21. November 2013

Katrin Burseg: Der Sternengarten

Das Jahr 1640 ist prägend für die zwölfjährige Sophie. Erst stirbt die Mutter bei der Geburt ihrer Schwester, und dann kehren ihr Zwillingsbruder Christian und ihr Vater von einem Treiben gemästeter Ochsen von Jütland nach Schleswig nicht zurück und bleiben verschollen. Dem Mädchen bleibt nichts anderes übrig, als die kleine Schwester bei deren Amme, der Kräuterfrau Johanna, zurückzulassen und in den Gärten des herzoglichen Hofs von Gottorf bei Schleswig Arbeit zu suchen.

Ihren langen Zopf schneidet Sophie ab und lässt ihn der kleinen Schwester als Erinnerung zurück. Weil sie die Kleider ihres geliebten Bruders trägt, hält man sie für einen Jungen, und sie hält ihre Täuschung jahrelang aufrecht und lässt sich Sophian nennen. Nicht einmal ihr bester Freund, der junge Perser Farid - ein „Mitbringsel“ der letzten fürstlichen Expedition in den Orient - ahnt, dass es sich bei Sophian in Wirklichkeit um ein Mädchen namens Sophie handelt.

Christian hat als einziger das Gemetzel an den Ochsentreibern überlebt. Er weiss, wer dafür verantwortlich ist kann dies auch beweisen. Doch statt nach Schleswig zurückzukehren, kümmert er sich weiter um die Ochsen und wartet jahrelang auf die richtige Gelegenheit, seinen Vater zu rächen. Gleichzeitig sucht er immer wieder Trost im Alkohol und badet in Hass.

Derweilen erhält Sophie erhält die Gelegenheit, eine Lehre in den Gärten zu machen. Der Hofgelehrte Olearius und seine Frau nehmen sie auf und sie wird als Gartenelevin vom Gartenmeister Friedrichs in die Gartenkunst eingeführt, der seinerseits sein Handwerk in Italien gelernt hat und in den neuen Gärten („Neue Werk“) seine ehrgeizigen Pläne verwirklichen will. Zu diesen gehören neben Wasserspielen und Statuen das Testen von neuen Anbaumethoden, denn exotische Pflanzen sollen auch im Norden gedeihen.

Das Schicksal der Geschwister Sophie und Christian bleibt trotz Trennung eng miteinander verknüpft und mit dem gewissenlosen und brutalen Ritter Rantzau verbunden. Der spannende Roman handelt nicht nur von Intrigen und Machtpolitik, sondern gibt einen ausführlichen Einblick sowohl in die Entstehung des ersten Gartens im italienischen Stil nördlich der Alpen als auch des begehbaren Gottorfer Globus im dortigen Lusthaus.

Die Autorin verwebt das Schicksal von historisch bekannten Personen mit demjenigen von fiktiven Romanfiguren und die Leserin verfolgt, wie aus dem Gartenlehrling Sophian schliesslich eine Blumenmalerin wird, die am „Gottorfer Codex“ mitarbeitet. Ob, wie und wo die dannzumal imposanten Bauten die letzten Jahrhunderte überstanden haben, lässt sich unter den Anmerkungen am Ende des Buches nachlesen.  



Katrin Burseg: 
Der Sternengarten 
Berlin Verlag, 2013