30. März 2011

Beth Chatto: Schattengarten – Die Pflanzen, die Jahreszeiten, die Stimmungen

Beth Chattos Gärten und die Gärtnerei werden von Gartenenthusiasten aus aller Welt besucht und ihre Bücher haben längst den Status von Standardwerken erreicht, auf die jeder echt vom grünen Virus Infizierte früher oder später stösst. Nach „Der Kiesgarten“ ist mit „Schattengarten“ nun endlich ein zweites Buch der Pflanzenkennerin auf Deutsch erschienen. Beth Chatto berichtet darin über die Entstehung ihres Waldgartens und lässt die Leser im Buchgarten die Veränderungen im Lauf der Jahreszeiten miterleben.

Die Kapitel sind wie folgt gegliedert
(die Aufzählung der Untertitel ist nur eine Auswahl):

- Die Anlage eines Waldgartens
- Zeit des Erwachens (von frühen Düften, Februarsonne, Narzissen)
- Zauber des Frühlings (The Long Shady Walk, robuste Bodendecker)
- Frühsommerliche Fülle (The Little Grassy Wood, elegante Farne)
- Bildteppiche des Hochsommers (aufregendes Blattwerk)
- Besonnte Flecken im Herbst (wandernde Anemonen)
- Im tiefen Winter (Schönheit der Blätter)
- Schattenverträgliche Pflanzen (riesige Auswahl geeigneter Pflanzen mit
  Angabe von Härtezonen)

Ein gewaltiger Orkan fällt im Oktober 1987 unzählige Bäume auf dem Land der Chattos und hinterlässt ein Bild der Zerstörung, bietet aber gleichzeitig auch die Chance auf einen Neuanfang. Erhaltenswerte Eichen sollen die Kulisse für einen von Frühling bis in den Winter hinein durchgehend attraktiven Waldgarten abgeben, wo Pflanzen getreu dem Motto von Beth Chatto an einem dem Naturstandort entsprechenden Ort eingesetzt werden und wachsen können.

Die Autorin berichtet von der notwendigen Ausdauer, um Pflanzenschätzen wie Trillium ein geeignetes Mikroklima bieten zu können. Dabei hat sie im Hinterkopf ein Bild eines Gartens in Melbourne, wo die Waldlilien bei ihrem Besuch in einer Menge blühten wie in England die Blaukissen. Aber auch beim Leser kann beim Betrachten mancher Fotos leicht etwas Neid aufkommen. Oder vielleicht wird ja auch der gärtnerische Ehrgeiz etwas angestachelt? Jedenfalls lässt sich leicht nachfühlen, was die berühmte Gärtnerin empfindet, wenn sie nach jahrelanger Pflege an einem Pflanzenschatz die erste Blüte entdeckt – sie vergleicht das Erlebnis mit dem ersten Schultag eines eigenen Kindes.

Neben den vielen praktischen Tipps sind auch die Geschichten rund um die Herkunft von verschiedenen von Chattos Lieblingspflanzen sehr anregend. Solche stammen etwa aus dem Garten von Graham Thomas Stuart, von Christopher Lloyd oder auch von Isbert Preussler, ehemals Lehrling bei Karl Foerster und Chef der Züchtungsabteilung in der Staudengärtnerei Zeppelin. Immer wieder gibt die Autorin neben ihrem Fachwissen auch persönliche Einblicke. Sie erzählt beispielsweise, wie ihr das Altern zu schaffen macht – nicht nur am eigenen Körper, sondern auch am Reifeprozess des Gartens, der ihr immer wieder schwierige und schmerzhafte Entscheidungen abverlangt. Es gilt den Garten mit behutsamen oder auch drastischen Interventionen zu erhalten und zu stärken, während in den natürlichen Vorgang des Alterns beim Menschen nur beschränkt eingegriffen werden kann.



Beth Chatto und Steven Wooster (Fotografien):
Schattengarten – Die Pflanzen, die Jahreszeiten, die Stimmungen
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011