29. August 2013

Dorothy Cannell: Auf dem Holzweg

Die adoptierte Pastorentochter Tessa wurde als Baby in einem Weidenkörbchen vor dem Pfarrhaus aufgefunden. Schon seit längerer Zeit möchte die junge Frau unbedingt das Rätsel ihrer biologischen Herkunft lösen. Durch ihre Opferrolle in einem gemeinsam mit Harry geplanten fingierten Überfall findet sie Aufnahme auf dem alten Familiensitz aus Cotswoldstein der Familie Tramwell. Zwei alte Damen kümmern sich hinter efeubewachsenen Mauern hingebungsvoll um Tessa, während diese hofft, inkognito näheres über ihre Mutter herauszufinden. Da ihr Adoptivvater noch lebt, interessiert sie sich mehr für die Mutter als für den Vater.

Während Tessa also ihren erfundenen Gedächtnisverlust auskuriert, spitzt sie ihre Ohren und schnüffelt herum. Sie findet schnell heraus, dass mehr als nur ein Dorfbewohner ein kleines Geheimnis zu verbergen versucht. Doch sie muss während ihrem Aufenthalt bei den Tramwells auch immer wieder an ihren detektivischen Fähigkeiten zweifeln. Und als in unmittelbarer Nähe ein Mord passiert, sucht sie zusätzlich auch gleich noch einen Mörder. Doch wer führt hier eigentlich wen hinters Licht und wer betrügt wen? Kompliziert ist auch das Verhältnis zu Harry, Tessas geheimen Liebe.

Auf den Holzweg geführt wurde ich, als ich mir dieses Buch aufgrund verschiedener Empfehlungen in englischen „Garden-Mysteries-Listen“ vor längerer Zeit zugelegt habe. Wie und warum es „Down the Garden Path“ in solche Empfehlungen geschafft hat, ist für mich nicht nachvollziehbar, ausser diese beruhen ausschliesslich auf dem englischen Originaltitel. Zwar tragen die beiden Tramwell-Damen die blumigen Namen Hyacinth und Primerose und kümmern sich aus Geldnot selber um den Garten. Dann wird einmal ein ausgedehnter Garten erwähnt, der über bemooste Stufen erreichbar ist, es gibt Rosen in allen möglichen Farben, Schattierungen und Formen, zartbunte Blumenbeete und der Rasen ist zu weichem Plüsch geschoren. Viel mehr aus dem hortikulturellen Bereich gibt es aber nicht festzustellen. Ob beim Übersetzen wohl einige botanische Stellen weggelassen worden sind?

Das Buch lebt vom komisch-englischem Humor und dem skurilen Verhalten der beiden alten Damen, die ihren ganz eigenen Regeln folgen. So besitzen etwa beide keinen Führerschein und verwenden aus Pietätsgründen denjenigen der längst verstorbenen Mutter. Zuweilen etwas verworren sind auch die Gedankengänge der Ich-Erzählerin Tessa.




Dorothy Cannell: 
Auf dem Holzweg 
Argument Verlag, 1994

25. August 2013

Karin Standler: Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa

In dieser Publikation lädt Karin Standler den Leser ein auf eine Entdeckungsreise kreuz und quer durch eine Auswahl botanischer Gärten in Europa. Kriterien für die Aufnahme der vorgestellten Institutionen in die Publikation waren spezielle Konzepte, die historische Bedeutung oder besonders beachtliche Sammlungen.

Im ersten von zwei Beiträgen zur Bedeutung von Botanischen Gärten gehen Karin Standler und Iris Meder auf die Rolle derselben aus städtebaulicher Sicht ein und beleuchten Erholungs- und Tourismusaspekte während Marianne Klemun den Wissenswandel im Zusammenhang mit diesen Institutionen reflektiert. Hernach werden 22 Botanische Gärten von Wien, Meise über Berlin, Bordeaux, London, Rom, Uppsala bis Belgrad (*) in dreiseitigen Kurzportraits in Wort und Bild und mit Kontaktangaben vorgestellt. Am Anfang und am Ende der Vorstellungen sind meistens Zwischenblätter mit Pflanzenillustrationen eingefügt.

Die verschiedenen Gärten haben unterschiedliche Forschungs- wie auch Sammlungsziele. Sammeln die einen Sukkulenten, Farne oder Palmen fokussieren sich andere auf Rosen, Iris oder Sumpfplanzen. Einen hohen Stellenwert hat in allen Institutionen der Austausch mit anderen Forschungsanstalten und sie funktionieren gleichzeitig als Experimentierfelder wie auch als (oft kostenloses) Naherholungsgebiet für Menschen und als Orte der Begegnung. Einzelne trumpfen auch immer wieder in architektonischen Belangen auf. Erwähnt sei als Beispiel Kew Garden in London mit den modernen Glashauskomplexen des Princess of Wales Conservatory aus dem Jahr 1987 und einem Steg aus schwarzem Granit und Bronze über einen künstlichen See, „Sackler Crossing“ genannt.

In einem Buch über Botanische Gärten in Europa darf natürlich auch der allererste dieser Gattung in Padua nicht fehlen. Der Leser erfährt, dass die Einführung von exotischen Pflanzen nach dessen Gründung im Jahr 1545 als „Hortus Simplicium“ dermassen erfolgreich war, dass er wegen andauernder Diebstähle bereits 1552 ummauert und in einen „Hortus concusus“ umgewandelt werden musste. Weiter liest man, dass die verschiedenen Pflanzenhäuser im Botanischen Garten von St. Petersburg zusammen eine Länge von 1,1 Kilometer aufweisen und sich dort eine umfangreiche Sammlung der Werke von und über Carl von Linée samt Briefwechseln und internationaler Literatur befindet.

Im belgischen Meise beherbergt der Botanische Garten eine Sammlung von Kaffeegewächsen und die hauseigene Mischung kann im Shop erworben werden. Und derweilen Barcelona einen grossen Herbarienbestand aufweist und wichtige Forschungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation des Mittelmeerraumes betreibt, experimentiert man in Leiden in Sachen UV-Schutz auf der Grundlage der Schutzschicht von Latschenkiefer-Nadeln.

Im Anschluss an die Portraits ist eine Europakarte abgedruckt, auf welcher die im Buch erwähnten Botanischen Gärten eingezeichnet sind und ein Verzeichnis aller Institutionen mit Adressen und Internet-Adressen. Ein informatives und schön gestaltetes Buch, das Lust macht, den Hin- oder Rückweg zur nächsten Feriendestination mit einem in der Nähe liegenden Botanischen Garten zu verbinden.  



Karin Standler: 
Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa Team private plots, 2013


(*) Auflistung der im Buch vorgestellten Botanischen Gärten: Wien, Meise, Brünn, Berlin, Giessen, Karlsruhe, München, Stuttgart, Barcelona, Bordeaux, London, Zagreb, Padua, Rom, Ventimiglia, Leiden, Krakau, Bukarest, St. Petersburg, Uppsala, Laibach, Belgrad

21. August 2013

Evelyn Düll: Der Mörder mit dem grünen Daumen – Ein Kriminalroman mit vielen Gartentipps

Als Tom nach einem Weinfest mit seiner Schwester Sabine mit dem Velo nach Hause fährt, ahnt er nicht, dass eine seltsame Beobachtung auf einem vorbeifahrenden Laster voller Gräserschnitt und anderen Gartenabfällen, die er bei diffusem Licht in der Abenddämmerung macht, sein Leben in den nächsten vierzehn Tagen in ein spannendes, aber auch überaus gefährliches Abenteuer verwandeln wird.

Seit seinem Studiumabschluss vor einigen Monaten sucht der sechsundzwanzigjährige Tom Sauer erfolglos einen Job. Die Region um die Grossstädte Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg lässt ihn nicht los und diese Inflexibilität in Sachen Mobilität wirkt sich negativ auf seine Stellensuche aus. Immerhin verdient er als freier Mitarbeiter für die Lokalzeitung mit Texten ein wenig Geld. Nichtsdestotrotz ist er inzwischen recht frustriert und sein Selbstbewusstsein schwindet. Und nun führt die nächtliche Beobachtung, die er zunächst als Einbildung abgetan hat, auch noch zu wiederholten schrecklichen Alpträumen.

Mit Hilfe seiner Schwester findet Tom heraus, dass der Laster aus jener Nacht aufgrund des Logos einer Gärtnerei vor den Toren der Domstadt Speyer gehört und er erinnert sich, kürzlich in der Zeitung ein Stelleninserat derselben gelesen zu haben. Spontan beschliesst er, sich dort zu bewerben. Seine Trägheit der letzten Wochen ist mit einem Mal wie weggewischt und er möchte den ausgeschriebenen Job unbedingt erhalten, um dort persönlich Nachforschungen anstellen zu können. Sein Vorstellungsgespräch bei der etwas überfordert wirkenden Junior-Chefin Elfi Landgraf beginnt nicht gerade vielversprechend, doch er schafft es, eine Praktikumsstelle zu ergattern und er erfährt gleichzeitig, dass der Inhaber der Baumschule Landgraf seit vier Tagen spurlos verschwunden ist.

Toms eher dilettantischen Schnüffelaktionen bleiben nicht lange unbemerkt und er sieht sich gezwungen, Elfi seine wahren Motive für sein Interesse am Betrieb zu offenbaren. Er hat aber bereits herausgefunden dass der verschwundene Besitzer, der hobbymässig Rosen züchtet, nicht besonders beliebt ist und das Schnittgut einer Drachsensicheltanne ist eine Spur, der Tom nachgeht. Ausserdem hat er inzwischen sein Interesse fürs Grünzeug entdeckt. Plötzlich hat nicht mehr seine Schwester Sabine, die Biogärtnerin auf Öko-Trip, den grünsten Daumen in der Familie Sauer, sondern Tom eifert ihr nach.

Der Baumschulbetrieb scheint das Unglück anzuziehen. Neben dem Verschwinden des Chefs ereignen sich ein schwerer Unfall beim Schreddern und ein tödlicher Verkehrsunfall und damit ist die Serie an mysteriösen Todes- und Unglücksfällen noch nicht abgeschlossen.

Die Autorin und Diplom-Ingenieurin Gartenbau Evelyn Düll bettet in diesen Krimi mit etwas gar vielen Unglücken auf rund 180 Seiten fast unzählige Gartentipps ein - beispielsweise zu den Themen Erde aus Klärschlamm, Düngung, Bonsais, Rosenzucht, Teichbau, Gift, Schnecken und Kompostieren. Besonders gefallen hat mir, an einzelnen Buchstellen an unseren letztjährigen Aufenthalt in der Gegend dieser Erzählung erinnert zu werden.



Evelyn Düll: 
Der Mörder mit dem grünen Daumen – Ein Kriminalroman mit vielen Gartentipps 
Eigenverlag, 2012

17. August 2013

Elsemarie Maletzke: Wenn ich in den Garten geh – Ein Lesespaziergang durch Gärten und Parks

Haben Sie Lust auf einen angenehmen Lesespaziergang durch Gärten und Parks? Vielleicht auf einer bequemen Bank im kühlen Schatten eines Baums sitzend? Der Garten und die Sehnsucht nach dem verlorenen Eden waren schon immer ein beliebtes Thema für Dichter und Schriftsteller. Und so führt die Herausgeberin Elsemarie Maletzke in diesem Buch in sechs Kapiteln durch verschiedene Gärten und Parks in unterschiedlichen Jahrhunderten und steuert jeweils am Kapitalanfang eigene Gedanken bei.

Gegliedert ist die grosszügig mit Gemälden und Fotos illustrierte Publikation mit Texten von Bettina von Arnim über Christian Morgenstern und Walahfrid Strabo bis Caroline Wolzogen in die folgenden Abschnitte:

- Formale Gärten
- Englische Landschaftsgärten
- Kraut und Rosen
- Geliebte Bäume
- Willkommen und unerwünscht
- Jenseits der Gartenmauer

Wer hat wohl als Erster Rosen neben Lauch gepflanzt? Mit dieser Frage beginnen die einleitenden Sätze zum Kapitel „Formale Gärten“, in dessen Beiträgen hernach Eduard Möricke in ein Labyrinth, Karl-Philipp Moritz auf einen Ausflug nach Vauxhall und Heinrich Heine in die Tuilerien einladen. An anderer Stelle plaudert Karel Câpek über das Gefühl von Freiheit beim Laufen über Wiesen und welchen Einfluss auf den Charakter und die Weltanschauung diese Möglichkeit eröffnet, während er im „Gebet eines Gärtners“ seine Anweisungen für die perfekten Niederschlagsmengen in höhere Sphären weitergibt.

Johann Peter Hebel wiederum macht sich in einem engagierten Plädoyer für Maulwürfe stark. Er räumt mit Hilfe von detaillierten und eher unappetitlichen Details zum Mageninhalt derselben mit Vorwürfen auf, die den Insektenfresser als Wurzelfrevler verdammen. Der Nicht-Gärtner Gerald Durech seinerseits verfügt über eine ausgeprägte Schwäche für Schnecken und glaubt, diese auch lieben zu können, wenn sie seine Pflanzen fressen würden. Er ist sogar der Meinung, es sei eine Ehre, wenn sich welche im Garten tummeln. Na ja, es gibt erfreulichere Ehrbezeugungen. Mehr Verständnis bringt die Sofagärtnerin für die 76jährige Sidonie Colette auf, die eine eine Einladung ihres Schwiegersohnes ausschlägt, weil sie das unmittelbar bevorstehende Ereignis einer nur alle vier Jahre aufgehenden rosa Blüte an ihrem Kaktus nicht verpassen will.

Johann Christoph Heppe stellt verschiedene Gehölze von der Aalkirsche bis zur Quitschbeere und von der Hagebuche bis zum Machandel (Wacholder) vor, während Jane Austen auf die lästigen Seiten von Gemüsegärten hinweist, zu denen sie das Verfaulen der Vegetation, speziell von Kohlgewächsen im Oktober, zählt. Weiter liest man über Heilige Hallen (den ältesten deutschen Buchenwald), die architektonischen Narreteien namens „Follies“, von mit Ölfarbe angestrichenen Gebirgen aus Brettern und erfährt, dass die Anlagen von Wörlitz als Hintergrund für Goethes Wahlverwandtschaften dienten. Und derweilen in einem 1897 in der „Gartenwelt“ publizierten Artikel die Rede ist von der Vollkommenheit der Natur und von gelb blühenden Wiesen geschwärmt wird, weist die Herausgeberin auf die ausgeklügelten Strategien von Ranunculus und Co. hin, die schon manchen Gärtner an den Rand der Verzweiflung gebracht haben.

In „Willkommen und unerwünscht“ erfährt der Leser ein wenig über die persönlichen Vorlieben und Abneigungen von Elsemarie Maletzke selber. So missfallen ihr beispielsweise Eisbegonien und Heidekraut. Sie rät jedoch gleichzeitig, nie die Pflanzen anderer Gärtner zu beleidigen. Schliesslich lässt sich über Geschmack nicht streiten und sie vermerkt zugleich, dass der Natur aber tatsächlich nicht alle Blumen gleich gut gelungen sind.  



Elsemarie Maletzke: 
Wenn ich in den Garten geh – Ein Lesespaziergang durch Gärten und Parks 
Gerstenberg Verlag, 2013