29. Oktober 2013

Sophie Kinsella: Göttin in Gummistiefeln

Diese romantische Komödie braucht fürwahr keine weitere Werbung. Das Buch war aber derart vergnüglich zu lesen, dass ich dem Bestseller aus dem Jahr 2006 doch einen Platz als Monatsend-Beitrag einräumen will. Denn da ein Gärtner wieder Ordnung in das plötzlich ausgebrochene Chaos in Samanthas Leben bringt, passt diese Empfehlung der Nachwuchs-Sofagärtnerin doch ganz gut in den Sofagarten.

Die begabte 29jährige Anwältin Samantha steht unmittelbar vor einem wichtigen Karrieresprung, der die Erfüllung ihres allergrössten Traumes bedeutet, als ein scheinbar folgenschwerer Anfängerfehler sie Hals über Kopf aus der Kanzlei Carter Spink fliehen lässt. Sie steigt ziellos in einen Zug und verlässt London. Erst in den Cotswolds verlässt sie die Bahn wieder, nichtwissend wo sie überhaupt gelandet ist.

Als sie in einem Haus nach dem Weg fragen will, wird sie für die Bewerberin der freien Stelle als Haushaltshilfe gehalten. Todmüde wie sie ist, schafft es Samantha nicht, die Verwechslung aufzuklären und kommt so zu einer Anstellung als Haushälterin. Sie, die kein Privatleben kennt und Tag und Nacht nur auf ihre Beförderung als Seniorpartnerin in der bekannten Anwaltskanzlei hingearbeitet hat, die keine freien Wochenenden, geschweige denn Ferien kennt, weder kochen, waschen, bügeln und putzen noch Knöpfe annähen kann und die Take-Away-Essen vom Chinesen und Pizza vom Italiener („mediterran“) zur gesunden Ernährung zählt.

Am nächsten Morgen möchte sie sich für die Freundlichkeiten ihrer Gastgeber revanchieren und ihre Arbeitskraft für einen halben Tag zur Verfügung stellen, dann das Missverständnis aufklären und wieder verschwinden. Doch dieses Vorhaben umzusetzen, stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Samantha weiss nicht einmal, wie der Toaster bedient werden muss und sie hat ganz allgemein überhaupt keine Ahnung, was für Tätigkeiten zum Jobprofil einer Haushälterin gehören. Und sie schafft es auch nicht, das Haus wieder zu verlassen, sondern unterschreibt tatsächlich einen Arbeitsvertrag, obwohl die Erledigung ihrer ersten haushälterischen Aufgaben in einem Fiasko enden.

Glücklicherweise hat die junge Frau einige finanzielle Rücklagen aus ihrer vorherigen Tätigkeit mit einem Stundenlohn von 500 Pfund. In der zweiten Arbeitswoche gibt’s sie bereits nur noch 200 Pfund für das Vertuschen ihrer Fehler - wie etwa verfärbte und zu heiss gebügelte Wäsche und Catering zur Rettung von missratenen Gerichten - aus und ist zuversichtlich, schon bald den wirtschaftlichen Turnaround zu schaffen.

Samantha, die immer geglaubt hat, der Job als Anwältin sei stressig, stellt sich allen ungewohnten Anforderungen und kommt immer besser mit ihren neuen Aufgaben zurecht. Gleichzeitig gewöhnt sie sich an ihre Freizeit, obwohl sie zuerst gar nicht abschalten kann, und daran, zwischendurch ganz einfach zu tun und lassen, was sie will. Und sie beginnt die zwischenmenschlichen Kontakte im Dorf zu schätzen. Denn Unterstützung in der Bewältigung ihrer Aufgaben – wer möchte schon Kichererbsen aus dem Ofen, Eier aus der Mikrowelle und Bratensauce mit Backpulver? – erhält sie im Gärtner Nathaniel und seiner überaus hilfsbereiten Mutter Iris.

Ihre Aufaben als Haushälterin erfüllt sie rasch dermassen zufriedenstellend, dass ihre Arbeitgeber ihr nahelegen, sich beruflich unbedingt weiterzubilden. Auch botanisch lernt sie dank Nathaniels Hilfe einiges. Während sie zuerst ein Geissblatt nur anhand des Dufts ihres Jo-Malone-Badeöls erkennt und zum ersten Mal Birnen am Baum hängen sieht, sieht sie sich plötzlich auch mit der Idee von der Eröffnung einer eigenen Gärtnerei (mit-)konfrontiert.

Schliesslich findet Samantha heraus, dass mit ihrem katastrophalen Fehler in der Kanzlei etwas nicht stimmen kann. Ist ihre Zukunft auf dem Land oder kann sie ihre Unschuld beweisen und sich rehabilitieren? Diese überaus witzige Lektüre mit leicht überzogenen Charakteren ist ein toller Seitenumdreher, der einen immer wieder laut lachen und die Zeit völlig vergessen lässt.  



Sophie Kinsella: 
Göttin in Gummistiefeln
Wilhelm Goldmann Verlag, 2006