1. März 2016

Werner Färber: Baumkiller

Immer wieder kommt es vor, dass Landbesitzer ausgewachsene Bäume mit schützenswertem Stammumfang von ihrem Grundstück entfernen wollen, ohne im Besitz einer behördlichen Genehmigung zu sein. Was tun, wenn man der Sicht auf die Elbe mehr Priorität einräumt, als dem Erhalt eines gesunden, schön gewachsenen Baumes, von dem (leider) keinerlei Gefahr ausgeht? Für fast jedes Problem gibt eine Lösung und das Umgehen der Gesetze oder diesbezüglichen lokalen Vorschriften lässt sich delegieren. Im Hamburg-Krimi „Baumkiller“ versuchen die drei jungen Landschaftsgärtner Hanno, Yannick und Boris verzweifelt, ihr Kleinunternehmern am Überleben zu halten. Schon wiederholt sind sie nur knapp am Konkurs vorbeigeschlittert. Und dies nur, weil die drei Partner, die sich eigentlich als Naturschützer verkaufen wollen, immer mal wieder illegale Baumfällungen durchgeführt haben.

Jetzt endlich scheint der Betrieb dank eines regelmässigen Auftrags für die Pflege einer öffentlichen Kastanien-Allee, die mit Miniermotten befallen ist, vorerst gut aufgestellt zu sein. Just in diesem Moment wird einer der drei jungen Männer, nämlich Hanno, erhängt in einem Baum auf dem Altonaer Hauptfriedhof gefunden. Nicht nur berufliche Probleme halten oder hielten die Männer auf Trab, gleich zwei von Ihnen haben sich kürzlich von ihrer Lebensgefährtin getrennt.

Seit dem Ende ihrer Beziehung mit Yannick hat die Umweltaktivistin Lea nichts mehr von ihrem Ex-Freund gehört. Nun meldet sich der junge Mann plötzlich bei der Fünfundzwanzigjährigen und berichtet ihr von Hannos Selbstmord. Nach der Trennung von seiner Frau war Hanno oft melancholisch, doch er war auch derjenige der drei Landschaftsgärtner, der die ständigen Geldsorgen immer verharmlost hat. Ein Selbstmord scheint so gar nicht zu seinem Charakter zu passen. Nachdem sich Lea mit Yannick verabredet hat, schaut sie im Internet, ob schon Informationen über den Todesfall zu finden sind. Und tatsächlich entdeckt sie ein Foto vom verstorbenen Hanno und glaubt, darauf verschiedene Ungereimtheiten auszumachen. Besonders entsetzt ist sie aber über den Fakt, dass der tote junge Mann erkannt werden kann. Als Yannick ihr bei einer polizeilichen Befragung überfallartig ein falsches Alibi abnötigt, wird sie noch neugieriger, was hinter dem mysteriösen Todesfall steckt.

Lea glaubt keine Sekunde, dass Yannick ein Mörder ist, möchte aber herausfinden, welche Bewegründe hinter dem falschen Alibi stecken. Die junge Frau ist selber ein schwieriger Charakter. Der Autor beschreibt die selbständige Webdesignerin sehr detailliert; ihre Gedanken und Handlungen werden oft fast minutiös dargelegt – oft wäre weniger mehr gewesen. Als Jugendliche war Lea sehr aufmüpfig und sie verfügt nicht nur aus jener Zeit über hinreichende Erfahrungen mit der Polizei. Sie ist auch schon als gewaltbereit aufgefallen und als Umweltaktivistin ist sie oft an waghalsigen Aktionen beteiligt. Natürlich hat sie ihre Prinzipien auch verteidigt, als sie von den illegalen Baumfällungen von Yannick und seinen Partnern erfahren hat. Diese waren zwar nicht der Trennungsgrund, aber natürlich Anlass für Diskussionen und Streitereien. Auch Leas Nachforschungen in Sachen „Baumkiller“ bringen sie wiederholt in brenzlige Situationen, in denen ihre einschlägigen Erfahrungen von Nutzen sind.



Werner Färber: 
Baumkiller 
Gmeiner-Verlag, 2015

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