16. Dezember 2010

Trauer, Hoffnung und Radieschen

Zehn Jahre nach der Gründung des Staates Israel kommt Gerschonas Vater mit einem „völlig neuen“ Grossvater und einem grünen Occasionswagen, einem Plymouth, von einer sechsmonatigen Reise nach Amerika zurück in den noch jungen Nahost-Staat. Gerschona hatte bis anhin keine Ahnung, dass sie einen Opa hat und der Plymouth ist das erste Auto in der Strasse, in welcher ihre Familie wohnt. Das Einzelkind Gerschona hat keine Freunde, fühlt sich sehr einsam und schämt sich nicht zuletzt für seinen Namen. Als die Nachbarskinder Gerschona anbieten, gegen eine Runde Mitfahren in Vaters Auto bei der Anlage eines gemeinsamen Gartenbeetes mitzumachen, möchte sie diese Gelegenheit unbedingt nutzen.

Leider springt der Wagen genau am ausgemachten Tag nicht an, so dass Gerschona weiter von den Aktivitäten der Gleichaltrigen ausgeschlossen bleibt. Die bereits besorgten Radieschen-Samen sät sie deshalb in einen Blumentopf und wartet ungeduldig auf die ersten Keimblätter. Während die Nachbarskinder schon bald die Sorgfalt zur Pflege des Gartenbeetes vernachlässigen, schaut Gerschona gewissenhaft nach dem Topf auf dem Fensterbrett. Ein ausgedienter Glacestängel dient als Mini-Spaten und gegossen wird in homöopathischen Dosen mit der Pipette von Omas Augentropfen.

Als sich trotz dieser guten Pflege nichts Sichtbares im Topf zu regen scheint und es im Beet ein paar Etagen weiter unten zu spriessen beginnt, zweifelt Gerschona an der Gerechtigkeit der Welt. Mitten in diese Gefühlsregungen fällt der Einzug eines Jungen ins Nachbarhaus, der das junge Mädchen sympathisch zu finden scheint.

Das Taschenbuch wird übrigens derzeit verramscht. Ich habe es im Jokers-Katalog entdeckt, in welchem es preisreduziert bestellt werden kann.



Nava Semel:
Trauer, Hoffnung und Radieschen
Fischer Taschenbuch Verlag, 2005