17. August 2013

Elsemarie Maletzke: Wenn ich in den Garten geh – Ein Lesespaziergang durch Gärten und Parks

Haben Sie Lust auf einen angenehmen Lesespaziergang durch Gärten und Parks? Vielleicht auf einer bequemen Bank im kühlen Schatten eines Baums sitzend? Der Garten und die Sehnsucht nach dem verlorenen Eden waren schon immer ein beliebtes Thema für Dichter und Schriftsteller. Und so führt die Herausgeberin Elsemarie Maletzke in diesem Buch in sechs Kapiteln durch verschiedene Gärten und Parks in unterschiedlichen Jahrhunderten und steuert jeweils am Kapitalanfang eigene Gedanken bei.

Gegliedert ist die grosszügig mit Gemälden und Fotos illustrierte Publikation mit Texten von Bettina von Arnim über Christian Morgenstern und Walahfrid Strabo bis Caroline Wolzogen in die folgenden Abschnitte:

- Formale Gärten
- Englische Landschaftsgärten
- Kraut und Rosen
- Geliebte Bäume
- Willkommen und unerwünscht
- Jenseits der Gartenmauer

Wer hat wohl als Erster Rosen neben Lauch gepflanzt? Mit dieser Frage beginnen die einleitenden Sätze zum Kapitel „Formale Gärten“, in dessen Beiträgen hernach Eduard Möricke in ein Labyrinth, Karl-Philipp Moritz auf einen Ausflug nach Vauxhall und Heinrich Heine in die Tuilerien einladen. An anderer Stelle plaudert Karel Câpek über das Gefühl von Freiheit beim Laufen über Wiesen und welchen Einfluss auf den Charakter und die Weltanschauung diese Möglichkeit eröffnet, während er im „Gebet eines Gärtners“ seine Anweisungen für die perfekten Niederschlagsmengen in höhere Sphären weitergibt.

Johann Peter Hebel wiederum macht sich in einem engagierten Plädoyer für Maulwürfe stark. Er räumt mit Hilfe von detaillierten und eher unappetitlichen Details zum Mageninhalt derselben mit Vorwürfen auf, die den Insektenfresser als Wurzelfrevler verdammen. Der Nicht-Gärtner Gerald Durech seinerseits verfügt über eine ausgeprägte Schwäche für Schnecken und glaubt, diese auch lieben zu können, wenn sie seine Pflanzen fressen würden. Er ist sogar der Meinung, es sei eine Ehre, wenn sich welche im Garten tummeln. Na ja, es gibt erfreulichere Ehrbezeugungen. Mehr Verständnis bringt die Sofagärtnerin für die 76jährige Sidonie Colette auf, die eine eine Einladung ihres Schwiegersohnes ausschlägt, weil sie das unmittelbar bevorstehende Ereignis einer nur alle vier Jahre aufgehenden rosa Blüte an ihrem Kaktus nicht verpassen will.

Johann Christoph Heppe stellt verschiedene Gehölze von der Aalkirsche bis zur Quitschbeere und von der Hagebuche bis zum Machandel (Wacholder) vor, während Jane Austen auf die lästigen Seiten von Gemüsegärten hinweist, zu denen sie das Verfaulen der Vegetation, speziell von Kohlgewächsen im Oktober, zählt. Weiter liest man über Heilige Hallen (den ältesten deutschen Buchenwald), die architektonischen Narreteien namens „Follies“, von mit Ölfarbe angestrichenen Gebirgen aus Brettern und erfährt, dass die Anlagen von Wörlitz als Hintergrund für Goethes Wahlverwandtschaften dienten. Und derweilen in einem 1897 in der „Gartenwelt“ publizierten Artikel die Rede ist von der Vollkommenheit der Natur und von gelb blühenden Wiesen geschwärmt wird, weist die Herausgeberin auf die ausgeklügelten Strategien von Ranunculus und Co. hin, die schon manchen Gärtner an den Rand der Verzweiflung gebracht haben.

In „Willkommen und unerwünscht“ erfährt der Leser ein wenig über die persönlichen Vorlieben und Abneigungen von Elsemarie Maletzke selber. So missfallen ihr beispielsweise Eisbegonien und Heidekraut. Sie rät jedoch gleichzeitig, nie die Pflanzen anderer Gärtner zu beleidigen. Schliesslich lässt sich über Geschmack nicht streiten und sie vermerkt zugleich, dass der Natur aber tatsächlich nicht alle Blumen gleich gut gelungen sind.  



Elsemarie Maletzke: 
Wenn ich in den Garten geh – Ein Lesespaziergang durch Gärten und Parks 
Gerstenberg Verlag, 2013

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