16. April 2009

Gartengeschichten

Eva Demski geht diesem Buch der Frage nach „hat der Garten uns“ oder „haben wir ihn“? In zwanzig Erzählungen beschreibt sie, wie der Garten tröstet, einem zum Heulen oder zum Lachen bringt und Menschen trennt und verbindet. Da gibt es eine Freundin, die sich während der Päonienblüte durch nichts aus dem Garten locken lässt, weil sie keine Sekunde dieses kurzen Ereignisses verpassen möchte. Da wird sogar ein Regenschirm über die zarten Blütenschüsseln gehalten, um diese vor Unwetter zu schützen. 

Die Autorin scheint diese Begeisterung nicht zu teilen, denn wie sie anmerkt, „machen sich die Pfingstrosen das ganze übrige Jahr mit furchtbar viel Grünzeug wichtig und nehmen eine Menge Platz weg“. 

Im Kapitel „Todsünden“ vergleicht sie den Besuch im Gartencenter mit dem nächtlichen Gang zum Kühlschrank. Man weiss, dass beides böse endet, aber es ist wunderbar ... 

Von Marianne, Uwe Johnson, einem Erbstück und einem Briefwechsel handelt eine weitere Aufzeichnung. Nachdem ich nach einigem Kopfzerbrechen (ohne googeln!) und vor Erwähnung der von besagten Marianne geschriebenen Bücher, herausgefunden habe, wer Marianne ist, war ich doch ein ganz kleines bisschen stolz. 

In der letzten Erzählung geht es um nicht immer willkommene Garten-Mitbringsel. Um ungeliebte Weihnachtskakteen, die trotzdem liebevoll gehegt und durchgefüttert werden (müssen). Oder eine Eibe, welche X für die Autorin gepflanzt hat und die sie nun täglich an X denken lässt. Ohne dieses Gewächs wäre X schon lange vergessen. Dank der Eibe wird jeden Tag an X gedacht, wenn auch eher unfreundlich. Anregende Lektüre! Der Text wird aufgelockert durch Bilder von Michael Sowa. 



Eva Demski: 
Gartengeschichten 
Insel Verlag, 2009