15. August 2011

Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns: Die geheimen Gärten von Amsterdam

Vor unserer Reise nach Amsterdam habe ich zur Einstimmung das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ gelesen. Eigentlich wollte ich hier gar nicht darüber schreiben, sondern einfach die Lektüre geniessen und mir keine Gedanken darüber machen, was und worüber ich in einer Buchvorstellung schreiben könnte. Das habe ich auch fast bis zur Mitte des Buches geschafft, doch dann habe ich die Seiten doch noch mit etlichen Haftzetteln geschmückt, um die Lektüre vorstellen zu können.

Nach dem Vorwort mit dem passenden Titel „Zwischen Grachten, Giebeln und Hortensien“ werden rund dreissig Gärten in den Kapiteln
  • Historische Gärten
  • Gärten am Wasser
  • Gesellige Gärten
  • Designer-Gärten
  • Ungewöhnliche Gärten und
  • Zuflucht Gartenhaus vorgestellt.

Besonders interessant fand ich das Portrait „Für alle und doch privat" über einen Garten an einer Seitenstrasse des Overtoom, nicht weit von unserer Amsterdam-Ferienwohnung entfernt. Die Bewohner von sechs aneinander grenzenden Reihenhäusern nutzen den Garten gemeinsam und haben zu diesem Zweck eigens einen Verein gegründet. In notariell beglaubigten Statuten ist festgelegt, wer wann was im Garten tun darf oder muss. Neben der Gemeinschaftsfläche hat jeder Nutzer einen eigenen kleinen und absolut privaten Bereich von 35 Quadratmetern. Die Bewohner kamen in den 1980er Jahren übrigens durch Kraaken (Besetzung) zu ihrem für Amsterdamer Verhältnisse recht grossen Grünraum. Die Inbesitznahme ist längst geregelt und es wird ein Mietzins an die Stadt bezahlt.

Die Autorinnen Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns geben ausserdem Einblick in einen 12 Quadratmeter grossen (Bonsai-)Waldgarten, einen Garten auf dem Pausenhof eines ehemaligen Klosters und sie erzählen von einem Teehaus, das auch schon als Munitionslager gedient hat sowie dem liebevoll dekorierten in blautönen gehaltenen Freiluftzimmer einer ehemaligen Floristin. Letztere hat sogar einen Gartenclub gegründet zwecks Austausch von gemeinsamen Interessen und Pflanzenschätzen und dem Besuch von Gärten und Gartenshows. Um immer mal wieder Platz für die neuen Errungenschaften aus ihren Reisen zu schaffen, veranstaltet diese Frau regelmässig einen Markt (Yard-Sale) für ein ausgewähltes Publikum. Diese Idee muss ich vielleicht im Hinterkopf behalten – die Umsetzung würde sich vielleicht auch dafür eignen, das leidige Platzproblem auf den Bücherregalen zu lösen.

Beeindruckend ist auch der Aufwand, der für die Gestaltung eines anderen Gartens in Kauf genommen wurde. Neun Monate lang wurden Bewilligungen eingeholt, damit für einen Tag ein 54 Meter hoher Kran aufgestellt und die Strasse gesperrt werden konnte. Autos mussten abgeschleppt werden und es wurden 15 Parkplätze belegt, um Abfallcontainer aufzustellen. Das Ergebnis – ein symmetrischer Garten aufgelockert mit farbiger Blumenpracht, darf als gelungen bezeichnet werden.

Ein schönes Buch mit interessanten Texten und tollen Fotos, das man immer wieder gern zur Hand nimmt.



Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns:
Die geheimen Gärten von Amsterdam
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010