Kates Eltern planen mit ihren drei Kindern von London weg aufs Land zu ziehen. Hauptgrund für diesen Umzug sind die Schulprobleme von Kate. Das Mädchen ist seit Schuleintritt eine schlechte Schülerin, hat grosse Lernschwierigkeiten und reagiert häufig unbeherrscht und aufbrausend. Wie so oft in letzter Zeit streiten sich Kates Eltern auch während der Besichtigung ihres künftigen Daheims fast ununterbrochen. Das baufällige Objekt ist von einem grossen, völlig verwilderten Garten umgeben. Der Hauskauf ist schnell beschlossene Sache und mit Ausnahme von Kate scheinen alle Familienmitglieder Gefallen an der geplanten Luftveränderung zu finden. Ganz speziell freut sich die Mutter auf einen eigenen Garten.
Während Kate's Start in der neuen Schule einigermassen befriedigend verläuft, sie sich mit der Einzelgängerin Louise anfreundet und auch ihre Geschwister sich gut auf dem Land eingelebt haben, steigen die Spannungen zwischen den Eltern immer mehr an. Diese sind vor allem darauf zurückzuführen, dass der handwerklich unerfahrene Vater die Renovierung der neuen Familienbasis in Eigenregie ausführen will – parallel zum Aufbau seines eigenen Computerunternehmens. Da die Mutter weiterhin in London arbeitet, weil tägliches Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz aufgrund der grossen Distanz nicht in Frage kommt, verbringt diese die Arbeitstage von Montag bis Freitag in der Hauptstadt. Als die Beziehung zwischen den Eltern immer schlechter wird, zieht die Mutter schliesslich auf unbestimmte Zeit weg von ihrer Familie nach London.
Kate glaubt die Ursache der Probleme ihrer Eltern zu sein. Diese Schuldgefühle spornen sie an, endlich lesen und schreiben zu lernen. Gleichzeitig erfährt die Schülerin von Louise, dass der verwilderte Garten um ihr neues Zuhause früher ein reichblühendes Paradies gewesen ist - angelegt, gehegt und gepflegt von Louises krankem Grossvater. In Kate reift der Wunsch, den Garten zu neuem Leben zu erwecken. In ihrem Hinterkopf lauert die Hoffnung, die Mutter zurück zur Familie holen zu können, wenn es ihr in der Schule endlich mal rund läuft. Und träumt die Mutter nicht selber von einem farbenfrohen Blütenparadies? Von Louises Grossvater erfährt Kate unschätzbare Informationen über Blumen, die früher im Garten geblüht haben, über den Verlauf der Wege und sein altes Gartenbuch inspiriert sie sogar, selber Notizen über ihre Tätigkeiten im Garten festzuhalten.
Paul May:
Greenfingers
Corgi Yearling Books, 2002
4. September 2011
1. September 2011
Franziska Steinhauer: Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Die kürzlich im Spreewald erworbenen frisch gepflanzten riesigen Bäume haben erst wenig Zeit gehabt, ihre Wurzeln im Boden des Branitzer Schlossparks von Fürst Pückler-Muskau auszubreiten, als ein schweres Unwetter durch die Gegend fegt. Ob die Halteseile und Metallanker den Flachwurzlern wohl genügend Halt zu geben vermögen? Beunruhigt schickt der Fürst Tags darauf seine Gärtner aus, um allfällige Sturmschäden festzustellen.
Tatsächlich haben die Stabilisierungsbemühungen nicht überall ausgereicht. Es sind verschiedene Bäume arg in Mitleidenschaft gezogen worden und zahlreiche Äste an- oder ganz abgebrochen. Ein grosses Solitärgehölz ist sogar samt Wurzelwerk aus der Erde gerissen worden. Und als hätte der 80jährige Landschaftsarchitekt, der sich angesichts seines fortgeschrittenen Alters bemüssigt fühlt, die Arbeiten in Branitz zügig voranzutreiben, um das Resultat unbedingt noch erleben zu können, nicht schon genug Ärger wegen den Unwetterschäden im Park, finden seine Gärtner im Wurzelgeflecht eben dieses grossen umgestürzten Baumes die Leiche eines ungefähr 15jährigen rothaarigen Jungen. Der Fürst selber stellt fest, dass dieser ermordet worden ist.
Mit der Untersuchung dieses ungewöhnlichen Todesfalles wird der (über)eifrige preussische Ermittler Hinnerk Renck beauftragt. Schon bald gerät Fürst Pückler-Muskau unter Verdacht und der Polizist konzentriert seine Bemühungen dahingehend, Beweise zu finden, die diese These untermauern. Die Gerüchteküche in Branitz brodelt und es ist die Rede von Baumtrollen und Nachzehrern. Damit er sich wieder in Ruhe der Gestaltung seinen Parks widmen kann, engagiert der Schlossherr schliesslich den Dorflehrer Frieder Prohaska. Er soll denjenigen finden, der den rothaarigen Knaben getötet hat. Eine erste Spur führt Prohaska in ein Nonnenkloster, wo er auf eine Folterkammer stösst.
Erzählt wird in verschiedenen eng miteinander verwobenen Strängen, wodurch die Spannung geschickt gesteigert wird. Der Leser erhält Einblick in die verschiedenen Betrachtungsweisen der Handlung aus Sicht von Fürst Pückler-Muskau, des ermittlenden Lehrers Frieder Prohaska, des preussischen Polizisten Hinnerk Renck und anderen mehr. Wie sind die zwei vergeblich auf Kindersegen hofffenden Dorfbewohnerinnen in die Geschichte verstrickt? Und welche Rolle spielen der Dorfpfarrer und zwei Waisenkinder, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Stiefvater sind?
Regelmässige Blog-Leser erinnern sich vielleicht an die kürzliche Vorstellung eines anderen Fürst-Pückler-Romans mit dem Titel "Der Gartenkünstler". Noch mehr über diese schillernde Figur erfahren Sie in der ebenso interessanten wie informativen Biografie „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff.
Franziska Steinhauer:
Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Gmeiner Verlag, 2011
Tatsächlich haben die Stabilisierungsbemühungen nicht überall ausgereicht. Es sind verschiedene Bäume arg in Mitleidenschaft gezogen worden und zahlreiche Äste an- oder ganz abgebrochen. Ein grosses Solitärgehölz ist sogar samt Wurzelwerk aus der Erde gerissen worden. Und als hätte der 80jährige Landschaftsarchitekt, der sich angesichts seines fortgeschrittenen Alters bemüssigt fühlt, die Arbeiten in Branitz zügig voranzutreiben, um das Resultat unbedingt noch erleben zu können, nicht schon genug Ärger wegen den Unwetterschäden im Park, finden seine Gärtner im Wurzelgeflecht eben dieses grossen umgestürzten Baumes die Leiche eines ungefähr 15jährigen rothaarigen Jungen. Der Fürst selber stellt fest, dass dieser ermordet worden ist.
Mit der Untersuchung dieses ungewöhnlichen Todesfalles wird der (über)eifrige preussische Ermittler Hinnerk Renck beauftragt. Schon bald gerät Fürst Pückler-Muskau unter Verdacht und der Polizist konzentriert seine Bemühungen dahingehend, Beweise zu finden, die diese These untermauern. Die Gerüchteküche in Branitz brodelt und es ist die Rede von Baumtrollen und Nachzehrern. Damit er sich wieder in Ruhe der Gestaltung seinen Parks widmen kann, engagiert der Schlossherr schliesslich den Dorflehrer Frieder Prohaska. Er soll denjenigen finden, der den rothaarigen Knaben getötet hat. Eine erste Spur führt Prohaska in ein Nonnenkloster, wo er auf eine Folterkammer stösst.
Erzählt wird in verschiedenen eng miteinander verwobenen Strängen, wodurch die Spannung geschickt gesteigert wird. Der Leser erhält Einblick in die verschiedenen Betrachtungsweisen der Handlung aus Sicht von Fürst Pückler-Muskau, des ermittlenden Lehrers Frieder Prohaska, des preussischen Polizisten Hinnerk Renck und anderen mehr. Wie sind die zwei vergeblich auf Kindersegen hofffenden Dorfbewohnerinnen in die Geschichte verstrickt? Und welche Rolle spielen der Dorfpfarrer und zwei Waisenkinder, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Stiefvater sind?
Regelmässige Blog-Leser erinnern sich vielleicht an die kürzliche Vorstellung eines anderen Fürst-Pückler-Romans mit dem Titel "Der Gartenkünstler". Noch mehr über diese schillernde Figur erfahren Sie in der ebenso interessanten wie informativen Biografie „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff.
Franziska Steinhauer:
Sturm über Branitz – Ein Fürst-Pückler-Roman
Gmeiner Verlag, 2011
29. August 2011
Karlheinz Glaser: Gelbe Rosen tauscht man nicht
Diese Liebesgeschichte beginnt mit einem kurzen Prolog, der kurz zurückblendet auf ein Ereignis, welches das Leben von Kleopatra völlig auf den Kopf gestellt hat.
Ein halbes Jahrzehnt später hat die junge Frau den schweren Schicksalschlag weitgehend verarbeitet und wieder Tritt gefasst. Es ist Anfang November und sie ist auf dem Weg zu ihrer Mutter. Zu deren Geburtstag möchte sie Blumen mitbringen. In einem Blumengeschäft entscheidet sie sich spontan für eine wunderschöne langstielige gelbe Rose, die ihr der sympathische Verkäufer in Zeitungspapier einwickelt. Als Kleopatra auf der Weiterfahrt an einem Rotlicht anhalten muss, bemerkt sie, dass ihr der Florist ein falsches Paket mitgegeben hat. Statt der perfekten gelben Rose befindet sich nämlich farnartiges Grünzeug in der Verpackung.
Kleopatra fährt zurück zur Gärtnerei, um das Paket zu tauschen. Als sie glaubt, endlich zu ihrer Mutter weiterfahren zu können, springt ihr Auto nicht mehr an. Fügung oder Schicksal? Immerhin bietet ihr der von ihr in Gedanken „Blumenmann“ genannte Verkäufer an, sich um ihren Wagen zu kümmern und sie zu ihrer Mutter zu fahren.
Einfach gestrickte alltagssprachliche Liebesgeschichte ohne besondere Überraschungen mit blumigem Hintergrund.
Karlheinz Glaser:
Gelbe Rosen tauscht man nicht
Books on Demand, 2002
Ein halbes Jahrzehnt später hat die junge Frau den schweren Schicksalschlag weitgehend verarbeitet und wieder Tritt gefasst. Es ist Anfang November und sie ist auf dem Weg zu ihrer Mutter. Zu deren Geburtstag möchte sie Blumen mitbringen. In einem Blumengeschäft entscheidet sie sich spontan für eine wunderschöne langstielige gelbe Rose, die ihr der sympathische Verkäufer in Zeitungspapier einwickelt. Als Kleopatra auf der Weiterfahrt an einem Rotlicht anhalten muss, bemerkt sie, dass ihr der Florist ein falsches Paket mitgegeben hat. Statt der perfekten gelben Rose befindet sich nämlich farnartiges Grünzeug in der Verpackung.
Kleopatra fährt zurück zur Gärtnerei, um das Paket zu tauschen. Als sie glaubt, endlich zu ihrer Mutter weiterfahren zu können, springt ihr Auto nicht mehr an. Fügung oder Schicksal? Immerhin bietet ihr der von ihr in Gedanken „Blumenmann“ genannte Verkäufer an, sich um ihren Wagen zu kümmern und sie zu ihrer Mutter zu fahren.
Einfach gestrickte alltagssprachliche Liebesgeschichte ohne besondere Überraschungen mit blumigem Hintergrund.
Karlheinz Glaser:
Gelbe Rosen tauscht man nicht
Books on Demand, 2002
27. August 2011
Ein Blog-Award und ein paar Gedanken
Während den Schulferien hat mir Chagall einen Blog-Award überreicht und ich habe mich natürlich sehr über diese Anerkennung gefreut. Gleichwohl habe ich hin und her überlegt, ob ich diesen überhaupt annehmen soll, da ich wohl aufgrund der jahrzehntelangen Lektüre des "Beobachters" eine tiefe Abneigung gegen Systeme habe, die nach dem Schneeballprinzip funktionieren und wir bereits als Kinder immer dazu angehalten worden sind, sämtliche Kettenbriefe (egal welches Unglück einem damit angedroht worden ist) im Papierkorb zu entsorgen.
Neben Familie, Job und anderen Verpflichtungen versuche ich tagtäglich möglichst viel Zeit mit Lesen ausfüllen zu können und berichte auch gerne im Sofagarten über die Lektüre. Daneben bin inzwischen recht gewieft, im Internet Bücher zu suchen und zu finden, die in mein Blog passen könnten, verbringe aber bereits damit und mit meiner recht umfangreichen E-Mail-Korrespondenz meistens mein Pensum an Computerzeit, das ich mir mit gutem Gewissen zugestehen mag.
Es bleibt also nicht mehr viel Zeit, regelmässig in anderen Blogs herumzustöbern, geschweige denn an allen Ecken und Enden Kommentare zu hinterlassen. Ausserdem verzichte ich im Sofagarten bewusst darauf, ellenlange Gartenblog-Listen aufzuführen und beschränke mich auf ein paar wenige Web-Tagebücher. Nicht weil mich andere Blogs nicht interessieren, sondern weil ich mich gerne im Gartenblog-Mischmasch informiere, wo unzählige informative Gartenblogs mit ihren aktuellsten Beiträgen zu finden sind. Mir ist durchaus bewusst, dass mein eher anonymes und zurückgezogenes Bloggen nicht nach jedermanns Gusto und teilweise sogar kontraproduktiv ist (das Schneeball-System lässt grüssen …). Aber es ist ja nicht unbedingt schlecht, als Geheimtipp zu gelten, oder? Die steigenden Besucherzahlen und E-Mail-Rückmeldungen sprechen ausserdem eine deutliche Sprache.
Auch aus oben erwähnten Gründen tat ich mich schwer damit zu entscheiden, welchem dritten eher unbekannten Blog ich den Preis weitergeben soll, weshalb ich hiermit – obwohl ich damit gegen die Regeln verstosse – nur zwei Blogs aufführe. Nun, langer Rede kurzer Sinn – ich gebe den Kreativ-Blog-Award hiermit weiter.
Den ersten Award überreiche ich Clara Bauhinia. In ihrem Blog “Cannas und Jakarandas oder ein Garten in Pretoria” berichtet sie nicht nur über ihren südafrikanischen Garten, sondern auch über ihre Erlebnisse mit Nachbarskindern, Automitfahrern und sie veröffentlicht immer wieder feine Rezepte.
Den zweiten Award übergebe ich Klasse im Garten. Hier geht es mit österreichischem Charme und viel Kompetenz ums Garteln und Wiederverwertung. Es lohnt sich übrigens auch regelmässig auf der Facebook-Seite der Bloggerin hereinzuschauen.
Hier sind noch die Regeln:
Das Ziel dieser Aktion ist, dass wir unbekannte, gute Blogs ans Licht bringen. Deswegen würde ich euch bitten, keine Blogs zu posten, die ohnehin schon 3'000 Leser haben, sondern talentierte Anfänger und Leute, die zwar schon eine Weile bloggen, aber immer noch nicht so bekannt sind.
Erstelle einen Post, in dem du das Award-Bild postest und die Anleitung hereinkopierst (=dieser Text). Außerdem solltest du zum Blog der Person verlinken, die dir den Award verliehen hat und sie per Kommentar in ihrem Blog informieren, dass du den Award annimmst und ihr den Link deines Award-Posts hinterlassen.
Danach überlegst du dir 3 - 5 Lieblingsblogs, die du ebenfalls in deinem Post verlinkst und die Besitzer jeweils per Kommentar-Funktion informierst, dass sie getaggt wurden und hier ebenfalls den Link des Posts angibst, in dem die Erklärung steht.
Wir hoffen, ihr nehmt diesen Award an, gebt ihn weiter und freut euch genauso wie ich eben gerade.
24. August 2011
Annette Diekmann-Müller: Blicke ins Grüne – Schreibende Frauen und ihre Gärten von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf
In diesem Buch erfährt der Leser, was Bettina von Arnim, Annette von Droste-Hülshoff, George Sand, Emily Dickinson, Kaiserin Elisabeth von Österreich, Frances Hodgson Burnett, Selma Lagerlöf, Edith Wharton und Virginia Woolf miteinander verbindet. Alle diese verstorbenen Frauen sind nämlich nicht nur wichtige Puzzleteile der Literaturgeschichte, sondern alle neun hatten eine mehr oder weniger intensive Beziehung zu ihrem Garten und zum Gärtnern.
Die Kapitel des Buches „Blicke ins Grüne“ sind allesamt nach dem gleichen Schema aufgebaut. Nach einem Bild oder Foto folgt ein fiktiver Dialog. In diesem Interview wird aus dem literarischen Vermächtnis der entsprechenden Schriftstellerin oder Dichterin die Antwort gegeben auf Fragen zu Lieblingsblumen im Garten und im Haus, Lieblingsplatz im Garten und im Haus und was vollkommenes irdisches Glück bedeutet. Eine Kurzbiografie („Retrospektive“) stellt die Schreiberin und ihr Umfeld vor und im „Herbarium“ werden ausgewählte Texte aus deren Werk passend zum gärtnerischen Hintergrund und zum Blick ins Grüne zitiert. In „Was bleibt?“ wird schliesslich der Frage nachgegangen, was aus dem Garten der schreibenden und gärtnernden Frauen geworden ist.
Von Emily Dickinsons selbstgewählter 35 Jahre andauernder Einsamkeit mögen Sie schon gehört haben. Dass sie für ihre beinahe unzähligen Topfpflanzen sogar ein Bewässerungssystem konstruiert hat, dürfte weniger bekannt sein. Und falls Ihnen bei der Erwähnung von Kaiserin Elisabeth von Österreich unweigerlich Romy Schneider und die Sissi-Filme einfallen, können Sie mit dieser Lektüre ihr Wissen über diese bemerkenswerte Frau vertiefen. Die Liebe zur Natur der Monarchin stammte aus Jugendtagen und kommt in ihren Gedichten immer wieder zum Ausdruck. Haben Sie gewusst, dass die Figur Colin aus dem Buch „Der geheime Garten“ dem früh verstorbenen Sohn der Autorin Frances Hodgson Burnett gewidmet ist? Diese erfolgreiche Schriftstellerin entwickelte sich in den letzten fünfzehn Jahren ihres Lebens zu einer leidenschaftlichen Gärtnerin mit erheblichem Knowhow. Diese und viele weitere Begebenheiten lassen sich in diesem informativen Buch von Annette Diekmann-Müller nachlesen.
Annette Diekmann-Müller:
Blicke ins Grüne – Schreibende Frauen und ihre Gärten von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf
Jan Thorbecke Verlag, 2010
Die Kapitel des Buches „Blicke ins Grüne“ sind allesamt nach dem gleichen Schema aufgebaut. Nach einem Bild oder Foto folgt ein fiktiver Dialog. In diesem Interview wird aus dem literarischen Vermächtnis der entsprechenden Schriftstellerin oder Dichterin die Antwort gegeben auf Fragen zu Lieblingsblumen im Garten und im Haus, Lieblingsplatz im Garten und im Haus und was vollkommenes irdisches Glück bedeutet. Eine Kurzbiografie („Retrospektive“) stellt die Schreiberin und ihr Umfeld vor und im „Herbarium“ werden ausgewählte Texte aus deren Werk passend zum gärtnerischen Hintergrund und zum Blick ins Grüne zitiert. In „Was bleibt?“ wird schliesslich der Frage nachgegangen, was aus dem Garten der schreibenden und gärtnernden Frauen geworden ist.
Von Emily Dickinsons selbstgewählter 35 Jahre andauernder Einsamkeit mögen Sie schon gehört haben. Dass sie für ihre beinahe unzähligen Topfpflanzen sogar ein Bewässerungssystem konstruiert hat, dürfte weniger bekannt sein. Und falls Ihnen bei der Erwähnung von Kaiserin Elisabeth von Österreich unweigerlich Romy Schneider und die Sissi-Filme einfallen, können Sie mit dieser Lektüre ihr Wissen über diese bemerkenswerte Frau vertiefen. Die Liebe zur Natur der Monarchin stammte aus Jugendtagen und kommt in ihren Gedichten immer wieder zum Ausdruck. Haben Sie gewusst, dass die Figur Colin aus dem Buch „Der geheime Garten“ dem früh verstorbenen Sohn der Autorin Frances Hodgson Burnett gewidmet ist? Diese erfolgreiche Schriftstellerin entwickelte sich in den letzten fünfzehn Jahren ihres Lebens zu einer leidenschaftlichen Gärtnerin mit erheblichem Knowhow. Diese und viele weitere Begebenheiten lassen sich in diesem informativen Buch von Annette Diekmann-Müller nachlesen.
Annette Diekmann-Müller:
Blicke ins Grüne – Schreibende Frauen und ihre Gärten von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf
Jan Thorbecke Verlag, 2010
21. August 2011
Der Mörder ist (n)immer der Gärtner – 10 Gartenkrimis
Unter dem Titel „Der Mörder ist (n)immer der Gärtner sind kürzlich zehn Gartenkrimis erschienen. Zwei Frauen und acht Männer lassen hinter Gartenmauern und –hecken blicken, wo nicht nur Blumen um die Wetter blühen, sondern auch das Böse lauern kann. Die Geschichten tragen beispielsweise Titel wie „Der Kontrakt des Gärtners“, „Gartenidylle“, „Tatort Zitronenhügel“ und „Der Brennnesselzüchter“.
Echinacea purpurea ist zwar leicht giftig, dennoch ist der Todesfall einer Teilnehmerin einer Reisegruppe, die bekannte englische Gärten besucht, mitten im Heilpflanzenbeet eher ungewöhnlich. In einem anderen Beitrag lernt man durch die Blume, auf der Hut zu sein, falls man beabsichtigt in eine „Rosenstrasse“ zu ziehen. Dies gilt umso mehr, wenn sämtliche Gärten einheitlich gestaltet und bepflanzt sind. Gerät man nämlich in ein Quartier, das jährlich um den ersten Preis der örtlichen Blumenschmuckaktion kämpft, kann dies mitunter gefährliche Dimensionen annehmen. In eine solche durchgestylte Idylle passen natürlich keine störenden Katzen – ein zermürbender Kleinkrieg ist fast zwangsläufig die logische Folge. Etwas kompliziert und zuweilen mühsam wird es, wenn der Gärtner „Reich“ heisst, aber arm ist und sein Arbeitgeber zwar reich ist, aber „Gärtner“ heisst. Und gibt es tatsächlich so etwas wie Löwenzahnanschläge oder Nachbarn, die einem Wühlmäuse in den Garten aussetzen, in der Hoffnung, diese mögen möglichst grossen Schaden anrichten? Lesen Sie selber – es lohnt sich!
Erich Groeschl/Edwin Haberfellner/Joseph Lemark/Beate Maxian/Harald Mini/Karl Ploberger/Volker Raus/Ernst Schmid/Erich Weidinger/Helga Weinzierl:
Der Mörder ist (n)immer der Gärtner – 10 Gartenkrimis
Verlag Worxboox, 2011
Echinacea purpurea ist zwar leicht giftig, dennoch ist der Todesfall einer Teilnehmerin einer Reisegruppe, die bekannte englische Gärten besucht, mitten im Heilpflanzenbeet eher ungewöhnlich. In einem anderen Beitrag lernt man durch die Blume, auf der Hut zu sein, falls man beabsichtigt in eine „Rosenstrasse“ zu ziehen. Dies gilt umso mehr, wenn sämtliche Gärten einheitlich gestaltet und bepflanzt sind. Gerät man nämlich in ein Quartier, das jährlich um den ersten Preis der örtlichen Blumenschmuckaktion kämpft, kann dies mitunter gefährliche Dimensionen annehmen. In eine solche durchgestylte Idylle passen natürlich keine störenden Katzen – ein zermürbender Kleinkrieg ist fast zwangsläufig die logische Folge. Etwas kompliziert und zuweilen mühsam wird es, wenn der Gärtner „Reich“ heisst, aber arm ist und sein Arbeitgeber zwar reich ist, aber „Gärtner“ heisst. Und gibt es tatsächlich so etwas wie Löwenzahnanschläge oder Nachbarn, die einem Wühlmäuse in den Garten aussetzen, in der Hoffnung, diese mögen möglichst grossen Schaden anrichten? Lesen Sie selber – es lohnt sich!
Erich Groeschl/Edwin Haberfellner/Joseph Lemark/Beate Maxian/Harald Mini/Karl Ploberger/Volker Raus/Ernst Schmid/Erich Weidinger/Helga Weinzierl:
Der Mörder ist (n)immer der Gärtner – 10 Gartenkrimis
Verlag Worxboox, 2011
18. August 2011
Antony Woodward: The Garden in the Clouds – From Derelict Smallholding to Mountain Paradise
Antony Woodward kann eine ziemlich ausgeprägte Sturheit nicht verleugnen. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, scheut er keine Mittel, sein Ziel zu erreichen. Absicht und Zweck des Kaufes eines abgelegenen vernachlässigten Stück Landes mit dem Namen Tair-Ffynnon mit ebenso verkommenem Gebäude im Brecon Beacons National Park war die Gestaltung eines Gartens und – ganz unbescheiden – die Aufnahme in das prestigeträchtige „Yellow Book“. Das Gelbe Buch ist bekanntlich die Bibel bzw. der Führer zu den öffentlichen englischen Gärten, die für gemeinnützige Institutionen Gelder sammeln (National Gardens Scheme Guide). Dabei darf nicht vergessen werden, dass sich die Familie Woodward eine Parzelle in der Höhe von 1200 ft (etwa 370 Meter ü.M.) angelacht hat, was für englische Verhältnisse wohl schon recht nahe am Himmel sein mag. Für den Eintrag im Führer wurde die Höhe übrigens grosszügig (oder schamlos?) auf 1600 ft aufgerundet.
Im Buch „The Garden in the Clouds“ erzählt Woodward vom Versuch, Tair-Ffynnon in einen Garten zu verwandeln und reflektiert gleichzeitig sein zwiespältiges Verhältnis zum Gärtnern. Dieses ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er als Siebenjähriger genau wie sein älterer Bruder auf Familienausflügen aufgefordert wurde, aus gepflegten Gärten Pflanzen zu stibitzen. Die Auftrag gebende querschnittgelähmte Mutter sass derweil am Steuer des Autos und legte nach Erledigung der Besorgung der von ihr gewünschten Pflanzenschätze durch die Jungmannschaft einen jeweils mehr oder weniger erfolgreichen Schnellstart hin.
Die Erzählung ist gespickt mit interessanten, teils haarsträubenden Geschichten. Harmlos ist jene über die Schwierigkeiten, den Kamin endlich richtig zum „ziehen“ zu bringen. Spezieller jene über die Hindernisse, die zu beseitigen und überwinden sind, bis ein ausrangierter baufälliger Eisenbahnwagon – auf ein Gewicht von maximal zwei Tonnen geschätzt, die sich aber effektiv als 20 Tonnen entpuppten – auf dem Hügel einen Platz gefunden hat und nach einer Auffrischung nun seine neue Funktion als Büro erfüllen kann. Das Finden des richtigen Abstellplatzes auf dem Hügel war noch das kleinste Problem, die Organisation des Transportes entpuppte sich als wesentlich kniffliger.
Zwischen solchen Anekdoten sind Gartenbesichtigungen eingestreut, werden Gartenpläne geschmiedet und verworfen, Probleme mit Handwerkern gelöst und Diskussionen und Überzeugungsarbeit in Sachen Aufnahme ins "Yellow Book" geführt. Die sehr kurz angesetzte Zeit (wieso eigentlich?) zwischen Gartengestaltung und Termin des offenen Gartens nimmt teilweise groteske, alptraumhafte Züge an. Werden der Traum einer „Heidi-like“-Alpenwiese und andere gärtnerische Ziele rechtzeitig erreicht werden können?
Antony Woodward:
The Garden in the Clouds – From Derelict Smallholding to Mountain Paradise
Harper Press, 2010
Nachtrag: Direkt vor den Ferien kam ich ziemlich unerwartet zu alten Eisenzäunen, die netterweise sogar gleich ins Haus bzw. in den Garten geliefert wurden. Die Strapazen, die der Autor für den Transport des Eisenbahnwagons auf sich genommen hat, finde ich deshalb aktuell unbedingt nachvollziehbar …
Im Buch „The Garden in the Clouds“ erzählt Woodward vom Versuch, Tair-Ffynnon in einen Garten zu verwandeln und reflektiert gleichzeitig sein zwiespältiges Verhältnis zum Gärtnern. Dieses ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er als Siebenjähriger genau wie sein älterer Bruder auf Familienausflügen aufgefordert wurde, aus gepflegten Gärten Pflanzen zu stibitzen. Die Auftrag gebende querschnittgelähmte Mutter sass derweil am Steuer des Autos und legte nach Erledigung der Besorgung der von ihr gewünschten Pflanzenschätze durch die Jungmannschaft einen jeweils mehr oder weniger erfolgreichen Schnellstart hin.
Die Erzählung ist gespickt mit interessanten, teils haarsträubenden Geschichten. Harmlos ist jene über die Schwierigkeiten, den Kamin endlich richtig zum „ziehen“ zu bringen. Spezieller jene über die Hindernisse, die zu beseitigen und überwinden sind, bis ein ausrangierter baufälliger Eisenbahnwagon – auf ein Gewicht von maximal zwei Tonnen geschätzt, die sich aber effektiv als 20 Tonnen entpuppten – auf dem Hügel einen Platz gefunden hat und nach einer Auffrischung nun seine neue Funktion als Büro erfüllen kann. Das Finden des richtigen Abstellplatzes auf dem Hügel war noch das kleinste Problem, die Organisation des Transportes entpuppte sich als wesentlich kniffliger.
Zwischen solchen Anekdoten sind Gartenbesichtigungen eingestreut, werden Gartenpläne geschmiedet und verworfen, Probleme mit Handwerkern gelöst und Diskussionen und Überzeugungsarbeit in Sachen Aufnahme ins "Yellow Book" geführt. Die sehr kurz angesetzte Zeit (wieso eigentlich?) zwischen Gartengestaltung und Termin des offenen Gartens nimmt teilweise groteske, alptraumhafte Züge an. Werden der Traum einer „Heidi-like“-Alpenwiese und andere gärtnerische Ziele rechtzeitig erreicht werden können?
Antony Woodward:
The Garden in the Clouds – From Derelict Smallholding to Mountain Paradise
Harper Press, 2010
Nachtrag: Direkt vor den Ferien kam ich ziemlich unerwartet zu alten Eisenzäunen, die netterweise sogar gleich ins Haus bzw. in den Garten geliefert wurden. Die Strapazen, die der Autor für den Transport des Eisenbahnwagons auf sich genommen hat, finde ich deshalb aktuell unbedingt nachvollziehbar …
15. August 2011
Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns: Die geheimen Gärten von Amsterdam
Vor unserer Reise nach Amsterdam habe ich zur Einstimmung das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ gelesen. Eigentlich wollte ich hier gar nicht darüber schreiben, sondern einfach die Lektüre geniessen und mir keine Gedanken darüber machen, was und worüber ich in einer Buchvorstellung schreiben könnte. Das habe ich auch fast bis zur Mitte des Buches geschafft, doch dann habe ich die Seiten doch noch mit etlichen Haftzetteln geschmückt, um die Lektüre vorstellen zu können.
Nach dem Vorwort mit dem passenden Titel „Zwischen Grachten, Giebeln und Hortensien“ werden rund dreissig Gärten in den Kapiteln
Besonders interessant fand ich das Portrait „Für alle und doch privat" über einen Garten an einer Seitenstrasse des Overtoom, nicht weit von unserer Amsterdam-Ferienwohnung entfernt. Die Bewohner von sechs aneinander grenzenden Reihenhäusern nutzen den Garten gemeinsam und haben zu diesem Zweck eigens einen Verein gegründet. In notariell beglaubigten Statuten ist festgelegt, wer wann was im Garten tun darf oder muss. Neben der Gemeinschaftsfläche hat jeder Nutzer einen eigenen kleinen und absolut privaten Bereich von 35 Quadratmetern. Die Bewohner kamen in den 1980er Jahren übrigens durch Kraaken (Besetzung) zu ihrem für Amsterdamer Verhältnisse recht grossen Grünraum. Die Inbesitznahme ist längst geregelt und es wird ein Mietzins an die Stadt bezahlt.
Die Autorinnen Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns geben ausserdem Einblick in einen 12 Quadratmeter grossen (Bonsai-)Waldgarten, einen Garten auf dem Pausenhof eines ehemaligen Klosters und sie erzählen von einem Teehaus, das auch schon als Munitionslager gedient hat sowie dem liebevoll dekorierten in blautönen gehaltenen Freiluftzimmer einer ehemaligen Floristin. Letztere hat sogar einen Gartenclub gegründet zwecks Austausch von gemeinsamen Interessen und Pflanzenschätzen und dem Besuch von Gärten und Gartenshows. Um immer mal wieder Platz für die neuen Errungenschaften aus ihren Reisen zu schaffen, veranstaltet diese Frau regelmässig einen Markt (Yard-Sale) für ein ausgewähltes Publikum. Diese Idee muss ich vielleicht im Hinterkopf behalten – die Umsetzung würde sich vielleicht auch dafür eignen, das leidige Platzproblem auf den Bücherregalen zu lösen.
Beeindruckend ist auch der Aufwand, der für die Gestaltung eines anderen Gartens in Kauf genommen wurde. Neun Monate lang wurden Bewilligungen eingeholt, damit für einen Tag ein 54 Meter hoher Kran aufgestellt und die Strasse gesperrt werden konnte. Autos mussten abgeschleppt werden und es wurden 15 Parkplätze belegt, um Abfallcontainer aufzustellen. Das Ergebnis – ein symmetrischer Garten aufgelockert mit farbiger Blumenpracht, darf als gelungen bezeichnet werden.
Ein schönes Buch mit interessanten Texten und tollen Fotos, das man immer wieder gern zur Hand nimmt.
Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns:
Die geheimen Gärten von Amsterdam
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010
Nach dem Vorwort mit dem passenden Titel „Zwischen Grachten, Giebeln und Hortensien“ werden rund dreissig Gärten in den Kapiteln
- Historische Gärten
- Gärten am Wasser
- Gesellige Gärten
- Designer-Gärten
- Ungewöhnliche Gärten und
- Zuflucht Gartenhaus vorgestellt.
Besonders interessant fand ich das Portrait „Für alle und doch privat" über einen Garten an einer Seitenstrasse des Overtoom, nicht weit von unserer Amsterdam-Ferienwohnung entfernt. Die Bewohner von sechs aneinander grenzenden Reihenhäusern nutzen den Garten gemeinsam und haben zu diesem Zweck eigens einen Verein gegründet. In notariell beglaubigten Statuten ist festgelegt, wer wann was im Garten tun darf oder muss. Neben der Gemeinschaftsfläche hat jeder Nutzer einen eigenen kleinen und absolut privaten Bereich von 35 Quadratmetern. Die Bewohner kamen in den 1980er Jahren übrigens durch Kraaken (Besetzung) zu ihrem für Amsterdamer Verhältnisse recht grossen Grünraum. Die Inbesitznahme ist längst geregelt und es wird ein Mietzins an die Stadt bezahlt.
Die Autorinnen Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns geben ausserdem Einblick in einen 12 Quadratmeter grossen (Bonsai-)Waldgarten, einen Garten auf dem Pausenhof eines ehemaligen Klosters und sie erzählen von einem Teehaus, das auch schon als Munitionslager gedient hat sowie dem liebevoll dekorierten in blautönen gehaltenen Freiluftzimmer einer ehemaligen Floristin. Letztere hat sogar einen Gartenclub gegründet zwecks Austausch von gemeinsamen Interessen und Pflanzenschätzen und dem Besuch von Gärten und Gartenshows. Um immer mal wieder Platz für die neuen Errungenschaften aus ihren Reisen zu schaffen, veranstaltet diese Frau regelmässig einen Markt (Yard-Sale) für ein ausgewähltes Publikum. Diese Idee muss ich vielleicht im Hinterkopf behalten – die Umsetzung würde sich vielleicht auch dafür eignen, das leidige Platzproblem auf den Bücherregalen zu lösen.
Beeindruckend ist auch der Aufwand, der für die Gestaltung eines anderen Gartens in Kauf genommen wurde. Neun Monate lang wurden Bewilligungen eingeholt, damit für einen Tag ein 54 Meter hoher Kran aufgestellt und die Strasse gesperrt werden konnte. Autos mussten abgeschleppt werden und es wurden 15 Parkplätze belegt, um Abfallcontainer aufzustellen. Das Ergebnis – ein symmetrischer Garten aufgelockert mit farbiger Blumenpracht, darf als gelungen bezeichnet werden.
Ein schönes Buch mit interessanten Texten und tollen Fotos, das man immer wieder gern zur Hand nimmt.
Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns:
Die geheimen Gärten von Amsterdam
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010
12. August 2011
Es geht weiter mit Sofagärtnern
Die Holland-Ferien gehören schon wieder der Vergangenheit an. Zurück bleiben viele erfreuliche, teilweise auch weniger erfreuliche Erlebnisse. So stellte sich gerade die Rückreise als mühsam heraus, da der von uns gewählte ICE statt wie gemäss Fahrplan nach Frankfurt Hauptbahnhof nur bis zum Flughafen fuhr. Nach noch mehr Umsteigen samt Urlaubsgepäck und Kindern hatten wir zwar in Mannheim Anschluss auf den ursprünglich geplanten ICE Richtung Basel, aber natürlich waren die gebuchten und bezahlten Sitzplätze bereits besetzt … Nun ja, es gibt schlimmeres – aber als speziell kundenfreundlich würde ich es ja nicht bezeichnen, einen Zug vorzeitig zu wenden.
Gerne erinnere ich mich dagegen an den Besuch im kleinen aber feinen Tulpenmuseum an der Prinzengracht in Amsterdam. Dieses bietet auf beschränktem Platz einen erstaunlich umfangreichen Einblick in die Geschichte und Züchtung der Tulpe. Im Museumsshop gibt es (fast) alles zu kaufen, was irgendwie mit der Tulpe in Verbindung gebracht werden kann – neben Tulpenzwiebeln und Tulpengeschirr auch Tulpenservietten, Tulpenseifen, Tulpenbücher, Tulpenfilme usw.
Nicht weit vom Tulpenmuseum entfernt entdeckte die Nachwuchs-Sofagärtnerin an der Lilienstrasse die für mich interessanteste Buchhandlung, die ich in Amsterdam betreten habe. "Architetura + Natura" ist ein Bücherparadies für lesende Gärtner und gärtnernde Leser. Hereingelockt wurde ich nicht durch das ausgestellte Buch aus dem Vertrieb des Verlages, für welchen ich früher tätig war, sondern durch die ausliegenden grossformatigen Gartenbücher. Drinnen habe ich fast unzählige bekannte Buchrücken aus den heimischen Regalen und viele Möchtegern-Objekte von meinem Wunschzettel angetroffen. Dicht an dicht stehend sie dort bis zur Decke hoch – Gartenbücher in englischer und holländischer Sprache.
Mit Ausnahme eines interessanten öffentlichen Gartens in Haarlem und dem vielen häufig bunt bepflanzten Abstandsgrün waren Gärten & Co. kein Thema unserer Urlaubsreise. Nichtsdestotrotz fand ich Gelegenheit, meine Sammlung an fremdsprachigen Ausgaben des Buches „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett um eine schöne holländische Edition zu erweitern und auf dem Albert-Kuyp-Markt hat mich eine DVD über das Eden Project für Euro 3 angelacht. Nun bin ich ich gespannt, ob der Film so interessant ist wie das Buch, das ich vor Jahren einmal über dieses Thema gelesen habe. Ebenfalls eine Entdeckung meiner Tochter war ein Roman über eine englische Botanikerin im viktorianischen Zeitalter.
Mehr über das grüne Amsterdam demnächst an dieser Stelle, wenn ich über das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ berichte, das ich als Reisevorbereitung gelesen habe.
Gerne erinnere ich mich dagegen an den Besuch im kleinen aber feinen Tulpenmuseum an der Prinzengracht in Amsterdam. Dieses bietet auf beschränktem Platz einen erstaunlich umfangreichen Einblick in die Geschichte und Züchtung der Tulpe. Im Museumsshop gibt es (fast) alles zu kaufen, was irgendwie mit der Tulpe in Verbindung gebracht werden kann – neben Tulpenzwiebeln und Tulpengeschirr auch Tulpenservietten, Tulpenseifen, Tulpenbücher, Tulpenfilme usw.
Nicht weit vom Tulpenmuseum entfernt entdeckte die Nachwuchs-Sofagärtnerin an der Lilienstrasse die für mich interessanteste Buchhandlung, die ich in Amsterdam betreten habe. "Architetura + Natura" ist ein Bücherparadies für lesende Gärtner und gärtnernde Leser. Hereingelockt wurde ich nicht durch das ausgestellte Buch aus dem Vertrieb des Verlages, für welchen ich früher tätig war, sondern durch die ausliegenden grossformatigen Gartenbücher. Drinnen habe ich fast unzählige bekannte Buchrücken aus den heimischen Regalen und viele Möchtegern-Objekte von meinem Wunschzettel angetroffen. Dicht an dicht stehend sie dort bis zur Decke hoch – Gartenbücher in englischer und holländischer Sprache.
Mit Ausnahme eines interessanten öffentlichen Gartens in Haarlem und dem vielen häufig bunt bepflanzten Abstandsgrün waren Gärten & Co. kein Thema unserer Urlaubsreise. Nichtsdestotrotz fand ich Gelegenheit, meine Sammlung an fremdsprachigen Ausgaben des Buches „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett um eine schöne holländische Edition zu erweitern und auf dem Albert-Kuyp-Markt hat mich eine DVD über das Eden Project für Euro 3 angelacht. Nun bin ich ich gespannt, ob der Film so interessant ist wie das Buch, das ich vor Jahren einmal über dieses Thema gelesen habe. Ebenfalls eine Entdeckung meiner Tochter war ein Roman über eine englische Botanikerin im viktorianischen Zeitalter.
Mehr über das grüne Amsterdam demnächst an dieser Stelle, wenn ich über das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ berichte, das ich als Reisevorbereitung gelesen habe.
26. Juli 2011
Lesepause...? Schreibpause...? Blogpause...!
Wie üblich mache ich Ende Juli/Anfang August (Vor-)Blogpause. Ungefähr Mitte August erscheint die nächste Buchvorstellung. Näheres zu den nächsten Rezensionen findet ihr unter der Blog-Rubrik „Zuletzt gelesen, angehört und angesehen“. Und falls ihr für die Urlaubslektüre noch den einen oder anderen hortikulturellen Lesetipp braucht, wisst ihr ja, wo es eine grosse Auswahl an Empfehlungen gibt.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sommer und natürlich viel Zeit und Musse zum Lesen und die dazu passenden interessanten und spannenden Bücher!
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sommer und natürlich viel Zeit und Musse zum Lesen und die dazu passenden interessanten und spannenden Bücher!
22. Juli 2011
Dorothy St. James: Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery
Cassandra Calhoun, genannt Casey, hat einen wichtigen Auftritt vor sich: die junge ambitionierte Gärtnerin soll ihr neues Kultivierungsprogramm für die Anlagen rund ums Weisse Haus vor einem Ausschuss und vor der Präsidentengattin Mrs Bradley präsentieren. Das Konzept basiert auf biologischen Grundsätzen. Caseys hortikulturelles Interesse haben ihre Grossmutter und Tanten, die sie in Charleston grossgezogen haben, geweckt. Ausserdem betrachtet sie sich – qualifiziert durch die Lektüre von unzähligen Krimis – als junge Ausgabe von Miss Marple. Bevor die Gärtnerin ihre Pläne vorstellen kann, wird sie im Garten von einem Unbekannten attackiert, der unbehelligt fliehen kann. Als Casey gleichentags auf dem Gelände ihres Arbeitsplatzes eine tote junge Frau entdeckt, findet sich die junge Gärtnerin unvermittelt selber in einem Kriminalfall wieder.
Weshalb wurde sie selber hinterrücks niedergeschlagen? Trotz gegenteiligen Anweisungen des Secret Services steckt Casey ihre Nase in der Folge immer wieder in Angelegenheiten, die sie nichts angehen. Dies umso mehr, da sie der Meinung ist, dass der Secret Service in die falsche Richtung ermittelt. Was für eine Rolle in Caseys Ermittlungsdrang spielt ein Gewaltverbrechen in ihrer Kindheit? Die Gärtnerin muss feststellen, dass das Lesen von Kriminalromanen sie nicht auf die reale Konfrontation mit einem Tötungsdelikt vorbereitet hat.
„Flowerbed of State“ ist wieder einmal ein Gartenkrimi, der diese Bezeichnung verdient. Der Lesespass wird immer wieder mit botanischen Informationen aufgelockert. Etwa mit jener, dass die Rosen im Garten des Weissen Hauses wie einjährige Pflanzen gezogen werden. Ein Umstand, der Casey ein Dorn im Auge ist und der im Rahmen ihres neuen Kultivierungsprogrammes verändert werden soll. Der Roman schliesst mit einem Einblick in Caseys Gartennotizbuch und einer Anleitung zum Ziehen von Ananaspflanzen ab.
Obwohl gewisse Zusammentreffen der Gärtnerin mit der First Lady und insbesondere Caseys Rolle und Wichtigkeit gelegentlich etwas übertrieben und eher unglaubwürdig anmuten, durchaus eine lesenswerter Gartenkrimi.
Dorothy St. James:
Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery
Berkley Prime Crime, 2011
Weshalb wurde sie selber hinterrücks niedergeschlagen? Trotz gegenteiligen Anweisungen des Secret Services steckt Casey ihre Nase in der Folge immer wieder in Angelegenheiten, die sie nichts angehen. Dies umso mehr, da sie der Meinung ist, dass der Secret Service in die falsche Richtung ermittelt. Was für eine Rolle in Caseys Ermittlungsdrang spielt ein Gewaltverbrechen in ihrer Kindheit? Die Gärtnerin muss feststellen, dass das Lesen von Kriminalromanen sie nicht auf die reale Konfrontation mit einem Tötungsdelikt vorbereitet hat.
„Flowerbed of State“ ist wieder einmal ein Gartenkrimi, der diese Bezeichnung verdient. Der Lesespass wird immer wieder mit botanischen Informationen aufgelockert. Etwa mit jener, dass die Rosen im Garten des Weissen Hauses wie einjährige Pflanzen gezogen werden. Ein Umstand, der Casey ein Dorn im Auge ist und der im Rahmen ihres neuen Kultivierungsprogrammes verändert werden soll. Der Roman schliesst mit einem Einblick in Caseys Gartennotizbuch und einer Anleitung zum Ziehen von Ananaspflanzen ab.
Obwohl gewisse Zusammentreffen der Gärtnerin mit der First Lady und insbesondere Caseys Rolle und Wichtigkeit gelegentlich etwas übertrieben und eher unglaubwürdig anmuten, durchaus eine lesenswerter Gartenkrimi.
Dorothy St. James:
Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery
Berkley Prime Crime, 2011
19. Juli 2011
Unser Garten Eden (DVD)
„Unser Garten Eden“ lautet der Titel der von Mano Khalil verfilmten Schrebergartengeschichten (CH-Dialekt mit Untertiteln) aus Bümpliz im Kanton Bern. Ob in diesen kleinen abgegrenzten vermeintlichen Paradiesen alles im grünen Bereich ist? Lassen sich Probleme am Arbeitsplatz oder in der Beziehung beim Eingang zu den Pünten abstreifen? Nicht völlig. Auf relativ engem Raum treffen in Kleingartenanlagen unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen aufeinander, womit genügend Zündstoff für Reibereien und grössere Streitigkeiten gegeben ist. Der Film handelt denn auch weniger von den Tätigkeiten rund ums Gärtnern sondern von den Menschen aus rund 20 Nationen, welche den Boden der 148 Parzellen bearbeiten.
Der umtriebige Präsident des Kleingartenvereins sieht sich immer wieder unvermittelt im Kreuzfeuer von konträren Ansichten, Improvisationstalenten, Ordnung und Einhalten von Regeln. Wenn er bewaffnet mit Messband und Vorschriften zusammen mit anderen Mitgliedern des Vorstandes durch die Gärten streift und kontrolliert, ob alle Vorgaben wie beispielsweise Grösse der Gartenhäuser eingehalten werden, sind Konflikte vorprogrammiert. Auch die im Film immer wieder ersichtlichen Tafeln mit Hinweisen und Verboten scheinen wohl gemäss Meinung einiger Schrebergärtner eher der Dekoration zu dienen oder werden als Schikane empfunden.
Der Film ist ein interessantes Abbild der heutigen Schweiz auf kleinstem Raum – Multi-Kulti-Geschichten mit hortikulturellem Hintergrund. Einzelne Portraits von Püntikern lassen den Betrachter betroffen und berührt zurück, andere Szenen lassen einen den Kopf schütteln. Nachdenklich macht den Zuschauer beispielsweise, wenn ein Italiener nach über vierzig Jahren in der Schweiz resigniert feststellt, weniger zu haben als seinerzeit in seinem Heimatland und der Garten ihm hauptsächlich dazu dient, nicht ständig über verpasste Chancen oder Fehlentscheidungen nachzugrübeln. Eher grotesk muten die Filmsequenzen an, bis der „Säuli-Tempel“, ein Spanferkel-Grill, endlich eingeweiht werden kann.
Unbedingt sehenswert!
Film von Mano Khalil:
Unser Garten Eden
Pelican Films, 2010
Der umtriebige Präsident des Kleingartenvereins sieht sich immer wieder unvermittelt im Kreuzfeuer von konträren Ansichten, Improvisationstalenten, Ordnung und Einhalten von Regeln. Wenn er bewaffnet mit Messband und Vorschriften zusammen mit anderen Mitgliedern des Vorstandes durch die Gärten streift und kontrolliert, ob alle Vorgaben wie beispielsweise Grösse der Gartenhäuser eingehalten werden, sind Konflikte vorprogrammiert. Auch die im Film immer wieder ersichtlichen Tafeln mit Hinweisen und Verboten scheinen wohl gemäss Meinung einiger Schrebergärtner eher der Dekoration zu dienen oder werden als Schikane empfunden.
Der Film ist ein interessantes Abbild der heutigen Schweiz auf kleinstem Raum – Multi-Kulti-Geschichten mit hortikulturellem Hintergrund. Einzelne Portraits von Püntikern lassen den Betrachter betroffen und berührt zurück, andere Szenen lassen einen den Kopf schütteln. Nachdenklich macht den Zuschauer beispielsweise, wenn ein Italiener nach über vierzig Jahren in der Schweiz resigniert feststellt, weniger zu haben als seinerzeit in seinem Heimatland und der Garten ihm hauptsächlich dazu dient, nicht ständig über verpasste Chancen oder Fehlentscheidungen nachzugrübeln. Eher grotesk muten die Filmsequenzen an, bis der „Säuli-Tempel“, ein Spanferkel-Grill, endlich eingeweiht werden kann.
Unbedingt sehenswert!
Film von Mano Khalil:
Unser Garten Eden
Pelican Films, 2010
16. Juli 2011
Liv Winterberg: Vom anderen Ende der Welt
Wer sich schon eingehend mit einschlägiger Literatur über Pflanzenjäger beschäftigt hat, ist mit einiger Sicherheit auch schon auf den Namen der französischen Botanikerin Jeanne Baret gestossen, die 1768 an Bord eines von Kapitän Bougainville (Bougainvillea/Drillingsblume) befehligten Schiffes als Mann verkleidet Richtung Südpazifik in See stach. Nur in dieser Verkleidung konnte sie als Frau wissenschaftlich tätig sein. Eben diese Täuschung bildet den Rahmen für den Roman „Vom anderen Ende der Welt“ von Liv Winterberg.
Nach dem Tod ihres Vaters soll Mary Linley verheiratet werden. Der jungen Frau sind von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, umfangreiche botanische Kenntnisse vermittelt worden. Und so träumt Mary davon, die weite Welt zu erkunden. Um diese Pläne verwirklichen und die drohende Eheschliessung verhindern zu können, bewirbt sie sich als Mann verkleidet um eine Stelle an Bord der „Sailing Queen“, die im Juli 1785 in Plymouth ablegen soll. Da kurzfristig die Stelle eines Zeichners neu zu besetzen ist, überwindet Mary diese erste Hürde und kann an der Expedition Richtung Südpazifik teilnehmen.
Ihr Tauschmanöver bleibt nicht lange unentdeckt. Bereits nach knapp einem Monat fliegt ihre Tarnung auf. Wie reagieren der Botaniker Sir Carl Belham und der Kapitän darauf, von einer Frau derart an der Nase herum geführt worden zu sein?
Der Roman ist gut lesbar, aber nicht besonders spannend. Interessant sind insbesondere die detailreichen Einblicke in das beschwerliche Leben auf einem Entdeckerschiff vor rund 200 Jahren.
Liv Winterberg:
Vom anderen Ende der Welt
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011
Nach dem Tod ihres Vaters soll Mary Linley verheiratet werden. Der jungen Frau sind von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, umfangreiche botanische Kenntnisse vermittelt worden. Und so träumt Mary davon, die weite Welt zu erkunden. Um diese Pläne verwirklichen und die drohende Eheschliessung verhindern zu können, bewirbt sie sich als Mann verkleidet um eine Stelle an Bord der „Sailing Queen“, die im Juli 1785 in Plymouth ablegen soll. Da kurzfristig die Stelle eines Zeichners neu zu besetzen ist, überwindet Mary diese erste Hürde und kann an der Expedition Richtung Südpazifik teilnehmen.
Ihr Tauschmanöver bleibt nicht lange unentdeckt. Bereits nach knapp einem Monat fliegt ihre Tarnung auf. Wie reagieren der Botaniker Sir Carl Belham und der Kapitän darauf, von einer Frau derart an der Nase herum geführt worden zu sein?
Der Roman ist gut lesbar, aber nicht besonders spannend. Interessant sind insbesondere die detailreichen Einblicke in das beschwerliche Leben auf einem Entdeckerschiff vor rund 200 Jahren.
Liv Winterberg:
Vom anderen Ende der Welt
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011
13. Juli 2011
Elisabeth Tova Bailey: The Sound of a Wild Snail Eating
Gärtner sind meistens nicht besonders gut auf Schnecken zu sprechen. In Zeitschriften, Büchern und Gartenforen findet man fast unzählige Tipps, wie man (Nackt-)Schnecken davon abhält, Salat, Hostas und andere ihrer Lieblingsfresspflanzen zu vertilgen. Wie kommt es also dazu, dass eine junge Amerikanerin sich intensiv mit „Hüüsli-Schnägge“ beschäftigt und schliesslich ein Buch darüber schreibt?
Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.
Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.
Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.
Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.
Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
Elisabeth Tova Bailey:
The Sound of a Wild Snail Eating
Algonquin Books of Chapel Hill, 2010
Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.
Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.
Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.
Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.
Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
Elisabeth Tova Bailey:
The Sound of a Wild Snail Eating
Algonquin Books of Chapel Hill, 2010
10. Juli 2011
Auerbach & Keller: Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergartenkrimi
Beim Googeln mit den Stichwörtern „Schrebergarten“ und „Krimi“ bin ich auf das Buch „Unter allen Beeten ist Ruh“ des Autorenduos Auerbach & Keller gestossen. Das hätte ich auch einfacher haben können – mittlerweile habe ich es nämlich in verschiedenen Buchhandlungen ebenfalls entdeckt.
Pippa Bolla – eine ihr nicht gerade wohlgesinnte Geschlechtsgenossin hat sie wie folgt beschrieben: dick, steckt in der Midlifecrisis, kleidet sich geschmacklos, hat lächerliches rotes Haar und blasse Haut – möchte ganz einfach in Ruhe arbeiten. Das Übersetzen von Texten über die Veränderung des Gefieders des Gemeinen Haubentauchers gestaltet sich als nicht ganz einfach, wenn man in Berlin in einer Familien-WG lebt, die sich in einem Mehrfamilienhaus befindet und mit einer Bewohnerschaft aufwartet, die auf Familienanschluss pocht. Da kommt Pippa das Angebot, temporär auf die kleine Havelinsel Schreberwerder zu ziehen und einen Schrebergarten samt Häuschen zu hüten, gerade recht.
So beschaulich wie sich Pippa ihren Aufenthalt im Grünen ausgemalt hat, wird er dann aber nicht. Das liegt nun jedoch nicht an den teilweise mit geschmacklosen und protzigen Dekorationen geschmückten Gärten. Schuld sind auch nicht die unzähligen Skulpturen aus den verschiedensten Materialien, allesamt in X-Form, ab und an immerhin von Rosen umrankt oder von Moos bewachsen, die einen anderen Garten zieren, sondern an der angespannten Stimmung zwischen den teils recht schrulligen Parzellenbesitzern.
Diese Anspannung ist darauf zurückzuführen, dass einer der Eigentümer, der Unternehmer Lutz Erdmann, die gesamte Insel in ein „Hanf-Resort“, einen Ort der Erholung für Allergiker verwandeln will. Seinem Traum vom grossen Coup stehen die meisten Landbesitzer kritisch bis abneigend gegenüber und möchten unter keinen Umständen an Erdmann verkaufen, auch wenn sein Angebot verlockend zu sein scheint. Nach einer „Überzeugungsparty“ wird eine Parzellenbesitzerin tot in ihrem Häuschen aufgefunden. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Während Pippa nicht als einzige dieses Untersuchungsergebnis anzweifelt, ereignet sich bereit ein nächster Unglücksfall.
Die neugierige Pippa fängt an, herumzuschnüffeln und es stellt sich heraus, dass auf der beschaulichen Havelinsel mehr als einer einiges auf dem Kerbholz hat, was er gerne verbergen möchte. So wurde einer wegen gefährlicher Körperverletzung aus der Marine entlassen, ein anderer gilt als Frauenverführer und ein dritter geht illegalen Geschäften nach. Bald wünscht Pippa, sich nur noch auf ihre langweiligen Übersetzungen konzentrieren zu können…
Vergnüglicher Soft-Krimi mit sympathischen Figuren. Ob die angetönten Fortsetzungen auch im Schrebergartenmilieu spielen werden?
Auerbach & Keller:
Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergarten-Krimi
List/Ullstein Buchverlag, 2011
Pippa Bolla – eine ihr nicht gerade wohlgesinnte Geschlechtsgenossin hat sie wie folgt beschrieben: dick, steckt in der Midlifecrisis, kleidet sich geschmacklos, hat lächerliches rotes Haar und blasse Haut – möchte ganz einfach in Ruhe arbeiten. Das Übersetzen von Texten über die Veränderung des Gefieders des Gemeinen Haubentauchers gestaltet sich als nicht ganz einfach, wenn man in Berlin in einer Familien-WG lebt, die sich in einem Mehrfamilienhaus befindet und mit einer Bewohnerschaft aufwartet, die auf Familienanschluss pocht. Da kommt Pippa das Angebot, temporär auf die kleine Havelinsel Schreberwerder zu ziehen und einen Schrebergarten samt Häuschen zu hüten, gerade recht.
So beschaulich wie sich Pippa ihren Aufenthalt im Grünen ausgemalt hat, wird er dann aber nicht. Das liegt nun jedoch nicht an den teilweise mit geschmacklosen und protzigen Dekorationen geschmückten Gärten. Schuld sind auch nicht die unzähligen Skulpturen aus den verschiedensten Materialien, allesamt in X-Form, ab und an immerhin von Rosen umrankt oder von Moos bewachsen, die einen anderen Garten zieren, sondern an der angespannten Stimmung zwischen den teils recht schrulligen Parzellenbesitzern.
Diese Anspannung ist darauf zurückzuführen, dass einer der Eigentümer, der Unternehmer Lutz Erdmann, die gesamte Insel in ein „Hanf-Resort“, einen Ort der Erholung für Allergiker verwandeln will. Seinem Traum vom grossen Coup stehen die meisten Landbesitzer kritisch bis abneigend gegenüber und möchten unter keinen Umständen an Erdmann verkaufen, auch wenn sein Angebot verlockend zu sein scheint. Nach einer „Überzeugungsparty“ wird eine Parzellenbesitzerin tot in ihrem Häuschen aufgefunden. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Während Pippa nicht als einzige dieses Untersuchungsergebnis anzweifelt, ereignet sich bereit ein nächster Unglücksfall.
Die neugierige Pippa fängt an, herumzuschnüffeln und es stellt sich heraus, dass auf der beschaulichen Havelinsel mehr als einer einiges auf dem Kerbholz hat, was er gerne verbergen möchte. So wurde einer wegen gefährlicher Körperverletzung aus der Marine entlassen, ein anderer gilt als Frauenverführer und ein dritter geht illegalen Geschäften nach. Bald wünscht Pippa, sich nur noch auf ihre langweiligen Übersetzungen konzentrieren zu können…
Vergnüglicher Soft-Krimi mit sympathischen Figuren. Ob die angetönten Fortsetzungen auch im Schrebergartenmilieu spielen werden?
Auerbach & Keller:
Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergarten-Krimi
List/Ullstein Buchverlag, 2011
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