23. April 2009

Endlich gärtnern!

An Sabine Reber und ihren Gartenbüchern scheiden sich die Geister. Diesen Frühling ist bereits ihr drittes Buch zu diesem Thema erschienen, und ich war auch etwas skeptisch nachdem ich die Vorschau gelesen hatte. Ein erstes Durchblättern hat nicht dazu beigetragen mich vom Buch zu überzeugen, im Gegenteil, ich befürchtete aufgrund der Fotos eine Art Selbstdarstellung. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, habe ich auch meine Meinung geändert. Mir – auch einer Autodidaktin in Sachen gärtnern - gefällt Sabine Rebers Schreibstil, und ob nun alle Tipps etwas taugen oder nicht, kann ich nicht vollumfänglich beurteilen. 

„Endlich gärtnern!“ beginnt mit dem Garten-Manifest, welches auch auf Sabine Rebers Internetseite nachzulesen ist. Zwischen der Vermittlung von Grundlagen zu Mist, Kompost, Dünger oder etwas Botanik und Werkzeugen, die ein Gärtner tatsächlich braucht, sind immer wieder persönliche Erfahrungen wie beispielsweise über ihre Lehrjahre als Gartenanfängerin oder den Beginn ihrer Gärtner-Karriere während einem längeren Irland-Aufenthalt, eingestreut. Oder sie beneidet Gartenlaien, die sich in ihrer Unbekümmertheit noch für alles Blühende begeistern, während ein „Fortgeschrittener“ weiss, dass sich ein Kauf nicht lohnt, weil die richtigen Wachstumsbedingungen sowieso nicht mit vernünftigem Aufwand erfüllt werden können. 

Im Kapitel „Pflanzen, die Freude machen“ handelt eine Episode von einer Schnupperstunde (im wahrsten Sinne des Wortes) über die Königslilie, einer Lieblingspflanze der Autorin. Wer ab und zu ihre Webseite besucht, wird einzelne Geschichten schon kennen, aber es ist doch immer schöner, in einem Buch zu lesen! Etwas speziell mutet der Tipp an, im Sommer das Gästebett in den Garten zu tragen... 

Wer nun noch mehr von Sabine Reber lesen möchte: Von Pflanzenkombinationen handelt „Traumpaare im Beet“. Nicht von richtig oder falsch, sondern von Harmonie. Teilweise werden altbekannte Verbindungen empfohlen werden, andere sind eher speziell und originell. Wer kann mit wem verkuppelt oder wer mag gemeinsam alt werden? Aufgelockert werden die Pflanzen-Beziehungsgeschichten durch Paargeschichten aus der Gartenszene im weitesten Sinne. Diese handeln von Claude Monet und Alice Hoschéde, Kaiserin Josephine und Napoleon oder Cäsar und Kleopatra und anderen. Traumhaft sind die Fotos von Marianne Majerus. 

Sabine Reber schreibt auch Romane und Gedichte. Im Roman „Blau“ geht es um die Züchtung einer blauen Rose. Dieses Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich. 



Sabine Reber: 
Endlich Gärtnern! 
Callwey Verlag, 2009 

Traumpaare im Beet (mit Fotos von Marianne Majerus) 
Callwey Verlag, 2007 

Ein Gartenzimmer für mich allein (mit Fotos von Ursel Borstell) 
Callwey Verlag, 2006 

Blau Reclam Verlag, 2001 


19. April 2009

According to Mark

Mark Lamming, verheiratet mit der kultivierten Diana, schreibt eine Biografie über den Autor Gilbert Strong. Seine Recherchen führen ihn nach Dorset, wo dessen Enkelin Carrie ein Gartencenter betreibt. Er erfährt, dass Strong zwei Koffer gefüllt mit Briefen und persönlichen Papieren hinterlassen hat. 

Mark fühlt sich stark zur jungen, weltfremden Carrie hingezogen und fährt immer öfter von London nach Dean Close und übernachtet dort. Carrie ist als Tochter einer egozentrischen Mutter aufgewachsen und sehr jung zuhause ausgezogen. Die unreife Carrie nimmt Marks Verliebtheit nicht wahr, ihr Leben dreht sich nur um Pflanzen und ihr Geschäft. 

Während der Durchsicht der Dokumente kommt Mark zum Schluss, dass ein Gespräch mit Carries Mutter hilfreich für die Verfassung von Strongs Biografie wäre, und er lädt Carrie ein, ihn nach Frankreich zu begleiten. Carrie entschliesst sich nach anfänglichem Widerstand mitzufahren. 

Diana spürt, wie sich ihr Mann verändert. Er fühlt sich zwischen den beiden Frauen hin- und hergerissen. Sein Dilemma ist, dass er Carrie nicht haben und es auch nicht ertragen kann, dass sie einem anderen gehören könnte. Penelope Lively führt den Leser in ihren Büchern – auch in diesem - in Richtungen, wie er sie so oft nicht erwartet. 



Penelope Lively: 
According to Mark 
Penguin Books, 1985

16. April 2009

Gartengeschichten

Eva Demski geht diesem Buch der Frage nach „hat der Garten uns“ oder „haben wir ihn“? In zwanzig Erzählungen beschreibt sie, wie der Garten tröstet, einem zum Heulen oder zum Lachen bringt und Menschen trennt und verbindet. Da gibt es eine Freundin, die sich während der Päonienblüte durch nichts aus dem Garten locken lässt, weil sie keine Sekunde dieses kurzen Ereignisses verpassen möchte. Da wird sogar ein Regenschirm über die zarten Blütenschüsseln gehalten, um diese vor Unwetter zu schützen. 

Die Autorin scheint diese Begeisterung nicht zu teilen, denn wie sie anmerkt, „machen sich die Pfingstrosen das ganze übrige Jahr mit furchtbar viel Grünzeug wichtig und nehmen eine Menge Platz weg“. 

Im Kapitel „Todsünden“ vergleicht sie den Besuch im Gartencenter mit dem nächtlichen Gang zum Kühlschrank. Man weiss, dass beides böse endet, aber es ist wunderbar ... 

Von Marianne, Uwe Johnson, einem Erbstück und einem Briefwechsel handelt eine weitere Aufzeichnung. Nachdem ich nach einigem Kopfzerbrechen (ohne googeln!) und vor Erwähnung der von besagten Marianne geschriebenen Bücher, herausgefunden habe, wer Marianne ist, war ich doch ein ganz kleines bisschen stolz. 

In der letzten Erzählung geht es um nicht immer willkommene Garten-Mitbringsel. Um ungeliebte Weihnachtskakteen, die trotzdem liebevoll gehegt und durchgefüttert werden (müssen). Oder eine Eibe, welche X für die Autorin gepflanzt hat und die sie nun täglich an X denken lässt. Ohne dieses Gewächs wäre X schon lange vergessen. Dank der Eibe wird jeden Tag an X gedacht, wenn auch eher unfreundlich. Anregende Lektüre! Der Text wird aufgelockert durch Bilder von Michael Sowa. 



Eva Demski: 
Gartengeschichten 
Insel Verlag, 2009

13. April 2009

Schnäppchen

Neue, ungelesene Bücher kaufen ist recht kostspielig. Mit etwas Glück und sofern man geduldig warten kann und nicht immer die neuesten Titel sofort besitzen will, lässt sich bei Restsellern immer wieder interessantes aufspüren. 

Im Moment ist zum Beispiel aus dem Residenz Verlag der Titel „Gut im Beet“ von Ursula Buchan günstig erhältlich. Die bekannte Gartenjournalistin erzählt vom eigenen und von fremden Gärten. Das Buch ist sehr schön illustriert und bei Jokers zu weniger als 1/3 des ursprünglichen Preises zu erwerben. 

Bei diesem Online-Verkäufer ebenfalls erhältlich ist der 694seitige Roman „Der Paradiesgarten“ von Eva Maaser. Nach langer Reise von Europa bis Bagdad ums Jahr 1200 herum muss der Benediktinerzögling Christoph einsehen, dass der Garten Eden wohl nicht erreichbar ist. Er kehrt nach Europa zurück und fällt in einen tiefen Schlaf. Viele Jahre später erwacht er und setzt seine Suche nach dem Paradies als Zeitreise fort. Sehr spannend! 

Ein schönes Garten-Lesebuch ist „Von lauschigen Lauben und herzigen Veilchen“ von Helga Panten und der Fotografin Marion Nickig. In rund 45 Texten über Pflanzen wie Pfingstrose, Farn, Mistel u.v.m. folgt der Leser der Autorin durchs Gartenjahr und erfährt allerhand über Entdeckung und Züchtung, Arten und Sorten, Materialien und Verwendung und natürlich gärtnerisches Wissen und viele Tipps. Wie immer eine Augenweide sind die Fotos von Marion Nickig. 

Mehr günstige (Garten-)Bücher unter www.jokers.ch oder www.jokers.de. Die Versandkosten bei diesem Anbieter sind relativ hoch. Es gibt aber regelmässig versandkostenfreie Wochenenden, über welche man sich durch die Newsletter informieren lassen kann.

12. April 2009

Grundkurs Grüner Daumen von Brigitte

Basiswissen in Sachen Gärtnern für Einsteigerinnen und Einsteiger vermittelt der Ratgeber „Grundkurs Grüner Daumen“. 

Der Umschlag beinhaltet gegliedert nach Jahreszeiten einen Fahrplan mit den wichtigsten Arbeiten durch das Gartenjahr. Das erste Drittel des Buches wird „Ideen für schöne Gärten“ und „Ideen für schöne Terrassen und Balkone“ gewidmet. In Kurzportraits mit Fotos werden verschiedene Gartentypen wie Cottagegarten, Familiengarten oder Designergarten vorgestellt. Extratipps zum Thema und jeweils eine Zusammenfassung mit dem Titel „Das macht den Charme aus“ runden das Kapitel ab. 

Weitere Lektionen handeln von Themen wie Einpflanzen und Aussähen, Einmaleins des Gestaltens und einer Uebersicht über die wichtigsten und unverzichtbaren Gartengeräte. Weiter geht es mit Pflanzenkunde: Sommerblumen, Stauden, Zwiebelblumen und Gehölzen. Neben Fotos (hauptsächlich von den Blüten) werden Blütezeit, Höhe, Standortangabe und spezielle Vorlieben und teilweise etwas Geschichte über Herkunft und Verbreitung aufgeführt. 

Wenn eine Pflanze trotz Grundkurs kränkeln sollte, kann im Kapitel „Erste Hilfe fürs Grün“ nach der Ursache gesucht werden. In einem ABC werden Schädlinge, Nützlinge und Krankheiten erklärt. Auch ein Register sowie Adressen und Bezugsquellen am Ende des Buches fehlen nicht. 

Geeignet für Einsteiger, die ein Buch einschlägigen Zeitschriften vorziehen. Für einen tieferen Einstieg ins Thema, wird aber weiterführende Literatur besorgt werden müssen. 



Michael Breckwoldt: 
Grundkurs Grüner Daumen – Die besten Tipps für Garten, Balkon und Terrasse 
Diana Verlag, 2009

9. April 2009

Interessante Begegnungen

Um die Jahrtausendwende begann die Gartenschriftstellerin Diana Ross, sich mit aussergewöhnlichen Leuten aus der Gartenszene zu treffen. Sie besuchte diese zuhause, führte ausführliche Gespräche mit ihnen und liess sich durch deren Gärten führen. Unter den Gesprächspartnern sind bekannte Namen wie Dan Pearson, Beth Chatto und Roy Lancaster. Die Beiträge sind seither regelmässig im englischen Journal „Hortus“ erschienen. Eine Auswahl daraus ist nun im Buch „Gardeners – Encounters with Exceptional People“ veröffentlicht worden. 

Anlässlich der Interviews stellte sich ab und zu heraus, dass die Verbindungen zum grünen Bereich geringer waren, als vorgestellt. So musste die Autorin vom Hortus-Herausgeber David Wheeler gelegentlich daran erinnert werden musste, wenigstens ab und zu eine Pflanze im Text zu erwähnen. Ob jetzt nun genug Blumen gebührend erwähnt werden oder nicht - die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall. Eine Anekdote handelt vom Gärtner Roy Roberts, der ein störendes Unkraut neben der Küchentüre mit einem giftigen Vertilgungsmittel besprayte. Ein paar Tage später erfuhr er, dass die Lady ernsthaft erkrankt sei. Die Köchin verstand überhaupt nicht weshalb, da die Lady nichts als Brennnessel-Suppe gegessen hatte. Das Unkraut war für kulinarische Zwecke angebaut worden... Der Gärtner schwitzte die Angelegenheit aus. Und die Lady wurde wieder gesund. 

 Vielleicht kennt jemand das eine oder andere Buch der Schriftstellerin Penelope Lively (z.B. „Der wilde Garten“, „Das Photo“ oder „According to Mark“? In ihren Romanen kommen immer wieder Gärtner und Gärten vor. Im Interview erfährt man mehr über ihre diesbezüglichen Beweggründe. Sofern sie nicht den Schriftstellerberuf gewählt hätte, wäre sie sicher eine „richtige“ Gärtnerin geworden und keine Dilettantin geblieben (Zitat Penelope Lively). Aus gesundheitlichen Gründen musste sie das Gärtnern inzwischen aufgeben, so dass dieser Bemerkung nicht mehr nachgegangen werden kann. Ihre Bücher jedenfalls haben so viele Preise eingeheimst, dass Penelope Lively auf diesem Gebiet ganz sicher ein Profi ist. 



Diana Ross: 
Gardeners – Encounters with Exceptional People 
Frances Lincoln Ltd, 2008

6. April 2009

Gartenfreundinnen

Auf einer Gartenreise durch bekannte südenglische Gärten wie Hidcote Manor und Sissinghurst Castle haben sich Brigitte Nagiller, die in der Nähe von Wien lebt, und die Südtirolerin Martha Canestrini kennen gelernt. Die beiden blieben nach der Reise per E-Mail in Kontakt und aus einer Urlaubsbekanntschaft ist eine wunderbare Freundschaft entstanden. 

Zu Beginn der elektronischen Korrespondenz überlegt sich Martha Canestrini, alle Reben eines Weinberges auszureissen und einen weiteren Garten anzulegen. Sie liebäugelt mit etwas Japanischem. Darauf protestiert Brigitte Nagiller energisch und fragt die Gartenfreundin, was denn fernöstliche Gartenkultur in Neumarkt verloren hat. 

Neben Berichten aus eigenen und fremden Gärten, Gartentipps und vielen Rezepten gehen im Laufe der Zeit immer mehr persönliche Erlebnisse von einem Computer zum andern. So handeln die launisch verfassten Emails auch immer wieder über Frauenalltag, Falten und das Aelterwerden. Teilweise kommen auch nicht ganz schmeichelhafte Details über die Ehemänner und Söhne ans Tageslicht. Was diese wohl dazu meinen? 

Eine charmante Lektüre. Die beiden Frauen scheinen sich auch immer mal wieder persönlich zu treffen. Gerne hätte ich etwas mehr von dieser Ebene der Freundschaft erfahren. Das Buch erinnert mich an den Titel „Gartengespräche unter Frauen“ von Carol Graham Chudley und Dorothy Field, zwei Nachbarinnen, die sich in den 90er-Jahren regelmässig Gartenbriefe geschrieben haben. 



Brigitte Nagiller und Martha Canestrini: 
Gartenfreundinnen – Männer, Schnecken, Frühlingsblumen 
Orac/Verlag Kremayr und Scheriau KG, 2009

1. April 2009

Gartenglück – Die Kunst des entspannten Gärtnerns

Statt Stätten entspanntem Gärtnerns ähneln viele Gärten eher Kriegsschauplätzen, auf welchen mit chemischen Waffen Schädlinge und Unkräuter bekämpft werden. Eine unnötige Quälerei, wie der bekannte Naturgartenpionier Peter Richard findet. Stattdessen gilt es, die natürliche Dynamik der Natur aufzunehmen und für das Gedeihen im eigenen Garten zu nutzen. 

Die Grundlage dafür wird mit der richtigen Bodenbearbeitung, der Deutung der Zeigerpflanzen und der korrekten Pflanzenwahl gelegt. Und der Gärtner wird ermuntert, den unendlichen Kampf gegen die oben erwähnten Feinde in heitere Gelassenheit umzuwandeln und mit der Natur, statt gegen sie zu arbeiten. Dazu gehört auch, regionale Pflanzensorten vom Markt oder der Wildstaudengärtnerei zu bevorzugen, statt Pflanzen aus hunderten von Kilometern entfernten Gewächshäusern zu kaufen, die Mühe mit dem lokalen Klima haben. 

Mit über dreissig Jahren Gartenerfahrung weiss der Autor, wovon er schreibt. Herausgekommen ist eine Wegleitung mit vielen grossformatigen Fotos, Pflanzentabellen und zahlreichen Tipps. Dazwischen sind philosophische Anregungen von Reto Locher eingestreut. Jedes Kapital endet mit einer Kurzzusammenfassung der wichtigsten vermittelten Aspekte. 

Ein schön gestaltetes Nachschlagewerk, insbesondere das Umschlagbild gefällt mir ausgezeichnet. Schade finde ich einzig, dass etliche Fotos in vollem Sonnenlicht aufgenommen worden sind. 



Peter Richard und Reto Locher: 
Gartenglück – Die Kunst des entspannten Gärtnerns 
Alataverlag, 2008

29. März 2009

Die Tulpe des Bösen

Nach fast 450 spannenden Seiten und vier Leseabenden im Holland Mitte des 17. Jahrhunderts bin ich wieder zurück in der Gegenwart ... 

Rund dreissig Jahre nach dem Tulpenfieber, einer Zeit von riskanten Spekulationen, in welcher viele Holländer ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, wird eines Abends in Amsterdam der Bankier de Koning erstochen. Er ist bereits das zweite Mordopfer innert Wochenfrist, der ein seltenes Blütenblatt in der Hand hält. Dieses ist von einer einer unbekannten Tulpenart mit tiefschwarzen Blüten und blutroten Flecken in Form von Tropfen. 

Ermittlungen, die ihn zu Tulpenfanatikern und Tulpenhassern führen, bringen Inspektor Jeremias Katoen auf die Spur der Tulpe. Das extrem rare und teuflische Gewächs wurde einst im Osmanischen Reich gestohlen. Wer der so genannten Bluttulpe zu nahe kommt, verliert den Verstand und hat nur noch ein Ziel: seinem Leben ein Ende bereiten und seine Seele dem Teufel ausliefern. 

Nun ist diese Tulpe des Bösen, der sich niemand ungestraft nähert, in falsche Hände geraten. Welche Rolle spielen die „Verehrer der Tulpe“, einer Gesellschaft wichtiger Bürger von Amsterdam? Katoen kommt dem Geheimnis um die Tulpenmorde immer näher. Er entdeckt Verbindungen und Verstrickungen von ehrenwerten Bürgern, die gewisse Leute lieber im Dunkeln gelassen hätten und bald ist auch sein Leben in grösster Gefahr. Sehr fesselnde Lektüre mit überraschendem Ausgang und einem Nachwort, das einem mit einer gewissen Erleichterung zurücklässt, weil die Bluttulpe nur der Fantasie des Autors entsprungen ist (falls jemand daran gezweifelt haben sollte). 

Weitere unterhaltsame Titel, die während der Tulpenmanie handeln sind beispielsweise
 - "Tulpenfieber“ von Deborah Moggach 
 - „Tulpenwahn“ von Mike Dash 
 - „Der Tulpenkönig“ von Christie Dickason 
- „Die schwarze Tulpe" von Alexandre Dumas 

Kein Roman, aber ebenso spannend zu lesen und reich illustriert ist „Die Tulpe – Eine Kulturgeschichte“ von Anna Pavord. 



Jörg Kastner: 
Die Tulpe des Bösen 
Knaur Verlag, 2008

24. März 2009

Büchersuche

Als Bookaholic hat man ja nie genügend Bücher (oder meint es jedenfalls). Vor dem Internet-Zeitalter waren vor allem die Register in gelesenen Büchern nützlich oder eben spezielle Gartenbuchführer. Meine ersten Gartenromane habe ich aus dem Werbebüchlein „Gartenbücher“ von Koch, Neff und Oetinger aus dem Jahr 1988. Diese Zusammenstellung war eine schier endlose Fülle dank der ich Beverley Nichols, Jürgen Dahl, Rudolf Borchardt, Marietta Peitz und viele andere Gartenschriftsteller und Gartenschriftstellerinnen entdeckt habe. 

Auf über 200 Seiten stellt „The Gardener’s Reading Guide“ von Jan Dean Gartenbücher geordnet nach Themen wie „How I Did it“, Essays, Anthologies, Plant Hunters, Manuals und viele mehr vor. Unzählige Bücher werden mit Autor, Titel und einer Minibeschreibung aufgeführt und wecken das Verlangen … (nach „Haben“ und Zeit zum Lesen). Der Führer ist zwar schon ziemlich alt, aber viele Bücher sind inzwischen in Nachauflagen oder antiquarisch immer noch erhältlich. 

Eine Zusammenstellung mit Beiträgen aus ausschliesslich unterhaltsamer Gartenliteratur bietet „A Sense of Humus“. Die Kapitel tragen Titel „The Stress of it All“ oder „The Answer lies in the Toil“. 

In der Studie „Garten und Englishness in der englischen Literatur“ von Marie-Luise Egbert wird die englische Gartenbegeisterung aus einer kombinierten literatur- und kulturwissenschaftlichen Perspektive untersucht. Keine einfache Kost, aber ausgestattet mit einer überaus detaillierten Bibliographie. 

Meine derzeitige Lektüre habe ich übrigens durch Eingabe von Stichworten im Internet gefunden und wenn mich mein Riecher nicht völlig im Stich lässt, einen Volltreffer gelandet. Im Moment nur soviel – der Roman handelt von einer Frühlingsblume und passt zur aktuellen Wirtschaftslage. Mehr darüber demnächst an dieser Stelle.



Anthony Diana: 
A Sense of Humus – A Bedside Book of Garden Humour 
Shoal Bay Press, 1997 

Jan Dean: 
The Gardener’s Reading Guide 
Facts on File, 1993 

Marie-Luise Egbert: 
Garten und Englishness in der englischen Literatur 
Universitätsverlag Winter, 2006

18. März 2009

GartenEmotionen

Wenn man sehr viele Bücher liest, kommt es (leider) auch immer wieder vor, dass einem das eine oder andere Buch nicht gefällt. Umso erfreulicher, wenn man dann einen Titel in den Händen hält, der genau das hält, was man sich von ihm versprochen hat. Die Geschichten des Gartenfanatikers Stephan Kirchner sind unterhaltend, wissenswert ohne belehrend zu wirken und vor allem ein Lesevergnügen. 

Vielleicht sind seine Betrachtungen gerade darum so vergnüglich, weil er gemäss eigenen Angaben nicht einmal richtig gerne auf der Scholle arbeitet (entweder ist diese zu hart oder zu matschig oder dann ist das Wetter zu windig oder zu heiss). Jedenfalls gibt’s da eine Erzählung über einen Rasenmäher, der sich selbständig macht und das noch original eingeschweisste Handbuch dazu oder eine Betrachtung über Mode und Geschmacksfestigkeit von Gärtnern und Gärtnerinnen. 

Das Buch wird durch farbige Collagen aufgelockert. Aber unter uns: ich hätte es bevorzugt, auf die Bilder zu verzichten und zwei, drei mehr Geschichten zu lesen. Nicht zuletzt, um zu erfahren, ob es funktioniert hat mit der blauen Rasiercreme und den blauen Rosen. Kurz zusammengefasst ist das Buch eine Lektüre genau nach meinem Geschmack (egal ob die Geschmacksfestigkeit nun beeinflusst wurde oder nicht)! 



Stephan Kirchner: 
GartenEmotionen 
Deutsche Verlags-Anstalt, 2009

14. März 2009

Ben und Kayla und die Suche nach den sieben Medaillons

Die zwölfjährigen Zwillingen Kayla und Ben finden in der Bibliothek ihrer Grossmutter ein Buch über das Schloss, welches sich direkt hinter dem Garten befindet. Neugierig machen sich die beiden Richtung Schloss auf und treffen auf einen Grafen, seine Frau und deren Kinder. Die ganze Familie wurde vor vielen Jahren zu Unrecht verflucht und kann seitdem weder lachen noch sprechen. 

Um den Fluch zu brechen, müssen sieben Medaillons aufgespürt werden. Kayla und Ben treffen auf ihrer abenteuerlichen Suche auf gute und böse Wesen sowie verschiedene Tier- und Pflanzenarten und am Schluss der Erzählung müssen sie für jedes gefundene Medaillon ein passendes Kraut finden. Sie durchqueren einen uralten Gummibaumwald, Höhlenlandschaften und begegnen Pflanzen und Steinen, die auf jede Bewegung reagieren. 

Die Autorin, welche seit einiger Zeit in Australien lebt, hat reale Naturerlebnisse aus diesem Kontinent mit Fantasiewesen wie einem Drachen, Trollen und Gespenstern vermischt. Das Buch wird für Kinder ab 10 Jahren empfohlen. Es ist spannend geschrieben, teilweise sind Problemlösungen aber auch für ein Kinderbuch etwas gar einfach geraten und es hat leider etliche Schreibfehler in der Geschichte. Das ist schade, sollte einem aber nicht vom Lesen abhalten! 



Dorit Wunderlich: 
Ben und Kayla und die Suche nach den sieben Medaillons 
Wagner Verlag, 2008

8. März 2009

Mord, Kamelien und Bücher

Mit dem Krimi „Blumen für die Toten“ ist Maria Masella ein richtiger „Seitenumdreher“ für Liebhaber von Büchern mit einer Prise „Italianità“ gelungen. Auf Italienisch sind bereits sechs Bücher um den Commissario Mariani erschienen und werden sogar demnächst verfilmt. 

Commissario Antonio Mariani erhält anonym diverse Päckchen, in denen jeweils ein Buch, eine Kamelie und eine Fingerkuppe stecken. Diese Sendungen stehen in Zusammenhang mit einer Mordserie in Genua. Schon bald stellt Mariani fest, dass der Serienkiller es auf seine Familie, nämlich seine Frau, seine Tochter und seine Mutter, abgesehen hat. 

Eine kleine Rolle spielt ein Botanikprofessor und ein Buch über die Sprache der Blumen hilft mit, das Rätsel um die Morde zu lösen. Der Anfang des Buches hat mir nicht gefallen, vor allem war mir der Kommissar wegen seiner ausserehelichen Eskapaden ziemlich unsympathisch. Die Geschichte hat mich dann aber immer mehr interessiert, so dass ich das Buch mit Spannung bis zum Ende gelesen habe. Einem Ende, das nicht schon in der Mitte absehbar ist. Ausserdem lernt man Mariani, der den Fall in Ich-Form erzählt, während der Lektüre näher und besser kennen und fühlt mit, wenn die Morde sein persönliches Umfeld immer direkter betreffen. 



Maria Masella: 
Blumen für die Toten 
Wilhelm Goldman Verlag, 2009

6. März 2009

Frech?

Ich verfolge regelmässig die Kolumne von Ute Woltron unter www.derstandard.at. Nun ist nach „Gartenfieber“ wieder einmal eine Sammlung von Geschichten in Buchform erschienen. 

„Menschen sind auch nur Gärtner – Freche Gartengeschichten“ heisst dieser neue Titel. Sie berichtet von Rosenstecklingsjägern und Blattschneidern, plädiert für selber gezogene Tomaten und schwärmt für Stockmalven. Die Geschichten werden jeweils mit einem Tipp abgeschlossen, zum Beispiel mit jenem, wie geplagte Gärtnerhände gereinigt und verwöhnt werden können. Ein Löffel Kristallzucker mit etwas Öl vermischen und die Hände ein paar Minuten mit dieser Mischung reiben. Falls der Frühling dieses Jahr hoffentlich bald einmal endlich eintrifft, wird dieses Rezept sicher mal ausprobiert! 

Witzige und vergnügliche Lektüre über Gartenlust und Gartenfrust. Wieso die Geschichten frech sein sollen, ist mir allerdings nicht ganz klar geworden. 



Ute Woltron: 
Menschen sind auch nur Gärtner – Freche Gartengeschichten
Christian Brandstätter Verlag, 2009

1. März 2009

Dirty Business Mysteries

Mit „The Big Dirt Nap“ hat Rosemary Harris innert Jahresfrist nun schon den zweiten Gartenkrimi veröffentlicht. 

Nachdem Paula Holliday, die im ersten Buch („Pushing up Daisies") ihre Stöckelschuhe gegen Gartenclogs eingetauscht und in Springfield eine Gärtnerei eröffnet hat, während der Restauration der Halycon Gärten, einer lokalen Sehenswürdigkeit, auf eine mumifizierte Leiche stösst, versucht sie im zweiten Band, ihr Einkommen aufzubessern, indem sie für die örtliche Zeitung einen Artikel verfasst. 

Im Hotel Titan steht eine Titan arum, eine Pflanze mit dem grössten unverzweigten Blütenstand der Welt, welcher sieben Jahre bis zum Blühen braucht, kurz davor ihre übel riechende Blüte zu öffnen. Über dieses Ereignis soll Paula einen Beitrag schreiben und verbindet diese Gelegenheit damit, ihre Freundin Lucy zu treffen. Darauf überstürzen sich im Hotel Titan die Ereignisse. Ein Mann, der Paula kurz vorher in der Bar in ein Gespräch verwickelt hat, wird ermordet aufgefunden, Lucy taucht nicht auf und bleibt unerreichbar und die Stinkblume will auch nicht blühen. Die Polizei interessiert sich nicht für Lucys Verschwinden und schon steckt Paula wieder mitten in Ermittlungen. 



Rosemary Harris: 
The Big Dirt Nap 
Minotaur Books, 2009 

Pushing Up Daisies 
Thomas Dunne Books, 2008