2. März 2011

Thoughtful Gardening

Bis zur Kündigung des Zeitungs-Abos habe ich an einer früheren Arbeitsstelle jeweils die Samstagsausgabe der Financial Times erhalten, aus welcher ich regelmässig die Gartenkolumne herausgerissen habe. Die meisten der fein säuberlich abgelegten Artikel stammen von Robin Lane Fox und ich blättere auch heutzutage noch gelegentlich im Ordner und lese mich meistens schnell in den interessanten Glossen fest.

Eine Auswahl aus mittlerweile fast 40 Jahren an wöchentlichen Financial Times-Gartenkolumnen von Robin Lane Fox ist kürzlich unter dem Titel „Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners“ in Buchform erschienen. Aufgeteilt nach Jahreszeiten erfährt man von einem Besuch an der holländischen Börse, wie der Kolumnist dazu kam, seine Ansichten über den richtigen Standort für Schneeglöckchen anzupassen oder über „Sophie’s World“, die nichts mit dem gleichnamigen Buch von Jostein Gaarder zu tun hat. Nicht nur für Eidgenossen lesenswert ist das Kapitel mit der Überschrift „On the Schynige Platte“. Besonders gefallen haben mit die Beiträge über Christopher Lloyd, Rosemary Verey, Valerie Finnis und Arthur Hellyer (Robin Lane Fox’s Vorgänger als Gartenkolumnist bei der Financial Times).

Erstaunlich, dass dies nach 24 Jahren das erste von Robin Lane Fox veröffentlichte Gartenbuch ist. Jedenfalls hat sich das Warten gelohnt. Soweit ich feststellen konnte, ist kein Artikel aus meiner kleinen Kolumnensammlung im Buch abgedruckt. Also werde ich diesen bald 20jährigen „Schatz“ an vergilbten Zeitungsartikeln weiterhin in Ehren halten.



Robin Lane Fox:
Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners
Particular Books, 2010

26. Februar 2011

Und noch ein BUGA-Krimi: Engelskraut

Anlässlich der diesjährigen BUGA in Koblenz ist nun wie kürzlich erwähnt bereits ein zweiter Krimi erschienen. Schon vor der Eröffnung der „Olympiade der Gärtner“ sind wiederholt Giftanschläge auf Blumenbeete in der Stadt verübt worden. Und nun liegt im mit biblischen Gewächsen wie Frauenmantel, Madonnenlilien und Kaukasusvergissmeinnicht bepflanzten Paradiesgarten ein Toter. Von der üppigen Bepflanzung ist auch hier nichts mehr auszumachen. Durch Unkrautvernichtungsmittel ist der Tatort in eine Kahlstelle verwandelt worden. Das verheiratete Mordopfer Jürgen Klaussner führte eine Apotheke, war Mitte vierzig und Vater eines kleinen Jungen.

Kommissarin Franca Mazzari führt mit ihrem Team die Ermittlungen. In Klaussners Computer finden sich beinahe unzählige Chat-Protokolle und eine rege Email-Korrespondenz, die belegen, dass er sich zu Lebzeiten häufig auf einschlägigen Plattformen herumgetrieben hat und ständig auf der Suche nach Bekanntschaften für Blind-Dates war. Liegt das Mordmotiv in den ausserehelichen Affären des Opfers?

Parallel zu den polizeilichen Untersuchungen frischt Franca Mazzari die Bekanntschaft zu ihrer früheren Schulkameradin Milla auf, die sich von einem Mauerblümchen in eine attraktive Frau verwandelt hat. Während Milla von lustigen Episoden aus der gemeinsamen Jungmädchenzeit erzählt, erinnert sich Franca mit zwiespältigen Gefühlen daran. Ihr selber ist im Gedächtnis geblieben, wie die Aussenseiterin Milla immer wieder Gemeinheiten anderer Kinder ausgesetzt war, während sie selber sehr beliebt war und sich in einem grossen eingeschworenen Freundeskreis bewegt hat. Auf ihre eigene Rolle bei diesem Mobbing ist die Kommissarin denn auch alles andere als stolz.

In diesem Gartenkrimi ist nicht nur der Tatort hortikulturell. Der Nachbar des Mordopfers ist ein pensionierter Gärtner und auch Milla übt den Beruf einer Gärtnerin aus. Und es kommen an diversen Stellen der Geschichte ein „Buchgärtner“, Engelskraut, Pflanzengifte, ein Schrebergarten und anderes Grünzeug vor. Ausserdem wird auch einmal kurz „gepottert“, als Francas Tochter der Mutter über Harry Potter und die magische Pflanze Alraune, auch Menschenwurzel genannt, berichtet. Die Lektüre habe ich genossen, obwohl ich das Ende recht früh erahnt und damit auch recht behalten habe.



Gabriele Keiser:
Engelskraut – Ein BUGA-Krimi
Gmeiner-Verlag, 2011

22. Februar 2011

Schöner Mist - Über die Verwandlung in ein Teilzeit-Landei

Nicht nur beim Zeitschriftenhändler, wo immer mehr Zeitschriften rund ums Landleben um Käufer buhlen, wird klar, dass Gemüsegarten und Co. im Trend liegen. Zuletzt habe ich gleich zwei Bücher gelesen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. In ihrem Taschenbuch "Schöner Mist" berichtet Irmgard Hochreither, wie es der Mann an ihrer Seite geschafft hat, sie – eine überzeugte Grossstadtpflanze – in ein Wochenend-Landei zu verwandeln.

Die reiselustige Hamburgerin ist zunächst gar nicht Feuer und Flamme, als ihr Mann von einem günstigen Mietangebot berichtet, das im ehemaligen Zonenrandgebiet liegt. Das uralte Bauernhaus mit viel Umschwung soll in Zukunft als Wochenendbehausung dienen. Schliesslich lässt sich die Autorin zu einem Besichtigungstermin breitschlagen und bereits am darauffolgenden Samstag wird die 122 Kilometer lange Strecke zwischen Wohnung und dem vielleicht künftigen Wochenenddomizil zurückgelegt. Dieser erste Aufenthalt im ländlichen Refugium weckt in der Autorin Kindheitserinnerungen an Ferien im Grünen. Weitere Überredungskünste sind überflüssig - das Ehepaar ist sich einig, den Mietvertrag zu unterschreiben.

Die folgenden Kapitel erzählen von allerhand Getier, Nachbarn, Nachbarschaftshilfe, Klatsch und Tratsch und wieso es plötzlich schwierig ist, sich am Sonntagabend wieder für eine Arbeitswoche vom Teilzeitlandleben zu verabschieden.

Beiläufig erfährt die garteninteressierte Leserin, dass John Seymour’s „Selbstversorgung aus dem Garten“ schon seit Jahrzehnten auf das Bücheregal jedes Stadtflüchtlings gehört Während sich Irmgard Hochreither darüber wundert, dass ihr Gatte ein solches Buch besitzt, ist er schon mit der Planung von Hochbeeten beschäftigt und träumt von Jumbo-Radieschen. An anderer Stelle ist die Rede von einer sanftmütigen Frau (es handelt sich nicht um die Autorin!), die des Nachts im wahrsten Sinne des Wortes einschneidende Massnahmen ergreift, um der Nacktschneckenplage Herr (oder Frau) zu werden. Ansonsten ist wenig Gärtnerisches zu lesen, was aber kein Grund ist, auf die Lektüre zu verzichten!

Das zweite erwähnte Landlust-Buch ist übrigens von Novella Carpenter und heisst „Meine kleine Cityfarm“ – näheres dazu demnächst hier in diesem Blog.



Irmgard Hochreither:
Schöner Mist
Ullstein Buchverlage, 2011

18. Februar 2011

Pflanzenschätze

Aus vielen unterschiedlichen Quellen wie Originaltagebüchern, Reiseaufzeichnungen und auch aus bisher unveröffentlichtem Material aus den Royal Botanic Gardens in Kew hat die bekannte Gartenjournalistin Carolyn Fry eine bibliophile Kostbarkeit zusammengestellt, deren Charme einem liebevoll selbst gestalteten Album gleicht. Das Bilderbuch für Erwachsene ist verschwenderisch illustriert mit Fotografien und botanischen Zeichnungen und enthält Faksimiles von Originaldokumenten wie beispielsweise der ältesten bekannten Landkarte von Kew Gardens. In meiner doch recht umfangreichen Gartenbüchersammlung ist es zweifelsfrei eines der schönsten Bücher und wenn ich eine Stimme bei der Vergabe des Gartenbuch-Preises hätte, müsste ich nicht lange überlegen, welcher Neuerscheinung ich diese geben würde.

Auf etwas mehr als sechzig Seiten bietet das Buch einen umfangreichen Einstieg in die Themen Pflanzenschätze und Pflanzensammler und beginnt nach einem Vorwort mit der ersten verbürgten Pflanzenexpedition ins Goldland Punt und dem Gewürzimport aus Fernost. Weitere der jeweils doppelseitigen Kapitel behandeln die Einführung der Tulpen in die europäischen Gärten und stellen Pflanzensammler wie die Tradescants, Francis Masson, David Douglas und E.H. Wilson vor. In einer geschichtlichen Zusammenfassung über grünes Gold dürfen natürlich auch Namen wie Carl von Linné, Sir Joseph Banks und Joseph Hooker nicht fehlen. Doch nicht nur über die Vergangenheit wird berichtet. Die heutigen Aufgaben der botanischen Gärten und der Millenium-Samenbank sowie die Folgen des Klimawandels werden ebenfalls erläutert und ein Kapitel handelt von den negativen Begleiterscheinungen durch die Verbreitung von invasiven Arten.

Entlang des fliessenden Gewässers in unserer unmittelbaren Umgebung breitet sich das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) jedes Jahr stärker aus. Obwohl die Problematik von Neophyten auch der hiesigen Lokalzeitung immer wieder mal einen Artikel wert ist, gibt es Hobbygärtner, die rund um eben dieses Unkraut an der an ihr Grundstück grenzenden Bachböschung den Boden jäten und die Pflanzen wahrscheinlich sogar noch regelmässig mit Wasser versorgen. Als Entschuldigung mag vielleicht angefügt werden, dass es aber auch ziemlich vergnüglich zu betrachten ist, wie die reifen Samenkapseln bei der kleinsten Berührung in alle Richtungen fliegen!



Carolyn Fry:
Pflanzenschätze
Callwey Verlag, 2010

16. Februar 2011

Martin Edwards: The Cipher Garden oder Die ohne Schuld sind

Zufällig habe ich entdeckt, dass die deutsche Übersetzung des Buches „The Cipher Garden“, das schon länger auf meiner Wunschliste steht, an mir vorbeigegangen ist. Der deutsche Titel lässt im Gegensatz zum Original auch keinen gärtnerischen Inhalt vermuten.

Chief Inspector Hannah Scarlett hat mit ihrem Team einen neuen „Cold Case“ übernommen. Der brutale Mord an einem Landschaftsgärtner ist nie aufgeklärt worden und die Ermittlungen werden nun nach Jahren aufgrund eines anonymen Hinweises wieder neu aufgerollt. Die Befragungen scheinen bald wieder im Sand zu verlaufen, als ein schockierender Selbstmord ein neues Licht auf die Tat und die Beziehungsgeflechte der Dorfbewohner wirft.

Der Historiker und Fernsehautor Daniel Kind wohnt noch nicht lange im Lake District. Seit seinem Umzug aufs Land hat er eine Affinität zum Gärtnern entwickelt. Hat er bis vor kurzem das Wort Brombeeren als Synonym für süsse Obstküchlein und dichte grüne Hecken betrachtet, so sind eben diese Rankpflanzen inzwischen zu seinem Feind Nr. 1 mutiert. Noch mehr beschäftigt ihn aber, einen Sinn hinter dem verrückten, seit Jahren vernachlässigten Garten zu entdecken, den er zusammen mit seinem Cottage erworben hat. Nicht nur die Pflanzenauswahl erscheint merkwürdig, auch die Wegführung ist völlig ziellos.

Auf der Suche nach Lösungen in ihren Fällen und Rätseln kreuzen sich die Wege von Hannah Scarlett und Daniel Kind immer wieder. Die Erzählstränge wechseln häufig ziemlich abrupt. Die Schlussfolgerungen zum Gartenrätsel fand ich nicht so ganz nachvollziehbar und Spannung kommt erst gegen Schluss des Buches auf.



Martin Edwards:
Die ohne Schuld sind
Bastei Lübbe, 2008

12. Februar 2011

Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente

Auf einen Aufruf auf der Webseite des Blumenbüros Holland haben sich verschiedene Menschen entschlossen, ihre schönsten Blumenmomente auf Papier festzuhalten. Fünfzig dieser Einsendungen haben es schliesslich in die Publikation „Glück blüht“ geschafft, die mit einem Vorwort der Schauspielerin Christine Neubauer anfängt. Die einzelnen Erlebnisse sind ebenso verschieden wie das Niveau der Beiträge. So wird schon mal aus einer Paeonia rockii-Hybride kurzerhand eine Rose.

Handelt eine Geschichte, davon wie ein Brautrosenbouquet samt Familie des Bräutigams vor dem Altar vermisst wird (die Trauung ohne Verwandtschaft durchführen, o.k.; aber ohne Braustrauss, nein …), erinnert sich eine andere Erzählerin an die verlockenden Wiesenblumen jenseits des Zauns um eine Internierungslager, denen sie seinerzeit als Fünfjährige nicht widerstehen konnte. Was für eine Geschichte sich wohl hinter der getrockneten Rose versteckt, die in einem alten Buch entdeckt wurde, das auf einer Nachlassversteigerung erworben worden ist? Und vielleicht gelangen auch Sie einmal an eine Floristin, die Ihnen aus Freude darüber, dass Sie den Weg in ihren Blumenladen gefunden haben und weil sie den ganzen Tag über kaum Blühendes verkauft hat, einen Tulpenstrauss schenkt? Berührend sind die positiven Folgen eines kurzen Besuches samt floraler Kreation am Krankenbett eines mürrischen alten Mannes, der seit seiner Jugend als Aussenseiter galt.



Blumenbüro Holland (Hrsg.):
Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente
Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2011

9. Februar 2011

Blogparade – Mein Lieblingsgartenbuch

Garten2null ruft Blogger dazu auf, ihre Lieblingsgartenbücher in einer Gartenblogparade vorzustellen. Das ist gar nicht so einfach – wie soll frau sich entscheiden, wenn Gartenliteratur gemeinhin oder im weitesten Sinn sämtliche Regale füllt?

Einer meiner ersten Blogbeiträge trägt den Titel "Antiquarische Lieblingslektüre". Was ich damals geschrieben habe, hat auch heute noch seine Gültigkeit. Und so vergebe ich den Titel an Beverley Nichols und sein Buch „Green grows the City“. Seine mit typisch englischem Humor gewürzten Gartenromane sind nach wie vor unübertrefflich. Der Leser und die Leserin dürfen keine genauen Pflanzanleitungen erwarten, der eine oder andere Tipp mutet vielleicht etwas seltsam an, und über sein Frauenbild kann man auch geteilter Meinung sein, amüsant sind die Bücher aber auf jeden Fall. Wenn Nichols etwa seine Mühen beschreibt, Alpenveilchen aus Samen zu ziehen oder sich während einem starken Erdbeben mit dem Gedanken tröstet, dass diese Erschütterungen zu herrlich gesunden Rissen in der neuen Staudenrabatte führen, kann dies jeder passionierte Gärtner nachvollziehen. Dieser hier stellvertretend für alle gärtnerischen Nichols-Bücher erwähnte Titel aus dem Jahr 1939 erscheint in diesen Tagen im Schöffling Verlag auf Deutsch unter dem Titel „Grünes Glück – Geschichte eines Gartens“.



Beverley Nichols:
Grünes Glück - Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co, 2011

8. Februar 2011

Noch eine Fortsetzung: Herbal Choices

Den Zugriffen von jenseits des Atlantiks auf mein Blog ist es zu verdanken, dass die Buchvorstellung über den Aufbau von Callie Gardeners Kräutergärtnerei unter den beliebtesten Posts figuriert (siehe Rubrik „Beliebte Post“ und hier).

Nach dem erfolgreichen Start in die Selbständigkeit muss die junge umtriebige Unternehmerin im zweiten Jahr Rückschläge in Kunden- und Umsatzfrequenz verbuchen. Doch mit immer neuen Ideen für Workshops und Events versucht Callie unermüdlich, das Geschäft anzukurbeln.

Inzwischen hat sie ihrem früheren Partner Daniel, der sie kurz vor der Hochzeit wegen einer anderen Frau hat sitzenlassen, verziehen und die beiden sind wieder ein Paar und bereits mit Vermählungsplänen beschäftigt. Doch wie soll Callie reagieren, wenn Daniel von ihr erwartet, zurück in ihre Heimat zu ziehen? Könnte sie ihre „Joyful Heart Herb Farm“ schliessen, wo sie doch dermassen viel Herzblut hineingesteckt hat?

Trotz der prekären finanziellen Lage ist Callie auf Mitarbeiterinnen angewiesen. Nachdem ihre Angestellte Lucy inzwischen aufs College geht, hat die Chefgärtnerin zwei junge Frauen aus einer Amish-Gemeinde eingestellt. Neben dem detaillierten Einblick in eine Kräutergärtnerei erfährt die interessierte Leserin nebenbei auch einiges über Amish-Gärten und wie bereits in „Herbal Beginnings“ runden Kräuterportraits und Rezepte die Lektüre ab.

Ebenfalls analog zum ersten Band passieren in Callies Umfeld immer wieder schreckliche Dinge. Da wären eine bewaffnete Geiselnahme zu erwähnen, Unfälle oder auch ein Anschlag mit Unkrautvernichtungsmittel auf die Gärtnerei, der grossen Schaden anrichtet. Für meinen Geschmack sind etwas gar viele Widrigkeiten in die Geschichte verpackt, aber zumindest finde ich die Entwicklung von Callies Liebesleben nachvollziehbar. Und zum Schluss noch folgender Tipp: es ist empfehlenswert, das Buch nicht mit leerem Magen zu lesen!



Carolee Snyder:
Herbal Choices: A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2010

4. Februar 2011

Hot House Flower und Hothouse Flower

Im Gartenbücherfrühling 2011 erscheinen unter der Kategorie „Belletristik“ gleich zwei verschiedene Romane auf Deutsch, die in der englischen Originalausgabe den gleichen Titel tragen, nämlich „Hothouse Flower“.

Margot Berwins „Hot House Flower“, das ich im Sofagarten bereits im August 2009 vorgestellt habe, erhält in der deutschen Übersetzung keinen neuen Titel. Ich bin schon jetzt gespannt, ob mich die Magie und die Schamanen auch in der deutschen Ausgabe fesseln werden und werde das Buch spätestens als Urlaubslektüre nochmals geniessen!

Der Goldmann Verlag hat für Lucinda Rileys Roman „Hothouse Flower“ den deutschen Titel „Das Orchideenhaus“ gewählt. Ein Gewächshaus, ein Orchideenzüchter, Orchideen und ein bei Renovierungsarbeiten entdecktes altes Tagebuch sind zentrales Thema in der Erzählung. Mehr zum Inhalt berichte ich gelegentlich, sobald ich das Buch fertiggelesen habe. Die Lektüre ist jedenfalls sehr spannend und ich wünschte mir beim Lesen der englischen Ausgabe im Moment Tage mit mehr als 24 Stunden, um schneller zu erfahren wie der Roman endet!



Margot Berwin:
Hot House Flower
Fischer Verlag, 2011

Lucinda Riley:
Das Orchideenhaus
Goldmann Verlag, 2011

31. Januar 2011

Herr Adamson

Der Ich-Erzähler sitzt am Freitag, 22. Mai 2032, einen Tag nach seinem 94. Geburtstag, in einem in Hochblüte stehenden Garten. Er spricht seine schon länger zurückliegenden Erlebnisse mit Herrn Adamson für die Nachwelt auf Band. Freitage haben eine besondere Bedeutung für den Erzähler. Ist heute der richtige Freitag, um zu sterben?

Jahrzehnte vorher, genau an seinem 8. Geburtstag hat der Erzähler diesen Herrn Adamson im riesigen, paradiesischen Garten eines Nachbarhauses kennengelernt. Dieses stand schon länger Zeit leer und der Garten hatte sich in eine blühende, ursprüngliche Landschaft verwandelt. Die Blütenpracht setzte sich ohne Rücksicht auf Jahreszeiten zusammen aus Rosen, Mohn, Oleander, Fuchsien, Azaleen, Thymian und vielen anderen Blumen. Als Navajo-Indianer in die Spurensuche vertieft, erschrickt der Junge zutiefst, als völlig unerwartet Herr Adamson vor ihm steht – um die neunzig Jahre alt, klein, mager mit weissem Kopf und mit Ausnahme von drei leicht gekrümmt in die Höhe ragenden Haaren völlig kahl.

Herr Adamson ist tot. Nur weil der Junge genau in jener Sekunde geboren ist, in welcher der alte Mann gestorben ist, kann er ihn überhaupt sehen. Die beiden spielen zusammen Verstecken. Das harmlose Spiel entwickelt sich bei einer Folgebegegnung zu einem Alptraum, als der Junge herausfinden will, wohin Herr Adamson jeweils verschwindet und er sich in dessen Körperhülle hineinwirft. Können die magische Feder in den Haaren und ein Knochen den Ich-Erzähler beschützen? Zumindest zwei Zwänge bleiben schliesslich von der Begegnung mit von allen guten Geistern Verlassenen zurück: die Sprache der Navajos und ein Drang, jeden Spaten in die Erde zu stecken und zu graben.

Eine ziemlich schräge Reise durch eine Phantasie-Welt, empfehlenswert für alle, die sich nicht von „Vortoten“ und „Untoten“ von der Lektüre abhalten lassen.



Urs Widmer:
Herr Adamson
Diogenes Verlag, 2009 bzw. 2010

27. Januar 2011

Erinnerungen an Christopher Lloyd

Als ich gerade mit der Lektüre dieser Erinnerungen an Christopher Lloyd (1921 – 2006) begonnen hatte, bin ich in der Zeitschrift "Gardens Illustrated" auf eine Auflistung gestossen, in welcher dieses Buch unter den zehn bemerkenswertesten Gartenbuch-Neuerscheinungen 2010 aufgeführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt erschien mir diese Bewertung ziemlich übertrieben. Jetzt, wo ich das Buch zu Ende gelesen habe, kann ich der Auszeichnung beistimmen und finde sie gerechtfertigt.

Christopher Lloyd wird nachgesagt, Leute „gesammelt“ zu haben. Etliche Personen, die dieser speziellen „Kollektion“ angehörten, haben im Buch „Dear Christo“ ihre Erlebnisse und Anekdoten niedergeschrieben. Das Ergebnis ist wohltuender Weise keine Lobhudelei auf einen der einflussreichsten englischen Gärtner der letzten Jahrzehnte, sondern vielmehr eine Lektüre, die aus verschiedenen Blickwinkeln, die vielen verschiedenen Facetten von Christopher Lloyd beleuchtet. Zu dessen riesigem Freundeskreis gehörten Journalisten, Musiker, Komponisten ebenso wie Gärtner, die teilweise gerade durch die Lektüre von Lloyds immer wieder aufgelegtem Standardwerk „The Well-Tempered Garden“ auf diesen Beruf, diese Berufung gestossen sind.

Beiträge für das Buch abgeliefert haben unter vielen anderen Anna Pavord, Alan Titchmarsh, Dan Pearson, Helen Dillon und das Vorwort hat Beth Chatto verfasst. Christopher Lloyd wird als vielschichtige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten beschrieben. Wer seine Gunst einmal verspielt hatte, konnte diese nicht mehr zurückerobern. Legendär sind seine grosszügigen Wochenendeinladungen nach Great Dixter ebenso wie seine ungeschminkte Kritik und seine Kochkünste. Mehr als ein Gast nahm von Lloyds geliebten Hunden ein bissiges Andenken mit nach Hause.



Rosemary Alexander und Fergus Garrett (Hrsg.):
Dear Christo – Memories of Christopher Lloyd at Great Dixter
Timber Press, 2010

23. Januar 2011

Die Gärtnerin und das Geheimnis von St. Walfrid

Céleste Pruvost hat ihre frühe Kindheit auf einem Hof in der Provence verbracht, den ihre Mutter Béatrice und ihr Vater Jean zusammen mit einer Kooperative von Individualisten geführt haben. Von ihren Eltern hat sie nicht nur einen Hang zur Melancholie vererbt bekommen, auch ihre Leidenschaft für Gartengestaltung ist ihr bereits in die Wiege gelegt worden.

Grossväter und Urgrossväter väterlicherseits sind allesamt grosse „Horticulteurs“ gewesen. So ist es nicht verwunderlich, dass Céleste bereits als kleines Mädchen ein ausgeprägtes Interesse für die Arbeit ihres Vaters entwickelte und das Pikieren von zarten Pflänzchen ebenso lernte wie das Veredeln von Kirschbäumen. Ihr Vater war kein Mann grosser Worte und sprach wohl mehr mit seinen Pflanzen als mit seiner Tochter. Doch auch er genoss die Nähe beim gemeinsamen Gärtnern, die ihn von seinen Eheproblemen ablenkte. Béatrice lebte nämlich zwar auf dem gleich Hof, aber räumlich getrennt von ihrer Familie. Die exzessive Drogenkonsumentin wechselte häufig ihre Liebhaber, während sie für Céleste und deren älteren Bruder François kein Interesse zeigte. Als Béatrice sich nach einer Entziehungskur schliesslich definitiv von Jean trennt, verschwindet dieser spurlos. Mit seinem Weggang spaltet sich die Restgruppe auf dem Hof. Der tüchtige Gärtner Jean hatte durch seine beruflichen Fähigkeiten und sein unermüdliches Arbeiten einen wesentlichen Anteil am guten Geschäftsgang des Betriebes und sein Fortgehen hinterlässt eine grosse Lücke. In der Folge werden Céleste und François in ein kleines katholisches Pensionat gesteckt und erleben die Hölle auf Erden.

Im Laufe ihres Lebens findet Céleste immer wieder Freude und Ablenkung in der Beschäftigung mit Pflanzen – als sie im Pfarrhaus aufgenommen wird oder viel später nach einer unglücklichen Ehe, als ihr in Istrien ein Rentner etliche Gärtnertricks und –kniffe beibringt, die ihren Wunsch verstärken, als Gartengestalterin berufliche Befriedigung zu finden. Der Krieg auf dem Balkan durchkreuzt diese Pläne. Kann sie zurück in Frankreich ihre Passion ausleben?

Auf knapp 220 Seiten verpackt die passionierte Gartendesignerin und frischgebackene Autorin Alexandra Jansen eine kurzweilige Lektüre, die in der Lüftung des Geheimnisses von St. Walfrid gipfelt. Ihr ureigenes Geheimnis bleibt, welche Teile des Romans autobiografische Züge aufweisen. Charmant sind die immer wieder auftauchenden französischen Worteinschiebungen. Gelegentlich driftet die Erzählung ins Umgangssprachliche ab und der Zufallsfund auf einem Flohmarkt erscheint mir etwas konstruiert. Nichtsdestotrotz ein lesenswerter Erstling und vielleicht hat die Autorin je genügend Ideen für eine Fortsetzung?

Ein Teil des Romans spielt in Saaregmünd und Umgebung. Vor einiger Zeit sind wir nach einer Woche Hausbootferien in dieser Gegend umhergereist. Schade ergab sich keine Gelegenheit eine Prieuré mit einem dermassen tollen Garten oder den Garten der Autorin zu besuchen! Immerhin bleibt zum Trost der Link zur Webseite der Autorin.



Alexandra Jansen:
Die Gärtnerin und das Geheimnis von St. Walfrid
Geistkirch-Verlag, 2010

19. Januar 2011

Mord im Gurkenbeet

Frühmorgens um kurz vor vier Uhr stolpert die elfjährige Flavia de Luce im Garten von Buckshaw und fällt auf ihre Knie und Hände. Eben noch hätte sie sich nicht gewundert, wenn im silbrigen Licht der Morgendämmerung hinter dem taubesetzten Rosenstrauch ein Einhorn hervorgetreten wäre - nun flucht sie lehmverschmiert vor sich hin. Als sie sich umdreht, entdeckt sie etwas weisses aus dem dem Gurkenbeet ragen. Das weisse Etwas erweist sich bei näherer Betrachtung als männliche Leiche.

Am Abend zuvor hatte Flavias Vater Colonel de Luce einen heftigen Streit mit eben diesem Verstorbenen und wird von der Polizei unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Flavia, die jüngste von drei Schwestern, ist überaus klug und beginnt nach Beweisen für die Unschuld ihres Vaters zu suchen, um die Anschuldigungen zu entkräften. Dabei sind ihre Chemie-Kenntnisse von grossem Nutzen. Während sie immer tiefer in der Vergangenheit herumgräbt, stösst sie allerdings auf Geheimnisse und Ungereimtheiten, die ihren Vater mehr belasten als entlasten.

Mit Ausnahme der Erwähnung von Eukalyptus-Bäumen, die im Gewächshaus gehegt und gepflegt werden und deren Blätter auf ganz Buckshaw als Schutz gegen Erkältung und Grippe versteckt werden und dem Tatort Gurkenbeet spielt das gärtnerische Element im Buch keine Rolle. Voll auf ihre Kosten kommen hingegen Chemie-Interessierte und Philatelisten.

Zur Lektüre passt die DVD mit der BBC-Serie „The Victorian Kitchen Garden“. Die Sendung zum Monat Februar enthält eine Sequenz, die auf einem alten englischen Landsitz aufgenommen wurde. Das gezeigte Labor aus früheren Jahrhunderten dürfte demjenigen von Flavia sehr ähnlich sein.



Alan Bradley:
Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet
Blanvalet, 2010


15. Januar 2011

The Marigold Mafia

Ein Kochrezept-Wettbewerb, in welchem in drei verschiedenen Kategorien die besten vegetarischen Gerichte gesucht werden, bildet den Hintergrund in diesem Krimi. Das erste Kapitel beginnt aber nicht in der Versuchsküche, sondern mit der Besichtigung eines englischen Gartens, wo Lucille Anderson, die sich abseits der Gartenführung bewegt, eine Leiche entdeckt. Statt die Polizei zu informieren, schleicht sich die 45 jährige Amerikanerin weg und überlässt dem Rest der Gruppe das „offizielle“ Entdecken des Tatorts.

Während ein Schrei das Auffinden des Toten bestätigt, überlegt sich Lucille, wie es möglich ist, dass sie, die als Werbebeauftragte einer Firma für biologische Tiefkühlprodukte eine Gartentour mitmacht, um mehr über gesundes englisches Gemüse und ebensolche Früchte zu lernen, schon wieder in einen ausserordentlichen Todesfall verstrickt ist („The Marigold Mafia“ ist das zweite Buch in einer Reihe mit der Hobby-Detektivin Lucille). Ihr Freund und Vorgesetzter Braxton Clark ist denn auch gar nicht erfreut, als er davon erfährt. Und als auch noch seine Schwester Caroline, die mit dem Mordopfer befreundet war, mit Lucille Nachforschungen über den Mord anzustellen beginnt, gerät die Beziehung zwischen Lucille und ihrem Freund erst recht in Schieflage.

Doch wer steckt hinter dem Mord? Ist das Mordmotiv im Zusammenhang mit den geheimnisvollen verschwundenen Samen zu sehen? Samen, für welche Pharmaunternehmen Millionen von Pfund bezahlen würden?



Elisabeth Bastion:
The Marigold Mafia
Gale Cengage Learning, 2009



11. Januar 2011

Im Garten des Lebens und die Farben der Herzen

Vor rund zwei Jahren, kurz bevor ich zu bloggen angefangen habe, habe ich das Buch „Im Garten des Lebens“ (englisch: Suzannah’s Garden) gelesen – eine Geschichte über Frauenfreundschaften vor gärtnerischem Hintergrund. Am Ende der Erzählung eröffnet Susannah in der Blossom Street einen Blumenladen. Gleich neben ihrem Geschäft befindet sich ein kleiner Strickladen, dessen Besitzerin Lydia in Ich-Form durch einen der drei Erzählstränge dieses Folgebandes mit dem Titel „Die Farben der Herzen“ führt.

Lydia verkauft nicht nur Wolle, sie führt auch regelmässig Strickkurse durch. Im Kurs „Gebets-Schalstricken“ lernen sich die junge Witwe Colette und Alix kennen. Colette erwartet ein Baby und arbeitet in Susannahs Blumenladen. Im Laufe der Lektionen kommen sich die beiden Frauen näher und die Leserin fiebert mit Colette mit, die überzeugt ist, dass der Vater ihres ungeborenen Kindes in Menschenhandel verwickelt ist und kann Alix nachfühlen, die sich für ihre geplante Hochzeit eine kleine Feier wünscht, während ihre künftige Schwiegermütter und eine gute Freundin DAS Fest des Jahres zu organisieren scheinen und ihre Wünsche und Vorstellungen geflissentlich überhören.

Schöne Taschenbücher mit geschmackvollem Cover über sympathische Frauen und ihre Freundschaften! Die Charaktere und Schicksale sind sehr echt beschrieben. Die Bücher haben es problemlos geschafft, dass ich den Computer ausgeschaltet liess und jeweils bis gegen Mitternacht gelesen habe.



Debbie Macomber:
Die Farben der Herzen
Mira Taschenbücher, 2009

Der Garten des Lebens
Mira Taschenbücher, 2009