10. November 2016

Wie weiter im Sofagarten?

Seit fast einem Jahr sind hier im Sofagarten ausschliesslich vorgebloggte Artikel über längst gelesene Gartenromane und Gartenkrimis, deren Vorstellung ich aus verschiedenen Gründen immer wieder vertagt habe und an deren Inhalt ich mich oft kaum noch erinnern kann, regelmässig alle zehn Tage veröffentlicht worden. Ende Oktober habe ich nun meine zweijährige berufliche Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen und gleichzeitig sind sämtliche vorgebloggten Artikel inzwischen online. 

In den ersten Novembertagen habe ich mit „Nora und die Novemberrosen“ von Tania Krätschmar den perfekten Wiedereinstieg ins Sofagärtnern genossen. Und zwar ganz ohne Dekorieren des Romans mit Post-it-Zetteln, was gleichbedeutend ist mit der Tatsache, dass es hier keine ausführliche Buchvorstellung geben wird. Nur so viel zum Inhalt: der Roman ist die annähernd vollkommene Lektüre für gärtnernde Leserinnen und lesende Gärtnerinnen. Selten lässt sich Buch finden, dessen hortikultureller Hintergrund dermassen ausgeprägt ist, und gleichzeitig einen anregenden Lesegenuss bietet, inklusive einem Hauch von „The Lost Gardens of Heligan“. Letzteres übrigens gleichzeitig eine weitere Erscheinung dieses Bücherherbstes über die Wiederentdeckung eines Gartenparadieses in Cornwall, die nun endlich auch in einer deutschen Übersetzung erhältlich ist (Tim Smit, Lost Gardens of Heligan - Die Wiederentdeckung eines Gartenparadieses in Cornwall, Ulmer). 

"Das Licht des Sommers" von Elin Hildebrand hat mir trotz Parallelen zu meinem eigenen Leben deutlich weniger gut gefallen. Dabei heisst es auf der Rückseite des Buchumschlags vielversprechend: "Graces Stauden fingen an zu spriessen, ihre Zwiebelgewächse - Narzissen, Hyazinthen, Tulpen - blühten, und ihre japanischen Kirschen hatten Tausende von Knospen. Zwei Wochen noch, und die Bäume würden ..."(Zitat Ende). Ebenfalls abrupt beendet wurde meine Vorfreude auf den neuen Harry Potter. Zwar war mir durchaus bewusst, dass es sich um ein Theaterstück handelt, dass aber das Buch auch in dieser Form geschrieben ist, hatte ich mir leider beim Kauf nicht überlegt. Ich war also ziemlich enttäuscht, als ich nach der letzten Prüfung mit der Lektüre dieses ersten Nicht-Schul-Buchs seit gefühlt ewigen Zeiten anfing und habe es ungelesen aus meiner Sichtweite verbannt. Im Moment lese ich gerade "Auch mogen werden Rosen blühen" von Clara Sternberg. 

Nach mehr als dreissig Jahren intensivem Gartenbuchlesen weiss ich meistens spätestens nach dem Lesen der ersten paar Buchseiten, ob mir die Lektüre zusagen wird oder nicht. Es lässt sich nicht leugnen, dass sich mit den Jahren eine gewisse Ermüdung und Ernüchterung breit gemacht hat. Denn die Inhalte und Themen der einschlägigen Gartenbücher wiederholen sich doch immer wieder und wer mag schon immer wieder das Gleiche lesen? Auch während der letzten Monate habe ich trotz deutlichem Hinweis im Blog immer wieder Anfragen und Angebote für Buchvorstellungen erhalten und mir wurden auch direkt ungefragt Rezensionsexemplare von Büchern und Kalendern zugestellt. Während ich mir früher immer die Zeit genommen habe, solche Emails ausführlich und persönlich zu beantworten, habe ich inzwischen davon absehen müssen – mein Tag hat auch nicht mehr als vierundzwanzig Stunden, und wer im Blog herumstöbert, stellt ja recht schnell fest, welche Bücher hineinpassen (zumindest, wer etwas weiter als die letzten paar Monate zurückgeht) und welche nicht. 

In letzter Zeit erscheinen immer mehr – häufig doch recht oberflächliche Gartenbuchvorstellungen (sorry, aber meine persönliche Meinung) - im Netz, oft verbunden mit einer gleichzeitigen Buchverlosung, welche die Besucherfrequenz auf den entsprechenden Blogs erhöhen soll. Je mehr über ein (Garten-)Buch bereits im Internet geschrieben worden ist, desto weniger Lust habe ich, mir die notwendigen Gedanken über Formulierungen zu machen, bis eine Vorstellung meinen eigenen Ansprüchen genügt. Meine Zeit fürs Sofagärtnern investiere ich lieber in die Lektüre und Bekanntmachung von Titeln, die man nicht in jeder Buchhandlung unter den wenigen aufgelegten Gartenbüchern findet. Schliesslich ist ein Buch gewöhnlich nicht in einer Stunde genau durchgelesen, dazu kommt dann noch die Zeit für das in Worte Kleiden der Gedanken und Notieren der Beiträge. Ausserdem habe ich vor Jahresfrist mein Arbeitspensum deutlich erhöht. 

Ich werde die Bloggerei zwar (zumindest vorerst) nicht ganz aufgeben, aber aus den oben erwähnten Gründen doch deutlich reduzieren, sowohl umfangmässig als auch inhaltlich. Und ich werde voraussichtlich von meinem langjährigen Vorsatz abweichen, keine Buchcovers zu verlinken. Bis anhin habe ich im Blog konsequent auf Bilder verzichtet. In Zukunft werde ich also gelegentlich Bilder statt Worte sprechen lassen. Auf jeden Fall mache hier im Sofagarten aber bis mindestens Ende Jahr Pause und widme meine durch die weggefallene Lernzeit wiedergewonnene Freizeit einem anderen Projekt.

1. November 2016

Joan Hessayon: Season of Mists

Mit grossen Hoffnungen und Träumen ist die einundzwanzigjährige Edwina Fairfax nach Bishop Council gekommen und mit dem hehren Ziel, die Bäume von Essex für künftige Generationen zu erhalten. Gleichzeitig wollte sie möglichst viele Kilometer zwischen sich und ihre Familie legen und dieser zeigen, dass sie auch ohne deren Hilfe zurechtkommt. Verschiedene berufliche Fehlentscheide lassen sie jedoch schnell inkompetent erscheinen und sie muss erfahren, dass ihre auf ein Jahr befristete Stelle nicht wie erhofft in ein definitives Arbeitsverhältnis umgewandelt wird. Einzig die Stunden, in denen die Baumpflegespezialistin ihr Wissen an Schüler weitergeben darf, stossen auf Interesse und verschaffen ihr selber Befriedigung. Ob das daran liegt, dass sie aus einer Lehrerfamilie stammt?

Für Edwina kam ein Indoor-Beruf nie in Frage. Sie möchte unbedingt draussen und mit Bäumen arbeiten. Warum ordnet sie trotz ihrer guten Ausbildung immer wieder falsche Massnahmen an, lässt Bäume unnötigerweise fällen und definiert dafür gefährliche Exemplare als unbedenklich? Sie möchte jeden weiteren Fehler vermeiden und betritt unbefugt das vernachlässigte Arboretum des Landsitzes Gorham House, um sich in Ruhe auf ihre nächste Tätigkeit vorzubereiten. Dabei beobachtet sie den Abtransport von Gartenskulpturen, während sie sich erfolgreich darauf konzentriert zu verhindern, dass sie entdeckt wird.

Als sie später erfährt, dass es sich bei dieser Aktion um Diebstahl gehandelt hat, behält sie ihre Beobachtungen für sich, um sich nicht noch mehr beruflichen Ärger einzuhandeln. Nachdem ihr Freund Felix Trant, ein lokaler Polizist, von ihren Beobachtungen erfährt, wirft er ihr Illoyalität vor und Edwina steht auch privat vor einem Scherbenhaufen. Zusätzlich fühlt sie sich von den unheimlichen Bewohnern von Gorham House bedroht. Der Hausherr Leo Midnight schüchtert sie mit seiner Ähnlichkeit zu ihrem Vater ein und seine schöne junge Frau Cassandra entpuppt sich als ehemalige Freundin von Felix.  



Joan Hessayon: 
Season of Mists 
Corgi Books, 2001