Posts mit dem Label Gärten im Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gärten im Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

12. Dezember 2020

Edward mit den Scherenhänden (DVD)

Da sich das Tageslicht aktuell wieder früh verabschiedet, mag ich nach Feierabend keine Walkringrunden mehr absolvieren und erfülle die sportlichen Pflichten indoor. Das Programm bringe ich einfacher hinter mich, wenn ich dabei Filme oder Serien anschaue. Nicht nur gelesene Buchinhalte gehen im Verlauf der Zeit vergessen, auch visuelle Wahrnehmungen verblassen und so trainiere ich in diesen Wochen zu schon einmal angeschauten Filmen wie "Greencard""Adaption"  und "Greenfingers". 

Heute habe ich zwischen den DVDs der 80 Weltgärten von Monty Don und der Krimi-Serie "Rosemary and Thyme", welche gerade regelmässig ins Laptop-Laufwerk eingeschoben werden, wieder einmal den Film «Edward mit den Scherenhänden» angeguckt. Beim Suchen nach Stichworten im Blog habe ich festgestellt, dass ich dieses Fanstasiemärchen über einen ganz speziellen Aussenseiter noch gar nie im Sofagarten erwähnt habe. Warum es schneit, will eine Enkelin von ihrer Grossmutter Kim wissen. Die Antwort auf die Frage bildet den Rahmen für diese Winterwundergeschichte und beeindruckende Topiarykünste sorgen für den hortikulturellen Hintergrund. 

Über pastellfarbenen Häusern, in denen gelangweilte Hausfrauen auf ihre Männer warten, die am Morgen in pastellfarbenen Autos das Haus verlassen und erst abends wieder von der Arbeit in ihr Vorstadtheim zurückkehren, thront ein altes Schloss. Das Geschäft der pastellfarben angezogenen Avon-Beauty-Beraterin Peg läuft nur harzig, so dass sie spontan den Einfall in die Tat umsetzt, auf den Hügel hinauf zu fahren und ihre Produkte dort oben anzubieten. Vielleicht lässt sich ja ein neuer Kunde gewinnen? Als niemand auf ihr Klopfen reagiert, tritt sie ein und trifft auf den sanftmütigen Kunstmenschen Edward mit etlichen Narben im Gesicht, auf denen sie gleich ihre Produkte anwendet. 

Der Erfinder von Edward ist gestorben, bevor er sein Meisterwerk vollenden konnte, so dass der junge Mann neben seinem sonderbaren Aussehen mit struwwelpeterähnlicher Frisur Scherenhände aufweist. Die feinfühlige Peg nimmt Edward unter ihre Fittiche und gibt ihm ein neues Daheim in ihrer Familie, zu welcher der Ehemann, die Tochter Kim und der Sohn Kevin gehören. 

Edwards Schöpfer hat ihm zwar gute Manieren beigebracht und wann er lächeln soll, doch das Leben ist überaus kompliziert, wenn man mit Scherenhänden zurechtkommen muss und keine oder nur wenig Ahnung von zwischenmenschlichen Beziehungen, Recht und Unrecht und Gesetzen hat. Ein Wasserbett, das nach dem Kontakt mit den scharf geschliffenen Werkzeugfingern ausläuft, ist da als banales Problem einzuordnen. 

Fast wie Hyänen auf ihre Opfer stürzen sich die die Nachbarinnen auf die willkommene Abwechslung in Gestalt dieses exotischen Menschen und zunächst verläuft die Integration auch ganz gut. Edward schafft nämlich mit seinen Scherenhänden grüne Kunstwerke in den Gärten. Aus langweiligen Sträuchern werden - schnipp schnapp, schnipp schnapp - Dinosaurier, Menschen und andere Objekte. Bald setzt er sein Talent auch als Coiffeur für Hunde ein und wagt sich an die Haare der Vorstädterinnen. Und wenn er beeindruckende Eisskulpturen schafft, schneit es sogar über den Vorstadtdächern, auf die der Schnee sonst in Form von weissen Kunststoff-Matten getackert wird. 

Der Scherenkünstler, der von Jonny Depp gespielt wird und im ganzen Film nur 169 Worte spricht (ich habe nicht nachgezählt), verliebt sich in Kim und seine (scheinbare) Naivität wird ausgenutzt. Wiederholt kommt es zu unschönen, immer heftiger werdenden Konfrontationen mit Kims eifersüchtigem Freund. Die Stimmung in der Umgebung kippt, plötzlich zerreissen sich die Nachbarinnen die Mäuler und die Scheren sorgen nicht mehr nur für oberflächliche Schnitte.

 

Edward mit den Scherenhänden (DVD)
20th Century Fox, 1990

 

Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher/Filme habe ich selbst gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern/Filmen.


20. November 2015

Mrs. Miniver (DVD)

Eben noch gehörten schicke Hüte und andere Exklusivitäten zum normalen Leben von Mrs. Miniver und sie zeigt sich äusserst verständnisvoll gegenüber der Anschaffung eines neuen, nicht wirklich notwendigen Autos durch ihren Mann, einem gutverdienenden Architekten. Zur Familie Miniver gehören neben den Eltern drei Kinder und die fünf nennen ein hübsches Haus mit gepflegtem Garten samt Bootsanlegesteg sowie ein eigenes Boot ihr Eigen. Die nahezu perfekte bürgerliche Idylle wird durch den Ausbruch des zweiten Weltkriegs und den Einzug des älteren Sohnes Vin ins Militär zerstört.

Zum hortikulturellen Nebenschauplatz des patriotisch geprägten Films gehört eine vom allseits beliebten Bahnhofsvorsteher Mr. Ballard gezüchtete rote Rose, die betörend duftet und welche er nach Mrs. Miniver benennt. Er hat die erfolgversprechende Züchtung sogar bei der jährlichen Blumenausstellung angemeldet. Diese nicht zu unterschätzende Konkurrenz löst bei Lady Beldon keine Freude aus. Sie richtet nicht nur die Veranstaltung aus, sie hat in den letzten vierzig Jahren auch jedes Mal den ersten Preis für ihre Rosen eingeheimst. Wegen dem Krieg soll die Ausstellung nicht stattfinden, wird dann aber doch durchgeführt. Und nach der Krönung der prächtigsten Chrysanthemen und anderer Blumenschönheiten steht dem zahlreich erschienenen Publikum eine Überraschung bevor.

Der Film zeigt den veränderten Alltag der Familie Miniver mit unruhigen Nächten im Keller, einem zivilen Bootseinsatz des Hausherrn am Rande der Schlacht von Dünkirchen im Juni 1940 und einem abgestürzten deutschen Piloten, der Mrs. Miniver bedroht. Ein Lichtblick in diesen Tagen ist die nach kurzer Bekanntschaft geschlossene Ehe von Vin und Lady Belden's Enkelin. Muss ich erwähnen, dass letztere zunächst nicht „very amused“ über diese Pläne ist?

Dieser s/w-Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jan Struther. Er spielt in England, wurde aber wegen dem Krieg in Europa in Kalifornien gedreht. Eine ausführliche Inhaltsbeschreibung über diese mit mehreren Oscars ausgezeichnete Produktion findet sich hier.  



Mrs. Miniver (DVD) 
William Wyler 
Warner Home Video, 2005 (s/w-Film aus dem Jahr 1942)

1. Juni 2015

John Wyndham: Die Triffids (Buch und DVD)

Fleischfressende Pflanzen haben immer wieder die Fantasie von Schriftstellern beflügelt und verschiedene dieser literarischen Vorlagen sind auch auf die Leinwand gebracht worden. Während ich von „Die Saat des Bösen“ (Film von Paul Ziller) und „The Little Shop of Horrors“ nur die Film- bzw. Theaterversionen kenne, habe ich die „Triffids“ von John Wyndham im Jahr 2006 mit der Buchausgabe aus dem ehemaligen Verlag Heinrich und Hahn kennengelernt.

Die englische Originalausgabe "The Day of the Triffids" erschien 1951. Das Buch zählt inzwischen zu den Klassikern und ist auch mehrfach verfilmt worden. Anlässlich des 50. Jahrestags hat Simon Clark eine autorisierte Fortsetzung mit dem Titel „The Night of the Triffids“ geschrieben.

Wer sind denn die „Triffids“? Das sind wandelnde Pflanzen, ursprünglich gezüchtet, um Öl aus ihnen zu gewinnen. Plump und in Fussgängergeschwindigkeit bewegen sich die seltsamen Gewächse fort. Sie können nicht nur miteinander kommunizieren, sondern ihren Opfern auch tödliche Stiche verabreichen.

Als ein Kometenschauer rund um den Erdball zieht, blickt ein Grossteil der Menschheit in den Himmel und schaut dem faszinierenden Schauspiel zu - nicht ahnend, welche Folgen dieses Vergnügen haben wird. Über Nacht erblinden die meisten Menschen, worauf das gewöhnliche Alltagsleben völlig zum Erliegen kommt. Gleichzeitig schlägt die Stunde der „Triffids“, die überall auf ihre hilflosen Opfer lauern.

Die wenigen Menschen, die noch sehen können, stehen vor der Entscheidung, ihre eigenen moralischen Verpflichtungen über Bord zu werfen oder sich den vielen unüberwindbaren Aufgaben, die sich über Nacht aufgetan haben, zu stellen. Denn selbst wenn in einer Grossstadt wie London nur wenige „normal“ handlungsfähige Menschen übrig bleiben, heisst das noch lange nicht, dass sich diese darüber einig sind, wie die Zukunft gestaltet werden soll.

Und hier gleich noch ein weiterer thematisch passender Buchtipp: Die Kurzgeschichte „Die seltsame Orchidee“ von Herbert G. Wells bedient sich Elementen aus Science-Fiction und dem Horror-Genre. Der Autor berichtet vom einsamen Orchideensammler Wedderburn, der ein langweiliges Leben führt, bis plötzlich aus einer verschrumpelten Knolle eine besondere Pflanze wächst und ihm mehr Aufregung als lieb verschafft.

Übrigens sind alle in diesem Post erwähnten Filme nichts für schwache Nervern...



John Wyndham: 
Die Triffids
Verschiedene Ausgaben auf Deutsch und Englisch erhältlich 

Simon Clark:
The Night of the Triffids 
Verschiedene Englische Ausgaben erhältlich 

Die Triffids – Pflanzen des Schreckens von Nick Copus 
DVD / Produktion aus dem Jahr 2009 

The Day oft he Triffids – BBC-Serie
DVD / Produktion aus dem Jahr 1981 

The Day of the Triffids/Blumen des Schreckens von Steve Sekely 
DVD / Produktion aus dem Jahr 1962

23. April 2015

Grow your Own - You never know where you’ll find your Roots (DVD)

In einem Schiffscontainer ist ein Kantonese mit seiner Familie aus China nach England gekommen. Seine Ehefrau hat die Strapazen der Reise nicht überlebt. Er selber ist schwer traumatisiert. Seine Kinder kümmern sich so gut wie möglich um ihn und versuchen zu vertuschen, wie schlecht es ihrem Vater wirklich geht. Die zuständige Betreuerin hat bisher vergeblich versucht, den stummen, eigentlich sprachgewandten Chinesen zum Reden und zur Erfüllung seiner Pflichten zu bringen. Nun verschafft sie der Familie eine Gartenparzelle in einer dezentral gelegenen Gemeinschaftsgartenanlage , die mehrheitlich von Engländern beackert wird.

Damit dringt zum wiederholten Mal  unwillkommen die grosse, weite Welt in Form von Asylanten in die eingezäunte, scheinbar heile Welt der Parzellenpächter herein. Sehr zum Missfallen einzelner Gärtner. Geschürt wird das Missfallen und Misstrauen von „Big John“, dem dominanten Vorsitzenden, der meint, gute Zäune machen gute Nachbarn. Er lässt zwar die Gemeinschaft der zahlenden Mitglieder immer wieder abstimmen, doch steuert er subtil und zunächst auch erfolgreich, dass die Resultate seine Meinung widerspiegeln. Und was hat schon ein Querulant zu melden, der nicht einmal sein Gartenhaus in der (garten)politisch korrekten Farbe zu streichen vermag?

Ein Telekommunikationsanbieter plant gleichzeitig das Aufstellen einer Sendeantenne in der Gartenanlage und lockt mit viel Geld. Die Ideen und Wünsche der Pächter für die Verwendung sind vielfältig. Vielleicht lässt sich ja aus dem Verdrängen der ungeliebten ausländischen Nachbarn sogar Profit schlagen?

„Grow your own“ ist kein „how-to-grow-your-own-vegetable“-Film. Hintergrund ist ein ernstes Thema, angesiedelt im Schrebergartenumfeld und obwohl der Film immer wieder witzig ist, würde ich ihn nicht ins Genre Komödie einordnen. Die Geschichte lebt von den unterschiedlichen Charakteren – Angepasste, Mitläufer, Querulant und Möchte-Gerne-Querulanten und behandelt zwischen dem Anpflanzen von Kohl und Co. Themen wie Vorurteile, Rassismus, Respekt und Toleranz.

Parallel mit dem wiederholten Wechsel des Farbanstrichs sämtlicher Gartenhäuser findet ein Umdenken in den Köpfen der Gärtner statt. Dies äussert sich auch darin, dass der jährliche herbstliche Erntevergleich nicht mehr nur ein abgekartetes Spiel ist. Zum ersten Mal lässt sich auch mit dem Heranziehen von Ocra oder speziellen Melonen ein Preis gewinnen. Und sogar „Big Johns“ Sohn lässt sich nicht länger vom überlegenen Vater herumgängeln. Er trägt sein (zu) farbenprächtiges Hemd nicht mehr verschämt, sondern offen und merkt irgendwann sogar, welche „Biene“ ihn umschwärmt.  



Grow your Own (DVD) 
Richard Laxton 
Pathe, 2007

15. Februar 2015

Zuletzt angesehen: The Kids Are all Right (DVD)

Zitat von der DVD-Hülle: „Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore) leben den sonnigen Traum des klassischen Familienglücks im Süden Kaliforniens mit Häuschen und ihren zwei Kindern Joni und Laser. Als die beiden Teenager jedoch heimlich ihren biologischen Vater Paul (Mark Ruffalo), einen überaus charmanten und coolen Junggesellen ausfindig machen, gerät das traute Heim ins Wanken.

"The Kids Are All Right" kombiniert auf einzigartige Weise komödiantische Überraschungen mit packenden emotionalen Weisheiten und zeichnet mit den Oscar-nominierten Schauspielerinnen Annette Bening und Julianne Moore ein witziges tiefgehendes Portrait einer modernen Familie.“ (Ende Zitat)

Nicht erwähnt wird in dieser Beschreibung der hortikulturelle Hintergrund des Films. Auf den hat mich die Nachwuchs-Sofagärtnerin aufmerksam gemacht. Jules hat sich nämlich gerade als Landschaftsgärtnerin selbständig gemacht. Und obwohl sie mit ihrer Partnerin Nic vereinbart hat, dass die beiden den Samenspender Paul nicht in ihre Familie integrieren wollen, nimmt Jules dessen Angebot an, den Garten seines Restaurants umzugestalten. Bei diesen Begegnungen kommen sich die beiden näher und Paul verliebt sich in Jules.

Ein Problem mehr in dieser Familie. Nic hat Mühe mit dem bevorstehenden Auszug ihrer Tochter Joni, die in einer weit entfernten Stadt ein Studium anfängt. Laser umgibt nach Ansicht seiner Mütter mit dem falschen Kollegen (Paul findet das übrigens auch; und zwar bereits nach der ersten Begegnung) und Jules fühlt sich von Nic unverstanden und zu wenig unterstützt in ihren Bemühungen, beruflich auf eigenen Füssen zu stehen.

Der Film ist übrigens trotz englischem Titel deutsch gesprochen bzw. synchronisiert.



DVD The Kids Are All Right von Lisa Cholodenko
Universal, 2011

1. Oktober 2014

Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern (DVD)

Jahrzehntelang ist man sich aus dem Weg gegangen. Spannungen haben die früheren Begegnungen geprägt. „Nur ein falsches Wort und der Teufel war im Dach“ erzählt die Mutter. Ein zufälliges Treffen von Vater und Sohn führt schliesslich zum Projekt, mit dem der kürzlich verstorbene Regisseur Peter Liechti seinen Eltern ein filmisches Denkmal gesetzt hat.

Einerseits erzählen die Eltern direkt oder beantworten die Fragen des Sohnes in Dialekt, anderseits sind ihre Gedanken auf Hochdeutsch nachgesprochen, während zwei Hasenmarionetten einem hämisch grinsenden Menschen gegenüberstehen. Im Zeitpunkt der Dreharbeiten war das Elternpaar seit 62 Jahren verheiratet. Trotz (oder wegen?) völlig unterschiedlicher Interessen. An jedem Hochzeitstag wundert sie sich, dass die Lebensgemeinschaft so lange funktioniert hat. Während er sehr kontaktfreudig und häufig unterwegs ist, führt sie ein eher zurückgezogenes Leben, taucht in ihre Bücherwelten ab und hat ihren Frieden im Glauben gefunden. Immer hat sie sich ihrem Mann untergeordnet, damit es keinen Streit gab.

Der Film zeigt stellvertretend das Leben einer Generation wie ich es mir nicht vorstellen könnte. Wiederholtes Kopfschütteln auf meiner Seite. Etwa wenn es heisst, die Frau gehört an den Herd und wer zahlt (und das Geld verdient), befiehlt. Als die Frau die Auszahlung ihres Anteils der AHV-Rente auf ein eigenenes Konto veranlasst, hat der Ehemann ihr das monatelang nachgetragen und sie das auch deutlich spüren lassen. Die Gesundheit der Frau wird der Unversehrtheit der Badezimmerplättli untergeordnet. In diese dürfen unter keinen Umständen zwei Löcher gebohrt werden, um einen Griff anzubringen. Ein weiterer Sturz mit gebrochenen Rippen scheint das kleinere Übel zu sein, als die dann irgendwann notwendig werdende Wieder-Instandstellung der Plättli. Ähnliche Überlegungen gelten für das (Nicht-)Aufhängen der Wohnzimmerlampe über dem Esstisch.

In dieser dokumentierten Annäherung von Vater, Mutter und Sohn erhält der Zuschauer einen tiefen Einblick in das Leben der Eltern, ihre Wurzeln und ihre Gedanken. Immer wieder werden die grossen Unterschiede zwischen dem Ehepaar deutlich und man kommt nicht um die Schlussfolgerung herum, dass eine in jüngerer Zeit geschlossene Ehe aufgrund dieser Basis wohl schon längst geschieden worden wäre. Sehr deutlich kommt aber auch das liebevolle Miteinanderumgehen zum Ausdruck und dass ihre Liebe im Alter wieder grösser geworden ist. Was sie ihm auch sehr oft sagt. Er weniger. Denn Gefühle sind eher Frauensache.

Zwischen diesen Einblicken in das Leben der Eltern sieht man immer wieder den gärtnernden Vater. Auch hier ist seine Prinzipientreue omnipräsent und ich könnte noch einiges in Sachen Gründlichkeit lernen. Die Beete sind unkrautfrei. Die Tomatenstangen aus Holz werden mit dem Abwaschbürsteli gereinigt und angeschrieben, damit sie nächstes Jahr für den gleichen Zweck wieder verwendet werden können. Die Frau gibt freimütig zu, oft auf den Garten eifersüchtig gewesen zu sein, in den er ihrer Ansicht nach vor ihren Ansprüchen geflüchtet ist. Er, 88 Jahre alt, will noch ein oder zwei Jahre weiter gärtnern und versorgt derweilen den Haushalt zur Erntezeit mit Bohnen, Salat und bringt Schnittblumen wie Rosen und Cosmeen nach Hause.



Vaters Garten (DVD) von Peter Liechti 
Pelicanfilms, 2014

6. Januar 2013

Dr. Seuss: Der Lorax (Buch und DVD)

Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der nur künstliche Bäume existieren, bei denen auf Knopfdruck mit der Fernbedienung die Jahreszeiten gewechselt werden können? Der zwölfjährige Ted wohnt in der Stadt Thneedville, in welcher alles – eben auch die Bäume und Blumen – aus Plastik ist. Alles scheint bunt und farbenfroh, aber unecht und erinnert an ein Leben in einem Freizeitpark. Und sogar die frische Luft aus der Flasche muss bezahlt werden.

Von seinem Schwarm Audrey erfährt Ted von echten Gehölzen, denn das Mädchen hat einen richtigen Baum mit prächtigen Seidenpusseln gemalt. Solche nach Schmetterlingsmilch duftenden Gehölze haben früher anscheinend das hiesige Landschaftsbild geprägt und Audrey möchte unbedingt einen solchen Baum besitzen. Um seiner Angebeteten diesen Wunsch zu erfüllen und bei ihr einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, würde Ted alles tun. Von seiner Grossmutter erhält er den entscheidenden Tipp, wie und wo er sich nach Seidenpussel- oder Trüffelabäumen erkundigen kann. Er soll sich an den Once-ler wenden, der ausserhalb der künstlichen Stadt wohnt. Dieser Mann weiss genau, was mit den Trüffelabäumen passiert ist und er ist bereit, jedem davon zu erzählen, der als Bezahlung eine Schnecke, 15 Cent und einen Reissnagel mitbringt.

Trotz Verbot die Stadt zu verlassen, macht sich Ted auf den Weg zum Once-ler. Nachdem er ausserhalb der Mauern durch eine baumlose von Ruinen gesäumte Landschaft gefahren ist, trifft er bald auf die seltsame Behausung des eigenartigen Einzelgängers. Dieser berichtet ihm tatsächlich gegen die bekannte Bezahlung vom Paradies, das er seinerzeit als junger Mann und Erfinder angetroffen hat, als er nach langem Herumreisen in diese Gegend gekommen ist. Eine ganz besondere Tierwelt lebte damals hier und farbige Seidenpusseln schaukelten im Wind.

Doch kurzentschlossen und ohne gross zu überlegen fällte der Once-ler dazumal einen Baum, um aus den Seidenpusseln einen Schnauch zu stricken. Die Fällaktion löste sofort ein heftiges Gewitter mit Blitz und Donner aus und ein mystisches Wesen, der Baumwächter Lorax, entstieg dem Baumstrunk. Dieser Lorax warnte den jungen Erfinder eindringlich vor weiteren Fällaktionen und forderte ihn auf, umgehend wieder zu verschwinden. Doch der Once-ler liess sich weder durch Drohungen noch durch Verfluchungen von seinen hochtrabenden Plänen abbringen. Er hatte mit dem Schnauch, einem Textilprodukt, das sowohl als Hut, Socke, Pullover, Vorhang und Kissen wie auch als Putzlappen und Teppich verwendet werden konnte, einen nachfragestarken Artikel erfunden, den ihm die Leute aus den Händen rissen. Er stapfte in der Folge ein florierendes Familienunternehmen aus dem Boden und fällte schamlos Baum um Baum. Und während das Geschäft des Once-lers blühte, fehlte es den in der Gegend lebenden Tieren bald an Nahrungsquellen, weil die gesamte Umgebung und die Luft verschmutzt und vergiftet waren.

Anlässlich der Verfilmung (Trickfilm) dieses Kinderbuches aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat der Verlag Antje Kunstmann eine neue deutsche Übersetzung herausgebracht. Autor dieses auch heute noch aktuellen Klassikers zum Thema Umweltschutz war Dr. Seuss (1904 - 1991), einer der grössten und bekanntesten amerikanischen Kinderbuchautoren ("Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat).



Dr. Seuss: 
Der Lorax (Deutsche Übersetzung von Nadia Budde)
Verlag Antje Kunstmann, 2012 

Dr Seuss:
Der Lorax (DVD) Universal Studios, 2012

25. September 2012

Philippa Pearce: Tom’s Midnight Garden / Tom's geheimer Garten (Buch und DVD)

Tom ist schwer enttäuscht. Aus seinem Vorhaben, während der Schulferien zusammen mit seinem Bruder Peter auf dem alten Apfelbaum im elterlichen Garten ein Baumhaus zu bauen, wird nichts. Weil Peter nämlich die Masern hat, muss Tom zu Tante Gwen und Onkel Alan in Quarantäne. Die beiden sind zwar recht nett, wohnen aber sehr beengt und haben leider keinen Garten.

Doch die langweiligen Ferien entpuppen sich unvermittelt als spannendes Abenteuer, als Tom nachts schlaflos im Bett liegt und sich darüber wundert, warum die alte Standuhr im Erdgeschoss des Hauses um Mitternacht dreizehnmal die Stunde schlägt. Neugierig steht der Junge auf und möchte der Sache auf den Grund gehen. Im Schlafanzug verlässt er die Wohnung und entdeckt als er die Hintertüre öffnet einen richtigen Traumgarten. Dabei hatten Tante und Onkel ihm doch versichert, hinter dieser Türe ständen nur Abfalleimer herum. Doch nun steht Tom nicht vor einem schäbigen Platz, sondern vor einer grossen Rasenfläche und blickt auf überbordende Blumenbeete, Bäume und ein riesiges Gewächshaus. Er hat unverhofft den idealen Platz gefunden, um abwechslungsreiche Ferien zu verbringen!

Zurück im Bett wundert sich Tom, ob er alles nur geträumt hat. Am nächsten Morgen möchte er seine Verwandten der Lüge überführen. Doch als er selber bei Tageslicht die Hintertüre des Miethauses öffnet, ist da kein Traumgarten. Es stehen tatsächlich nur Abfallkübel herum und ein Mann liegt unter einem alten Auto, das er gerade repariert.

Doch so einfach gibt Tom nicht auf. Nacht für Nacht verlässt er nun leise sein Bett und vergnügt sich im geheimen Garten. Tagsüber schreibt er Briefe an seinen Bruder Peter, die dieser nach der Lektüre sofort vernichten soll. Kein Erwachsener soll von den nächtlichen Erlebnissen erfahren! Tom erzählt in den Briefen von den verschiedenen Jahreszeiten, die er im Garten erlebt und von Hatty, einem Mädchen aus einer anderen Zeit, das er im Garten kennengelernt hat und mit dem er im Garten Verstecken spielt und sogar ein Baumhaus baut.

Diese Parallelwelt zwischen zwölf und ein Uhr nachts ist zwar ziemlich merkwürdig, doch Tom geniesst den Garten und kümmert sich zunächst nicht um Ungereimtheiten. Seltsam findet er lediglich, dass er für (fast) alle anderen Hausbewohner in dieser Nebenwelt unsichtbar ist und sogar durch geschlossene Türen hindurchgehen kann. Nichtsdestotrotz versucht Tom mit Hilfe von Büchern über Kleiderstile und anhand von Hattys Bemerkung, dass eine Königin das Land regiert, herauszufinden in welchem Jahrhundert das Mädchen lebt.

Ausserdem möchte er bald mehr wissen über das Geheimnis, das hinter der alten Uhr steckt, die dreizehn Stunden schlägt. Während Tom im Garten immer gleich alt ist, entwickelt sich Hatty vom kleinen Mädchen, das den Tod seiner Eltern beweint, zu einem Teenager, der sich darüber beklagt, dass Tom nur alle paar Monate in den Garten kommt. Tom jedenfalls gefällt es bei Onkel und Tante mittlerweile so gut, dass er am liebsten gar nicht mehr nach Hause fahren möchte. Jedenfalls ganz sicher nicht, bis er herausgefunden hat, was es mit dem geheimen Garten auf sich hat.

Dieses Kinderbuch ist vor längerer Zeit auch auf Deutsch erschienen. Der Titel „Als die Uhr dreizehn schlug“ ist aber nur noch antiquarisch erhältlich. Der gleichnamige Film mit dem Titel „Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug“ hält sich mit Ausnahme der gut passenden Rahmenhandlung an die mit Literaturpreisen ausgezeichnete Vorlage aus dem Jahr 1958.

Eine fantasievolle, gut durchdachte Erzählung, die sich auch für Erwachsene zu lesen lohnt!  


Philippa Pearce: 
Tom’s Midnight Garden
Harper Trophy Edition, 1992 

Film von William Carrol: 
Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug 
3L Film GmbH, 2012

14. August 2012

Eran Riklis: Lemon Tree (DVD)

Vor fünfzig Jahren hat der Vater von Salma in der West Bank einen Zitronenhain angepflanzt. Salma ist seit zehn Jahren verwitwet und lebt seit dem Auszug ihrer drei Kinder zurückgezogen in ihrem Haus und kümmert sich um die Zitronenbäume. Die unmittelbar an der Grenze zu Israel stehenden Gewächse versorgen die Palästinenserin mit einem bescheidenen Einkommen.

Als direkt neben ihrem Grundstück auf der israelischen Seite der Verteidigungsminister in sein neues Haus einzieht, mutiert der Zitronenhain  zum Sicherheitsrisiko, in dem sich leicht Terroristen verstecken könnten. Die Bäume sollen deshalb abgeholzt und Salma dafür entschädigt werden. Doch die Frau ist ebenso tief mit ihrem Land und der Plantage verwurzelt wie die Bäume in der Erde, in der sie sich seit Jahrzehnten ungehindert austrecken können. Salma wehrt sich beim Militärgericht gegen die Verfügung und zieht schliesslich mit dem jungen palästinensischen Anwalt Ziad bis vor den obersten Gerichtshof.

Bereits während des laufenden Verfahrens wird die Zitronenplantage eingezäunt und Salma kann sich nicht mehr um ihre Bäume kümmern. Diese beginnen schnell unter der Vernachlässigung zu leiden, obwohl sich Salma nicht das Verbot hält, welches ihr das Betreten des Geländes untersagt. Sogar von ihren eigenen Landsleuten wird ihr Einspruch kritisiert. Sie soll sich nicht wehren und insbesondere nicht das Ansehen ihres verstorbenen Mannes beschmutzen. Es haben doch schon unzählige andere ihr Land verloren. Doch Salma denkt nicht daran aufzugeben und kämpft wie David gegen Goliath.

Salmas Kampf zieht die Aufmerksamkeit und die Sympathie ihrer neuen Nachbarin, der jüdischen Frau des israelischen Verteidigungsministers, auf sich. Als während der Einweihungsparty des neuen Hauses des Verteidigungsministers ein Anschlag ausgeübt wird, interessieren sich plötzlich auch ausländische Medien für die Affäre und gleichzeitig kommen sich Salma und ihr junger Anwalt näher.

Ein sehr einfühlsam inszenierter Film mit viel Saurem, aber auch durchblitzendem Humor – Bäume sind wie Menschen; sie haben eine Seele und verlangen nach Liebe.



Film von Eran Riklis:
Lemon Tree
Arsenal Filmverleih, 2009

16. Mai 2012

Mike Leigh: Another Year (DVD)

„Another Year“ gibt einen Einblick in den unspektakulären, ziemlich gewöhnlichen Alltag von Gerri und Tom. Die beiden führen seit Jahrzehnten eine glückliche Ehe und sind stolze Eltern des dreissigjährigen Joe. Sie arbeitet als Therapeutin, er ist in der Baubranche tätig. Gemeinsam hoffen sie auf Enkel, doch ihr Sohn scheint die richtige Partnerin nicht zu finden. In ihrer Freizeit beschäftigen sich Gerri und Tom mit ihrem Garten und bieten ihren Freunden und Verwandten ein offenes Haus und Unterstützung in allen Lebenslagen.

Zu ihrem Freundeskreis zählt Gerris Arbeitskollegin Mary, die ziemlich verzweifelt die Liebe ihres Lebens sucht und dabei auch Tom im Visier hat. Ihren Frust und ihre Unsicherheit ertränkt sie in Alkohol. Ähnlich geht es dem übergewichtigen Ken. Er versucht mit Mary anzubandeln, die seine Annäherungsversuche aber bereits im Keim erstickt.

Im Ablauf der Jahreszeiten werden Gerri und Tom auch immer wieder beim Gärtnern beobachtet und tatsächlich wird auch ihre fast unerschöpfliche Geduld einmal (über)strapaziert. Komisch, tragisch und humorvoll zugleich zeigt der Film den ganz normalen englischen Alltag.

Übrigens erscheint Mitte Juni eine Publikation mit dem Titel „Gartenkunst im Spielfilm“ von Nina Gerlach. Ich bin doch sehr gespannt, welche mir noch unbekannten sehenswerten Filme mit hortikulturellem Hintergrund sich dort – hoffentlich - entdecken lassen.


Mike Leigh: 
Another Year (DVD)
Pathé Films / Warner Home Video, 2011

25. Oktober 2011

Geschichten übern Gartenzaun und Neues übern Gartenzaun - DVDs aus dem DDR-TV-Archiv

Dank einer kleinen Notiz mit einer DVD-Empfehlung habe ich in den letzten Monaten bei garstigem Wetter meine heimsportlichen Verpflichtungen immer mal wieder mit Schrebergartengeschichten aus dem DDR-TV-Archiv verbunden. „Geschichten übern Gartenzaun“ ist eine vergnügliche Familienserie aus den frühen 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit nostalgischem Charme. Die drei DVDs enthalten sieben Episoden mit rund 60 Minuten Spielzeit und handeln von den Beziehungen zwischen den Parzellennachbarn sowie inner- und ausserfamiliären Konflikten. Die Geschichten heissen:
  • Ein warmer Regen
  • Die Bäume schlagen aus
  • Maikühle
  • Wochenendbesuche
  • Vertrauen ist gut
  • Hundstage und
  • Die Leistungsschau

Im Mittelpunkt der Folgen steht Claudia, eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die einen Garten in der fiktiven Dresdner Kleingartensparte „Ulenhorst“ übernehmen kann. Die älteste Tochter, eine angehende Gärtnerin, hat hier ein tolles Experimentierfeld und die drei jüngeren Geschwister genügend Platz für Kleintierhaltung und zum Spielen. Claudias Freund Manfred ist vom Projekt Schrebergarten zunächst weniger begeistert. Trotzdem packt er immer wieder mit an, denn nicht nur im Garten, sondern auch im stark heruntergekommenen Häuschen gibt es viel zu tun. Mit einer Pinselrenovation ist es nämlich nicht getan.

Nicht alle Parzellennachbarn heissen die Neuankömmlinge herzlich willkommen. Im Ablauf der Jahreszeiten lernt man die Schrebergärtner mit ihren Macken und Vorlieben gut kennen und meint bald, diese persönlich zu kennen und leidet auch mal mit, wenn jemand zu Unrecht des Kaninchendiebstahls verdächtigt wird oder die zwei plötzlich aufgetauchten Enkel sich als grosse Enttäuschung entpuppen.

Für den kommenden Indoor-Sport-Winter bin ich nun ebenfalls gerüstet. Ich habe nämlich entdeckt, dass eine weitere DVD-Box mit dem Titel „Neues übern Gartenzaun“ erschienen ist, so dass ich mich zwar nicht gerade auf Schnee und Eis freue, aber vielleicht mit etwas mehr Begeisterung auf den Stepper stehe als auch schon. Obwohl wegen Todesfall und Ausreise von Hauptdarstellern in die BRD anscheinend gewöhnungsbedürftige Umbesetzungen von Rollen vorgenommen worden sind, freue ich mich also bereits auf das Angucken der nächsten Folgen aus „Ulenhorst“. Falls Sie sich diese DVDs zulegen wollen, bitte daran denken, dass die Qualität nicht mit heutigen Produktionen mithalten kann (was dem Sehvergnügen aber keineswegs abträglich ist).



Geschichten übern Gartenzaun (DVD)
DDR-TV-Archiv / Icestorm Distribution GmbH, 2010

Neues übern Gartenzaun (DVD)
DDR-TV-Archiv / Icestorm Distribution GmbH, 2011

19. Juli 2011

Unser Garten Eden (DVD)

„Unser Garten Eden“ lautet der Titel der von Mano Khalil verfilmten Schrebergartengeschichten (CH-Dialekt mit Untertiteln) aus Bümpliz im Kanton Bern. Ob in diesen kleinen abgegrenzten vermeintlichen Paradiesen alles im grünen Bereich ist? Lassen sich Probleme am Arbeitsplatz oder in der Beziehung beim Eingang zu den Pünten abstreifen? Nicht völlig. Auf relativ engem Raum treffen in Kleingartenanlagen unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen aufeinander, womit genügend Zündstoff für Reibereien und grössere Streitigkeiten gegeben ist. Der Film handelt denn auch weniger von den Tätigkeiten rund ums Gärtnern sondern von den Menschen aus rund 20 Nationen, welche den Boden der 148 Parzellen bearbeiten.

Der umtriebige Präsident des Kleingartenvereins sieht sich immer wieder unvermittelt im Kreuzfeuer von konträren Ansichten, Improvisationstalenten, Ordnung und Einhalten von Regeln. Wenn er bewaffnet mit Messband und Vorschriften zusammen mit anderen Mitgliedern des Vorstandes durch die Gärten streift und kontrolliert, ob alle Vorgaben wie beispielsweise Grösse der Gartenhäuser eingehalten werden, sind Konflikte vorprogrammiert. Auch die im Film immer wieder ersichtlichen Tafeln mit Hinweisen und Verboten scheinen wohl gemäss Meinung einiger Schrebergärtner eher der Dekoration zu dienen oder werden als Schikane empfunden.

Der Film ist ein interessantes Abbild der heutigen Schweiz auf kleinstem Raum – Multi-Kulti-Geschichten mit hortikulturellem Hintergrund. Einzelne Portraits von Püntikern lassen den Betrachter betroffen und berührt zurück, andere Szenen lassen einen den Kopf schütteln. Nachdenklich macht den Zuschauer beispielsweise, wenn ein Italiener nach über vierzig Jahren in der Schweiz resigniert feststellt, weniger zu haben als seinerzeit in seinem Heimatland und der Garten ihm hauptsächlich dazu dient, nicht ständig über verpasste Chancen oder Fehlentscheidungen nachzugrübeln. Eher grotesk muten die Filmsequenzen an, bis der „Säuli-Tempel“, ein Spanferkel-Grill, endlich eingeweiht werden kann.

Unbedingt sehenswert!



Film von Mano Khalil:
Unser Garten Eden
Pelican Films, 2010

14. Juni 2011

A man named Pearl

„A man named Pearl“ ist ein Dokumentarfilm über den heute 73jährigen Paul Fryar und seinen magischen Topiary-Garten. Als der dunkelhäutige Pearl und seine Frau vor über drei Jahrezehnten in Bishopsville ein Haus in einer Gegend mit weissen Nachbarn kaufen wollten, schlug ihnen offene Abneigung entgegen und sie bekamen zu hören, dass Menschen mit schwarzer Hautfarbe ihre Gärten nicht (richtig) pflegen. Dieses Vorurteil wollte Pearl nicht auf sich sitzen lassen und es spornte ihn an, diese Leute vom Gegenteil zu überzeugen und als langfristiges Ziel setzte er sich die Erreichung der Auszeichnung „Yard of the month“. Wie gründlich er diese Vorurteile widerlegt hat, zeigt die interessante DVD . Und wie sich auf seiner Homepage nachlesen lässt, werden ihm Preise und Auszeichnungen inzwischen fast nachgeworfen.

Pearls Garten ist kein Blütenparadies. Im Film sind nun sehr wenige Blumen zu entdecken. Am häufigsten sieht man Begonien, die in den Wiesen so angepflanzt worden sind, dass in grossen Lettern „Love, Peace and Goodwill“ steht. Hauptdarsteller in diesem parkähnlichen Garten sind Bäume und Büsche, die der Scherenkünstler in geometrische Skulpturen verwandelt. Ob einem die zurechtgestutzten Pflanzen nun gefallen oder nicht - sie ziehen die Blicke auf sich und das Resultat ist auf jeden Fall sehr beeindruckend. Der Pensionär ist fast ständig mit Schere und Säge unterwegs und bewegt sich auf Leitern scheinbar so sicher wie auf festem Boden. Seine Frau gesteht, oft Angst um ihn zu haben – was man sofort nachvollziehen kann, wenn man die wohl nicht immer bfu-konformen Schnitt-Aktionen betrachtet.

Pearl kitzelt aus Thuja, Stechplamen, Zypressen und Eiben die unterschiedlichsten Formen und Linien heraus. Da gibt es Elefanten und anderes Getier, Pyramiden, Kugeln und unzählige weitere Objekte. Besonders attraktiv ist die Anlage in den Wintermonaten, wenn die grünen Skulpturen einen spannenden Kontrast mit der eher tristen Umgebung bilden.

Die ersten Übungsstücke holte Pearl sich nach Absprache mit dem Besitzer aus dem Komposthaufen einer Gärtnerei. Sein immenses autodidaktisch erworbenes Wissen in der Topiary-Kunst gibt Pearl auch weiter, beispielsweise in Schulen und Kindergärten. Vor seinem Garten stehen an allen Öffnungstagen Busse, die interessierte Besucher – meist weiblichen Geschlechts - in Massen herankarren. Pearls Gattin muss ihren Mann seit Jahren mit vielen Frauen teilen. Sie nimmt es locker, kennt keine Eifersucht und meint: „he’s happy, I’m happy!“.

Auf der Homepage lässt sich verfolgen, wie sich der mittlerweile über dreissig Jahre alte Garten in den fünf Jahren seit der DVD-Produktion von 2006 verändert hat. Die DVD gibt’s nur mit dem Region-Code 1.



Film von Scott Galloway und Brent Pierson:
A man named Pearl
Docurafilms, 2006

24. März 2011

Die Geschichte vom grossen Baum – Film “The Tree”

Beim Lesen der Filmvorstellung „The Tree“ kam mir die Handlung gleich irgendwie bekannt vor. Gab es da nicht einmal ein Buch mit ähnlichem Inhalt? Tatsächlich basiert das Drehbuch auf der literarischen Vorlage von Judy Pascoe. Die Buchoriginalausgabe heisst „Our Father who art in the Tree“, die deutsche Übersetzung „Die Geschichte vom grossen Baum“.

Simon, die zehnjährige Ich-Erzählerin aus dem Roman voller Wunder ist im Film erst acht Jahre alt. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters und Ehemannes müssen sich die Zurückgebliebenen neu zurechtfinden. Simone findet Trost in ihrer Überzeugung, dass der Vater in dem mächtigen Baum vor dem Haus über seine Familie wacht und zieht sich immer wieder für Zwiegespräche in die Krone zurück. Die Lektüre der einfühlsamen Geschichte liegt schon eine Weile zurück, so dass ich mich nicht mehr an Details erinnern kann, ich weiss aber noch genau, dass mich der Roman sehr berührt hat.

Trotz (oder wegen?) der nicht überwältigenden Filmkritiken bin ich neugierig, wie die Geschichte im Film umgesetzt worden ist. Vielleicht schaffe ich es ja gelegentlich mal wieder ins Kino.



Judy Pascoe:
Die Geschichte vom grossen Baum
Knaur Taschenbuch, 2006

10. Februar 2010

Komödie zum Valentinstag

Gemäss Kinoprogramm startet pünktlich zum Valentinstag eine Episodenkomödie mit dem Titel „Valentinstag“ des Regisseurs Garry Marshall.

Die Hauptrolle soll gemäss Filmbeschrieb ein Florist spielen, der seiner Freundin am Tag der Liebenden einen Heiratsantrag macht und ein wichtiger Schauplatz ist der Blumenmarkt von Los Angeles. Böse Zungen behaupten, der Film sei von der kalifornischen Floristenvereinigung gesponsert worden. Etliche bekannte Schauspieler treten auf, darunter Julia Roberts und Shirley MacLaine. Der Regisseur Marshall verschaffte Kinogängern schon mit „Pretty Woman“ und „Plötzlich Prinzessin“ vergnügte Stunden. Da werden mit „Valentinstag“ hoffentlich auch etwas höher geschraubte Erwartungen nicht enttäuscht …

Shirley MacLaine spielte übrigens in einem anderen für Gartenfreunde interessanten Film aus den 70er Jahren zusammen mit Peter Sellers als Gärtner ebenfalls eine Hauptrolle. Der Film heisst „Mr. Chance“ und das gleichnamige deutsche Buch von Jerzy Kosinski ist antiquarisch noch erhältlich. Die englische Ausgabe mit dem Titel „Being There“ ist immer wieder neu aufgelegt worden.

18. Dezember 2009

Monty Don

Im Moment „steppe“ ich mich in 80 Gärten um die Welt und lasse mich von Monty Don in Mexico, Kuba und Australien durch spezielle Gärten führen. Schon längere Zeit steht sein Buch „Around the World in 80 Gardens“ ungelesen auf dem Regal. Nun, da ich mir die DVDs anschaue, blicke ich parallel auch endlich ins Buch.

In Mexico geht es durch einen schwimmenden Garten und einen Fantasiegarten im Dschungel, der ständig vor Überwucherung „gerettet“ werden muss. In Kuba dienen die Gemeinschaftsgärten dazu, die Bevölkerung mit frischem Gemüse und Obst zu versorgen und die Gärtner sind eng vernetzt, um an Saatgut heranzukommen. Not macht erfinderisch und es gibt fast keinen Gegenstand, der auf dem Inselstaat nicht die Funktion eines Blumentopfs übernehmen kann. In Frage kommen beispielsweise neben ausrangiertem Geschirr ausgediente Espressomaschinen in Kannenform oder auch WC-Schüsseln. Stammleserinnen erinnern sich vielleicht an einen früheren Beitrag über die Vierteljahres-Publikation Greenprints (siehe Label „Periodika“). In der aktuellen Ausgabe dieser Zeitschrift gibt es ebenfalls zum Thema Wiederverwertung oder Umnutzung einen Artikel und auch in diesem Segment tätig ist die englische Gärtnerin Alys Fowler, die beispielsweise Salat in alten Portweinkisten anbaut.

Monty Don, der seit Jahren auf BBC Gartenprogramme präsentiert, ist kein gelernter Gärtner. In der gemeinsam mit seiner Frau Sarah verfassten Autobiographie The Jewel Garden erzählt er vom Zusammenbruch des gemeinsamen Schmuck-Unternehmens, der das Paar mit riesigen Geldsorgen und gesundheitlichen Problemen zurückliess. Mit seinem letzten Geld kaufte das Paar ein heruntergewirtschaftetes Bauernhaus und zog mit den drei Kindern nach Herefordshire. Dort begannen sie mit der Gestaltung des „Jewel Garden“ und schufen die Grundlagen für neue Perspektiven.

Erst kürzlich erschienen ist Monty Dons voluminöses Buch „The Ivington Diaries“, das ich mir demnächst vornehme. Da es aus nicht strikt chronologisch geordneten Kolumnen besteht, kann es immer wieder für kurze Abschnitte hervorgeholt werden. Als Bettlektüre oder Lesestoff für unterwegs eignet es sich leider des Formats wegen aber definitiv nicht.

Verschiedene von Monty Dons Büchern sind übrigens auch auf Deutsch erhältlich.



Monty Don:
Around the World in 80 Gardens (Buch)
Weidenfeld & Nicolson, 2008

Around the World in 80 Gardens (DVD)
Warner Home Video, 2008

The Ivington Diaries
Bloomsbury, 2009

Monty und Sarah Don:
The Jewel Garden
Hodder and Stoughton, 2004

26. Juni 2009

Der Garten im Film

Der Gärtner oder die Gärtnerin mag ja nicht immer gärtnern oder lesen, sondern hat vielleicht zur Abwechslung auch mal Lust auf einen Film, in dem Gärten nicht nur eine Statistenrolle spielen. 

Green Card
Um ihre Traumwohnung mit Wintergarten mieten zu können, braucht Brontë, eine New Yorker Gartenbauarchitektin, einen Ehemann. George, ein französischer Lebenskünstler, benötigt eine Aufenthaltserlaubnis, um in den USA bleiben zu können. Kurzentschlossen heiraten die beiden. Doch die Einwanderungsbehörde misstraut der Scheinehe, und die beiden müssen raschmöglichst eine gemeinsame Vergangenheit „konstruieren“. 

Die Töchter des chinesischen Gärtners: Li Min, eine junge Frau, die in einem Waisenhaus aufgewachsen ist, darf für ein paar Wochen ein Praktikum beim Botanik-Professor Chen absolvieren, der zusammen mit seiner 20jährigen Tochter An isoliert auf einer Insel mitten in einer prächtigen Pflanzenwelt lebt. Li Min leidet unter der starken Autorität von Chen und freundet sich mit An an. Die beiden jungen Frauen verbindet eine starke erotische Ausstrahlung und bald eine leidenschaftliche Liebe. Im China der 80er-Jahre ist Homosexualität ein absolutes Tabu, so dass sich die beiden auf einem gefährlichen Terrain bewegen. 

Dialog mit meinem Gärtner: Basierend auf dem Buch von Henri Cueco „Dialogue avec mon jardinier“ ist der gleichnamige Film entstanden. Ein bekannter Maler zieht von Paris zurück aufs Land in seinen Heimatort. Via Zeitungsinserat sucht er einen Gärtner und trifft unerwartet einen früheren Schulkameraden, den er schon vor Jahren aus den Augen verloren hat. Obwohl die beiden Männer völlig verschieden sind, freunden sie sich rasch an und lernen in unzähligen Gesprächen über Familie, Frauen, Tod, Garten oder Farben, die Welt aus der Sicht des andern kennen. 

Erst letzthin ist ein Buch zu diesem Thema erschienen: „Gärten im Film“ - Führer zu Filmgärten in Deutschland, Europa und Übersee“. Ein Artikel in der diesjährigen Frühlingsausgabe des englischen Garten-Journals Hortus widmet sich ebenfalls Filmgärten. Unter den vorgestellten Filmen waren auch „Being There“ (1979) und „Day of the Triffids“ (1962), deren geschriebene Pendants auch auf ein „grünes“ Bücherregal passen. Die Verfasserin des Hortus-Beitrages erkundigte sich im Leserkreis nach weiteren Filmen und laut einem Vermerk im Sommerheft hat dieser Aufruf auch ein beträchtliches Echo ausgelöst. Ich werde die aufgelisteten Filme in der nächsten Zeit durchgehen und vielleicht den einen oder anderen mal anschauen und gelegentlich wieder darüber berichten. 



Henri Cueco: 
Dialogue avec mon jardinier 
diverse Ausgaben 

Conversations with my Gardener 
diverse Ausgaben 


Leonie Glabau / Daniel Rimbach / Horst Schumacher: 
Gärten im Film – Führer zu Filmgärten in Deutschland, Europa und Übersee 
Gebr. Mann Verlag, 2008 

Jerzy Kosinski: 
Being There 
diverse Ausgaben 

John Wyndham: 
Die Triffids 
Heinrich und Hahn Verlag, 2006