15. Juni 2017

Holly Webb: Return to the Secret Garden

Der zeitlose Jugendbuchklassiker «Der geheime Garten» von Frances Hodgson Burnett ist seit seinem Erscheinen im Jahr 1911 in fast unzählige Sprachen übersetzt und auch mehrfach verfilmt worden. Ich besitze selber eine kleine Sammlung von verschiedensprachigen Buchausgaben (die ich längst nicht alle verstehe), ein Bühnenbilderbuch sowie einige DVDs und Hörbücher. In ausländischen Buchhandlungen versuche ich wenn immer möglich, lokale Ausgaben des Buches zu ergattern. Manchmal klappt es. Letztes Jahr in Slowenien war die Nachfrage leider erfolglos, da die aktuellste Ausgabe vergriffen war. Die Autorin Holly Webb hat sich der Aufgabe gestellt, eine Fortsetzung dieses berühmten Kinderbuchs zu schreiben, die rund dreissig Jahre nach dem Original spielt. Ihre Gründe warum und weshalb sie dies getan hat, lassen sich in einem Interview im Anschluss an das Buch «Return to the Secret Garden» lesen. Zum Inhalt:

Wegen der erwarteten Bombenangriffe müssen sämtliche Bewohnerinnen und Bewohner das Waisenhaus «Craven Home for Orphaned Children» verlassen. Ein paar Kleider, abgenutztes Spielzeug und eine Gasmaske sind alles, was die Waisen auf sich tragen, als sie 1939 aus London evakuiert werden. Ihr Ziel ist Misselthwaite Manor in Yorkshire. Unter dieser Gruppe von Kindern ist auch Emmie, eine einsame Einzelgängerin. Ihre beste Freundin ist eine abgemagerte Katze, die regelmässig auftaucht, um sich von ihr füttern zu lassen, und hernach wieder verschwindet. Doch davon darf niemand im Heim etwas wissen. Mädchen und Katze sind ähnlich kratzbürstig und passen so recht gut zusammen. Emmies Versuch, die Katze Lucy heimlich aus dem Haus zu schmuggeln und mit auf die Reise zu nehmen misslingt und das Mädchen ist untröstlich. 

In Misselthwaite gibt es ausser zwei gemeinen Jungen keine Kinder in Emmies Alter und an dem riesigen staubigen Gebäude mag sie keinen Gefallen finden. Sie kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, sich in dieser verlassenen ländlichen Gegend jemals wohl zu fühlen. Der Sohn der Besitzerin seinerseits scheint auch gar nicht begeistert über die vielen Neuankömmlinge aus der Grossstadt zu sein. Aber immerhin sind die Besitzerin des Herrenhauses und das Personal sehr freundlich und besonders zum Gärtner hat Emmie von Beginn weg einen recht guten Draht. 

Rascher als erwartet, gewöhnt sich Emmie an den neuen Tagesablauf, der so ganz anders ist als es der in London war. Nach den Schullektionen findet sie immer wieder Zeit, alleine die verschiedenen riesigen Gärten rund ums Herrenhaus zu erkundigen und sie schliesst eine Art Freundschaft mit einem Rotkehlchen. Schliesslich findet sie in ihrem Zimmer in einem Schrank zufällig die Tagebücher einer Mary Lennox mit Einträgen aus dem Jahr 1910 und erfährt dadurch von der Existenz eines geheimen Gartens, zu welchem sie sogar den Schlüssel und damit den Zugang findet. Als sie herausfindet, dass der Garten gar kein geheimer Garten (mehr) ist, ist sie zunächst jedoch sehr enttäuscht. Es gibt noch ein weiteres Rätsel zu lösen. So nimmt sie eines nachts all ihren Mut zusammen und geht dem verzweifelten Schluchzen auf den Grund, das sie immer wieder durch die dunklen Yorkshirer Nächte hört.

Die vor meiner Lektüre dieser Fortsetzung flüchtig gelesenen englischen Buchkritiken waren fast durchwegs positiv, wenn nicht sogar überschwänglich. Mich selber hat diese Fortsetzung etwas zwiespältig zurückgelassen. Das Vorgängerbuch habe ich schon länger nicht mehr gelesen, aber die Fortsetzung erscheint mir sehr ähnlich. Anderes Jahrzehnt, andere Kinder, aber neben dem identischen Handlungsort sind auch die Handlung samt Entdeckung des geheimen Gartens, der Freundschaft zu einem Rotkehlchen sowie die Charaktere der wichtigen Personen teilweise fast identisch. Ich hätte mir neben dem Auftreten von Mary und Dickon als Erwachsene eindeutig mehr neue Ideen und/oder Überraschungen gewünscht. 



Holly Webb: 
Return to the Secret Garden 
Scholastic Children Books, 2015

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