20. März 2016

Santa Montefiore: The Mermaid Garden oder Der Zypressengarten

Zwei Handlungsstränge führen durch diesen Roman. Mitte der sechziger Jahre im letzten Jahrhundert versucht das Mädchen Floriana immer wieder, durchs Tor einen Blick auf das Gelände „La Magdalena“ zu werfen, das einer der reichsten italienischen Familien gehört. Gut versteckt hinter hohen Hecken liegt ein wunderschöner, aber für sie unerreichbarer Garten. Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Floriana stellt sich immer wieder vor, sie selber spaziere in wunderschönen Kleidern zusammen mit ihrer Mutter über die Kieswege, vorbei an Marmorstatuen, riesigen Pinien, perfekt geschnittenem Buchs und einem ummauerten Gemüse-Garten.

Die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Das junge Mädchen lebt allein mit seinem alkoholkranken Vater, der rein gar nichts auf die Reihe kriegt. Die Mutter hat Mann und Tochter zusammen mit Florianas jüngerem Bruder schon vor Jahren verlassen. Sie ist mit einem Tomatenverkäufer durchgebrannt und hat den Kontakt zur Familie rigoros abgebrochen.

Eines Tages wird das Mädchen von Dante, dem Sohn des Hauses, überrascht und in den Garten gebeten. Daraus entsteht eine jahrelange Freundschaft und Floriana ist trotz ihrer gar nicht standesgemässen Herkunft zusammen mit ihrer Freundin aus adeligem Haus ein regelmässiger und gern gesehen Gast.

Im Jahr 2005 versucht die verzweifelte Mitfünfzigerin Marina alles, um ihr geliebtes Hotel Polzanze, das sich in finanzieller Schieflage befindet, attraktiver zu machen. So wird ein Künstler engagiert, der während den Sommermonaten interessierten Gästen Malstunden geben soll. Das idyllisch gelegene Hotel, das sich seit achtzehn Jahren im Besitz der gleichen Familie befindet, ist von exotischen Bäumen umgeben und mit Weinreben berankt. Idyllische Motive gibt es also in Hülle und Fülle, doch die Meinungen über den Nutzen der Anstellung eines Künstlers sind geteilt. Der engagierte Argentinier kommt nicht nur bei den Gästen sehr gut an. Doch nicht nur er trägt ein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herum.

Von Sante Montefiore habe ich das Buch "The French Gardener" in sehr positiver Erinnerung. Dieses Buch hingegen hat mich über weite Teile gelangweilt. Die Handlung ist weitgehend vorhersehbar, erst gegen Schluss hat mich die Erzählkunst der Autorin wieder mehr überzeugt.  



Santa Montefiore: 
The Mermaid Garden 
Touchstone, 2012 

Der Zypressengarten 
Weltbild Verlag, 2013

10. März 2016

Michael K. Chapman: A Fly on the Garden Wall or the Adventures of a Mobile Gardener

Zwei Arbeitslose ohne grosse Hoffnung auf eine neue feste Anstellung beschliessen nach ein paar getrunkenen Bieren, ein eigenes Geschäft auf die Beine zu stellen, um endlich reich zu werden. Anscheinend sind weder besondere Fähigkeiten noch Erfahrungen vorhanden, ja der Autor schreibt sogar von mangelnder Intelligenz. Der Anblick ungepflegter Gärten in der Umgebung führt schliesslich zur Idee, sich als mobile Gärtner zu betätigen.

Das Startkapital ist dürftig und besteht aus einem Fahrzeug, einem Rasenmäher, rostigem Werkzeug und zwei mehr oder weniger motivierten Männer, von denen einer über wenig und der andere nahezu über kein hortikulturelles Basiswissen verfügt. Diese Prämissen in Kombination mit einem britischen Autor lassen ein humoriges englisches Buch erwarten. Leider ist dem nicht so, da diese Publikation aus dem Eigenverlag durch die Überarbeitung durch ein professionelles Lektorat nur gewinnen könnte. Schon die Anzahl der am Anfang des Buches aufgeführten Kapitel stimmt nicht mit dem eigentlichen Inhalt überein.

Aber zunächst wundert sich die Leserin ob der Blauäugigkeit mit der hier ans Werk gegangen wird und fragt sich mehr als einmal, ob die Geschichten vielleicht nicht doch erfunden sind. Der Zeitpunkt der Unternehmensgründung ist eher suboptimal. Es ist nämlich Herbst, als der „Green Fingers - Mobile Gardening and Landscaping Service“ seine Tätigkeit aufnimmt.

Der Geschäftspartner zieht sich schon im ersten Winter wieder zurück, weil die Tätigkeiten sich als zu anstrengend und zu unbequem herausstellen. Damit ist auch das gärtnerische Wissen aus dem Betrieb verschwunden, denn der Ich-Erzähler kennt zwar Löwenzahn, kann aber praktisch kein Unkraut vom anderen unterscheiden  und hat auch keine Ahnung, welche Sämlinge er stehen lassen soll. Die Aufträge (Anzahl steigend) müssen trotzdem erledigt werden, so dass eine Hilfskraft eingestellt wird, deren Wissen über Grünzeug jenes des Vorgesetzten tatsächlich noch unterschreitet. Aber beide Männer sind grosse Chrampfer und so begleitet die Leserin den Ich-Erzähler durch die nicht ganz klare Anzahl von Kapiteln mit Titeln wie „First Customer“, „Celebrity Client“, „Snakes alive“ und „Retired Boredom“.

Mal soll ein verunkrautetes Beet unbedingt bei Frost und stark gefrorenen Boden gejätet werden, ein anderes Mal steht ein Heckenschnitt entlang einer stark befahrenen Strasse an, der kurzentschlossen auf dem Fahrzeug stehend ausgeführt wird. Zuweilen ist nicht nur von unüberlegten Aktionen, sondern von richtig dummen und ausserordentlich gefährlichen Unternehmungen die Rede. Aber wie heisst es so schön: „New Gardeneres Learn by Trowel and Error“.

Auch Kunden können merkwürdig sein. Ein regelmässiger Auftrag geht auf die Langeweile eines frisch Pensionierten zurück, der jeweils stundenlang überlegt, welche Arbeiten er überhaupt zu vergeben hat. Eigentlich gibt es nämlich gar nichts zu erledigen, aber der Klient vermisst das Befehlen und Delegieren aus seiner beruflichen Tätigkeit. In einem anderen Kapitel erinnert sich der Erzähler an eine Kundin, die ihm wegen einem finanziellen Engpass vorschlug, als Bezahlung das Boot ihres verstorbenen Mannes zu übernehmen.

Eine andere Kundin bietet früh an, ihr eigenes gärtnerisches Wissen an die "Green Fingers" weiterzuvermitteln. Das scheint sehr nützlich gewesen zu sein, denn das Geschäft hat über ein Jahrzehnt floriert, wenn der Gründer wohl auch nicht Millionär geworden ist. Und die Geschäftsaufgabe war übrigens auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen.



Michael K. Chapman: 
A Fly on the Garden Wall or the Adventures of a Mobile Gardener 
Eigenverlag, 2013

1. März 2016

Werner Färber: Baumkiller

Immer wieder kommt es vor, dass Landbesitzer ausgewachsene Bäume mit schützenswertem Stammumfang von ihrem Grundstück entfernen wollen, ohne im Besitz einer behördlichen Genehmigung zu sein. Was tun, wenn man der Sicht auf die Elbe mehr Priorität einräumt, als dem Erhalt eines gesunden, schön gewachsenen Baumes, von dem (leider) keinerlei Gefahr ausgeht? Für fast jedes Problem gibt eine Lösung und das Umgehen der Gesetze oder diesbezüglichen lokalen Vorschriften lässt sich delegieren. Im Hamburg-Krimi „Baumkiller“ versuchen die drei jungen Landschaftsgärtner Hanno, Yannick und Boris verzweifelt, ihr Kleinunternehmern am Überleben zu halten. Schon wiederholt sind sie nur knapp am Konkurs vorbeigeschlittert. Und dies nur, weil die drei Partner, die sich eigentlich als Naturschützer verkaufen wollen, immer mal wieder illegale Baumfällungen durchgeführt haben.

Jetzt endlich scheint der Betrieb dank eines regelmässigen Auftrags für die Pflege einer öffentlichen Kastanien-Allee, die mit Miniermotten befallen ist, vorerst gut aufgestellt zu sein. Just in diesem Moment wird einer der drei jungen Männer, nämlich Hanno, erhängt in einem Baum auf dem Altonaer Hauptfriedhof gefunden. Nicht nur berufliche Probleme halten oder hielten die Männer auf Trab, gleich zwei von Ihnen haben sich kürzlich von ihrer Lebensgefährtin getrennt.

Seit dem Ende ihrer Beziehung mit Yannick hat die Umweltaktivistin Lea nichts mehr von ihrem Ex-Freund gehört. Nun meldet sich der junge Mann plötzlich bei der Fünfundzwanzigjährigen und berichtet ihr von Hannos Selbstmord. Nach der Trennung von seiner Frau war Hanno oft melancholisch, doch er war auch derjenige der drei Landschaftsgärtner, der die ständigen Geldsorgen immer verharmlost hat. Ein Selbstmord scheint so gar nicht zu seinem Charakter zu passen. Nachdem sich Lea mit Yannick verabredet hat, schaut sie im Internet, ob schon Informationen über den Todesfall zu finden sind. Und tatsächlich entdeckt sie ein Foto vom verstorbenen Hanno und glaubt, darauf verschiedene Ungereimtheiten auszumachen. Besonders entsetzt ist sie aber über den Fakt, dass der tote junge Mann erkannt werden kann. Als Yannick ihr bei einer polizeilichen Befragung überfallartig ein falsches Alibi abnötigt, wird sie noch neugieriger, was hinter dem mysteriösen Todesfall steckt.

Lea glaubt keine Sekunde, dass Yannick ein Mörder ist, möchte aber herausfinden, welche Bewegründe hinter dem falschen Alibi stecken. Die junge Frau ist selber ein schwieriger Charakter. Der Autor beschreibt die selbständige Webdesignerin sehr detailliert; ihre Gedanken und Handlungen werden oft fast minutiös dargelegt – oft wäre weniger mehr gewesen. Als Jugendliche war Lea sehr aufmüpfig und sie verfügt nicht nur aus jener Zeit über hinreichende Erfahrungen mit der Polizei. Sie ist auch schon als gewaltbereit aufgefallen und als Umweltaktivistin ist sie oft an waghalsigen Aktionen beteiligt. Natürlich hat sie ihre Prinzipien auch verteidigt, als sie von den illegalen Baumfällungen von Yannick und seinen Partnern erfahren hat. Diese waren zwar nicht der Trennungsgrund, aber natürlich Anlass für Diskussionen und Streitereien. Auch Leas Nachforschungen in Sachen „Baumkiller“ bringen sie wiederholt in brenzlige Situationen, in denen ihre einschlägigen Erfahrungen von Nutzen sind.



Werner Färber: 
Baumkiller 
Gmeiner-Verlag, 2015