21. Juni 2010

Constance Spry (1888 – 1960)

Kennen Sie die beliebte englische Kletterrose "Constance Spry", die Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts als David Austins erste Englische Rose auf den Markt kam oder wächst die Gartenschönheit mit ihren grossen altmodischen Blüten und dem kräftigen Myrrheduft vielleicht sogar in Ihrem Garten? Hinter der Namenspatronin verbirgt sich eine aussergewöhnliche Persönlichkeit, zu deren 50. Todestag kürzlich eine Biographie von Sue Shepard erschienen ist.

Wie der Titel erahnen lässt, erfährt der Leser einige Überraschungen aus dem Leben von Constance Spry, das mit 43 Jahren eine Wendung nahm, die sie und ihr Umfeld sich wohl nie erträumt hätten. Nach einer unglücklichen Ehe, aus welcher ihr einziges Kind stammte, und Tätigkeiten für das Rote Kreuz in Dublin, verlässt sie 1916 Mann und Land und zieht mit ihrem Sohn nach England.

Das Dekorieren mit Blumen gehörte schon länger zu ihren Passionen und durch neue Bekanntschaften bekam sie Zugang in für sie wegweisende Kreise und immer mehr Aufträge, so dass sie 1929 ihren ersten Shop „Flower Decoration“ eröffnete. Constances Stärke waren ihre Kreativität und ein Fluss von unermüdlich sprühenden Ideen, während sie das korrekte Kalkulieren der Preise vernachlässigte und oft nicht einmal die Lieferkosten weiterverrechnete.

Ein gut gehütetes Geheimnis war die Tatsache, dass Constance Spry gar nie mit ihrem zweiten Lebenspartner Shav Spry verheiratet war und diese Beziehung über viele Jahre eine „Ehe zu dritt“ war. Constance lebte nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“. So hat sie nicht die Komplikationen einer „wilden“ Ehe Anfang des 20. Jahrhunderts bedacht und hat sich auch immer wieder ohne Zögern, geschweige denn mit einem Businessplan im Hinterkopf, in neue Geschäfte gestürzt, wie beispielsweise kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, als sie dazu überredet wurde, jenseits des grossen Teiches ein Geschäft nach englischem Stil zu eröffnen.

Das Buch gibt einen interessanten Einblick in das Leben von Constance Spry. Die Spry war Lieferantin für die „Upper Class“, so dass auch etliche Details aus der damaligen Regenbogenpresse in der Biografie nachzulesen sind, wie beispielsweise zur Abdankung von Eduard VIII und seiner Heirat mit der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson oder zur Krönung von Königin Elizabeth II.

Constance Spry hat mehrere Bücher zu den Themen Blumendekoration und Kochen herausgegeben und führte neben ihrem Shop auch eine „Flower School“. Die Biographie enthält verschiedene Schwarz-Weiss-Fotos, auch von Kreationen der Blumenkünstlerin. Es wäre toll, diese in Farbe zu sehen. Die Moden und Geschmäcker ändern sich über die Jahrzehnte – aufgrund der Beschreibungen von gewissen Kreationen zweifle ich, ob ich Gefallen an allen hätte. An einer Stelle im Buch wird nämlich erwähnt, wie Constance und ihr Team während einer Nachtübung die Rückseite von ledrigen Eukalyptus-Blättern blau anmalten.

Sue Shepard hat übrigens vor einigen Jahren unter dem Titel “Seeds of Fortune – A Gardening Dynasty”, die Geschichte der Veitch-Familie veröffentlicht. Ein nicht minder spannendes Buch über jene Pioniere, deren Engagement wir unzählige Gartenschätze verdanken.



Sue Shepard:
The Surprising Life of Constance Spry
Macmillan, 2010