31. Januar 2011

Herr Adamson

Der Ich-Erzähler sitzt am Freitag, 22. Mai 2032, einen Tag nach seinem 94. Geburtstag, in einem in Hochblüte stehenden Garten. Er spricht seine schon länger zurückliegenden Erlebnisse mit Herrn Adamson für die Nachwelt auf Band. Freitage haben eine besondere Bedeutung für den Erzähler. Ist heute der richtige Freitag, um zu sterben?

Jahrzehnte vorher, genau an seinem 8. Geburtstag hat der Erzähler diesen Herrn Adamson im riesigen, paradiesischen Garten eines Nachbarhauses kennengelernt. Dieses stand schon länger Zeit leer und der Garten hatte sich in eine blühende, ursprüngliche Landschaft verwandelt. Die Blütenpracht setzte sich ohne Rücksicht auf Jahreszeiten zusammen aus Rosen, Mohn, Oleander, Fuchsien, Azaleen, Thymian und vielen anderen Blumen. Als Navajo-Indianer in die Spurensuche vertieft, erschrickt der Junge zutiefst, als völlig unerwartet Herr Adamson vor ihm steht – um die neunzig Jahre alt, klein, mager mit weissem Kopf und mit Ausnahme von drei leicht gekrümmt in die Höhe ragenden Haaren völlig kahl.

Herr Adamson ist tot. Nur weil der Junge genau in jener Sekunde geboren ist, in welcher der alte Mann gestorben ist, kann er ihn überhaupt sehen. Die beiden spielen zusammen Verstecken. Das harmlose Spiel entwickelt sich bei einer Folgebegegnung zu einem Alptraum, als der Junge herausfinden will, wohin Herr Adamson jeweils verschwindet und er sich in dessen Körperhülle hineinwirft. Können die magische Feder in den Haaren und ein Knochen den Ich-Erzähler beschützen? Zumindest zwei Zwänge bleiben schliesslich von der Begegnung mit von allen guten Geistern Verlassenen zurück: die Sprache der Navajos und ein Drang, jeden Spaten in die Erde zu stecken und zu graben.

Eine ziemlich schräge Reise durch eine Phantasie-Welt, empfehlenswert für alle, die sich nicht von „Vortoten“ und „Untoten“ von der Lektüre abhalten lassen.



Urs Widmer:
Herr Adamson
Diogenes Verlag, 2009 bzw. 2010

27. Januar 2011

Erinnerungen an Christopher Lloyd

Als ich gerade mit der Lektüre dieser Erinnerungen an Christopher Lloyd (1921 – 2006) begonnen hatte, bin ich in der Zeitschrift "Gardens Illustrated" auf eine Auflistung gestossen, in welcher dieses Buch unter den zehn bemerkenswertesten Gartenbuch-Neuerscheinungen 2010 aufgeführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt erschien mir diese Bewertung ziemlich übertrieben. Jetzt, wo ich das Buch zu Ende gelesen habe, kann ich der Auszeichnung beistimmen und finde sie gerechtfertigt.

Christopher Lloyd wird nachgesagt, Leute „gesammelt“ zu haben. Etliche Personen, die dieser speziellen „Kollektion“ angehörten, haben im Buch „Dear Christo“ ihre Erlebnisse und Anekdoten niedergeschrieben. Das Ergebnis ist wohltuender Weise keine Lobhudelei auf einen der einflussreichsten englischen Gärtner der letzten Jahrzehnte, sondern vielmehr eine Lektüre, die aus verschiedenen Blickwinkeln, die vielen verschiedenen Facetten von Christopher Lloyd beleuchtet. Zu dessen riesigem Freundeskreis gehörten Journalisten, Musiker, Komponisten ebenso wie Gärtner, die teilweise gerade durch die Lektüre von Lloyds immer wieder aufgelegtem Standardwerk „The Well-Tempered Garden“ auf diesen Beruf, diese Berufung gestossen sind.

Beiträge für das Buch abgeliefert haben unter vielen anderen Anna Pavord, Alan Titchmarsh, Dan Pearson, Helen Dillon und das Vorwort hat Beth Chatto verfasst. Christopher Lloyd wird als vielschichtige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten beschrieben. Wer seine Gunst einmal verspielt hatte, konnte diese nicht mehr zurückerobern. Legendär sind seine grosszügigen Wochenendeinladungen nach Great Dixter ebenso wie seine ungeschminkte Kritik und seine Kochkünste. Mehr als ein Gast nahm von Lloyds geliebten Hunden ein bissiges Andenken mit nach Hause.



Rosemary Alexander und Fergus Garrett (Hrsg.):
Dear Christo – Memories of Christopher Lloyd at Great Dixter
Timber Press, 2010

23. Januar 2011

Die Gärtnerin und das Geheimnis von St. Walfrid

Céleste Pruvost hat ihre frühe Kindheit auf einem Hof in der Provence verbracht, den ihre Mutter Béatrice und ihr Vater Jean zusammen mit einer Kooperative von Individualisten geführt haben. Von ihren Eltern hat sie nicht nur einen Hang zur Melancholie vererbt bekommen, auch ihre Leidenschaft für Gartengestaltung ist ihr bereits in die Wiege gelegt worden.

Grossväter und Urgrossväter väterlicherseits sind allesamt grosse „Horticulteurs“ gewesen. So ist es nicht verwunderlich, dass Céleste bereits als kleines Mädchen ein ausgeprägtes Interesse für die Arbeit ihres Vaters entwickelte und das Pikieren von zarten Pflänzchen ebenso lernte wie das Veredeln von Kirschbäumen. Ihr Vater war kein Mann grosser Worte und sprach wohl mehr mit seinen Pflanzen als mit seiner Tochter. Doch auch er genoss die Nähe beim gemeinsamen Gärtnern, die ihn von seinen Eheproblemen ablenkte. Béatrice lebte nämlich zwar auf dem gleich Hof, aber räumlich getrennt von ihrer Familie. Die exzessive Drogenkonsumentin wechselte häufig ihre Liebhaber, während sie für Céleste und deren älteren Bruder François kein Interesse zeigte. Als Béatrice sich nach einer Entziehungskur schliesslich definitiv von Jean trennt, verschwindet dieser spurlos. Mit seinem Weggang spaltet sich die Restgruppe auf dem Hof. Der tüchtige Gärtner Jean hatte durch seine beruflichen Fähigkeiten und sein unermüdliches Arbeiten einen wesentlichen Anteil am guten Geschäftsgang des Betriebes und sein Fortgehen hinterlässt eine grosse Lücke. In der Folge werden Céleste und François in ein kleines katholisches Pensionat gesteckt und erleben die Hölle auf Erden.

Im Laufe ihres Lebens findet Céleste immer wieder Freude und Ablenkung in der Beschäftigung mit Pflanzen – als sie im Pfarrhaus aufgenommen wird oder viel später nach einer unglücklichen Ehe, als ihr in Istrien ein Rentner etliche Gärtnertricks und –kniffe beibringt, die ihren Wunsch verstärken, als Gartengestalterin berufliche Befriedigung zu finden. Der Krieg auf dem Balkan durchkreuzt diese Pläne. Kann sie zurück in Frankreich ihre Passion ausleben?

Auf knapp 220 Seiten verpackt die passionierte Gartendesignerin und frischgebackene Autorin Alexandra Jansen eine kurzweilige Lektüre, die in der Lüftung des Geheimnisses von St. Walfrid gipfelt. Ihr ureigenes Geheimnis bleibt, welche Teile des Romans autobiografische Züge aufweisen. Charmant sind die immer wieder auftauchenden französischen Worteinschiebungen. Gelegentlich driftet die Erzählung ins Umgangssprachliche ab und der Zufallsfund auf einem Flohmarkt erscheint mir etwas konstruiert. Nichtsdestotrotz ein lesenswerter Erstling und vielleicht hat die Autorin je genügend Ideen für eine Fortsetzung?

Ein Teil des Romans spielt in Saaregmünd und Umgebung. Vor einiger Zeit sind wir nach einer Woche Hausbootferien in dieser Gegend umhergereist. Schade ergab sich keine Gelegenheit eine Prieuré mit einem dermassen tollen Garten oder den Garten der Autorin zu besuchen! Immerhin bleibt zum Trost der Link zur Webseite der Autorin.



Alexandra Jansen:
Die Gärtnerin und das Geheimnis von St. Walfrid
Geistkirch-Verlag, 2010

19. Januar 2011

Mord im Gurkenbeet

Frühmorgens um kurz vor vier Uhr stolpert die elfjährige Flavia de Luce im Garten von Buckshaw und fällt auf ihre Knie und Hände. Eben noch hätte sie sich nicht gewundert, wenn im silbrigen Licht der Morgendämmerung hinter dem taubesetzten Rosenstrauch ein Einhorn hervorgetreten wäre - nun flucht sie lehmverschmiert vor sich hin. Als sie sich umdreht, entdeckt sie etwas weisses aus dem dem Gurkenbeet ragen. Das weisse Etwas erweist sich bei näherer Betrachtung als männliche Leiche.

Am Abend zuvor hatte Flavias Vater Colonel de Luce einen heftigen Streit mit eben diesem Verstorbenen und wird von der Polizei unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Flavia, die jüngste von drei Schwestern, ist überaus klug und beginnt nach Beweisen für die Unschuld ihres Vaters zu suchen, um die Anschuldigungen zu entkräften. Dabei sind ihre Chemie-Kenntnisse von grossem Nutzen. Während sie immer tiefer in der Vergangenheit herumgräbt, stösst sie allerdings auf Geheimnisse und Ungereimtheiten, die ihren Vater mehr belasten als entlasten.

Mit Ausnahme der Erwähnung von Eukalyptus-Bäumen, die im Gewächshaus gehegt und gepflegt werden und deren Blätter auf ganz Buckshaw als Schutz gegen Erkältung und Grippe versteckt werden und dem Tatort Gurkenbeet spielt das gärtnerische Element im Buch keine Rolle. Voll auf ihre Kosten kommen hingegen Chemie-Interessierte und Philatelisten.

Zur Lektüre passt die DVD mit der BBC-Serie „The Victorian Kitchen Garden“. Die Sendung zum Monat Februar enthält eine Sequenz, die auf einem alten englischen Landsitz aufgenommen wurde. Das gezeigte Labor aus früheren Jahrhunderten dürfte demjenigen von Flavia sehr ähnlich sein.



Alan Bradley:
Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet
Blanvalet, 2010


15. Januar 2011

The Marigold Mafia

Ein Kochrezept-Wettbewerb, in welchem in drei verschiedenen Kategorien die besten vegetarischen Gerichte gesucht werden, bildet den Hintergrund in diesem Krimi. Das erste Kapitel beginnt aber nicht in der Versuchsküche, sondern mit der Besichtigung eines englischen Gartens, wo Lucille Anderson, die sich abseits der Gartenführung bewegt, eine Leiche entdeckt. Statt die Polizei zu informieren, schleicht sich die 45 jährige Amerikanerin weg und überlässt dem Rest der Gruppe das „offizielle“ Entdecken des Tatorts.

Während ein Schrei das Auffinden des Toten bestätigt, überlegt sich Lucille, wie es möglich ist, dass sie, die als Werbebeauftragte einer Firma für biologische Tiefkühlprodukte eine Gartentour mitmacht, um mehr über gesundes englisches Gemüse und ebensolche Früchte zu lernen, schon wieder in einen ausserordentlichen Todesfall verstrickt ist („The Marigold Mafia“ ist das zweite Buch in einer Reihe mit der Hobby-Detektivin Lucille). Ihr Freund und Vorgesetzter Braxton Clark ist denn auch gar nicht erfreut, als er davon erfährt. Und als auch noch seine Schwester Caroline, die mit dem Mordopfer befreundet war, mit Lucille Nachforschungen über den Mord anzustellen beginnt, gerät die Beziehung zwischen Lucille und ihrem Freund erst recht in Schieflage.

Doch wer steckt hinter dem Mord? Ist das Mordmotiv im Zusammenhang mit den geheimnisvollen verschwundenen Samen zu sehen? Samen, für welche Pharmaunternehmen Millionen von Pfund bezahlen würden?



Elisabeth Bastion:
The Marigold Mafia
Gale Cengage Learning, 2009



11. Januar 2011

Im Garten des Lebens und die Farben der Herzen

Vor rund zwei Jahren, kurz bevor ich zu bloggen angefangen habe, habe ich das Buch „Im Garten des Lebens“ (englisch: Suzannah’s Garden) gelesen – eine Geschichte über Frauenfreundschaften vor gärtnerischem Hintergrund. Am Ende der Erzählung eröffnet Susannah in der Blossom Street einen Blumenladen. Gleich neben ihrem Geschäft befindet sich ein kleiner Strickladen, dessen Besitzerin Lydia in Ich-Form durch einen der drei Erzählstränge dieses Folgebandes mit dem Titel „Die Farben der Herzen“ führt.

Lydia verkauft nicht nur Wolle, sie führt auch regelmässig Strickkurse durch. Im Kurs „Gebets-Schalstricken“ lernen sich die junge Witwe Colette und Alix kennen. Colette erwartet ein Baby und arbeitet in Susannahs Blumenladen. Im Laufe der Lektionen kommen sich die beiden Frauen näher und die Leserin fiebert mit Colette mit, die überzeugt ist, dass der Vater ihres ungeborenen Kindes in Menschenhandel verwickelt ist und kann Alix nachfühlen, die sich für ihre geplante Hochzeit eine kleine Feier wünscht, während ihre künftige Schwiegermütter und eine gute Freundin DAS Fest des Jahres zu organisieren scheinen und ihre Wünsche und Vorstellungen geflissentlich überhören.

Schöne Taschenbücher mit geschmackvollem Cover über sympathische Frauen und ihre Freundschaften! Die Charaktere und Schicksale sind sehr echt beschrieben. Die Bücher haben es problemlos geschafft, dass ich den Computer ausgeschaltet liess und jeweils bis gegen Mitternacht gelesen habe.



Debbie Macomber:
Die Farben der Herzen
Mira Taschenbücher, 2009

Der Garten des Lebens
Mira Taschenbücher, 2009

7. Januar 2011

Blumenfrauen und ihre aussergewöhnlichen Gärten

Wieder ein Buch über Frauen und ihre Gärten? Soll ich das lesen? Lohnt sich die Anschaffung, obwohl verschiedenene der portraitierten Gärtnerinnen bereits anderweitig zwischen Buchdeckeln ausführlich vorgestellt worden sind (Stichwort Kristin Lammerting, Gabrielle Pape oder Viktoria Freifrau von dem Bussche)? Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich wiederholt über diese Neuerscheinung gestolpert bin. Nun, die Skepsis unterlag schliesslich der Neugierde und nach der Lektüre bin ich positiv überrascht.

Die Autorin Karine von Rumohr ist als Enkelin der Iris-Gräfin mit Gärtnerinnen und Gärtnereien wohlvertraut und kennt verschiedene der portraitierten Frauen privat schon seit Kindstagen, so dass sie wie etwa im Kapitel über ihren Besuch bei Beth Chatto auch einiges aus dem Nähkästchen ausplaudern kann.

Eine der 18 vorgestellten Frauen gärtnert in einem echten Hortus coclusus, während eine andere auf dem Gelände eines ehemaligen Zisterzienserkloster einen Kräutergarten hegt und pflegt. Interessant ist auch der Einblick in die Züchtungsarbeit eines Jungpflanzenbetriebes, der sich auf Pelargonien, Anthurien und Chrysanthemen konzentriert. „Der Garten der acht Kostbarkeiten“ liegt in der Nähe des Ortes Rumohr. Da fragt sich die Sofagärtnerin neugierig, ob der Ort mit diesem Namen eine Verbindung mit dem Nachnamen der Autorin hat?

Etwas befremdet oder irritiert hat mich an einer anderen Stelle das Eingeständnis, hemmungslos zur chemischen Keule zu greifen. Oder ist es mutig, diese Einstellung und Handlungsweise in einem Buch schwarz auf weiss zu veröffentlichen?

Karine von Rumohr bereitet sich auf die Übernahme der Staudengärtnerei „Gräfin von Zeppelin“ vor. Die Buchhandlung der Mutter und ein neues Café sollen in einem neuen Gebäude Platz finden. Wenn das mal kein guter Grund ist, wieder einmal Richtung Sulzburg Laufen zu fahren …



Karine von Rumohr:
Blumenfrauen und ihre aussergewöhnlichen Gärten
Christian Verlag, 2010

3. Januar 2011

Endlich geht’s weiter – Teil 2 des Wunscherbes ist da!

Haben Sie auch ungeduldig darauf gewartet, zu erfahren wie die Begegnung zwischen Lieselotte und Deboo verlief? Da diese Buchvorstellung aus dem Sofagarten stammt, dünkt es mich passend, die Fortsetzung mit dem schönen Absatz aus einem der letzten Briefe von Hans an seine reisende Ehefrau Lieselotte zu beginnen. Deboo hatte einmal erklärt, mit Lieselotte die schönste Rose der ganzen Welt erhalten zu haben. Ihr Ehemann Hans sieht sich als Gärtner, der dem Inder diese Kostbarkeit zur Freude an Duft und Anblick überlassen hat. Hans selber ist sich bewusst, dass ihn nach der Rückkehr seiner Frau von dieser mehrmonatigen Reise durch Indien Dornen stechen werden, er hofft aber gleichzeitig, dass seine Rose im norddeutschen Klima nicht zu welken beginnt. Diese Befürchtungen haben durchaus ihre Berechtigung - aber nun zurück an den Anfang von Teil 2 des Wunscherbes.

Das Buch beginnt mit einem Auszug aus Lieselottes Tagebuch vom September 1956. Die 37jährige Mutter von vier Kindern ist mit ausdrücklicher Unterstützung ihres Ehemannes Hans inzwischen im Zug unterwegs von Bombay nach Kalkutta, um endlich ihre grosse Liebe Deboo wiederzutreffen.

Zunächst scheinen die Rollen zwischen Hans und Deboo vertauscht. Während der indische Botaniker seine Lieselotte nun in physischer Nähe hat, muss Hans sich mit der Aufgabe als Korrespondent begnügen. Der rege und sehr offene Briefwechsel zwischen den Eheleuten erscheint mir als Aussenstehenden mit einer speziellen Form einer Ehetherapie vergleichbar. Auf Papier werden Dinge ausgesprochen, für die im Alltagstrott Zeit und Worte fehlen. Und immer wieder wunderte ich mich als Leserin über die Stärke von Hans, seine Frau ziehen zu lassen. In seinen Briefen kommt allerdings auch die weiche Seite dieses Strategen ausdrücklich zum Vorschein.

Trifft Deboos Aussage zu, dass Lieselotte die glücklichste Frau der Welt sein muss? Sie, die von zwei Männern derart heftig geliebt wird, ohne dass die beiden eifersüchtig aufeinander sind? Und wie ist in diesem Zusammenhang Hans‘ Wortkonstruktion „Neben-De-booler“ zu werten? Lesen Sie selber diese deutsch-indische Liebesgeschichte und erfahren Sie, welche Tragödie dazu führte, dass aus Deboos Familie niemand mehr einen Fuss in den Botanischen Garten von Kalkutta setzen wollte.

Teil 2 ist in Sachen Spannung dem ersten Band ebenbürtig und hat mir mindestens gleich gut gefallen. Die biografische Dokumentation lässt einem auch nach der Lektüre nicht ganz los, und ich habe mir schon ein paarmal überlegt, in welchen Bahnen das Leben von Dietlinde Hachmann und ihrer Familie wohl verlaufen wäre, wenn die im Frühling 1957 geschmiedeten Pläne umgesetzt worden wären. Und wieviele solche oder ähnliche erzählenswerte Geschichten gehen tagtäglich ungeschrieben verloren?

Den gärtnerisch interessierten Leserinnen und Lesern möchte ich nicht vorenthalten, dass Lieselotte in einem Brief einen Besichtigungsgang durch Garten und Pflanzungen von D.S. Pradhan erwähnt und anmerkt, dass aus dessen Winteraster- und Chrysanthemen-Züchtungen zwei Sorten ausgewählt wurden, die ihren Namen tragen sollen. Ob es diese wohl noch gibt?



Dietlinde Hachmann:
Mein Wunscherbe – Teil 2: Im Land meiner Träume
Acabus Verlag, 2010


PS: Falls Sie sich nochmals in die Rezension zum Teil 1 vertiefen wollen, klicken Sie hier.

Homepage "Mein Wunscherbe"