26. Februar 2013

Tatjana Weih: Die Blumenfrau

Bei dieser Publikation handelt es sich um ein in der Grösse mittelformatiges Märchen für Erwachsene, das sich ausgezeichnet eignet als Mitbringsel statt oder vielleicht zusammen mit einem Blumenstrauss. Auf Doppelseiten ist jeweils rechts eine ganzseitige Illustration von Tatjana Weih abgebildet. Links findet sich ein kleiner Ausschnitt aus der gleichen Zeichnung und darum herum ist der Text angeordnet.

Erzählt wird vom Alltag einer unscheinbaren, zurückhaltenden Blumenhändlerin, die ein eigenes Geschäft in einem lebhaften Quartier am Stadtrand betreibt. Fräulein Rosa – so nennt sie ihr Blumenlieferant – stellt sämtliche Blumensträusse erst zusammen, wenn sie weiss, für wen diese bestimmt sind und aus welchem Grund sie verschenkt werden.

Oft ist die Floristin stundenlang allein im Laden und betrachtet die vorbeieilenden Passanten. Etliche davon gehören zu ihrem Kundenkreis und sie weiss viel Privates von ihrer vorwiegend männlichen Kundschaft. Nur von einem Mann, der regelmässig an ihrem Schaufenster vorbeiläuft, kann sich die Blumenfrau kein Bild machen. Da sie für ihn aber noch nie einen Blumenstrauss hat zusammenstellen dürfen, nimmt sie an, dass es keine Frau in seinem Leben gibt. Fräulein Rosa selber führt ein sehr zurückgezogenes Leben und gibt nichts von sich preis.

Mehr möchte ich nicht zum Inhalt verraten, sonst ist das Mini-Buch (23 Seiten) ja gleich in dieser Buchvorstellung fertig erzählt …

Die Zeichnungen sind sehr detailgetreu und passen ausgezeichnet zur Geschichte. Statt mich mit Beschreibungen zum Zeichnungsstil der Illustratorin abzumühen, empfehle ich ganz einfach einen Klick hierhin. 




Tatjana Weih: 
Die Blumenfrau 
Eigenverlag, 2006

22. Februar 2013

Inken Weiand: Liebesgrün – Jede Pflanze erzählt eine Geschichte

Neunzehn in sich abgeschlossene Kurzgeschichten mit hortikulturellem Hintergrund, "eingebeetet" in einen Gartenrundgang mit Sonja und ihrem Traummann Kilian, sind das gelungene Rezept für dieses abwechslungsreiche Menu, äh Geschenkbüchlein.

Sonja versucht in ihrem nach Frühsommer duftenden Garten den Mann ihrer Träume aus der Reserve zu locken. Den Garten hat sie von ihren Eltern übernommen und aus dem ehemals arbeitsintensiven Bauerngarten ihre private Oase geschaffen. Als bei Kaffee und Erdbeerkuchen keine ungezwungene Stimmung aufkommt – ist Kilian dermassen schüchtern oder ganz einfach völlig uninteressiert? – lädt Sonja ihren Gast zu einem Spaziergang durch ihr Paradies ein und erzählt bei einer ausgedehnten Führung passende Geschichten zu den unterschiedlichsten Pflanzen.

Da ist etwa Annika, die nach der Trennung von Thorsten ihren Garten aufräumen will. Die Symmetrie vor der Haustür und der englische Rasen sollen samt ihrem Ex-Partner aus ihrem Leben verschwinden. Um die entstandenen Lücken zu füllen, bestellt sie bei einem Pflanzenversand telefonisch Rosensträucher und Schneeglöckchen. Und nicht zuletzt wegen der tiefen und überaus sympathischen Stimme am anderen Ende des Drahtes ordert sie immer mehr Grünzeug.

Oder man liest von Valerie, ihrer schwierigen Schwiegermutter und einem Unkrautmenu, kontaktfördernden Zucchetti-Rezepten, einem die Paar-Harmonie entzweienden Wellness-Garten und der Erkenntnis, dass nicht alle Pflanzen abgestorben sein müssen, die nach einem kalten Winter nicht gleich wieder austreiben. Weitere Themen sind Tannenbäume, eine Rosenfee, ein Drachenbaum, Schnecken und ein Tor in der Hecke.

Neben romantischen Geschichten gibt’s auch Lustiges und nachdenklich Stimmendes zu lesen sowie zwei Kurzkrimis. Und dass die Autorin Erfahrung mit Gärtnern hat, ist nicht zu übersehen bzw. -lesen.  



Inken Weiand: 
Liebesgrün – Jede Pflanze erzählt eine Geschichte
Stories & Friends Verlag, 2013

18. Februar 2013

Alyse Carlson: The Azalea Assault – A Garden Society Mystery

“Garden Delights”, Amerikas führende monatliche Publikation für Gartenliebhaber, plant einen achtseitigen grosszügig illustrierten Artikel über die schönsten Gärten in Roanake, Virgina. Dieser PR-Coup ist Camellia Harris, genannt Cam, gelungen. Die engagierte Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit der Roanake Garden Society hat es sogar geschafft, dass der weltbekannte Fotograf Jean-Jacques Georges die spektakulären Gärten von ihrer besten Seite ablichtet. Unterschlupf finden die Gäste aus der Medienwelt während ihrem dreitägigen Aufenthalt in Roanake bei der Präsidentin und beim Gründer der Roanake Garden Society.

Doch nicht nur die hiesigen Gartenanlagen sind beachtlich. Virginias ganze Pflanzenwelt ist gleichzeitig blühend in einer Reihe von Gewächshäusern zu bestaunen. Dank raffinierter Technik und Berücksichtigung der speziellen Bedürfnisse der Pflanzen können gleichzeitig Frühlings-, Sommer- und Herbstblüher bewundert und fotografiert werden (ach, was es in Büchern nicht alles zu lesen gibt…).

Leider entpuppen sich die Manieren des angesehenen Fotografen als nicht annähernd so perfekt wie dessen hervorragenden Bilder. An der Willkommensparty beklagt er sich nicht nur lautstark über seine Aufgabe, langweilige Blumen fotografieren zu müssen, sondern er beleidigt auch verschiedene der anwesenden Gäste. Am nächsten Tag wird der unfreundliche Zeitgenosse ausgerechnet unter blühenden Azaleen tot aufgefunden.

Dieser Mord kommt den Verantwortlichen der Gartenzeitschrift völlig ungelegen, da sie schlechte Publicity befürchten. Cam, ganz professionelle Werbefachfrau, versucht das Projekt mit dem Hinweis zu retten, dass Skandale umsatzsteigernd wirken und erhält tatsächlich die Gelegenheit, sofort einen Ersatzfotografen zu engagieren. Sollte dies nicht rasch möglichst gelingen, droht die „Garden Delight“-Crew abzureisen.

Und als hätte Cam nicht schon genung um die Ohren, gerät auch noch ihr Schwager unter Tatverdacht und ihr eigenen Freund, der Reporter Rob, wittert eine heisse Titelstory. So sieht sie sich gezwungen, selber in Roanake herumzuschnüffeln und entdeckt dabei ein von der Polizei übersehenes mobiles Telefon und alte Verbindungen des Mordopfers zu einer Gastgeberin. Da passiert noch ein zweites Verbrechen...

„The Azalea Assault“ ist der erste Garden-Society-Krimi in einer neuen Reihe mit hortikulturellem Hintergrund. Die Detektivin und ihre Schwester tragen sogar passende florale Namen: Camellia und Petunia. Im Mai 2013 erscheint das zweite Buch mit dem Titel „The Begonia Bribe“.



Alyse Carlson: 
The Azalea Assault – A Garden Society Mystery 
Berkley Prime Crime/Penguin Group, 2012

14. Februar 2013

Serdar Özkan: Die Stimme der Rose

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter ist nichts mehr in Dianas Leben wie es vorher war. Die junge Frau fühlt sich völlig antriebslos, nicht einmal die Feier zum Abschluss ihres Studiums mag sie besonders interessieren. Und jetzt erfährt sie auch noch aus einem Brief der Mutter, den sie erst nach deren Ableben lesen durfte, dass sie eine Zwillingsschwester haben soll und einen letzten Wunsch ihrer Mutter erfüllen soll. Doch der Gedanke an diese bis anhin unbekannte Schwester Mary, die sie als „Mutterdiebin“ empfindet, beraubt Diana ihrer letzten Energiereserven.

Diana ist Erbin einer internationalen Hotelgruppe und sonnt sich gerne in der Bewunderung von (sogenannten) Freundinnen und Freunden. Das Jurastudium hat sie gewählt, weil ihr der Mut fehlte, ihren Traum zu verwirklichen und Schriftstellerin zu werden. Nachdem sie sich monatelang zurückgezogen hat, rafft sie sich schliesslich auf, den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen. Vier verschieden farbige Briefumschläge weisen ihr den Weg. Sie erfährt, dass Mary nach ihrer eigenen Rückkehr aus einem ganz besonderen Rosengarten selber Rosen gezüchtet hat, die ihr Zimmer mit Düften erfüllten und eine leichte Brise verbreiteten. Und plötzlich begann eine Rose zu sprechen, so als komme die Stimme aus Marys Kopf.

Die Briefe ihrer Schwester lassen Diana vermuten, dass deren Geist ziemlich verwirrt ist. Wer glaubt denn schon an sprechende Rosen und Atemgeräusche derselben? Doch Diana überwindet ihre Vorbehalte. Ihre abenteuerliche Reise führt sie in den Orient, in einen Rosengarten, wo sie in Marys Spuren wandelt und schliesslich den Weg findet zu ihren ureigenen Herzenswünschen.

Dianas erster Anhaltspunkt ist ein Palast in der Türkei. Neben dessen Mauer ein kleines Hotel stehen soll, dessen Besitzerin Mary einst gelehrt hat, die Stimme der Rose zu hören.Was erwartet Diana im Rosengarten und welche Rolle spielt ein Bettler auf ihrem Lebensweg? Schafft sie es, ihren Geist zu öffnen? Diana hat verschiedene eindrückliche Begegnungen und erhält Lektionen, in denen sie erfährt, dass Unmögliches nicht durch Wunder passiert, sondern durch Beharrlichkeit und dass die grösste Eigenschaft der Rosen ist, in Harmonie zu leben. Egal, welcher Herkunft sie sind und welche Farbe oder Grösse sie haben und dass sie keinen Streit, keine Eitelkeit und keine Eifersucht kennen.

Dieses kluge und berührende Büchlein wird mit Antoine de St. Exupérys „Der kleine Prinz“ verglichen und die Lektüre desselben spielt auch auf Dianas Weg zu ihrem eigenen Ich eine prägende Rolle. Ich muss mir unbedingt gelegentlich ein deutsches Exemplar von „Le Petit Prince“ zulegen. Meine Französisch-Kenntnisse sind wohl inzwischen zu kümmerlich, um die hier liegende Originalausgabe wieder einmal zu lesen (und zu verstehen).



Serdar Özkan: 
Die Stimme der Rose 
Blanvalet Verlag, 2007

10. Februar 2013

Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (Hrsg.): High & Low – Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag (Topiaria Helvetica 2013)

Das Jahrbuch 2013 der Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) lotet die Grenzen aus zwischen Hoch- und Populärkultur im Gartenbereich. Als Beispiele dienen dabei unter anderem der Gletschergarten Luzern, Familiengärten oder "Chinampas", eine Art Kleingartentradion aus dem Alten Mexiko.

Warum präsentieren sich Michelle Obama und Angela Merkel gerne im Garten? Weshalb sind Kleingärten bei jüngeren Leuten immer beliebter und aus welchem Grund erfreuen sich Gartenfestivals steigender Beliebtheit? Was ist elitär, was populär und wo liegen Konfliktpotentiale?Annemarie Bucher setzt sich in ihrem Beitrag mit dem Titelthema „Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag“ auseinander. Sie stellt Künstlergärten oder sogenannte Gegenwelten vor und gibt einen kurzen Einblick in die Geschichte der Gartenzwerge und der Blumenuhr. Dabei stellt sie fest, dass die beiden letzteren nicht eindeutig dem Kitsch oder der Kunst zuzuordnen sind und die von der Gartengestaltung und den Gärten ausgehende Botschaft häufig keine individuelle ist, sondern eine dem zeitgenössischen Geist und der Mode entsprechende.

Der Bidergarten über Langenbruck, dem höchstgelenen Dorf im Kanton Basel-Landschaft, entstand im Rahmen einer Umgebungsgestaltung, als in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Tourismusgeschäft aufgebaut wurde, das neue Einnahmequellen erschliessen sollte. Inzwischen sind viele Bauwerke verschwunden oder dem Zerfall ausgesetzt. Das ursprüngliche Konzept ist längst überholt bzw. einem überwachsenen, aber nicht weniger attraktiven Waldgarten gewichen. Johanna Strübin hat die Entwicklung und den Niedergang dieses Gartens im Auftrag der zuständigen Denkmalpflege analysiert und aufgrund dieser Recherchen diesen Artikel verfasst.

Über den Einfluss von Überschwemmungen, Friedenszeiten und die Verbindung von Wohlstand auf das Selbstbewusstsein und die Traditionen in der Bauerngartengestaltung liest man in der Würdigung des vor rund hundert Jahren erschienenen Büchleins „Der alte Bauerngarten“ von Hermann Christ. Niklaus von Fischer vergleicht das Emmental und das Seeland miteinander und geht auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und äusseren Einflüsse ein. Der Autor Christ hatte sich seinerzeit mit den sogenannten Hausväterbüchern auseinandergesetzt und die Geschichte des Bauerngartens aufgearbeitet. Gleichzeitig prägte er die nachfolgenden Generationen an Bäuerinnen und (falsche) Interpretationen führten und führen auch heute noch zu ganz speziellen "Bauerngartenneuschöpfungen“.

Gabi Lerch schliesslich berichtet über eine traditionelle, aber nicht mehr häufig praktizierte Anbauweise, genannt Chinampas in Mexiko. Sie betont, dass es sich dabei nicht wie vielfach falsch bezeichnet um „schwimmende Gärten“ handelt, sondern um künstliche Inseln im See, die durch eine ganz spezielle Technik der Landgewinnung entstehen und nur über Wasserstrassen erreichbar sind. Auf diesen so gewonnen sehr fruchtbaren Parzellen werden Früchte, Gemüse und Blumen angebaut.

Weitere Beiträge befassen sich mit der Frage, ob Schweizer Kleingärtner etwas mit Schreber, auf den der Ausdruck Schrebergarten zurückgeht, zu tun haben wollen (Gert Gröning), dem Gletschergarten Luzern, Gartenkunst zwischen Tourismus und Populärwissenschaft (Johannes Stoffler) und einem Avant-Garten der Avantgarde (Suzanne Krizenecky). In der SGGK-Vitrine ist der botanische Garten Genf ein Thema und man erfährt vom Familiengartenglück über Zürich und dem Anpassen von Clemens Bornhausers Wünschen an die Diskrepanzen, sprich dem Loslassen vom mediterranen Gartentraum und dem Sich-Anpassen an die windigen Verhältnisse. Der Tagungsbericht „Gartenerbe – Zur Erhaltung historischer Gartenanlagen trotz Eigentümerwechseln“ und diverse Buchbesprechungen runden die interessante Publikation ab.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2013 – High & Low – Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag 
Vdf Hochschulverlag, 2013

6. Februar 2013

Gerald Hammond: Down the Garden Path

May Forsyth arbeitet seit bald drei Jahren in dem bekannten Garten von Cannaluke Lodge in der Nähe von Inverness. Das hortikulturelle Bestreben der jungen Schottin gilt einer schönen Gestaltung mit farblich abgestimmten saisonalen Blühhöhepunkten. Zu ihrem Job gehören aber auch die saubere Aufzeichnung ihrer Aussaaten, Pflanzungen und sonstigen gärtnerischen Tätigkeiten in Tagebüchern sowie die Dokumentation anhand von Skizzen und Fotos.

Die Endzwanzigerin ist zunächst etwas skeptisch, als sie durch Besitzerwechsel von Cannaluke Lodge neuen Arbeitgebern unterstellt ist. Ihre Vorbehalte erweisen sich jedoch als unbegründet und lösen sich in Luft auf, als der neue Eigentümer ihr zu verstehen gibt, dass in erster Linie der schöne gepflegte Garten den Ausschlag zum Erwerb des Anwesens gegeben hat. Und mit der neuen Besitzerin versteht sich May nach einem zunächst ungünstigen Start besonders gut und sie nimmt deshalb auch gerne deren Einladung zu einer kleinen Party an.

Der Abend in netter Gesellschaft ist sehr angenehm. Und als schliesslich spontan die Idee aufkommt, einen vor Mays Stellenantritt als Gärtnerin viel zu nah am Haus gepflanzten Riesenmammutbaum sogleich zu fällen, weil einer der Gäste mit einem grossen Fahrzeug angereist ist, macht sich die schon etwas angeheiterte Gesellschaft eifrig an die Arbeit. Die fröhliche Stimmung kommt aber zu einem abrupten Ende, als zwischen den Wurzeln des Gehölzes eine Leiche entdeckt wird.

Bis die Gerichtsmediziner festgestellt haben, dass es sich bei dem Toten um Joe Scott, den früheren Gärtner von Cannaluke Lodge handelt, der schon seit längerer Zeit vermisst worden war, brodelt die Gerüchteküche in der Umgebung, Die Gartentagebücher erweisen sich in der Folge bei den Ermittlungen wiederholt als sehr hilfreich. Doch was genau ist vor drei Jahren passiert und wo steckt die zweite vermisste Person, die Tochter der Vorbesitzer des Anwesens?

Mays Spaniel findet schliesslich im weitläufigen Garten ein zweites verstecktes Grab und die engagierte Gärtnerin wird deshalb ein zweites Mal durch die Polizei von ihrer Arbeit abgehalten. Sie versucht, mit Absperrband die Schäden durch die Ermittler im Garten zu limitieren. Wenn diese nämlich den Tatort absperren können, um Eindringlinge fernzuhalten, muss es doch auch gelingen können, die Polizisten mittels Absperrband daran zu hindern, ausserhalb des Tatortes überall in die Beete zu trampeln!

Gartentipps sind immer wieder Teil der Lektüre - etwa wie Ramblerrosen geschnitten werden sollen oder Empfehlungen zur Pflanzung von duftenden Winterblühern. An einem der Leichenfundorte geben ausserdem die Pollen von Rhododendron Rätsel auf, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen, aber nicht mit den verschiedenen Zeitpunkten des Verschwindens der beiden Vermissten übereinstimmen.  



Gerald Hammond:
Down the Garden Path
Servern House Publishers, 2004

2. Februar 2013

Monika Zybon-Biermann: Hexenbesen und andere Zwerge – Bonsais aus der Natur, die von allein klein bleiben

Beim Spazieren und Walken muss ich in letzter Zeit immer wieder mal aufpassen, dass ich nicht über Wurzeln oder meine Füsse stolpere, da ich vermehrt den Blick in Richtung Baumwipfel richte, um vielleicht einen Hexenbesen zu entdecken. Hexenbesen? Diese kleinwüchsigen Gehölze haben nichts mit Hokuspokus gemeinsam, sondern es handelt sich um Knospenmutationen, die diese Naturbonsais hervorbringen. Monika Zybon-Biermann hat sich für ihr im Eigenverlag produziertes Buch „Hexenbesen und andere Zwerge“ aufgemacht, die Faszination und die Beweggründe derer auszumachen, die nicht selten und oft ungesichert über dreissig Meter den Baumstamm heraufkraxeln, um an ihre grüne Beute zu kommen. Dieser interessante Buchtitel ist übrigens die erste nicht-wissenschaftliche Publikation zu diesem Thema.

Ein Hexenbesenjäger sucht in Kronenhöhe nicht nach Wucherungen, die durch Pilze oder Viren verursacht worden sind. In sein Beuteschema gehören andere Veränderungen, nämlich solche, die durch Mutationen dauerhaft bestehen bleiben. Und die Natur hat es so eingerichtet, dass sogar auf diesen kleinen Zwergen noch kleinere Knospenmutationen entstehen können. Besonders viele kleinwüchsige Schätze wachsen dort, wo es viele verschiedene Bäume gibt, etwa in Parks oder Baumschulen. Ein Jahreszuwachs von fünf Zentimetern gilt bereits nicht mehr als schwachwüchsig. Die Naturbonsais passen deshalb ihrer Wuchsform entsprechend gut in Steingärten und finden vielleicht in Zukunft im einen oder anderen Garten einen Platz in der Gestaltung als Buchsbaumersatz.

In ausführlichen Portraits stellt die Autorin Hexenbesensammler vor und der Leser bekommt Einblick in die spezielle Leidenschaft von Günther Eschrich, Werner Wüstemeyer, Uwe Horstmann, Jörg Kohout und der zu Jeddelohs. Nur wenige Menschen frönen diesem Hobby und man kennt sich untereinander. Oft wird die ganze Familie eingebunden und potentielle Jagdgebiete sind identisch mit den Urlaubsorten. Und Toleranz ist gefragt, wenn die frisch ergatterten Reiser den Lebensmitteln im Kühlschrank des Wohnmobils den Platz streitig machen.

Im Übrigen ist Erfindungsreichtum von Nutzen. So versucht einer der Sammler mit einer Spezialkonstruktion Marke Eigenbau, dem sogenannten Kofferraumgestänge, den in den Wipfeln entdeckten kleinen grünen Schätzen habhaft zu werden. Denn ist ein Objekt der Begierde gesichtet und in Griffnähe, ist die Beute noch längst nicht im trockenen. Oft bleiben die Reiser beim Herabwerfen zwischen den Ästen hängen oder es ist auch schon vorgekommen, dass ein zufällig vorbeilaufender Passant vom Grünzeug am Kopf getroffen worden ist. Und auch wenn ein Baum mit einem Hexenbesen, der einem früher in grosser Höhe ins Auge gestochen ist, plötzlich gefällt am Boden liegt, ist die Ernte nicht viel einfacher. Denn auch die Suche nach Naturbonsais im Gewirr von ineinander verhakten Ästen ist nicht weniger mühsam.

Im letzten Drittel des Buches wird in Pflanzenportraits auf die Pflege der Zwerge eingegangen und man erfährt Wissenswertes über Herkunft, Entdeckung und Namensgebung. Hexenbesen finden sich nur selten auf Laubbäumen. Die Mehrheit der Portraits handeln deshalb von Immergrünen wie Zeder, Nordmanntanne, Pinie, Zirbelkiefer (Arve), Fichte und Sicheltanne.

Die abenteuerliche Hexenbesenjagd ist eine Passion für Idealisten und keineswegs eine Goldgrube oder ein einfaches lukratives Geschäft, um schnell viel Geld zu verdienen. Nicht nur die Jagd nach Hexenbesen ist eine Herausforderung, auch die Vermehrung der Reiser ist schwierig und Misserfolge fast an der Tagesordnung. Eine Produktion ist nur in kleinen Mengen möglich, weil von kleinen Mutterpflanzen nur wenige Reiser abgeschnitten werden können.

Dieses erste populäre Buch über Hexenbesen hat die Autorin wie oben kurz erwähnt in eigener Initiative herausgebracht, was sich natürlich auch im Verhältnis von Preis und Ausstattung niederschlägt. Monika Zybon-Biermann zeichnet dabei nicht nur für die Texte sondern auch für die zahlreichen speziellen Illustrationen verantwortlich, die aus Kombinationen von mit Zeichnungen ergänzten Fotos bestehen. Teilweise hätte ich mir aussagekräftigere, manuell unbearbeitete „Nur-Fotos“ gewünscht, insbesondere bei den Pflanzenportraits.

Vermisst habe ich ein paar Worte zum Rechtlichen bei der Hexenbesenjagd. Aus den Berichten geht hervor, dass zu den Jagdgebieten insbesondere auch Gehölzsammlungen wie botanischen Gärten, Aboreten und Nationalparks gehören. Wird vor dem Entnehmen der Reiser oder ganzer Hexenbesen jeweils der Besitzer um Erlaubnis gefragt? Bei der Lektüre hatte ich eher den gegenteiligen Eindruck. Und für eine allfällige Nachauflage dieseses Buches im A4-Format würde ich einen strapazierfähigeren Buchumschlag (relativ dünner Karton) empfehlen.

Bisher habe ich mit meinem Blick in die Baumkronen keinen Erfolg verzeichnen bzw. keinen Hexenbesen entdecken können. Dafür habe ich kürzlich an einem Vortrag über Baumriesen in Europa ganz genau hingehört, als ein Hexenbesen auf einem in Rafz gefällten Baum erwähnt wurde. Und vielleicht lassen sich ja genauere Informationen zum im Buch erwähnten Mammutbaum mit Hexenbesen in Konstanz erfahren und ich kann diesen bei Gelegenheit mal bestaunen.  



Monika Zybon-Biermann: 
Hexenbesen und andere Zwerge – Bonsais aus der Natur, die von allein klein bleiben
Eigenverlag, 2011