Zwei Arbeitslose ohne grosse Hoffnung auf eine neue feste Anstellung beschliessen nach ein paar getrunkenen Bieren, ein eigenes Geschäft auf die Beine zu stellen, um endlich reich zu werden. Anscheinend sind weder besondere Fähigkeiten noch Erfahrungen vorhanden, ja der Autor schreibt sogar von mangelnder Intelligenz. Der Anblick ungepflegter Gärten in der Umgebung führt schliesslich zur Idee, sich als mobile Gärtner zu betätigen.
Das Startkapital ist dürftig und besteht aus einem Fahrzeug, einem Rasenmäher, rostigem Werkzeug und zwei mehr oder weniger motivierten Männer, von denen einer über wenig und der andere nahezu über kein hortikulturelles Basiswissen verfügt. Diese Prämissen in Kombination mit einem britischen Autor lassen ein humoriges englisches Buch erwarten. Leider ist dem nicht so, da diese Publikation aus dem Eigenverlag durch die Überarbeitung durch ein professionelles Lektorat nur gewinnen könnte. Schon die Anzahl der am Anfang des Buches aufgeführten Kapitel stimmt nicht mit dem eigentlichen Inhalt überein.
Aber zunächst wundert sich die Leserin ob der Blauäugigkeit mit der hier ans Werk gegangen wird und fragt sich mehr als einmal, ob die Geschichten vielleicht nicht doch erfunden sind. Der Zeitpunkt der Unternehmensgründung ist eher suboptimal. Es ist nämlich Herbst, als der „Green Fingers - Mobile Gardening and Landscaping Service“ seine Tätigkeit aufnimmt.
Der Geschäftspartner zieht sich schon im ersten Winter wieder zurück, weil die Tätigkeiten sich als zu anstrengend und zu unbequem herausstellen.
Damit ist auch das gärtnerische Wissen aus dem Betrieb verschwunden, denn der Ich-Erzähler kennt zwar Löwenzahn, kann aber praktisch kein Unkraut vom anderen unterscheiden und hat auch keine Ahnung, welche Sämlinge er stehen lassen soll. Die Aufträge (Anzahl steigend) müssen trotzdem erledigt werden, so dass eine Hilfskraft eingestellt wird, deren Wissen über Grünzeug jenes des Vorgesetzten tatsächlich noch unterschreitet. Aber beide Männer sind grosse Chrampfer und so begleitet die Leserin den Ich-Erzähler durch die nicht ganz klare Anzahl von Kapiteln mit Titeln wie „First Customer“, „Celebrity Client“, „Snakes alive“ und „Retired Boredom“.
Mal soll ein verunkrautetes Beet unbedingt bei Frost und stark gefrorenen Boden gejätet werden, ein anderes Mal steht ein Heckenschnitt entlang einer stark befahrenen Strasse an, der kurzentschlossen auf dem Fahrzeug stehend ausgeführt wird. Zuweilen ist nicht nur von unüberlegten Aktionen, sondern von richtig dummen und ausserordentlich gefährlichen Unternehmungen die Rede. Aber wie heisst es so schön: „New Gardeneres Learn by Trowel and Error“.
Auch Kunden können merkwürdig sein. Ein regelmässiger Auftrag geht auf die Langeweile eines frisch Pensionierten zurück, der jeweils stundenlang überlegt, welche Arbeiten er überhaupt zu vergeben hat. Eigentlich gibt es nämlich gar nichts zu erledigen, aber der Klient vermisst das Befehlen und Delegieren aus seiner beruflichen Tätigkeit. In einem anderen Kapitel erinnert sich der Erzähler an eine Kundin, die ihm wegen einem finanziellen Engpass vorschlug, als Bezahlung das Boot ihres verstorbenen Mannes zu übernehmen.
Eine andere Kundin bietet früh an, ihr eigenes gärtnerisches Wissen an die "Green Fingers" weiterzuvermitteln. Das scheint sehr nützlich gewesen zu sein, denn das Geschäft hat über ein Jahrzehnt floriert, wenn der Gründer wohl auch nicht Millionär geworden ist. Und die Geschäftsaufgabe war übrigens auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen.
Michael K. Chapman:
A Fly on the Garden Wall or the Adventures of a Mobile Gardener
Eigenverlag, 2013
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10. März 2016
1. Februar 2016
Stefanie Syren (Text) und Elke Borkowski (Fotos): Pflanzen-Schätze – Sammler, ihre Gärten und ihre faszinierende Leidenschaft
Grossformatige Bücher haben es nach wie vor schwer, meine Aufmerksamkeit derart zu fesseln, dass ich sie erwerbe und dann auch lese. Sie sind ihrer Grösse wegen weder als Bett- noch als Pendlerlektüre geeignet, und auf dem Regal herrscht bei Büchern, die nicht im Taschenbuchformat daherkommen, absolute Platznot.
Als vor Jahresfrist die grösste hiesige Buchhandlung vor der Schliessung stand, bin ich wiederholt an der Publikation „Pflanzen-Schätze“ vorbeigelaufen und habe mich redlich bemüht, sie zu ignorieren. Kurz vor dem letzten Ladenschluss habe ich mich ihrer dann doch erbarmt und seither liegt sie quer über anderen Büchern, dem tatsächlich letzten Platz für grosse Bücher. Der Boden ist nämlich tabu. Wäre tabu. Denn dort stolpere ich bald einmal über die immer zahlreicher werdenden Schulordner.
Natürlich bin ich den „Pflanzen-Schätzen“ vor und nach dem Erwerb auch in den Medien immer wieder begegnet. Weder die Auszeichnung mit dem Gartenbuchpreis, noch verlockende Rezensionen konnten mich aber dazu verleiten, dem Buch mehr als die gelegentlich notwendige Sekunde zum Abstauben zu widmen. Über die letzten Feiertage habe ich mir nun die Zeit genommen, es endlich zu lesen.
Von Aurikeln über Cyclamen, Hamamelis, Mohn bis zu Rosen – die Auslöser der hier beschriebenen Passionen sind vielfältig und oft beschränkt sich die Pflanzensammelleidenschaft nicht auf ein einzelnes Gebiet. Einige der Sammler waren mir bereits bekannt, da ich schon öfters über sie gelesen habe oder wie im Fall der Hosta-Liebhaberin früher gelegentlich auf dem Blog herumgstöbert habe. Doch einige Namen sind richtige Neuentdeckungen – sowohl in Sachen Sammler wie in Sachen Sammlung. Etliche der Portraitierten führen haupt- oder nebenberuflich eine Spezialgärtnerei, in denen ihre Lieblinge erworben werden können, und oft beschäftigen sie sich nicht nur mit der Vermehrung, sondern auch der Züchtung ihrer Lieblingspflanzen.
Da sind Fingerhüte in einem langen, schmalen Beet vor einer Eibenhecke beneidenswert perfekt in Szene gesetzt, in einem anderen Garten kann der Kerzenknöterich als Herr der Beete bezeichnet werden, derweilen die vielen EU-Vorschriften mitschuldig sind, dass sich eine Viehzüchterin in eine Ilex-Spezialgärtnerin verwandelt hat. Und dominieren im niederländischen Ede Cyclamen, bei den die Formen und Zeichnungen der Blätter die Blütenpracht in den Hintergrund rücken lassen, sind es in Oterleek fast unendlich lange Narzissenfelder, in denen dicht gepflanzte historische Sorten um die Gunst der Betrachterin buhlen, und das Auge erfreuen.
Die einzelnen Portraits werden grosszügig von aussagekräftigen Fotos begleitet. Die Texte dünken mich aussergewöhnlich gut verfasst und verschafften mir einige Neuzugänge für meine Sammlung spezieller Formulierungen, wie etwa „über den botanischen Tellerrand gucken“. Noch wichtiger sind aber natürlich die spannenden Einblicke in die unterschiedlichen Wege und oft ähnlichen oder sogar identischen Ziele der Sammler, die sich in den Geschichten erfahren lassen.
Die gelungene Publikation wird durch ein ausführliches Stichwortverzeichnis abgerundet. Im Anhang finden sich ausserdem nützliche Adressen. Besonders nützlich sind jene der vorgestellten Sammler und ihrer Pflanzen-Schätze – nützlich vielleicht im Rahmen der Planung einer Reise zwecks Anpassung der Route. Denn wohl jede dieser Sammlungen lohnt einen kleinen oder grösseren Umweg, um sie mit eigenen Augen betrachten zu können.
Stefanie Syren (Text) und Elke Borkowski (Fotos):
Pflanzen-Schätze – Sammler, ihre Gärten und ihre faszinierende Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2014
Als vor Jahresfrist die grösste hiesige Buchhandlung vor der Schliessung stand, bin ich wiederholt an der Publikation „Pflanzen-Schätze“ vorbeigelaufen und habe mich redlich bemüht, sie zu ignorieren. Kurz vor dem letzten Ladenschluss habe ich mich ihrer dann doch erbarmt und seither liegt sie quer über anderen Büchern, dem tatsächlich letzten Platz für grosse Bücher. Der Boden ist nämlich tabu. Wäre tabu. Denn dort stolpere ich bald einmal über die immer zahlreicher werdenden Schulordner.
Natürlich bin ich den „Pflanzen-Schätzen“ vor und nach dem Erwerb auch in den Medien immer wieder begegnet. Weder die Auszeichnung mit dem Gartenbuchpreis, noch verlockende Rezensionen konnten mich aber dazu verleiten, dem Buch mehr als die gelegentlich notwendige Sekunde zum Abstauben zu widmen. Über die letzten Feiertage habe ich mir nun die Zeit genommen, es endlich zu lesen.
Von Aurikeln über Cyclamen, Hamamelis, Mohn bis zu Rosen – die Auslöser der hier beschriebenen Passionen sind vielfältig und oft beschränkt sich die Pflanzensammelleidenschaft nicht auf ein einzelnes Gebiet. Einige der Sammler waren mir bereits bekannt, da ich schon öfters über sie gelesen habe oder wie im Fall der Hosta-Liebhaberin früher gelegentlich auf dem Blog herumgstöbert habe. Doch einige Namen sind richtige Neuentdeckungen – sowohl in Sachen Sammler wie in Sachen Sammlung. Etliche der Portraitierten führen haupt- oder nebenberuflich eine Spezialgärtnerei, in denen ihre Lieblinge erworben werden können, und oft beschäftigen sie sich nicht nur mit der Vermehrung, sondern auch der Züchtung ihrer Lieblingspflanzen.
Da sind Fingerhüte in einem langen, schmalen Beet vor einer Eibenhecke beneidenswert perfekt in Szene gesetzt, in einem anderen Garten kann der Kerzenknöterich als Herr der Beete bezeichnet werden, derweilen die vielen EU-Vorschriften mitschuldig sind, dass sich eine Viehzüchterin in eine Ilex-Spezialgärtnerin verwandelt hat. Und dominieren im niederländischen Ede Cyclamen, bei den die Formen und Zeichnungen der Blätter die Blütenpracht in den Hintergrund rücken lassen, sind es in Oterleek fast unendlich lange Narzissenfelder, in denen dicht gepflanzte historische Sorten um die Gunst der Betrachterin buhlen, und das Auge erfreuen.
Die einzelnen Portraits werden grosszügig von aussagekräftigen Fotos begleitet. Die Texte dünken mich aussergewöhnlich gut verfasst und verschafften mir einige Neuzugänge für meine Sammlung spezieller Formulierungen, wie etwa „über den botanischen Tellerrand gucken“. Noch wichtiger sind aber natürlich die spannenden Einblicke in die unterschiedlichen Wege und oft ähnlichen oder sogar identischen Ziele der Sammler, die sich in den Geschichten erfahren lassen.
Die gelungene Publikation wird durch ein ausführliches Stichwortverzeichnis abgerundet. Im Anhang finden sich ausserdem nützliche Adressen. Besonders nützlich sind jene der vorgestellten Sammler und ihrer Pflanzen-Schätze – nützlich vielleicht im Rahmen der Planung einer Reise zwecks Anpassung der Route. Denn wohl jede dieser Sammlungen lohnt einen kleinen oder grösseren Umweg, um sie mit eigenen Augen betrachten zu können.
Stefanie Syren (Text) und Elke Borkowski (Fotos):
Pflanzen-Schätze – Sammler, ihre Gärten und ihre faszinierende Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2014
10. Januar 2016
Doris Bewernitz: Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht
Gibt es nicht schon genügend Lebensgeschichten aus dem Garten? Dies war mein erster Gedanke, als ich vor einiger Zeit auf dieses grosszügig illustrierte Buch gestossen bin. Ausserdem empfand ich den Titel als einen Tick zu esoterisch. Ein Eindruck, der aber durch den Zusatz „Warum ein Garten glücklich macht“ gleich wieder etwas relativiert wurde. Die Inhaltsbeschreibung auf der Buchrückseite hat mich dann doch zur Lektüre verleitet. Und ich habe es keine Sekunde bereut, mich von der Autorin durch die im Rhythmus der Jahreszeiten gegliederten Erzählungen unter Überschriften, die da etwa lauten „Komposttherapie“, „Sieglinde spinnt“, „Das Hohelied des Regenwurms“ oder „Fortschreitende Verwilderung“, führen zu lassen.
Direkt an einem Damm der S-Bahn, erreichbar durch eine eiserne Türe zwischen einem Obststand und einer Telefonsäule findet Doris Bewernitz an einem Frühlingstag ihre hortikulturelle Erfüllung. Eine Nachtigall singt und als erstes fällt ihr Blick auf einen Pfirsichbaum, der sogleich Erinnerungen an ein nachhaltiges Erlebnis aus Kindertagen weckt. Da sind aber auch andere Obstbäume, Tulpen, Gewürze sowie ein kleines Steinhäuschen. Und erscheint es zunächst unmöglich, sich in zwei Stunden davon zu überzeugen, dass quietschende S-Bahn-Bremsen tatsächlich nicht stören, genügen dann weniger als 120 Minuten für die definitive Entscheidungsfindung. Nichts steht also mehr im Weg, um die als Kind kultivierte Frühlingsbeet-Lust wieder aufleben zu lassen – unter Beobachtung von 33 Gartenzwergen, von denen mehr als die Hälfte davon eingewachsen sind.
Die Autorin ist immer wieder für Überraschungen gut und berichtet, was es mit den sogenannten Mitmachtagen und dem Moosblick auf sich hat, wie der Garten zur Basisstation für eine Fahrt auf den Mond wurde, von tönenden Apfelblättern und wie ihr Beitrag zum bedingungslosen Grundeinkommen aussehen würde. Dann geht es um Schamgefühle ausserhalb des Gartens wegen der immer leicht schmutzigen Gärtnerinnenhände oder wegen der Vorstellung, wie gepflegte Hände eben auszusehen hätten und sie sinniert über Sklaven des Gartens oder Sklaven der Vorstellung, wie der Garten zu sein hätte.
Auch Tierisches wird immer wieder thematisiert. Zum Beispiel im Zwiegespräch mit Nacktschnecken und bei der Beschreibung des von der Autorin eingeführten „Tages der Biene“ anlässlich der Sichtung der 1. Biene im neuen Gartenjahr. Ein alljährlich wiederkehrender Grund für eine spontane Feier im Garten mit Freunden, bei welcher wärmende Decken nicht vergessen werden sollten. Im Garten wird gesummt, gezwitschert, gekrochen, gefleucht und es werden Netze gesponnen und Schleimspuren hinterlassen. Viele, ob Vier- oder Sechsbeiner, kriegen von von der schreibenden Gärtnerin einen Namen verpasst, genau wie auch viele ihrer geliebten Rosen.
Um hemmungslos über letztere plaudern zu können, hat sie sich eine nette Idee ausgedacht. Sie schenkt nämlich Freundinnen und Freunden zu besonderen Gelegenheiten Rosen. Und zwar keine Ableger aus ihrem Garten oder getopfte Rosen, sondern Urkunden mit dem Foto einer Pflanze aus ihrem Garten und vertraut dem Beschenkten die Patenschaft an. Der Name der Rose und jener des Paten oder der Patin komplettieren das Beweisstück. Die Paten kümmern sich unterschiedlich intensiv um ihre Rosen. Die einen erkundigen sich telefonisch, andere besuchen sie, stecken ihre Nase in duftende Blüten und fotografieren die Schönheiten. Dritte bringen Nahrung in Form von Dünger, Hornspäne oder Pferdeäpfeln in den Garten.
Doris Bewernitz:
Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht
Verlag Herder, 2014
Direkt an einem Damm der S-Bahn, erreichbar durch eine eiserne Türe zwischen einem Obststand und einer Telefonsäule findet Doris Bewernitz an einem Frühlingstag ihre hortikulturelle Erfüllung. Eine Nachtigall singt und als erstes fällt ihr Blick auf einen Pfirsichbaum, der sogleich Erinnerungen an ein nachhaltiges Erlebnis aus Kindertagen weckt. Da sind aber auch andere Obstbäume, Tulpen, Gewürze sowie ein kleines Steinhäuschen. Und erscheint es zunächst unmöglich, sich in zwei Stunden davon zu überzeugen, dass quietschende S-Bahn-Bremsen tatsächlich nicht stören, genügen dann weniger als 120 Minuten für die definitive Entscheidungsfindung. Nichts steht also mehr im Weg, um die als Kind kultivierte Frühlingsbeet-Lust wieder aufleben zu lassen – unter Beobachtung von 33 Gartenzwergen, von denen mehr als die Hälfte davon eingewachsen sind.
Die Autorin ist immer wieder für Überraschungen gut und berichtet, was es mit den sogenannten Mitmachtagen und dem Moosblick auf sich hat, wie der Garten zur Basisstation für eine Fahrt auf den Mond wurde, von tönenden Apfelblättern und wie ihr Beitrag zum bedingungslosen Grundeinkommen aussehen würde. Dann geht es um Schamgefühle ausserhalb des Gartens wegen der immer leicht schmutzigen Gärtnerinnenhände oder wegen der Vorstellung, wie gepflegte Hände eben auszusehen hätten und sie sinniert über Sklaven des Gartens oder Sklaven der Vorstellung, wie der Garten zu sein hätte.
Auch Tierisches wird immer wieder thematisiert. Zum Beispiel im Zwiegespräch mit Nacktschnecken und bei der Beschreibung des von der Autorin eingeführten „Tages der Biene“ anlässlich der Sichtung der 1. Biene im neuen Gartenjahr. Ein alljährlich wiederkehrender Grund für eine spontane Feier im Garten mit Freunden, bei welcher wärmende Decken nicht vergessen werden sollten. Im Garten wird gesummt, gezwitschert, gekrochen, gefleucht und es werden Netze gesponnen und Schleimspuren hinterlassen. Viele, ob Vier- oder Sechsbeiner, kriegen von von der schreibenden Gärtnerin einen Namen verpasst, genau wie auch viele ihrer geliebten Rosen.
Um hemmungslos über letztere plaudern zu können, hat sie sich eine nette Idee ausgedacht. Sie schenkt nämlich Freundinnen und Freunden zu besonderen Gelegenheiten Rosen. Und zwar keine Ableger aus ihrem Garten oder getopfte Rosen, sondern Urkunden mit dem Foto einer Pflanze aus ihrem Garten und vertraut dem Beschenkten die Patenschaft an. Der Name der Rose und jener des Paten oder der Patin komplettieren das Beweisstück. Die Paten kümmern sich unterschiedlich intensiv um ihre Rosen. Die einen erkundigen sich telefonisch, andere besuchen sie, stecken ihre Nase in duftende Blüten und fotografieren die Schönheiten. Dritte bringen Nahrung in Form von Dünger, Hornspäne oder Pferdeäpfeln in den Garten.
Doris Bewernitz:
Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht
Verlag Herder, 2014
20. Dezember 2015
Helga Urban: Mein Garten – ein Geben und Nehmen
In diesem Büchlein lässt Helga Urban ihr Gartenleben unter folgenden Kapiteln Revue passieren:
- Mein Garten und ich – eine besondere Beziehung
- Wie alles anfing
- Entdeckungen
- Etwas für die Seele
- Ein ständiger Lernprozess
- Mut zur eigenen Courage
- Etwas klüger werden
Dabei zieht sie Parallelen zwischen dem Gärtnern und dem Leben – überall sind die Grenzen und Möglichkeiten auszuloten und es muss mit Veränderungen und Verlusten umgegangen werden. Gemeisterte Herausforderungen schaffen Freude und Befriedigung. Nicht immer, aber meistens oder doch häufig. Die Autorin und Gärtnerin beweist viel Durchsetzungsvermögen, um nicht zu schreiben Sturheit, beim Beschaffen von must-have-plants. An einem Tag mit dem ersten Flug nach London und spät abends mit einem der letzten Maschinen zurück in die Heimat, dazwischen der Besuch einer Pflanzenshow – das scheint nicht aussergewöhnlich zu sein. Vielleicht überlege ich mir nochmal, ob es tatsächlich viel zu anstrengend ist und ich langsam zu alt, um an einem Tag von Winterthur über Konstanz nach Frankfurt an die Buchmesse und wieder zurückzufahren (Strecke Konstanz-Frankfurt und retour mit einem organisierten Bus).
Nun zurück zum eigentlichen Thema. Kleine grüne Schätze haben ihren Preis. Diesen vor dem Erwerb abzuklären, gehört zum Lernprozess. Ebenso die Erkenntnis, dass der „Päonienbleistift“ kein Teil des Verpackungsmaterial und die Pflanze wohl bei der Versandvorbereitung vergessen gegangen ist, aber dafür auf der Rechnung ganz bestimmt eine Null zu viel steht. Nichtsdestotrotz empfiehlt die Autorin Gärtnereibesuche als Trost. Meistens sind die Wünsche ja bezahlbar und Pflanzen lassen wenigstens kein Hüftgold wachsen. Und die Belohnung für hortikulturelles Durchsetzungsvermögen ist eine immerwährende oder zumindest jahrelange Freude. Jedenfalls sofern kein Sturm der Freude ein vorzeitiges Ende bereitet. Und Helga Urban bemerkt ganz zutreffend: woran hat man oder frau schon jahrelang ungetrübt Freude?
Zum Thema Durchsetzungsvermögen passen auch das eingegangen Risiko eines Ehekrachs, um einer Kamelie die optimalen Bedingungen bieten zu können, und die Gartenecke, genannt „Offener Vollzug“, wo Pflanzen vorübergehend einen Platz finden, wenn sie nicht wollen wie die Gärtnerin es will. Drastischere Massnahmen hat die Gärtnerin bei jenen Narzissen ergriffen, die nicht ins bevorzugte Farbschema passten. Da ist frau kurz vor dem Aufblühen derselben auf Pflanzenmission unterwegs und freut sich auf der Heimreise auf die sich bereits im Herbst vorher mit Einbuddeln verdiente Blütenpracht, nur um feststellen zu müssen, dass diese weiss statt orange ist. Da nützt dann auch keine Verbannung in eine andere Ecke, aus orange wird kein weiss.
Beim Lesen der Texte entstehen immer wieder bleibende Bilder im Kopf. Etwa wenn die Autorin beschreibt, wie just am Sonntag der ersten Gartenführung ein Klettergerüst zusammengebrochen ist und sie vergeblich versucht hat, dieses mit einem Besen wieder aufzurichten und daraufhin, während sie auf den wenig erfreuten und nicht gerade hinter der nächsten Kurve wohnenden Helfer wartete, das Gerüst mit ihren Armen stemmte. Sie selber ist auch sehr hilfsbereit und arbeitet seit über zwei Jahrzehnten ehrenamtlich im Palmengarten. An anderer Stelle liest man von Risikostreuung, die nämlich nicht nur bei Kapitalanlagen, sondern auch im Garten beachtet werden sollte, über nützliches Basislatein für Botaniker und von launischen Glyzinien. Dann geht es um Zollbeamte, die ihr ein Paket mit wichtigem Inhalt, der schon viel zu lange unterwegs war, zwar zeigen, aber (vor dem Wochenende) nicht aushändigen wollen und die Autorin plädiert für mehr Charme und weniger Perfektionismus im Garten.
Für eine allfällige Nachauflage des Büchleins würde ich mir zur Komplettierung der Bilder in meinem Kopf und zur Ergänzung meines Allgemeinwissens über grenzüberschreitende Gartenkultur einen detaillierten Bericht über den Transport von Pflanzen im Koffer während Flügen und bei der Zollkontrolle wünschen.
Helga Urbans Persönlichkeit offenbart sich mit jeder Seite ein wenig mehr. Besonders scheint sie neben weiss blühenden Pflanzen auch Zitate und Sprichwörter zu mögen. Das Quellenverzeichnis im Anhang ist jedenfalls recht umfangreich. Der Serviceteil enthält weiterführende Gartenliteraturtipps, darunter auch ihre eigenen anderen Bücher, von denen ich "Schön, aber gefährlich" vor einiger Zeit vorgestellt habe, sowie Bezugsquellen und „Einige Pflanzen auf die Schnelle (Kurzportraits) - natürlich zumeist weiss blühende.
Die Sofagärtnerin erkennt sich in vielen Geschichten wieder, hat sie doch einige Anekdoten ganz ähnlich oder sogar identisch erlebt oder von Gartenbekanntschaften erzählt bekommen, und sie ist überzeugt, dass es vielen gärtnernden Lesern und lesenden Gärtnern ebenso gehen wird.
Helga Urban:
Mein Garten – ein Geben und Nehmen
Eugen Ulmer Verlag, 2015
- Mein Garten und ich – eine besondere Beziehung
- Wie alles anfing
- Entdeckungen
- Etwas für die Seele
- Ein ständiger Lernprozess
- Mut zur eigenen Courage
- Etwas klüger werden
Dabei zieht sie Parallelen zwischen dem Gärtnern und dem Leben – überall sind die Grenzen und Möglichkeiten auszuloten und es muss mit Veränderungen und Verlusten umgegangen werden. Gemeisterte Herausforderungen schaffen Freude und Befriedigung. Nicht immer, aber meistens oder doch häufig. Die Autorin und Gärtnerin beweist viel Durchsetzungsvermögen, um nicht zu schreiben Sturheit, beim Beschaffen von must-have-plants. An einem Tag mit dem ersten Flug nach London und spät abends mit einem der letzten Maschinen zurück in die Heimat, dazwischen der Besuch einer Pflanzenshow – das scheint nicht aussergewöhnlich zu sein. Vielleicht überlege ich mir nochmal, ob es tatsächlich viel zu anstrengend ist und ich langsam zu alt, um an einem Tag von Winterthur über Konstanz nach Frankfurt an die Buchmesse und wieder zurückzufahren (Strecke Konstanz-Frankfurt und retour mit einem organisierten Bus).
Nun zurück zum eigentlichen Thema. Kleine grüne Schätze haben ihren Preis. Diesen vor dem Erwerb abzuklären, gehört zum Lernprozess. Ebenso die Erkenntnis, dass der „Päonienbleistift“ kein Teil des Verpackungsmaterial und die Pflanze wohl bei der Versandvorbereitung vergessen gegangen ist, aber dafür auf der Rechnung ganz bestimmt eine Null zu viel steht. Nichtsdestotrotz empfiehlt die Autorin Gärtnereibesuche als Trost. Meistens sind die Wünsche ja bezahlbar und Pflanzen lassen wenigstens kein Hüftgold wachsen. Und die Belohnung für hortikulturelles Durchsetzungsvermögen ist eine immerwährende oder zumindest jahrelange Freude. Jedenfalls sofern kein Sturm der Freude ein vorzeitiges Ende bereitet. Und Helga Urban bemerkt ganz zutreffend: woran hat man oder frau schon jahrelang ungetrübt Freude?
Zum Thema Durchsetzungsvermögen passen auch das eingegangen Risiko eines Ehekrachs, um einer Kamelie die optimalen Bedingungen bieten zu können, und die Gartenecke, genannt „Offener Vollzug“, wo Pflanzen vorübergehend einen Platz finden, wenn sie nicht wollen wie die Gärtnerin es will. Drastischere Massnahmen hat die Gärtnerin bei jenen Narzissen ergriffen, die nicht ins bevorzugte Farbschema passten. Da ist frau kurz vor dem Aufblühen derselben auf Pflanzenmission unterwegs und freut sich auf der Heimreise auf die sich bereits im Herbst vorher mit Einbuddeln verdiente Blütenpracht, nur um feststellen zu müssen, dass diese weiss statt orange ist. Da nützt dann auch keine Verbannung in eine andere Ecke, aus orange wird kein weiss.
Beim Lesen der Texte entstehen immer wieder bleibende Bilder im Kopf. Etwa wenn die Autorin beschreibt, wie just am Sonntag der ersten Gartenführung ein Klettergerüst zusammengebrochen ist und sie vergeblich versucht hat, dieses mit einem Besen wieder aufzurichten und daraufhin, während sie auf den wenig erfreuten und nicht gerade hinter der nächsten Kurve wohnenden Helfer wartete, das Gerüst mit ihren Armen stemmte. Sie selber ist auch sehr hilfsbereit und arbeitet seit über zwei Jahrzehnten ehrenamtlich im Palmengarten. An anderer Stelle liest man von Risikostreuung, die nämlich nicht nur bei Kapitalanlagen, sondern auch im Garten beachtet werden sollte, über nützliches Basislatein für Botaniker und von launischen Glyzinien. Dann geht es um Zollbeamte, die ihr ein Paket mit wichtigem Inhalt, der schon viel zu lange unterwegs war, zwar zeigen, aber (vor dem Wochenende) nicht aushändigen wollen und die Autorin plädiert für mehr Charme und weniger Perfektionismus im Garten.
Für eine allfällige Nachauflage des Büchleins würde ich mir zur Komplettierung der Bilder in meinem Kopf und zur Ergänzung meines Allgemeinwissens über grenzüberschreitende Gartenkultur einen detaillierten Bericht über den Transport von Pflanzen im Koffer während Flügen und bei der Zollkontrolle wünschen.
Helga Urbans Persönlichkeit offenbart sich mit jeder Seite ein wenig mehr. Besonders scheint sie neben weiss blühenden Pflanzen auch Zitate und Sprichwörter zu mögen. Das Quellenverzeichnis im Anhang ist jedenfalls recht umfangreich. Der Serviceteil enthält weiterführende Gartenliteraturtipps, darunter auch ihre eigenen anderen Bücher, von denen ich "Schön, aber gefährlich" vor einiger Zeit vorgestellt habe, sowie Bezugsquellen und „Einige Pflanzen auf die Schnelle (Kurzportraits) - natürlich zumeist weiss blühende.
Die Sofagärtnerin erkennt sich in vielen Geschichten wieder, hat sie doch einige Anekdoten ganz ähnlich oder sogar identisch erlebt oder von Gartenbekanntschaften erzählt bekommen, und sie ist überzeugt, dass es vielen gärtnernden Lesern und lesenden Gärtnern ebenso gehen wird.
Helga Urban:
Mein Garten – ein Geben und Nehmen
Eugen Ulmer Verlag, 2015
20. September 2015
Barbara Frischmuth: Der unwiderstehliche Garten – Eine Beziehungsgeschichte
In ihrem vierten Gartenbuch zieht Barbara Frischmuth hortikulturelle Bilanz und berichtet von den Schwierigkeiten, sich vom grünen Flecken Beet für Beet abzunabeln. Während Jahrzehnten hat sie auf einer ehemaligen Hangwiese auf 800 Metern über Meer gegärtnert. Der Untergrund bestand zu Beginn aus viel Bauschutt, wenig darüber verteilter Erde und Gras. Den Mutterboden hatte der Bauführer ohne vorherige Rücksprache oder entsprechende Abmachungen verkauft. Der frühere Schulkollege konnte ja nicht ahnen, dass gerade eine Schriftstellerin einem Teil ihres Glücks in der Erde suchen (und finden) würde.
Diese Anfangsschwierigkeiten sind längst Schnee von gestern und andere Herausforderungen stehen an. Denn es lässt sich nicht verleugnen, dass mit dem Älterwerden immer mehr Tätigkeiten schwerer fallen und entsprechend mehr Zeit in Anspruch nehmen. Weniger Töpfe bepflanzen, einige Beete der Wiese zurückgeben – lautet das Credo. Doch was einfach tönt, ist in Tat und Wahrheit ein regelrechtes Dilemma. Welche Pflanze soll denn aufgegeben werden? Welcher Topf?
Und obwohl es eigentlich darum geht, die neue Gartensaison mit weniger Pflanzen in Angriff zu nehmen, werden beim winterlichen "Armchair Gardening" nichtsdestotrotz diametral andere Pläne geschmiedet. Das Verschieben von Grenzsteinen wird zufrieden als Gewinn von zusätzlicher Beetfläche registriert. Und auch die mehrfach erwähnten Besuche bei Sarastro in Orth im Innkreis lassen sich eigentlich nicht mit der vorstehend erwähnten Absicht vereinbaren. Immer wieder findet sich ein Plätzchen für immer wieder neue Pflanzenschätze.
Der Zwiespalt kommt auch in einigen der Kapitelüberschriften zum Ausdruck:
Thema in der illustrierten Beziehungsgeschichte sind auch Schmerzen in den Rippen und Knieprobleme. Und immer wieder setzt sich die Autorin detailreich mit Texten von bekannten Wissenschaftlern oder Schriftstellern wie Michael Pollan, Robert Harrison oder Charles Darwin (um nur einige zu nennen) auseinander.
Barbara Frischmuth:
Der unwiderstehliche Garten
Aufbau Verlag, 2015
Diese Anfangsschwierigkeiten sind längst Schnee von gestern und andere Herausforderungen stehen an. Denn es lässt sich nicht verleugnen, dass mit dem Älterwerden immer mehr Tätigkeiten schwerer fallen und entsprechend mehr Zeit in Anspruch nehmen. Weniger Töpfe bepflanzen, einige Beete der Wiese zurückgeben – lautet das Credo. Doch was einfach tönt, ist in Tat und Wahrheit ein regelrechtes Dilemma. Welche Pflanze soll denn aufgegeben werden? Welcher Topf?
Und obwohl es eigentlich darum geht, die neue Gartensaison mit weniger Pflanzen in Angriff zu nehmen, werden beim winterlichen "Armchair Gardening" nichtsdestotrotz diametral andere Pläne geschmiedet. Das Verschieben von Grenzsteinen wird zufrieden als Gewinn von zusätzlicher Beetfläche registriert. Und auch die mehrfach erwähnten Besuche bei Sarastro in Orth im Innkreis lassen sich eigentlich nicht mit der vorstehend erwähnten Absicht vereinbaren. Immer wieder findet sich ein Plätzchen für immer wieder neue Pflanzenschätze.
Der Zwiespalt kommt auch in einigen der Kapitelüberschriften zum Ausdruck:
- Warum ein schmerzender Rücken manchmal glücklicher macht als die Idee, es sich im Alter immer bequemer zu machen
- Mach nur einen Plan
- Die Ambivalenz der Gefühle
- Von Mäusen, Lenzrosen und win-win-Situationen
Thema in der illustrierten Beziehungsgeschichte sind auch Schmerzen in den Rippen und Knieprobleme. Und immer wieder setzt sich die Autorin detailreich mit Texten von bekannten Wissenschaftlern oder Schriftstellern wie Michael Pollan, Robert Harrison oder Charles Darwin (um nur einige zu nennen) auseinander.
Barbara Frischmuth:
Der unwiderstehliche Garten
Aufbau Verlag, 2015
23. Juni 2015
Wladimir Kaminer: Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten
Nach „Mein Leben im Schrebergarten“ hat Wladimier Kaminer vor einiger Zeit ein weiteres Buch geschrieben, das sich mehr oder weniger intensiv mit Gärtnern beschäftigt und das nun auch in einer Taschenbuchausgabe erschienen ist.
„Auf zum neuen Garten!“ heisst das erste Kapitel. Weshalb ein neuer Garten fragt sich die Leserin, sich nur noch dunkel an die ersten Gartengeschichten aus dem Jahr 2007 erinnernd. Die Frage wird gleich auf der zweiten Seite beantwortet. Und zwar hatten der Gärtner und die Prüfungskommission des Schrebergartenvereins diametral unterschiedliche Ansichten betreffend Spontanvegetation. Die Natur als selbständiger Gartengestalter war im Reglement nämlich nicht vorgesehen, was zu erheblichen Interessenkonflikten führte, die schliesslich in die Suche nach einem Garten ohne Oberaufsicht mündeten.
Im Ort mit dem prosaischen Namen Glücklitz findet sich rasch ein passendes Objekt, direkt am Glücklitzer See, auf einem zum Haus gehörenden, aber nicht erwerbbaren Weinberg (angeblich dem nördlichsten der Welt) gelegen. Als erstes gilt es aber ein Hindernis zu überwinden. Der neue Garten ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und so begleitet die Leserin die Kaminers durch ihre Fahrschullektionen und die Autoprüfung. Etliche Monate ziehen übers Land bis man schliesslich offiziell mobil ist, um im Brandenburgischen Garten loslegen zu können.
Nach Lust und Laune kann hier jeder nach eigenem Belieben planlos pflanzen, was ihm gefällt. „Spontan in jede Richtung vegetieren“ nennt dies der Autor. Die Familienmitglieder suchen sich Bäume aus. Die Grossmutter entscheidet sich für eine Pinie, die zum Baum des Erinnerns gekürt wird. Dazu gesellen sich Kirschbäume, Kriechweiden, Rhododendronbüsche und eine Schmucktanne (Araucaria). Am besten gedeiht der vom Sohn angepflanzte Meerrettich. So gut, dass der Vater an einem (vom Sohn verworfenen) Nutzungskonzept einer Meerrettich-Plantage herumstudiert. Aber vielleicht klappt es ja irgendwann mit der ebenfalls erwähnten Winzerkarriere und dem „Gewürzkaminer“?
Daneben berichtet Wladimir Kaminer über seine Gartenkarriere ausserhalb Brandenburgs, die einen Vortrag an einer Landesgartenschau beinhaltet und seine Rolle als Gartenexperte in drei Gartenfilmen. An einer anderen Stelle sinniert er über die sich regelmässig wiederholenden Vertreibungen von Menschen und die damit verbundene Anpassung der Obstauswahl. Denn musste einst zur Nachahmung des verlorenen Paradieses ein Apfel genügen, sind heute eher exotische Früchte gefragt. Die übrigens, wie schnell herausgefunden wird, in Brandenburg nicht gedeihen.
Die Lektüre verlockt immer wieder zum Schmunzeln. Oft war ich mir allerdings gar nicht sicher, ob sich das Erzählte tatsächlich so zugetragen hat oder einfach gut erfunden und berichtet ist. Hortikulturell ist eher wenig los in diesen Texten - gefühlsmässig geht es mehr ums Thema Fische und das Angeln. Interessant zu lesen sind besonders die Beobachtungen aus dem Alltag, wie und warum die Russen anders ticken und die Erklärungen zu den allgemeinen Unterschieden in den verschiedenen Kulturen.
Übrigens liest Wladimier Kaminer anlässlich des "Openair Literatur Festivals Zürich" am 11. Juli 2015 im Alten Botanischen Garten in Zürich unter dem Motto "Best of Kaminers Gärten" aus seinen Büchern.
Wladimir Kaminer:
Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013/2015
„Auf zum neuen Garten!“ heisst das erste Kapitel. Weshalb ein neuer Garten fragt sich die Leserin, sich nur noch dunkel an die ersten Gartengeschichten aus dem Jahr 2007 erinnernd. Die Frage wird gleich auf der zweiten Seite beantwortet. Und zwar hatten der Gärtner und die Prüfungskommission des Schrebergartenvereins diametral unterschiedliche Ansichten betreffend Spontanvegetation. Die Natur als selbständiger Gartengestalter war im Reglement nämlich nicht vorgesehen, was zu erheblichen Interessenkonflikten führte, die schliesslich in die Suche nach einem Garten ohne Oberaufsicht mündeten.
Im Ort mit dem prosaischen Namen Glücklitz findet sich rasch ein passendes Objekt, direkt am Glücklitzer See, auf einem zum Haus gehörenden, aber nicht erwerbbaren Weinberg (angeblich dem nördlichsten der Welt) gelegen. Als erstes gilt es aber ein Hindernis zu überwinden. Der neue Garten ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und so begleitet die Leserin die Kaminers durch ihre Fahrschullektionen und die Autoprüfung. Etliche Monate ziehen übers Land bis man schliesslich offiziell mobil ist, um im Brandenburgischen Garten loslegen zu können.
Nach Lust und Laune kann hier jeder nach eigenem Belieben planlos pflanzen, was ihm gefällt. „Spontan in jede Richtung vegetieren“ nennt dies der Autor. Die Familienmitglieder suchen sich Bäume aus. Die Grossmutter entscheidet sich für eine Pinie, die zum Baum des Erinnerns gekürt wird. Dazu gesellen sich Kirschbäume, Kriechweiden, Rhododendronbüsche und eine Schmucktanne (Araucaria). Am besten gedeiht der vom Sohn angepflanzte Meerrettich. So gut, dass der Vater an einem (vom Sohn verworfenen) Nutzungskonzept einer Meerrettich-Plantage herumstudiert. Aber vielleicht klappt es ja irgendwann mit der ebenfalls erwähnten Winzerkarriere und dem „Gewürzkaminer“?
Daneben berichtet Wladimir Kaminer über seine Gartenkarriere ausserhalb Brandenburgs, die einen Vortrag an einer Landesgartenschau beinhaltet und seine Rolle als Gartenexperte in drei Gartenfilmen. An einer anderen Stelle sinniert er über die sich regelmässig wiederholenden Vertreibungen von Menschen und die damit verbundene Anpassung der Obstauswahl. Denn musste einst zur Nachahmung des verlorenen Paradieses ein Apfel genügen, sind heute eher exotische Früchte gefragt. Die übrigens, wie schnell herausgefunden wird, in Brandenburg nicht gedeihen.
Die Lektüre verlockt immer wieder zum Schmunzeln. Oft war ich mir allerdings gar nicht sicher, ob sich das Erzählte tatsächlich so zugetragen hat oder einfach gut erfunden und berichtet ist. Hortikulturell ist eher wenig los in diesen Texten - gefühlsmässig geht es mehr ums Thema Fische und das Angeln. Interessant zu lesen sind besonders die Beobachtungen aus dem Alltag, wie und warum die Russen anders ticken und die Erklärungen zu den allgemeinen Unterschieden in den verschiedenen Kulturen.
Übrigens liest Wladimier Kaminer anlässlich des "Openair Literatur Festivals Zürich" am 11. Juli 2015 im Alten Botanischen Garten in Zürich unter dem Motto "Best of Kaminers Gärten" aus seinen Büchern.
Wladimir Kaminer:
Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013/2015
8. Mai 2015
Andreas Barlage: Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen
Von Taglilien, Pfingstrosen, Maiglöckchen, Duftveilchen, Winterastern, Islandmohn, Wicken, Königslilien, Dahlien, Wildtulpen, Rosen und viele anderen Blumen mehr schwärmt Andreas Barlage in diesem sehr persönlichen Buch und offenbart ein grosses Herz mit viel Platz für blühende Schönheiten. Ein kurzer hortikultureller Lebenslauf am Anfang der Publikation gibt einen Einblick in die zahlreichen Gärten, die in seinen ersten fünf Lebensjahrzehnten einen wichtigen Platz eingenommen haben.
Schon als Jugendlicher zeigte der Autor grosses und andauerndes Interesse am Gärtnern und wurde dabei von den Eltern gefördert und unterstützt - sowohl finanziell als auch durch das Vermitteln von ästhetischen Aspekten, wie er im Nachwort verrät. Doch zurück zum Anfang der grünen Passion. Diesen bildet der Verzicht auf drei Fix- und Foxi-Hefte. Der Gegenwert dieser Zeitschriften entsprach nämlich dem Preis einer Bauernpfingstrose im Topf. Dieses in der nahen Gärtnerei gekaufte Pflänzlein hatte allerdings fragwürdig wenig Ähnlichkeit mit einer eben solchen Schnittblume, welche den Jungen an einem Familienfest tief beeindruckt und zum Erwerb verführt hatte.
Der Garten hält noch viele weitere Lektionen bereit, so auch jene, dass neben Investitionen in Pflanzen auch solche in Dünger und Pflege nötig sind und Erfolg im grünen Bereich vielfach auf einer rechten Portion Geduld beruht. Viel Wissen eignet sich der junge Gärtner auch lesend an und seine beruflichen Ausbildungen schliessen auch ein Gartenbaustudium ein.
Die Entwicklung des Gärtners geht erfahrungsgemäss einher mit einem fortwährenden Wechsel von Vorlieben und schliesst meist auch das Gefallen oder Nicht-mehr-Gefallen von grossen Blüten ein. Denn während Junggärtnern eine Blume oft nicht gross genug sein kann, zieht der reifere Mensch kleinere Formen vor. Doch nicht nur schöne Blüten sind ein ausgezeichneter Kaufgrund, auch persönliche Erinnerungen kombiniert mit historischen Begebenheiten eignen sich als Auslöser für den Kauf einer bestimmten Rose.
Der Autor bezeichnet sich selber als Gärtner-Faulpelz, was ich nicht so richtig glauben mag. Hätte er sonst als dannzumal autoloser Balkongärtner sackweise Erde und grosse Töpfe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heimtransportiert und über Treppen in den dritten Stock geschleppt? So oder so vermittelt die Lektüre das Bild eines sehr sympathischen Mannes und man freut sich sofagärtnernd mit, wenn er von wunderbaren Gartenbildern aus Islandmohn und Narzissen berichtet oder von Erinnerungen weckenden Blumendüften berichtet. Daneben gibt es auch kritische Töne, etwa über die Massenvermehrung von Chrysanthemen, und Philosophisches über Schönheit und Vergänglichkeit.
Ob die Leserin über einen grünen Daumen oder nur über einen grünen Nagel (eine sehr hübsche Formulierung aus dem Buch) verfügt – sie wird sich bestimmt spätestens nach der Lektüre dieser Publikation Gedanken über die eigenen Lieblingspflanzen machen und das eine oder andere erwähnte Gewächs in den eigenen Garten holen wollen. Zuvor muss sie nur für sich entscheiden, was allerwichtigst ist oder ober-allerwichtigst - ein weiterer ungewohnter Ausdruck aus dem mit vielen Fotos und zum jeweiligen Thema passenden Papierblumen illustrierten Buch.
Andreas Barlage:
Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen
Jan Thorbecke Verlag, 2013
Schon als Jugendlicher zeigte der Autor grosses und andauerndes Interesse am Gärtnern und wurde dabei von den Eltern gefördert und unterstützt - sowohl finanziell als auch durch das Vermitteln von ästhetischen Aspekten, wie er im Nachwort verrät. Doch zurück zum Anfang der grünen Passion. Diesen bildet der Verzicht auf drei Fix- und Foxi-Hefte. Der Gegenwert dieser Zeitschriften entsprach nämlich dem Preis einer Bauernpfingstrose im Topf. Dieses in der nahen Gärtnerei gekaufte Pflänzlein hatte allerdings fragwürdig wenig Ähnlichkeit mit einer eben solchen Schnittblume, welche den Jungen an einem Familienfest tief beeindruckt und zum Erwerb verführt hatte.
Der Garten hält noch viele weitere Lektionen bereit, so auch jene, dass neben Investitionen in Pflanzen auch solche in Dünger und Pflege nötig sind und Erfolg im grünen Bereich vielfach auf einer rechten Portion Geduld beruht. Viel Wissen eignet sich der junge Gärtner auch lesend an und seine beruflichen Ausbildungen schliessen auch ein Gartenbaustudium ein.
Die Entwicklung des Gärtners geht erfahrungsgemäss einher mit einem fortwährenden Wechsel von Vorlieben und schliesst meist auch das Gefallen oder Nicht-mehr-Gefallen von grossen Blüten ein. Denn während Junggärtnern eine Blume oft nicht gross genug sein kann, zieht der reifere Mensch kleinere Formen vor. Doch nicht nur schöne Blüten sind ein ausgezeichneter Kaufgrund, auch persönliche Erinnerungen kombiniert mit historischen Begebenheiten eignen sich als Auslöser für den Kauf einer bestimmten Rose.
Der Autor bezeichnet sich selber als Gärtner-Faulpelz, was ich nicht so richtig glauben mag. Hätte er sonst als dannzumal autoloser Balkongärtner sackweise Erde und grosse Töpfe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heimtransportiert und über Treppen in den dritten Stock geschleppt? So oder so vermittelt die Lektüre das Bild eines sehr sympathischen Mannes und man freut sich sofagärtnernd mit, wenn er von wunderbaren Gartenbildern aus Islandmohn und Narzissen berichtet oder von Erinnerungen weckenden Blumendüften berichtet. Daneben gibt es auch kritische Töne, etwa über die Massenvermehrung von Chrysanthemen, und Philosophisches über Schönheit und Vergänglichkeit.
Ob die Leserin über einen grünen Daumen oder nur über einen grünen Nagel (eine sehr hübsche Formulierung aus dem Buch) verfügt – sie wird sich bestimmt spätestens nach der Lektüre dieser Publikation Gedanken über die eigenen Lieblingspflanzen machen und das eine oder andere erwähnte Gewächs in den eigenen Garten holen wollen. Zuvor muss sie nur für sich entscheiden, was allerwichtigst ist oder ober-allerwichtigst - ein weiterer ungewohnter Ausdruck aus dem mit vielen Fotos und zum jeweiligen Thema passenden Papierblumen illustrierten Buch.
Andreas Barlage:
Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen
Jan Thorbecke Verlag, 2013
15. April 2015
Peter Würth: Grüne Liebe
Wenn die Lesezeit beschränkt ist, muss besonders genau überlegt werden, zu welcher Lektüre gegriffen werden soll. Da ich dieses vom Verlag als Liebeserklärung an den Garten angepriesene Büchlein bereits in der früheren Ausgabe mit dem Titel „Gärtnern“ gelesen habe, zog ich „Grüne Liebe“ vorerst nicht in Erwägung. Das Inhaltsverzeichnis hat mich dann aber gleich zum Lesen verführt, und so stelle ich es nun doch hier im Sofagarten vor. Verlockend fand ich besonders die folgenden Kapitelüberschriften: „Der Garten meiner Kindheit“, „Englische Leselust“, „Visite bei Jürgen Dahl“, „Digitales Grün“ und „Gartenzwerge sind nicht spiessig“.
Peter Würth lässt die Leserin an seiner Gärtner-Werdung teilnehmen. Gleich zu Beginn offenbart er seine Eifersucht auf den Garten. Denn während er, der Autor, gut für sich selber sorgen kann, ist der grüne Bereich rund ums Haus auf die Liebesdienste der Frau angewiesen und wird gehätschelt und gepflegt, was zum Sinnieren anregt. Ob eine Wiedergeburt als Cosmea vielleicht eine Lösung dieses Problems wäre?
Für eine andere Herausforderung bietet sich der Studentenschnelldienst als Mittel und Weg an, schliesslich soll die (eigene) körperliche Belastung beim Gärtnern nicht überborden. Und die Aufgabe, den ganzen Garten umzugraben, kann oder besser muss wohl dieser Kategorie zugeordnet werden. Je nach Sichtweise eine klassische win-win-Situation – der eigene Rücken wird nicht überbelastet und dafür werden die Wirtschaft oder eben Studenten unterstützt.
Jedenfalls weist der neue Garten mit deren tatkräftiger Unterstützung überraschend schnell Ähnlichkeiten mit dem zuvor am Computer ausgetüftelten Plan aus. Dafür sorgen nicht zuletzt die frisch eingepflanzten Rhododendron, verschiedene Rosen, ein Jasminstrauch, eine Zaubernuss, ein Johannisbeer-Halbstamm und andere Neuerwerbungen. Wie viele ungeduldige Gärtner vor ihm muss auch dieser erfahren, dass zu eng bepflanzte Beete bereits nach relativ kurzer Zeit kaum mehr zu bändigen sind. Denn sehr schnell hat sich der Garten von der ursprünglichen Wüste in einen Dschungel und - nachdem der Mensch wieder für Ordnung gesorgt hat - in ein Schlachtfeld verwandelt.
Weitere Stationen im Gärtnerleben sind die Rosenkrise, ausgelöst durch die persönliche Entdeckung von Alten Rosen und damit der wahren Stachelschönheiten und das Hadern mit dem Birnenüberfluss – warum können nicht stattdessen ein paar Himbeeren mehr wachsen? Wenn Nachbars Katze erfolgreich ihre Jagdtriebe auslebt, wird das dann doch als etwas gar zu viel Natur im Garten erlebt. Wieso sich der fleissige Gärtner in Anbetracht der genussfreudigen Mitbenutzer gelegentlich vorkommt, als sei er aus dem eigenen Paradies vertrieben worden, und welche Schneckenbekämpfungsmethode er bevorzugt, lesen Sie besser gleich selber nach.
Meine Lieblingskapitel handeln von der Leselust und der Wiederbegegnung mit dem 2001 verstorbenen Jürgen Dahl. Die Bücher dieses neugierigen Gärtners, Ökologen und Philosophen habe ich seinerzeit mehrfach gelesen. Wieso glaubt der Autor, das englische Journal "Hortus"„ sei nur noch antiquarisch erhältlich? Meint er die zusätzlich in Anthologien veröffentlichten Essays aus „Hortus“? Ich erneuere nach wie vor jährlich mein Abo (das wegen dem starken Franken heutzutage viel günstiger ist als vor zehn Jahren…) und die Ausgaben erscheinen heutzutage bedeutend jahreszeitgerechteter als früher. So ist die aktuelle Frühlingsausgabe bereits Anfang April im Briefkasten gelegen.
Nach fast zwei Jahrzehnten habe ich mich natürlich nicht mehr im Detail an die erste Lektüre dieser im Übrigen vollständig neu überarbeiteten Texte erinnert. Nichtsdestotrotz liebe ich solche kenntnisreichen und vergnüglich verfassten Gärtnergeschichten. Dies gilt umso mehr, wenn sie in einer so hübschen Verpackung (sprich Umschlag) daherkommen, wie die jederzeit lesenswerten Gartenklassiker aus dem Schöffling Verlag.
Peter Würth:
Grüne Liebe
Schöffling und Co., 2015
Peter Würth lässt die Leserin an seiner Gärtner-Werdung teilnehmen. Gleich zu Beginn offenbart er seine Eifersucht auf den Garten. Denn während er, der Autor, gut für sich selber sorgen kann, ist der grüne Bereich rund ums Haus auf die Liebesdienste der Frau angewiesen und wird gehätschelt und gepflegt, was zum Sinnieren anregt. Ob eine Wiedergeburt als Cosmea vielleicht eine Lösung dieses Problems wäre?
Für eine andere Herausforderung bietet sich der Studentenschnelldienst als Mittel und Weg an, schliesslich soll die (eigene) körperliche Belastung beim Gärtnern nicht überborden. Und die Aufgabe, den ganzen Garten umzugraben, kann oder besser muss wohl dieser Kategorie zugeordnet werden. Je nach Sichtweise eine klassische win-win-Situation – der eigene Rücken wird nicht überbelastet und dafür werden die Wirtschaft oder eben Studenten unterstützt.
Jedenfalls weist der neue Garten mit deren tatkräftiger Unterstützung überraschend schnell Ähnlichkeiten mit dem zuvor am Computer ausgetüftelten Plan aus. Dafür sorgen nicht zuletzt die frisch eingepflanzten Rhododendron, verschiedene Rosen, ein Jasminstrauch, eine Zaubernuss, ein Johannisbeer-Halbstamm und andere Neuerwerbungen. Wie viele ungeduldige Gärtner vor ihm muss auch dieser erfahren, dass zu eng bepflanzte Beete bereits nach relativ kurzer Zeit kaum mehr zu bändigen sind. Denn sehr schnell hat sich der Garten von der ursprünglichen Wüste in einen Dschungel und - nachdem der Mensch wieder für Ordnung gesorgt hat - in ein Schlachtfeld verwandelt.
Weitere Stationen im Gärtnerleben sind die Rosenkrise, ausgelöst durch die persönliche Entdeckung von Alten Rosen und damit der wahren Stachelschönheiten und das Hadern mit dem Birnenüberfluss – warum können nicht stattdessen ein paar Himbeeren mehr wachsen? Wenn Nachbars Katze erfolgreich ihre Jagdtriebe auslebt, wird das dann doch als etwas gar zu viel Natur im Garten erlebt. Wieso sich der fleissige Gärtner in Anbetracht der genussfreudigen Mitbenutzer gelegentlich vorkommt, als sei er aus dem eigenen Paradies vertrieben worden, und welche Schneckenbekämpfungsmethode er bevorzugt, lesen Sie besser gleich selber nach.
Meine Lieblingskapitel handeln von der Leselust und der Wiederbegegnung mit dem 2001 verstorbenen Jürgen Dahl. Die Bücher dieses neugierigen Gärtners, Ökologen und Philosophen habe ich seinerzeit mehrfach gelesen. Wieso glaubt der Autor, das englische Journal "Hortus"„ sei nur noch antiquarisch erhältlich? Meint er die zusätzlich in Anthologien veröffentlichten Essays aus „Hortus“? Ich erneuere nach wie vor jährlich mein Abo (das wegen dem starken Franken heutzutage viel günstiger ist als vor zehn Jahren…) und die Ausgaben erscheinen heutzutage bedeutend jahreszeitgerechteter als früher. So ist die aktuelle Frühlingsausgabe bereits Anfang April im Briefkasten gelegen.
Nach fast zwei Jahrzehnten habe ich mich natürlich nicht mehr im Detail an die erste Lektüre dieser im Übrigen vollständig neu überarbeiteten Texte erinnert. Nichtsdestotrotz liebe ich solche kenntnisreichen und vergnüglich verfassten Gärtnergeschichten. Dies gilt umso mehr, wenn sie in einer so hübschen Verpackung (sprich Umschlag) daherkommen, wie die jederzeit lesenswerten Gartenklassiker aus dem Schöffling Verlag.
Peter Würth:
Grüne Liebe
Schöffling und Co., 2015
15. April 2014
Zuletzt ausgelesen: Christiane Feuerstack – Kleingarten, Kompost, Karma
Die Autorin berichtet in diesem Buch mit farbenfrohem Umschlag in satten Farben von ihrem Einstieg ins Schrebergärtnern. Die Erfahrungen im Zusammenhang mit der Übernahme einer verwilderten Parzelle schliessen das Ablegen von Vorurteilen und das Aufgeben von Widerständen ein. Weiter geht es um Begegnungen mit vierbeinigen Bewohnern und das Entdecken, wie schnell unabsichtlich gegen irgendwelche Vorschriften und Regeln verstossen wird – sei es bei der Anpflanzung von verbotenen Gewächsen oder der unkorrekten prozentualen Nutzung der Gesamtfläche.
Das Buch ist eine Art Reiseführer, mit dem vom Schrebergarten aus Reisen in die geistige Welt unternommen werden. So wird beispielsweise der Komposthaufen als Metapher für Erneuerung ganz allgemein herangezogen. Für meinen Geschmack stimmt die Aufteilung der Seitenzahlen zwischen Spiritualität und Gärtnern nicht. Der Fokus liegt nämlich eindeutig auf ersterem, während die Erlebnisse rund um die Entstehung von schwarzen Rändern unter den Fingernägeln eher Beilage sind. Doch über die richtige die Mischung dieses Buches waren sich laut Vorwort bereits Freunde der Autorin uneinig.
Christiane Feuerstack:
Kleingarten, Kompost, Karma
Menschmedien Verlag, 2013
Das Buch ist eine Art Reiseführer, mit dem vom Schrebergarten aus Reisen in die geistige Welt unternommen werden. So wird beispielsweise der Komposthaufen als Metapher für Erneuerung ganz allgemein herangezogen. Für meinen Geschmack stimmt die Aufteilung der Seitenzahlen zwischen Spiritualität und Gärtnern nicht. Der Fokus liegt nämlich eindeutig auf ersterem, während die Erlebnisse rund um die Entstehung von schwarzen Rändern unter den Fingernägeln eher Beilage sind. Doch über die richtige die Mischung dieses Buches waren sich laut Vorwort bereits Freunde der Autorin uneinig.
Christiane Feuerstack:
Kleingarten, Kompost, Karma
Menschmedien Verlag, 2013
19. März 2014
Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos): Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten
In ihrer aktuellsten Publikation hat sich Heidi Howcroft auf die Spuren von bedeutenden Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihren Gärten begeben. Thematisch gegliedert in die Kapitel „Von den Meisterinnen lernen“, „Geerbt, gebaut, gepflanzt – die neuen Gärten“ und „Einflüsse von der grünen Insel“ stellt sie die nachstehend aufgeführten Gartenikonen vor und zeigt auf, von welchen Einflüssen diese selber geprägt waren, wie sie ihre eigenen Ideen umgesetzt und wie sich ihre Gartenstile weiterverbreitet haben:
Rosamund Wallinger, Vita Sackville-West, Beatrix Havergal, Margery Fish, Rosemary Verey, Beth Chatto, Mary Keen, Anne Chambers, Gill Richardson, Lady Xa Tolemache, Rachel James, Rosanna James, Sue Whittington und Helen Dillon.
Zumindest einige dieser Gartengestalterinnen sind einem auch hierzulande bekannt, wenn man sich ein wenig mit der Gartenwelt beschäftigt. Doch auch in deren Portraits gibt’s Informationen zum (Wieder-)Entdecken. So weist die Autorin darauf hin, dass Rosemary Verey mit der Anlage ihres berühmten Potagers in Barnsley Garden den Boden dafür (mit-)geebnet hat, dass der Gemüseanbau heute wieder vorzeigbar ist. Falls Sie Rosen mögen, ist ihnen die Kiftsgate-Rose wahrscheinlich nicht unbekannt. Die ebenfalls portraitierte Anne Chambers gärtnert in der dritten Generation in Kiftsgate Court Gardens, wo seit rund achtzig Jahren das „Original“ der Kiftsgate-Rose wächst. Diese Pflanze wurde einst in einer Gärtnerei als Moschata-Rose gekauft, später als unbekannte Form identifiziert und schliesslich von Graham Thomas auf den Namen „Kiftsgate“ getauft.
Rosamund Wallinger hat die bemerkenswerte Herausforderung angenommen, ohne gärtnerische Kenntnisse die Wiederherstellung eines verwilderten Getrude Jekyll-Gartens in Angriff zu nehmen. Als Basis dienten ihr Pläne und alte Fotografien. Die schwierige Aufgabe hat sie mehr als souverän gelöst. Sie betont aber unermüdlich, dass der Garten Upton Grey eine Nachbildung von Gertrude Jekylls Kunst ist und keinesfalls ihre eigene Kunst. Über ihre eigenen hortikulturellen Erfahrungen hat sie zwei (englische) Bücher verfasst, die zusammen mit verschiedenen anderen Titeln in der Literaturliste im Anhang des Buches aufgeführt werden.
Auch in England sind die klimatischen Bedingungen nicht überall (annähernd) perfekt für gärtnerische Erfolge. Gill Richardson kämpft in Lincolnshire nicht nur gegen den Ostwind, auch verschiedene Vierbeiner machen ihr das Leben schwer. Muntjaks - kleine Hirsche - haben sich ausgerechnet ihre Helleboren als Lieblingsmahlzeit auserkoren. Doch trotz schwierigen Bedingungen hat die Gärtnerin ein Meisterwerk geschaffen und kombiniert immer wieder andere Pflanzen zu neuen Gartenbildern.
Helen Dillon ist eine bekannte irische Gärtnerin, deren Bücher leider bis jetzt ebenfalls (noch) nicht auf Deutsch übersetzt worden sind. Die Inselgärtnerin löst mit oft radikalen Veränderungen im Garten immer wieder Kopfschütteln aus. Denn viele Zeitungsleser kennen ihr grünes Reich aus Dillons regelmässig publizierten Kolumnen und scheinen oft deutlich weniger experimentierfreudig zu sein, als die Gestalterin selber. Diese ersetzt schon mal den Rasen durch ein formales Wasserbecken und stellt nach dem Entdecken der silbern bepflanzten Blumenrabatten in Metz die heimische Farbpalette nicht nur in Frage, sondern empfindet diese plötzlich als stark verbesserungswürdig. In Frankreich lohnt es sich übrigens nicht nur in Metz, "Blumeninseln“ genauer zu betrachten – u.a. auch in Nancy, Lyon und Paris finden sich in kommunalen Anlagen harmonisch abgestimmte Staudenkombinationen.
So wie diese für die englische Gartenbewegung prägenden Gärtnerinnen Kenntnisse über das Anlegen von stimmungsvollen Blumengärten wenigstens zum Teil von Vorfahren, Gleichgesinnten und aus Publikationen wie etwa Russel Pages „The Education of a Gardener“ übernommen haben, kann der Leser in diesem prächtig illustrierten Band Inspirationen für den eigenen Garten übernehmen. Oder zumindest von stimmigen Kombinationen in Farbe und Struktur träumen. Die wunderschöne Verbindung von Himalaya-Mohn mit Akeleien wird hierzulande ziemlich sicher leider nicht in der abgebildeten Pracht gedeihen, aber vielleicht lohnt sich ein Versuch mit einem Laubengang aus Wicken? Den Abschluss der mehrseitigen Portraits bilden jeweils ein von passenden Fotos begleiteter Leitfaden sowie Hinweise auf Leitpflanzen und ein Leitmotiv der jeweiligen Gärtnerin. So sieht Sue Whittington in jedem Pflanzenverlust die Chance, etwas Neues auszuprobieren.
Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos):
Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2014
Rosamund Wallinger, Vita Sackville-West, Beatrix Havergal, Margery Fish, Rosemary Verey, Beth Chatto, Mary Keen, Anne Chambers, Gill Richardson, Lady Xa Tolemache, Rachel James, Rosanna James, Sue Whittington und Helen Dillon.
Zumindest einige dieser Gartengestalterinnen sind einem auch hierzulande bekannt, wenn man sich ein wenig mit der Gartenwelt beschäftigt. Doch auch in deren Portraits gibt’s Informationen zum (Wieder-)Entdecken. So weist die Autorin darauf hin, dass Rosemary Verey mit der Anlage ihres berühmten Potagers in Barnsley Garden den Boden dafür (mit-)geebnet hat, dass der Gemüseanbau heute wieder vorzeigbar ist. Falls Sie Rosen mögen, ist ihnen die Kiftsgate-Rose wahrscheinlich nicht unbekannt. Die ebenfalls portraitierte Anne Chambers gärtnert in der dritten Generation in Kiftsgate Court Gardens, wo seit rund achtzig Jahren das „Original“ der Kiftsgate-Rose wächst. Diese Pflanze wurde einst in einer Gärtnerei als Moschata-Rose gekauft, später als unbekannte Form identifiziert und schliesslich von Graham Thomas auf den Namen „Kiftsgate“ getauft.
Rosamund Wallinger hat die bemerkenswerte Herausforderung angenommen, ohne gärtnerische Kenntnisse die Wiederherstellung eines verwilderten Getrude Jekyll-Gartens in Angriff zu nehmen. Als Basis dienten ihr Pläne und alte Fotografien. Die schwierige Aufgabe hat sie mehr als souverän gelöst. Sie betont aber unermüdlich, dass der Garten Upton Grey eine Nachbildung von Gertrude Jekylls Kunst ist und keinesfalls ihre eigene Kunst. Über ihre eigenen hortikulturellen Erfahrungen hat sie zwei (englische) Bücher verfasst, die zusammen mit verschiedenen anderen Titeln in der Literaturliste im Anhang des Buches aufgeführt werden.
Auch in England sind die klimatischen Bedingungen nicht überall (annähernd) perfekt für gärtnerische Erfolge. Gill Richardson kämpft in Lincolnshire nicht nur gegen den Ostwind, auch verschiedene Vierbeiner machen ihr das Leben schwer. Muntjaks - kleine Hirsche - haben sich ausgerechnet ihre Helleboren als Lieblingsmahlzeit auserkoren. Doch trotz schwierigen Bedingungen hat die Gärtnerin ein Meisterwerk geschaffen und kombiniert immer wieder andere Pflanzen zu neuen Gartenbildern.
Helen Dillon ist eine bekannte irische Gärtnerin, deren Bücher leider bis jetzt ebenfalls (noch) nicht auf Deutsch übersetzt worden sind. Die Inselgärtnerin löst mit oft radikalen Veränderungen im Garten immer wieder Kopfschütteln aus. Denn viele Zeitungsleser kennen ihr grünes Reich aus Dillons regelmässig publizierten Kolumnen und scheinen oft deutlich weniger experimentierfreudig zu sein, als die Gestalterin selber. Diese ersetzt schon mal den Rasen durch ein formales Wasserbecken und stellt nach dem Entdecken der silbern bepflanzten Blumenrabatten in Metz die heimische Farbpalette nicht nur in Frage, sondern empfindet diese plötzlich als stark verbesserungswürdig. In Frankreich lohnt es sich übrigens nicht nur in Metz, "Blumeninseln“ genauer zu betrachten – u.a. auch in Nancy, Lyon und Paris finden sich in kommunalen Anlagen harmonisch abgestimmte Staudenkombinationen.
So wie diese für die englische Gartenbewegung prägenden Gärtnerinnen Kenntnisse über das Anlegen von stimmungsvollen Blumengärten wenigstens zum Teil von Vorfahren, Gleichgesinnten und aus Publikationen wie etwa Russel Pages „The Education of a Gardener“ übernommen haben, kann der Leser in diesem prächtig illustrierten Band Inspirationen für den eigenen Garten übernehmen. Oder zumindest von stimmigen Kombinationen in Farbe und Struktur träumen. Die wunderschöne Verbindung von Himalaya-Mohn mit Akeleien wird hierzulande ziemlich sicher leider nicht in der abgebildeten Pracht gedeihen, aber vielleicht lohnt sich ein Versuch mit einem Laubengang aus Wicken? Den Abschluss der mehrseitigen Portraits bilden jeweils ein von passenden Fotos begleiteter Leitfaden sowie Hinweise auf Leitpflanzen und ein Leitmotiv der jeweiligen Gärtnerin. So sieht Sue Whittington in jedem Pflanzenverlust die Chance, etwas Neues auszuprobieren.
Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos):
Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2014
1. März 2014
Gabriele Hefele: Mein andalusischer Gärtner
Im Jahr 2000 ziehen Gabriele Hefele und ihr Mann nach Andalusien auf eine Finca mit rund 34‘000 Quadratmetern Umschwung. Hier sammelt die ungeduldige Autorin ihre ersten hortikulturellen Erfahrungen im Gemüsegarten, den sie etwas voreilig noch während Umbauarbeiten anlegt. Doch die Grösse des Geländes macht die Anstellung eines Gärtners notwendig.
Zwar ist nicht gleich der erste unter Vertrag genommene Gärtner ein Glücksgriff, aber mit dem im Buch Miguel genannten Arbeiter haben die Auswanderer eine gute Wahl getroffen. Er weiss nicht nur genau, welche Bäume zur Befruchtung einen Partnerbaum brauchen (etwa Johannisbrotbäume), welche Bäume man im Sommer nicht giessen soll (gibt Würmer in den Früchten) und was es mit den zuckerwatteähnlichen Gebilden auf Pinien auf sich hat (gefährliche Parasiten, die Allergieschocks auslösen können), sondern führt die Deutschen in der vormittäglichen Kaffeepause auch in die andalusische Kultur ein, hilft beim Überwinden von gelegentlich auftretenden Sprachbarrieren und betätigt sich als Lehrer in Sachen Geschichte der Iberischen Halbinsel.
Auch der Leser lernt nebenbei etwas Spanisch, da viele Ausdrücke in dieser Sprache festgehalten werden. Daneben gibt’s viele Garten- und Tiertipps zu lesen, wobei diese natürlich vorwiegend die südliche Hemisphäre betreffen, und nur beschränkt im nördlicheren Europa anzuwenden sind. Die Ratschläge, die Mondphasen zu beachten und vor dem Giessen um die Pflanzen Mulden zu bilden, dank denen vor allem bei grosser Hitze das kostbare Wasser direkt an die Wurzeln gelangen soll, sind aber auch in hiesigen Gefilden sinnvoll, während Hinweise für den besten Zeitpunkt fürs Umpflanzen nicht eins zu eins übernommen werden kann.
Daneben liest man auch mal einen juristischen Tipp (über angeeignetes Besitztum aus Gewohnheitsrecht), über vergnügliche Flamenco-Lektionen, immer wieder über die fast heilige Neun-Uhr-Pause und über Erfahrungen, die das Leben schreibt. Nämlich zum Beispiel die, dass sich der Südländer lösungs- und der Nord- und Mitteleuropäer vorschriftenorientiert verhält.
Am Schluss dieser Anekdotensammlung stehen Komplimente des andalusischen Gärtners Miguel an seine deutschen Arbeitgeber. Nicht zu übertreffen soll die Tatsache sein, dass er schon über vier Jahre bei ihnen arbeitet. So lange hat er es (der nicht mehr 25 Jahre alt ist), noch an keiner Stelle ausgehalten. Miguel verteilt am Schluss der Lektüre nicht nur Komplimente. Er verrät auch noch, ob die Autorin tatsächlich eine überzeugte Gärtnerin ist oder eher nicht.
Fünf Jahre nach der Publikation dieses Büchleins bleibt offen, ob der andalusische Gärtner heute noch auf der Finca arbeitet. Und ob Die Flamenco-Kleider-Sammlung der Autorin inzwischen ähnliche Ausmasse angenommen hat, wie die Dirndl-Sammlung in Bayern…
Gabriele Hefele:
Mein andalusischer Gärtner
Editorial alhulia, 2008
Zwar ist nicht gleich der erste unter Vertrag genommene Gärtner ein Glücksgriff, aber mit dem im Buch Miguel genannten Arbeiter haben die Auswanderer eine gute Wahl getroffen. Er weiss nicht nur genau, welche Bäume zur Befruchtung einen Partnerbaum brauchen (etwa Johannisbrotbäume), welche Bäume man im Sommer nicht giessen soll (gibt Würmer in den Früchten) und was es mit den zuckerwatteähnlichen Gebilden auf Pinien auf sich hat (gefährliche Parasiten, die Allergieschocks auslösen können), sondern führt die Deutschen in der vormittäglichen Kaffeepause auch in die andalusische Kultur ein, hilft beim Überwinden von gelegentlich auftretenden Sprachbarrieren und betätigt sich als Lehrer in Sachen Geschichte der Iberischen Halbinsel.
Auch der Leser lernt nebenbei etwas Spanisch, da viele Ausdrücke in dieser Sprache festgehalten werden. Daneben gibt’s viele Garten- und Tiertipps zu lesen, wobei diese natürlich vorwiegend die südliche Hemisphäre betreffen, und nur beschränkt im nördlicheren Europa anzuwenden sind. Die Ratschläge, die Mondphasen zu beachten und vor dem Giessen um die Pflanzen Mulden zu bilden, dank denen vor allem bei grosser Hitze das kostbare Wasser direkt an die Wurzeln gelangen soll, sind aber auch in hiesigen Gefilden sinnvoll, während Hinweise für den besten Zeitpunkt fürs Umpflanzen nicht eins zu eins übernommen werden kann.
Daneben liest man auch mal einen juristischen Tipp (über angeeignetes Besitztum aus Gewohnheitsrecht), über vergnügliche Flamenco-Lektionen, immer wieder über die fast heilige Neun-Uhr-Pause und über Erfahrungen, die das Leben schreibt. Nämlich zum Beispiel die, dass sich der Südländer lösungs- und der Nord- und Mitteleuropäer vorschriftenorientiert verhält.
Am Schluss dieser Anekdotensammlung stehen Komplimente des andalusischen Gärtners Miguel an seine deutschen Arbeitgeber. Nicht zu übertreffen soll die Tatsache sein, dass er schon über vier Jahre bei ihnen arbeitet. So lange hat er es (der nicht mehr 25 Jahre alt ist), noch an keiner Stelle ausgehalten. Miguel verteilt am Schluss der Lektüre nicht nur Komplimente. Er verrät auch noch, ob die Autorin tatsächlich eine überzeugte Gärtnerin ist oder eher nicht.
Fünf Jahre nach der Publikation dieses Büchleins bleibt offen, ob der andalusische Gärtner heute noch auf der Finca arbeitet. Und ob Die Flamenco-Kleider-Sammlung der Autorin inzwischen ähnliche Ausmasse angenommen hat, wie die Dirndl-Sammlung in Bayern…
Gabriele Hefele:
Mein andalusischer Gärtner
Editorial alhulia, 2008
24. Februar 2014
Anne Wareham: The Bad Tempered Gardener
Ann Wareham hat mit „The Bad Tempered Gardener“ gleichzeitig eines der spezielleren wie auch der lesenswertesten Gartenbücher der letzten Jahre geschrieben. Auf rund 160 Seiten tut sie ihre Meinung zu den verschiedensten hortikulturellen Themen kund und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Logisch, dass sie sich damit nicht nur Freunde macht. Erwarten Sie also weder ein „how-to-do-book“ noch eines, in dem die Aussagen eins zu eins mit üblicherweise verbreiteten, oft geschönten und/oder immer wieder ungeprüft übernommenen Ansichten übereinstimmen. Und vielleicht geht es ihnen ja wie der Sofagärtnerin und Sie denken während der Lektüre immer mal wieder, Sie selber hätten der Autorin Teile des Textes vordiktiert oder zumindest Gedankenanstösse geliefert.
Die Titel der Kapitel in unterschiedlichen Längen erscheinen ganz unverfänglich und lauten etwa:
- Plant Obssessives
- Deadheading
- New Media
- The Veg Plot
- Show Gardens
- Visitors oder
- A History of the Site
Einzelne Überschriften lassen aber doch schon etwas Aufmüpfigkeit durchschimmern:
- Truth and The Garden World
- I hate Gardening
- Experts und
- Are Gardens for Gardeners?
Für sie enttäuschende Besuche in bekannten und vielgelobten Gartenanlagen führen der Autorin vor Augen, dass ihr eigener Garten mit strenge Linien und Mustern strukturiert sein muss. Grösstmögliche Wirkung erzielt sie mit Wiederholungen von unzähligen gleichen Pflanzen und sie will keinesfalls einen Sammlergarten anlegen. Da nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um einen vergleichsweise grossen Garten mit Grünzeug zu füllen, nutzt Anne Wareham Pflanzen gewissermassen als Waffen, die grosse Flächen schnell und günstig überwachsen sollen.
Anne Wareham ist selber nicht unendlich fasziniert von Pflanzen, sondern betrachtet diese in erster Linie als Werkzeug, um ihre Ideen von Gartengestaltung umzusetzen. Ihre Vorliebe gilt nicht minimalen Unterschieden in Blüte und Struktur, sondern grosszügigen Effekten. So beklagen sich ihre Gartenbesucher immer mal wieder über ihre angeblich langweiligen Pflanzen. Doch wem muss der Garten eigentlich gefallen? Der Gärtnerin oder dem Besucher?
Gartenwege sind mit Enttäuschungen gepflastert. Die Autorin selber liebt Showgärten – aber nicht wegen der dort präsentierten Gärten, sondern wegen der Begegnungen. Und sie ist selber enttäuscht, wenn sie in der Gärtnerei ein Auge auf eine bestimmte Pflanze geworfen hat, und sich diese als unverkäufliche Mutterpflanze entpuppt. In ihrer Tätigkeit als Journalistin hat sie ausserdem gelernt, von ihr verfasste Text nie in der endgültigen oft zur Unkenntlichkeit gekürzten Druckversion zu lesen, um sich so manchen Dämpfer zu ersparen. Ebenfalls ein Thema sind die unterschiedlichen Status von Gartenschriftstellern, Gartenbesitzern und Fotografen, die in direktem Zusammenhang damit stehen, dass die meisten Leser nicht lesen, sondern Bilder anschauen (darum heisst es ja auch lesen …).
Die Autorin berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit der Produktion von TV-Sendungen und macht sich Gedanken die Veränderung von Technologien und die Auswirkungen von Neuen Medien wie Blogs und Twitter auf das Gärtnern. Für ihre Idee, ein Buch mit ungeschönten Kritiken über Gärten zu verfassen, fand sie bis jetzt keinen Verleger. Doch ist wirklich alles Mainstream? Die Geschmäcker und Ansprüche sind nun mal wie die Hintergründe und Erwartungen der Betrachter verschieden.
Weiter berichtet Anne Wareham offen über ihre eigenen Erfahrungen mit (unbefriedigenden) Chemieeinsätzen im Garten und listet Tätigkeiten auf, die sie nie erledigt. Dazu gehören das Wenden des Komposts, Blumentöpfe schrubben, Rasenkanten schneiden und das Reinigen von Gartenwerkzeug. Sie erzählt von (beinah) gebrochenem Herzen, wenn Kaninchen in kürzester Zeit mühsam gezogene Pflänzlein zerstören, von der Leere, die sie empfindet, wenn sie Gartensendungen mit vielen hübschen Bildern und wenig Informationsgehalt im Fernsehen ansieht und vom Zwiespalt zwischen den Erwartungen von Gastgebern und Besuchern in offenen Gärten.
Aus den Fotos im Buch ist unschwer zu erkennen, dass der Garten der Autorin viel Schneidearbeit mit sich bringt. Kein Wunder ist in dieser Publikation nicht von Gelassenheit und pflegeleichten Gärten die Rede, sondern von vergänglichem Enthusiasmus sowie Kummer und Anstrengung (aber natürlich auch von Erfolgserlebnissen und der Liebe zur Natur!). Und Anne Wareham vergleicht die Hausarbeit mit Gärtnern und meint, staubfrei sei identisch mit unkrautfrei. Stimmt nicht! Oder vielleicht doch ein bisschen?
Anne Wareham:
The Bad Tempered Gardener
Frances Lincoln, 2011
Die Titel der Kapitel in unterschiedlichen Längen erscheinen ganz unverfänglich und lauten etwa:
- Plant Obssessives
- Deadheading
- New Media
- The Veg Plot
- Show Gardens
- Visitors oder
- A History of the Site
Einzelne Überschriften lassen aber doch schon etwas Aufmüpfigkeit durchschimmern:
- Truth and The Garden World
- I hate Gardening
- Experts und
- Are Gardens for Gardeners?
Für sie enttäuschende Besuche in bekannten und vielgelobten Gartenanlagen führen der Autorin vor Augen, dass ihr eigener Garten mit strenge Linien und Mustern strukturiert sein muss. Grösstmögliche Wirkung erzielt sie mit Wiederholungen von unzähligen gleichen Pflanzen und sie will keinesfalls einen Sammlergarten anlegen. Da nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um einen vergleichsweise grossen Garten mit Grünzeug zu füllen, nutzt Anne Wareham Pflanzen gewissermassen als Waffen, die grosse Flächen schnell und günstig überwachsen sollen.
Anne Wareham ist selber nicht unendlich fasziniert von Pflanzen, sondern betrachtet diese in erster Linie als Werkzeug, um ihre Ideen von Gartengestaltung umzusetzen. Ihre Vorliebe gilt nicht minimalen Unterschieden in Blüte und Struktur, sondern grosszügigen Effekten. So beklagen sich ihre Gartenbesucher immer mal wieder über ihre angeblich langweiligen Pflanzen. Doch wem muss der Garten eigentlich gefallen? Der Gärtnerin oder dem Besucher?
Gartenwege sind mit Enttäuschungen gepflastert. Die Autorin selber liebt Showgärten – aber nicht wegen der dort präsentierten Gärten, sondern wegen der Begegnungen. Und sie ist selber enttäuscht, wenn sie in der Gärtnerei ein Auge auf eine bestimmte Pflanze geworfen hat, und sich diese als unverkäufliche Mutterpflanze entpuppt. In ihrer Tätigkeit als Journalistin hat sie ausserdem gelernt, von ihr verfasste Text nie in der endgültigen oft zur Unkenntlichkeit gekürzten Druckversion zu lesen, um sich so manchen Dämpfer zu ersparen. Ebenfalls ein Thema sind die unterschiedlichen Status von Gartenschriftstellern, Gartenbesitzern und Fotografen, die in direktem Zusammenhang damit stehen, dass die meisten Leser nicht lesen, sondern Bilder anschauen (darum heisst es ja auch lesen …).
Die Autorin berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit der Produktion von TV-Sendungen und macht sich Gedanken die Veränderung von Technologien und die Auswirkungen von Neuen Medien wie Blogs und Twitter auf das Gärtnern. Für ihre Idee, ein Buch mit ungeschönten Kritiken über Gärten zu verfassen, fand sie bis jetzt keinen Verleger. Doch ist wirklich alles Mainstream? Die Geschmäcker und Ansprüche sind nun mal wie die Hintergründe und Erwartungen der Betrachter verschieden.
Weiter berichtet Anne Wareham offen über ihre eigenen Erfahrungen mit (unbefriedigenden) Chemieeinsätzen im Garten und listet Tätigkeiten auf, die sie nie erledigt. Dazu gehören das Wenden des Komposts, Blumentöpfe schrubben, Rasenkanten schneiden und das Reinigen von Gartenwerkzeug. Sie erzählt von (beinah) gebrochenem Herzen, wenn Kaninchen in kürzester Zeit mühsam gezogene Pflänzlein zerstören, von der Leere, die sie empfindet, wenn sie Gartensendungen mit vielen hübschen Bildern und wenig Informationsgehalt im Fernsehen ansieht und vom Zwiespalt zwischen den Erwartungen von Gastgebern und Besuchern in offenen Gärten.
Aus den Fotos im Buch ist unschwer zu erkennen, dass der Garten der Autorin viel Schneidearbeit mit sich bringt. Kein Wunder ist in dieser Publikation nicht von Gelassenheit und pflegeleichten Gärten die Rede, sondern von vergänglichem Enthusiasmus sowie Kummer und Anstrengung (aber natürlich auch von Erfolgserlebnissen und der Liebe zur Natur!). Und Anne Wareham vergleicht die Hausarbeit mit Gärtnern und meint, staubfrei sei identisch mit unkrautfrei. Stimmt nicht! Oder vielleicht doch ein bisschen?
Anne Wareham:
The Bad Tempered Gardener
Frances Lincoln, 2011
17. Juni 2013
Brenda Stumpf: Das erotische Potential meines Kleingärtnervereins – Vom Angraben und Umgraben
Jeder hat eine Liste mit Dingen, die er ganz bestimmt nie tun will und tun wird. Weit oben auf Brenda Stumpfs Liste stand schon seit vielen Jahren die Anschaffung eines eigenen Gartens. Zuletzt hat sie vorübergehend ein paar Wochen bei ihrer Mutter gelebt und ist dort immer wieder zum Rasenmähen, Äpfel Pflücken und Rasenkanten schneiden eingespannt worden. Tätigkeiten, die den Top-Listenplatz des Gärtnerns einmal mehr bestätigten. Und schliesslich reichte die schöne neue Wohnung mit Balkon doch völlig aus, das (eher magere) hortikulturelle Bedürfnis zu befriedigen.
Bis eben genau ihre Mutter vorschlug, Brenda solle sich doch zum Ausgleich zur Schreibtischtätigkeit einen Schrebergarten zutun und mit diesen Worten nichtsahnend einen Samen in irgendwie wohl doch schon gut vorbereiteten Boden setzte und zum Keimen brachte. Sämtliche Vorbehalte von wegen "keine Lust sture Vorschriften und Regeln befolgen zu müssen und auf dem Präsentierteller zu sitzen" haben plötzlich ihren Schrecken verloren und die Autorin verliebt sich auf den ersten Blick in eine dreieckige Parzelle. Nicht unwesentlich zum positiven Entscheid beigetragen hat allerdings die Tatsache, dass diese entlang der Grundstücksgrenze nicht von Wegen gesäumt wird. Schon Beverley Nichols hatte viel Freude an seinem dreieckigen Flecken Land und auch Brenda Stumpf sollte es nicht anders ergehen. Da sie gärtnerisch (noch) recht unbedarft ist, holt sie ihre Freundin Anke an Bord und zusammen starten die beiden Frauen das Projekt „Kleingarten“.
Der übernommene Garten ist schon seit einigen Jahre mit Ausnahme von gelegentlichem Rasenmähen und Heckenschneiden mehrheitlich sich selber überlassen gewesen. Somit wartet einige Arbeit auf die motivierten Gärtnerinnen. Die beiden gärtnern ökologisch und die Autorin meint, der Garten produziere genügend Ertrag, um auch sogenannte „Schädlinge“ durchzufüttern. Die überwiegend herrenlose Zeit haben denn auch die tierischen Bewohner bemerkt. Kröten, Igel, Vögel und auch ein Kater müssen sich erst wieder an menschlichen Betrieb gewöhnen. Immer wieder für Unterhaltung und Abwechslung sorgt die Amsel Hans. Und nicht nur die Amsel kriegt einen Namen verpasst. Auch für die Pflanzen gibt es parzellen-interne Spezial-Definitionen. „Los Blattos“ sind Funkien, die Kapuzinerkresse wird Äffchen genannt und der Zierlauch heisst „Mega-Pompom“.
Anke entpuppt sich als eine gute, aber auch strenge Lehrmeisterin. So beharrt sie auf der ordentlichen Pflege der mit der Parzelle übernommenen hochwertigen Werkzeuge. Dazu gehört schrubben, polieren, schmirgeln und einölen ebenso wie auch das Säubern sämtlicher Töpfe und Pflanzgefässe. Der Naturgarten ist unordentlich, chaotisch und unstrukturiert. Doch die beiden Frauen sind stolz und erfreuen sich an ihrem „grün-bunten Flower-Power-Wahnsinn“ und sprudeln vor kreativen Ideen, die sie oft gleich umsetzen. Trotzdem befällt Brenda Stumpf nach einem ersten Besuch in einem ordentlichen Kleingarten das dringende Bedürfnis den Garten aufzuräumen, zu putzen und Blätter abzustauben. Sie findet aber auch bald heraus, dass es oft die Männer sind, die in anderen Gärten gestalten und wirken und dass die Frauen etwas mehr Unordnung und natürliche Wildnis auf den Parzellen begrüssen würden. Überhaupt muss man sich erst gegenseitig beschnuppern, vertraut machen und lernt bald die Vorlieben, Ticks, Tricks und Grosszügigkeit der Vereins- und Parzellennachbarn kennen. Nachdem die anfängliche Skepsis von wegen Schriftsteller-Beruf ausgeräumt worden ist, entstehen auch erste Freundschaften.
Während die ersten Gartenversuche ausgesprochen erfolgversprechend sind, harzt es beim Parallelprojekt, der Partnersuche. Weder im Kleingärtnerverein noch im World Wide Web findet sich vorderhand ein Partner, der nicht zu sportlich ist, aber gerne dem Deich entlang Velo fährt und Schafe anschaut, sofern die Sonne scheint und es nicht zu heftig windet. Andere Hindernisse sind da etwa die unterschiedlichen Ansichten über Spontanität oder das Recht von Regenwürmern auf einen natürlichen Tod. Und manchmal kreuzt sich die virtuelle plötzlich mit der richtigen Welt.
Übrigens habe ich hier schon einmal ein Buch von Brenda Stumpf vorgestellt. Unter dem Pseudonym Auerbach und Keller schreibt sie eine Krimi-Reihe, aus der ich den Schrebergartenkrimi "Unter allen Beeten ist Ruh" hier vorgestellt habe. In Kürze erscheint „Ins Gras gebissen“ rund um eine fast hundertjährige Besitzerin einer Gartenzwergmanufaktur. Und in diesem deutschen Erfahrungsbericht übers Gärtnern und die Partnersuche habe ich sogar noch etwas über den schweizerischen Dialekt gelernt. Dass in der Schweiz die Gänseblümchen in gewissen Gegenden Margrittli genannt werden, war mir nämlich neu (und ich habe die Richtigkeit dieser Information angezweifelt). Lokal heissen sie jedenfalls nicht so.
Brenda Stumpf:
Das erotische Potential meines Kleingärtnervereins – Vom Angraben und Umgraben
Knaur Taschenbuch, 2013
Bis eben genau ihre Mutter vorschlug, Brenda solle sich doch zum Ausgleich zur Schreibtischtätigkeit einen Schrebergarten zutun und mit diesen Worten nichtsahnend einen Samen in irgendwie wohl doch schon gut vorbereiteten Boden setzte und zum Keimen brachte. Sämtliche Vorbehalte von wegen "keine Lust sture Vorschriften und Regeln befolgen zu müssen und auf dem Präsentierteller zu sitzen" haben plötzlich ihren Schrecken verloren und die Autorin verliebt sich auf den ersten Blick in eine dreieckige Parzelle. Nicht unwesentlich zum positiven Entscheid beigetragen hat allerdings die Tatsache, dass diese entlang der Grundstücksgrenze nicht von Wegen gesäumt wird. Schon Beverley Nichols hatte viel Freude an seinem dreieckigen Flecken Land und auch Brenda Stumpf sollte es nicht anders ergehen. Da sie gärtnerisch (noch) recht unbedarft ist, holt sie ihre Freundin Anke an Bord und zusammen starten die beiden Frauen das Projekt „Kleingarten“.
Der übernommene Garten ist schon seit einigen Jahre mit Ausnahme von gelegentlichem Rasenmähen und Heckenschneiden mehrheitlich sich selber überlassen gewesen. Somit wartet einige Arbeit auf die motivierten Gärtnerinnen. Die beiden gärtnern ökologisch und die Autorin meint, der Garten produziere genügend Ertrag, um auch sogenannte „Schädlinge“ durchzufüttern. Die überwiegend herrenlose Zeit haben denn auch die tierischen Bewohner bemerkt. Kröten, Igel, Vögel und auch ein Kater müssen sich erst wieder an menschlichen Betrieb gewöhnen. Immer wieder für Unterhaltung und Abwechslung sorgt die Amsel Hans. Und nicht nur die Amsel kriegt einen Namen verpasst. Auch für die Pflanzen gibt es parzellen-interne Spezial-Definitionen. „Los Blattos“ sind Funkien, die Kapuzinerkresse wird Äffchen genannt und der Zierlauch heisst „Mega-Pompom“.
Anke entpuppt sich als eine gute, aber auch strenge Lehrmeisterin. So beharrt sie auf der ordentlichen Pflege der mit der Parzelle übernommenen hochwertigen Werkzeuge. Dazu gehört schrubben, polieren, schmirgeln und einölen ebenso wie auch das Säubern sämtlicher Töpfe und Pflanzgefässe. Der Naturgarten ist unordentlich, chaotisch und unstrukturiert. Doch die beiden Frauen sind stolz und erfreuen sich an ihrem „grün-bunten Flower-Power-Wahnsinn“ und sprudeln vor kreativen Ideen, die sie oft gleich umsetzen. Trotzdem befällt Brenda Stumpf nach einem ersten Besuch in einem ordentlichen Kleingarten das dringende Bedürfnis den Garten aufzuräumen, zu putzen und Blätter abzustauben. Sie findet aber auch bald heraus, dass es oft die Männer sind, die in anderen Gärten gestalten und wirken und dass die Frauen etwas mehr Unordnung und natürliche Wildnis auf den Parzellen begrüssen würden. Überhaupt muss man sich erst gegenseitig beschnuppern, vertraut machen und lernt bald die Vorlieben, Ticks, Tricks und Grosszügigkeit der Vereins- und Parzellennachbarn kennen. Nachdem die anfängliche Skepsis von wegen Schriftsteller-Beruf ausgeräumt worden ist, entstehen auch erste Freundschaften.
Während die ersten Gartenversuche ausgesprochen erfolgversprechend sind, harzt es beim Parallelprojekt, der Partnersuche. Weder im Kleingärtnerverein noch im World Wide Web findet sich vorderhand ein Partner, der nicht zu sportlich ist, aber gerne dem Deich entlang Velo fährt und Schafe anschaut, sofern die Sonne scheint und es nicht zu heftig windet. Andere Hindernisse sind da etwa die unterschiedlichen Ansichten über Spontanität oder das Recht von Regenwürmern auf einen natürlichen Tod. Und manchmal kreuzt sich die virtuelle plötzlich mit der richtigen Welt.
Übrigens habe ich hier schon einmal ein Buch von Brenda Stumpf vorgestellt. Unter dem Pseudonym Auerbach und Keller schreibt sie eine Krimi-Reihe, aus der ich den Schrebergartenkrimi "Unter allen Beeten ist Ruh" hier vorgestellt habe. In Kürze erscheint „Ins Gras gebissen“ rund um eine fast hundertjährige Besitzerin einer Gartenzwergmanufaktur. Und in diesem deutschen Erfahrungsbericht übers Gärtnern und die Partnersuche habe ich sogar noch etwas über den schweizerischen Dialekt gelernt. Dass in der Schweiz die Gänseblümchen in gewissen Gegenden Margrittli genannt werden, war mir nämlich neu (und ich habe die Richtigkeit dieser Information angezweifelt). Lokal heissen sie jedenfalls nicht so.
Brenda Stumpf:
Das erotische Potential meines Kleingärtnervereins – Vom Angraben und Umgraben
Knaur Taschenbuch, 2013
9. Juni 2013
Georg Möller (Text) und Gary Rogers (Fotos): Gartenwelten – Männer und ihre grüne Leidenschaft
Georg Möller vom Oehndorf-Garten hat mit fotografischer Unterstützung von Gary Rogers mit „Gartenwelten – Männer und ihre grüne Leidenschaft“ sein zweites Gartenbuch-Projekt verwirklicht. Er war unterwegs in Frankreich, England, Holland, Österreich und Deutschland und hat etliche Geschichten und Gärten „mitgebracht“, die man nicht schon aus unzähligen Medien kennt (jedenfalls ich nicht). Das Vorwort hat Anja Maubach verfasst, die den Autor von ausgedehnten Besuchen in ihrer Gärtnerei persönlich kennt.
Die Publikation ist in die folgenden Kapitel aufgeteilt:
- Sammlergärten
- Architektonische Gärten
- Landgärten
- Künstlergärten
- Leidenschaft für Garten und Pflanzen
- Traumgärten
Am Anfang des Kapitels steht jeweils eine kurze Einführung zum Thema. Die Portraits selber beginnen einheitlich mit einem einseitigen Text aus der Feder des jeweiligen Gärtners und werden komplettiert durch die schriftlich festgehaltenen Eindrücke des Autors und die gewohnt ausdruckstarken Fotos von Gary Rogers.
Im Portrait über Maris Wittur liest man etwa über das auch im wahrsten Sinne des Wortes (folgen)schwere Quittengeschenk (drei Zentner Früchte) einer alten Dame an einen Studenten. Das dannzumal magere Wissen des gelernten Baumpflegers („daraus lässt sich Gelée machen“) ist längst eine Passion geworden und einem unermüdlichen Einsatz für diese Kulturfrucht samt Quittenbaumschule mit beim Zeitpunkt der Publikation 63 Sorten gewichen.
Zu den bekannten im Buch vertretenen Gärtnern gehören Karl Ploberger und Robert Höck und seine Akeleien. Ausserdem liest man über einen angefressenen Kalmienliebhaber, ein Landidyll im Grossstadtdschungel und den Privatgarten eines Gartenarchitekten, der beruflich kreative Gartenlandschaften in der Wüste Saudi-Arabiens entwirft. Speziell interessiert haben mich natürlich die Seiten über David Wheeler und Simon Dorrell von Hortus.
Der Beitrag über ein Stück Toskana in der Nordheide zeigt auf beeindruckende Weise, was für gestalterische Extravaganzen mit einem eingeschränkten Budget, dem Wissen um Stecklingsvermehrung und (viel) Geduld möglich sind, während ein Landschaftsgarten, der als Garteninsel in unberührter Natur liegt, neben aufrecht gehenden Zweibeinern besonders auch Tiere anlockt. Neben Füchsen, Dachsen, Rehwild und anderen Säugetieren sind auch Eisvögel dort anzutreffen. In einem anderen Garten würde ich neben der grünen und blühenden Schätze im Garten liebend gern die Gartenbibliothek in einer ehemaligen Pferdebox bewundern und im einen oder anderen Titel herumstöbern.
Im „Wettkampf“ der Bücher über geschlechtergetrenntes Gärtnern holen die Männer langsam aber sicher auf. Eigentlich ist es ja egal, ob Mann oder Frau gärtnert, sofern es für die Betreffenden stimmt und ihnen das Ergebnis gefällt. Wie bereits erwähnt, ist es eindeutig als Pluspunkt für diese Publikation zu verbuchen, dass die Mehrheit der hier vorgestellten Gärtner nicht schon wiederholt zwischen zwei Buchdeckeln oder in anderen Medien vorgestellt worden sind. Da überlese ich doch grosszügig den doch etwas befremdenden Satz, in dem es heisst, die „gärtnerische Herausforderung wurde bavourös gemeistert; kein Wunder schliesslich ist das Gärtnern reine Männersache!“
Georg Möller (Text) und Gary Rogers (Fotos):
Gartenwelten – Männer und ihre grüne Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2013
Die Publikation ist in die folgenden Kapitel aufgeteilt:
- Sammlergärten
- Architektonische Gärten
- Landgärten
- Künstlergärten
- Leidenschaft für Garten und Pflanzen
- Traumgärten
Am Anfang des Kapitels steht jeweils eine kurze Einführung zum Thema. Die Portraits selber beginnen einheitlich mit einem einseitigen Text aus der Feder des jeweiligen Gärtners und werden komplettiert durch die schriftlich festgehaltenen Eindrücke des Autors und die gewohnt ausdruckstarken Fotos von Gary Rogers.
Im Portrait über Maris Wittur liest man etwa über das auch im wahrsten Sinne des Wortes (folgen)schwere Quittengeschenk (drei Zentner Früchte) einer alten Dame an einen Studenten. Das dannzumal magere Wissen des gelernten Baumpflegers („daraus lässt sich Gelée machen“) ist längst eine Passion geworden und einem unermüdlichen Einsatz für diese Kulturfrucht samt Quittenbaumschule mit beim Zeitpunkt der Publikation 63 Sorten gewichen.
Zu den bekannten im Buch vertretenen Gärtnern gehören Karl Ploberger und Robert Höck und seine Akeleien. Ausserdem liest man über einen angefressenen Kalmienliebhaber, ein Landidyll im Grossstadtdschungel und den Privatgarten eines Gartenarchitekten, der beruflich kreative Gartenlandschaften in der Wüste Saudi-Arabiens entwirft. Speziell interessiert haben mich natürlich die Seiten über David Wheeler und Simon Dorrell von Hortus.
Der Beitrag über ein Stück Toskana in der Nordheide zeigt auf beeindruckende Weise, was für gestalterische Extravaganzen mit einem eingeschränkten Budget, dem Wissen um Stecklingsvermehrung und (viel) Geduld möglich sind, während ein Landschaftsgarten, der als Garteninsel in unberührter Natur liegt, neben aufrecht gehenden Zweibeinern besonders auch Tiere anlockt. Neben Füchsen, Dachsen, Rehwild und anderen Säugetieren sind auch Eisvögel dort anzutreffen. In einem anderen Garten würde ich neben der grünen und blühenden Schätze im Garten liebend gern die Gartenbibliothek in einer ehemaligen Pferdebox bewundern und im einen oder anderen Titel herumstöbern.
Im „Wettkampf“ der Bücher über geschlechtergetrenntes Gärtnern holen die Männer langsam aber sicher auf. Eigentlich ist es ja egal, ob Mann oder Frau gärtnert, sofern es für die Betreffenden stimmt und ihnen das Ergebnis gefällt. Wie bereits erwähnt, ist es eindeutig als Pluspunkt für diese Publikation zu verbuchen, dass die Mehrheit der hier vorgestellten Gärtner nicht schon wiederholt zwischen zwei Buchdeckeln oder in anderen Medien vorgestellt worden sind. Da überlese ich doch grosszügig den doch etwas befremdenden Satz, in dem es heisst, die „gärtnerische Herausforderung wurde bavourös gemeistert; kein Wunder schliesslich ist das Gärtnern reine Männersache!“
Georg Möller (Text) und Gary Rogers (Fotos):
Gartenwelten – Männer und ihre grüne Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2013
25. März 2013
Kristin Lammerting (Text) und Ferdinand Graf von Luckner (Fotos): Gartenexpertinnen und ihr grünes Wissen
Zehn Gartenexpertinnen - Bettina Gräfin Bernadotte, Brigitte Röde, Viktoria von dem Bussche, Sabine Reber, Katharina von Ehren, Angelika Ertl, Petra Pelz, Heike Boomgaarden, Anja Maubach und Ute Wiitich sowie die Herausgeberin Kristin Lammerting lassen für diese Publikation hinter ihre Gartentore blicken und verraten ihre kleinen und grossen Gartengeheimnisse.
Am Anfang jeden Kapitels steht ein in passender Umgebung aufgenommenes Foto der jeweiligen Gärtnerin. Hernach folgt jeweils die eine Seite umfassende Einführung durch die Herausgeberin Kristin Lammerting und anschliessend kommen die Expertinnen aus dem grünen Bereich selber zu Wort. Die Texte werden grosszügig ergänzt durch ausdrucksstarke Fotos von Ferdinand Graf von Luckner.
Einige der Frauen sind aus den Medien und eigenen Publikationen hinlänglich bekannt. Mehr interessiert haben mich deshalb die Portraits von jenen Gärtnerinnen, die mir bis anhin nicht bekannt waren. Haben Sie schon einmal von einer „Tree Brokerin“ gehört? Nicht nur mit kotierten Wertpapieren an der Börse wird gehandelt, sondern anscheinend auch mit Bäumen. Katharina von Ehren dealt aber nicht mit gewöhnlichen 0-8-15-Gehölzen, sondern mit Raritäten und Baumjuwelen. In ihrem Computer-Katalog finden sich ausführlich dokumentierte Steckbriefe von ihren Entdeckungen aus den verschiedensten europäischen Ländern.
Die Bilder im Portrait der Gartenarchitektin Ute Wittich bestechen auf den ersten Blick durch starke Farben, wie übrigens – so ganz nebenbei bemerkt – auch die Haarpracht der Gestalterin. Ein blauer Steg kombiniert mit knallrotem Mohn macht gleich gute Laune während die harmonische Vereinigung der sogenannten „Lila-Laune-Wanne“ mit aufsteigendem Dampf, umrahmt von farblich perfekt passenden sich im Wind wiegenden Gräsern, vielleicht Lust weckt auf ein Bad an der frischen Luft.
Der persönliche Traumgarten der Stauden- und Gräserkomponistin Petra Pelz besteht aus einem Himmelbett inmitten von wogenden Grasfeldern, gilt ihre Vorliebe doch Gräsern und Pflanzen aus Nordamerika. Sie setzt Pflanzen stets in grösseren oder grossen Gruppen, um eine harmonische Grosszügigkeit zu erreichen. Und ganz grundsätzlich legt sie bei der der Pflanzenauswahl grössten Wert auf die Struktur derselben. Blüten sind eher zweitrangig. Mehr über ihr Schaffen erfährt man bestimmt in ihrem eigenen gerade erschienenen Buch „Faszination Weite – Die modernen Gärten der Petra Pelz“.
Viktoria von dem Bussche verrät, dass der Garten für sie ein Synonym für Luxus ist. Auch oder gerade wenn der Rücken ächzt und die Hände rauh und zerkratzt sind und sie schwärmt von ihrem noch recht neuen „echten Schlossküchengarten“. Dieser ist ein Geschenk und erschien ihr anfänglich mehr als Last denn als Freude in Anbetracht der zu erwartenden Arbeit. Gleichzeitig weckte die Herausforderung aber den gärtnerischen Ehrgeiz der Schlossherrin, den anlässlich der Niedersächsischen Landesgartenschau 2010 geschaffenen Garten zu erhalten und sogar noch zu erweitern. In den Erntegenuss kommen nun nicht nur Familie und Gartenhelfer sondern auch die Gäste eines Restaurants in Osnabrück.
Keinen passenderen Nachnamen könnte sich Heike Boomgaarden wünschen. Die Diplom-Gartenbauingenieurin übt ganz unterschiedliche „grüne“ Tätigkeiten aus. Sie verfasst beispielsweise eine Kolumne und Gartenbücher, ist Pflanzenbotschafterin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft und sie steckt hinter der Idee für das Projekt „Stiefmütterchen raus und Grünkohl rein“ in Andernach am Rhein. In ihrem Hinterkopf warten weitere Einfälle auf die Umsetzung. Sie träumt etwa davon, mit Hilfe von Facebook und Co. spontane Aktionen zu organisieren, bei denen beispielsweise auf Brachen Beete angelegt und den Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Aktionen, aus denen sich spannende und bereichernde Begegnungen ergeben.
Anja Maubach wiederum erzählt in dem ihr ganz eigenen Stil. Dieser zeichnet sich aus durch oft inkomplette Sätze voller Leidenschaft und Begeisterung, die viel Raum für Interpretationen der Leser lassen. Eines meiner Lieblingsbilder in diesem Buch ist die traumhafte Kombination von Astilben in unterschiedlichen Farbtönen aus Wuppertal-Ronsdorf.
Der Begriff Experte wird ja heutzutage recht inflationär verwendet und für mich ist er mit einem leicht negativen Touch behaftet. Was macht denn nun eine Gartenexpertin aus? Man erfährt, welche Ausbildungen oder Selbststudien die Frauen an den hortikulturellen Punkt gebracht haben, an dem sie heute stehen, und wo sie ihre Inspirationen hernehmen. Aus den Portraits geht hervor, welchen Einfluss der Garten auf das Leben der Gärtnerinnen hat. Wie er sie erdet und prägt durch Veränderungen, Anpassungen an veränderte Lebensumstände, Rückschläge und natürlich insbesondere auch durch positive Erlebnisse und Freude.
Gartengeheimnisse müssen nicht spektakulär sein – hier ein kleines „Müsterli“: Schauen Sie sich auf Friedhöfen um. Was dort gedeiht, ist ans regionale Klima angepasst und wird auch in Ihrem Garten wachsen. An welche Regeln man sich dabei zu halten hat, habe ich hier schon einmal erwähnt.
Das Buch erhält ausserordentlich viel informativen Text. Und auch Leser, die schon alles über jene Gärtnerinnen gelesen zu haben meinen, die sich schon wiederholt zwischen zwei Buchdeckeln präsentiert haben, werden bis anhin Unbekanntes entdecken. Die Lesefreude wird leicht getrübt, duch die etwas gar kleine Schriftgrösse im Verhältnis zum Buchformat. Denn das grosse und eher schwere Buch lässt sich nicht so leicht in den Händen und nahe an die Augen halten wie etwa ein Taschenbuch.
Kristin Lammerting (Text) und Ferdinand Graf von Luckner (Fotos):
Gartenexpertinnen und ihr grünes Wissen
Callwey Verlag, 2013
Am Anfang jeden Kapitels steht ein in passender Umgebung aufgenommenes Foto der jeweiligen Gärtnerin. Hernach folgt jeweils die eine Seite umfassende Einführung durch die Herausgeberin Kristin Lammerting und anschliessend kommen die Expertinnen aus dem grünen Bereich selber zu Wort. Die Texte werden grosszügig ergänzt durch ausdrucksstarke Fotos von Ferdinand Graf von Luckner.
Einige der Frauen sind aus den Medien und eigenen Publikationen hinlänglich bekannt. Mehr interessiert haben mich deshalb die Portraits von jenen Gärtnerinnen, die mir bis anhin nicht bekannt waren. Haben Sie schon einmal von einer „Tree Brokerin“ gehört? Nicht nur mit kotierten Wertpapieren an der Börse wird gehandelt, sondern anscheinend auch mit Bäumen. Katharina von Ehren dealt aber nicht mit gewöhnlichen 0-8-15-Gehölzen, sondern mit Raritäten und Baumjuwelen. In ihrem Computer-Katalog finden sich ausführlich dokumentierte Steckbriefe von ihren Entdeckungen aus den verschiedensten europäischen Ländern.
Die Bilder im Portrait der Gartenarchitektin Ute Wittich bestechen auf den ersten Blick durch starke Farben, wie übrigens – so ganz nebenbei bemerkt – auch die Haarpracht der Gestalterin. Ein blauer Steg kombiniert mit knallrotem Mohn macht gleich gute Laune während die harmonische Vereinigung der sogenannten „Lila-Laune-Wanne“ mit aufsteigendem Dampf, umrahmt von farblich perfekt passenden sich im Wind wiegenden Gräsern, vielleicht Lust weckt auf ein Bad an der frischen Luft.
Der persönliche Traumgarten der Stauden- und Gräserkomponistin Petra Pelz besteht aus einem Himmelbett inmitten von wogenden Grasfeldern, gilt ihre Vorliebe doch Gräsern und Pflanzen aus Nordamerika. Sie setzt Pflanzen stets in grösseren oder grossen Gruppen, um eine harmonische Grosszügigkeit zu erreichen. Und ganz grundsätzlich legt sie bei der der Pflanzenauswahl grössten Wert auf die Struktur derselben. Blüten sind eher zweitrangig. Mehr über ihr Schaffen erfährt man bestimmt in ihrem eigenen gerade erschienenen Buch „Faszination Weite – Die modernen Gärten der Petra Pelz“.
Viktoria von dem Bussche verrät, dass der Garten für sie ein Synonym für Luxus ist. Auch oder gerade wenn der Rücken ächzt und die Hände rauh und zerkratzt sind und sie schwärmt von ihrem noch recht neuen „echten Schlossküchengarten“. Dieser ist ein Geschenk und erschien ihr anfänglich mehr als Last denn als Freude in Anbetracht der zu erwartenden Arbeit. Gleichzeitig weckte die Herausforderung aber den gärtnerischen Ehrgeiz der Schlossherrin, den anlässlich der Niedersächsischen Landesgartenschau 2010 geschaffenen Garten zu erhalten und sogar noch zu erweitern. In den Erntegenuss kommen nun nicht nur Familie und Gartenhelfer sondern auch die Gäste eines Restaurants in Osnabrück.
Keinen passenderen Nachnamen könnte sich Heike Boomgaarden wünschen. Die Diplom-Gartenbauingenieurin übt ganz unterschiedliche „grüne“ Tätigkeiten aus. Sie verfasst beispielsweise eine Kolumne und Gartenbücher, ist Pflanzenbotschafterin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft und sie steckt hinter der Idee für das Projekt „Stiefmütterchen raus und Grünkohl rein“ in Andernach am Rhein. In ihrem Hinterkopf warten weitere Einfälle auf die Umsetzung. Sie träumt etwa davon, mit Hilfe von Facebook und Co. spontane Aktionen zu organisieren, bei denen beispielsweise auf Brachen Beete angelegt und den Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Aktionen, aus denen sich spannende und bereichernde Begegnungen ergeben.
Anja Maubach wiederum erzählt in dem ihr ganz eigenen Stil. Dieser zeichnet sich aus durch oft inkomplette Sätze voller Leidenschaft und Begeisterung, die viel Raum für Interpretationen der Leser lassen. Eines meiner Lieblingsbilder in diesem Buch ist die traumhafte Kombination von Astilben in unterschiedlichen Farbtönen aus Wuppertal-Ronsdorf.
Der Begriff Experte wird ja heutzutage recht inflationär verwendet und für mich ist er mit einem leicht negativen Touch behaftet. Was macht denn nun eine Gartenexpertin aus? Man erfährt, welche Ausbildungen oder Selbststudien die Frauen an den hortikulturellen Punkt gebracht haben, an dem sie heute stehen, und wo sie ihre Inspirationen hernehmen. Aus den Portraits geht hervor, welchen Einfluss der Garten auf das Leben der Gärtnerinnen hat. Wie er sie erdet und prägt durch Veränderungen, Anpassungen an veränderte Lebensumstände, Rückschläge und natürlich insbesondere auch durch positive Erlebnisse und Freude.
Gartengeheimnisse müssen nicht spektakulär sein – hier ein kleines „Müsterli“: Schauen Sie sich auf Friedhöfen um. Was dort gedeiht, ist ans regionale Klima angepasst und wird auch in Ihrem Garten wachsen. An welche Regeln man sich dabei zu halten hat, habe ich hier schon einmal erwähnt.
Das Buch erhält ausserordentlich viel informativen Text. Und auch Leser, die schon alles über jene Gärtnerinnen gelesen zu haben meinen, die sich schon wiederholt zwischen zwei Buchdeckeln präsentiert haben, werden bis anhin Unbekanntes entdecken. Die Lesefreude wird leicht getrübt, duch die etwas gar kleine Schriftgrösse im Verhältnis zum Buchformat. Denn das grosse und eher schwere Buch lässt sich nicht so leicht in den Händen und nahe an die Augen halten wie etwa ein Taschenbuch.
Kristin Lammerting (Text) und Ferdinand Graf von Luckner (Fotos):
Gartenexpertinnen und ihr grünes Wissen
Callwey Verlag, 2013
5. März 2013
Tom Powell: Aphid in my Eye – Adventures in the Orchid Trade
Im ersten Kapitel verrät der Autor, dass er zu den Menschen gehört,
in deren Venen Chlorophyll zirkuliert. Das äussert sich etwa darin, dass
die Knie jeweils weich werden, wenn eine neu erworbene Orchidee zum
ersten Mal blüht. Er erzählt aber auch von Begegnungen und Erlebnissen
mit teilweise ganz speziellen Orchideen-Besessenen, zu denen Millionäre
und Hobbyzüchter ebenso zählen wie "richtige" Orchideenjäger, Jurymitglieder von Orchideenwettbewerben und professionelle Orchideenzüchter.
Leider ist der Vermieter der Wohnung der jungen Powells kein angefressener Orchideenliebhaber und hat kein Musikgehör für den Wunsch der beiden, auf dem Dach ein Gewächshaus aufzustellen. Damit wenigstens die Lichtverhältnisse für die wachsende Sammlung stimmte, mussten deshalb zusätzliche künstliche Lichtquellen installiert werden. Immer mehr Pflanzen mussten sich den beschränkten Platz in der Wohnung teilen, und dabei gab es noch so viele verlockende Orchideenschätze, die in der schon recht beeindruckenden Kollektion noch fehlten. Völlig unerwartet ergab sich da die Gelegenheit, das Problem Platzknappheit zusammen mit einem scheinbar spannenden Jobangebot zu kombinieren.
Wenige Überlegungen waren von Nöten und die Führung der angebotenen Orchideengärtnerei lag in den Händen der Powells und innert Wochenfrist hatten Möbel und sämtliche Pflanzen ein neues Daheim gefunden. Dass Träume sich in Wirklichkeit oft als Alpträume entpuppen, ist eine Binsenwahrheit und die Richtigkeit des sehr schnell gefällten Bauchentscheids wurde bald einmal in Frage gestellt.
Jedenfalls bietet der Job im Orchideenhandel viel Stoff für unterhaltsame Geschichten. Man liest über die Tücken der Gewächshausheizung, genannt (tickling) Trixie und erfährt, wozu ein Schirm wetterunabhängig beim Gärtnereibesuch nützlich sein kann. Im geschlossenen Teil lassen sich nämlich im Vorübergehen abgeknipste Stecklinge (fast) unbemerkt darin verschwinden. Dann geht es um einen Serienkiller von Pflanzen, dessen Schuld in der Ignoranz von sämtlichen deren Bedürfnissen liegt und die Tatsache, dass ein Gärtner seine Ausschussware besser zerkleinert und zerstört, bevor er diese auf den Kompost wirft. Ausser er möchte die Erfahrung der Powells teilen, an Wettbewerben zu erleben, dass Leute mit aus solchem Kompostmaterial gepickten und gezogenen Schätzen Preise einheimsen.
Des Weiteren versucht Tom Powell, dem Leser die Faszination von Orchideen auf Menschen zu erklären und erzählt witzige, teilweise fast unglaubwürdige Anekdoten von Gartenclubanlässen, Blumenshows und Vereinsausflügen. Illustriert ist das Büchlein, das nicht nur Orchideenliebhabern gefallen wird, mit Zeichnungen von Betsy West.
Tom Powell:
Aphid in my Eye – Adventures in the Orchid Trade
B.B. Mackey Books, 2012
Leider ist der Vermieter der Wohnung der jungen Powells kein angefressener Orchideenliebhaber und hat kein Musikgehör für den Wunsch der beiden, auf dem Dach ein Gewächshaus aufzustellen. Damit wenigstens die Lichtverhältnisse für die wachsende Sammlung stimmte, mussten deshalb zusätzliche künstliche Lichtquellen installiert werden. Immer mehr Pflanzen mussten sich den beschränkten Platz in der Wohnung teilen, und dabei gab es noch so viele verlockende Orchideenschätze, die in der schon recht beeindruckenden Kollektion noch fehlten. Völlig unerwartet ergab sich da die Gelegenheit, das Problem Platzknappheit zusammen mit einem scheinbar spannenden Jobangebot zu kombinieren.
Wenige Überlegungen waren von Nöten und die Führung der angebotenen Orchideengärtnerei lag in den Händen der Powells und innert Wochenfrist hatten Möbel und sämtliche Pflanzen ein neues Daheim gefunden. Dass Träume sich in Wirklichkeit oft als Alpträume entpuppen, ist eine Binsenwahrheit und die Richtigkeit des sehr schnell gefällten Bauchentscheids wurde bald einmal in Frage gestellt.
Jedenfalls bietet der Job im Orchideenhandel viel Stoff für unterhaltsame Geschichten. Man liest über die Tücken der Gewächshausheizung, genannt (tickling) Trixie und erfährt, wozu ein Schirm wetterunabhängig beim Gärtnereibesuch nützlich sein kann. Im geschlossenen Teil lassen sich nämlich im Vorübergehen abgeknipste Stecklinge (fast) unbemerkt darin verschwinden. Dann geht es um einen Serienkiller von Pflanzen, dessen Schuld in der Ignoranz von sämtlichen deren Bedürfnissen liegt und die Tatsache, dass ein Gärtner seine Ausschussware besser zerkleinert und zerstört, bevor er diese auf den Kompost wirft. Ausser er möchte die Erfahrung der Powells teilen, an Wettbewerben zu erleben, dass Leute mit aus solchem Kompostmaterial gepickten und gezogenen Schätzen Preise einheimsen.
Des Weiteren versucht Tom Powell, dem Leser die Faszination von Orchideen auf Menschen zu erklären und erzählt witzige, teilweise fast unglaubwürdige Anekdoten von Gartenclubanlässen, Blumenshows und Vereinsausflügen. Illustriert ist das Büchlein, das nicht nur Orchideenliebhabern gefallen wird, mit Zeichnungen von Betsy West.
Tom Powell:
Aphid in my Eye – Adventures in the Orchid Trade
B.B. Mackey Books, 2012
22. Januar 2013
Paul Stalder: Ds Läbeslied u angeri Gschichte für ufem Gartebänkli
Zehn berndeutsche Geschichten mit mehr oder auch mal geringerem hortikulturellen Hintergrund hat der Autor und Gärtner Paul Stalder unter dem Titel „Ds Läbeslied“ veröffentlicht. Ich habe nicht herausfinden können oder vielleicht überlesen, ob diese erfunden sind oder auf wahren Begebenheiten und Erlebnissen beruhen. Falls ersteres zutrifft, sind sie jedenfalls sehr echt und detailgetreu verfasst. Ich neige allerdings dazu, von Nacherzählungen auszugehen.
Die Geschichten handeln von tragischen Schicksalen, vom Alltag und davon, wie immer wieder nach dunkeln Wolken – also schweren Zeiten im Leben - die Sonne wieder scheint und nach Unfrieden endlich so etwas wie Freude oder sogar Dankbarkeit aufkommt.
Da wären etwa zwei Jungbauern, von denen einer nach einem Sturz querschnittgelähmt bleibt und der andere nach einem Zeckenbiss wochenlang zwischen Leben und Tod schwebt. Während der eine seine Lebensfreude im Singen findet, freut sich eine andere an blühenden Blumen und schönem Gemüse im Garten. In einer anderen Geschichte wird von einer Bauersfrau berichtet, die sich mit viel mehr Hingabe um ihren Pflanzblätz kümmert als um den eigenen Mann und der bei jeder Gelegenheit vor ihren Befehlen ins Wirtshaus flüchtet. Oder man liest von einem stolzen und sturen Labrador und einer nach einem schweren Unfall behinderten Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Die ausgezeichnete Naturbeobachterin ist eine tolle Bäckerin und weiss ihren grünen Daumen gut einzusetzen. Wen interessieren da noch die bescheidenen Mathematikkenntnisse, die während der Schulzeit eine Bürde darstellten?
Dann gibt es den Bauern, der unermüdlich versucht, verschiedene Apfelsorten auf Weissdorn zu pfropfen, weil die Wurzeln der Apfelhochstämme immer wieder von den Mäusen angefressen werden und den Rückblick auf einen schwierigen Start im Haus der Schwiegermutter anlässlich der Abschlussfeier der eigenen Tochter an der Bäuerinnenschule. Perfekt und sauber war der Garten, ohne ein einziges Unkraut. Aber fehlende menschliche Wärme prägte und überschattete die ersten Ehejahre.
Vergissmeinnicht erinnern einen anderen an die eigene schwere Jugendzeit, als er als Verdingkind ein verstecktes Gärtchen angelegt hatte mit Rüebli, Zwiebeln und eben Vergissmeinnicht. Als der Meister das Beet entdeckte, zertrampelte er wütend sämtliche Pflanzen und kein bisschen Grünzeug blieb übrig. Nur die Saat, sprich die Liebe zum Gärtnern, war bereits gelegt und kann sich schliesslich in einer strengen, aber schönen Lehre weiter entfalten.
Ich lese eigentlich überhaupt nicht gerne Mundarttexte. Wahrscheinlich, weil ich mich dabei jeweils viel genauer auf das Geschriebene konzentrieren muss und ich mich ganz einfach nicht an Dialekttexte gewöhnt bin. Doch auch wenn mir der eine oder andere Berner Ausdruck nicht geläufig war, liess sich diese Lektüre ganz „ring“ lesen. Schade, sind die beiden anderen Bücher mit gärtnerischem Hintergrund („Gärten und Menschen“ und „Vom Läbe zeichnet“) des gleichen Autors nicht mehr lieferbar.
Paul Stalder:
Ds Läbeslied u angeri Gschichte für ufem Gartebänkli
Eigenverlag, 2011
Da wären etwa zwei Jungbauern, von denen einer nach einem Sturz querschnittgelähmt bleibt und der andere nach einem Zeckenbiss wochenlang zwischen Leben und Tod schwebt. Während der eine seine Lebensfreude im Singen findet, freut sich eine andere an blühenden Blumen und schönem Gemüse im Garten. In einer anderen Geschichte wird von einer Bauersfrau berichtet, die sich mit viel mehr Hingabe um ihren Pflanzblätz kümmert als um den eigenen Mann und der bei jeder Gelegenheit vor ihren Befehlen ins Wirtshaus flüchtet. Oder man liest von einem stolzen und sturen Labrador und einer nach einem schweren Unfall behinderten Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Die ausgezeichnete Naturbeobachterin ist eine tolle Bäckerin und weiss ihren grünen Daumen gut einzusetzen. Wen interessieren da noch die bescheidenen Mathematikkenntnisse, die während der Schulzeit eine Bürde darstellten?
Dann gibt es den Bauern, der unermüdlich versucht, verschiedene Apfelsorten auf Weissdorn zu pfropfen, weil die Wurzeln der Apfelhochstämme immer wieder von den Mäusen angefressen werden und den Rückblick auf einen schwierigen Start im Haus der Schwiegermutter anlässlich der Abschlussfeier der eigenen Tochter an der Bäuerinnenschule. Perfekt und sauber war der Garten, ohne ein einziges Unkraut. Aber fehlende menschliche Wärme prägte und überschattete die ersten Ehejahre.
Vergissmeinnicht erinnern einen anderen an die eigene schwere Jugendzeit, als er als Verdingkind ein verstecktes Gärtchen angelegt hatte mit Rüebli, Zwiebeln und eben Vergissmeinnicht. Als der Meister das Beet entdeckte, zertrampelte er wütend sämtliche Pflanzen und kein bisschen Grünzeug blieb übrig. Nur die Saat, sprich die Liebe zum Gärtnern, war bereits gelegt und kann sich schliesslich in einer strengen, aber schönen Lehre weiter entfalten.
Ich lese eigentlich überhaupt nicht gerne Mundarttexte. Wahrscheinlich, weil ich mich dabei jeweils viel genauer auf das Geschriebene konzentrieren muss und ich mich ganz einfach nicht an Dialekttexte gewöhnt bin. Doch auch wenn mir der eine oder andere Berner Ausdruck nicht geläufig war, liess sich diese Lektüre ganz „ring“ lesen. Schade, sind die beiden anderen Bücher mit gärtnerischem Hintergrund („Gärten und Menschen“ und „Vom Läbe zeichnet“) des gleichen Autors nicht mehr lieferbar.
Paul Stalder:
Ds Läbeslied u angeri Gschichte für ufem Gartebänkli
Eigenverlag, 2011
6. Oktober 2012
Sabine Reber: Meine Gärten zum Glück – Eine Liebeserklärung
In dieser Liebeserklärung ans Gärtnern erzählt die Schriftstellerin und Gartenpublizistin Sabine Reber wie ihre Leidenschaft fürs Wühlen in der Erde entfacht worden ist. Ein latentes Interesse war zwar schon länger vorhanden, erschöpfte sich aber zunächst in der Beschäftigung mit eher gewöhnlichen Kräutern wie Petersilie und Schnittlauch, einem Orangenbäumchen und einem Gummibaum. Mit dem Gartenvirus richtig infiziert wurde die Autorin an einem verregneten Sonntag in ihrer temporären Wahlheimat Irland, als sie sich mit einem Englisch-Wörterbuch bewaffnet durch englische Zeitungen las und in der Sunday Times die Gartenkolumne entdeckte.
Hatte sie zuvor auf der grünen Insel bereits begonnen in der Küche exotische Gewürze und Kräuter auszuprobieren, tat sich ihr mit dieser Lektüre plötzlich ein enormes Experimentierfeld rund ums Haus auf. Gehemmt wurde die Umsetzung von Ideen einerseits aber zunächst noch durch das kalte Märzwetter und ganz besonders durch mangelndes hortikulturelles Wissen. Doch während das irische Wetter seinem Ruf nachkam und es regnete und stürmte, las sich Sabine Reber durch die englische Gartenliteratur und studierte Pflanzenenzyklopädien. Und als endlich der Frühling einzog, begann sie zwar ohne gärtnerische Praxis, aber mit umso mehr theoretischem Wissen und Enthusiasmus nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ mit dem Projekt Gartengestaltung. Bald wurden die Stunden am Schreibtisch weniger und die Schriftstellerin verbrachte ganze Tage im Garten und las sich abends weiter durch Gartenbücherstapel.
Das Buch ist analog dem (Garten-)jahr in zwölf Kapitel gegliedert. Eingebettet in eine Reise mit dem aktuellen Partner blickt Sabine Reber zurück auf die verschiedenen Gärten, die ihr in den letzten Jahren Zufluchtsort und Refugium waren. Die erste Ehe der Autorin und der Garten in Donegal entwickelten sich nämlich diametral. Während Gemüse und Blumen in den Gartenbeeten zur Hochform aufliefen, war Sabine Reber zerrissen zwischen dem Wunsch, Irland und den Ehemann zu verlassen und dem Begehren, noch mehr Rosen zu pflanzen.
In Kapiteln wie „Mist und Grashalme“, „Rosenduft und Weihrauch“, „Warum die Schweizer so dünn waren“ oder „Baggern für die Frösche“ erzählt die Autorin von Erlebnissen in der Donegal Garden Society, der etwas unüberlegten Anlage eines Teiches am Hang oder von ungeahnten Fähigkeiten, die sie in sich entdeckt, als sie ein Tomatenhaus aus alten aus einem Fluss gefischten Fensterscheiben zusammenbaut. Leider hat es wohl einmal zu heftig gestürmt, denn kurz vor der Tomatenreife stürzte die Konstruktion ein und verwandelte die roten Früchte in eine Art Ketchup. Irlands Klima mit dem vielen Regen hat aber auch unbestritten seine Vorteile und lässt Pflanzen von alleine spriessen, so dass mancher Spaten- und Gestaltungsfehler oder andere gärtnerische Unzulänglichkeiten rasch wieder überwachsen und kaschiert werden. Und natürlich lässt sich die Junggärtnerin auch nicht beirren, als ihr eine Nachbarin weissmachen will, Gemüse aus dem Garten sei unhygienisch. Ständig wird umgepflanzt und "umgebeetet"- zuerst innerhalb des irischen Gartens, später immer wieder von einem Garten zum anderen.
Wer soll dieses Buch lesen? Speziell empfehlenswert ist es für Leserinnen und Leser, die sich – vielleicht nach der Lektüre der früheren Gartenbücher von Sabine Reber - für Hintergrundgeschichten aus dem Leben der Autorin interessieren und wissen möchten, wie sie zum Gärtnern gefunden hat und warum sie als passionierte Gärtnerin dermassen erstaunlich oft Haus und vor allem den Garten zurücklässt. Welches sind die Hintergründe, die sie veranlassen immer wieder ein Haus und einen Garten weiterzuziehen? Die Leserin bekommt beim Lesen den Eindruck, dass die Umzüge jeweils erfolgen, bevor die Gärtnerin und ihre Lieblingspflanzen richtig haben Wurzeln schlagen können.
Unverständlich fand ich die Hinweise am Anfang des Buches „alle Figuren sind frei erfunden, fiktiver Text, jede Ähnlichkeit mit Personen ist zufällig“. Ein Teil der hier erzählten Geschichten ist mir schon von früherem Herumstöbern auf der Webseite der Autorin bekannt. Ich vermute mal, diese Andeutung hat mit einem anderen von mit nicht gelesenen Buch zu tun, wo die Irland-Jahre bereits aus anderer Sicht erzählt worden sind. Diese Neugier bleibt jedenfalls unbefriedigt.
Die Lektüre ist im übrigen sehr persönlich und privat abgefasst. Tessenberger haben wahrscheinlich wenig Freude am Abschnitt über Rebers Garten auf dieser Hochebene. Manches ist mit einem Augenzwinkern zu lesen, etwa wenn es heisst, das Fleckchen Land (der Twanner Garten) konnte erst neu gestaltet werden, als sich der dreihundert Kilo schwere Holzbär namens Herbert eingelebt hatte.
Neugierig zurück bleibt man auch wegen einer Bemerkung am Schluss des Buches und überlegt die allfälligen Konsequenzen derselben. Doch sicher wird bald irgendwo zu lesen sein, ob diese erwähnten Pläne tatsächlich umgesetzt worden sind oder vielleicht zum erwähnten fiktiven Teil des Buches gehören. Jedenfalls bin ich nach dem Lesen über den vielen Müll auf der grünen Insel gar nicht mehr so sicher, ob Irland immer noch zu meinen Traumdestinationen zählen soll oder doch eher nicht.
Sabine Reber:
Meine Gärten zum Glück – Eine Liebeserklärung
Callwey Verlag, 2012
Hatte sie zuvor auf der grünen Insel bereits begonnen in der Küche exotische Gewürze und Kräuter auszuprobieren, tat sich ihr mit dieser Lektüre plötzlich ein enormes Experimentierfeld rund ums Haus auf. Gehemmt wurde die Umsetzung von Ideen einerseits aber zunächst noch durch das kalte Märzwetter und ganz besonders durch mangelndes hortikulturelles Wissen. Doch während das irische Wetter seinem Ruf nachkam und es regnete und stürmte, las sich Sabine Reber durch die englische Gartenliteratur und studierte Pflanzenenzyklopädien. Und als endlich der Frühling einzog, begann sie zwar ohne gärtnerische Praxis, aber mit umso mehr theoretischem Wissen und Enthusiasmus nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ mit dem Projekt Gartengestaltung. Bald wurden die Stunden am Schreibtisch weniger und die Schriftstellerin verbrachte ganze Tage im Garten und las sich abends weiter durch Gartenbücherstapel.
Das Buch ist analog dem (Garten-)jahr in zwölf Kapitel gegliedert. Eingebettet in eine Reise mit dem aktuellen Partner blickt Sabine Reber zurück auf die verschiedenen Gärten, die ihr in den letzten Jahren Zufluchtsort und Refugium waren. Die erste Ehe der Autorin und der Garten in Donegal entwickelten sich nämlich diametral. Während Gemüse und Blumen in den Gartenbeeten zur Hochform aufliefen, war Sabine Reber zerrissen zwischen dem Wunsch, Irland und den Ehemann zu verlassen und dem Begehren, noch mehr Rosen zu pflanzen.
In Kapiteln wie „Mist und Grashalme“, „Rosenduft und Weihrauch“, „Warum die Schweizer so dünn waren“ oder „Baggern für die Frösche“ erzählt die Autorin von Erlebnissen in der Donegal Garden Society, der etwas unüberlegten Anlage eines Teiches am Hang oder von ungeahnten Fähigkeiten, die sie in sich entdeckt, als sie ein Tomatenhaus aus alten aus einem Fluss gefischten Fensterscheiben zusammenbaut. Leider hat es wohl einmal zu heftig gestürmt, denn kurz vor der Tomatenreife stürzte die Konstruktion ein und verwandelte die roten Früchte in eine Art Ketchup. Irlands Klima mit dem vielen Regen hat aber auch unbestritten seine Vorteile und lässt Pflanzen von alleine spriessen, so dass mancher Spaten- und Gestaltungsfehler oder andere gärtnerische Unzulänglichkeiten rasch wieder überwachsen und kaschiert werden. Und natürlich lässt sich die Junggärtnerin auch nicht beirren, als ihr eine Nachbarin weissmachen will, Gemüse aus dem Garten sei unhygienisch. Ständig wird umgepflanzt und "umgebeetet"- zuerst innerhalb des irischen Gartens, später immer wieder von einem Garten zum anderen.
Wer soll dieses Buch lesen? Speziell empfehlenswert ist es für Leserinnen und Leser, die sich – vielleicht nach der Lektüre der früheren Gartenbücher von Sabine Reber - für Hintergrundgeschichten aus dem Leben der Autorin interessieren und wissen möchten, wie sie zum Gärtnern gefunden hat und warum sie als passionierte Gärtnerin dermassen erstaunlich oft Haus und vor allem den Garten zurücklässt. Welches sind die Hintergründe, die sie veranlassen immer wieder ein Haus und einen Garten weiterzuziehen? Die Leserin bekommt beim Lesen den Eindruck, dass die Umzüge jeweils erfolgen, bevor die Gärtnerin und ihre Lieblingspflanzen richtig haben Wurzeln schlagen können.
Unverständlich fand ich die Hinweise am Anfang des Buches „alle Figuren sind frei erfunden, fiktiver Text, jede Ähnlichkeit mit Personen ist zufällig“. Ein Teil der hier erzählten Geschichten ist mir schon von früherem Herumstöbern auf der Webseite der Autorin bekannt. Ich vermute mal, diese Andeutung hat mit einem anderen von mit nicht gelesenen Buch zu tun, wo die Irland-Jahre bereits aus anderer Sicht erzählt worden sind. Diese Neugier bleibt jedenfalls unbefriedigt.
Die Lektüre ist im übrigen sehr persönlich und privat abgefasst. Tessenberger haben wahrscheinlich wenig Freude am Abschnitt über Rebers Garten auf dieser Hochebene. Manches ist mit einem Augenzwinkern zu lesen, etwa wenn es heisst, das Fleckchen Land (der Twanner Garten) konnte erst neu gestaltet werden, als sich der dreihundert Kilo schwere Holzbär namens Herbert eingelebt hatte.
Neugierig zurück bleibt man auch wegen einer Bemerkung am Schluss des Buches und überlegt die allfälligen Konsequenzen derselben. Doch sicher wird bald irgendwo zu lesen sein, ob diese erwähnten Pläne tatsächlich umgesetzt worden sind oder vielleicht zum erwähnten fiktiven Teil des Buches gehören. Jedenfalls bin ich nach dem Lesen über den vielen Müll auf der grünen Insel gar nicht mehr so sicher, ob Irland immer noch zu meinen Traumdestinationen zählen soll oder doch eher nicht.
Sabine Reber:
Meine Gärten zum Glück – Eine Liebeserklärung
Callwey Verlag, 2012
2. Oktober 2012
Kay Sexton: Grüner wird’s nicht – Mein wunderbares Leben als Schrebergärtnerin
Die Autorin möchte in diesem Buch die wichtigsten Fragen, die Schrebergartenneulinge beschäftigen, thematisieren und Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Kay Sextons eigenen diesbezüglichen Erfahrungen beruhen auf ihrer langjährigen Betreuung von acht völlig verschiedenen Schrebergärten an diversen Orten mit unterschiedlichen Anforderungen in Sachen Bodenbeschaffenheit, Klima sowie zwei- und vierbeinigen Nachbarn. Identisch war bei allen Parzellen das angestrebte Ziel: aus einem meist vernachlässigten Stück Land ohne (zu) grossen Einsatz von finanziellen Mitteln und Zeit, das Maximum an Ernte zu erreichen. Denn die „Beziehung“ zu den Gärten bestand ja in einem Betreuungsauftrag und es existierte kein eigener Pachtvertrag mit den üblichen Rechten und Pflichten.
Kay Sexton beschreibt in oft recht witzigem und lockerem Schreibstil, wie sie von der Liga der „Sonntagsgärtner“ (identisch mit Greenhorn) die Stufen nimmt Richtung oberstes Treppchen, wo die echten Schrebergärtner stehen und zuweilen doch etwas hochnäsig herunterschauen auf jene, die noch keine jahrzehntelange Praxis vorweisen können.
„Grüner wird’s nicht“ ist ein Erfahrungsbericht in Romanform. Zuweilen kommt jedoch sogar so etwas wie Spannung auf, wenn sich etwa die Autorin beinahe in einem Krimi wähnt, weil sie unbedingt hinter die Geheimnisse einer scheinbar ziemlich merkwürdigen Schrebergartennachbarin kommen will oder an jener Stelle, bei der es um die überaus komplizierte Wassermelonenzucht geht.
Etwas erstaunt liest man, dass Fehler beim Einhalten von Fruchtwechseln in den Gemüsebeeten ähnlich drastische Konsequenzen haben sollen, wie die Verweigerung der Bezahlung von Schutzgeldern. Die Autorin empfiehlt denn auch eindringlich die Bezahlung dieser Gelder an die pflanzlichen Mafia-Familien in Form von korrektem Gärtnern. Des weiteren schreibt Kay Sexton über Beziehungen, die wegen dem Erfolgsdruck, den Gartenschauen auslösen, auseinanderbrechen, von ungeliebten Preisrichterjobs und von Parzellen-Aufräum-Aktionen, bei welchen mit dem Bulldozer gleich die gesamte Humusschicht abgetragen und wegtransportiert wird.
Der Gartenanfänger erfährt von den Unterschieden der Winter- und Sommergründung, dass Mist einarbeiten nicht gleichbedeutend ist mit Mist bauen, von Winterzwängen und anderen ungeschriebenen Gesetzen und er liest über den permanten wie ein Damoklesschwert über Gemüse und Blumen hängenden Druck, die Beete einwandfrei in Ordnung zu halten, damit nach der nächsten der regelmässig stattfindenden Inspektionen der "Oberen" ja keine Abmahnung oder gar eine Kündigungsandrohung ins Haus flattert.
Neben vielen Rezeptideen – zum Nachkochen und zum Gärtnern – erhält der Leser auch Einblick ins britische Schrebergartenmilieu, insbesondere in das schwierige Prozedere, überhaupt eine Parzelle zur Pacht zu ergattern. Kay Sexton musste Jahre warten, bis sie endlich ihren eigenen Schrebergarten bekam. Diese Zeit überbrückte sie mit sogenannten „Fast-unser-Garten“-Parzellen. Will heissen, sie pflegte Gärten, deren Pachtinhaber längere Zeit abwesend war. Diese Stellvertretungen scheinen für den Pächter eine richtige win-win-Situation darzustellen. Zum Service von Kay Sexton gehört nämlich auch die Verwertung der Ernte inklusive deren Ablieferung oder zumindest eines Teiles davon. Die Gutmütigkeit der Autorin wird zuweilen doch recht stark ausgenutzt. Wie sie selber meint, insbesondere auch von allerlei Getier. Genauso, als hinge am Gartentor eine einladende Tafel mit den Worten „Freie Kost und Logis“.
Kay Sexton:
Grüner wird’s nicht – Mein wunderbares Leben als Schrebergärtnerin
Bastei Lübbe, 2012
Kay Sexton beschreibt in oft recht witzigem und lockerem Schreibstil, wie sie von der Liga der „Sonntagsgärtner“ (identisch mit Greenhorn) die Stufen nimmt Richtung oberstes Treppchen, wo die echten Schrebergärtner stehen und zuweilen doch etwas hochnäsig herunterschauen auf jene, die noch keine jahrzehntelange Praxis vorweisen können.
„Grüner wird’s nicht“ ist ein Erfahrungsbericht in Romanform. Zuweilen kommt jedoch sogar so etwas wie Spannung auf, wenn sich etwa die Autorin beinahe in einem Krimi wähnt, weil sie unbedingt hinter die Geheimnisse einer scheinbar ziemlich merkwürdigen Schrebergartennachbarin kommen will oder an jener Stelle, bei der es um die überaus komplizierte Wassermelonenzucht geht.
Etwas erstaunt liest man, dass Fehler beim Einhalten von Fruchtwechseln in den Gemüsebeeten ähnlich drastische Konsequenzen haben sollen, wie die Verweigerung der Bezahlung von Schutzgeldern. Die Autorin empfiehlt denn auch eindringlich die Bezahlung dieser Gelder an die pflanzlichen Mafia-Familien in Form von korrektem Gärtnern. Des weiteren schreibt Kay Sexton über Beziehungen, die wegen dem Erfolgsdruck, den Gartenschauen auslösen, auseinanderbrechen, von ungeliebten Preisrichterjobs und von Parzellen-Aufräum-Aktionen, bei welchen mit dem Bulldozer gleich die gesamte Humusschicht abgetragen und wegtransportiert wird.
Der Gartenanfänger erfährt von den Unterschieden der Winter- und Sommergründung, dass Mist einarbeiten nicht gleichbedeutend ist mit Mist bauen, von Winterzwängen und anderen ungeschriebenen Gesetzen und er liest über den permanten wie ein Damoklesschwert über Gemüse und Blumen hängenden Druck, die Beete einwandfrei in Ordnung zu halten, damit nach der nächsten der regelmässig stattfindenden Inspektionen der "Oberen" ja keine Abmahnung oder gar eine Kündigungsandrohung ins Haus flattert.
Neben vielen Rezeptideen – zum Nachkochen und zum Gärtnern – erhält der Leser auch Einblick ins britische Schrebergartenmilieu, insbesondere in das schwierige Prozedere, überhaupt eine Parzelle zur Pacht zu ergattern. Kay Sexton musste Jahre warten, bis sie endlich ihren eigenen Schrebergarten bekam. Diese Zeit überbrückte sie mit sogenannten „Fast-unser-Garten“-Parzellen. Will heissen, sie pflegte Gärten, deren Pachtinhaber längere Zeit abwesend war. Diese Stellvertretungen scheinen für den Pächter eine richtige win-win-Situation darzustellen. Zum Service von Kay Sexton gehört nämlich auch die Verwertung der Ernte inklusive deren Ablieferung oder zumindest eines Teiles davon. Die Gutmütigkeit der Autorin wird zuweilen doch recht stark ausgenutzt. Wie sie selber meint, insbesondere auch von allerlei Getier. Genauso, als hinge am Gartentor eine einladende Tafel mit den Worten „Freie Kost und Logis“.
Kay Sexton:
Grüner wird’s nicht – Mein wunderbares Leben als Schrebergärtnerin
Bastei Lübbe, 2012
13. September 2012
Ruth Kassinger: Paradise under glass
Ein Spaziergang durch das U.S. Botanic Garden’s Conservatory weckt in Ruth Kassinger den Wunsch auf einen eigenen Wintergarten. Nach einer schweren Zeit mit eigener Brustkrebserkrankung und der Begleitung der Schwester durch eine unheilbare Krankheit bis zum Tod träumt sie plötzlich von einem Indoor-Dschungel als Rückzugsort. Ihr bisheriges Interesse an Grünzeug beschränkte sich im grossen und ganzen auf mehrheitlich vernachlässigte Topfpflanzen. Doch wenn die Autorin, die sich bisher hauptsächlich durch das Verfassen von Sach- und Geschichtsbüchern für Jugendliche einen Namen gemacht hat, sich mit einem Thema beschäftigt, dann richtig.
In ihrem Buch „Paradise under glass“ erzählt sie von der Entwicklung ihres braunen in einen grünen Daumen. Doch bevor es überhaupt dazu kommt, sich mit der Hege und Pflege von exotischen Pflanzen zu beschäftigen, gilt es zunächst einmal etliche Hürden im Zusammenhang mit der Beschaffung der Baubewilligung und dem Bau des Wintergartens zu überwinden.
Nachdem diese Hindernisse beseitigt sind, der Wintergarten mit ersten Pflanzen und Mobiliar eingerichtet ist, kommt an einem grauen Wintertag die Idee auf, dass farbige Schmetterlinge gut ins Glashaus passen müssten. Ob das gut geht? Für genaue Abklärungen fliegt die Frau aus der Nähe von Washington kurzerhand nach Florida und lässt sich in die Geheimnisse der Raupen- und Schmetterlingswelt einweihen. Sie erfährt, dass ihr Wunsch gar nicht so aussergewöhnlich und die Umsetzung nicht unmöglich ist. Und spätestens beim Füttern der Raupen lernt sie, wie wichtig botanische Namen sind und dass „milkweed“ nicht gleich „milkweed“ ist oder sein muss.
In das Buch eingebettet ist allerelei Wissenswertes wie beispielsweise Geschichten über Pflanzenjäger, die Meuterei auf der Bounty, die Entwicklung von Glashäusern und über Joseph Paxton. Die Autorin erwähnt diverse Besuche bei (Spezial)Gärtnereien oder gelbe Clivien, die zum Stückpreis von USD 995 den Besitzer wechseln, und berichtet über die hängenden Gärten von Patric Blanc. Zuweilen verliert sie sich in Details. So wird bei einem Besuch bei Glasshouse Works detailliert das (gesamte?) Nicht-Pflanzen-Sortiment an DDDWNB (Dingen, die die Welt nicht braucht) aufgezählt.
Das Glasparadies wird von allen Familienmitgliedern, auch den Kindern im College-Alter, geschätzt und zum bevorzugten Aufenthaltsraum. Ja, es führt sogar dazu, dass die Familie sich öfters zur gleichen Zeit im selben Raum statt in unterschiedlichen Zimmern aufhält. Ruth Kassinger lernt, dass “keep evenly moist“ gleichbedeutend ist mit dem garantieren Tod der Pflanze, da sie nach wie vor zu Vernachlässigung tendiert und keine grünen Bewohner schätzt, die zuviel Aufmerksamkeit fordern. Hortikulturelle Probleme, zum Beispiel solche mit Ungeziefer, genügen ihr als Herausforderung im grünen Bereich.
Denn den erträumten perfekten geschützen grünen Rückzugsbereich gibt es nicht – auch in diesem Refugium sind regelmässige Veränderungen an der Tagesordnung und müssen akzeptiert werden. Alles ist im Fluss – ein Kommen und Gehen von Familienmitgliedern, Freunden, Schmetterlingen, Pflanzen …
Ruth Kassinger:
Paradise under glass – An amateur creates a conservatory garden
William Morrow, 2010
In ihrem Buch „Paradise under glass“ erzählt sie von der Entwicklung ihres braunen in einen grünen Daumen. Doch bevor es überhaupt dazu kommt, sich mit der Hege und Pflege von exotischen Pflanzen zu beschäftigen, gilt es zunächst einmal etliche Hürden im Zusammenhang mit der Beschaffung der Baubewilligung und dem Bau des Wintergartens zu überwinden.
Nachdem diese Hindernisse beseitigt sind, der Wintergarten mit ersten Pflanzen und Mobiliar eingerichtet ist, kommt an einem grauen Wintertag die Idee auf, dass farbige Schmetterlinge gut ins Glashaus passen müssten. Ob das gut geht? Für genaue Abklärungen fliegt die Frau aus der Nähe von Washington kurzerhand nach Florida und lässt sich in die Geheimnisse der Raupen- und Schmetterlingswelt einweihen. Sie erfährt, dass ihr Wunsch gar nicht so aussergewöhnlich und die Umsetzung nicht unmöglich ist. Und spätestens beim Füttern der Raupen lernt sie, wie wichtig botanische Namen sind und dass „milkweed“ nicht gleich „milkweed“ ist oder sein muss.
In das Buch eingebettet ist allerelei Wissenswertes wie beispielsweise Geschichten über Pflanzenjäger, die Meuterei auf der Bounty, die Entwicklung von Glashäusern und über Joseph Paxton. Die Autorin erwähnt diverse Besuche bei (Spezial)Gärtnereien oder gelbe Clivien, die zum Stückpreis von USD 995 den Besitzer wechseln, und berichtet über die hängenden Gärten von Patric Blanc. Zuweilen verliert sie sich in Details. So wird bei einem Besuch bei Glasshouse Works detailliert das (gesamte?) Nicht-Pflanzen-Sortiment an DDDWNB (Dingen, die die Welt nicht braucht) aufgezählt.
Das Glasparadies wird von allen Familienmitgliedern, auch den Kindern im College-Alter, geschätzt und zum bevorzugten Aufenthaltsraum. Ja, es führt sogar dazu, dass die Familie sich öfters zur gleichen Zeit im selben Raum statt in unterschiedlichen Zimmern aufhält. Ruth Kassinger lernt, dass “keep evenly moist“ gleichbedeutend ist mit dem garantieren Tod der Pflanze, da sie nach wie vor zu Vernachlässigung tendiert und keine grünen Bewohner schätzt, die zuviel Aufmerksamkeit fordern. Hortikulturelle Probleme, zum Beispiel solche mit Ungeziefer, genügen ihr als Herausforderung im grünen Bereich.
Denn den erträumten perfekten geschützen grünen Rückzugsbereich gibt es nicht – auch in diesem Refugium sind regelmässige Veränderungen an der Tagesordnung und müssen akzeptiert werden. Alles ist im Fluss – ein Kommen und Gehen von Familienmitgliedern, Freunden, Schmetterlingen, Pflanzen …
Ruth Kassinger:
Paradise under glass – An amateur creates a conservatory garden
William Morrow, 2010
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