11. Juli 2014

Sam Baker: Die besten Freunde meines Lebens

Als die junge Mutter Nicci den Kampf gegen den Brustkrebs verliert, vermacht sie ihn Abschiedsbriefen ihren drei besten Freundinnen Lizzie, Jo und Mona nicht nur ihren Garten, sondern auch die Zwillingstöchter und ihren Mann. Lizzie hat mit der Patenschaft für den Garten die scheinbar einfachste Aufgabe zugeteilt bekommen. Was sich in der Clique alles ereignet zwischen der Übernahme des krankheitsbedingt vernachlässigten Gartens, einem zwischenzeitlichen Aufblühen desselben und einer weiteren Verwilderung nach fast fünfhundert Romanseiten schildert Sam Baker in ihrem berührenden Roman „Die besten Freunde meines Lebens“.

Nicci war immer die erste (oder andere erste Male zählen eben nicht): beim Heiraten, beim Kinderkriegen und nun auch beim Sterben. Den Lebensinhalt der 150 cm kleinen Frau bildeten neben ihrer Familie modische Kleider. Ihren untrüglichen Fashion-Geschmack hat sie mit ins Grab genommen und wie sich herausstellt auch das eine oder andere Familiengeheimnis. Sechzehn Jahre war sie mit ihrem Mann David zusammen und fast gleich lange ging sie mit ihren besten Freundinnen durch dick und dünn und ein Wochenende ohne gemeinsamen Sonntagsbraten wäre kein richtiger Sonntag gewesen.

Der viel zu frühe Tod von Nicci lähmt ihre Freundinnen und auch die grotesken Briefe tragen nicht zur Vereinfachung bei. Was wollte sie mit diesem scheinbar sinnlosen Vermächtnis bezwecken? Doch schon allein wegen ihrer gemeinsamen Aufgabe, die vielen autobiografisch geordneten Kleiderschränke zu räumen, müssen die zurückgebliebenen drei Frauen als sogenanntes „Verscherbler-Bewahrer-Spenderinnen-Komitee“ funktionieren und sich regelmässig treffen. Bei diesem Schrank-Ausräumen bekommt die Leserin Einblick in weit zurückliegende Ereignisse und die dazu passenden Klamotten.

Und schon bald beginnt die unglücklich verheiratete Lizzie, Gartenbücher zu studieren. Zunächst fühlt sie sich mit ihrer Aufgabe überfordert und ist mit belastenden Erinnerungen an ein gepflegtes Gemüsebeet, einen bunten Garten, ein Wigwam aus Bohnenstangen und ein Flammenmeer aus Chrysanthemen behaftet, doch wider Erwarten bekommt sie dank angelesener Unterstützung von Alan Titchmarsh sogar Spass am Gärtnern. Bei dieser Tätigkeit kann sie ihren unerfüllten Kinderwunsch ebenso temporär bei Seite schieben wie die Sorgen um ihre demente Mutter.

Auch Mona, alleinerziehende Mutter und Geliebte eines verheirateten Mannes, bekundet Mühe mit dem ihr zugedachten Part. Sie soll nämlich den Witwer David heiraten. Da hat es Jo, die Zahlenjongleurin und Co-Geschäftspartnerin von Nicci, die sich bereits liebevoll um die beiden Söhne ihres Partners aus einer früheren Beziehung kümmert, einfacher. Ihr wurden die Zwillingsmädchen anvertraut.

Die Autorin hat überaus nachvollziehbare Charaktere geschaffen und die Abschiedsbriefe entpuppen sich als nicht ganz so absurd, wie zunächst allgemein vermutet wird. Die Zukunft und Gefühle lassen sich nicht steuern – oder doch? Sam Baker umschifft gekonnt Klippen, die dem Roman Glaubwürdigkeit genommen hätten, und so enden die harten Monate nach Niccis Tod mit vielen Ups and Downs in den Beziehungen zwischen diesen besten Freunden nicht überall mit einem Happyend, aber es sind Silberstreifen am Horizont auszumachen. Die Lektüre ist melancholisch und emotional, aber auch immer wieder witzig. Wie etwa dann, wenn es heisst, „Kohlenhydrate und Fett ölen den Motor häuslicher Harmonie“ (Zitat)….  



Sam Baker: 
Die besten Freunde meines Lebens 
Diana Verlag, 2013