29. April 2009

Gartengeflüster

Haben Sie schon einmal vom ehelichen Rosenkrieg gehört, der sich um 1900 in Pommern zwischen dem „Grimmigen“ und Elisabeth von Arnim abgespielt hat? Die Gärtnerin musste sich schon beim Frühstück Vorhaltungen über zu hohe Rechnungen für Rosen und Ziersträucher anhören. Auch auf Sissinghurst verlief bei der Planung und Ausführung der Gärten nicht immer alles reibungslos. So zertrampelte Harold im Dunkeln auf dem Weg zur Wasserpumpe die kurz zuvor von Vita gepflanzten Anemonen und verfeuerte anschliessend mangels trockenem Vorratsholz versehentlich die zur Markierung der Anemonen gedachten Hölzchen. Die Details dazu und vieles andere mehr hat der passionierte Gärtner Otto Krätz im Buch „Gartengeflüster“ zusammengetragen - ein Sammelsurium von Episoden aus der Gartengeschichte der letzten Jahrhunderte. 

Da gibt es Anekdoten über die Anfänge des Rasenmähers, über kandierte und geröstete Tulpenzwiebeln und über den Kampf gegen das Unkraut. Weitere Themen sind „Abgepackte napoleonische Helden“ (über Kunst- und natürliche Dünger), die Wintergärten der Mathilde Bonaparte, in welchen Gustave Flaubert und Marcel Proust bei der Prinzessin zu Gast waren. Überhaupt handeln etliche der Geschichten von Literaten und ihren Gärten im Werk oder in Wirklichkeit. Mein Favorit waren die Seiten zum Thema „Der Mörder ist immer der Gärtner“, die zeigen, dass Gärten schon seit vielen Jahren Autoren zu Kriminalgeschichten inspirieren. 

Die Geschichten laden zum Staunen ein und lassen einem beim Lesen auch immer wieder schmunzeln und sind sehr aufwendig illustriert. 



Otto Krätz: 
Gartengeflüster – Pikantes und Unterhaltsames aus der Geschichte der Gärten 
Callwey Verlag, 2009

26. April 2009

Blumenläden

Im Moment lese ich gerade einen Roman, in welchem eine jüngere Frau eine der Hauptrollen innehat, die gerade eine schwere Krankheit überstanden hat und mit viel Engagement und Kreativität einen beliebten Blumenladen namens „Changing Season Floral“ führt. Dies ist ein passender Anlass, wieder einmal in meinen Blumenladenbüchern zu schmökern. 

Die beiden reich illustrierten Bücher „The Flower Shop“ von Sally Page porträtieren ein ländliches Geschäft im englischen Tisbury. Wie aus den Untertiteln hervorgeht zeichnet ein Band das Leben im Blumenladen im Verlauf der Jahreszeiten auf, während sich der zweite Band der Advents- und Weihnachtszeit widmet (zur Zeit natürlich nicht sehr passend). Viele meist kleinformatige Fotos bringen dem Betrachter zusammen mit kurzen Texten die Angestellten von „Ted Martins Flowers“ und ihre Kunden näher. Dekorations- und Bindetipps runden die sympathischen Bücher ab. Inzwischen ist ein weiteres Flowershop-Buch zum Thema Freunde herausgekommen. 

Die kürzlich verstorbene legendäre Blumenfrau Maria Binder und ihr Laden im Zürcher Oberdorf-Quartier werden im 2005 erschienenen schön eingefassten und illustrierten Buch vorgestellt. Auf den ersten knapp 20 Seiten wird ihr Werdegang erzählt, dann folgen Farbfotos aus dem Blumenladen, von floralen Kunstwerken und vier Betrachtungen von Nahe stehenden über die Blumenkünstlerin.

„Begegnungen im Blumenladen“ ist kein Buch, das einlädt in schönen Farbfotos von Blumenkreationen zu schwelgen. Nein, es gibt kein einziges davon. Wolf Klein schreibt Geschichten auf. Er sitzt in seinem Laden, betrachtet die Kunden und Vorübereilende und notiert, was passiert. Diese Episoden, welche früher in einem Blog veröffentlicht worden sind, protokollieren die Begegnungen im Blumenladen. Übrigens, bei diesem „Blumenladen“ handelt es sich nicht um einen Ort, wo Floristik in Form von normalen, natürlichen Schnittblumen verkauft wird, sondern alle Blumen sind fotografiert. Die Ware sieht zwar aus wie Blumen und funktioniert visuell wie Blumen, aber es sind eben keine echten Blumen. 



Wolf Klein: 
Begegnungen im Blumenladen 
Balkon und Garten Buch, 2008 

Sally Page: 
The Flower Shop – A year in the Life of an English Country Flower Shop 
Fanahan Books, 2006 

The Flower Shop – Christmas 
Fanahan Books, 2007 

Esther Scheidegger Zbinden (Text) und Nadja Athanasiou: 
Blumenfrau Maria Binder 
Th. Gut Verlag

23. April 2009

Endlich gärtnern!

An Sabine Reber und ihren Gartenbüchern scheiden sich die Geister. Diesen Frühling ist bereits ihr drittes Buch zu diesem Thema erschienen, und ich war auch etwas skeptisch nachdem ich die Vorschau gelesen hatte. Ein erstes Durchblättern hat nicht dazu beigetragen mich vom Buch zu überzeugen, im Gegenteil, ich befürchtete aufgrund der Fotos eine Art Selbstdarstellung. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, habe ich auch meine Meinung geändert. Mir – auch einer Autodidaktin in Sachen gärtnern - gefällt Sabine Rebers Schreibstil, und ob nun alle Tipps etwas taugen oder nicht, kann ich nicht vollumfänglich beurteilen. 

„Endlich gärtnern!“ beginnt mit dem Garten-Manifest, welches auch auf Sabine Rebers Internetseite nachzulesen ist. Zwischen der Vermittlung von Grundlagen zu Mist, Kompost, Dünger oder etwas Botanik und Werkzeugen, die ein Gärtner tatsächlich braucht, sind immer wieder persönliche Erfahrungen wie beispielsweise über ihre Lehrjahre als Gartenanfängerin oder den Beginn ihrer Gärtner-Karriere während einem längeren Irland-Aufenthalt, eingestreut. Oder sie beneidet Gartenlaien, die sich in ihrer Unbekümmertheit noch für alles Blühende begeistern, während ein „Fortgeschrittener“ weiss, dass sich ein Kauf nicht lohnt, weil die richtigen Wachstumsbedingungen sowieso nicht mit vernünftigem Aufwand erfüllt werden können. 

Im Kapitel „Pflanzen, die Freude machen“ handelt eine Episode von einer Schnupperstunde (im wahrsten Sinne des Wortes) über die Königslilie, einer Lieblingspflanze der Autorin. Wer ab und zu ihre Webseite besucht, wird einzelne Geschichten schon kennen, aber es ist doch immer schöner, in einem Buch zu lesen! Etwas speziell mutet der Tipp an, im Sommer das Gästebett in den Garten zu tragen... 

Wer nun noch mehr von Sabine Reber lesen möchte: Von Pflanzenkombinationen handelt „Traumpaare im Beet“. Nicht von richtig oder falsch, sondern von Harmonie. Teilweise werden altbekannte Verbindungen empfohlen werden, andere sind eher speziell und originell. Wer kann mit wem verkuppelt oder wer mag gemeinsam alt werden? Aufgelockert werden die Pflanzen-Beziehungsgeschichten durch Paargeschichten aus der Gartenszene im weitesten Sinne. Diese handeln von Claude Monet und Alice Hoschéde, Kaiserin Josephine und Napoleon oder Cäsar und Kleopatra und anderen. Traumhaft sind die Fotos von Marianne Majerus. 

Sabine Reber schreibt auch Romane und Gedichte. Im Roman „Blau“ geht es um die Züchtung einer blauen Rose. Dieses Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich. 



Sabine Reber: 
Endlich Gärtnern! 
Callwey Verlag, 2009 

Traumpaare im Beet (mit Fotos von Marianne Majerus) 
Callwey Verlag, 2007 

Ein Gartenzimmer für mich allein (mit Fotos von Ursel Borstell) 
Callwey Verlag, 2006 

Blau Reclam Verlag, 2001 


19. April 2009

According to Mark

Mark Lamming, verheiratet mit der kultivierten Diana, schreibt eine Biografie über den Autor Gilbert Strong. Seine Recherchen führen ihn nach Dorset, wo dessen Enkelin Carrie ein Gartencenter betreibt. Er erfährt, dass Strong zwei Koffer gefüllt mit Briefen und persönlichen Papieren hinterlassen hat. 

Mark fühlt sich stark zur jungen, weltfremden Carrie hingezogen und fährt immer öfter von London nach Dean Close und übernachtet dort. Carrie ist als Tochter einer egozentrischen Mutter aufgewachsen und sehr jung zuhause ausgezogen. Die unreife Carrie nimmt Marks Verliebtheit nicht wahr, ihr Leben dreht sich nur um Pflanzen und ihr Geschäft. 

Während der Durchsicht der Dokumente kommt Mark zum Schluss, dass ein Gespräch mit Carries Mutter hilfreich für die Verfassung von Strongs Biografie wäre, und er lädt Carrie ein, ihn nach Frankreich zu begleiten. Carrie entschliesst sich nach anfänglichem Widerstand mitzufahren. 

Diana spürt, wie sich ihr Mann verändert. Er fühlt sich zwischen den beiden Frauen hin- und hergerissen. Sein Dilemma ist, dass er Carrie nicht haben und es auch nicht ertragen kann, dass sie einem anderen gehören könnte. Penelope Lively führt den Leser in ihren Büchern – auch in diesem - in Richtungen, wie er sie so oft nicht erwartet. 



Penelope Lively: 
According to Mark 
Penguin Books, 1985

16. April 2009

Gartengeschichten

Eva Demski geht diesem Buch der Frage nach „hat der Garten uns“ oder „haben wir ihn“? In zwanzig Erzählungen beschreibt sie, wie der Garten tröstet, einem zum Heulen oder zum Lachen bringt und Menschen trennt und verbindet. Da gibt es eine Freundin, die sich während der Päonienblüte durch nichts aus dem Garten locken lässt, weil sie keine Sekunde dieses kurzen Ereignisses verpassen möchte. Da wird sogar ein Regenschirm über die zarten Blütenschüsseln gehalten, um diese vor Unwetter zu schützen. 

Die Autorin scheint diese Begeisterung nicht zu teilen, denn wie sie anmerkt, „machen sich die Pfingstrosen das ganze übrige Jahr mit furchtbar viel Grünzeug wichtig und nehmen eine Menge Platz weg“. 

Im Kapitel „Todsünden“ vergleicht sie den Besuch im Gartencenter mit dem nächtlichen Gang zum Kühlschrank. Man weiss, dass beides böse endet, aber es ist wunderbar ... 

Von Marianne, Uwe Johnson, einem Erbstück und einem Briefwechsel handelt eine weitere Aufzeichnung. Nachdem ich nach einigem Kopfzerbrechen (ohne googeln!) und vor Erwähnung der von besagten Marianne geschriebenen Bücher, herausgefunden habe, wer Marianne ist, war ich doch ein ganz kleines bisschen stolz. 

In der letzten Erzählung geht es um nicht immer willkommene Garten-Mitbringsel. Um ungeliebte Weihnachtskakteen, die trotzdem liebevoll gehegt und durchgefüttert werden (müssen). Oder eine Eibe, welche X für die Autorin gepflanzt hat und die sie nun täglich an X denken lässt. Ohne dieses Gewächs wäre X schon lange vergessen. Dank der Eibe wird jeden Tag an X gedacht, wenn auch eher unfreundlich. Anregende Lektüre! Der Text wird aufgelockert durch Bilder von Michael Sowa. 



Eva Demski: 
Gartengeschichten 
Insel Verlag, 2009

13. April 2009

Schnäppchen

Neue, ungelesene Bücher kaufen ist recht kostspielig. Mit etwas Glück und sofern man geduldig warten kann und nicht immer die neuesten Titel sofort besitzen will, lässt sich bei Restsellern immer wieder interessantes aufspüren. 

Im Moment ist zum Beispiel aus dem Residenz Verlag der Titel „Gut im Beet“ von Ursula Buchan günstig erhältlich. Die bekannte Gartenjournalistin erzählt vom eigenen und von fremden Gärten. Das Buch ist sehr schön illustriert und bei Jokers zu weniger als 1/3 des ursprünglichen Preises zu erwerben. 

Bei diesem Online-Verkäufer ebenfalls erhältlich ist der 694seitige Roman „Der Paradiesgarten“ von Eva Maaser. Nach langer Reise von Europa bis Bagdad ums Jahr 1200 herum muss der Benediktinerzögling Christoph einsehen, dass der Garten Eden wohl nicht erreichbar ist. Er kehrt nach Europa zurück und fällt in einen tiefen Schlaf. Viele Jahre später erwacht er und setzt seine Suche nach dem Paradies als Zeitreise fort. Sehr spannend! 

Ein schönes Garten-Lesebuch ist „Von lauschigen Lauben und herzigen Veilchen“ von Helga Panten und der Fotografin Marion Nickig. In rund 45 Texten über Pflanzen wie Pfingstrose, Farn, Mistel u.v.m. folgt der Leser der Autorin durchs Gartenjahr und erfährt allerhand über Entdeckung und Züchtung, Arten und Sorten, Materialien und Verwendung und natürlich gärtnerisches Wissen und viele Tipps. Wie immer eine Augenweide sind die Fotos von Marion Nickig. 

Mehr günstige (Garten-)Bücher unter www.jokers.ch oder www.jokers.de. Die Versandkosten bei diesem Anbieter sind relativ hoch. Es gibt aber regelmässig versandkostenfreie Wochenenden, über welche man sich durch die Newsletter informieren lassen kann.

12. April 2009

Grundkurs Grüner Daumen von Brigitte

Basiswissen in Sachen Gärtnern für Einsteigerinnen und Einsteiger vermittelt der Ratgeber „Grundkurs Grüner Daumen“. 

Der Umschlag beinhaltet gegliedert nach Jahreszeiten einen Fahrplan mit den wichtigsten Arbeiten durch das Gartenjahr. Das erste Drittel des Buches wird „Ideen für schöne Gärten“ und „Ideen für schöne Terrassen und Balkone“ gewidmet. In Kurzportraits mit Fotos werden verschiedene Gartentypen wie Cottagegarten, Familiengarten oder Designergarten vorgestellt. Extratipps zum Thema und jeweils eine Zusammenfassung mit dem Titel „Das macht den Charme aus“ runden das Kapitel ab. 

Weitere Lektionen handeln von Themen wie Einpflanzen und Aussähen, Einmaleins des Gestaltens und einer Uebersicht über die wichtigsten und unverzichtbaren Gartengeräte. Weiter geht es mit Pflanzenkunde: Sommerblumen, Stauden, Zwiebelblumen und Gehölzen. Neben Fotos (hauptsächlich von den Blüten) werden Blütezeit, Höhe, Standortangabe und spezielle Vorlieben und teilweise etwas Geschichte über Herkunft und Verbreitung aufgeführt. 

Wenn eine Pflanze trotz Grundkurs kränkeln sollte, kann im Kapitel „Erste Hilfe fürs Grün“ nach der Ursache gesucht werden. In einem ABC werden Schädlinge, Nützlinge und Krankheiten erklärt. Auch ein Register sowie Adressen und Bezugsquellen am Ende des Buches fehlen nicht. 

Geeignet für Einsteiger, die ein Buch einschlägigen Zeitschriften vorziehen. Für einen tieferen Einstieg ins Thema, wird aber weiterführende Literatur besorgt werden müssen. 



Michael Breckwoldt: 
Grundkurs Grüner Daumen – Die besten Tipps für Garten, Balkon und Terrasse 
Diana Verlag, 2009

9. April 2009

Interessante Begegnungen

Um die Jahrtausendwende begann die Gartenschriftstellerin Diana Ross, sich mit aussergewöhnlichen Leuten aus der Gartenszene zu treffen. Sie besuchte diese zuhause, führte ausführliche Gespräche mit ihnen und liess sich durch deren Gärten führen. Unter den Gesprächspartnern sind bekannte Namen wie Dan Pearson, Beth Chatto und Roy Lancaster. Die Beiträge sind seither regelmässig im englischen Journal „Hortus“ erschienen. Eine Auswahl daraus ist nun im Buch „Gardeners – Encounters with Exceptional People“ veröffentlicht worden. 

Anlässlich der Interviews stellte sich ab und zu heraus, dass die Verbindungen zum grünen Bereich geringer waren, als vorgestellt. So musste die Autorin vom Hortus-Herausgeber David Wheeler gelegentlich daran erinnert werden musste, wenigstens ab und zu eine Pflanze im Text zu erwähnen. Ob jetzt nun genug Blumen gebührend erwähnt werden oder nicht - die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall. Eine Anekdote handelt vom Gärtner Roy Roberts, der ein störendes Unkraut neben der Küchentüre mit einem giftigen Vertilgungsmittel besprayte. Ein paar Tage später erfuhr er, dass die Lady ernsthaft erkrankt sei. Die Köchin verstand überhaupt nicht weshalb, da die Lady nichts als Brennnessel-Suppe gegessen hatte. Das Unkraut war für kulinarische Zwecke angebaut worden... Der Gärtner schwitzte die Angelegenheit aus. Und die Lady wurde wieder gesund. 

 Vielleicht kennt jemand das eine oder andere Buch der Schriftstellerin Penelope Lively (z.B. „Der wilde Garten“, „Das Photo“ oder „According to Mark“? In ihren Romanen kommen immer wieder Gärtner und Gärten vor. Im Interview erfährt man mehr über ihre diesbezüglichen Beweggründe. Sofern sie nicht den Schriftstellerberuf gewählt hätte, wäre sie sicher eine „richtige“ Gärtnerin geworden und keine Dilettantin geblieben (Zitat Penelope Lively). Aus gesundheitlichen Gründen musste sie das Gärtnern inzwischen aufgeben, so dass dieser Bemerkung nicht mehr nachgegangen werden kann. Ihre Bücher jedenfalls haben so viele Preise eingeheimst, dass Penelope Lively auf diesem Gebiet ganz sicher ein Profi ist. 



Diana Ross: 
Gardeners – Encounters with Exceptional People 
Frances Lincoln Ltd, 2008

6. April 2009

Gartenfreundinnen

Auf einer Gartenreise durch bekannte südenglische Gärten wie Hidcote Manor und Sissinghurst Castle haben sich Brigitte Nagiller, die in der Nähe von Wien lebt, und die Südtirolerin Martha Canestrini kennen gelernt. Die beiden blieben nach der Reise per E-Mail in Kontakt und aus einer Urlaubsbekanntschaft ist eine wunderbare Freundschaft entstanden. 

Zu Beginn der elektronischen Korrespondenz überlegt sich Martha Canestrini, alle Reben eines Weinberges auszureissen und einen weiteren Garten anzulegen. Sie liebäugelt mit etwas Japanischem. Darauf protestiert Brigitte Nagiller energisch und fragt die Gartenfreundin, was denn fernöstliche Gartenkultur in Neumarkt verloren hat. 

Neben Berichten aus eigenen und fremden Gärten, Gartentipps und vielen Rezepten gehen im Laufe der Zeit immer mehr persönliche Erlebnisse von einem Computer zum andern. So handeln die launisch verfassten Emails auch immer wieder über Frauenalltag, Falten und das Aelterwerden. Teilweise kommen auch nicht ganz schmeichelhafte Details über die Ehemänner und Söhne ans Tageslicht. Was diese wohl dazu meinen? 

Eine charmante Lektüre. Die beiden Frauen scheinen sich auch immer mal wieder persönlich zu treffen. Gerne hätte ich etwas mehr von dieser Ebene der Freundschaft erfahren. Das Buch erinnert mich an den Titel „Gartengespräche unter Frauen“ von Carol Graham Chudley und Dorothy Field, zwei Nachbarinnen, die sich in den 90er-Jahren regelmässig Gartenbriefe geschrieben haben. 



Brigitte Nagiller und Martha Canestrini: 
Gartenfreundinnen – Männer, Schnecken, Frühlingsblumen 
Orac/Verlag Kremayr und Scheriau KG, 2009

1. April 2009

Gartenglück – Die Kunst des entspannten Gärtnerns

Statt Stätten entspanntem Gärtnerns ähneln viele Gärten eher Kriegsschauplätzen, auf welchen mit chemischen Waffen Schädlinge und Unkräuter bekämpft werden. Eine unnötige Quälerei, wie der bekannte Naturgartenpionier Peter Richard findet. Stattdessen gilt es, die natürliche Dynamik der Natur aufzunehmen und für das Gedeihen im eigenen Garten zu nutzen. 

Die Grundlage dafür wird mit der richtigen Bodenbearbeitung, der Deutung der Zeigerpflanzen und der korrekten Pflanzenwahl gelegt. Und der Gärtner wird ermuntert, den unendlichen Kampf gegen die oben erwähnten Feinde in heitere Gelassenheit umzuwandeln und mit der Natur, statt gegen sie zu arbeiten. Dazu gehört auch, regionale Pflanzensorten vom Markt oder der Wildstaudengärtnerei zu bevorzugen, statt Pflanzen aus hunderten von Kilometern entfernten Gewächshäusern zu kaufen, die Mühe mit dem lokalen Klima haben. 

Mit über dreissig Jahren Gartenerfahrung weiss der Autor, wovon er schreibt. Herausgekommen ist eine Wegleitung mit vielen grossformatigen Fotos, Pflanzentabellen und zahlreichen Tipps. Dazwischen sind philosophische Anregungen von Reto Locher eingestreut. Jedes Kapital endet mit einer Kurzzusammenfassung der wichtigsten vermittelten Aspekte. 

Ein schön gestaltetes Nachschlagewerk, insbesondere das Umschlagbild gefällt mir ausgezeichnet. Schade finde ich einzig, dass etliche Fotos in vollem Sonnenlicht aufgenommen worden sind. 



Peter Richard und Reto Locher: 
Gartenglück – Die Kunst des entspannten Gärtnerns 
Alataverlag, 2008