10. Dezember 2015

Mary Kay Andrews: Ein Ja im Sommer

Cara Kryzik schaut gerne hinter die Zäune in die Gärten anderer Leute. Aus einem überwucherten kleinen Stück Land hat sie sich selber einen kleinen, intimen Rückzugsort geschaffen. Palmen, Bananenstauden, Hortensien, Funkien, Efeu und Farne wachsen neben etlichen anderen Pflanzen in ihrem kleinen Garten, durch den ein Pfad aus gesprenkelten, grauen Backsteinen führt. Da sie als Blumenkünstlerin den ganzen Tag von farbigen Blumen und Bändern umgeben ist, hat sie sich ausschliesslich auf Grünzeug mit weissen Blüten beschränkt, und natürlich blüht auch ihre Lieblingsblume – die Gardenie – in dieser Farbe.

Die junge Frau ist seit einiger Zeit Inhaberin eines eigenen Blumenladens, zu dem sie völlig unerwartet durch ihre Tätigkeit bei der Vorbesitzerin gekommen ist. Neben der Einrichtung und einem schon etwas in die Jahre gekommenen Lieferwagen gehörte auch ein für mehrere Monate vorausbezahlter Pachtvertrag zum Startkapital ihres eigenen Geschäfts. Aktuell wartet sie allerdings immer noch auf die Verlängerung des inzwischen ausgelaufenen Vertrages.

Caras Arbeitstage beginnen meist früh mit einer Runde Jäten im Garten und enden gewöhnlich spät. Der Aufbau einer eigenen Existenz ist hart. Doch der Laden der Quereinsteigerin ohne Floristikausbildung beginnt dank ihrer Kreativität immer besser zu laufen. Ihr Stil ist gefragt und Mundpropaganda bringt immer mehr Bräute in Caras schmucken Laden in Savannah. Unterstützt wird Cara von ihrem Assistenten Bert, einem neunundzwanzigjährigen trockenen Alkoholiker. Die beiden machen sich einen Spass daraus, sich nach den Hochzeiten gegenseitig Tipps abzugeben, wie lange die eben geschlossenen Ehen der Bräute halten werden, für deren Blumenschmuck in Kirche, Restaurant und Brautstrauss sie verantwortlich waren. Wie sich herausstellt, ist aber auch Bert selber nicht vor einer gravierenden Fehleinschätzung gefeit.

Leider wird Cara in ihren Bemühungen, finanziell endlich unabhängig zu werden, immer wieder zurückgeworfen. Ihr Vater, von Anfang an wenig überzeugt von der „Floristenidee“, verlangt gerade immer vehementer sein Darlehen samt Zinsen zurück, als ausgerechnet während einer Hitzewelle die Kühlung im Laden aussteigt und sämtliche Blumen verwelken lässt. Der geplante Gewinn aus der Hochzeit, für welche diese Blumen angeschafft worden waren, geht damit grösstenteils für Ersatzblumen drauf. Und als hätte Cara noch nicht genügend Aufregung, läuft auch noch ihr heiss geliebter Hund Poppy weg.

Das Problem „entlaufener Hund“ lässt sich schnell lösen und der vermeintliche Hundedieb schleicht sich über einen kleinen Umweg direkt in Caras Herz. Aber weitere Herausforderungen stehen an, wie etwa der bösartige Konkurrent, der sie rundherum schlechtmacht. Schliesslich soll sie auch noch ihr Geschäftslokal und ihre darüber gelegene Wohnung samt dem schmucken Garten verlieren.

Das Ende dieses Romans ist schon sehr früh absehbar, aber dazwischen warten in diesem „Seitenumdreher“ etliche Irrungen und Verirrungen auf die Leserin – eingebettet ins Floristikmillieu mit Sträussen und Gestecken für Babypartys, Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Pensionierungen, Einladungen und  natürlich dem Schwerpunkt Hochzeitsgestaltung mit anspruchsvollen Bräuten. Ein Sommerroman, der auch im Winter Freude macht - geschwitzt haben wir im Sommer 2015 ja mehr als genug, so dass es völlig ausreicht, über Hitzewellen zu lesen.



Mary Kay Andrews: 
Ein Ja im Sommer 
S. Fischer Verlag, 2015