20. Dezember 2015

Helga Urban: Mein Garten – ein Geben und Nehmen

In diesem Büchlein lässt Helga Urban ihr Gartenleben unter folgenden Kapiteln Revue passieren:

- Mein Garten und ich – eine besondere Beziehung
- Wie alles anfing
- Entdeckungen
- Etwas für die Seele
- Ein ständiger Lernprozess
- Mut zur eigenen Courage
- Etwas klüger werden

Dabei zieht sie Parallelen zwischen dem Gärtnern und dem Leben – überall sind die Grenzen und Möglichkeiten auszuloten und es muss mit Veränderungen und Verlusten umgegangen werden. Gemeisterte Herausforderungen schaffen Freude und Befriedigung. Nicht immer, aber meistens oder doch häufig. Die Autorin und Gärtnerin beweist viel Durchsetzungsvermögen, um nicht zu schreiben Sturheit, beim Beschaffen von must-have-plants. An einem Tag mit dem ersten Flug nach London und spät abends mit einem der letzten Maschinen zurück in die Heimat, dazwischen der Besuch einer Pflanzenshow – das scheint nicht aussergewöhnlich zu sein. Vielleicht überlege ich mir nochmal, ob es tatsächlich viel zu anstrengend ist und ich langsam zu alt, um an einem Tag von Winterthur über Konstanz nach Frankfurt an die Buchmesse und wieder zurückzufahren (Strecke Konstanz-Frankfurt und retour mit einem organisierten Bus).

Nun zurück zum eigentlichen Thema. Kleine grüne Schätze haben ihren Preis. Diesen vor dem Erwerb abzuklären, gehört zum Lernprozess. Ebenso die Erkenntnis, dass der „Päonienbleistift“ kein Teil des Verpackungsmaterial und die Pflanze wohl bei der Versandvorbereitung vergessen gegangen ist, aber dafür auf der Rechnung ganz bestimmt eine Null zu viel steht. Nichtsdestotrotz empfiehlt die Autorin Gärtnereibesuche als Trost. Meistens sind die Wünsche ja bezahlbar und Pflanzen lassen wenigstens kein Hüftgold wachsen. Und die Belohnung für hortikulturelles Durchsetzungsvermögen ist eine immerwährende oder zumindest jahrelange Freude. Jedenfalls sofern kein Sturm der Freude ein vorzeitiges Ende bereitet. Und Helga Urban bemerkt ganz zutreffend: woran hat man oder frau schon jahrelang ungetrübt Freude?

Zum Thema Durchsetzungsvermögen passen auch das eingegangen Risiko eines Ehekrachs, um einer Kamelie die optimalen Bedingungen bieten zu können, und die Gartenecke, genannt „Offener Vollzug“, wo Pflanzen vorübergehend einen Platz finden, wenn sie nicht wollen wie die Gärtnerin es will. Drastischere Massnahmen hat die Gärtnerin bei jenen Narzissen ergriffen, die nicht ins bevorzugte Farbschema passten. Da ist frau kurz vor dem Aufblühen derselben auf Pflanzenmission unterwegs und freut sich auf der Heimreise auf die sich bereits im Herbst vorher mit Einbuddeln verdiente Blütenpracht, nur um feststellen zu müssen, dass diese weiss statt orange ist. Da nützt dann auch keine Verbannung in eine andere Ecke, aus orange wird kein weiss.

Beim Lesen der Texte entstehen immer wieder bleibende Bilder im Kopf. Etwa wenn die Autorin beschreibt, wie just am Sonntag der ersten Gartenführung ein Klettergerüst zusammengebrochen ist und sie vergeblich versucht hat, dieses mit einem Besen wieder aufzurichten und daraufhin, während sie auf den wenig erfreuten und nicht gerade hinter der nächsten Kurve wohnenden Helfer wartete, das Gerüst mit ihren Armen stemmte. Sie selber ist auch sehr hilfsbereit und arbeitet seit über zwei Jahrzehnten ehrenamtlich im Palmengarten. An anderer Stelle liest man von Risikostreuung, die nämlich nicht nur bei Kapitalanlagen, sondern auch im Garten beachtet werden sollte, über nützliches Basislatein für Botaniker und von launischen Glyzinien. Dann geht es um Zollbeamte, die ihr ein Paket mit wichtigem Inhalt, der schon viel zu lange unterwegs war, zwar zeigen, aber (vor dem Wochenende) nicht aushändigen wollen und die Autorin plädiert für mehr Charme und weniger Perfektionismus im Garten.

Für eine allfällige Nachauflage des Büchleins würde ich mir zur Komplettierung der Bilder in meinem Kopf und zur Ergänzung meines Allgemeinwissens über grenzüberschreitende Gartenkultur einen detaillierten Bericht über den Transport von Pflanzen im Koffer während Flügen und bei der Zollkontrolle wünschen.

Helga Urbans Persönlichkeit offenbart sich mit jeder Seite ein wenig mehr. Besonders scheint sie neben weiss blühenden Pflanzen auch Zitate und Sprichwörter zu mögen. Das Quellenverzeichnis im Anhang ist jedenfalls recht umfangreich. Der Serviceteil enthält weiterführende Gartenliteraturtipps, darunter auch ihre eigenen anderen Bücher, von denen ich "Schön, aber gefährlich" vor einiger Zeit vorgestellt habe, sowie Bezugsquellen und „Einige Pflanzen auf die Schnelle (Kurzportraits) - natürlich zumeist weiss blühende.

Die Sofagärtnerin erkennt sich in vielen Geschichten wieder, hat sie doch einige Anekdoten ganz ähnlich oder sogar identisch erlebt oder von Gartenbekanntschaften erzählt bekommen, und sie ist überzeugt, dass es vielen gärtnernden Lesern und lesenden Gärtnern ebenso gehen wird.



Helga Urban: 
Mein Garten – ein Geben und Nehmen 
Eugen Ulmer Verlag, 2015

10. Dezember 2015

Mary Kay Andrews: Ein Ja im Sommer

Cara Kryzik schaut gerne hinter die Zäune in die Gärten anderer Leute. Aus einem überwucherten kleinen Stück Land hat sie sich selber einen kleinen, intimen Rückzugsort geschaffen. Palmen, Bananenstauden, Hortensien, Funkien, Efeu und Farne wachsen neben etlichen anderen Pflanzen in ihrem kleinen Garten, durch den ein Pfad aus gesprenkelten, grauen Backsteinen führt. Da sie als Blumenkünstlerin den ganzen Tag von farbigen Blumen und Bändern umgeben ist, hat sie sich ausschliesslich auf Grünzeug mit weissen Blüten beschränkt, und natürlich blüht auch ihre Lieblingsblume – die Gardenie – in dieser Farbe.

Die junge Frau ist seit einiger Zeit Inhaberin eines eigenen Blumenladens, zu dem sie völlig unerwartet durch ihre Tätigkeit bei der Vorbesitzerin gekommen ist. Neben der Einrichtung und einem schon etwas in die Jahre gekommenen Lieferwagen gehörte auch ein für mehrere Monate vorausbezahlter Pachtvertrag zum Startkapital ihres eigenen Geschäfts. Aktuell wartet sie allerdings immer noch auf die Verlängerung des inzwischen ausgelaufenen Vertrages.

Caras Arbeitstage beginnen meist früh mit einer Runde Jäten im Garten und enden gewöhnlich spät. Der Aufbau einer eigenen Existenz ist hart. Doch der Laden der Quereinsteigerin ohne Floristikausbildung beginnt dank ihrer Kreativität immer besser zu laufen. Ihr Stil ist gefragt und Mundpropaganda bringt immer mehr Bräute in Caras schmucken Laden in Savannah. Unterstützt wird Cara von ihrem Assistenten Bert, einem neunundzwanzigjährigen trockenen Alkoholiker. Die beiden machen sich einen Spass daraus, sich nach den Hochzeiten gegenseitig Tipps abzugeben, wie lange die eben geschlossenen Ehen der Bräute halten werden, für deren Blumenschmuck in Kirche, Restaurant und Brautstrauss sie verantwortlich waren. Wie sich herausstellt, ist aber auch Bert selber nicht vor einer gravierenden Fehleinschätzung gefeit.

Leider wird Cara in ihren Bemühungen, finanziell endlich unabhängig zu werden, immer wieder zurückgeworfen. Ihr Vater, von Anfang an wenig überzeugt von der „Floristenidee“, verlangt gerade immer vehementer sein Darlehen samt Zinsen zurück, als ausgerechnet während einer Hitzewelle die Kühlung im Laden aussteigt und sämtliche Blumen verwelken lässt. Der geplante Gewinn aus der Hochzeit, für welche diese Blumen angeschafft worden waren, geht damit grösstenteils für Ersatzblumen drauf. Und als hätte Cara noch nicht genügend Aufregung, läuft auch noch ihr heiss geliebter Hund Poppy weg.

Das Problem „entlaufener Hund“ lässt sich schnell lösen und der vermeintliche Hundedieb schleicht sich über einen kleinen Umweg direkt in Caras Herz. Aber weitere Herausforderungen stehen an, wie etwa der bösartige Konkurrent, der sie rundherum schlechtmacht. Schliesslich soll sie auch noch ihr Geschäftslokal und ihre darüber gelegene Wohnung samt dem schmucken Garten verlieren.

Das Ende dieses Romans ist schon sehr früh absehbar, aber dazwischen warten in diesem „Seitenumdreher“ etliche Irrungen und Verirrungen auf die Leserin – eingebettet ins Floristikmillieu mit Sträussen und Gestecken für Babypartys, Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Pensionierungen, Einladungen und  natürlich dem Schwerpunkt Hochzeitsgestaltung mit anspruchsvollen Bräuten. Ein Sommerroman, der auch im Winter Freude macht - geschwitzt haben wir im Sommer 2015 ja mehr als genug, so dass es völlig ausreicht, über Hitzewellen zu lesen.



Mary Kay Andrews: 
Ein Ja im Sommer 
S. Fischer Verlag, 2015

1. Dezember 2015

Bernd Flessner: Der Radieschenmörder - Ein perfider Garten-Krimi

Der Frühpensionär Walter Dollinger hält nichts von Ertragsmaximierung in seinem Garten. Sein Ziel sind nicht Ernterekorde in Menge oder Grösse. Jahrzehntelang hat er in der Geschäftswelt Höchstleistungen erbringen müssen, bevor er von einem Tag auf den anderen aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit aufgeben musste. Seinen Naturgarten sieht er nicht zuletzt deshalb in erster Linie als Lebensraum, in den er nur unterstützend eingreift. Sein direkter Nachbar, der eine ganz andere Gartenphilosophie vertritt, spricht denn auch von Verwilderung.

Ebenfalls einen anderen Zugang zum Garten als Dollinger hatte Johann Kunrath, das Opfer des "Radieschenmörders". Der unauffällige Mann hat völlig zurückgezogen gelebt und niemand hat näheren Kontakt mit ihm gepflegt. An den Jahresversammlungen des Gartenbauvereins Biberach ist er jeweils mit Anträgen aufgefallen, die eine Harmonisierung der Gärten zum Inhalt hatten - wohl mit dem Ziel, einen regionalen Gartenwettbewerb zu Gunsten von Biberach zu entscheiden. Die Satzung des Gartenbauvereins sieht vor, sich gegenseitig zu unterstützen. Als Vorstandsmitglied wird Dollinger deshalb an einer eilig einberufenen ausserordentlichen Vereinszusammenkunft ins Zweierteam berufen, dem die Pflege von Kunraths verwaistem Garten anvertraut wird, bis die noch unbekannten Erben diesen übernehmen.

Schon bei seinem ersten Einsatz beginnt der Frühpensionär an dem von der Polizei errechneten Todeszeitpunkt zu zweifeln. Die Höhe des nicht gemähten Rasens, die Anzahl Raupen, die sich auf den Weisskohlköpfen tummeln, Radieschen, die ausschiessen und auch die nicht ausgegeizten Seitentriebe an den Tomaten lassen ihn vermuten, dass die Natur schon einige Tage vor dem angeblichen Tattag das Zepter im üblicherweise perfekt gepflegte Kunrath-Garten übernommen hat. Mit seinen aus hortikultureller Erfahrung gewonnen Erkenntnissen macht sich Dollinger beim ermittelnden Hauptkommissar Schwerdtfeger nicht nur unbeliebt, sondern er gilt daraufhin auch gleich als tatverdächtig und mit ihm die anderen Gartenbauvereinsmitglieder.

In der Folge erhält er von diesen ganz offiziell den Auftrag, Licht ins Dunkle rund um den mysteriösen Mordfall zu bringen, damit wieder Ruhe im Ort einkehrt. Der Amateurdetektiv prüft parallel zu den polizeilichen Mordermittlungen die Alibis der Vereinsmitglieder und versucht mit einer Beziehungsgrafik Zusammenhänge zu erstellen und zu verstehen. Als ein Landstreicher als Tatverdächtiger verhaftet wird, zweifelt er an dessen Schuld. Walter Dollinger ist gewohnt zu agieren, damit andere reagieren müssen, und so schreckt er auch vor zuweilen illegalen und gefährlichen Aktionen nicht zurück und entwickelt seine ganz eigenen Methoden zur Sicherung von Beweismitteln. Er ist der Polizei immer einen Schritt voraus und wird von seiner Frau Karin tatkräftig unterstützt.

Dollinger scheint tatsächlich auf der richtigen Spur zu sein, denn er selber gerät ins Visier des Täters, doch auch ein als Drohung in seinem Garten platziertes Radieschen kann ihn nicht aufhalten. Neben seinen privaten Ermittlungen bleibt ihm aber auch immer wieder Zeit fürs Gärtnern und für Diskussionen mit anderen Gartenbauvereinsmitgliedern, etwa über den exakten Abstand zwischen Grashalmen im perfekt manikürten Rasen. Diesen Krimi habe ich hier schon einmal erwähnt kann abschliessend feststellen, dass sich die Lektüre unbedingt gelohnt hat. Ob man auf eine Fortsetzung im Rahmen einer Gartenkrimi-Serie hoffen darf? Während sich im englischen Sprachraum problemlos (Soft-)Krimis mit gärtnerischem Hintergrund finden lassen, sind deutsche Übersetzungen oder Originalausgaben doch als Mangelware zu bezeichnen.



Bernd Flessner: 
Der Radieschenmörder - Ein perfider Garten-Krimi
BLV Buchverlag, 2015

20. November 2015

Mrs. Miniver (DVD)

Eben noch gehörten schicke Hüte und andere Exklusivitäten zum normalen Leben von Mrs. Miniver und sie zeigt sich äusserst verständnisvoll gegenüber der Anschaffung eines neuen, nicht wirklich notwendigen Autos durch ihren Mann, einem gutverdienenden Architekten. Zur Familie Miniver gehören neben den Eltern drei Kinder und die fünf nennen ein hübsches Haus mit gepflegtem Garten samt Bootsanlegesteg sowie ein eigenes Boot ihr Eigen. Die nahezu perfekte bürgerliche Idylle wird durch den Ausbruch des zweiten Weltkriegs und den Einzug des älteren Sohnes Vin ins Militär zerstört.

Zum hortikulturellen Nebenschauplatz des patriotisch geprägten Films gehört eine vom allseits beliebten Bahnhofsvorsteher Mr. Ballard gezüchtete rote Rose, die betörend duftet und welche er nach Mrs. Miniver benennt. Er hat die erfolgversprechende Züchtung sogar bei der jährlichen Blumenausstellung angemeldet. Diese nicht zu unterschätzende Konkurrenz löst bei Lady Beldon keine Freude aus. Sie richtet nicht nur die Veranstaltung aus, sie hat in den letzten vierzig Jahren auch jedes Mal den ersten Preis für ihre Rosen eingeheimst. Wegen dem Krieg soll die Ausstellung nicht stattfinden, wird dann aber doch durchgeführt. Und nach der Krönung der prächtigsten Chrysanthemen und anderer Blumenschönheiten steht dem zahlreich erschienenen Publikum eine Überraschung bevor.

Der Film zeigt den veränderten Alltag der Familie Miniver mit unruhigen Nächten im Keller, einem zivilen Bootseinsatz des Hausherrn am Rande der Schlacht von Dünkirchen im Juni 1940 und einem abgestürzten deutschen Piloten, der Mrs. Miniver bedroht. Ein Lichtblick in diesen Tagen ist die nach kurzer Bekanntschaft geschlossene Ehe von Vin und Lady Belden's Enkelin. Muss ich erwähnen, dass letztere zunächst nicht „very amused“ über diese Pläne ist?

Dieser s/w-Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jan Struther. Er spielt in England, wurde aber wegen dem Krieg in Europa in Kalifornien gedreht. Eine ausführliche Inhaltsbeschreibung über diese mit mehreren Oscars ausgezeichnete Produktion findet sich hier.  



Mrs. Miniver (DVD) 
William Wyler 
Warner Home Video, 2005 (s/w-Film aus dem Jahr 1942)

10. November 2015

Julie Leuze: Der Duft von Hibiskus

Soweit das Auge reicht, wird die Umgebung von der Farbe Grün dominiert - goldgrün, meergrün, blaugrün, olivgrün und viele andere Grüntöne mehr. Die zweiundzwanzigjährige Apothekertochter Emma Röslin aus Stuttgart kann sich kaum sattsehen und hätte sich noch vor wenigen Monaten in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können, sich einmal im australischen Busch wiederzufinden, um Pflanzen und Tiere zu zeichnen.

Der Roman „Der Duft von Hibiskus“ spielt Ende der fünfziger Jahre im 19. Jahrhundert. Emma Röslin stammt aus einer gutbürgerlichen Familie, hat eine sorgenlose Kindheit erlebt und ist immer gut gekleidet. Doch dann hat ein schreckliches Ereignis ihr Leben für immer verändert. Ein traumatisches Erlebnis, das ihre Seele im hintersten Winkel verbirgt und an das sich Emma nicht erinnern kann. Undeutlich erinnert sie sich an zwei Todesfälle und muss erleben, dass ihr bis anhin ausgezeichnetes Verhältnis zum Vater zerstört ist. Zuletzt hat er überhaupt nicht mehr mit ihr gesprochen und auch den Dienstboten wurde verboten, mit ihr zu reden.

Unerwartet bietet sich ihr die Gelegenheit, dem nunmehr freudlosen Daheim und ihren Erinnerungslücken zu entfliehen. Der Botaniker Oskar Crusius bietet ihr an, sich mit ihm einer Forschergruppe unter der Leitung des Münchners Carl Scherrer anzuschliessen. Als Apothekerstochter, die von ihrem Vater ausgebildet worden ist, kennt sie von Streifzügen durch die heimische Natur die Namen der Heilpflanzen im Schwabenland, das Linnésche Sexualsystem und den Aufbau von Gewächsen. Zu ihren Aufgaben gehörte nämlich das systematische Sammeln von Pflanzen und das Pressen, Trocknen und Befestigen auf Papierbögen derselben. Ihr Vater hat ihr jedoch nicht nur das Erstellen von Herbarbögen beigebracht, sondern auch das detailgetreue Zeichnen und Kolorieren.

Nach einer mehrmonatigen Schiffreise trifft sie endlich in Australien ein, wo sie die anderen Expeditionsteilnehmer kennenlernt. Da Carl Scherrer, Leiter im Auftrag der Kolonialregierung New South Wales, keine Frau in seiner Gruppe duldet, geben sich Oskar und Emma als Verlobte aus, was Emma schon bald bereuen wird. Die junge Frau ist unglaublich fasziniert von der australischen Natur und kommt scheinbar problemlos mit dem einfachen und völlig ungewohnten Leben zurecht. Während die Pflanzenkundler mit der Botanisiertrommel unterwegs sind, ist sie mit dem Festhalten von Flora und Fauna auf Papier beschäftigt. Überschattet wird ihr spannendes neues Leben aber nach wie vor von ihren Erinnerungslücken und der Traurigkeit darüber, dass sie sich daheim nicht von ihrer Mutter hat verabschieden können.

Emma und Carl finden sich sehr sympathisch, was den Widerwillen von Oskar hervorruft. Der angebliche Verlobte gebärdet sich immer dreister und überschüttet Emma mit anzüglichen Bemerkungen. Bevor Emma aber überhaupt an eine Beziehung mit Carl denken kann, will und muss sie erst genau wissen, was in Stuttgart passiert ist und ihre Gedächtnislücken füllen. Ausserdem weiss sie nicht, wie Carl auf ihre Eröffnung, gar nie mit Oskar verlobt gewesen zu sein, reagieren wird. Gleichzeitig wächst in Emma der dringende Wunsch, Kontakt mit Eingeborenen aufzunehmen. Sie möchte direkt von ihnen erfahren, wie sie leben und lernen, welche Pflanzen sie verwenden und in welcher Form.

Die junge Stuttgarterin strotzt vor Interesse, Neugier und Forschergeist – leider teilen nicht alle Gruppenteilnehmer ihre Offenheit in Bezug auf die Aborigines. Die patente Romanfigur Emma basiert übrigens auf dem historischen Vorbild von Amalie Dietrich (1821 – 1891), einer wichtigen deutschen Australienforscherin, die im vorletzten Jahrhundet Pflanzen, Tiere und auch menschliche Schädel und Skelette gesammelt hat. Die mitleid- und skrupellosen Eigenschaften der mutigen Pionierin hat die Autorin allerdings dem Charakter von Oskar zugeteilt. 

Und gerade kürzlich ist ein weiterer Roman erschienen, in welchem Amalie Dietrich eine Rolle spielt: "Das Geheimnis jenes Tages" von Annette Dutton. Dessen längst vorgebloggte Vorstellung habe ich momentan auf Mitte nächstes Jahr terminiert.



Julie Leuze: 
Der Duft von Hibiskus 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013

1. November 2015

Wieder einmal: Beschränkt empfehlenswert

An meinen unregelmässigen Besuchen an der Frankfurter Buchmesse drängt sich mir jeweils unweigerlich die Frage auf, wer all dieses Geschreibsel wohl lesen mag. Für mich selber habe ich unter den unzähligen Publikationen einige wenige neue Titel entdeckt, die ich unbedingt lesen will, und etliche bereits hier vorgestellte Bücher wieder angetroffen.

Nicht zu übersehen war natürlich der brandneue Gartenkrimi „Der Radieschenmörder“ von Bernd Flessner, dessen Beschaffung zwar nicht gerade kriminell, aber doch ein wenig spektakulär war, wie meine an der Buchmesse persönlich kennen gelernte Bloggerkollegin Dani und ich feststellen mussten. Zierten wohl mehr als zwei Dutzend Exemplare dieser Neuerscheinung eine Wand des BLV-Messestandes, las ich wieder daheim im Internet, dass das Buch nur im stationären Buchhandel und dies anscheinend auch nur während vierzehn Tagen zu erwerben war. Da erscheint mal ein perfekt in den Sofagarten passender Gartenkrimi und der lässt sich nicht beschaffen? Hätte ich mir vielleicht doch besser ein Exemplar mopsen sollen?

Das tut frau natürlich nicht. Und recht schnell habe ich herausbekommen, dass der Verlag den Buchhandlungen mit dieser Marketing-Idee einen Zeitvorsprung, also die Gelegenheit, möglichst viele Bücher direkt zu verkaufen, verschaffen wollte. Inzwischen ist das Buch auch im Online-Handel erhältlich. Die Sofagärtnerin, die sich angesichts ihres beruflichen Hintergrundes mit Erfahrung im Rechnungswesen von Verlagen schon überlegt hatte, wie sich das rechnet und finanziell lohnen kann, ist nun also gleich doppelt beruhigt. Nun bleibt nur doch die Hoffnung, dass das Buch mindestens so spannend ist, wie das Drumherum um die Beschaffung.

Aktuell lese ich gerade einen anderen Krimi, und zwar „Baumkiller“ von Werner Färber aus dem Gmeiner Verlag. Aber eigentlich wollte ich ja – siehe Titel – über Bücher schreiben, die ich nicht lesen mag und die ich (grösstenteils) ungelesen weggelegt habe. Regelmässige Blogleserinnen und -leser wissen von meiner nebenberuflichen Weiterbildung, wegen der ich nunmehr wenig Zeit für unterhaltsame Lektüre habe. Manuals, Gesetze und Verordnungen decken meinen Bedarf an anspruchsvoller Lektüre. Dementsprechend bevorzuge ich in der Freizeit Romane und verschiebe schwerere Kost auf später. Die Buchvorstellungen im Sofagarten sind also auch weiterhin mehrheitlich Romane, Krimis und gelegentlich Anthologien.

Vorläufig keine Buchvorstellung gibt es von Dieter Bachmanns „Die Gärten der Medusa“ (Limmat Verlag), von dem es in der Umschlagbeschreibung heisst (Zitat): „ Ein Schiff legt ab. Es hat Gärten an Bord – Hausgärten, Parks, Landschaften und tiefgrüne Wälder. Und ein paar Passagiere, die diese durchwandern…“. Ebenfalls aus der Liste der zuletzt gelesenen Bücher gelöscht habe ich „Der Garten über dem Meer“ von Mercè Rodoreda (Mare Verlag) - ein erstmals ins Deutsche übersetzter Roman aus dem Katalanischen über die Beobachtungen eines Gärtners in einem Herrenhaus in den Jahren vor dem Spanischen Bürgerkrieg.

Auch mit „Orchid Territory“ von Mary Motes (Wordrunner Publishing) wurde ich nicht richtig warm. Bis jetzt konnte ich nicht herausfinden, wo sich der Humor in dieser „Comic Novel“ („… full of humor and wicked comedy“ gemäss The Orchid Review) versteckt… Falls ihn jemand gefunden haben sollte, bitte mitteilen! Dann lese ich in einem Jahr weiter, wenn ich hoffentlich wieder mehr Zeit für Gartenbücher und Bücher über Gärten und Gärtner habe.

20. Oktober 2015

Jockel Tschiersch: Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon

Haben Sie auch schon mal damit geliebäugelt, einfach alles stehen und liegen zu lassen? Genau so geht es Georg, genannt Schorsch, Kempter. Er belässt es aber nicht beim blossen Gedankenspiel, sondern gibt dem Impuls nach und statt wie üblich frühmorgens arbeiten zu gehen, steigt er an einem schönen Julitag in sein kleines heiss geliebtes Flugzeug, fliegt einfach fort.

Kempters Ehe scheint am Ende, seinem Vater kann er nichts recht machen, dem Berufswunsch seiner Tochter Miriam, die mindestens so stur ist, wie er selber, kann er nichts abgewinnen und nun scheint auch noch die kleine Familiengärtnerei definitiv Konkurs anmelden zu müssen. Denn ein Kunde, für den er in monatelanger Arbeit einen Golfplatz angelegt hat, ist mit dem Grünton des Rasens nicht zufrieden und verweigert die Zahlung der Schlussrechnung. Diese Tatsache bedeutet nicht nur für den schon schlingernden Kleinbetrieb eine substantielle Gefahr, der Gärtner muss befürchten, dass ihm auch seine Piper J3C weggenommen wird.

Sechs Tage in der Woche arbeitet er schwer von früh bis spät. Trotzdem reicht das Einkommen nur knapp für die Familie, die alte Piper und die Entlohnung seines einzigen Angestellten, der das Arbeiten nicht gerade erfunden hat. Schorsch selber ist zwar ein sehr geschickter Gärtner, aber eben kein gewiefter Geschäftsmann. Die Sonntagsflüge, wenn er alleine in seiner Maschine hoch oben in den Wolken seine Runden dreht, sind der der Höhepunkt der Woche und lassen ihn Arbeit, Familie und finanzielle Probleme ertragen. Wobei ganz unschuldig an den innerfamiliären Kommunikationsproblemen ist der maulfaule Gärtner auch nicht. Er spricht höchstens mit seiner Piper, was er aber aus einschlägiger Erfahrung auf seine Flugzeiten beschränkt. Schlafen tut der Schorsch am liebsten in seiner Rosenwerkstatt oder gleich bei seinen Rosen und träumt bevorzugt von einer von ihm selber gezüchteten komplett schwarzen Rosen, und zwar mit Blüten ohne den üblichen lila Schimmer. In der Ukraine soll ein Rosenzüchter diese Unmöglichkeit geschafft haben. Wäre das vielleicht ein anzupeilendes Endziel der spontanen Reise?

Als Schorsch nun einfach davonfliegt, lässt er zuerst zwecks Unerreichbarkeit sein altes Handy aus der Luft in einen Fluss fallen. Erst als ihn der leere Tank zur Landung zwingt, geht er auf dem Feld eines alten Bauern nieder und verdient sich Kost, Logis und Sprit für den Weiterflug. Der Bauer gibt ihm zusätzlich auf den Weg mit, dass er mehr lachen und reden soll.

Auf weiteren Stationen seine Reise lernt er verschiedene Menschen kennen, die ihren eigenen, teils schwer gefüllten Rucksack mit sich herumschleppen. So wie Schorsch, der geprägt ist von einer Katastrophe, die sich vor zwanzig Jahren ereignet hat und über die und seine Schuld er nie mit jemandem gesprochen hat. Er stellt fest, dass auch andere Familien ihre zwischenmenschlichen Probleme haben. Zeit für tiefsinnige Gedanken findet er beim Schuften in einem völlig vernachlässigten Garten eines riesigen Schlosses, wo er sein Bestes gibt, um die Zierpflanzen vom Unkraut zu befreien - wenn er nicht gerade von der neugierigen Tochter der Schlossbesitzer indiskreten und direkten Fragen gelöchert wird.

Derweilen Frau und Tochter daheim wütend über sein Verschwinden sind, mühsam den Betrieb aufrecht halten und mit weiteren Problemen kämpfen, erweist sich der Austausch mit seinen neuen Bekannten und die Distanz zu Familie und Betrieb für Schorsch als wohltuend. Konflikte werden nicht durch Ignoranz und Schweigen gelöst, gibt es vielleicht noch eine Chance für Betrieb und Ehe? Ist die schwarze Rose tatsächlich so wichtig? Schliesslich ist nicht alles planbar und Pläne werden immer wieder durchkreuzt.

Der Autor lässt sich für das Ende der Lektüre einige Überraschungen einfallen und gelegentlich finden sich witzige Wortkreationen im Text, wie etwa „ungezügelte Flora“, „miefender Beziehungskompost“ und „Wortspar-Konto“.



Jockel Tschiersch: 
Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2015

10. Oktober 2015

David Wheeler (Hrsg.): Gartenlektüre – Die schönsten Geschichten englischer Gartenenthusiasten

Im vierten von mittlerweile beinahe 600 hier im Sofagarten erschienen Posts habe ich Anfang Februar 2009 mit folgenden Worten die Anthologie „Hortus Revisited“ vorgestellt:

Zum 21. Geburtstag des vierteljährlich mit wunderbaren Illustrationen in s/-w-Optik erscheinenden Journals „Hortus“ ist eine Anthologie aus den bisher über 10'000 veröffentlichten Seiten anspruchsvoller Gartenliteratur erschienen. 

Wer Hortus bereits kennt, wird eingeladen, nochmals Mirabel Oslers Ausführungen über Ordnung und Chaos im Garten zu folgen, wer Hortus erst noch entdecken will, findet vielleicht Gefallen an Catherine Umphreys Artikel über Margery Fish und die Leiden und Freuden von partnerschaftlichem Gärtnern oder erfährt von Fergus Garrett näheres über die Gattung Vergissmeinnicht (Myosotis). Die Themenpalette reicht von Farbe, Duft, Pflanzenzucht über Pflanzenjäger zu Gartenportraits. Ebenso unterschiedlich sind die Beiträge abgefasst – mal unterhaltend, witzig oder informativ, dazwischen gibt’s aber auch schwerfälligere Kost. Zu den Autoren gehören Profis und Amateure, Botaniker und Historiker, Gärtner und Gartenfanatiker - vertreten sind etwa Beth Chatto, Ursula Buchan, Roy Strong und Noel Kingsbury.

Infos über Hortus: www.hortus.co.uk. Die ersten beiden Jahrgänge der Hortus-Back-Issues sind bereits früher ebenfalls in Buchform erschienen, aber längst nur noch antiquarisch erhältlich ("By Pen and By Spade" und "The Generous Garden", beide Titel ebenfalls von David Wheeler herausgegeben).

Nun steht (endlich) eine Auswahl dieser Gartengeschichten auch dem deutschsprachigen Publikum zur Verfügung:
  • Vorwort – Oder: Ein Buch für Gärtner, die lesen, und Leser, die gärtnern 
  • David Wheeler und Hortus 
  • Stephen Lacey : Der Duftgarten 
  • Beth Chatto: Sir Cedric Morris, Künstler und Gärtner 
  • Penelope Hobhouse: Phyllis Reiss in Tintinhull 
  • Alvide Lees-Milne: Lawrence Johnston, der Schöpfer von Hidcote Garden 
  • Mirabel Osler: Bitte mehr Chaos! – Ein sanfter Appell 
  • Nigel Colborn: Zeigt mir eure Hostas! 
  • John Francis: Mein Paradies im Park 
  • Andrew Lawson: Die Kunst und der Garten 
  • Dawn MacLeod: Die Kunst der Pflanzenfärberei 
  • Elizabeth Seager: Das Jahr des Gärtners 
  • Roy Strong: The Laskett: Die Geschichte eines Gartens 
  • Deborah Kellaway: Von Möpsen, Pfauen und Pekinesen: Der Garten von Garsington Manor 
  • Jim Gould: Ein blaues Wunder 
  • Catherine Umphrey: Pflanzpartner, oder: Gärtnern mit Walter 
  • Peter Parker: Die Gärten der Beatrix Potter 
  • Antony King-Deacon: Es war einmal in Sissinghurst 
  • Katherine Swift: Reisenotizen von Orkney 
  • Diana Rosse: Der Waliser Garten Plas Brondanw aus Sicht seines Gärtners 
  • Marta McDowell: Maleficus – In tödlicher Absicht 
  • Alex Dufort: Der Garten Ridler 
  • Graham Gough: Die beste Lehrmeisterin, die ein Gartengestalter sich wünschen kann 
  • Ambra Edwards: Ein Besuch bei Ian Hamilton Finlay
Gartenliteratur vom Feinsten für lange Winterabende!



David Wheeler (Hrsg.): 
Gartenlektüre – Die schönsten Geschichten englischer Gartenenthusiasten 
Deutsche Verlags-Anstalt, 2015

1. Oktober 2015

Lisa van Allen: The Night Garden

Zwischen Olivia Pennywort und allem, was Wurzeln in die Erde schickt, besteht seit jeher eine enge Verbindung. Die neunundzwanzigjährige Frau hat aber auch ihre guten (sprich lebenswichtigen) Gründe, die Nase direkt in ihre Pflanzen zu stecken, braucht sie diese doch als existenzielles Elixier. Schon als vierjähriges Kleinkind hat sie in ihrer Umgebung für Aufregung gesorgt, weil Grünzeug unter ihrer Fittiche merkwürdig gut gedieh. Diese Tatsache war nämlich nicht nur auf die ausgezeichnete Erde von Pennywort zurückzuführen. Doch Olivia hat erst viel später herausgefunden, dass ihre Begabung etwas Spezielles ist und welche Konsequenzen und Einschränkungen damit verbunden sind.

Ihr ganzes bisheriges Leben hat Olivia auf dem Familienbesitz der Pennyworts in Green Valley verbracht und sie verlässt seit vielen Jahren das Grundstück überhaupt nicht mehr. Ihre Tage sind hauptsächlich mit Arbeit ausgefüllt, bei der sie von den „Penny Loafers“ unterstützt wird, denen sie für ihre Hilfe Kost und eine einfache Unterkunft anbietet. Diese saisonalen Arbeitskräfte sind praktisch der einzige Kontakt zur Aussenwelt. Und auch vor diesen versucht sie, um jeden Preis ihr schreckliches Geheimnis zu verbergen. Ihr Körper wirkt auf andere Menschen wie eine schwer giftige Pflanze und löst bei jeder Berührung im Gegenüber je nach Sensibilität gesundheitsgefährdende Allergien aus.

Olivia steckt ihre ganze Energie in ihre Gärten, in denen Pflanzen aller Arten um die Wette blühen. Ein Irrgarten offenbart den oft von weither angereisten Besuchern, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Die Ratschläge sind oft ebenso unverblümt wie brutal. Zur Pennywort Farm gehören Felder, Wälder und Gartenräume zu unterschiedlichsten Themen, etwa ein Streichelgarten, ein Giftgarten, ein Steingarten sowie ein Moosgarten um nur einige zu nennen. Von grünen Hecken eingerahmt wachsen Phloxe, Rosen, Orchideen, Bougainvillea, Prunkwinden und der eine wichtige Rolle spielende Efeu. Lebt Olivia hier im Paradies oder vielleicht doch eher in einem Gefängnis?

Eigentlich ist die junge Frau mit ihrem Leben ganz zufrieden, als ihr Jugendfreund Samuel van Winkle nach vielen Jahren plötzlich wieder in ihrem Leben auftaucht. Der Mann mit einem Flair für Pilze kann nach einem schweren Unfall nichts mehr fühlen. Er, der aus einer Familie von tatkräftigen Helden stammt, spürt nicht, ob ein Badetuch nass oder trocken ist oder kratzig oder flauschig. Sein neuer Job bei der Polizei überfordert ihn in vielen Situationen, doch er möchte endlich herausfinden, warum Olivia die gemeinsame Kindheit und intensive Teenager-Liebesbeziehung vor bald eineinhalb Jahrzehnten ohne Angabe von Gründen abrupt abgebrochen hat.

Ein Schlüssel zur Lösung liegt beim 83jährigen Arthur Pennywort. Der verwitwete Vater von Olivia, dessen eigenes Leben 1969 mit dem in der Nähe des Green Valley stattfindenden Woodstock Festivals seinen scheinbar schon fest vorgezeigten Weg verlassen hat, kämpft seit Jahren gegen die Folgen an, die sein eigener Egoismus freigesetzt hat. Wie ein wildes Tier haust er in einer Schlucht und versucht erfoglos, seine Sünden auszubügeln. Sein Gewissen lässt ihm keine ruhige Minute und seine Sturheit bringt die eigene Tochter in zusätzliche Schwierigkeiten.

Nicht nur Sam bringt Olivias Leben durcheinander. Einer neuen Nachbarin, die aus der Stadt zugezogen ist, missfallen etliche Dinge auf dem Land. Sie macht es sich zur Aufgabe, ordentlich aufzuräumen. Ein Dorn im Auge sind ihr etwa die angeblich unzufriedenen „Penny Loafers“, für die sie eine ordentliche Unterbringung organisiert, und sie möchte Olivias angeblich völlig vernachlässigten Vater in ein Heim stecken lassen.

Eine magische Erzählung mit mysteriösen und märchenhaften Elementen, für Leserinnen und Leser, die nicht jeden Satz auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen wollen und müssen.  



Lisa van Allen: 
The Night Garden 
Ballantine Book, 2014

20. September 2015

Barbara Frischmuth: Der unwiderstehliche Garten – Eine Beziehungsgeschichte

In ihrem vierten Gartenbuch zieht Barbara Frischmuth hortikulturelle Bilanz und berichtet von den Schwierigkeiten, sich vom grünen Flecken Beet für Beet abzunabeln. Während Jahrzehnten hat sie auf einer ehemaligen Hangwiese auf 800 Metern über Meer gegärtnert. Der Untergrund bestand zu Beginn aus viel Bauschutt, wenig darüber verteilter Erde und Gras. Den Mutterboden hatte der Bauführer ohne vorherige Rücksprache oder entsprechende Abmachungen verkauft. Der frühere Schulkollege konnte ja nicht ahnen, dass gerade eine Schriftstellerin einem Teil ihres Glücks in der Erde suchen (und finden) würde.

Diese Anfangsschwierigkeiten sind längst Schnee von gestern und andere Herausforderungen stehen an. Denn es lässt sich nicht verleugnen, dass mit dem Älterwerden immer mehr Tätigkeiten schwerer fallen und entsprechend mehr Zeit in Anspruch nehmen. Weniger Töpfe bepflanzen, einige Beete der Wiese zurückgeben – lautet das Credo. Doch was einfach tönt, ist in Tat und Wahrheit ein regelrechtes Dilemma. Welche Pflanze soll denn aufgegeben werden? Welcher Topf?

Und obwohl es eigentlich darum geht, die neue Gartensaison mit weniger Pflanzen in Angriff zu nehmen, werden beim winterlichen "Armchair Gardening" nichtsdestotrotz diametral andere Pläne geschmiedet. Das Verschieben von Grenzsteinen wird zufrieden als Gewinn von zusätzlicher Beetfläche registriert. Und auch die mehrfach erwähnten Besuche bei Sarastro in Orth im Innkreis lassen sich eigentlich nicht mit der vorstehend erwähnten Absicht vereinbaren. Immer wieder findet sich ein Plätzchen für immer wieder neue Pflanzenschätze.

Der Zwiespalt kommt auch in einigen der Kapitelüberschriften zum Ausdruck:
  • Warum ein schmerzender Rücken manchmal glücklicher macht als die Idee, es sich im Alter immer bequemer zu machen
  • Mach nur einen Plan
  • Die Ambivalenz der Gefühle
  • Von Mäusen, Lenzrosen und win-win-Situationen
Omnipräsent ist auch die grosse Leidenschaft der Autorin für Iris. Nicht nur die Blütenfarben lösen „muss-haben-Reflexe“ aus; ausgefallenene Pflanzennamen haben den gleichen Effekt. Daneben erfährt man von Barbara Frischmuths Vorliebe für vitaminreiches, frisches Grün wie Brennnessel, Giersch, Sauerampfer, Melde und Bärlauch, ihrem Pakt mit den Ameisen und der umfangreichen Sammlung von Etiketten sämtlicher Pflanzen, die im Garten ein langfristiges oder manchmals auch nur temporäres Daheim gefunden haben.

Thema in der illustrierten Beziehungsgeschichte sind auch Schmerzen in den Rippen und Knieprobleme. Und immer wieder setzt sich die Autorin detailreich mit Texten von bekannten Wissenschaftlern oder Schriftstellern wie Michael Pollan, Robert Harrison oder Charles Darwin (um nur einige zu nennen) auseinander.



Barbara Frischmuth: 
Der unwiderstehliche Garten 
Aufbau Verlag, 2015

10. September 2015

Andreas Austilat: Vom Winde gesät – Meine Frau, unser Garten und ich

Lässt sich die Vorliebe für Blumen der Ehefrau mit dem Hang zur landwirtschaftlichen Nutzung des Gartens durch den Mann vereinbaren? Andreas Austilat berichtet in dieser Kolumnensammlung aus dem Tagesspiegel in amüsantem Schreibstil über seine diesbezüglichen Erfahrungen.

Zum Zeitpunkt des Erwerbs des Reiheneinfamilienhauses vor etlichen Jahren war der Garten bereits komplett bepflanzt, und zwar im Stil der 1960er Jahre mit Forsythie, Konifere, Rosen und Rasen. Über die Grösse des Gartens habe ich keine Angaben entdeckt (oder diese überlesen). Ich liege aber wohl nicht falsch mit meiner Vermutung, dass die Parzelle einiges grösser ist, als zwei- oder dreihundert Quadratmeter, ist doch an einer Stelle die Rede davon, dass zwanzig Leute gleichzeitig auf dem Rasen herumspringen. Die bisherigen gärtnerischen Erfahrungen des Autors beschränkten sich jedenfalls dannzumal mehrheitlich auf das seinerzeitige gelegentliche Rasenmähen mit einem Spindelmäher als Kind.

Die nicht chronologisch, sondern thematisch geordneten Kapitel geben erste Hinweise auf die geplanten, verworfenen und durchgeführten Veränderungen innerhalb von Zaun und Hecke:
  • Wie wir Gärtner wurden
  • Grenzen setzen
  • Mein Freund, der Baum
  • Exotische Träume
  • Ich wäre so gern ein Farmer
  • Eindringlinge, gewollt und ungewollt
  • Der Garten ist eine Baumstelle

Während der Lektüre stellt die Sofagärtnerin schnell fest, dass der Autor gewohnt ist, Sachverhalte zu hinterfragen und zu recherchieren. Wiederholt sind es Monokulturen, über die er sich schlau macht, und die Leserin detailliert an seinem Wissen teilhaben lässt. Einmal berichtet er diesbezüglich über Kiefern, ein andermal über Bananen. Haben Sie gewusst, dass fast alle in unseren Breitengraden verkauften Bananen zur Sorte "Cavendish" gehören und dass eine frühere Sorte, ebenfalls eine Monokultur, in den 1960er Jahren durch einen Pilz ausgerottet worden ist?

Weiter berichtet Andreas Austilat über die von Schneeglöckchen erzeugte Bodenwärme und darüber, weshalb unter Kiefern nur Maiglöckchen und Walderdbeeren wachsen. Dann sinniert er über Geheimnisse und Rätsel des Gartens - etwa jenes, warum das Tränende Herz in einem Jahr durch seine Blütenfülle den Neid von Besuchern weckt und im nächsten Jahr nur vor sich hin kümmert.

Während der Autor herausfindet, dass im Garten zwei verschiedene Sorten Liguster stehen, nämlich eine immergrüne und eine laubabwerfende, und auch Forsysthien völlig verschnitten, sprich mit der falschen Schnitttechnik oder Vernachlässigung verunstaltet werden können, liest man wiederholt über das grosse grüne Herz der Ehefrau für verstossene und ungeliebte Pflanzen, die niemand (kaufen) will und im Austilatschen Garten ein Asyl finden. In diesem Zusammenhang fällt im Buch auch der schöne Begriff „botanische Fremdenfeindlichekeit“. Denn der Ehemann mag keine Exoten oder sonst wie komplizierte Pflanzen im Garten, für die er seine Gewohnheiten anpassen muss. Ausser er kann mit schwerem Geschütz auffahren (Stichwort Kettensäge).



Andreas Austilat: 
Vom Winde gesät – Meine Frau, unser Garten und ich 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2015

1. September 2015

Bettina Plecher: Giftgrün

Ist die tödliche Verwechslung von Bärlauch und Herbstzeitlosen eines Hobbykochs der Grund für den Tod von Gabor Nader? Oder sind tatsächlich Zweifel angebracht und es könnte ein kalkulierter Mord dahinter stecken? Der charismatische, ehrgeizige Professor Nader ist erst kürzlich von Würzburg nach München gezogen und hat eine Stelle als leitender Oberarzt angetreten. Jeden Samstag hat er jemanden oder eine Gruppe aus der Klinik zu seinem „Jour fixe“ eingeladen und kulinarisch verwöhnt. Wer war sein letzter Gast?

Die fünfundzwanzigjährige Frieda May ist ihrem Doktorvater von Würzburg nach München gefolgt und tritt just an dem Tag, an dem Nader mit einer schweren Vergiftung in die Klinik eingewiesen wird, ihre erste richtige Stelle als Stationsärztin an. Einquartiert ist sie in der Wohnung von Quirin Quast, einem Doktor in Medizin und Chemie, spezialisiert auf klinische Toxologie. Nader und Quast haben in jungen Jahren zusammen geforscht und erfolgreich ihre Resultate in Fachzeitschriften publiziert. Doch während ersterer die Karriereleiter emporstieg, trägt letzterer seit Jahrzehnten belastende Schuldgefühle mit sich herum und ist zum Einzelgänger mutiert.

Frieda May, ein wenig verliebt in ihren Doktorvater, mag nicht an eine botanische Verwechslung glauben und beginnt in der Vergangenheit von Nader zu wühlen. Dabei tritt sie dem vierundvierzigjährigen Quast oft zu nahe und erfährt schliesslich von aus dem Ruder gelaufenen Selbst-Forschungsprojekten. Auch Quast kann sich keinen unglücklichen Zufall als Ursache von Naders Tod vorstellen und hat den Eindruck, der Verstorbene habe ihm Delirium den Auftrag erteilt, seinen „Fall“ aufzuklären. Wer also hatte ein Interesse daran, Nader zu vergiften? Und warum?

Ein unterhaltsamer Krimi mit Münchner Lokalkolorit, der Einblick in den Klinikalltag gibt und mit zwei Fällen aufwartet – einem Mord und einem Wissenschaftsbetrug.  



Bettina Plecher: 
Giftgrün 
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2013

20. August 2015

Marita Conlon McKenna: The Rose Garden

Seit einigen Monaten verwitwet, droht Molly der anstehende Verkauf des zusammen mit ihrem verstorbenen Mann liebevoll restaurierten irischen Landhauses nochmals das Herz zu brechen. Doch sie sieht keine Möglichkeit, Mossbawm House zu finanzieren und alleine die anfallende Arbeit zu bewältigen. Ausserdem ist das Haus für sie alleine auch viel zu gross. Ihre erwachsenen Töchter sind nicht begeistert von den Absichten ihrer Mutter, sehen aber auch keine funktionierende Alternative.

Nichtsdestotrotz packt die leidenschaftliche Gärtnerin Molly endlich wieder einmal zu Spaten, Forke, Unkrautstecher und Schere und macht sich an die Arbeit, die Vernachlässigung der letzten Zeit zu beseitigen. In den Staudenbeeten, im Küchengarten und im Gemüsebeet haben viele Pflanzen die Gelegenheit genutzt, sich ungehindert auszubreiten.

Bei ihren rigorosen Aufräumarbeiten dringt sie schliesslich in einen Teil des Gartens vor, den ihr Mann sowie die Vorbesitzer des grossen Grundstücks als Lagerplatz für alles Mögliche verwendet haben. Der versteckte Gartenteil entpuppt sich als Überrest eines ehemaligen Rosengartens. Verschiedene Rosen, haben der Zeit getrotzt und strecken ihre Ranken und vereinzelte Blüten der Sonne entgegen. Molly wundert sich, wie der Garten wohl vor hundert Jahren ausgesehen haben mag und versucht diese Frage mit Hilfe der Original-Pläne von Haus und Garten sowie alten Fotos zu beantworten. Hat sie hiermit vielleicht eine neue Aufgabe gefunden?

Noch zwei andere ihr mehr oder weniger nahestehende Personen machen eine schwierige Zeit durch. Mollys 29jährige Nichte Kim ist seit Monaten arbeitslos und nun auch noch von ihrem Freund verlassen und aus der Wohnung hinauskomplementiert worden. Dankbar nimmt die in finanziellen Nöten steckende junge Bankangestellte deshalb Mollys Einladung nach Mossbawm an. Die zweifache Mutter 36jährige Gina wiederum träumt davon, das von ihr temporär geführte Dorfcafé übernehmen und modernisieren zu können, aber die Pläne des Organisationstalents zerschlagen sich.

Schnell ist ein interessierter Käufer für das gepflegte irische Haus zur Stelle. Doch Mollys Verkaufsabsichten werden nicht nur durch die tiefen Immobilienpreise torpediert. Als sie zufällig von den geplanten Abriss- und Landüberbauungsplänen des potentiellen Interessenten erfährt, stoppt sie die Verkaufsverhandlungen. Gibt es vielleicht doch eine Möglichkeit, die Unkosten und ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, ohne sich von ihrem geliebten Haus und Garten zu trennen?

Spontan entscheidet Molly, dass das frühere Gärtner-Cottage, das am Rand des Grundstücks liegt, nicht veräussert werden soll. Sie lässt es renovieren und beabsichtigt, dort einzuziehen. In der Zwischenzeit restauriert sie mit tatkräftiger Unterstützung von Kim den Rosengarten. Gleichzeitig recherchiert ihre Nichte in alten Unterlagen über Mossbawm und findet Fotos des früheren Rosengartens in der Bibliothek. Dank ihren in Kursen kürzlich erworbenen Kenntnissen über Webdesign und Fotografie beginnt die junge Frau eine Webseite über das Anwesen zu erstellen. Und plötzlich tun sich für alle drei Frauen neue vielversprechende Zukunftsmöglichkeiten auf.



Marita Conlon_McKenna: 
The Rose Garden 
Transworld Publishers, 2013

15. August 2015

Sarah Jio: Der Kameliengarten

Um die Jahrtausendwende zieht die Amerikanerin Addison mit ihrem Mann Rex in das englische Herrenhaus Livingston Manor, das ihre Schwiegereltern kürzlich erworben haben. Die junge Frau führt ein eigenes Landschaftsgestaltungsbüro und wird gleich vom riesigen Garten, der die Liegenschaft umgibt, magisch angezogen. Während ihr Mann vom Landsitz inspiriert ein neues Buch schreibt, vertieft sich Addison in das Buch „The Years“ von Virginia Woolf, das einst einer Frau namens Flora gehört hat. Neben dem eigentlichen Text fasziniert sie besonders die Widmung einer Georgia auf der ersten Seite: „The true oft he matter is that we always know the right thing to do. The hard part is doing it“. Wer waren Flora und Georgia?

Weitere Rätsel geben Addison der Fund eines alten Gartenbuchs auf, in dem auf einem Gartenplan neben vielen verschiedenen Kamelien unerklärliche Codes eingetragen sind. Addison setzt sich per Email mit einer befreundeten Botanikerin in Verbindung und erfährt Hintergrundwissen über eine ganz besondere Kamelie, die den Namen „Middlebury Pink“ trägt. Weitere Nachforschungen die Vergangenheit ihres neuen Heims betreffend führen zu einer beträchtlichen Anzahl verschwundener junger Frauen, deren Schicksal nie geklärt worden ist und mit dem sogenannten „Jack the Ripper von Clivebrook“ in Verbindung gebracht werden. In Addison keimt der schreckliche Verdacht auf, dass die Spur dieser Frauen in den Kameliengarten von Livingston Manor führt. Doch auch sie selber trägt ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, das sie in England wieder einholt.

Ein zweiter Erzählstrang führt ins Jahr 1940. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat nämlich bereits eine andere Amerikanerin den gleichen Weg wie Addison von New York auf den ehemaligen Landsitz der Livingstons zurückgelegt. Die verzweifelte Bäckerstochter Flora hat damals keine andere Möglichkeit gesehen, ihre Eltern finanziell zu unterstützen, als auf ein dubioses Angebot einzugehen. Denn während ihre Eltern glauben, Floras ehrenamtliche Tätigkeit im Botanischen Garten von New York habe ihr eine Stelle als Botanikerin in London eingebracht, sieht die Wahrheit nicht ganz so rosig aus. Flora wird nämlich von einem zwielichtigen Mr. Price, der seine eigene betrügerische Tätigkeit schönfärberisch mit „Vermittler“ bezeichnet, als Nanny in die Familie von Lord Livingston eingeschleust. Das Wichtigste an Floras Aufgabe ist nicht die Kinderbetreuung, sondern dass die junge Amerikanerin sich Zutritt in den herrschaftlichen Garten voll besonderer Kamelien verschafft. Sie soll herausfinden, wo ein ganz besonderes seltenes Exemplar der Kamelie“ Middlebury Pink“ wächst, und den Standort rapportieren. Ein zahlungskräftiger Käufer aus dem dritten Reich möchte die weisse Rarität mit pinken Spitzen unbedingt und für jeden Preis erwerben.

Die junge Amerikanerin übernimmt die Betreuung und Erziehung der vier Kinder der auf mysteriöse Weise verstorbenen Lady Anna und schafft es rasch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dank ihrem grünen Daumen wird Flora auch die Pflege der Pflanzen im Gewächshaus von Lady Anna anvertraut. In dem handgeschriebenen Buch „The Camellias of Livingston Manor“ von Anna Livingston findet Flora schliesslich Details zu den preisgekrönten Kamelien der verstorbenen Lady, die sich hauptsächlich durch das Studium von Pflanzenbüchern ein immenses Wissen angeeignet hatte. Zum eigentlichen Garten, in dem viele seltene Pflanzen aus allen Ecken der Welt versammelt sind, bekommt Flora kaum Zugang. Sie beobachtet dort aber nachts wiederholt merkwürdige Vorkommisse und gerät selber unvermittelt in grosse Gefahr, als sie trotz ihrem hortikulturellen Wissen eine Ausrede von wegen wild wachsenden Kartoffeln nicht richtig einordnet.


Diese Buchbesprechung habe ich bereits am 11. März 2014 erstmals online gestellt, um die englische Originalausgabe "The Last Camellia" vorzustellen. Anlässlich des Erscheinens der Deutschen Übersetzung "Der Kameliengarten" vor ein paar Tagen poste ich sie nochmals. 



Sarah Jio: 
Der Kameliengarten
Diana Verlag, 2015

The Last Camellia 
Plume (Penguin Group), 2013

10. August 2015

Zuletzt angefangen zu lesen: Jens F. Meyer - Beetgeflüster

Statt viele Worte über den Inhalt dieses Buches zu machen, lasse ich doch vielsagend eine Auswahl von Kapitelüberschriften sprechen:
  • … wenn ich es recht bedenke, leben Gartenträume vom Tun – und vom Nichtstun… 
  • Von der hohen Kunst, die wahre Schönheit zu entdecken 
  • Von himmlischen Wassern und teuflischen Giessern 
  • …mein Handy ist alt, mein Auto aus der Mode, aber ich habe Goldmohn-Samen von Ahmed aus La Chatonnière; viel mehr kann ich vom Leben nicht verlangen… 
  • …aber nach einiger Zeit des Sinnierens muss eine definitive Entscheidung stehen, spatenhieb- und stichfest vor dem Hintergrund, der statischen Gefahr erfolgreich zu begegnen… 
  • und im Altweibersommer ist aus dem Schwert ein Degen geworden, aber immerhin … 
Die Zeilen verraten eindeutig die Liebe des Schreiberlings zur Botanik und er lässt die Leserin grosszügig an seinen Erfahrungen und (Garten-)reisen teilhaben. So räumt er auf mit dem Ammenmärchen, dass Rhododendron und Azaleen nach der Blüte ausgeputzt werden müssen. Denn wer erledigt diese Arbeit im Himalaya an den dort auf bis 4'300 Metern über Meer wachsenden Exemplaren?

Jens F. Meyer berichtet von der Hassliebe zu seinem Geldbaum, von besonderen Frost-Spannern und freut sich, dass das Stehlen (mit den Augen) von Pflanzenkompositionen aus fremden Gärten nicht strafbar ist. Er sinniert über Paradoxa (sich über Sonne freuen und Regen vermissen und sich über Regen freuen und Sonne vermissen) und über irreführende Pflanzennamen wie etwa „Kuhschelle“. Dann verrät er, keine zu perfekt gestaltete Langeweile zu mögen und dass er die Blumen in seinem Garten sich versamen und wachsen lässt. Das Herausrupfen wird vorläufig vertagt und oft auch ganz unterlassen.

„Beetgeflüster“ ist eine Kolumnensammlung von Artikeln, die in der Deister- und Weserzeitung Hameln erschienen sind. Im World Wide Web bin ich auf verschiedene Lesungstermine gestossen – leider auf keinen, der hier in der Nähe stattfinden würde.

Die Umschlaggestaltung trifft nicht gerade meinen Geschmack, aber am Inhalt habe nichts zu mäkeln und besonders die teilweise ungewohnten, unbekannten Wortkreationen geschätzt und ich lauere immer noch auf weitere, während ich das Buch fertiglese. Zum Verständnis ein paar Beispiele: „Mohnarch“ statt „Monarch“, „Im Grünen und Ganzen“ statt im „Grossen und Ganzen“ , "spatenhieb- und stichfest" statt "hieb- und stichfest" sowie die Worte „Pflanzlyrik“ und „Blütenvöllerei“.



Jens F. Meyer: 
Beetgeflüster 
CW Niemeyer Buchverlage, 2015

1. August 2015

Elinor Bicks: Lavendelbitter – Ein Gartenkrimi

„Mehr Frucht als Blüte und auch die schon ziemlich welk“ - diese blumige Beschreibung der Hauptprotagnonistin Lore Kukuk und der Untertitel „Ein Gartenkrimi“ liessen die Sofagärtnerin auf eine Lektüre mit massgeblichem hortikulturellem Hintergrund hoffen. Eine Erwartung, die nicht enttäuscht wurde, hat sich doch die Autorin Elinor Bicks für die Buchrecherche intensiv mit Heilpflanzen beschäftigt und ihr Wissen fantasievoll ergänzt und ausgeschmückt.

Nach über dreissig Jahren hat sich Lore Kukuk zum ersten Mal wieder mit einem Mann verabredet und muss am nächsten Tag erfahren, dass dieser ermordet worden ist. Die zurückgezogen lebende Frau wird bereits mit Rauschmitteln und anderen mysteriösen Todesfällen, den sogenannten Kukuksmorden, aus ihrem engen Umfeld in Verbindung gebracht. In ihrer Umgebung ist sie deshalb schon lange als Serienmörderin abgestempelt, mit der keiner Kontakt haben will. Obwohl ihr nie eine Tat nachgewiesen werden konnte, fällt der Verdacht sofort auf sie, da das Opfer Laszlo Kalinn stark nach Lavendel riecht.

Lore Kukuk wohnt in einem kleinen Häuschen auf dem Otzberg, einem erkalteten Vulkan und arbeitet im Burgmuseum. Sie stammt aus der Burgverwalterfamilie. Als zehnjähriges Mädchen – der Vater war kurz zuvor getorben – ist sie von der Mutter nach ihren Ferien bei der Oma nicht mehr abgeholt worden. Haus und Garten hat sie von ihrer verstorbenen Oma geerbt, nicht aber deren Talent für die Beherrschung der Naturkräfte. Ein Rezeptbuch allein mit Hinweisen zur Verwendung von Weissdorn, Birken, Spitzwegerich und Johanniskraut reicht dafür halt nicht aus. Ebenfalls nicht zur Steigerung ihrer Beliebtheit trägt die Tatsache bei, dass sie sich kompromisslos dagegen wehrt, ein Teil ihres Landes an die Gemeinde zu verkaufen. Die einzige Person, die in all den Jahren treu zu ihr gehalten hat, ist Edel, ihre beste Freundin aus Kindertagen.

Wo sich einst Omas Gemüsebeet befand, breiten sich heutzutage Brombeergestrüpp, Flughafer, Gänsefuss, Hundspetersilie und Fuchsschwanzgewächse aus. Das sogenannte „böse Beet“ mit Tollkirsche, Alraune, Bilsenkraut, Fingerhut, Stechapfel, und Osterluzei hat Lore längst gerodet. Doch das grösste Geheimnis ihrer Oma vermutet Lore tief unter dem titelgebenden Lavendel vergraben. Ihre Grossmutter hat Lore auf dem Totenbett gebeten, sich um die beiden Lippenblütler Lavendula augustifolia und Lavendula stoechas zu kümmern, die ihr erster Mann vom Frankreichfeldzug mit nach Hause gebracht hat. Und noch heute beherbergt Lores Garten ein lilablaues Duftmeer aus echtem Lavendel und Schopflavendel, welche die Oma als Universalreiniger des Lebens bezeichnet hat.

Den Tod des umtriebigen Kioskbesitzers Laszlo Kallin aufzuklären haben der sensible Hauptkommissar Roland Otto mit einem grossen Herz für Hunde und sein Assistent Brenneisen, ein Sport- und Ernährungsfanatiker aus einer Bäckerdynastie, der den Kohlehydraten abgeschworen hat, was grosse Eheprobleme nach sich zieht. Die ersten Ermittlungen führen zu Russen, die ständig ungefragt die Legalität ihrer Anwesenheit beteuern und einer dubiosen Partnervermittlungsagentur.

Ein lesenwerter Krimi rund um Lavendel, in dem schliesslich nichts so ist, wie es zu sein scheint und in dem weder Verlauf noch Ende vorhersehbar sind, womit die Spannung für die Leserin bis zum Schluss bestehen bleibt.



Elinor Bicks:
Lavendelbitter – Ein Gartenkrimi 
Gmeiner-Verlag, 2015

20. Juli 2015

Jane Northumberland mit Hugh Sington: Weed – Poison Diaries

Inzwischen ist es ja längst kein Geheimnis mehr, dass die als Trilogie geplanten „Poison Diaries“-Bücher "Liebe ist unheilbar" und "Liebe ist stärker als der Tod" nach dem zweiten Band ein abruptes Ende gefunden und die Leserinnen und Leser unbefriedigt zurückgelassen haben. Statt einem dritten abschliessenden Buch, welches das Schicksal von Jessamine weiterspinnt, ist vor einiger Zeit ein Buch mit dem Titel „Weed“ erschienen. Alle drei Bücher sind nach einer Idee von Jane Northumberland entstanden. Während aber die ersten beiden Bücher von Maryrose Wood geschrieben worden sind, heisst der Verfasser vom bis anhin nicht auf Deutsch übersetzten Buch „Weed“ Hugh Sington.

Gleich zu Beginn von „Weed“ liest man, dass Jessamine gestorben ist und begräbt damit endgültig die Hoffnung auf einen Abschluss der Trilogie. Verfolgen wir also das weitere Schicksal von Weed, der ja auch kein Unbekannter ist. Ein wohl merkwürdig anzuschauendes Wesen - halb Mann, halb Pflanze ist Weed in diesem Buch fast pausenlos unterwegs und muss sich immer wieder gefährlichen Herausforderungen stellen. Seine Wege führen ihn nach Soutra Aisle, Lindisfarne und Anglesey.

Heil- und Giftpflanzen und der schmale Grat zwischen deren Nutzen und Schaden ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Der beachtlich umfangreiche hortikulturelle Hintergrund konnte meine Enttäuschung angesichts der dürftigen Handlung nicht wettmachen. Die Erzählung konnte mich nicht fesseln.  Ich hatte mir mehr deutlich erhofft – nicht umfangmässig, sondern inhaltlich. Wiederholt habe ich mich im Lauf der eher zähen Lektüre gefragt, ob es vielleicht nicht spannender gewesen wäre zu erfahren, weshalb Maryrose Wood kein drittes Buch mehr geschrieben hat und dafür nun Hugh Sington die giftigen Tagebücher weiterführt.

Obwohl dieses dritte „Poison Diaries“-Buch nicht mehr wirklich in die Kategorie „Kinder- und Jugendbücher“ einzuordnen ist, gruppiere ich es dort ein – so sind alle drei Vorstellungen beieinander zu finden. Ich ordne alle Posts prinzipiell nur einem Thema zu, auch wenn – zugegebenermassen – eine Festlegung manchmal nicht ganz einfach oder sogar unpassend ist. Meist interessieren mich in Blogs nur wenige Kategorien und ich ärgere mich jeweils beim Herumstöbern, wenn ich an unterschiedlichen Orten immer wieder die gleichen Beiträge antreffe. Wahrscheinlich bin ich zu sehr "geschäftlich" geprägt. Am Arbeitsplatz kommt es mir ja auch nicht in den Sinn, eine Datei in unterschiedlichen Ordnern abzulegen und Speicherplatz zu verschwenden.



Jane Northumerland with Hugh Sington: 
Weed – Poison Diaries 
Bloomsbury Reader, 2013

10. Juli 2015

Janet Fitch – Weisser Oleander

Immer wieder streut die Autorin Janet Fitch gärtnerische und botanische Details und Beobachtungen in diesen Roman ein. So ist die Rede von wildem Senf auf einem Betonwall, von Baumfarnen, Böschungen mit Springkraut, Gärtnern mit Laubgebläsen und von Marienkäfern, die in Plastikkugeln verkauft werden, um auf mit Blattläusen befallenem Grünzeug ausgesetzt zu werden. Titelgebend sind aber die Oleanderbüsche mit ihren zähen, giftigen Blüten und dolchähnlichen Blättern, die den heissen Winden aus der Wüste trotzen.

Teile von Oleander werden von Ingrid Magnusson auch bei ihren Stalking-Aktionen eingesetzt und schliesslich vergiftet sie mit einem Extrakt aus eben dieser Pflanze ihren ehemaligen Liebhaber und wird deswegen zu über drei Jahrzehnten Gefängnis verurteilt. Damit beginnt für ihre zwölfjährige, bereits vaterlose Tochter Astrid eine Odyssee von einer Pflegestelle zu nächsten.

Ihre erste Ersatzmutter Starr Thomas führt sie in eine Jesus –Gemeinde ein. Als der eifersüchtigen Starr die Beziehung von Astrid und dem Ersatzvater zu eng wird, schiesst sie auf ihre Pflegetochter und diese wird nach ihrer Genesung umplatziert. An einem der weiteren Pflegplätze erweist sich Astrids Freundschaft zu einer schwarzen Prostituierten als Fehler. Schliesslich kommt Astrid zu einem kinderlosen Ehepaar aus dem Filmbusiness.

Ihre neue Mutter Claire ist eine relativ erfolglose Schauspielerin. Astrid wird – ohne davon zu wissen – in erster Linie ein Zuhause angeboten, damit sie ein Auge auf die labile Claire hat, die sich ihren Fähigkeiten entsprechend, liebevoll um Astrid kümmert und sie mütterlich umsorgt. Diese fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich geliebt. Während die Pflegemutter mit einem spitzen asiatischen Hut auf dem Kopf in ihrem Garten verschiedene Tomatensorten pflegt, Rittersporn aufbindet und täglich jätet, sitzt Astrid häufig unter der chinesischen Ulme und zeichnet. Gemeinsam schauen sie auch regelmässig eine TV-Sendung an, die Gartentipps vermittelt, oder besuchen Museen und Ausstellungen. Als Astrids Mutter im Gefängnis von der guten Beziehung zwischen den beiden erfährt, versucht sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, das Verhältnis zu zerstören, was ihr schliesslich auch gelingt.

Wer ist Ingrid Magnusson und warum ist sie zu der Person geworden, die im Gefängnis eine lebenslange Haftstrafe verbüssen muss, und scheinbar nicht glücklich ist, wenn es ihrer einzigen Tochter gut geht? Die ausdruckstarke Lyrikerin, deren Lieblingsblumen weisse Lilien und Chrysanthemen sind, ist eine hasserfüllte, verbitterte Meisterin im Verdrehen von Tatsachen und Zurechtbiegen von Wahrheiten.

Nach ungefähr vier Fünftel der Lektüre besucht Astrid bereits die 8. neue Schule in fünf Jahren. Die inzwischen siebzehnjährige junge Frau hat an ihrer aktuellsten Platzierung bei einer Russin gelernt, wie man aus Müll Geld verdient. Hier erfährt sie, dass der Prozess gegen ihre Mutter wegen Verfahrensmängeln nochmals aufgerollt werden soll. Astrid soll vor Gericht falsch aussagen. Sie hat sich zuletzt immer weiter von ihrer Mutter entfernt, die sie nach wie vor in Briefen zu beeinflussen versucht. Schliesslich schlägt Astrid der Anwältin ihrer Mutter einen Deal vor.

Es ist beeindruckend zu lesen, wie Astrid an den vielen Herausforderungen in ihrem jungen Leben nicht zerbricht, sondern sich vielmehr immer wieder aufrappelt und zu einer starken Persönlichkeit entwickelt, die sich nicht mehr von der Mutter herumdirigieren lässt. Über zehn Jahre stand dieses Buch, das ich bei einem meiner ersten Besuche an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt hatte, ungelesen auf dem Regal. Die Lektüre, endlich angegangen, fand ich mit ihren interessanten Charakteren dermassen spannend, dass ich mir gelegentlich die gleichnamige Verfilmung mit Michelle Pfeiffer und Renée Zellweger anschauen will.  



Janet Fitch: 
Weisser Oleander 
Bastei Lübbe, 2003

1. Juli 2015

J.L. Wilson: Lilacs, Litigation and Lethal Love Affairs

Cassie Whittington hat in den letzten Monaten ihr Leben völlig umgekrempelt. Sie hat fast siebzig Pfund abgenommen und steckt gerade in den Schlussprüfungen ihrer Weiterbildung für den Einstieg ins Gartengestaltungs-Metier. Daneben arbeitet sie seit wenigen Wochen in der Gärtnerei Barlow und amtet als Präsidentin der „Student Horticulture Society“. In eben dieser Funktion findet sie während einem Anlass eine Leiche im alten Gewächshaus und erkennt anhand der Symptome sofort, dass es sich um einen Todesfall infolge von Zyanose (Blausucht) handeln muss.

Von ihren Prüfungsvorbereitungen wird Cassie immer wieder abgelenkt. An ihrem Arbeitsplatz ereignen sich verschiedene mysteriöse Vorkommnisse, bei denen nicht sicher ist, ob es sich um Sabotage und Vandalismus oder einfach nur um Pech handelt. Dann hat ihr neuer Chef Sam Barlow ein Auge auf sie geworfen und bekundet Mühe mit Cassies freundschaftlichem Verhältnis zu ihrem Ex-Mann Charlie. Die beiden waren als junges Paar zwar nur sieben Jahre miteinander verheiratet und sind seit bald dreissig Jahren geschieden, doch sie stehen sich nach wie vor sehr nahe. Die enge Verbindung geht auf eine Tragödie in ihrer beider Kindheit zurück, den sogenannten „Charity murder“. Zusätzlich erbt die halbprofessionelle Sängerin Cassie, die einen klassische Gesangsausbildung absolviert hat, und sich an ein bescheidenes Leben ohne Luxus gewöhnt ist, völlig unerwartet ein Riesenvermögen.

Die Autorin hat die Protagonistin Cassie ausserdem mit einer stark ausgeprägten sozialen Ader ausgestattet. So fühlt sie sich für einen Mitarbeiters verantwortlich, der sich zuletzt stark verändert hat. Dieser Aron, ein intelligenter und pflichtbewusster jüngerer Kollege, lässt seine Schlussprüfungen sausen und fehlt unentschuldigt am Arbeitsplatz. Die Ursache seiner Probleme, die mit seiner Beziehung zu einer deutlich älteren Frau zu tun haben muss, rückt er aber nicht heraus.

Der hortikulturelle Hintergrund beinhaltet neben der Weiterbildung und der Arbeit in der Gärtnerei auch die erfolgversprechende Züchtung von Azaleen-Hybriden. Ausgerechnet Sam Barlow wurde in diesem Geschäft um die lukrativen Früchte seiner Arbeit gebracht. Eine wichtige Rolle spielt auch ein Landvertrag mit Konditionen, die Fesseln ähneln. Treffen Cassie Befürchtungen zu, dass Sam in den Mordfall verwickelt ist?  



J.L. Wilson: 
Lilacs, Litigation and Lethal Love Affairs
The Wild Rose Press, 2011

23. Juni 2015

Wladimir Kaminer: Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten

Nach „Mein Leben im Schrebergarten“ hat Wladimier Kaminer vor einiger Zeit ein weiteres Buch geschrieben, das sich mehr oder weniger intensiv mit Gärtnern beschäftigt und das nun auch in einer Taschenbuchausgabe erschienen ist.

„Auf zum neuen Garten!“ heisst das erste Kapitel. Weshalb ein neuer Garten fragt sich die Leserin, sich nur noch dunkel an die ersten Gartengeschichten aus dem Jahr 2007 erinnernd. Die Frage wird gleich auf der zweiten Seite beantwortet. Und zwar hatten der Gärtner und die Prüfungskommission des Schrebergartenvereins diametral unterschiedliche Ansichten betreffend Spontanvegetation. Die Natur als selbständiger Gartengestalter war im Reglement nämlich nicht vorgesehen, was zu erheblichen Interessenkonflikten führte, die schliesslich in die Suche nach einem Garten ohne Oberaufsicht mündeten.

Im Ort mit dem prosaischen Namen Glücklitz findet sich rasch ein passendes Objekt, direkt am Glücklitzer See, auf einem zum Haus gehörenden, aber nicht erwerbbaren Weinberg (angeblich dem nördlichsten der Welt) gelegen. Als erstes gilt es aber ein Hindernis zu überwinden. Der neue Garten ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und so begleitet die Leserin die Kaminers durch ihre Fahrschullektionen und die Autoprüfung. Etliche Monate ziehen übers Land bis man schliesslich offiziell mobil ist, um im Brandenburgischen Garten loslegen zu können.

Nach Lust und Laune kann hier jeder nach eigenem Belieben planlos pflanzen, was ihm gefällt. „Spontan in jede Richtung vegetieren“ nennt dies der Autor. Die Familienmitglieder suchen sich Bäume aus. Die Grossmutter entscheidet sich für eine Pinie, die zum Baum des Erinnerns gekürt wird. Dazu gesellen sich Kirschbäume, Kriechweiden, Rhododendronbüsche und eine Schmucktanne (Araucaria). Am besten gedeiht der vom Sohn angepflanzte Meerrettich. So gut, dass der Vater an einem (vom Sohn verworfenen) Nutzungskonzept einer Meerrettich-Plantage herumstudiert. Aber vielleicht klappt es ja irgendwann mit der ebenfalls erwähnten Winzerkarriere und dem „Gewürzkaminer“?

Daneben berichtet Wladimir Kaminer über seine Gartenkarriere ausserhalb Brandenburgs, die einen Vortrag an einer Landesgartenschau beinhaltet und seine Rolle als Gartenexperte in drei Gartenfilmen. An einer anderen Stelle sinniert er über die sich regelmässig wiederholenden Vertreibungen von Menschen und die damit verbundene Anpassung der Obstauswahl. Denn musste einst zur Nachahmung des verlorenen Paradieses ein Apfel genügen, sind heute eher exotische Früchte gefragt. Die übrigens, wie schnell herausgefunden wird, in Brandenburg nicht gedeihen.

Die Lektüre verlockt immer wieder zum Schmunzeln. Oft war ich mir allerdings gar nicht sicher, ob sich das Erzählte tatsächlich so zugetragen hat oder einfach gut erfunden und berichtet ist. Hortikulturell ist eher wenig los in diesen Texten - gefühlsmässig geht es mehr ums Thema Fische und das Angeln. Interessant zu lesen sind besonders die Beobachtungen aus dem Alltag, wie und warum die Russen anders ticken und die Erklärungen zu den allgemeinen Unterschieden in den verschiedenen Kulturen.  

Übrigens liest Wladimier Kaminer anlässlich des "Openair Literatur Festivals Zürich" am 11. Juli 2015 im Alten Botanischen Garten in Zürich unter dem Motto "Best of Kaminers Gärten" aus seinen Büchern.



Wladimir Kaminer: 
Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013/2015

15. Juni 2015

Tan Twan Eng: Der Garten der Abendnebel

Kakezuchi, Lata, Kibasami, Shachi, Tebasami - Holzhammer, Hausmesser, Heckenschere, Winde, Baumschere: Während ihrer Lehrzeit in einem japanischen Garten neben der Majuba-Teeplantage in Malaya versucht sich die 1923 geborene Straits-Chinesin Yun Ling Anfang der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Namen der alten Werkzeuge einzuprägen, die alle einem bestimmten Zweck dienen.

Mit ihren beiden Geschwistern ist Yun Ling in einer kolonial geprägten Gesellschaft aufgewachsen. Die Kindheit wurde durch einen Kriegsausbruch abrupt beendet. Gemeinsam mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Yun Hong war sie in einem japanischen Internierungslager gefangen und hat als einzige überlebt. Die vielen Monate in Gefangenschaft haben die beiden jungen Frauen nur ertragen, weil sie sich in die in ihren Köpfen geschaffenen und für andere unsichtbaren und unzugänglichen Gärten geflüchtet haben. Die chinesische Familie Teoh war einst auf Einladung der dortigen Regierung in Japan, weil diese dem Vater Gummiprodukte abkaufen wollte. Bei dieser Gelegenheit hatten die Schwestern die japanischen Gärten für sich entdeckt und ganz besonders Yun Hong hat eine immense Faszination für diese entwickelt.

Im Gedenken an ihre tote Schwester will Yun Ling unbedingt einen japanischen Garten anlegen lassen. Doch der angefragte Aritomo, ein (ehemaliger) Gärtner des (japanischen) Kaisers hat ihre Anfrage abgelehnt und ihr stattdessen angeboten, sie persönlich in die japanische Gartenkunst einzuführen, damit sie den Erinnerungsgarten selber gestalten kann. So findet sie sich also schwere Arbeiten verrichtend in einem japanischen Garten wieder und wird dabei immer wieder unvermittelt an ihre Gefangenschaft erinnert. Yun Ling wird nicht nur durch praktische Tätigkeit in die Gartenkunst eingeführt, sie erhält auch Zugang zur ältesten Sammlung von Schriften über japanische Gärten. Sie selber darf aber keine Notizen machen. Der Garten behält laut Aritomo alles für sie in Erinnerung.

In einem weiteren Erzählstrang erfährt die angesehene Richterin Teoh Yun Ling von einer schweren Krankheit und dass als Folge derselben ihre Erinnerungsfähigkeit schwinden wird. Sie verlässt vorzeitig ihren Richterstuhl am obersten Gerichtshof in Kuala Lumpur und fährt zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder in den Garten der Abendnebel, der nur rund vier Fahrstunden entfernt liegt. Für ihre restliche Lebenszeit nimmt sie sich vor, den Garten wieder herstellen zu lassen und sie beginnt, ihre Erinnerungen niederzuschreiben. Hat der vernachlässigte Garten die Erinnerungen für sie behalten? Unauslöschbar sind die eigenen Narben – sichtbare und unsichtbare und die Wut brodelt latent weiter.

Im Lauf der Erzählung entschlüsseln sich der Leserin durch neue Fakten immer mehr Geheimnisse. Doch längst nicht alle, darunter auch das um den rätselhaften Gärtner, werden gelöst. Gartenkunst ist nicht nur Zähmung und Vervollkommnung der Natur, sondern auch eine Form der Täuschung. Letzteres kann auch als Synonym für den Inhalt gesehen werden. So ganz nebenbei erfährt man von der Begründung der Gartenkunst in chinesischen Tempeln, liest über die Persönlichkeit von Steinen und die Prinzipien der geborgten Landschaft (Borgen aus der Ferne, vom Boden, von Wolken, Wind und Regen), die Kunst des Steine Setzens und das dazugehörige Platzieren und Pflegen derselben. Aritomo lehrt die Frau, dass ein Garten den Betrachter im Innersten berühren muss und Teichbesitzer können vielleicht ausprobieren, ob es stimmt, dass zu Bällen geformter Kupferdraht das Algenwachstum hemmt oder verhindert.

Eine sehr eindrückliche traurig-schöne Geschichte, mit welcher der Autor im Kopf der Leserin gewaltige Bilder schafft und gleichzeitig eine Lektüre, deren Genuss ich mir viel zu lange vorenthalten habe, „Der Garten der Abendnebel“ ist nämlich wieder mal ein Buch, das nach dem Kauf in den Tiefen der Regale verschwunden ist, und das erst wieder meine Aufmerksamkeit erregt hat, als es nun in einer deutschen Übersetzung erschienen ist.

Der einfühlsame Roman jongliert mit Widersprüchen und ist kein Buch, das man schnell liest. Im Gegenteil - er verlangt ein langsames, genaues Lesen, damit einem kein Detail entgeht, und zwar allein schon deswegen, weil regelmässig die Zeiten wechseln, ohne dass dies aus Kapitelüberschriften ersichtlich wäre. Neben dem allgegenwärtigen hortikulturellen Hintergrund gibt das Buch Einblick in einen Teil des zweiten Weltkriegs, der mir weniger bekannt ist, und hat mich veranlasst, mich etwas vertiefter mit diesem Thema zu beschäftigen. Wahrlich ein Buchstabenteich, in dem sich das Fischen lohnt! Will heissen, ein Buch, das zu lesen sich unbedingt lohnt. Dieser Ausdruck stammt (leider) nicht von mir. Ich habe ihn letzthin irgendwo gelesen und finde, hier passt er auch hin, obwohl ich mich gerade nicht erinnern kann, ob Kois erwähnt worden sind...



Tan Twan Eng: 
Der Garten der Abendnebel 
Droemer Verlag, 2015

8. Juni 2015

Rosie Sanders: Überwältigende Blüten

Die englische Blumenkünstlerin Rosie Sanders ist über ihr Heimatland hinaus bekannt durch ihr Buch über alte und neue Apfelsorten, in welchem sie 144 Sorten detailgetreu vorstellt. Nicht um knackige Motive, sondern hauptsächlich um Blumen und Blätter geht es es in ihrem neuen Werk „Überwältigende Blüten“ und schon beim ersten Durchblättern stellt man fest, dass der Titel nicht zu viel verspricht.

Im Vorwort „Von der Blume zum Bild“ verrät die Malerin, dass sie andauernd Objekte und Motive sammelt und wie sie beim Malen vorgeht. Ihre grossformatigen Werke entstehen Schritt für Schritt und stellen sie laufend vor die Entscheidung zwischen „was kann weggelassen werden?“ und „was ist unentbehrlich?“ Sie beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Pinsel in der Hand mit der Botanik, vielmehr liebt sie auch den direkten Kontakt mit Pflanzen und der Erde. Ihr eigener Garten dient denn auch als wichtige Inspirationsquelle.

Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis gibt weitere Vorlieben preis: mit „Vielfalt im Garten“, „Die Magie der strahlenden oder düsteren Exoten“, „Die Faszination der Orchideen“ und „Die Suche nach der schwarzen Iris“ sind einige der Kapitel überschrieben. Auch Rosie Sanders Faible für dunkle Pflanzen ist nicht zu übersehen und im Buch finden sich dazu wunderschöne Bilder von Gladiolen, Tulpen und Iris. “Überwältigende Blüten“ ist aber kein reines Bilderbuch. Denn neben der Einleitung hat Andreas Honegger passend zu den abgebildeten Pflanzen Texte mit wissenswerten botanischen Hintergrundinformationen verfasst.

Durch das genaue Beobachten beim Malen lernt die Künstlerin selber die Pflanzen sehr genau kennen. Genau so hat sie erst festgestellt, dass etwa Amaryllis gar keine steifen, roten Blumen sind, sondern eine faszinierende Statur aufweisen und inzwischen schätzt sie die verschiedenen Blütenformen der vielen unterschiedlichen Sorten.

Das Buch enthält grossformatige Bilder in Aquarelltechnik, die im Laufe des letzten Jahrzehnts entstanden sind und die eine Präzision im Pinselstrich aufweisen, welche die Betrachterin nur neidlos und respektvoll zur Kenntnis nehmen kann. Die Künstlerin spielt mit Formen, Struktur und Mustern und dabei entstehen üppige, farbenfrohe Werke von oft grossblumigen Blüten wie Cannas, Schwertlilien und Fledermausblumen. Dazwischen sind aber auch zarte Motive zu finden wie die Schachbrettblumen und die Wiesenbewohner am Anfang und am Ende des Buches. Eines haben sie alle gemeinsam: die Bilder sind perfekt – samt der Flecken und vertrocknenden Stellen, die von der Vergänglichkeit der Motive zeugen, vor denen die wunderschönen Werke glücklicherweise verschont sind.

Worte können diesen Bildern kaum gerecht werden. Doch im Internet lassen sich mühelos etliche von Rosie Sanders Werken anschauen. In einem YouTube-Kurzfilm erhält man Einblick in den Garten und das Atelier der Künstlerin und man kann ihr sogar beim Ziehen von Pinselstrichen über die Schulter schauen. Das Malen eines Kamelienblatts sieht eigentlich gar nicht so schwierig aus…  



Rosie Sanders: 
Überwältigende Blüten 
Elisabeth Sandmann Verlag, 2015

1. Juni 2015

John Wyndham: Die Triffids (Buch und DVD)

Fleischfressende Pflanzen haben immer wieder die Fantasie von Schriftstellern beflügelt und verschiedene dieser literarischen Vorlagen sind auch auf die Leinwand gebracht worden. Während ich von „Die Saat des Bösen“ (Film von Paul Ziller) und „The Little Shop of Horrors“ nur die Film- bzw. Theaterversionen kenne, habe ich die „Triffids“ von John Wyndham im Jahr 2006 mit der Buchausgabe aus dem ehemaligen Verlag Heinrich und Hahn kennengelernt.

Die englische Originalausgabe "The Day of the Triffids" erschien 1951. Das Buch zählt inzwischen zu den Klassikern und ist auch mehrfach verfilmt worden. Anlässlich des 50. Jahrestags hat Simon Clark eine autorisierte Fortsetzung mit dem Titel „The Night of the Triffids“ geschrieben.

Wer sind denn die „Triffids“? Das sind wandelnde Pflanzen, ursprünglich gezüchtet, um Öl aus ihnen zu gewinnen. Plump und in Fussgängergeschwindigkeit bewegen sich die seltsamen Gewächse fort. Sie können nicht nur miteinander kommunizieren, sondern ihren Opfern auch tödliche Stiche verabreichen.

Als ein Kometenschauer rund um den Erdball zieht, blickt ein Grossteil der Menschheit in den Himmel und schaut dem faszinierenden Schauspiel zu - nicht ahnend, welche Folgen dieses Vergnügen haben wird. Über Nacht erblinden die meisten Menschen, worauf das gewöhnliche Alltagsleben völlig zum Erliegen kommt. Gleichzeitig schlägt die Stunde der „Triffids“, die überall auf ihre hilflosen Opfer lauern.

Die wenigen Menschen, die noch sehen können, stehen vor der Entscheidung, ihre eigenen moralischen Verpflichtungen über Bord zu werfen oder sich den vielen unüberwindbaren Aufgaben, die sich über Nacht aufgetan haben, zu stellen. Denn selbst wenn in einer Grossstadt wie London nur wenige „normal“ handlungsfähige Menschen übrig bleiben, heisst das noch lange nicht, dass sich diese darüber einig sind, wie die Zukunft gestaltet werden soll.

Und hier gleich noch ein weiterer thematisch passender Buchtipp: Die Kurzgeschichte „Die seltsame Orchidee“ von Herbert G. Wells bedient sich Elementen aus Science-Fiction und dem Horror-Genre. Der Autor berichtet vom einsamen Orchideensammler Wedderburn, der ein langweiliges Leben führt, bis plötzlich aus einer verschrumpelten Knolle eine besondere Pflanze wächst und ihm mehr Aufregung als lieb verschafft.

Übrigens sind alle in diesem Post erwähnten Filme nichts für schwache Nervern...



John Wyndham: 
Die Triffids
Verschiedene Ausgaben auf Deutsch und Englisch erhältlich 

Simon Clark:
The Night of the Triffids 
Verschiedene Englische Ausgaben erhältlich 

Die Triffids – Pflanzen des Schreckens von Nick Copus 
DVD / Produktion aus dem Jahr 2009 

The Day oft he Triffids – BBC-Serie
DVD / Produktion aus dem Jahr 1981 

The Day of the Triffids/Blumen des Schreckens von Steve Sekely 
DVD / Produktion aus dem Jahr 1962

23. Mai 2015

Gabriele Tergit: Der glückliche Gärtner

Vor Jahresfrist habe ich die Buchvorstellung "Der alte Garten" von Gabriele Tergit abgeschlossen mit der Hoffnung, dass der zweite Teil auch bald neu erscheinen möge. Das Warten war diesmal von kurzer Dauer, denn „Der glückliche Gärtner“ enthält nun die Fortsetzung des 1958 unter dem Titel „Kaiserkron und Päonien rot. Kleine Kulturgeschichte der Blumen“ erstmals erschienen Buches.

So geht es nun also weiter mit Blumengeschichten und Geschichtlichem über die Blume. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis verrät, über welche hortikulturellen Schönheiten dieses Mal berichtet wird:

- Ein Leben für Veilchen und ein Tod wegen einer Kamelie
- Die Arbeiterblume
- Herkunft und Verbreitung der Rose
- Blumen aus Asien: Päonien, Hortensie
- Dahlienwut
- Die geheimnisvolle Reseda
- Eine brillante Karriere durch die Victoria regia
- Die Erfindung des Staudengartens

Arbeiterblumen wurden seinerzeit nur von Arbeitern gezogen und weitergezüchtet. Hier ist von Textilarbeitern und ihrer Blumenzüchterleidenschaft die Rede, die zur Gründung von Blumenzüchterclubs und Blumengesellschaften führte. Zu den züchterischen Höhepunkten zählten die Blumenausstellungen mit Preisverteilung. Was sind denn aber Arbeiterblumen? Aurikeln, Anemonen, Hyazinthen, Tulpen, Ranunkeln, Nelken, und Primeln zählten zu dieser Spezies. Die intensive Beschäftigung der Arbeiter mit ihren Pflanzen und ihre Erfahrung führten zu ausgezeichneten Resultaten, sprich Züchtungen. Züchtungen, die sogar jene von gelernten Gärtnern übertraf.

An anderer Stelle wundert sich Gabriele Tergit darüber, dass in öffentlichen Anlagen immer wieder die gleichen Blumen verwendet werden. Während in England Geranien, Lobelien und weisser Duftsteinrich häufig Verwendung finden, werden in Frankreich Sedum und Begonien bevorzugt und in Deutschland Stiefmütterchen, Petunien sowie Geranien. Diese Zeilen hat die Autorin vor Jahrzehnten geschrieben und seither hat sich auch in den europäischen Blumenrabatten einiges verändert. In grossen französischen Städten wie Lyon, Nancy, Metz, Calais und Paris habe ich mich in den letzten Jahren immer wieder an wunderschönen, farblich harmonisch abgestimmten Staudenbeeten in öffentlichen Parkanlagen erfreut. Auch entlang des hiesigen ehemaligen Versicherungshauptsitzes, der nun in eine französischen Firma integriert ist und den Namen der Stadt nicht mehr in die Welt herausträgt, sind die farbenfrohen Stiefmütterchen längst einer abwechslungsreicheren Staudenbepflanzung gewichen, indessen die Stadtgärtnerei in ihren Pflanzschemen immer noch häufig auf riesige Mengen der gleichen Blumen setzt.

Haben Sie übrigens gewusst, dass Goethe gerne durchgesetzt hätte, dass das Stiefmütterchen als “Gedenke mein“ bezeichnet wird, sich aber damit nicht durchsetzen konnte? Ich schliesse das Thema Stiefmütterchen damit ab, während Gabriele Tergit dazu noch mehr zu erzählen hat. Sie wusste aber auch zu berichten, dass Napoleon ständig eine goldene Kapsel mit zwei getrockneten Veilchen auf sich trug und dass Josephines Rosen auch zu Kriegszeiten sämtliche feindlichen Linien überwunden haben, um in Malmaison zu blühen.

In einer Blumengeschichten-Sammlung darf natürlich auf die Geschichte von Commerçon und Baret bzw. Hortense nicht fehlen und auch weitere Pflanzenjägerschicksale werden erwähnt. Dann geht es um die Chrysanthemenzüchtung, Spekulationen rund um die Kamelienwut, die erste wilde Blume - eine blaue Orchidee -, die per Gesetz vor der Ausrottung geschützt wurde und darüber, woher die Nerinen stammen. Ein aus Japan kommender holländischer Kahn erlitt im Kanal Schiffbruch. Die an Bord mitgeführten Pflanzen und Zwiebeln der Nerinen oder Guernsey-Lilien fühlten sich auf der gleichnamigen Kananlinsel sehr wohl und waren in London äusserst beliebt, aber erst viele Jahrzehnte später wurde herausgefunden, dass die Pflanzen gar nicht wie angenommen aus Japan stammen, sondern vom Tafelberg in Südafrika. Gabriele Terigit weiss auch, wie zufälligerweise das Herstellen von Rosenöl entdeckt wurde und sie berichtet von einem Zwiebelparfum, dank welchem auf Kommando Tränen fliessen und warum zur Lilienblütenzeit in irischen Gärten ausgemacht werden kann, ob ein katholischer oder ein protestantischer Gärtner am Werk ist.



Gabriele Tergit: 
Der glückliche Gärtner 
Schöffling und Co., 20015

15. Mai 2015

Kathy Stinson: Die Wahrheit über Ivy

Seit längerer Zeit ist der fünfzehnjährige David Burke für den Familiengarten verantwortlich. Er erledigt seine Arbeiten sehr gewissenhaft und führt sogar ein Gartennotizbuch, in dem er lateinische Pflanzennamen sortiert nach Blütenfarbe und Blütenzeit einträgt. Aktuell blättert er oft in seiner Enzyklopädie der Stauden, um passende Herbstblüher für den Garten auszuwählen. Aber auch im Internet stöbert er häufig auf hortikulturellen Seiten herum.

Mit der Pflege des Gartens entlastet David seine Mutter, deren Leben sich vollumfänglich um die elfjährige Ivy dreht, die mit schweren multiplen Behinderungen geboren worden ist. Überhaupt wird der Familienalltag allein durch Ivys Bedürfnisse gesteuert, die hilflos wie ein kleines Baby und damit rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen ist. Seit einer Operation vor drei Jahren leidet sie unter zuletzt immer häufiger auftretenden Krampfanfällen und ein weiterer Eingriff ist geplant.

David fühlt sich von seinen Eltern unverstanden. Er kann sich nur an wenige Unternehmungen allein mit Mutter und Vater erinnern und hat häufig das Gefühl, dass ihn seine Eltern nur wahrnehmen, wenn sie ihn für eine Besorgung einspannen wollen. Wenn er mit Ivy unterwegs ist, schämt er sich oft für seine jüngere Schwester oder fühlt sich peinlich berührt. Daneben gibt es aber auch schöne Momente. Ivy liebt Wasser, Regenbogen, durch die Bäume tanzendes Sonnenlicht und sie kichert oft und gern und mag es, ihrem Bruder beim Gärtnern zuzuschauen, etwa wenn er Delphinium von Coreopsis trennt.

Als Ivy in den Ferien beim Schwimmen tödlich verunglückt, verändert sich das Leben der Familie Burke drastisch. Genau zum Zeitpunkt des Unfalls war David mit dem kürzlich ins Nachbarhaus eingezogenen Mädchen Hannah unterwegs und so glücklich wie selten. Davids Gefühle drehen sich im Kreis – Erleichterung vermischt sich mit Schuldgefühlen und der Frage, ob und was Hannah für ihn empfindet. Immer mal wieder hat sich der pubertierende Junge gewünscht, er wäre ein Einzelkind. Nun ist er wieder das einzige (lebende) Kind seiner Eltern und er merkt, dass sich gar nichts geändert hat. Und schon gar nicht zum Besseren. Obwohl David seine Schwester häufig als Belastung empfunden hat, vermisst er sie stark und würde sich gerne für sein ab und zu unrühmliches Verhalten bei ihr entschuldigen.

Dann tauchen von verschiedenen Seiten Gerüchte auf: Davids Vater soll Schuld an Ivys Tod sein. Hat er tatsächlich nicht alles menschenmögliche getan, um seine Tochter während ihrem Krampfanfall im Wasser ans wohl rettende Ufer zu tragen?

Wer entscheidet, wann und welches Leben lebenswert ist? Was, wenn die betreffende Person sich nicht selber ausdrücken kann? Hat Davids Vater tatsächlich Schuld auf sich geladen? Kathy Stinson regt mit diesem Jugendbuch zum Nachdenken an. Sie wirft viele Fragen auf, liefert aber keine Antworten. Eine recht kurze Erzählung, die inhaltlich umso länger bewegt und nachhallt.  



Kathy Stinson: 
Die Wahrheit über Ivy 
cbt, 2014

8. Mai 2015

Andreas Barlage: Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen

Von Taglilien, Pfingstrosen, Maiglöckchen, Duftveilchen, Winterastern, Islandmohn, Wicken, Königslilien, Dahlien, Wildtulpen, Rosen und viele anderen Blumen mehr schwärmt Andreas Barlage in diesem sehr persönlichen Buch und offenbart ein grosses Herz mit viel Platz für blühende Schönheiten. Ein kurzer hortikultureller Lebenslauf am Anfang der Publikation gibt einen Einblick in die zahlreichen Gärten, die in seinen ersten fünf Lebensjahrzehnten einen wichtigen Platz eingenommen haben.

Schon als Jugendlicher zeigte der Autor grosses und andauerndes Interesse am Gärtnern und wurde dabei von den Eltern gefördert und unterstützt - sowohl finanziell als auch durch das Vermitteln von ästhetischen Aspekten, wie er im Nachwort verrät. Doch zurück zum Anfang der grünen Passion. Diesen bildet der Verzicht auf drei Fix- und Foxi-Hefte. Der Gegenwert dieser Zeitschriften entsprach nämlich dem Preis einer Bauernpfingstrose im Topf. Dieses in der nahen Gärtnerei gekaufte Pflänzlein hatte allerdings fragwürdig wenig Ähnlichkeit mit einer eben solchen Schnittblume, welche den Jungen an einem Familienfest tief beeindruckt und zum Erwerb verführt hatte.

Der Garten hält noch viele weitere Lektionen bereit, so auch jene, dass neben Investitionen in Pflanzen auch solche in Dünger und Pflege nötig sind und Erfolg im grünen Bereich vielfach auf einer rechten Portion Geduld beruht. Viel Wissen eignet sich der junge Gärtner auch lesend an und seine beruflichen Ausbildungen schliessen auch ein Gartenbaustudium ein.

Die Entwicklung des Gärtners geht erfahrungsgemäss einher mit einem fortwährenden Wechsel von Vorlieben und schliesst meist auch das Gefallen oder Nicht-mehr-Gefallen von grossen Blüten ein. Denn während Junggärtnern eine Blume oft nicht gross genug sein kann, zieht der reifere Mensch kleinere Formen vor. Doch nicht nur schöne Blüten sind ein ausgezeichneter Kaufgrund, auch persönliche Erinnerungen kombiniert mit historischen Begebenheiten eignen sich als Auslöser für den Kauf einer bestimmten Rose.

Der Autor bezeichnet sich selber als Gärtner-Faulpelz, was ich nicht so richtig glauben mag. Hätte er sonst als dannzumal autoloser Balkongärtner sackweise Erde und grosse Töpfe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heimtransportiert und über Treppen in den dritten Stock geschleppt? So oder so vermittelt die Lektüre das Bild eines sehr sympathischen Mannes und man freut sich sofagärtnernd mit, wenn er von wunderbaren Gartenbildern aus Islandmohn und Narzissen berichtet oder von Erinnerungen weckenden Blumendüften berichtet. Daneben gibt es auch kritische Töne, etwa über die Massenvermehrung von Chrysanthemen, und Philosophisches über Schönheit und Vergänglichkeit.

Ob die Leserin über einen grünen Daumen oder nur über einen grünen Nagel (eine sehr hübsche Formulierung aus dem Buch) verfügt – sie wird sich bestimmt spätestens nach der Lektüre dieser Publikation Gedanken über die eigenen Lieblingspflanzen machen und das eine oder andere erwähnte Gewächs in den eigenen Garten holen wollen. Zuvor muss sie nur für sich entscheiden, was allerwichtigst ist oder ober-allerwichtigst - ein weiterer ungewohnter Ausdruck aus dem mit vielen Fotos und zum jeweiligen Thema passenden Papierblumen illustrierten Buch.  



Andreas Barlage: 
Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen 
Jan Thorbecke Verlag, 2013

1. Mai 2015

Globi und der Planet Erde – Über den schlauen Umgang mit unserer Umwelt

Wer Globi ist, muss hierzulande wohl keinem Kind erklärt werden. Auch ich habe noch einzelne Globi-Bücher aus meiner Kindheit und als die Nachwuchs-Sofagärtner noch kleiner waren, wurde die Sammlung regelmässig um neue Bücher und Cassetten erweitert. Letztere kommen übrigens auch heute noch ab und zum Einsatz. Vor einigen Jahren haben wir deshalb auch mit grossem Interesse die Globi-Ausstellung über den Werdegang von der Werbe- zur Kultfigur im hiesigen Gewerbemuseum besucht. Mit „Globi und der Planet Erde“ hat nun erstmals ein Globi-Sachbuch den Weg in unseren Haushalt gefunden.

Am Anfang des Buches steht unerwartet Besuch vor Globis Haustüre. Auf der Schwelle wartet ein ganz besonderer Patient darauf, dass ihm geöffnet wird, nämlich der blaue Planet. Diesem geht es gar nicht gut. Das lässt sich unschwer aus den eindrücklichen Illustrationen erkennen und wird im Text auch entsprechend nachdrücklich bestätigt. Die Erde leidet nicht an Masern oder Windpocken, nein, sie „hat“ Menschen, und diese machen seit über hundert Jahren immer häufiger Dinge, die ihr nicht gut tun. Der Blitzbesuch des stöhnenden Patienten endet mit der Bitte an Globi, den Menschen klar zu machen, dass es nur eine Erde gibt und jeder persönlich zu ihr Sorge tragen muss.

Globi nimmt die ernste Aufgabe an und das Vermitteln des Themas Nachhaltigkeit geschieht mit einem Ausflug, den er am nächsten Tag gemeinsam mit Freunden unternimmt. Die Wahl des Fortbewegungsmittels fällt umweltbewusst auf Zug und Bus. Die Reisezeit wird mit Spielen für unterwegs überbrückt und auch der Nachteil in Form von gelegentlich längeren Wartezeiten auf Anschlüsse wird nicht verschwiegen.Das Buch liefert neben Ideen für Spiele Gründe, weshalb man weniger Autofahren soll, stellt das sparsamste und das durstigste Auto vor und erklärt, wie solche Fahrzeuge betrieben werden. Immer öfter kommen Mais und Zuckerrohr als Benzinersatz in den Tank und beanspruchen riesige Anbauflächen, die eigentlich für Nahrungsmittel gebraucht würden. Damit sind Globi und seine Freunde am Start einer Wanderung durch ein Hochmoor angekommen - Gelegenheit, über die vielen tierischen und pflanzlichen Bewohner dieses Landstrichs zu erfahren und über die Problematik des Torfabbaus.

Der Ausflug ist genau wie die Themenvielfalt damit noch lange nicht zu Ende. Kapitel mit Überschriften wie „Welche Pflanze wächst für wen?“, „Schlau einkaufen, wie geht das?“, „Warum ohne Wasser gar nichts läuft“ und „Wie man ein gutes Klima schafft“ vermitteln weiterhin spielerisch Basiswissen über Ökologie und Respekt vor der Natur. In Kurzportraits werden bekannte Persönlichkeiten vorgestellt, die sich für die Natur einsetzen oder eingesetzt haben, wie etwa Sir David Attenborough (geb. 1926), der seit vielen Jahren den Wundern der Natur auf der Spur ist, oder der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) und der Insektenzähler Jean-Henri Fabre (1823-1915).

In die grosszügig illustrierte Lektüre rund um das Thema Nachhaltigkeit eingebettet sind auch Rätsel und Bastelvorschläge und die kleinen Leser lernen, dass „Schweizerhose“ nicht der Name für Globis Markenzeichen, die schwarz-rot-karierte Hose ist , sondern der Name einer süssen, saftigen Birne, während der grosse Leser sich bei der „Geschichte vom kurzsichtigen Herrscher“ an eine Sequenz aus dem beeindrucken Film „More than Honey“ von Markus Imhoof erinnert. Auch auf den als irrsinnig zu bezeichnenden Produktionsweg von billigen Massen-T-Shirts samt der langen Reise deren einzelner Bestandteile durch Europa und Asien wird hingewiesen.

Während Jahrhunderten, nein während Jahrtausenden hat das Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben von Mensch und Natur funktioniert. Die Waage ist aus dem Gleichgewicht geraten, die Rohstoffe werden knapper, die Artenvielfalt geht zurück und die Umweltverschmutzung ist eines der grössten zu lösenden Problemen der Erdbewohner.

Alle diese Erlebnisse sind in einen ereignisreichen Tag gepackt, der hoffentlich sowohl den kleinen wie den grossen Leserinnen und Lesern in nachhaltiger Erinnerung bleibt. Im Anhang werden schliesslich noch Begriffe von Bio, Biodivesität über Foodprofil, Graue Energie, Minergie bis Zertifizierung erklärt und den Abschluss bildet Globis Schlusswort: Meine Welt ist deine Welt, ist unsere Welt.  



Liz Sutter (Text) und Daniel Müller (Illustrator): 
Globi und der Planet Erde – Über den schlauen Umgang mit unserer Umwelt 
Orell Füssli Verlag/Globi Verlag, 2015

23. April 2015

Grow your Own - You never know where you’ll find your Roots (DVD)

In einem Schiffscontainer ist ein Kantonese mit seiner Familie aus China nach England gekommen. Seine Ehefrau hat die Strapazen der Reise nicht überlebt. Er selber ist schwer traumatisiert. Seine Kinder kümmern sich so gut wie möglich um ihn und versuchen zu vertuschen, wie schlecht es ihrem Vater wirklich geht. Die zuständige Betreuerin hat bisher vergeblich versucht, den stummen, eigentlich sprachgewandten Chinesen zum Reden und zur Erfüllung seiner Pflichten zu bringen. Nun verschafft sie der Familie eine Gartenparzelle in einer dezentral gelegenen Gemeinschaftsgartenanlage , die mehrheitlich von Engländern beackert wird.

Damit dringt zum wiederholten Mal  unwillkommen die grosse, weite Welt in Form von Asylanten in die eingezäunte, scheinbar heile Welt der Parzellenpächter herein. Sehr zum Missfallen einzelner Gärtner. Geschürt wird das Missfallen und Misstrauen von „Big John“, dem dominanten Vorsitzenden, der meint, gute Zäune machen gute Nachbarn. Er lässt zwar die Gemeinschaft der zahlenden Mitglieder immer wieder abstimmen, doch steuert er subtil und zunächst auch erfolgreich, dass die Resultate seine Meinung widerspiegeln. Und was hat schon ein Querulant zu melden, der nicht einmal sein Gartenhaus in der (garten)politisch korrekten Farbe zu streichen vermag?

Ein Telekommunikationsanbieter plant gleichzeitig das Aufstellen einer Sendeantenne in der Gartenanlage und lockt mit viel Geld. Die Ideen und Wünsche der Pächter für die Verwendung sind vielfältig. Vielleicht lässt sich ja aus dem Verdrängen der ungeliebten ausländischen Nachbarn sogar Profit schlagen?

„Grow your own“ ist kein „how-to-grow-your-own-vegetable“-Film. Hintergrund ist ein ernstes Thema, angesiedelt im Schrebergartenumfeld und obwohl der Film immer wieder witzig ist, würde ich ihn nicht ins Genre Komödie einordnen. Die Geschichte lebt von den unterschiedlichen Charakteren – Angepasste, Mitläufer, Querulant und Möchte-Gerne-Querulanten und behandelt zwischen dem Anpflanzen von Kohl und Co. Themen wie Vorurteile, Rassismus, Respekt und Toleranz.

Parallel mit dem wiederholten Wechsel des Farbanstrichs sämtlicher Gartenhäuser findet ein Umdenken in den Köpfen der Gärtner statt. Dies äussert sich auch darin, dass der jährliche herbstliche Erntevergleich nicht mehr nur ein abgekartetes Spiel ist. Zum ersten Mal lässt sich auch mit dem Heranziehen von Ocra oder speziellen Melonen ein Preis gewinnen. Und sogar „Big Johns“ Sohn lässt sich nicht länger vom überlegenen Vater herumgängeln. Er trägt sein (zu) farbenprächtiges Hemd nicht mehr verschämt, sondern offen und merkt irgendwann sogar, welche „Biene“ ihn umschwärmt.  



Grow your Own (DVD) 
Richard Laxton 
Pathe, 2007