ist, schämt er sich oft für seine jüngere Schwester oder fühlt sich peinlich berührt. Daneben gibt es aber auch schöne Momente. Ivy liebt Wasser, Regenbogen, durch die Bäume tanzendes Sonnenlicht und sie kichert oft und gern und mag es, ihrem Bruder beim Gärtnern zuzuschauen, etwa wenn er Delphinium von Coreopsis trennt.

Als Ivy in den Ferien beim Schwimmen tödlich verunglückt, verändert sich das Leben der Familie Burke drastisch. Genau zum Zeitpunkt des Unfalls war David mit dem kürzlich ins Nachbarhaus eingezogenen Mädchen Hannah unterwegs und so glücklich wie selten. Davids Gefühle drehen sich im Kreis – Erleichterung vermischt sich mit Schuldgefühlen und der Frage, ob und was Hannah für ihn empfindet. Immer mal wieder hat sich der pubertierende Junge gewünscht, er wäre ein Einzelkind. Nun ist er wieder das einzige (lebende) Kind seiner Eltern und er merkt, dass sich gar nichts geändert hat. Und schon gar nicht zum Besseren. Obwohl David seine Schwester häufig als Belastung empfunden hat, vermisst er sie stark und würde sich gerne für sein ab und zu unrühmliches Verhalten bei ihr entschuldigen.

Dann tauchen von verschiedenen Seiten Gerüchte auf: Davids Vater soll Schuld an Ivys Tod sein. Hat er tatsächlich nicht alles menschenmögliche getan, um seine Tochter während ihrem Krampfanfall im Wasser ans wohl rettende Ufer zu tragen?

Wer entscheidet, wann und welches Leben lebenswert ist? Was, wenn die betreffende Person sich nicht selber ausdrücken kann? Hat Davids Vater tatsächlich Schuld auf sich geladen? Kathy Stinson regt mit diesem Jugendbuch zum Nachdenken an. Sie wirft viele Fragen auf, liefert aber keine Antworten. Eine recht kurze Erzählung, die inhaltlich umso länger bewegt und nachhallt.  



Kathy Stinson: 
Die Wahrheit über Ivy 
cbt, 2014

8. Mai 2015

Andreas Barlage: Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen

Von Taglilien, Pfingstrosen, Maiglöckchen, Duftveilchen, Winterastern, Islandmohn, Wicken, Königslilien, Dahlien, Wildtulpen, Rosen und viele anderen Blumen mehr schwärmt Andreas Barlage in diesem sehr persönlichen Buch und offenbart ein grosses Herz mit viel Platz für blühende Schönheiten. Ein kurzer hortikultureller Lebenslauf am Anfang der Publikation gibt einen Einblick in die zahlreichen Gärten, die in seinen ersten fünf Lebensjahrzehnten einen wichtigen Platz eingenommen haben.

Schon als Jugendlicher zeigte der Autor grosses und andauerndes Interesse am Gärtnern und wurde dabei von den Eltern gefördert und unterstützt - sowohl finanziell als auch durch das Vermitteln von ästhetischen Aspekten, wie er im Nachwort verrät. Doch zurück zum Anfang der grünen Passion. Diesen bildet der Verzicht auf drei Fix- und Foxi-Hefte. Der Gegenwert dieser Zeitschriften entsprach nämlich dem Preis einer Bauernpfingstrose im Topf. Dieses in der nahen Gärtnerei gekaufte Pflänzlein hatte allerdings fragwürdig wenig Ähnlichkeit mit einer eben solchen Schnittblume, welche den Jungen an einem Familienfest tief beeindruckt und zum Erwerb verführt hatte.

Der Garten hält noch viele weitere Lektionen bereit, so auch jene, dass neben Investitionen in Pflanzen auch solche in Dünger und Pflege nötig sind und Erfolg im grünen Bereich vielfach auf einer rechten Portion Geduld beruht. Viel Wissen eignet sich der junge Gärtner auch lesend an und seine beruflichen Ausbildungen schliessen auch ein Gartenbaustudium ein.

Die Entwicklung des Gärtners geht erfahrungsgemäss einher mit einem fortwährenden Wechsel von Vorlieben und schliesst meist auch das Gefallen oder Nicht-mehr-Gefallen von grossen Blüten ein. Denn während Junggärtnern eine Blume oft nicht gross genug sein kann, zieht der reifere Mensch kleinere Formen vor. Doch nicht nur schöne Blüten sind ein ausgezeichneter Kaufgrund, auch persönliche Erinnerungen kombiniert mit historischen Begebenheiten eignen sich als Auslöser für den Kauf einer bestimmten Rose.

Der Autor bezeichnet sich selber als Gärtner-Faulpelz, was ich nicht so richtig glauben mag. Hätte er sonst als dannzumal autoloser Balkongärtner sackweise Erde und grosse Töpfe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heimtransportiert und über Treppen in den dritten Stock geschleppt? So oder so vermittelt die Lektüre das Bild eines sehr sympathischen Mannes und man freut sich sofagärtnernd mit, wenn er von wunderbaren Gartenbildern aus Islandmohn und Narzissen berichtet oder von Erinnerungen weckenden Blumendüften berichtet. Daneben gibt es auch kritische Töne, etwa über die Massenvermehrung von Chrysanthemen, und Philosophisches über Schönheit und Vergänglichkeit.

Ob die Leserin über einen grünen Daumen oder nur über einen grünen Nagel (eine sehr hübsche Formulierung aus dem Buch) verfügt – sie wird sich bestimmt spätestens nach der Lektüre dieser Publikation Gedanken über die eigenen Lieblingspflanzen machen und das eine oder andere erwähnte Gewächs in den eigenen Garten holen wollen. Zuvor muss sie nur für sich entscheiden, was allerwichtigst ist oder ober-allerwichtigst - ein weiterer ungewohnter Ausdruck aus dem mit vielen Fotos und zum jeweiligen Thema passenden Papierblumen illustrierten Buch.  



Andreas Barlage: 
Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen 
Jan Thorbecke Verlag, 2013

1. Mai 2015

Globi und der Planet Erde – Über den schlauen Umgang mit unserer Umwelt

Wer Globi ist, muss hierzulande wohl keinem Kind erklärt werden. Auch ich habe noch einzelne Globi-Bücher aus meiner Kindheit und als die Nachwuchs-Sofagärtner noch kleiner waren, wurde die Sammlung regelmässig um neue Bücher und Cassetten erweitert. Letztere kommen übrigens auch heute noch ab und zum Einsatz. Vor einigen Jahren haben wir deshalb auch mit grossem Interesse die Globi-Ausstellung über den Werdegang von der Werbe- zur Kultfigur im hiesigen Gewerbemuseum besucht. Mit „Globi und der Planet Erde“ hat nun erstmals ein Globi-Sachbuch den Weg in unseren Haushalt gefunden.

Am Anfang des Buches steht unerwartet Besuch vor Globis Haustüre. Auf der Schwelle wartet ein ganz besonderer Patient darauf, dass ihm geöffnet wird, nämlich der blaue Planet. Diesem geht es gar nicht gut. Das lässt sich unschwer aus den eindrücklichen Illustrationen erkennen und wird im Text auch entsprechend nachdrücklich bestätigt. Die Erde leidet nicht an Masern oder Windpocken, nein, sie „hat“ Menschen, und diese machen seit über hundert Jahren immer häufiger Dinge, die ihr nicht gut tun. Der Blitzbesuch des stöhnenden Patienten endet mit der Bitte an Globi, den Menschen klar zu machen, dass es nur eine Erde gibt und jeder persönlich zu ihr Sorge tragen muss.

Globi nimmt die ernste Aufgabe an und das Vermitteln des Themas Nachhaltigkeit geschieht mit einem Ausflug, den er am nächsten Tag gemeinsam mit Freunden unternimmt. Die Wahl des Fortbewegungsmittels fällt umweltbewusst auf Zug und Bus. Die Reisezeit wird mit Spielen für unterwegs überbrückt und auch der Nachteil in Form von gelegentlich längeren Wartezeiten auf Anschlüsse wird nicht verschwiegen.Das Buch liefert neben Ideen für Spiele Gründe, weshalb man weniger Autofahren soll, stellt das sparsamste und das durstigste Auto vor und erklärt, wie solche Fahrzeuge betrieben werden. Immer öfter kommen Mais und Zuckerrohr als Benzinersatz in den Tank und beanspruchen riesige Anbauflächen, die eigentlich für Nahrungsmittel gebraucht würden. Damit sind Globi und seine Freunde am Start einer Wanderung durch ein Hochmoor angekommen - Gelegenheit, über die vielen tierischen und pflanzlichen Bewohner dieses Landstrichs zu erfahren und über die Problematik des Torfabbaus.

Der Ausflug ist genau wie die Themenvielfalt damit noch lange nicht zu Ende. Kapitel mit Überschriften wie „Welche Pflanze wächst für wen?“, „Schlau einkaufen, wie geht das?“, „Warum ohne Wasser gar nichts läuft“ und „Wie man ein gutes Klima schafft“ vermitteln weiterhin spielerisch Basiswissen über Ökologie und Respekt vor der Natur. In Kurzportraits werden bekannte Persönlichkeiten vorgestellt, die sich für die Natur einsetzen oder eingesetzt haben, wie etwa Sir David Attenborough (geb. 1926), der seit vielen Jahren den Wundern der Natur auf der Spur ist, oder der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) und der Insektenzähler Jean-Henri Fabre (1823-1915).

In die grosszügig illustrierte Lektüre rund um das Thema Nachhaltigkeit eingebettet sind auch Rätsel und Bastelvorschläge und die kleinen Leser lernen, dass „Schweizerhose“ nicht der Name für Globis Markenzeichen, die schwarz-rot-karierte Hose ist , sondern der Name einer süssen, saftigen Birne, während der grosse Leser sich bei der „Geschichte vom kurzsichtigen Herrscher“ an eine Sequenz aus dem beeindrucken Film „More than Honey“ von Markus Imhoof erinnert. Auch auf den als irrsinnig zu bezeichnenden Produktionsweg von billigen Massen-T-Shirts samt der langen Reise deren einzelner Bestandteile durch Europa und Asien wird hingewiesen.

Während Jahrhunderten, nein während Jahrtausenden hat das Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben von Mensch und Natur funktioniert. Die Waage ist aus dem Gleichgewicht geraten, die Rohstoffe werden knapper, die Artenvielfalt geht zurück und die Umweltverschmutzung ist eines der grössten zu lösenden Problemen der Erdbewohner.

Alle diese Erlebnisse sind in einen ereignisreichen Tag gepackt, der hoffentlich sowohl den kleinen wie den grossen Leserinnen und Lesern in nachhaltiger Erinnerung bleibt. Im Anhang werden schliesslich noch Begriffe von Bio, Biodivesität über Foodprofil, Graue Energie, Minergie bis Zertifizierung erklärt und den Abschluss bildet Globis Schlusswort: Meine Welt ist deine Welt, ist unsere Welt.  



Liz Sutter (Text) und Daniel Müller (Illustrator): 
Globi und der Planet Erde – Über den schlauen Umgang mit unserer Umwelt 
Orell Füssli Verlag/Globi Verlag, 2015