28. April 2010

Auf dem Gut Nassenheide

Kennen Sie das Gut Nassenheide? Wer sich für unterhaltsame Gartenbücher interessiert, wird früher oder später auf das reizende Büchlein „Elizabeth und ihr Garten“ von Elizabeth von Arnim (1866 – 1941) stossen, das von dem Leben der von Arnims auf Nassenheide berichtet. Aufgrund dieser Lektüre habe ich vor rund zwanzig Jahren mehrere Titel dieser Autorin verschlungen, darunter beispielsweise „Verzauberter April“. Heute stehen nur noch das erstgenannte Buch sowie „Garten der Kindheit“ in Griffnähe auf dem Regal. Letzthin habe ich in einer Buchhandlung auf einem Tisch mit preisreduzierten Mängelexemplaren das Buch „Sommer ohne Gäste“ dieser Autorin entdeckt und lese es nun auf meinem Arbeitsweg. Nach dem erfolgreichen Erstling „Elizabeth und ihr Garten“ war „Sommer ohne Gäste“ (englisch: „The Solitary Summer“) das zweite Buch der Autorin und auch dieses wurde begeistert aufgenommen.

Mit meiner Vermutung, dass sich Elizabeth von Arnim, wenn sie einen Sommer lang nicht von Gästen in Beschlag genommen wurde, wohl ihren Lieblingsbeschäftigungen lesen und gärtnern gewidmet hat, lag ich goldrichtig. Obwohl gärtnern in ihrem Fall ja nicht ganz stimmt, da sie aus Standesgründen nicht selber in der Erde wühlen durfte. Das Gärtnern beschränkte sich auf die zumeist mühsamen Instruktionen an (Hilfs-)Gärtner, die den Anleitungen leider meist nicht Folge leisteten und Elizabeth von Arnims gestalterische Ideen boykottierten. Die eigensinnige Frau hat zunächst bewusst unerfahrene Gärtner eingestellt, musste aber bald feststellen, dass diese je weniger sie von der Sache verstanden, um so hartnäckiger darauf beharrten, recht zu haben.

Neben dem Garten und den vielen darin blühenden Blumen sind auch die Leseerlebnisse der Autorin ein wiederkehrendes Thema im Buch. Goethe wird am Nachmittag im Garten gelesen und auch in Thoreaus Gedanken hätte sie sich nie im Wohnzimmer vergraben.

Wenn Sie wie Elizabeth von Arnim der Meinung sind, dass es ausser Büchern und Gärten (fast) keine Objekte der Liebe gibt, die einen reichlich und treu belohnen, ist „Sommer ohne Gäste“ sicher die richtige Lektüre für Sie! Vielleicht habe ich „Sommer ohne Gäste“ vor Jahren auch schon einmal gelesen und erinnere mich nicht mehr daran. Jedenfalls würde es mich nicht wirklich überraschen, wenn ich in unserem Estrich auf dieses Buch stossen würde, wenn ich irgendwann wieder einmal die alten Bücherkisten durchwühle.



Elizabeth von Arnim:
Sommer ohne Gäste
List Taschenbuch, 2006