29. Januar 2009

Jo-Ann Mapson: Bad Girl Creek-Trilogie

Phoebe de Thomas erbt nach dem Tod ihrer geliebten Tante Sadie eine Blumenfarm und ein Journal. Ihr ganzes Leben schon hat Phoebe mit grossen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Die Erbschaft scheint deshalb nicht sehr passend. Statt aber die Blumenfarm zu verkaufen, nimmt sie drei Mitbewohnerinnen mitsamt Pferd, Papagei und Hund auf, die ihr helfen sollen, die Farm zu betreiben und erfährt bald 40jährig zum ersten Mal in ihrem Leben echte Freundschaft mit allen Höhen und Tiefen.

Zwischen Weihnachtssternen, Valtentinstag-Gestecken und Osterkörben wird abwechselnd aus der Sicht von Phoebe, Nance, Ness und Beryl erzählt. Phoebe verliert am Tag ihrer geplanten Hochzeit den Mann, den sie heiraten will durch einen Unfall. Nach einer lebensgefährlichen Schwangerschaft möchte sie von ihrer Tochter zunächst nichts wissen. Ihr Bruder James heiratet Nance und die beiden verzweifeln fast daran, dass Nance eine Fehlgeburt nach der anderen erleidet. Ness ist HIV-Positiv und pflegt den aidskranken David bis zu seinem Tod. Beryl findet nach Jahren im Gefängnis einen neuen Partner und verlässt als erste die Blumenfarm wieder. Hilfe und Trost finden die Frauen immer wieder in Sadies Journal. 

Die Charaktere sind sehr echt gezeichnet und man glaubt bald, die Frauen tatsächlich zu kennen und würde gerne mal in Bad Girl Creek vorbeischauen… Schade, dass die Bücher nie auf Deutsch übersetzt worden sind. Und vielleicht gibt es ja irgendwann einmal eine Fortsetzung. Ich würde gerne erfahren, wie es den Frauen weiter ergangen ist! 



Jo-Ann Mapson: 
Bad Girl Creek / Along came Mary / Good bye, Earl

24. Januar 2009

Antiquarische Lieblingslektüre

Zu meiner Lieblingslektüre zählen schon seit etlichen Jahren neben Kolumnen-Büchern von Gärtnerinnen und Gärtnern Gartenbücher, die in Romanform geschrieben sind. Während ich Anfang der 90er-Jahre noch in einem Inserat in einer grösseren Gartenzeitschrift Tipps für weitere vergnügliche Lesestunden gesucht habe (und tatsächlich auch etliche erhalten habe), erweitere ich meine Bibliothek heute hauptsächlich durch „googeln“. Das Internet eröffnet einem ja fast unbeschränkte Möglichkeiten - die Suche wird aber leider schwierig, wenn Stichworte wie Garten, Pflanzen oder Gärtner nicht im Buchtitel erscheinen. Einer meiner Favoriten in Sachen unterhaltsame Gartentitel ist Beverley Nichols (1898 – 1983), der es meisterhaft verstanden hat, biographische Gartenromane – gewürzt mit typisch englischem Humor – zu verfassen. Während bei Timber Press in den letzten Jahren seine Gartenbücher neu herausgegeben wurden, sind die deutschen Übersetzungen leider nur noch antiquarisch erhältlich. Der Leser darf keine genauen Pflanzanleitungen erwarten, der eine oder andere Tipp mutet vielleicht etwas seltsam an, und über sein Frauenbild kann man auch geteilter Meinung sein, amüsant sind seine Bücher aber auf jeden Fall. Wenn er etwa seine Mühen beschreibt, Alpenveilchen aus Samen zu ziehen oder sich während einem starken Erdbeben mit dem Gedanken tröstet, dass diese Erschütterungen zu herrlich gesunden Rissen in der neuen Staudenrabatte führen, kann dies jeder Gärtner nachvollziehen. 

Immer mal wieder neu aufgelegt wird das schmale Büchlein „Das Jahr des Gärtners“ des tschechischen Autors Karel Capek (1890 – 1938). Wie bereits der Titel verrät, ist es in monatliche Kapitel unterteilt. Lust und Frust eines Gärtnerlebens wurden mit Schalk und Wissen zu Papier gebracht. So erfahren wir beispielsweise, dass der Gärtner-Mensch ein Produkt der Kultur und keineswegs eine natürliche Entwicklung ist. Sonst würde er nach Ansicht Capeks nämlich ganz anders aussehen: er hätte Beine wie ein Käfer (um nicht hocken zu müssen) und Flügel – wegen der Schönheit und um über den Beeten schweben zu können. Richard Katz (1888 – 1968) ist ein weiterer Schriftsteller und Weltenbummler, der neben Reisebüchern seine Erfahrungen mit Pflanzen veröffentlicht hat. Der Titel „Übern Gartenhag“ beginnt mit dem Kapital „Wie der Garten wurde“, erzählt von „Blumen und Mode“ oder „Allerhand Gartenbüchern“. Der beschriebene Garten lag im Tessin mit Blick auf den Lago Maggiore. Berührend sind seine Notizen über Glyzinien. In der Nachbarschaft schäumten die Gärten von lila Blütenwellen über, während ihm sein Garten kümmerlich vorkam und er vor Neid fast platzte. Also wurden verschiedene Sorten eingepflanzt, und er schaffte extra ein Notizbuch an, um die Fortschritte im Wachstum festzuhalten. Nun, viel einzutragen gab es im ersten Jahr nicht. Nachdem er seine Glyzinien endlich zu kräftigem Wachstum gebracht hatte, übersiedelte er nach Südamerika. Als er nach vielen Jahren genau zur Zeit der Glyzinienblüte ins Tessin zurückkehrte, hatten eben diese Pflanzen seinen Garten unter sich aufgeteilt – bis in die Baumwipfel üppige lila Blüten. Monatelang war er damit beschäftigt, den Glyzinienüberfluss wieder auf ein erträgliches Maß einzudämmen. 

Eine schier unermessliche Fülle von Gartenwissen steckt im Gartenbrevier „Mein grünes Herz“ von Claudine, das erstmals 1964 erschienen ist. Praktische Anleitungen und Tipps werden durch Erfahrungen ergänzt und Geschichten aus der Pflanzenwelt komplettieren die perfekte Gartenlektüre. Weil sich im Buch ein Sachregister befindet, eignet es sich auch zum gelegentlichen Nachschlagen von Informationen. Über die Autorin habe ich leider weder auf dem Buchumschlag noch im Internet mehr erfahren. 

Vor einiger Zeit habe ich in einem Brockenhaus folgenden Titel entdeckt: Beglückender Garten von Claire Hofmann aus dem Jahr 1969. Gemäss Umschlagstext war die Autorin seinerzeit aus dem Fernsehen bekannt und schrieb auch Artikel für die Zeitschrift „Gartenschönheit“. Ein Kapitel widmet sie Empfehlungen von Gräsern, die ja auch heute wieder sehr aktuell sind. Besonders interessiert haben mich die Seiten über ihren Besuch bei Beverley Nichols (vgl. oben) in dessen dritten Garten Sudbrook-Cottage. 

Die Aufzählung könnte leicht erweitert werden um die Bücher von Ernst Heimeran (Grundstück gesucht) oder Eugen Skasa-Weiss (Heitere Botanik) und anderen mehr. Vielleicht hat der eine oder andere Leser Lust bekommen, sich an einem kalten Winterabend das eine oder andere Buch zu Gemüte zu führen oder hat selber Tipps zu Büchern in welchen Gärten oder Gärtner als Romanvorlage dienten oder die Hauptrolle spielen? Solche nehme ich jederzeit gerne entgegen …



PS: Im Brockenhaus steht noch ein weiteres Exemplar von Claire Hofmanns Buch im Regal. 



23. Januar 2009

Gartenkrimis - Krimigärten

Im angelsächsischen Raum wird (noch) mehr als bei uns das so genannte „Armchair-Gardening“ gepflegt. So lassen sich im Internet allerlei Gartenbücher-Listen von Bibliotheken finden, die thematisch gegliedert sind. Es gibt Rubriken wie Romane, Novellen, Gedichte oder eben auch Garden Mysteries, die ich hier mal mit Gartenkrimi übersetze. Einige dieser durchwegs lesenswerten Kriminalromane sind auch ins Deutsche übersetzt worden, und es gibt auch deutschsprachige Autoren, die ihre Protagonisten in grüner Umgebung ermitteln lassen. 

Von Elke Loewe ist mit dem Titel „Schneekamelie“ kürzlich ein vierter botanischer Krimi um Valerie Bloom erschienen. Die kostbare, edle Blume stammt ursprünglich aus St. Petersburg und steht nun in einem Augustenflether Gewächshaus. Eines Morgens ist die einmalige Pflanze verschwunden und mit ihr ein junger Russe, in den sich Valerie verliebt hat. Kurz darauf wird am Fluss eine Leiche gefunden und Valerie Bloom steckt mitten in neuen Ermittlungen. Diese Reihe ist empfehlenswert für alle, die die norddeutsche Landschaft lieben. 

In Augsburg spielt das Buch „Der Tod ist grün“ von Jürgen Sprenzinger. Ein unheimlicher, mysteriöser Killer schlägt brutal und blitzschnell zu. Hauptkommissar Hekli tappt lange im Dunkeln, doch langsam, aber sicher kommt er auf die richtige Spur. Ein merkwürdiges Wesen aus Mensch und Pflanze wird beschrieben, und man fragt sich, ob es hier um unsere Zukunft geht. Nach dieser Lektüre duldet der Leser wahrscheinlich keine Philodendron mehr im Haus … 

Wer lieber Kurzgeschichten liest, ist mit den „Gemüskrimis - Der Mörder ist immer der Gärtner“ aus dem grafit Verlag oder „Mord im Grünen“ (herausgegeben von Busch & Heuner) gut bedient. Da geht es um Pilzgerichte, Kräuterhexen und andere dunkle Seiten der grünen Idylle. Um packende Krimis direkt aus dem Gartenmillieu handelt sich bei den beiden Titeln „Die Wanze“ und „Heisse Spur in Dixies Bar“ von Paul Shipton. Privatdetektiv Wanze Muldoon ist nämlich ein Käfer, der aus Langeweile die Ermittlungen um einen verschwundenen Ohrenkneifer aufnimmt.. Die Geschichten werden in der Ich-Form erzählt und man schaut seine Grashüpfer und Ameisen nach der Lektüre sicher mit anderen Augen an … 

Weitere spannende Lesestunden versprechen auch die folgenden Titel: 
Lydia Adamson: Eine Katze bittet zum Tee 
Carola Dunn: Miss Daisy und der Tod im Wintergarten 
Kate Ellis: Der Knochengarten 
Janet Gleeson: Das Smaragdcollier 
Charlotte MacLeod: Der Balaclava-Bumerang und Der Balaclava-Protz 
Michelle Wan: Die Orchideensammlerin, In tödlicher Absicht, Wer Lügen sät 

Falls es auch englische Bücher sein dürfen, sind die Serien von Jim und Joyce Lavene, Susan Albert Wittig, Ann Ripley, Anthony Eglin, Kate Collins, Heather Webber, Rosemary Harris, John Sherwood oder Janis Harrison empfehlenswert. Bei den Detektiven handelt es mal um eine Gärtnereibesitzerin, einen Botaniker, eine Floristin oder auch mal um eine Präsentatorin einer Fernseh-Gartenshow. Die Sherwood-Bücher sind in den 90er-Jahren auch auf Deutsch erschienen und teilweise gebraucht noch erhältlich; von Janis Harrison wurde ein Buch ins Deutsche übersetzt (Unter der Tollkirsche). 



Dieser Artikel ist bereits früher in der Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde erschienen