22. Dezember 2009

Noch ein schreibender Fernsehgärtner

Kennen Sie die Gartensendungen von Alan Titchmarsh? Ich habe aus - sagen wir mal „technischen Gründen“ - noch keine einzige davon gesehen. Titchmarsh erzielt enorm hohe Einschaltquoten und soll schon 12 Millionen Zuschauer gleichzeitig vor den Fernseher gelockt haben. Seine Bücher, die er fast am laufenden Band verfasst, erzielen nicht zuletzt aus diesem Grund sehr hohe Auflagen. Die Bildschirmbegegnung mit Alan Titchmarsh habe ich also noch vor mir, dafür habe ich nun bereits seine zweite von drei Autobiographien gelesen.

Alan Titchmarshs Interesse am Gärtnern wurde ihm schon in die Wiege gelegt, denn schon seine Mutter und der Grossvater pflegten dieses Hobby. Da er schon als Kind einen grünen Daumen hatte und nicht besonders gerne zur Schule ging, lag es nahe, dass er eine Gärtnerlehre absolvierte.

Im aktuellen Titel „Knave of Spades“ erzählt er von seinem beruflichen Werdegang und verrät unzählige Anekdoten. So hatte er als Lehrling einmal die gesamte für eine Blumenausstellung geplante Nelkenblüte verhindert, weil er statt nur der äusseren kleinen gleich sämtliche Knospen von den Pflanzen entfernt hatte. Und das Schliessen von Türen scheint eine Art Obsession von ihm zu sein. Während der Lehre wurde ihm eingetrichtert, dass offene Gewächshaustüren nicht nur Geld verschlingen, sondern auch empfindlichen Gewächsen schaden und so darf auch daheim keine einzige Türe offen stehen, was in der Familie ab und an zu Konflikten führt.

Sein erstes richtiges Gewächshaus konnte er gebraucht von einem Arbeitskollegen erstehen. Die Einzelteile mussten mit einem Handkarren kilometerweit hertransportiert werden. Titchmarsh ist aber überzeugt, dass Paxton an seinem riesigen Kristallpalast keine grössere Freude hatte, als er an seinem ersten richtigen Glasbau.

Meine Lektüre von „Trowel und Error“ liegt schon etwas länger zurück und ich kann mich nicht mehr detailliert an den Inhalt erinnern, glaube aber, dass sich doch einzelne Erzählungen wiederholen und im ersten Titel mehr Beiträge über Prominenz, inklusive etwas Klatsch und Tratsch, vorkamen. So hat Titchmarsh dort auch detailliert beschrieben, wie er im Rahmen einer TV-Produktion dazukam, für Nelson Mandela einen Überraschungsgarten anzulegen. Ich weiss auch noch genau, dass mir die erste Biographie damals sehr gut gefallen hat. Da auf meinem Regal aber noch nahezu unzählige ungelesene (hoffentlich) spannende Seiten zwischen jeweils zwei Buchdeckeln darauf warten, entdeckt zu werden, lese ich äusserst selten ein Buch mehr als einmal.

Diese beiden Biografien erlauben jedenfalls einen interessanten Einblick in den Hintergrund von Fernsehproduktionen. Aus den Beschreibungen ist nicht ersichtlich, wie hortikulturell die dritte Biografie von Titchmarsh ist. So lasse ich im Moment noch offen, ob ich diese gelegentlich auch noch lesen werde.



Alan Titchmarsh:
Trowel and Error
Hodder and Stoughton, 2002

Knave of Spades
Hodder and Stoughton, 2009